Kaiser Augustus

Kaiser Augustus – 27 v. bis 14 n. Christus

Nachdem Gaius Julius Caesar, der Diktator auf Lebenszeit der römischen Republik an den Iden des März 44 v. Christus ermordet worden war, kam es zunächst zum Bürgerkrieg. In diesem konnte sich sein Adoptivsohn, ein junger Mann names Gaius Octavius behaupten, auch als Octavian bekannt. Sein Lohn war das erste Principat des römischen Imperiums und der Ehrenname Kaiser Augustus – der Erhabene.

„Eile langsam! Ein vorsichtiger ist besser als ein waghalsiger Heerführer.“  (Zitat von Augustus nach Sueton)

Kaiser Augustus herrschte von 27 v. bis 14 n. Christus und steht symbolisch sowohl für das Ende der Republik wie für den Beginn der ca. 500-jährigen Kaiserzeit in Rom. Er brachte inneren Frieden und eröffnete eine neue Epoche der Prosperität – die Pax Augusta. Über zwei Jahrhunderte konnte das römische Reich gedeihen. Doch unter der Oberfläche war bereits die Saat des Zerfalls gelegt worden.

Denn Augustus hatte auch die meritokratische Auswahl von Anführern des Staates durch eine Erbmonarchie ersetzt. In dieser Folge kamen zahlreiche Tyrannen in den Besitz der Staatsgewalt. Bereits zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Christus mussten eine Serie von „Adpotivkaisern“ wie Kaiser Trajan oder Kaiser Hadrian die Geschicke des Reiches wieder in stabilere Bahnen lenken.

Der junge Octavian – Glück muss man haben

Herkunft und Jugendjahre

Octavian war nach seinem Vater benannt, der ebenfalls Gaius Octavius hieß. Aber vor allem war er ein Großneffe von Cäsar. Die Octavier gehörten eigentlich zu dem Stand der römischen Ritter. Diese bildeten eine Schicht des niederen Adels und stellten zahlreiche Funktonseliten in Militär, Justiz und Verwaltung.

Der Vater konnte aber sehr erfolgreich Karriere im öffentlichen Dienst machen. Er war in den Stand der römischen Senatoren aufgestiegen und hatte der Familie neue Möglichkeiten eröffnet. Da der Vater jedoch früh starb, musste ein Verwandter die Vormundschaft übernehmen. Cäsar hingegen hatte keinen anerkannten Sohn. So wurde der junge Octavian zum Ziehsohn des ersten Mannes im Staat.

Die Ermordung von Cäsar

Als Cäsar ermordet wurde, war der spätere Kaiser Augustus gerade einmal 18 Jahre alt und hatte nun schon zum zweiten Mal einen Vater verloren. Er ging ein Bündnis mit Marcus Antonius ein, dieser war die rechte Hand von Cäsar gewesen und amtierte in diesen Tagen auch als Konsul.

Statue des jungen Kaiser Augustus in Rom
Der junge Kaiser Augustus (pixabay)

Octavian und Marc Anton waren von dem Anschlag natürlich überrascht und auf dem falschen Fuß erwischt worden, aber sie profitierten von einem kapitalen Fehler der Verschwörer. Die Mörder von Cäsar hatten lediglich das Attentat geplant. Sie hatten sich jedoch nicht auf das Machtvakuum nach dem Tod des Tyrannen vorbereitet.

Die „Cäsarianer“ hingegen konnten sich in den Tagen nach dem Anschlag politisch sehr gut positionieren. Das Begräbnis von Cäsar wurde zu einem epochalen Ereignis, bei der Marc Anton als amtierender Konsul eine reißende Rede hielt. Dabei zeigte er demonstrativ Cäsars blutige Kleidung mit den zahllosen Löchern durch die Messerstiche im Senat. Er konnte das Volk von Rom mit den richtigen Worten auf seine Seite ziehen.

Dennoch gelang ihm der rhetorische Spagat, keine Vergeltung für die Bluttat zu fordern. So präsentierte er sich und seine Partei geschickt als die Wahrer des Friedens. Mit diesem überragenden PR-Manöver konnte Marc Anton viele Senatoren und große Teile der Bevölkerung für sich und Octavian gewinnen. Die Stimmung kippte zu ihren Gunsten.

