Simo Häyhä

Simo Häyhä – finnischer Scharfschütze

Simo Häyhä wurde am 17. Dezember 1905 in Finnland geboren. Er verstarb im hohen Alter am 1. April 2002. Doch im finnisch-sowjetischen Winterkrieg von 1939/40 nannte man ihn Weißer Tod.

„Ich tat, was mir aufgetragen wurde, so gut ich es konnte.“

Simo Häyhä erzielte in 100 Tagen Einsatz mehr als 500 bestätigte Tötungen. Damit ist er der effektivste Scharfschütze aller Zeiten in einem Krieg. Die inoffizielle Statistik weist jedoch sogar als 800 Treffer aus.

Karte des Sowjetisch-Finnischen Winterkrieges von 30. November 1939 bis zum 13. März 1940
Der Winterkrieg von 30. November 1939 bis zum 13. März 1940 (ODbL)

Simo Häyhä war ein Unteroffizier der finnischen Nationalgarde. Er schoß meist ein Mosin-Nagant M/28 mit offener Visierung. Das ist die finnische Version eines Reptiergewehrs, welches man im Jahr 1891 in Russland entwickelt hatte.

In der Schlacht von Kollaa war er mit diesem uralten Gewehr jedoch sagenhaft erfolgreich. Etwa 5 % bis 10 % aller getöteten Feinde gehen alleine auf das Konto von Simo Häyhä. Auch insgesamt gelang es den finnischen Verteidigern, eine Eroberung ihrer Heimat durch die Sowjetunion abzuwehren.

Der sowjetische Diktator Josef Stalin war außer sich. Er ließ nach dem gescheiterten Feldzug zahlreiche Generäle erschießen und die Rote Armee reformieren. Genau diese Reaktionen auf den Winterkrieg halfen der Sowjetunion später, das Unternehmen Barbarossa von Nazi-Deutschland abzuwehren.

Jedoch wurde Simo Häyhä selbst am 6. März 1940 von einem feindlichen Scharfschützen ins Gesicht getroffen. Er überlebte den Treffer zwar und konnte von seinen Kameraden geborgen werden. Aber dann lag er noch eine Woche lang im Koma.

Doch dann kam das Kriegsende. Ihm wurde daraufhin eine in der Militärgeschichte Finnlands einmalige Ehrung zu Teil. Auf direkte Anweisung des kommandierenden Oberfeldmarschalls Freiherr Carl Gustaf Emil Mannerheim wurde Simo Häyhä zum Leutnant befördert.

Doch Simo Häyhä brauchte noch viele Jahre der Genesung. Sein Gesicht blieb auch dauerhaft entstellt. Nach dem Krieg wurde er ein Elchjäger und Hundezüchter, doch der Weiße Tod bleibt bis heute einer größten Helden Finnlands.

Finnisch-Sowjetischer Winterkrieg

Der Winterkrieg oder auch Sowjetisch-Finnischer Krieg begann am 30. November 1939 und endete am 13. März 1940. Unter der Führung von Josef Stalin wollte die Sowjetunion Gebietsansprüche gewaltsam durchsetzen.

Bei dem betroffenen Gebiet handelt es sich um die Karelische Landenge. Das ist die 45 bis 110 km breite Landbrücke zwischen Russland und Finnland nördlich von St. Petersburg. Auf der östlichen Seite befindet sich der Ladoga-See und westlich beginnt der finnische Meerbusen.

Causa Belli – der Kriegsgrund

Die Sowjetunion begründete den Anspruch auf die Gegend mit unabdingbaren Sicherheitsinteressen von Leningrad (St. Petersburg). Unabhängig von der Legitimät dieser Argumentation legte der Aufmarsch der Rote Armee jedoch nahe, dass ganz Finnland erobert werden sollte.

Darüber hinaus war zu dieser Zeit noch der Ribbentrop-Molotow-Pakt zwischen Adolf Hitler und der Sowjetunion in Kraft. Dieses Abkommen hatte ein geheimes Zusatzprotokoll. Darin war die territoriale Aufteilung zwischen Deutschland und der Sowjetunion geregelt.

Neben Finnland waren auch Estland, Lettland und Ost-Polen der russischen Interessenssphäre zugeschrieben worden. Deshalb kann man davon ausgehen, dass Josef Stalin nicht einfach nur von seiner formalen Argumentation motiviert war.

