William Wallace

William Wallace – Freiheitskämpfer

William Wallace wurde im Jahr 1270 geboren. Er war ein Freiheitskämpfer im 1. Schottischen Unabhängigkeitskrieg von 1296 bis 1328. Doch bereits am 23. August 1305 wurde er in London hingerichtet.

Der Schotte stammte aus dem niederen Adel und war angeblich von imposanter Körpergröße. Man berichtete, er sei über zwei Meter groß gewesen. Weiterhin erzählen die Geschichten, dass er einen mächtigen Zweihänder führte und damit zahllose Feinde niedermähte.

William Wallace errang 1297 einen legendären Sieg gegen eine vierfache Übermacht bei Stirling. Für die Schotten hat er als Symbol für die Freiheit aber eine noch viel größere Bedeutung als Arminius für die Deutschen.

Nachdem das Leben von William Wallace im Jahr 1995 im Film Braveheart verarbeitet wurde, errang die Scottish National Party fast doppelt so viele Stimmen in der darauffolgenden Wahl und wurde Teil der Regierung.

Persönliche Feindschaft des William Wallace

William Wallace stammte aus Elderslie, einem heutigen Vorort von Glasgow. Seine Familie hatte Land und Geld. Als Kind kam er zunächst in ein reiches Kloster bei Paisley, das bereits im 13. Jahrhundert über eine Kanalisation verfügte.

William Wallace Monument bei Sterling
William Wallace Monument (pixabay)

Der Chef des Clans von William Wallace zahlte die Ausbildung in der Abtei. Dort lernte der junge Schotte das Lesen, Schreiben und Theologie. Außerdem kam er in Kontakt mit einem der wichtigsten Männer des Landes – dem Bischof von Glasgow.

Dieser Bischof wurde zum Mentor des jungen William Wallace und gewährte ihm Einblick in die prekäre Situation Schottlands. Der hohe Kleriker sah in dem jungen Edelmann einen potentiellen Anführer, der die Unabhängigkeit der Kirche bei der drohenden englischen Besetzung schützen könnte.

Später sollte es auch dieser Bischof sein, der die Aufstandsbewegung von William Wallace finanziell und materiell unterstützte. Im Jahr 1296 kam es dann zum Einmarsch durch englische Truppen in Schottland.

Doch William Wallace stand nicht von Anfang an im Krieg mit den Engländer. Es war ein persönlicher Zwischenfall in der englische Burgstadt (Royal Burgh) Lanark in Süd-Schottland, der ihn zum Freiheitskämpfer machte.

Die Legende erzählt, dass er dort ein schönes Mädchen names Marion heiraten wollte. Diese wurde angeblich von Engländern getötet. Vielleicht waren es jedoch auch andere Gründe, die zur Eskalation führten.

Auf jeden Fall begab sich William Wallace im Mai 1297 eines nachts zu der Holzburg in Lanark, die ca. 20 Meter oberhalb der Stadt thronte. Dort tötete er den englischen Sheriff William Heselrig. Dann zündete er die Burg an und konnte fliehen.

Erster Schottischer Unabhängigkeitskrieg

Karte der Schlachten im 1. Schottischen Unabhängigkeitskrieg
Schlachten im Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg (ODbL)

Der englische König Edward I. kam im Jahr 1296 mit 35.000 Fußsoldaten und 5.000 Reitern nach Schottland. Zunächst nahm er Berwick an der Westküste ein. Dort kam es zu einem blutigen Massaker und schweren Plünderungen, weil die Stadt heftigen Widerstand geleistet hatte.

Dann zog Edward I. weiter nach Norden. Er schlug am 27. April 1296 die Schotten in der Schlacht bei Dunbar. Der Süden war besetzt und dem ganzen Land drohte die Unterwerfung.

Doch es gelang William Wallace nach dem Zwischenfall in Lanark im Mai 1297 eine Rebellenbewegung gegen die englische Besatzung zu organisieren. Die Rebellen kämpften dabei im Prinzip wie eine Guerillaarmee des 20. Jahrhunderts.

