Spartakus

Spartakus und der Sklavenaufstand

Spartakus, im lat. Spartacus, war ein Sklave der Römer im 1. Jahrhundert vor Christus. Er kam aus Thrakien und kämpfte als Gladiator in Capua, einer Stadt etwa 200 km südlich von Rom.

Eine Karte des Spartakusaufstandes mit den Bewegungen der Sklaven-Armee
Karte des Aufstandes von Spartakus (ODbL)

Im Jahr 73 v. Christus kam es dort zu einem Aufstand unter den Gladiatoren. Sie konnten sich unter der Führung von Spartakus aus der Stadt herauskämpfen. Anschließend zogen sie sich in die bergige Region um den Vesuv zurück.

Die Bewegung erhielt viel Zulauf von weiteren Sklaven und Angehörigen der untersten Schichten wie Hirten und Bauern. Die lokale Erhebung erweiterte sich so immer mehr.

Schließlich entwickelte sich daraus der Dritte Römische Sklavenkrieg. In den ersten Monaten errangen die Aufständischen zahlreiche Siege und schlugen drei römische Heere zurück.

Bis Mitte 71 v. Christus war die italienische Halbinsel ein umkämpftes Gebiet. Doch dann gelang es Marcus Licinius Crassus mit acht Legionen den Spartakusaufstand in die Spitze des italienischen Stiefels zu drängen.

Zuletzt wollte Spartakus mit seinen verbliebenen Getreuen nach Sizilien fliehen. Kilikische Piraten waren für den Transport bereits bezahlt worden. Doch die Aufständischen wurden verraten.

In der Folge kam es zu einem heroischen letzten Gefecht zwischen den Sklaven und der römischen Armee. Bis auf 6.000 Gefangene wurden alle und auch Spartakus bei den Kämpfen getötet.

Die Römer statuierten dann ein historisches Exempel. Sie kreuzigten die gefangenen Sklaven als Warnung entlang der Via Appia zwischen Capua und Rom. Doch für die Nachwelt wurde Spartakus ein martialisches Symbol für den Kampf der Unterschicht.

Vor allem die Kommunisten bedienten sich seiner Figur. Für Karl Marx war Spartakus „ein wahrer Vertreter des römischen Proletariats.“

Hintergrund des Gladiatoren

Von römischen Zeitgenossen wurde Spartakus als „Thraker“ bezeichnet. Thrakien war eine historische Region auf der östlichen Balkan-Halbinsel. Heute liegen dort die Länder Bulgarien, Griechenland und die Türkei.

Näheres über die Herkunft von Spartakus ist jedoch nicht gesichert. Auch die Umstände seiner Versklavung sind nicht bekannt. Vielleicht hatte er gegen die Römer gekämpft und war in Gefangenschaft geraten.

Gladiatorengattung – Thraker

Es ist jedoch auch möglich, dass der Begriff aus einem anderen Grund in diesem Zusammenhang auftaucht. Die Bezeichnung von Spartakus als Thraker kann sich nämlich auch auf seine Bewaffnung als Gladiator beziehen. Diese zeichnete sich vor allem durch die schwere Panzerung mit einem Schild aus.

Helm, Schwert und Bandage eines Thrakers (Gladiator)
Ausrüstung eines Thrakers wie Spartakus (pixabay)

Die Füße, die Beine und der Waffenarm waren durch dicke Bandagen und Metall-Platten geschützt. Außerdem verfügte diese Gladiatorengattung über einen schweren Helm mit Gesichtsschutz. Es fehlte jedoch der Brustpanzer. Dies sparte viel Gewicht und ermöglichte eine hohe Beweglichkeit.

Ein solcher Thraker oder Tharex war mit einem geschwungenen Kurzschwert bewaffnet. Dieser Waffentyp stammt aus der historischen Region Thrakien und heißt Sica. Diese Art von Klinge war vor allem unter Banditen und Kämpfern im jüdischen Widerstand verbreitet.

Die alten Römer kannten bereits eine Art Waffenrecht. Dieses sah die Sica als unehrenhafte Waffe an. Verbrechen mit Hilfe einer solchen Klinge wurde entsprechend härter bestraft.

Gladiatoren wie Spartakus trafen in den Arenen dann meist auf den Murmillo. Diese Gladiatorengattung hatte den großen Schild der römischen Legionäre und verfügte wie diese über ein gerades Kurzschwert. Zumindest bezogen auf den Einzelkampf war Spartakus mit den römischen Kampftechniken vertraut.

Schule des Batiatus

Die römischen Gladiatoren wurden in speziellen Einrichtungen trainiert, den Gladiatorenschulen. Dort konnten die professionellen Kämpfer untergebracht und kontrolliert werden. In Capua, 200 km südlich von Rom, befanden sich zahlreiche dieser Standorte.

Entgegen einer naheliegenden Vorstellung wurden Gladiatoren wie Spartakus jedoch in der Regel nicht einfach in der Arena verheizt. Interessante Talente auf dem Sklavenmarkt zu erwerben war bereits sehr teuer für den Gladiatorenmeister, den Lanista.

