Andrew Carnegie und die Stahlindustrie

Andrew Carnegie wurde am 25. November 1835 im schottischen Dunfermline als Sohn eines Webers geboren. 1901 setzte er sich als einer der reichsten Menschen seiner Zeit zur Ruhe.

„Strebe nach dem Höchsten.“

Dabei hatte Andrew Carnegie nur eine sehr überschaubare Ausbildung. Auch musste er bereits als junger Teenager zwölf Stunden am Tag für einen Hungerlohn arbeiten.

Andrew Carnegie 1913
Andrew Carnegie im Jahr 1913 (gemeinfrei)

Aber Andrew Carnegie bekam mit 14 Jahren ein Job als Telegraphist. Dabei fiel er mit Thomas A. Scott dem Leiter einer großen Eisenbahngesellschaft auf.

Eben jener wurde während des Amerikanischen Bürgerkrieges von Abraham Lincoln zum stellvertretenden Kriegsminister ernannt.

Thomas A. Scott übertrug Andrew Carnegie die Organisation des militärischen Telegraphendienstes. Nach dem Bürgerkrieg machte sich der junge Aufsteiger selbständig und stieg in die Eisenindustrie ein.

Bei heimatlichen Besuchen in Großbritannien beobachte Andrew Carnegie die rasante Entwicklung der dortigen Stahlindustrie. Geschickt brachte er die neuen Technologien nach Amerika und baute einen der ersten Hochöfen in den USA.

1873 gründete Andrew Carnegie ein Stahlwerk und stieg dank lukrativer Aufträge von Eisenbahngesellschaften zum Tycoon seines Industriezweiges auf.

1901 setzte er sich zur Ruhe und verkaufte alle seine Anteile an der Carnegie Steel Company für sagenhafte 480 Millionen Dollar an den legendären Banker J. P. Morgan.

Gemessen an der Kaufkraft von 2014 entsprach der damalige Verkaufspreis einem Wert von 372 Milliarden Dollar. Nach John D. Rockefeller und Cornelius Vanderbilt war Andrew Carnegie seiner Zeit der drittreichste US-Bürger.

Seinen Lebensabend beging Carnegie als großzügiger Philanthrop. Er gründete Stiftungen und baute Bibliotheken sowie Museen.

Häufige Fragen zu Andrew Carnegie (FAQs)

  • Wie wurde Andrew Carnegie so reich? Er glänzte zunächst als Angestellter, machte sich dann als Eigentümer von Eisenwerken selbständig und erkannte dabei sehr früh die Bedeutung von Stahl. Mit Großaufträgen von Eisenbahngesellschaften und einer vertikalen Integration der Koksproduktion wurde er schließlich der drittreichste US-Bürger des „Gilded Age“.
  • Was ist das „Evangelium des Reichtums“? Das ist ein Essay von Andrew Carnegie aus dem Jahr 1889. Darin erhob er gesellschaftliches Engagement zu einer moralischen Pflicht für wohlhabende Menschen: „Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.“
  • Wieviel Geld stiftete Andrew Carnegie als Philanthrop? Für den Verkauf seiner Anteile an der Carnegie Steel Company erhielt er 480 Millionen Dollar. Davon gab er 350 Millionen Dollar für gemeinnützige Zwecke aus.
  • Was förderte Andrew Carnegie als Philanthrop? Der Stahl-Tycoon gründete zahlreiche Stiftungen und wollte jeder Person in den USA den Zugang zu einer Bibliothek ermöglichen. Darüber hinaus förderte er die Kultur mit dem Bau von Museen und Konzertsälen wie der Carnegie Hall in Manhattan.

Carnegie – Sohn eines schottischen Webers

Andrew Carnegie stammte aus dem schottischen Dunfermline nördlich von Edinburgh in der Grafschaft Fife. Der Ort hat heute etwa 50.000 Einwohner und liegt in der Nähe des Firth of Forth.

Der Vater war ein Weber, der aufgrund der Verbreitung von Maschinen immer weniger verdiente. Die Familie wanderte deshalb 1848 in die Vereinigten Staaten aus.

Die Carnegies ließen sich in Allegheny nieder. Das war ein kleiner Ort, der heute ein Stadtteil von Pittsburgh ist.

