Sir Walter Raleigh

Sir Walter Raleigh – englischer Seefahrer

Sir Walter Raleigh wurde zwischen 1552 und 1554 in Devonshire in Cornwall geboren. Als Protestant kämpfte er zunächst an der Seite der Hugenotten in Frankreich und dann bei der Niederschlagung der Desmond Rebellions in Irland.

Für seine militärischen Erfolge als Offizier erhielt Sir Walter Raleigh große Ländereien im Süden der grünen Insel und würde zur gefragten Persönlichkeit am englischen Hof. Dort entwickelte er sich zum Günstling von Königin Elisabeth I. und trieb in ihrem Namen die Expansion in der Neuen Welt voran.

Sir Walter Raleigh 1598
Sir Walter Raleigh im Jahr 1598 (Maler: William Segar / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Sir Walter Raleigh finanzierte Expeditionen nach Virginia in Nord-Amerika. Dort ließ er die erste, wenn auch wenig erfolgreiche Kolonie auf Roanoke Island gründen.

Später eroberte Sir Walter Raleigh Trinidad für England und suchte nach der legendären Stadt El Dorado im heutigen Venezuela.

Doch unter Jakob I. Stuart, dem Nachfolger von Elisabeth, fiel Sir Walter Raleigh in Ungnade. Er wurde zunächst im Jahr 1603 wegen einer angeblichen Beteiligung an einer Verschwörung zu einer langen Freiheitsstrafe im Tower of London verurteilt.

Sir Walter Raleigh war dann dreizehn Jahre in Haft. In dieser Zeit wurde er zum Schriftsteller und schrieb sein Buch: „History of the World“.

Am 16. März 1616 wurde er aus der Haft im Tower of London entlassen. Er begab sich auf eine weitere erfolglose Expedition nach Guyana in Süd-Amerika. Statt die erhofften Goldminen zu finden, verlor er dort seinen Sohn.

Bei seiner Rückkehr wurde Sir Walter Raleigh auf Betreiben Spaniens erneut verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 29. Oktober 1618 wurde er in London enthauptet. Angeblich zeigte er dabei ein gehörige Portion Galgenhumor:

„Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle, wo der Kopf ist.“

Familiärer Hintergrund und Aufstieg

Das Geburtsdatum von Sir Walter Raleigh ist nicht genau bekannt. Man geht davon aus, dass sein Geburtstag der 22. Januar war. Jedoch ist unklar, ob er im Jahr 1552 oder 1554 geboren wurde.

The Boyhood of Raleigh
„The Boyhood of Raleigh“ (Maler: John Everett Millais / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Er wuchs in South Devon in Cornwall auf und war der jüngste von fünf Söhnen eines niederen Adeligen. Die Familie war streng protestantisch und von den Verfolgungen unter Maria I. Tudor betroffen. Der Vater von Walter Raleigh musste sich deswegen sogar zeitweise verstecken.

Nach dem Tod von „Bloody Mary“ stieg die Familie jedoch wieder auf. Mit Sir Arthur Champernowne, einem Onkel mütterlicherseits von Walter Raleigh, hatten sie ein prominentes Mitglied in ihren Reihen.

Sir Champernowne war Mitglied des Parlamentes, Sheriff von Devon und Admiral of the West in den Jahren von 1562 bis 1577. Damit war er vor allem für die Verteidigung von Cornwall sowie die Bekämpfung der Piraterie zuständig.

Diese Verbindung half entscheidend bei der Karriere von Walter Raleigh. Auch seine Brüder waren deshalb während der Regierung von Königin Elisabeth I. erfolgreich.

Hugenottenkrieg in Frankreich

Im Jahr 1559 ging Walter Raleigh nach Frankreich und schloss sich den Hugenotten im Religionskrieg an. Dabei handelte es sich um insgesamt acht teils sehr blutige Bürgerkriege.

Oriel College
Oriel College der University of Oxford (Foto: Alf / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Über die Rolle von Walter Raleigh in den französischen Hugenottenkriegen ist jedoch wenig bekannt. Er kehrte dann 1572 nach England zurück und begann ein Studium am Oriel College der University of Oxford.

Er verließ die Universität nach einem Jahr ohne Abschluss. Seine Ausbildung beendete er dann an den Inns of Court, den Anwaltskammern in London. In den Jahren bis 1575 war Walter Raleigh in verschiedenen Bereichen tätig.

