Sven Gabelbart

Sven I. „Gabelbart“ – dänischer König

Sven Gabelbart war ein Sohn von Harald Blauzahn und wurde um 960 als Bastard geboren. Das war in der dänischen Gesellschaft kein zwangsläufiges Problem, aber der Vater schloss ihn dann explizit von der Thronfolge aus.

Sven Gabelbart
Sven Gabelbart – Ausschnitt einer Darstellung aus dem 13. Jahrhundert (gemeinfrei)

Ganz im Stile seiner Zeit rebellierte Sven Gabelbart gegen den legendären Vater und war vor Bornholm in der Seeschlacht von Helgenes siegreich. Harald wurde tödlich verwundet und der uneheliche Sohn konnte sich letztlich doch als König Sven I. von Dänemark durchsetzen.

Sven Gabelbart trat dann die Herrschaft über ein skandinavisches Großreich an, das sich damals auch über Teile von Norwegen, Schweden und Pommern erstreckte.

Berühmt wurde Sven Gabelbart jedoch für seine Angriffe auf die britische Hauptinsel. Anfangs trieben ihn und seine Wikinger wohl nur die Beutegier. In den 990er Jahren plünderten sie den Süden und belagerten sogar London. Der englische König Æthelred der Unfertige sorgte jedoch letztlich selbst für die entscheidende Provokation.

Im Jahr 1002 ordnete er das St.-Brice’s-Day-Massaker an den Dänen in England an. Dabei wurde auch eine Schwester von Sven Gabelbart getötet. Dieser organisierte anschließend eine ganze Serie von Angriffswellen gegen die Insel.

1013 konnte er schließlich fast im Handstreich weite Teile von England einnehmen. Der angelsächsische König Æthelred floh über den Ärmelkanal ins Exil. Anschließend machte sich Sven Gabelbart selbst zum ersten dänischen König von England.

Er verstarb allerdings schon 40 Tage später am  03. Februar 1014 im englischen Gainsborough. Das Großreich wurde dann zunächst unter mehreren Erben aufgeteilt. Nach einigen Jahren kam es jedoch unter seinem Sohn Knut dem Großen zu einer Wiedervereinigung.

Dänisches Großreich und Haus der Jellinge

Das herrschaftliche Geschlecht von Sven Gabelbart stammte aus Jelling im dänischen Jütland. Der Ort liegt etwa 120 Kilometer nördlich von Flensburg.

Gorm der Alte und Harald Blauzahn

Der Großvater von Sven Gabelbart war Gorm, den man „den Alten“ nannte. Er wurde um 900 geboren und gilt als Reichseiniger sowie erster König von Dänemark.

Gorm der Alte Runenstein
Runenstein für Gorm den Alten im jütländischen Jelling (Foto: Jürgen Howaldt / CC-BY-SA 2.0)

Es gibt aus dieser Zeit und dieser Region jedoch praktisch keine schriftlichen Quellen. Eine der wenigen Ausnahmen sind beispielsweise die spärlichen Angaben des Widukind von Corvey in der Sachsenchronik zu Heinrich I. aufgrund einer kriegerischen Auseinandersetzung im Jahr 934.

Als bedeutendste Zeugnisse dieser Frühphase gelten einige Runensteine. Eine nähere Rekonstruktion der Machtergreifung der Jellinge in Dänemark ist deshalb nicht möglich.

Der Sohn Harald Blauzahn hinterließ jedoch bereits sehr viel tiefere Schleifspuren in der Geschichte. Bereits in jungen Jahren mischte er kräftig mit und engagierte sich beispielsweise in der Normandie.

Dort stabilisierte Harald die Herrschaft der normannischen Rolloniden und nahm den westfränkischen König Ludwig IV. gefangen. Als dänischer König führte er dann Kriege um Schleswig und besetzte den Süden von Norwegen.

Darüber hinaus soll auf seine Initiative hin auch die legendäre Jomsburg in Pommern gegründet worden sein. Als möglicher Standort wird das Spandowerhagener Wiek am westlichen Ufer des Peenestroms auf Usedom vermutet. Alternativ wird auch die polnische Insel Wollin diskutiert.

