Harald Blauzahn

König Harald I. Gormsson – „Blauzahn“

Harald Blauzahn wurde um 910 geboren. Er war ein Jelling aus dem dänischen Jütland. Die Bedeutung des speziellen Beinnamens ist nicht geklärt. Jedoch können abgestorbene Zahnnerven tatsächlich zu einer bläulichen Verfärbung der Zähne führen.

Runenstein von Harald Blauzahn bei Wollin (Foto: Radosław Drożdżewski / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Harald Blauzahn war ein Sohn von König Gorm dem Alten, dem Einiger des dänischen Reiches. Er beerbte den Vater wahrscheinlich im Jahr 958.

Doch Harald Blauzahn war schon deutlich früher ein gefürchteter Anführer der Wikinger. Er fiel ab 945 mehrfach in das Reich der Westfranken ein und nahm sogar den regierenden Karolinger – König Ludwig IV. – gefangen.

Den ostfränkischen König Otto den Großen erkannte Harald Blauzahn jedoch an. Unter dem Einfluss des späteren Kaisers leitete der Däne ab 948 die Christianisierung von Skandinavien ein und ließ sich schließlich auch selbst taufen.

Grob um 950 ließ Harald Blauzahn die legendäre Jomsburg auf der deutsch-polnischen Seite der Ostsee gründen. Dort lebte ein Söldnerbund, von dem die Jómsvíkinga Saga berichtet.

Nach dem Tod von König Håkon dem Guten von Norwegen griff Harald Blauzahn nach den südlichen Gebieten des nördlichen Nachbarn und ließ sich dort huldigen. Trotz anfänglicher Rückschläge gegen Otto II. konnte er am Ende auch Schleswig unter dänische Kontrolle bringen.

Damit wurde Harald Blauzahn zum Gründer eines nordischen Großreiches. Seinem Sohn König Sven I. gelang 1013 sogar die Invasion von England. Er regierte dann dort zwar nur noch weitere 40 Tage bis zu seinem Tod.

Doch mit Knut dem Großen herrschte ein Enkel von Harald Blauzahn fast zwei Jahrzehnte über Dänemark, England, Norwegen sowie den Süden von Schweden.

In den 1990er Jahren hat man deshalb als Anspielung auf Harald Blauzahn einen Standard für drahtlose Datenübertragung auf den Namen „Bluetooth“ getauft. Damit soll an das verbindende Element der Herrschaft des Wikingers erinnert werden.

Auch das Logo von Bluetooth erinnert an Harald Blauzahn. Es ist eine Kombination seiner Initialen in Runenschrift: H(agalaz) und B(erkano) – und .

Gorm der Alte und das Haus der Jellinge

Einigung des dänischen Reiches

Gorm der Alte war der Vater von Harald Blauzahn. Sein Geburtsjahr ist nicht bekannt, liegt jedoch wahrscheinlich vor 900. Er wird häufig als der erste König von Dänemark bezeichnet.

Gorm Runenstein
Runenstein für Gorm den Alten im jütländischen Jelling (Foto: Jürgen Howaldt / CC-BY-SA 2.0)

Die schriftliche Quellenlage aus dieser Zeit und dieser Region ist aber nur äußerst dünn. Jedoch besiegte der deutsche König Heinrich I. die Dänen im Jahr 934, so dass dessen Schreiber Widukind von Corvey einige grobe Informationen hinterließ.

Die genauen Zusammenhänge der Machtübernahme des Vaters von Harald Blauzahn im Jahr 936 sind jedoch nicht bekannt. Die Informationen aus der Saga über Olaf Tryggvason aus dem 14. Jahrhundert zu Gorm dem Alten gelten als unzuverlässig.

Der erste Dänen-König regierte dann jedoch bis zu seinem Tod in einem relativ hohen Alter wohl im Jahr 958 oder spätestens bis Mitte der 960er Jahre. An Gorm den Alten und seine Frau Thyra erinnern bis heute die Grabhügel in Jelling sowie eindrucksvolle Runensteine.

Nach dem Tod von Gorm dem Alten wurde sein Sohn Harald Blauzahn neuer dänischer König. Unter seiner Führung entwickelte sich das Haus der Jellinge zur führenden Dynastie in Skandinavien.

Kriegszüge in der Normandie

Doch Harald Blauzahn war schon lange vor dem Tod seines Vaters ein sehr aktiver Anführer der dänischen Wikinger. Bereits ab 945 unterstützte er den damals noch minderjährigen Herzog der Normandie: Richard Ohnefurcht.