In seinem später geschriebenen Buch gab er jedoch an, zwischenzeitlich als Augenzeuge bei der Schlacht bei Moncontour am 03. Oktober 1569 gewesen zu sein. Es handelte sich dabei um ein Gefecht zwischen dem katholischen König Karl IX. von Frankreich und den protestantischen Hugenotten, die eine herbe Niederlage erlitten.

Soldat in Irland und Ritterschlag

Zwischen 1579 und 1583 war Sir Walter Raleigh in Irland an der Bekämpfung der Desmond Rebellions beteiligt. Es ging dabei um die Unabhängigkeit von irischen Feudalherren gegenüber England. Bei der Belagerung von Smerwick führte er ein Kontingent von etwa 600 italienischen und spanischen Söldnern.

Für seine Erfolge erhielt Sir Walter Raleigh riesige Ländereien im Süden von Irland mit einer Fläche von etwa 16.000 Hektar. Das waren etwa 0,2 % der gesamten Fläche der grünen Insel.

Myrtle Grove
Myrtle Grove – Landsitz von Sir Walter Raleigh in Youghal (Foto: Will McGoldrick / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Sir Walter Raleigh wurde damit zu einem der führenden Landbesitzer in Irland. Der elisabethanische Landsitz Myrtle Grove bei der Stadt Youghal diente ihm dabei als zentralem Wohnsitz. Wirtschaftlich war er jedoch wenig erfolgreich und verkaufte die Besitzungen zwei Jahrzehnte später.

Doch die militärischen Erfolge in Irland machten Sir Walter Raleigh zu einer gefragten Persönlichkeit. Im Jahr 1581 kam er an den Königshof und gewann die Freundschaft der Königin.

Im Jahr 1584 erhielt er besondere Handelsprivilegien für Expeditionen und die Gründung von Kolonien in Übersee. Diese Sonderrechte waren zunächst auf sieben Jahre begrenzt und sahen eine Beteiligung der Krone in Höhe von 20 % vor.

1585 wurde Sir Walter Raleigh zum Ritter geschlagen. Ein Jahr später wurde er zum Vizeadmiral ernannt und vertrat Devon zeitweise sogar im Parlament. Schließlich nahm die Königin ihn sogar in ihren engsten Beraterkreis auf.

Sir Walter Raleigh im Dienste der Königin

Sir Walter Raleigh nutzte seinen Einfluss, um den Ausbau der englischen Kolonien in der Neuen Welt voranzutreiben. Mit Hilfe seiner königlichen Privilegien konnte er außerdem finanzstarke Investoren werben.

Kolonie auf Roanoke Island (ab 1585)

Umgehend entsandte Sir Walter Raleigh eine Expedition nach Nord-Amerika, an der er jedoch nicht persönlich teilnahm. Am 17. August 1585 gründeten 108 Siedler in seinem Auftrag die erste englische Kolonie auf Roanoke Island in Virginia.

Roanoke Island Karte
Karte für die Kolonie Roanoke Island von 1584 (Urheber: John White / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Ursprünglich dachte man, dort ließen sich ebenso Edelmetalle gewinnen wie in Süd-Amerika. Das war jedoch ein schwerer Irrtum. Darüber hinaus hatte die Kolonie große Probleme wegen fehlender Nahrung und internen Streitigkeiten.

Das Vorhaben musste schon im darauf folgenden Jahr aufgeben werden. Die verbliebenen Siedler wurden von Sir Francis Drake auf dem Rückweg von einer Kaperfahrt in die Karibik wieder mit in die Heimat genommen.

Der zweite Versuch von 1587 scheiterte ebenso kläglich. Drei Jahre später stellte man fest, dass die Siedler unter unerklärlichen Umständen verschwunden waren.

Im Nachgang entwickelten sich diverse Theorien zum Verbleib der englischen Siedler, von einem freiwilligen Zusammenschluss mit Indianern bis zur Versklavung durch eben diese. Die genauen Zusammenhänge konnten jedoch bis heute nicht aufgeklärt werden.

Captain of the Yeomen of the Guard

1586 wurde Sir Walter Raleigh erstmals zum Captain of the Yeomen of the Guard ernannt. Das sind bis heute die Bodyguards der englischen Könige.