Das Gebiet wurde damals vom polnischen Fürsten abgetreten, der mit dieser Kooperation seine Seegrenze sichern wollte. Die Dänen hingegen verfügten mit der Jomsburg über eine Basis mit Ankerplätzen für angeblich bis zu 300 Wikingerschiffe. So konnte man die westliche Ostsee und den Handel in diesem Gebiet vollständig kontrollieren.

Revolte von Sven Gabelbart (986)

Sven Gabelbart war wie beispielsweise auch Wilhelm der Eroberer ein Kind der Leidenschaft. Die Mutter war laut der Jómsvíkinga Saga eine Magd.

Karte des dänischen Reiches
Karte des Reiches von Harald Blauzahn in roter sowie mit abhängigen Gebieten in gelber Farbe (Schöpfer: Briangotts / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Diese „dänische Sitte“ stellte hinsichtlich der Anerkennung zwar kein zwangsläufiges Problem dar. Der mächtige Vater wollte Sven Gabelbart dennoch nicht an der Thronfolge beteiligen.

Ab 985 kam es deswegen zu einer Rebellion gegen den alternden König. Die wenigen vorhandenen Berichte sind leider sehr parteiisch und bieten keine Anhaltspunkte für ein klares Bild.

Aber Harald Blauzahn scheint zunächst sehr erfolgreich bei der Bekämpfung von Sven Gabelbart gewesen zu sein. Dann kam es in der Nähe von Bornholm zur entscheidenden Schlacht.

Dabei wurde Harald von einem Pfeil getroffen und verstarb wenig später. Da es sonst keine Erben mit einem höheren Anspruch oder Rückhalt gab, konnte Sven Gabelbart dank dieses Glückstreffers dann doch König werden.

König Sven I. von Dänemark und England

Trotz des Konfliktes mit dem Vater knüpfte Sven Gabelbart an die herrschaftliche Tradition seiner Familie an. Die Leiche von Harald wurde nach Roskilde überführt und in allen Ehren bestattet. Bis heute erinnert ein prächtiges Mosaik in der dortigen Kathedrale an den 960 getauften Wikinger-König.

Verhältnis zu Olav von Norwegen

Laut den Angelsachsen verbündete sich Sven Gabelbart ab 993 mit dem norwegischen König Olav Tryggvason. Gemeinsam plünderten die Skandinavier anschließend im Süden von England.

Eine Belagerung von London war zwar erfolglos. Dennoch zahlte der angelsächsische König Æthelred der Unfertige ein immenses Schutzgeld in Höhe von 22.000 Pfund Silber – das sogenannte „Danegeld“.

Gokstad-Schiff
Das Gokstad-Wikingerschiff aus dem 9. Jahrhundert (Foto: Karamell / CC-BY-SA 3.0)

Diese sehr ergiebige Arbeitsbeziehung der beiden Wikinger-Könige wurde mit der Ehe von Olav mit Svens Schwester Tyra Haraldsdatter gefestigt. Dennoch kam es zum Bruch zwischen den beiden Nordmännern. Die Gründe sind jedoch nicht bekannt.

In der Seeschlacht bei Svold am 09. September 1000 zwischen Sven Gabelbart und Olav Tryggvason wurde der norwegische König getötet. Das Gefecht fand im Öresund statt und war nicht besonders fair.

Sven Gabelbart hatte ohnehin das größere Reich mit mehr Ressourcen. Noch dazu war er mit dem schwedischen König Olof Skötkonung verbündet.

Außerdem war der norwegische König wohl auf einer Rückreise und segelte dann nichts ahnend in einen Hinterhalt. Des Weiteren gab es in den norwegischen Reihen auch noch Abtrünnige.

Der Ladejarl von Trondheim war zu Sven Gabelbart übergelaufen. Letztlich wurden dann elf norwegische Schiffe von der dänisch geführten Allianz mit mehr als 70 Schiffen platt gemacht. Angeblich beging Olav durch einen „Königssprung“ in die Ostsee Selbstmord, um der Gefangenschaft zu entgehen.

Das Drama wurde in den Sagen anschließend durch eine weitere Anekdote angereichert. Der Legende zu Folge verweigerte Svens Schwester Tyra nach dem Tod von Olav Tryggvason die Nahrungsaufnahme und starb wenige Wochen später ebenfalls.