Sie verstärkten ihre Möglichkeiten durch zahlreiche kleine Gefechte und Plünderungen. Die wichtigsten Ziele stellten die vielen Holzburgen (Moat) der Engländer in Schottland dar. Diese waren häufig nur mit wenigen Männern besetzt.

Die schottischen Rebellen belagerten sehr erfolgreich diese kleinen Standorte. Die Bewegung erhielt daraufhin viel Zulauf aus dem ganzen Land. Auch der Adel stellte sich hinter William Wallace, wie beispielsweise der spätere König Robert the Bruce.

Die Reaktion der Engländer ließ jedoch nicht lange auf sich warten. König Edward I. stellte eine Armee auf, um die rebellischen Schotten zu vernichten. Die Armee marschierte nach Norden. Es sollte zu einer historischen Begegnung der beiden ungleichen Streitkräfte kommen.

Schlacht bei der Brücke von Sterling

Die Schotten wussten, dass die Engländer den Fluss Forth überqueren mussten, der zentral Schottland teilt. Sie nutzten dies zu ihrem Vorteil, um die viermal größere Armee ihrer Feinde zu schlagen, die noch dazu über schwere Kavallerie verfügte.

Denn die Männer um William Wallace waren nur Leichtbewaffnete und es drohte eine Disaster. Doch den Schotten gelang ein Meisterstück, indem sie der englischen Armee die Möglichkeit zur räumlichen Entfaltung nahmen.

Während die Engländer von Süden anrückten, versteckten sich die Schotten auf der nördliche Seiten der Brücke bei Sterling in einem sumpfigen Gelände. Historiker und Archäologen haben ermittelt, dass die ursprüngliche Brücke aus römischer Zeit nur wenige Meter flusswärts der heutigen Steinbrücke stand.

Nachdem ein Drittel der feindlichen Kräfte den Engpass überwunden hatte, griffen die Männer von William Wallace an. Die englische Armee reagierte völlig überrascht, weil ein solcher Angriff den Konventionen der Zeit widersprach. Die Schotten hielten sich jedoch nicht an Regeln, die zu ihrer Niederlage geführt hätten. So konnten sie ihren Feinden sehr schwere Verluste zufügen.

Die englische Kavallerie ging deshalb zum Angriff über, um die Schotten niederwalzen. Doch die Männer von William Wallace hatten sich auf eine solche Attacke vorbereitet. Als Antwort hatten sie sehr lange Speere aus jungen, kräftigen Baumstämmen hergestellt. Mit diesen bildeten sie einen Speerwall, einen Schildtron, gegen den feindlichen Kavallerie-Angriff.

Im Prinzip funktionierte dieser Speerwall der Schotten aus dem Mittelalter ganz ähnlich wie die makedonische Phalanx aus der Antike. Durch die Länge der schweren Speere von etwa vier Metern, konnten auch Kämpfer in den hinteren Reihen einen Beitrag zum Speerwall leisten. So helfen sie, um gemeinsam die Wucht des Angriffs abwehren zu können.

Ein Glück war es auch, dass die englische Kavallerie in dem Gelände noch dazu wenig ineffektiv war. Die Schotten hingegen richteten ihre Waffen zunächst auf die Pferde. Diese stürzten sich beim Angriff mit voller Wucht in die Pfähle und durchbohrten sich damit selbst.

Die schwer gepanzerten Reiter stürzten jedoch von ihren verletzten Tieren zu Boden. Dort waren sie praktisch wehrlos. Die Schotten brachten die englischen Reiter dann mit ihren Dolchen und sonstigen leichten Waffen um.

Diese Formation der Infanterie sollte auch in den kommenden Jahrhunderten immer wieder aufgegriffen werden. Im 30-jährigen Krieg war es beispielsweise der gefürchtete Gewalthaufen der Pikeniere, der sich in dieser Form vor feindlicher Kavallerie schützte.

So besiegten die Männer von William Wallace eine vierfach überlegene und viel besser ausgerüstete englische Armee. Diese Schlacht bei der Brücke von Stirling am 11. September 1297 war ein schmachvolle Niederlage für König Edward I. und öffnete den englischen Norden für Beutezüge der Schotten.