Es kam zu einem Rausch der Gefühle für den ermordeten Cäsar. Wider aller Traditionen und Gebräuche verbrannte man den Leichnam des toten Diktators in einer pathetischen Szene auf dem Forum Romanum und bejubelte dessen Eingriffe in die Geschicke des Staates.

Der große Bürgerkrieg

Brutus und Cassius, die beiden Rädelsführer des Anschlages auf Cäsar sowie viele andere „Republikaner“ sind sofort aus Rom geflohen. Aus den letzten Jahrzehnten kannte man zahlreiche Fälle von Lynchjustiz und gezielten Ermordungen von politischen Gegner. Es kam immer darauf an, welche Partei in Rom gerade das Sagen hatte.

In Griechenland konnten sich die Verschwörer jedoch sammeln und zum Widerstand formieren. Die sterbende römische Republik sollte sich keine 50 Jahre nach dem Tod von Lucius Cornelius Sulla ein letztes Mal in einem Bürgerkrieg aufbäumen.

Brutus und Cassius verfügten über eine üppige Versorgung sowie ein klares politisches Ziel – die Wiederherstellung der Republik. Es kam zu schweren Gefechten. Aber den Cäsarianern um Octavian und Marc Anton gelang es, im Bürgerkrieg die Oberhand zu gewinnen.

Dabei ließ der künftige Kaiser Augustus jedoch eine große Schwäche erkennen. Er selbst war kein erfahrener General, der seine Truppen mit Erfolg zu führen wusste. Tatsächliche kassierte er einige peinliche Niederlagen, die ihm immer wieder vorgehalten wurden.

Der Bruch mit Marc Anton

Dennoch gelang es den Cäsarianern sich gegen die Republikaner durchzusetzen. Nach dem Sieg in der Doppelschlacht bei Philippi teilten Gaius Octavius und Marc Anton die römische Welt auf. Während der spätere Kaiser Augustus den westlichen Teil mit Rom als Hauptstadt führte, regierte der alte Weggefährte von Cäsar zusammen mit Kleopatra von Ägypten aus.

Doch der austrebende Gaius Octavius sah voller Neid auf den Herrschaftsbereich und den Reichtum von Marc Anton. Ein Konflikt sollte unausweichlich sein. Es kam zum Bruch zwischen Cäsars Adoptivsohn und dem altem Gefährten. Diesen letzten Bürgerkrieg der römischen Republik sollte der junge Aufsteiger für sich entscheiden.

Der erste Kaiser von Rom – ab 27 v. Christus

Die formale Wiederherstellung der Republik

Nach dem erfolgreichen Ende des Kampfes gegen seine Widersacher, kam es im Januar 27 v. Christus zu einem großen Staatsakt in Rom. Formal wurde das Ende des Bürgerkrieges und die Wiederherstellung der Republik gefeiert. Dieses betont respektvolle Verhalten gegenüber den Senatoren sollte sich politisch auszahlen. Dieser Schachzug wurde in der Geschichte noch von vielen Kaiser nachgeahmt.

Tatsächlich hatte der römische Staat nur noch einen oberflächlichen Anstrich. Vielmehr war ein quasi monarchisches System mit dem „Princeps“ an der Spitze entstanden. Das Amt des römischen Kaiser war geschaffen worden. Diese Herrschaftsform zeichnete sich durch eine religiös untermauerte Allmacht des Herrschenden aus und hatte nur noch wenig mit der alten Republik gemein.

Octavians Ernennung zum „Augustus“

Auf den Vorschlag eines treuen Verbündeten, des ehemaligen Konsuln und Senatoren Lucius Munatius Plancus, wurde Octavian zum ersten Princeps der römischen Republik ernannt. Faktisch handelte es sich bei diesem Vorgang um die Erhebung zum Kaiser. Hierbei wurden ihm drei Aufgabenbereich übertragen, die einem machtpolitischen Maßanzug entsprachen:

  • Neubau des Staates
  • Innere und äußere Sicherheit
  • Nachfolgeregelung

Die Römer zeigten im Zuge dieses Staatsaktes im Januar 27 v. Christus jedoch auch ihren starken Traditionen. Im Rahmen einer Kulthandlung wurde der Inhaber des römischen Principats mit dem Stadtvater Romulus gleichgesetzt. Der Ehrentitel „Augustus“ auf deutsch „der Erhabene“ sollte dies symboliseren. Deswegen führten auch die nachfolgenden Kaiser diesen Titel, der zur Amtsbezeichnung für den Inhaber der obersten Reichsgewalt wurde.