St.-Brice’s-Day-Massaker (1002)

Der angelsächsische König Æthelred der Unfertige hatte die Demütigungen und Plünderungen der 990er Jahre nicht vergessen. Nach dem Bruch des dänisch-norwegischen Bündnisses sah er offenbar eine Chance, sich von der skandinavischen Plage zu befreien.

Æthelred der Unfertige erließ die Order, am Gedenktag des Heiligen Brictius, am 13. November 1002 alle Dänen in England umzubringen. Ein Opfer dieses Massakers war eine weitere Schwester von Sven Gabelbart mit dem Namen Gunhilde. Laut der angelsächsischen Chronik war dieser Genozid natürlich ganz klar Notwehr:

„Der König ordnete an, alle in England lebenden Dänen am St.-Bricius-Tag – dem 13. November – zu töten, weil er in Erfahrung gebracht hatte, dass sie sich verschworen hatten, ihn und seine Ratgeber umzubringen und sich sein Reich anzueignen.“

Es ist jedoch umstritten, ob wirklich landesweit alle Dänen getötet wurden. Plausibler ist, dass es vor allem in größeren Orten wie Bristol, Oxford oder London zu Übergriffen kam. Im Danelag, den alten dänischen Gebieten aus dem 9. Jahrhundert, konnten umfassende Säuberungen wohl eher nicht realisiert werden.

König Æthelred der Unfertige erreichte mit diesem Anschlag auf dänische Bewohner jedoch vor allem eine Sache: Er gab Sven Gabelbart eine umfassende Motivation und vor allem auch eine Rechtfertigung, die britische Hauptinsel mit allen Mitteln massiv zu attackieren.

Invasionen und Tod in England

Ab 1003 begann eine neue Serie von dänischen Großangriffen auf England wie zu Zeiten von Alfred dem Großen. Æthelred der Unfertige versuchte zunächst verzweifelt, die Invasionen mit hohen Zahlungen abzuwenden.

Aber die Skandinavier brachen nach Erhalt der Gelder die Friedensverträge immer wieder. Historiker vermuten als weiteren wesentlichen Grund für diese Aggressivität die hohe Zahl an verfügbaren Krieger in jenen Jahren. Der römisch-deutsche Kaiser Otto III. war kurz vorher plötzlich verstorben und sein Reich stellte keine akute Gefahr dar.

Knut der Große
Knut der Große – König über ein nordisches Großreich (Illustration von 1320 / gemeinfrei)

Die letztlich erfolgreiche Invasion begann 1013. Mit ihren flusstauglichen Wikingerschiffen drangen die Dänen über den Humber und den Trent bis ins Landesinnere vor.

Binnen kurzer Zeit unterwarfen sich alle Engländer nördlich der Watling Street. Das ist eine wichtige Verkehrsachse aus römischer Zeit von Ost nach West, die auf der Höhe von Birmingham verläuft und in etwa der heutigen A5 entspricht. An dieser Straße fand beispielsweise auch die entscheidende Schlacht des Aufstandes von Boudicca statt.

Uhtred, der Earl von Northumbrien, wurde getötet. Andere Adelige schlossen sich Sven Gabelbart jedoch wohl ganz gerne an, weil Æthelred wenige Jahre zuvor einen bedeutenden Ealdorman töten ließ.

Als sich die Dänen nach Süden wandten, floh der englische König ins Exil nach Frankreich. Am 25. Dezember 1013 ernannte sich Sven Gabelbart zum neuen Monarchen über die Angelsachsen.

Er starb jedoch nur 40 Tage später. Deshalb ist umstritten, inwieweit die herrschaftliche Durchdringung der neuen Gebiete zu diesem Zeitpunkt bereits gelungen war.

Sein Sohn Knut der Große beerbte Sven Gabelbart dann in der Rolle als König von England. Dessen Stand war zunächst nicht gefestigt. Er wurde umgehend vertrieben. Knut kehrte aber ein Jahr später mit geballter Streitkraft auf die britische Hauptinsel zurück und regierte dann für beinahe zwei Jahrzehnte.