Zentrale Angriffe von Süden

Die Sowjetunion rechnete offenbar zu Beginn des Krieges mit einem leichten Sieg. Immerhin war die Rote Armee den finnischen Streitkräften in allen Bereichen weit überlegen.

Ohne formale Kriegserklärung ließ Josef Stalin die 7. Sowjetarmee mit acht Divisionen und fünf schwere Brigaden nördlich von St. Petersburg angreifen. Die finnischen Verteidiger waren zahlenmäßig weit unterlegen und hatten kaum Material.

Aber die Finnen waren erfindungsreich. Sie entwickelten den Molotowcocktail. Dabei handelt es sich um einen einfachen Wurfbrandsatz. Außerdem verfügten die Finnen über ein Eisenbahnnetz hinter der ausgebauten Verteidigungslinie, der Mannerheim-Linie.

Flankenangriffe von Osten

Karte der Gegend der Schlacht von Kollaa, wo Simo Häyhä kämpfte.
Einsatzgebiet von Simo Häyhä (ODbL)

Die Verluste der Roten Armee bei ihren Angriffen von Süden führten zu einem Wandel in der Strategie. Simo Häyhä war zu diesem Zeitpunkt ein Angehöriger der 6. Kompanie des 34. Infanaterie-Regiments.

In der Schlacht von Kollaa mussten sie sich dann gegen Teile der 9. und der 14. Sowjetarmee stellen. Die Rote Armee setzte in dieser Schlacht vier Divisionen und eine Panzerbrigade für diesen Flankenangriff ein, insgesamt etwa 8.000 Mann.

Die Schlacht von Kollaa war zunächst von beidseitigen Offensiven geprägt. Doch weder die Finnen noch die Sowjets konnte sich mit ihren Aktionen durchsetzen. Letztlich mündete es in einem Stellungskrieg.

Dabei mussten sich die dramatisch unterlegenen finnischen Verteidiger gegen eine Zangenbewegung wehren. Die sowjetischen Streitkräfte kamen von Norden und von Süden aus. Außerdem hatten sie etwa 200 Artilleriegeschütze.

„Ich werde mein Bestes geben.“

Die Verteidiger, darunter Simo Häyhä, bestanden aus einer Division. Sie hatten auch nur etwa 20 Geschütze. Es schlug die Stunde der finnischen Scharfschützen. Die Rotarmisten waren nämlich nicht gut für den Winterkrieg ausgerüstet.

Simo Häyhä kämpte 100 Tage lang in der Schlacht um Kollaa. Alle seine Abschüsse hatte er dort. Die sowjetische Armee hingegen scheiterte trotz aller Macht mit ihrem Plan. Sie wollten eigentlich das komplette IV. Korps der Finnen zerschlagen.

Ende des Winterkrieges

Eine Woche vor dem Ende des Krieges wurde Simo Häyhä dann selbst schwer verwundet. Ein feindlicher Scharfschütze erwischte ihn im Gesicht. Die Kugel traf den Kiefer und hinterließ beim Austritt eine sehr große Wunde.

Es war ein Explosionsgeschoss, dessen Einschlag er noch wahrnahm. Dabei verlor er auch viele Zähne. Aber dann fiel Simo Häyhä ins Koma. Doch den finnischen Verteidigern um Carl Gustaf Mannerheim gelang es, lange genug gegen den totalitären Angreifer durchzuhalten.

Sie fügten der Roten Armee so große Verluste zu, dass Stalin einer politischen Lösung zustimmte. Im Friedensvertrag von Moskau musste Finnland zwar große territoriale Verluste hinnehmen, das Land verlor sieben Prozent seiner Gebiete.

Aber man konnte die Unabhängigkeit bewahren. Der Erzählung nach ist auch Simo Häyhä an diesem 13. März 1940 wieder aus dem Koma erwacht.