Die traditionelle Einheit wurde 1485 von Heinrich VII. nach der Schlacht von Boswerth Field gegründet. Dabei handelte es sich um das letzte Gefecht der Rosenkriege.

Heutzutage bestehen die Yeoman of the Guard aus vier Zügen mit je 13 Mann und je einem Offizier. Die Mannschaften sind ausnahmslos ehemalige Unteroffiziere der britischen Armee, die eine Dienstzeit von mindestens 15 Jahren absolviert haben.

Sir Walter Raleigh hatte das Amt als Captain bis 1592 und dann nochmal von 1597 bis 1603 inne.

Ehe mit Elizabeth Throckmorton

Im Jahr 1591 heiratete Sir Walter Raleigh heimlich die Hofdame Elizabeth Throckmorton. Sie war die Tochter des Diplomaten und Politikers Sir Nicholas Throckmorton, der als eine graue Eminenz und Strippenzieher an zahlreichen Intrigen und Verschwörungen beteiligt war.

Elizabeth Throckmorton
Elizabeth Throckmorton war die Ehefrau von Sir Walter Raleigh (Maler: William Segar / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Ihre besondere Stellung am Hof verdankten die Throckmortons der Verwandtschaft mit Catherine Parr. Das war die sechste und letzte Ehefrau von Heinrich VIII. von 1543 bis zu seinem Tod im Jahr 1547.

Elizabeth Throckmorton war zum Zeitpunkt der Eheschließung bereits schwanger und gebar im März 1592 einen Jungen, der jedoch wenig später bereits verstarb. Im Juni diesen Jahres erfuhr die Königin von der heimlichen Ehe und ließ Sir Walter Raleigh und seine Ehefrau für einige Monate im Tower of London inhaftieren.

Da sich weder Sir Walter Raleigh noch Elizabeth Throckmorton für die heimliche Ehschließung entschuldigten, verlor er für etwa fünf Jahre die Gunst der Königin. In dieser Zeit wurde der zweite Sohn Walter geboren, der seinen Vater später auf einer verhängnisvollen Expedition begleiten und dabei sterben sollte.

Expedition nach El Dorado (1595)

Im Jahr 1595 startete Sir Walter Raleigh eine Expedition zur Entdeckung der legendären goldenen Stadt El Dorado in Süd-Amerika. Diese Aktion ist im Rahmen des englisch-spanischen Krieges zu sehen und sollte den Katholiken einen schmerzhaften Verlust zu fügen.

Zunächst eroberte Sir Walter Raleigh San José de Oruña auf Trinidad. Die Stadt wurde zur Basis für seine Expedition, die ihn tief in das Landesinnere von Süd-Amerika führte.

Die Engländer drangen unter dem Befehl von Sir Walter Raleigh über 600 Kilometer entlang des Orinoco in das Hochland von Guyana im heutigen Venezuela ein.

Da es sich bei El Dorado lediglich um einen Mythos handelte, war diese auch sehr teure Expedition von Sir Walter Raleigh auch nicht erfolgreich. Dennoch konnten die Engländer vorteilhafte Kontakte zu Einheimischen aufbauen, so dass die Reise nicht völlig umsonst war.

Eroberung von Cadiz (1596)

Im Jahr 1596 erlangte Sir Walter Raleigh durch seine Beteiligung an der Eroberung von Cadiz erneut die königliche Gunst. Er wurde dabei auch verwundet.

Cadiz war damals der größte spanische Kriegshafen am Atlantik. Bereits im Jahr 1587 hatte Sir Francis Drake mit einem Überfall die dort ankernde spanische Armada zerstört und so eine mögliche Invasion von England abgewehrt.

Als 1596 erneut eine Invasion drohte, entschieden sich die Engländer wiederum für einen präventiven Schlag. Zusammen mit den Niederländern entsandten sie eine Flotte von 150 Schiffen.

In dem nur schwach verteidigten Hafen wurden einige Kriegsschiffe zerstört. Aber vor allem versenkten die Spanier selber ihre Handelsflotte, damit die reiche Beute nicht in die Hände ihrer Feinde fiel.

Der wirtschaftliche Schaden für Spanien war dennoch immens. Darüber hinaus plünderten und zerstörten die Engländer Cadiz und ließen bei ihrer Abreise zwei Wochen später nur brennende Ruinen zurück.