Ernennung zum Guardian of Scotland

Nach der Schlacht bei der Brücke von Sterling wurde William Wallace zum Guardian of Scotland ernannt. Das war ein quasi-monarchisches Amt. Aus dieser Zeit stammte auch ein schriftliches Zeugnis des Rebellen.

Schlacht bei Falkirk 1298

Doch William Wallace ließ sich nicht von politischen Fragen aufhalten. Er nutzte die Chance nach dem Sieg bei Sterling, um in Nordengland einzufallen. Bereits im Jahr 1297 konnten die Schotten die Stadt York erobern. Bei seinem Raubzug ließ er noch etwa weitere 700 Dörfer plündern.

Doch der englische König Edward I. stellte eine neue Armee auf. Diesmal führte er seine Truppen selbst an. Er drängte die Schotten immer weiter nach Norden. Dort konnte er sie schließlich stellen.

Es kam zur Schlacht bei Falkirk, die mit einer verheerenden Niederlage für die Schotten endete. Vor allem Dank des Einsatzes von englischen Langbogenschützen wurde den Rebellen eine schmerzhafte Niederlage zugefügt.

William Wallace und seine Getreuen mussten am Ende der Schlacht fliehen, um dem Tod zu entgehen. Der Aufstand war vorläufig blutig niedergeschlagen. Die Burgen des Landes fielen nach und nach wieder in die Hand der Engländer.

Flucht und Verrat

William Wallace verlor nach der Niederlage in der Schlacht bei Falkirk seinen politischen Rückhalt. Er trat als Guardian von Scotland zurück und suchte im Ausland sowie beim Papst nach Unterstützung.

Für kurze Zeit flüchtete William Wallace nach Frankreich. Doch bald zog es ihn aufgrund trügerischer Nachrichten zurück nach Schottland. Aber nach seiner Rückkehr wurde der schottische Freiheitskämpfer verraten.

Hinrichtung von William Wallace

Man verschleppte ihn nach London, wo er öffentlich wegen Hochverrat angeklagt wurde. Schließlich verurteilte man William Wallace im Jahr 1305 zum Tod durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen.

Es begann mit einem nackten Marsch durch London, wobei er von Anwohnern mit Steinen beworfen wurde. Dann wurde William Wallace zunächst am Hals aufgeknüpft. Erst kurz vor dem Erstickungstod ließ man ihn wieder ab.

„Ihr englischen Hunde ihr, verweichlichte Huren seid ihr, küsst meinen schottischen Hintern und seid stolz darauf, dies tun zu können, etwas Besseres kann einem jämmerlichen Engländer nicht passieren!“

(William Wallace – Letzte Worte)

Dann wurde er bei lebendigem Leibe kastriert und ausgeweidet. Man verbrannte die Teile vor seinen Augen. Die Leiche von William Wallace wurde anschließend zerstückelt.

Seinen Kopf spießte man an der London Bridge auf. Die vier Extremitäten von William Wallace wurden zur Abschreckung in Newcastle, Berwick-upon-Tweed, Stirling und Perth angebracht.

William Wallace Monument bei Sterling

William Wallace Monument bei Sterling
William Wallace Monument (pixabay)

Im Jahr 1869 wurde William Wallace zu Ehren ein nationales Monument bei Sterling errichtet. Auf dem Hügel Abbey Craig etwa 1,5 Kilometer nord-östlich der Stadt erhebt sich seitdem ein neu-gotischer Turm mit einer Höhe von 67 Metern.

Die Aussichtsplattform – The Crown – befindet sich sogar etwa 150 Meter über der Ebene von Sterling. Sie ermöglicht einen herrlichen Blick in Richtung der Stadt.

Von dieser Anhöhe aus soll William Wallace vor der Schlacht bei Sterling die anrückenden Engländer beobachtet haben. Heute befindet sich ein Museum innerhalb des National Wallace Monuments. Dieses verteilt sich  auf drei Stockwerke:

  1. The Hall of Arms
  2. The Hall of Heroes
  3. The Royal Chamber

Ein besonderes Stück der Ausstellung ist das Schwert von William Wallace. Er soll diesen Zweihänder in der legendären Schlacht geführt haben. Der Eintrittspreis beträgt etwa 10 £ für Erwachsene.