Fehler der Roten Armee in Finnland

Die mangelnde Effektivität der Roten Armee im Winterkrieg 1939/40 war Josef Stalin eine Lektion. Der Fehlschlag hatte bereits seinen Anfang damit genommen, dass die Sowjets die Verteidigungsanlagen an der Mannerheim-Linie nicht ausreichend aufgeklärt hatten:

  • Durch Luftaufklärung war zwar bekannt, dass zahlreiche Fortifikationen aus Beton errichtet waren. Jedoch hatte die Rote Armee es unterlassen, die Soldaten entsprechend zu trainieren.
  • Noch dazu wurden auch die klimatischen Aspekte eines Winterkrieges im Vorfeld nicht bedacht. Es hatte weder passendes Material noch Training gegeben.
  • Die Logistiker hatten auch nicht einkalkuliert, dass es im Norden von Finnland nur wenige Straßen gibt. Fahrzeuge mussten deshalb häufig querfeldein fahren, was sich natürlich auf die Geschwindigkeit einer Armee auswirkt.
  • Die sowjetische Infanterie verfügte bis dato auch über fast keine Schneeschuhe oder Skier. Deshalb konnten sich die einzelnen Soldaten nur sehr langsam bewegen. So waren sie sehr anfällig für finnische Scharfschützen wie Simo Häyhä.
  • Darüber hinaus hatte die Rote Armee fast keine Fähigkeiten zur Beseitigung von Minen oder Sprengfallen. Dies nutzten die Verteidiger vor allem bei Rückzügen sehr intensiv zum Schaden ihrer Gegner aus.
  • Die Militärdoktrin der Rote Armee sahen zwar eine enge Zusammenarbeit zwischen den Waffengattungen vor. Dies scheiterte jedoch meist an der praktischen Umsetzung. Beispielsweise rückten Infanterie und Panzer häufig getrennt vor.
  • Die Luftwaffe bliebt weit hinter den Erwartungen zurück. Die primäre Aufgabe war eine Störung der finnischen Bewegungen im rückwärtigen Gelände hinter der Mannerheim-Linie. Doch das Wetter, schlechte Piloten und miserables Material ließ die Wirkung verpfuffen. Obwohl auch finnische Industriezentren angegriffen wurden, betrug der Ausfall an Arbeitsstunden insgesamt nur etwa 5 %.
  • Die sowjetische Marine hatte völlig versagt. Die finnischen Streitkräfte verfügten nur über eine einzige relevante Küstenbatterie. Diese wurde auch mehrfach angegriffen, konnte aber nicht zerstört werden.
  • Bei den Offizieren wie auch bei den Unteroffizieren fehlte es sowohl an Qualität wie auch an Quantität. Es wurden teils absurde Befehle gegeben und manche Informationen wurden aus Angst vor persönlichen Konsequenz nicht weitergeleitet.

Scharfschützentaktik nach Simo Häyhä

Nach dem Winterkrieg und der Genesung gab Simo Häyhä einige Interviews und es wurde eine Biographie geschrieben. Er präsentierte sich als wortkarger Finne und redete über seinen Umgang mit der Waffe, Tricks für Scharfschützen, das Töten von Russen und auch sein persönliches Glück.

„Über fünfzig Granaten schlugen einmal um mein Schützenloch ein, aber keine erfolgreich.“

Als Grundlage für seinen Erfolg sah Simo Häyhä vor allem die viele Übung an. Er selbst wuchs in einer wilden Gegend in der Nähe zur russischen Grenze auf. Bereits als Junge lernte deshalb das Schießen.

Darüber hinaus trat Simo Häyhä auch schon mit 20 Jahren in die Armee ein. Dort musste er beruflich mit der Waffe umgehen. Privat war er ein Sportschütze, der bei Wettbewerben antrat und zahlreiche Trophäen mit nach Hause nehmen konnte.

Noch dazu legte der Finne sehr viel Wert auf eine angepasste Tarnung im Winterkrieg. Neben dem weiß-gräulichen Kampfanzug nutzte er weitere Kniffe:

  1. Er nahm Schnee in den Mund, damit sein Atem keine Dampfwolken erzeugte.
  2. Er verzichtete nach Möglichkeit auf das Fernrohr. Stattdessen zielte Simo Häyhä lieber mit offener Visierung über Kimme und Korn, weil:
    1. Man muss den Kopf nicht so weit heben.
    2. Ein Fernrohr kann im Sonnenlicht reflektieren.
    3. Ein Fernrohr kann in der Kälte leicht beschlagen.
  3. Er presste den Schnee vor seiner jeweiligen Stellung zusammen. Andernfalls kann dieser beim Schuß leicht aufwirbeln und so die Position verraten.

Außerdem zeichnete Simo Häyhä ein hohes Maß an professioneller Distanz zum Töten aus. Er konnte sich wohl ohne Affekt auf seine Aufträge und Schießen als Handwerk konzentrieren. Auf die Frage hin, was er beim Abdrücken fühlte, gab es die einfache Antwort: „Den Rückstoß.“