Grabmal Jarl Rollo
Grab von Jarl Rollo im Notre-Dame de Rouen (Foto: Raimond Spekking / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Dessen Großvater Jarl Rollo, Ahnherr der Rolloniden und Vorfahr von Wilhelm dem Eroberer, hatte den westfränkischen Königen einige Gebiete im Norden von Frankreich an der Kanalküste abgerungen, das Herzogtum der Normandie.

Nach dem Tod von Rollo im Jahr 931 oder 932 wurde dessen Sohn Wilhelm Langschwert zum Herzog der Normandie ernannt. Er wurde jedoch in einen langen Konflikt mit dem Herzog von Flandern verwickelt und im Jahr 942 während Verhandlungen hinterhältig umgebracht.

Die Normandie wurde daraufhin von Ludwig IV. attackiert. Der westfränkische König besetzte das Herzogtum und der minderjährige Richard Ohnefurcht geriet in Gefangenschaft.

Der schwächliche Karolinger hatte jedoch wohl nicht mit der Solidarität von Harald Blauzahn mit seinen skandinavischen Vettern in der Normandie gerechnet. Die dänischen Jellinge stellten sich an die Seite der normannischen Rolloniden und attackierten nun selbst die Region.

Harald Blauzahn nahm Ludwig IV. schließlich sogar gefangen. Dem übermütigen König blieb letztlich keine Wahl, als den immer noch minderjährigen Richard Ohnefurcht und dessen Herzogtum anzuerkennen.

Harald Blauzahn – König der Wikinger

Christianisierung und Taufe

Harald Blauzahn erkannte die Dominanz von Otto dem Großen im Jahr 948 an. Dänemark unterlag zwar keiner direkten Abhängigkeit, zahlte jedoch Tribute und erfüllte weitere Verpflichtungen.

Poppostein
Das Hünengrab „Poppostein“ bei Flensburg (Foto: Wusel007 / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Das entstehende Heilige Römische Reich war in der Mitte des 10. Jahrhunderts die führende Macht in Mittel-Europa. Das dänische Haus der Jellinge pflegte darüber hinaus auch persönliche Beziehungen zu den regierenden Ottonen.

Mit dieser Vormachtstellung des christlichen Reiches der Ostfranken setzte auch die Christianisierung von Skandinavien ein. Beginnend in Dänemark wurden von Harald Blauzahn die Bistümer Aarhus, Ribe und Schleswig gegründet.

Im Jahr 960 ließ sich Harald Blauzahn von Bischof Poppo angeblich durch ein Wunder bekehren. Anschließend wurde der Wikinger-König am Poppostein, einem Hünengrab bei Flensburg, getauft.

Gründung der Jomsburg

Nach der Jómsvíkinga Saga entstand in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine Wikinger-Feste auf der deutsch-polnischen Seite der Ostsee. Diese Jomsburg lag auf einer Insel, entweder Wollin oder Usedom.

Eine moderne Annahme ist, dass die Jomsburg am Spandowerhagener Wiek am westlichen Ufer des Peenestroms lag. Die Anlage bestand wahrscheinlich aus mehreren Langhäusern, die durch einen Erdwall geschützt waren.

Der Standort war der Überlieferung nach von Palnatoki, einem Gefolgsmann von Harald Blauzahn gegründet worden und diente seinen Anhängern als Basis. Der Hafen der Jomsburg konnte angeblich bis zu 300 Wikingerschiffe aufnehmen.

Das Gebiet war von Herzog Mieszko I. von Polen zu diesem Zweck an die Wikinger übergeben worden, was wohl einen Beitrag zur Sicherung der Seegrenze leisten sollte. Außerdem konnte von der Jomsburg aus der Handel gen Osten beispielsweise mit den Rus unter der damaligen Führung der Olga von Kiew kontrolliert werden.

Auch die Knytlinga Saga über Knut den Großen, einen Enkel von Harald Blauzahn, berichtet, von den verschworenen Jomswikingern, die mit besonderer Todesverachtung kämpften.

Erster Krieg um Schleswig

Nach dem Tod von Otto dem Großen im Mai 973 verschob sich das Kräfteverhältnis zwischen dem römisch-deutschen Reich und der dänischen Einflusssphäre. Harald Blauzahn sah die Chance und fiel in Schleswig ein.

Danewerk
Das Danewerk im Norden von Schleswig-Holstein (Foto: Joachim Müllerchen / Lizenz: CC-BY-SA 2.0)

Für den jungen Thronfolger Otto II. war dieser Konflikt an der Nordgrenze seines Reiches anfangs ein großes Problem. Zeitlich parallel stellten sich nämlich auch deutsche Herzöge gegen ihn.