Darüber hinaus musste ein Kämpfer lange trainiert und gut ernährt werden. Außerdem wurde die Investition in einen Gladiator erst dann besonders retanbel, wenn dieser ein erfolgreiches Image aufbauen konnte und Zuschauer in die Arenen zog.

Deshalb wurden Gladiatoren trotz ihres Standes als Sklaven in der Regel sehr gut behandelt. Dank zahlreicher Knochenfunde weiß man, dass sie sogar besser ernährt waren als die einfache Bevölkerung. Doch eine dieser Gladiatorenschulen gehörte Gnaeus Cornelius Lentulus Batiatus.

Die Bedingungen in dieser Schule waren so miserabel, dass es im Jahr 73 v. Christus zu einer Revolte kam. Die genaueren Umstände sind nicht überliefert. Jedoch konnten etwa 70 trainierte Profi-Kämpfer unter der Führung von Spartakus nach Süden aus der Stadt entkommen.

Spartakusaufstand

Nachdem sich die Gladiatoren aus ihrem Standort befreit hatten, flohen sie zunächst in die Berge. Ob sie dabei nur gegen ihre Bewacher hatten kämpfen müssen oder ob sie bereits auf diesem Weg auf römsiche Truppen trafen, ist nicht bekannt.

Beginn der Erhebung

Im vulkanischen Gelände um den Vesuv konnten sich die Aufständischen gut verstecken. Dort müssen sie entweder von der Bevölkerung mit Nahrung unterstützt worden sein oder sich mit Raubzügen versorgt haben.

In der Frühphase des Spartakusaufstandes schlossen sich viele Bauern und Hirten der Bewegung an. Sie brachten auch gleich eine nicht zu unterschätzende Fernwaffe mit, die Steinschleuder. Diese war auf den Schlachtfeldern der Antike weit verbreitet.

Damit verfügten die schwer bewaffneten Gladiatoren als Nahkämpfer zu Beginn des Aufstandes über eine wertvolle taktische Ergänzung. Im unwegigen Berggelände konnten sie kleineren römischen Verbänden deshalb überlegen sein.

Möglicherweise mussten sich die Kämpfer des Spartakusaufstandes zunächst auch nur den lokalen Sicherheitskräften stellen. Gesichert ist jedoch, dass sie sich in den Bergen halten konnten und immer größeren Zulauf erhielten.

Ausbruch des 3. Sklavenkrieges

Eine Karte des Spartakusaufstandes mit den Bewegungen der Sklaven-Armee
Karte des Aufstandes von Spartakus (ODbL)

Ursprünglich bestand die Gruppierung nur aus Sklaven. Es stießen jedoch auch immer mehr Angehörige aus den unteren Schichten zu Spartakus. Diese sahen für sich ebenfalls keine Perspektive in der römischen Gesellschaft.

Doch mit diesem personellen Zustrom veränderte sich auch die strategische Lage der Aufständischen. Einerseits konnte sich die Bewegung in den Bergen nicht unbegrenzt versorgen oder vor römischen Truppen verstecken.

Andererseits erhielten Spartakus und seine Anhänger nun auch die Aufmerksamkeit der höchsten Stellen in Rom. Von dort aus wurden schließlich Legionen entsandt.

Mit der steigenden Mitgliederzahl entstand deshalb auch ein Zugzwang für die Bewegung. Die Sklaven-Armee verließ deshalb im Frühjahr 72 v. Christus die Berge südlich von Capua. Sie wollten Rom weiträumig umgehen und dann nach Norden schwenken, um die italienische Halbinsel verlassen zu können.

Der römische Senat entsandte in den folgenden Wochen und Monaten zahlreiche Armeen, um den Spartakusaufstand niederzuwerfen. Doch alle wurden geschlagen. Die letzte dieser Schlachten fand  in der südlichen Po-Ebene bei Modena statt.

Die aufständischen Sklaven konnten 10.000 römische Legionäre zurückschlagen. Bei der Schlacht von Modena wurde jedoch auch eine weitere wichtige Figur des Spartakusaufstandes getötet. Der Gallier Crixus, „der Lockenkopf“, war neben Spartakus der zweite wichtige Anführer der Bewegung.

Anfang vom Ende des Aufstandes

Obwohl der Landweg in die Freiheit nach der Schlacht bei Modena frei war, wendete sich die Sklaven-Armee wieder nach Süden. Die Motivation für diese Entscheidung ist nicht bekannt. Vielleicht fürchteten sie, auf die Legionen aus Spanien unter Gnaeus Pompeius Magnus zu treffen.

Ursprünglich hatte Spartakus wohl die Idee, sich über Brundisium auf die Balkan-Halbinsel einschiffen zu können. Doch die Römer hatten nach den zahlreichen Niederlagen den Befehl an Marcus Crassus übergeben.

Dieser hatte acht Legionen unter seinem Befehl. Während die Sklaven-Armee nach Süden marschierte, könnte er ihnen zahlreiche Niederlagen zufügen. Die Hoffnung auf einen Transfer nach Griechenland erwies sich daraufhin als trügerisch.

