Geschichte der Taktik (1) – Griechische Phalanx (Hopliten)

Griechische Phalanx (Hopliten)

Die griechische Phalanx war eine antike Formation der Hopliten. Das waren die schweren Infanteristen der alten Griechen. Die Spartaner führten die Formation im 7. Jahrhundert v. Christus ein. Diese taktische Entwicklung markierte zugleich den Wendepunkt vom Einzelkampf hin zum Kampf in Formation.

Künstlerische Zeichnung eines Hopliten
Ein Hoplit – Künstlerische Darstellung (pixabay)

Dieser neue Ansatz änderte vor allem auch die Art der Schlachtverläufe. Denn vor der Einführung der Phalanx, kämpfte man noch im Pulk. Gefechte glichen eher großen Schlägereien.

Mit den Formationen kam eine relative Ordnung auf das Schlachtfeld. Die Formation bot auch einigen Schutz gegen den Beschuss durch einfache Bögen. Das Geschehen wurde berechenbarer und die Generäle gewannen mehr Kontrolle über einen Schlachtverlauf.

Darüber hinaus hatte die griechische Phalanx auch Symbolcharakter für die politische Organisation der griechischen Stadtstaaten. Die egalitäre Kampfordnung der Hopliten drückte deren Gleichstellung als Bürger aus. Beispielhaft kann der Militärdienst von Sokrates genannt werden.

Wie bei vielen militärischen Neuerungen reichte die tatsächliche Entwicklung der Phalanx deutlich weiter zurück als bis zu den alten Griechen. Die älteste Darstellung dieser Formation wird auf 2470 v. Christus datiert. Sie stammt von den Sumerern aus dem heutigen Irak.

Erst die römischen Legionäre sollten mit ihren überlegenen Formationen in der Lage sein, die alten Griechen militärisch in ihre Schranken zu weisen. Doch für mehrere hundert Jahre dominierte die griechische Phalanx im Mittelmeerraum. Im Laufe dieser Zeit wurde die antike Taktik der Hopliten jedoch noch zur makedonischen Phalanx aufgewertet.

Hopliten in der griechischen Phalanx

Ausrüstung und Panzerung

Die Hopliten trugen eine Panoplie. Dieser griechische Begriff bedeutet soviel wie „volle Rüstung“. Diese bestand aus:

  • Das zentrale Element war der Brustpanzer aus Leinen, später ein Glockenpanzer.
  • Als Kopfschutz hatten die Hopliten einen leichten Helm aus Bronze. Die Stärke betrug ein Millimeter, so dass sie nur ein Gewicht von etwa zwei bis drei Kilogramm hatten.
  • Darüber hinaus trugen sie einen schweren Schild mit einem Durchmesser von etwa einem Meter. Dieser bestand aus Holz und verfügte über einen Bronzebeschlag. In der Gegenwart wird dieser Rundschild als „Hoplon“ bezeichnet. Das Wort bedeutet „Waffe“. Deshalb gilt er auch als Namensgeber für die griechischen Hopliten. Das ist historisch jedoch nicht korrekt. Die ursprüngliche Bezeichnung dieses Schildes lautet „Aspis“.
  • Außerdem trugen Hopliten noch Beinschienen aus Bronze, um Bereiche unterhalb des Schildes zu schützen.

Waffen eines Hopliten

Die wichtigste Angriffswaffe eines Hopliten war die etwa zwei bis drei Meter lange Lanze (Dory). Die Spitze war blattförmig und aus Eisen. Für eine bessere Balance der Waffe, befestigte man ein Gegengewicht aus Kupfer am anderen Ende.

Das Holz einer Dory hielt man sehr dünn, so dass eine solche Waffe nur ein bis zwei Kilogramm wog. Deshalb waren diese leichten Lanzen anfällig gegen seitliche Belastungen wie in einem Einzelkampf.

Schola Gladiatoria – Historical European Martial Arts (HEMA)

(Website / Wikipedia / YouTube)

Dieser hohen Anfälligkeit begegnete man bei späteren Modifikationen der griechischen Phalanx sowohl mit schwereren Lanzen (Sarissa) wie auch mit speziellen Einheiten auf den Flügeln.

Die Hopliten verfügten desweiteren über ein schweres Hiebschwert, das Kopis. Dieses eignete sich besonderes um mit einem ersten Hieb einen feindlichen Schild zur Seite zu fegen.

Spartaner und ihre Besonderheiten

Eine große Herausstellung unter den griechischen Hopliten erfuhren die Angehörigen der spartanischen Armee. Die Streitmacht galt als besonders professionell und schlagkräftig. In der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Christus umfasste sie etwa 5.000 Mann.