Dem neuen Monarchen gelang jedoch die Konsolidierung seines Herrschaftsraums. In der Folge konnte der junge Kaiser einen Feldzug gen Norden führen.

Es kam zu harten Kämpfen um das Danewerk. Das war eine durchgehende Wehranlage im Norden des heutigen Schleswig-Holstein, die bereits vor 700 erstmals angelegt und dann immer wieder ausgebaut wurde.

Harald Blauzahn wurde dabei zurückgeworfen. Konkret ging es um das Gebiet zwischen Schlei und Eider. Das liegt westlich von Kiel. Otto II. ließ dann ein symbolisches Tor in das Danewerk einfügen.

„… inter Sliae et Eidera …“

Damit wollte er seinen potentiellen Zugriff auf Dänemark demonstrieren. Tatsächlich war er jedoch nicht in der Lage, genügend militärische Streitkraft längerfristig soweit im Norden zu konzentrieren.

Besetzung von Norwegen

Um das Jahr 961 starb König Håkon der Gute von Norwegen. Die Thronfolge sollte einer seiner Söhne antreten. Die Macht der Dynastie war jedoch nicht gefestigt und die Bevölkerung war des Clans überdrüssig.

Harald Blauzahn Reich Karte
Karte des Reiches von Harald Blauzahn in roter sowie mit abhängigen Gebieten in gelber Farbe (Schöpfer: Briangotts / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Harald Blauzahn intervenierte daraufhin und landete mit Truppen bei seinen nördlichen Nachbarn. Er behauptete den Süden und ließ sich dort sogar als König huldigen.

Als dänischer König konnte er jedoch nicht dauerhaft in Norwegen bleiben. Deshalb setzte er mit Harald Graufell einen Sohn des von Håkon verdrängten Königs Erik Blutaxt als Jarl ein.

Das Arrangement hatte jedoch keinen dauerhaften Bestand. Harald Graufell konnte nämlich nach und nach den Handel an der norwegischen Atlantik-Küste unter seine Kontrolle bringen.

Mit dieser wirtschaftlichen Macht wurde Harald Graufell schließlich etwas zu selbständig. Harald Blauzahn forderte ihn deshalb im Jahr 970 zu einem gemeinsamen Feldzug auf.

Harald Graufell folgte diesem Aufruf und wurde dann in einem Hinterhalt von Harald Blauzahn ermordet. Dieser machte sich in der Folge wieder selbst zum König von Norwegen.

Zweiter Krieg um Schleswig

Im Jahr 983 verstarb der römisch-deutsche Kaiser. Die Thronfolge fiel an den damals erst dreijährigen Otto III., für den die Kaiserin-Witwe Theophanu die Regierungsgeschäfte übernahm.

Harald Blauzahn fiel daraufhin erneut in Schleswig ein und konnte die Region dieses mal behaupten. Bis zu seinem eigenen Tod war das römisch-deutsche Reich mit internen Fragen beschäftigt und gar nicht zu einer Gegenoffensive in der Lage.

Verwundung und Tod

Im Jahr 985 oder 986 rebellierte der Sohn Sven Gabelbart gegen sein Vater Harald Blauzahn. Der Hintergrund war, dass man ihn von der Thronfolge ausgeschlossen hatte.

Karte nordisches Großreich
Das nordische Großreich zur Zeit von Knut dem Großen in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts (Schöpfer: Furfur / CC-BY-SA 3.0)

Vor der Insel Bornholm kam es zur legendären Seeschlacht von Helgenes. Dabei wurde Harald Blauzahn von einem Pfeil schwer verwundet.

Enge Gefolgsleute retteten ihn und flohen gen Süden zur Jomsburg. Dort verstarb Harald Blauzahn an Allerheiligen an den Folgen der Verwundung. Naheliegend wäre Wundbrand aufgrund von Verschmutzungen, die bei einem Pfeiltreffer häufig mit in den Wundkanal getragen werden.

Der Leichnam von Harald Blauzahn wurde später in die Kathedrale von Roskilde überführt. Dort erinnert bis heute ein prächtiges Mosaik an den eindrucksvollen Wikinger.

Der rebellische Sven beerbte Harald Blauzahn und baute das nordische Großreich weiter aus. Dessen Sohn Knut der Große herrschte dann bereits über Dänemark, England, Norwegen sowie Gebiete im Süden von Schweden.