Spartakus und seine Anhänger zogen sich deshalb in Richtung Sizilien zurück beziehungsweise wurden dorthin gedrängt. An der Straße von Messina angekommen, bezahlten sie Kilikische Piraten für eine Überfahrt.

Doch sie wurden betrogen. Die Piraten nahmen zwar die Bezahlung, aber dann ließen sie die Aufständischen im Stich.

Vernichtung und Kreuzigung

Spartakus und seine verbliebenen Anhänger zogen sich nach dem Verrat der Piraten zunächst in die regionalen Berge zurück. Marcus Crassus ließ deshalb eine Reihe von befestigten Lagern errichten, um einen Ring um die Sklaven-Armee zu ziehen.

Der ursprüngliche Plan der Römer sah wohl vor, dass der Spartakusaufstand zunächst isoliert und vom Nachschub abgeschnitten wird. Mit den anrückenden Legionen des Gnaeus Pompeius Magnus sollte dann eine gemeinsame Offensive gestartet werden.

Spartakus und seine noch etwa 75.000 Mann stellten sich deshalb den Römern im Jahr 71 v. Christus in der Schlacht von Lukanien. Der römische General hingegen verfügte zu diesem Zeitpunkt nur über etwa 40.000 Mann.

Doch dem römischen Formationskampf waren die Aufständischen weit unterlegen. Spartakus starb vermutlich bereits in der Frühphase der Schlacht und es kam zu einer vernichtenden Niederlage für die Sklaven. Seine Leiche wurde jedoch nicht gefunden.

Tausende konnten zwar noch fliehen. Doch sie liefen den anrückenden Legionen des Gnaeus Pompeius Magnus regelrecht in die Arme. Zuletzt verblieben nur noch 6.000 gefangene Sklaven und der Dritte Römische Sklavenkrieg war vorbei.

Als Warnung an alle anderen Sklaven ließen die Römer ihre Gefangenen entlang der Via Appia zwischen Capua und Rom kreuzigen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung auf einer Straßenseite entsprach dies einem Kreuz alle 30 bis 35 Meter.

Politische Bedeutung von Spartakus

Einfluss im 1. Jahrhundert vor Christus

Der Spartakusaufstand beziehungsweise der Dritte Römische Sklavenkrieg hielt die römische Republik zwei Jahre lang in Atem. Doch diese Phase befand sich mitten in einer 100-jährigen Episode der tiefen gesellschaftlichen Umbrüche.

Schon Tiberius Gracchus, ein Volkstribun des Jahres 133 v. Christus, instrumentalisierte die Bevölkerung für die Interessen von einzelnen Gruppen innerhalb der höheren Schichten.

Bis zur Erhebung von Augustus im Jahr 27 v. Christus verlief die entscheidende Konfliktlinie innerhalb der oligarchischen Oberschicht. Ein Sklavenkrieg war für das politische Rom nicht von entscheidender Bedeutung.

Die Figur des Spartakus war in anderer Hinsicht von Interesse für die Zeitgenossen. Pompeius und Crassus hatten ihn gemeinsam besiegt, nachdem zahlreiche andere Generäle der Republik versagt hatten. Diese beiden Herren entwickelten sich in der Folge zu den mächtigsten Einzelpersonen im Staat.

Zusammen mit Gaius Julius Caesar bildeten sie schließlich das Triumvirat. Dieses Männer-Bündnis brachte die angeschlagene Republik wenige Jahrzehnte später endgültig ins Wanken.

Stilisierung in der Neuzeit

Spartakus wurde als Figur in der Neuzeit wiederentdeckt. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden einige Dramen, die sich seiner Geschichte bedienten. Damit erhielt seine Person eine gewisse Bekanntheit.

Das Image wurde aufgenommen und vor allem von den Kommunisten zu einem politischen Symbol verarbeitet. Von Karl Marx bis zur Geschichtswissenschaft der DDR wurde Spartakus deshalb immer wieder thematisiert.

Seine Stilisierung als antiker Kämpfer für die unteren Klassen ist jedoch keinesfalls tragbar. Vor allem die Entscheidungen nach der Schlacht bei Modena zeichnen ein gänzlich unpolitisches Bild des historischen Spartakus.

Im Vergleich dazu haben beispielsweise die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong ihren Exodus für die Gründung von Klein-Staaten genutzt. Darüber hinaus fehlt jedes Moment, die Eskalation des Aufstandes immer weiter treiben zu wollen.

Spartakusbund

Unabhängig von historischen Tatsachen erlangte die Spartakusgruppe mit dem Namen besondere Bekanntheit. Diese bildete sich mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges zunächst in der SPD.

Ab 1918 nannten sie sich Spartakusbund. Sie hatten prominente Mitglieder wie Rosa Luxemburg oder Karl Liebknecht in ihren Reihen und arbeiteten mit anderen linken Gruppen zusammen.

Man begrüßte ausdrücklich die russische Oktoberrevolution und strebte einer Räterepublik nach sowjetischem Vorbild an. Aus der Organisation ging dann die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) hervor.

In diesen Jahren der Straßenschlachten mit rechten Freikorps diente Spartakus vor allem als martialisches Symbol für die Sache der Unterschicht.