Wissenschaftliche Befunde zeigen die hohe militärische Bedeutung der Spartaner. Seit dem 6. Jahrhundert v. Christus wurden sie häufig um Beistand gebeten. Darüber hinaus erhielt Sparta zahlreiche Bündnisangebote, was die besondere Stärke unterstreicht.

Erst die Niederlage in der Schlacht von Sellasia im Jahr 222 v. Christus beendete die Ambitionen des Stadtstaates. Doch selbst in diesem letzten Gefecht brauchte es nach Polybios eine dreifache Übermacht der Makedonen und des Achaiischen Bundes, um die spartanischen Hopliten endgültig zurückzudrängen.

Ausbildung eines Spartiaten

Die spartanische Armee stand zunächst nur für Personen mit vollem Bürgerrecht offen. Andere Freie, die Periöken, bildeten ebenfalls eine schwere Infanterie aus Hopliten. Das Training zum vollen Spartiaten begann bereits mit 14 Jahren.

Der griechische Buchstabe Lambda auf den Schilden der spartanischen Hopliten.
Das Lambda der Hopliten Spartas

Entgegen der Darstellungen in Filmen ist die Quellenanlage zur militärischen Praxis der spartanischen Hopliten jedoch sehr dünn. Nur vereinzelt gibt es bildliche Darstellungen beispielsweise auf Keramiken. Jedoch weiß man, dass das Schwert eines Spartaners kurz und gerade war. Dadurch unterschied es sich von anderen griechischen Klingen.

Die Spartaner malten ein großes Lambda auf ihre Schilde. Der griechische Buchstabe steht für Lakedaimonier und bezieht sich auf den Stammvater der Stadt. Als ausgebildete Hopliten durften sie dann einen roten Umhang als Uniform tragen. Dieser wurde vor der Schlacht jedoch abgelegt.

Außerdem weiß man, dass die beiden Hauptwaffen, Lanze und Schwert, bei den Spartanern auf Stiche ausgelegt waren. Deswegen dürfte das Training der Hopliten auf präzise Treffer an Schwachstellen der Rüstung orientiert gewesen sein wie beispielsweise:

  • Gesicht, Hals und Nacken
  • Unter den Achseln
  • Fugen an der Seite des Brustpanzers
  • Oberschenkel

Darüber hinaus galten die Spartaner nicht nur als Erfinder, sondern auch als Perfektionisten der griechischen Phalanx. Deshalb dürfte die taktische Schulung der Hopliten einen besonders hohen Stellenwert gehabt haben. Sie sollen beispielsweise das Marschieren exzessiv geübt haben.

Spartanische Hopliten im Kampf

Ein Zug Spartiaten bestand aus 24 Mann. Diese marschierten in einer Formation von drei mal acht Hopliten. Die kleinste taktische Einheit bestand aus sechs Zügen – also 144 Mann. Höher geordnete Gliederungen ergaben sich je nach Situation und unterlagen häufig auch der Geheimhaltung.

Solche Zahlen unterlagen jedoch auch einem steten Wandel. Später wurde beispielsweise die Tiefe der Phalanx erhöht.

Die Spartaner bewegten ihre Phalanx im Kampf tendenziell langsamer, weil sie die Formation stets geschlossen halten wollten. Deshalb nahmen sie auch nicht die Verfolgung von fliehenden Gegnern auf.

Darüber hinaus beherrschten die spartanischen Hopliten den Schwenk auf dem Schlachtfeld besser als ihre Zeitgenossen. Wegen der Starrheit der griechischen Phalanx barg dies einen außerordentlichen Vorteil bei der Bewegungsfähigkeit im Gefecht.

Taktische Aspekte der Phalanx

Vorteile und Verwendung

Bereits eine rudimentäre Phalanx kann eine große Wirkung entfalten. Dies gilt vor allem gegen Feinde, die völlig ohne Formation antreten. Eine Phalanx wird meistens mit Kämpfern und langen Speeren, den griechischen Hopliten, dargestellt. Für das Prinzip einer Phalanx ist die Bewaffnung aber nachrangig.

Bei einer Phalanx steigern Krieger die Kampfkraft des Einzelnen. Sie formieren sich in einer Linie. So können sie gemeinsam angreifen. Zugleich gewährt jeder Kämpfer dem linken und/oder rechten Nachbarn etwas Schutz.

Umgekehrt wird jeder vom jeweiligen Nachbarn geschützt. So schützen sie sich gegenseitig, was auch die Überlebenschancen des einzelnen Kämpfers erhöht. Doch die Vorteile einer Phalanx spielen sich noch auf einer weiteren Ebene ab.