Sekretär von Thomas A. Scott

Andrew Carnegie musste dann schon mit 13 Jahren für zwölf Stunden am Tag in einer Spinnerei arbeiten. Doch er besuchte die Abendschule und bekam ein Jahr später einen Job im Telegraphenamt von Pittsburgh.

Dort wurde Thomas A. Scott auf Andrew Carnegie aufmerksam. Das war der Chef der Western Division der Pennsylvania Railroad (PRR).

Dabei handelte es sich dann sogar noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein um die größte Eisenbahngesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Dort begann die Karriere von Andrew Carnegie, der es dank seiner Talente zum Sekretär und engen Begleiter von Thomas A. Scott brachte.

Telegraphendienst im Bürgerkrieg

Ulysses S. Grant
Ulysses S. Grant als Präsident (Brady-Handy Photograph Collection / gemeinfrei)

Zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkrieges wurde Thomas A. Scott wegen seiner umfassenden Kenntnisse der Infrastruktur in den militärischen Dienst gerufen.

Zunächst als Colonel der Freiwilligen übernahm er die Organisation des Telegraphendienstes für die Armeen der Nordstaaten.

Er war aber auch mit dem Kriegsminister Simon Cameron befreundet, der ihn im August 1861 zu seinem Stellvertreter an der Spitze des Ministeriums ernannte.

Andrew Carnegie blieb in dieser Zeit an der Seite von Thomas A. Scott. Der sollte sich im Amerikanischen Bürgerkrieg noch sehr bewähren und seine Fähigkeiten als Logistiker unter Beweis stellen.

Beispielsweise gelang Thomas A. Scott eine Verlagerung von 25.000 Soldaten der Union innerhalb von 24 Stunden während der dreitägigen Schlacht von Chattanooga.

So konnte der damalige General Ulysses S. Grant das Gefecht noch zu Gunsten der Nordstaaten drehen. In der Folge fiel ganz Tennessee an die Union. Der spätere Präsident Grant erhielt für diesen Sieg seine Beförderung vom Major General zum Lieutenant General.

Andrew Carnegie – Tycoon und Philanthrop

Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges übernahm Andrew Carnegie zunächst den Posten von Thomas A. Scott an der Spitze der Western Division der Pennsylvania Railroad. Doch bereits 1865 verließ er die Eisenbahngesellschaft und machte sich selbständig.

Start als selbständiger Unternehmer

Zunächst investierte Andrew Carnegie sehr geschickt in verschiedene Unternehmen. Dazu gehörten auch mehrere Eisenhütten.

Bei Besuchen in Großbritannien erkannte Andrew Carnegie die zukunftsweisende Bedeutung von Stahl mit seinen Vorteilen gegenüber Gusseisen: Der neue Werkstoffe konnte gebogen, gewalzt und gezogen werden.

Damit war Stahl viel besser für die Produktion von Maschinen und anderen schweren Gütern geeignet. 1870 errichtete Andrew Carnegie deshalb seinen ersten Hochofen.

Drei Jahre später konnte er bereits ein Stahlwerk eröffnen. Geschäftlich halfen ihm die alten Kontakte: Die Pennsylvania Railroad (PRR) vergab einen Großauftrag an Andrew Carnegie, die seine weitere Expansion befeuerte.

Der aufstrebende Unternehmer hatte bei diesem Werdegang die Unterstützung von mehreren Partnern. Wie beispielsweise auch John D. Rockefeller achtete Andrew Carnegie jedoch stets darauf, die Mehrheit an seinem Unternehmen zu behalten. Er war der Chef.

Kooperation mit Henry Clay Frick

Henry Clay Frick
Henry Clay Frick (gemeinfrei)

1881 gelang Andrew Carnegie ein großer Coup. Er fusionierte mit Henry Clay Frick, einem seiner größten Lieferanten für Koks.

Die Fusion war eine „vertikale Integration“, die die Tiefe der Wertschöpfungskette erhöhte. Schon wenige Jahre später zog sich Andrew Carnegie bereits aus dem operativen Betrieb zurück.

Henry Clay Frick übernahm ab 1889 die Führung der Geschäfte. Damals besaßen sie eine Reihe von Hochöfen und Stahlwerken im Raum Pittsburgh.