In Abgrenzung zu den früheren, laizistischen Konsuln der römischen Republik erhielt der Kaiser mit der Verleihung der Würde des obersten Priesters – des Pontifex Maximus – auch eine sakrale Bedeutung. Octavian hatte sich damit eine überragende Machtposition geschaffen, die der späteren Ideologisierung des Prinzipats erheblichen Vorschub leistete.

Auf Kaiser Augustus geht auch die Gründung der Prätorianer-Garde zurück. Diese Elite-Einheit schützte 350 Jahre lang bis zur ihrer Auflösung durch Kaiser Konstantin I. die Potentaten von Rom. Sie wurden jedoch zum großen Machtfaktor. Sie waren sehr häufig in Attentate direkt involviert und brachten aus ihren Reihen selbst zahlreiche Kaiser hervor.

Die Pax Augusta – der augusteische Frieden

Kaiser Augustus beendete mit Beginn seiner Regentschaft im Jahre 27 v. Christus – etwa 100 Jahre nach den beiden Volkstribunen Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus – den Todeskampf der römischen Republik mit zahllosen Bürgerkriegen und Toten. Diese Phase des inneren Friedens führte jedoch auch zu einer neuen Epoche der Expansion und zahlloser Kriege mit Nachbarvölkern.

Aber bis zum Tode von Marc Aurel im Jahre 180 n. Christus sollte diese Pax Augusta eine Epoche des Wachstums und Wohlstands bringen. Trotz einiger Tyrannen erhob sich die römische Zivilisation dank dieser Stabilität zur Blüte in der hohen Kaiserzeit mit einer imperialen Spanne von Schottland bis nach Kuweit.

Expansion nach Germanien

Kaiser Augustus wollte auch als Eroberer mit seinem großen Vorbild und Adoptivvater Schritt halten. Er versuchte ganz Germanien zu erobern. Hierfür kam es zu zahlreichen Bautätigkeiten wie beispielsweise auch zur Gründung der Stadt Augsburg im Jahr 15 v. Christus, die bis heute mit ihrem Namen an den damaligen Herrscher erinnert.

Im Anschluss sollten die Regionen rechts des Rheins bis jenseits der Elbe erobert werden. Dieses Bestreben des römischen Reiches sollte jedoch am Erfolg von Arminius in der Varusschlacht im Jahre 9 n. Christus scheitern. Auch in der Nachfolge sollte es keinem Kaiser von Rom gelingen, Germanien dauerhaft zu besetzen.

Tod und Nachfolge – 14 n. Christus

Kaiser Augustus blieb trotz dreier Ehen kinderlos. Wahrscheinlich lag es an ihm, denn eine der Frauen hatte zwei Söhne mit in die Ehe gebracht – Drusus und Tiberius, Diese kamen auch für die Erbfolge in Betracht. Von den beiden jungen Männern war Drusus der klare Favorit des Machthabers. Er hatte sich als Feldherr bewährt und den Ehrennamen „Germanicus“ erworben. Doch Drusus starb bereits im Jahr 9 v. Christus an den Folgen eines Sturzes von seinem Pferd.

Nachdem Kaiser Augustus im Alter von 71 Jahren schwer erkrankte, verstarb er am 14. August im Jahre 14 n. Christus – auf den Tag genau 50 Jahre nachdem er sei erstes Konsulat angetreten hatte. Angeblich verabschiedete er sich mit Floskel von Schauschpielern und Komodianten aus seinem ruhmreichen Leben als erster Princeps von Rom:

Habe ich meine Rolle gut gespielt? Nun so klatscht Beifall!“ (Letzte Worte von Augustus nach Sueton)

Der ungeliebte Bruder des Drusus trat als Kaiser Tiberius die Nachfolge von Augustus als Princeps von Rom an. Obwohl er immer etwas im Schatten seiner Vorgänger und Nachfolger stand, wurde er zum Kaiser mit der längsten Amtszeit in der gesamten römischen Geschichte.