Das Geheimnis steckt schon in dem Wort „Phalanx“. Das bedeutet zunächst einfach nur „Walze“. Dieser Name ist aber sehr treffend gewählt, weil eine Phalanx in der Tat etwas von einer Walze hat.

Meistens wurde eine griechische Phalanx mit einer Tiefe von sieben bis zwölf Hopliten gebildet. Diese übten gemeinsam einen physischen Druck nach vorne aus, um die gegnerische Linie zu brechen. Man wollte den Feind niederwalzen.

Nachteile der Formation

Die griechische Phalanx zeigte ihre Schwäche jedoch schon, wenn sie auf eine andere griechische Phalanx trifft. Dann blockierten sich Schlachtreihen und es entwickelte sich ein Kräftemessen.

Doch eine griechische Phalanx hatte immer auch einen gewissen Rechtsdrall auf dem Schlachtfeld. Der Grund war, dass die Hopliten ihren schützenden Schild links trugen. Dabei attackierten sie mit der Waffe in der rechten Hand ihre Gegner.

Hopliten drehten sich mit der Phalanx gegen den Uhrzeigersinn.
Hopliten in der griechischen Phalanx drehten sich im Kreis

Die Generäle der Antike konnten solche Schlachtverläufe noch von einem Feldherrnhügel aus beobachten. Von dort aus sahen sie dann, wie sich die beiden Phalangen, durch den Druck den sie aufeinander ausübten, auf dem Schlachtfeld im Kreis (gegen den Uhrzeigersinn) drehten. Das bis heute gängige Sprichwort: „… sich im Kreis drehen …“ kam wegen dieser Erfahrung auf.

Die antiken Feldherren konzentrierten sich deshalb auf die Verlagerung der physischen Kräfte innerhalb der eigenen Schlachtreihe. Das heißt, die kräftigsten Soldaten wurden ganz rechts aufgestellt, um dem „sich im Kreise drehen“ vorzubeugen.

Deshalb entwickelte sich im alten Griechenland die Praxis, dass man sich aus dem Gefecht zurückzog, sobald der eigene rechte Flügel gebrochen war. Mit diesem Ereignis war eine solche Schlacht in der Regel entschieden.

Große Schlachten der Hopliten

Schlacht bei Marathon

Der Stadtstaat Athen hatte das Persische Großreich zu einem Krieg provoziert. Auf diplomatischer Ebene hatten es über Jahrzehnte hinweg schwere Verwerfungen gegeben. Die Perser landeten deshalb mit einer riesigen Armee in Griechenland. Im Jahr 490 v. Christus bewiesen die Hopliten mit der griechischen Phalanx dann in der Schlacht bei Marathon ihren Wert.

Die Athener entschlossen sich, den Persern entgegen zu marschieren. Diese mussten nämlich ein enges Tal bei der Stadt Marathon passieren. Dort warteten die Griechen in Formation und waren bereit zur Schlacht.

Persische Bogenschützen versuchten ihr Glück. Aber die Hopliten wehrten die Pfeile mit ihren großen Rundschilden ab. Auch die persische Kavallerie konnte sich in dem Tal nicht entfalten. Die berittenen Einheiten hatten ebenfalls keinen großen Wert.

Die Perser griffen die griechische Phalanx der Athener schließlich frontal mit der eigenen schweren Infanterie an. Dieser Angriff scheiterte unter großen Verlusten. Die Perser zogen sich am Ende sogar zurück. Die Athener setzten trotz ihrer Unterzahl nach und konnten den Persern weitere Verluste zufügen.

Die Athener verloren in der Schlacht 192 Mann. Die Perser hatten etwa 6.400 Gefallene zu beklagen.

Schlacht bei den Thermopylen

Nur zehn Jahre nach der Schlacht von Marathon war Griechenland erneut in größter Gefahr. Die Perser stellten wiederum eine gigantische Armee auf und setzten unter Xerxes I. über.

Es blieb keine Zeit für eine groß angelegte Verteidigungsstrategie. Unter der Führung von Leonidas I. sammelten sich etwa 6.000 spartanische Hopliten, um die Perser in einer engen Schlucht am Vormarsch zu hindern.

Tagelang brandeten die persischen Truppen vergeblich gegen die Phalanx der spartanischen Hopliten. Doch letztlich wurden sie verraten. Ein Überläufer zeigte den Invasoren einen Weg durch das Gebirge, so dass die Spartiaten auch von hinten attackiert und dann vernichtet wurden.

Doch die Schlacht bei den Thermopylen brachte die notwendige Verzögerung des Vormarsches. Die griechische Verteidigung konnte sich organisieren. Die Perser wurden zurückgeschlagen.