1892 fasste Frick fast alle Unternehmensteile in der großen Carnegie Steel Company zusammen. Es handelte sich damals bereits um den größten Stahlproduzenten der Welt. Im Hintergrund behielt Andrew Carnegie mit seiner Mehrheit am Unternehmen jedoch stets die Fäden in der Hand.

Nur in einer Frage entglitt dem Tycoon die Kontrolle: Henry Clay Frick begann, die Löhne der Arbeiter zu drücken. Während Andrew Carnegie in seinem Sommersitz in Schottland war, löste dies den großen Homestead-Streik aus.

Schüsse auf streikende Arbeiter

Homestead-Streik
Bewaffnete von Pinkteron während des Homestead-Streikes (gemeinfrei)

Henry Clay Frick wollte gegen den Willen von Andrew Carnegie den Widerstand der Gewerkschaften mit Streikbrechern zerschlagen. Zu deren Schutz setzte Frick auf 300 Bewaffnete der Pinkerton-Detektei ein.

„I will never recognize the union, never, never!“ (Henry Clay Frick)

Doch das „Union Busting“ während des Homestead-Streiks endete am 06. Juli 1892 in einer blutigen Tragödie: In der Nacht zuvor hatten Arbeiter randaliert und eine Anlage in Brand gesetzt.

Als die „Watchmen“ der Pinkteron-Detektei in den frühen Morgenstunden die Menge auseinander treiben wollten, wurden einzelne Schüsse aus der Masse abgegeben. Die Schergen positionierten sich daraufhin auf einer Anhöhe und schossen gezielt in die Menge.

Zunächst zogen sich die Streikenden zurück. Doch nachmittags sammelten sie sich erneut und die „Schlacht von Homestead“ begann.

Etwa 5.000 Arbeiter kesselten die 300 Mann von Pinkerton auf dem Hügel ein. Nach etwa einer Stunde hissten die Watchmen eine weiße Flagge und kapitulierten.

Die Streikenden entwaffneten die Schergen und setzten sie in einem provisorischen Gefängnis fest. Dabei wurden zwei der Watchmen übel zusammengeschlagen. Das provozierte einen Aufschrei in der Presse und die Arbeiter verloren die öffentliche Unterstützung für ihren Streik.

Am folgenden Tag traf die Miliz von Pennsylvania unter dem Befehl eines Major General ein und befriedete die Lage. Doch die blutige Bilanz stand bereits: Der Homestead-Streik forderte zehn Tote sowie 60 Verletzte.

Andrew Carnegie war zu diesem Zeitpunkt auf seinem Landsitz in Schottland. Eigentlich hatte er Henry Clay Frick angewiesen, nicht brachial gegen die streikenden Arbeiter vorzugehen.

Der Tycoon übernahm dennoch die Verantwortung und wurde für die Ereignisse auch verantwortlich gemacht. Er distanzierte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich von seinem Geschäftsführer. Andrew Carnegie zahlte Frick aber wenige Jahre später aus und beendete die geschäftliche Beziehung.

Stiftungen, Bibliotheken und Kulturförderung

Andrew Carnegie 1905
Andrew Carnegie im April 1905 (gemeinfrei)

Der Tycoon zog sich 1901 aus dem Geschäftsleben zurück. Er verkaufte seine Anteile an der Carnegie Steel Company an den Banker J. P. Morgan für 480 Millionen Dollar.

In den folgenden Jahren baute er sein soziales Engagement aus, was Andrew Carnegie als moralische Pflicht ansah. Dieser kam er dann auch umfassend nach. Er gab insgesamt etwa 350 Millionen Dollar als Philanthrop aus.

1904 gründete er beispielsweise den „Hero Trust Funds“ zur Förderung von selbstlosem Verhalten. Außerdem hatte er das ambitionierte Ziel, jedem US-Bürger den Zugang zu einer Bibliothek zu ermöglichen.

Hinzu kamen weitere einzelne Projekte. Besonders berühmt wurde mit der Carnegie Hall ein Konzertsaal in Manhattan, der auch heute noch den ganz großen Stars eine Bühne bietet.

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