Die Flotte segelte weiter zu den Azoren, wobei Sir Walter Raleigh als Vize-Admiral fungierte. Man wollte dort die spanische Silberflotte aus Süd-Amerika abfangen. Dies misslang jedoch, worauf die Schiffe in ihre Heimathafen zurückkehrten.

Kampf gegen die Dritte Armada (1597)

1597 entsandte Spanien eine dritte Armada gegen England. Sie unterschätzten jedoch erneut die Stürme im Ärmelkanal und erlitten bereits bei der Anreise große Verluste.

Sir Walter Raleigh war zunächst als Vize-Admiral und dann als Lieutenant General an der Verteidigung vor Cornwall beteiligt. Die Spanier waren jedoch zu keinem Zeitpunkt in der Lage, einen geballten Schlag gegen England zu führen.

Doch für die Karriere von Sir Walter Raleigh war die Entwicklung sehr vorteilhaft. Er wurde anschließend als Abgeordneter ins Parlament entsandt und zum Gouverneur der Kanalinsel Jersey ernannt.

Tiefer Fall nach dem Tod ihrer Majestät

Am 24. März 1603 starb Königin Elisabeth I. und damit begann der tiefe Fall von Sir Walter Raleigh. Wenige Monate später wurde er als einer der angeblichen Hauptverschwörer im „Main Plot“ gegen ihren Nachfolger verurteilt und im Tower of London eingesperrt.

Haftzeit im Tower of London

Das Verfahren gegen Sir Walter Raleigh begann man 17. November 1603. Mit Hilfe seiner juristischen Vorbildung führte er die Verteidigung selbst.

Zelle im Bloody Tower
Zelle von Sir Walter Raleigh im Bloody Tower (Foto: Kjetil Bjørnsrud / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Die Anklage stützte sich dabei auf eine schriftliche Aussage seines Freundes Henry Brooke, 11th Baron Cobham. Trotz des Verlangens von Sir Walter Raleigh kam es jedoch nicht zu einer mündlichen Befragung des Zeugen.

Sir Walter Raleigh argumentierte, dass die Anklage nur auf Hörensagen basieren würde. Das Tribunal verurteilte ihn dennoch. Aber Jakob I. Stuart verschonte zunächst sein Leben.

Sir Walter Raleigh musste nach seiner Verurteilung für dreizehn Jahre im Bloody Tower des Tower of London einsitzen. In dieser Zeit schrieb sein Buch: „History of the World“

Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein vollständiges Werk. Vielmehr beschäftigte sich Sir Walter Raleigh vor allem mit der Antike und geographischen Fragen.

Zweite Reise nach Guyana (1617)

Nach seiner Freilassung im Jahr 1616 organisierte Sir Walter Raleigh eine zweite Expedition, um El Dorado nun doch noch zu finden. Währenddessen kam es zu einem von ihm nicht genehmigten Überfall auf den spanischen Außenposten Santo Tomé de Guayana am Orinoco.

Damit war es unter dem Befehl von Sir Walter Raleigh nicht nur zu einem Bruch des damaligen Friedens mit Spanien gekommen. Tragischerweise wurde auch sein Sohn bei dem kleinen Gefecht erschossen.

Hinrichtung in London (1618)

Nachdem Sir Walter Raleigh nach England zurückkehrte, forderte der spanische Botschafter seinen Kopf. Seine Hinrichtung fand am 29. Oktober 1618 statt.

Sir Walter Raleigh Pfeife
„Raleigh’s First Pipe in England“ (Urheber: Frederick William Fairholt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Das Schicksal gewährte ihm jedoch eine letzte Gnade. Als leidenschaftlicher Raucher durfte er noch ein letztes Pfeifchen paffen.

Sir Walter Raleigh wurde dann auf dem Old Palace Yard im Palace of Westminster enthauptet. Seinen Kopf übergab man anschließend der trauernden Witwe. Sie hob ihn bis zu ihrem Tod auf.

Wie bereits die Verurteilung wegen Verschwörung wurde nun auch die Hinrichtung von vielen Zeitgenossen als überzogene Maßnahme gewertet. Die Witwe kämpfte lange Zeit, aber letztlich erfolgreich für seine Rehabilitation, womit vor allem auch das Vermögen an den noch lebenden Sohn vererbt werden konnte.