Gaius Marius

Gaius Marius – Heeresreformer

Gaius Marius war ein antiker römischer Feldherr und wurde für seine Heeresreform bekannt. Er lebte von ca. 158/157 v. Chr bis 86 v. Chr. und war ein wichtiger Politiker in der Spätphase der römischen Republik. Außerdem war er ein Onkel Gaius Julius Caesar.

In jungen Jahren ein fähiger Offizier

Gaius Marius entstammte dem Ritterstand, den Equites. Dieser Stand war der niedere Adel in der römischen Gesellschaft. Die Ritter verfügten zwar über viel Einfluss und Reichtum. Aber sie gehörten nicht zum führenden Adel. Marius erhielt auch keine Ausbildung wie ein senatorischer Jüngling.

Als junger Offizier begann Gaius Marius seine militärische Karriere unter dem Kommando eines Enkels des berühmten Scipio Africanus der Hannibal Barkas im 2. Punischen Krieg besiegt hatte. Nach 10 Jahren Dienst schied Gaius Marius als tribunus militaris aus der römischen Armee aus. Ab 109 v. Chr. diente er jedoch wieder als Legat in einem Krieg gegen die Numiden in (Nord-)Afrika.

Die Spätphase der römischen Republik

Gaius Marius lebte in Jahren großer politischer Unruhe in der Spätphase der römischen Republik. Der Konflikt zwischen der Unter- und der Oberschicht spitzte sich immer weiter zu. Die römischen Ritter hofften damals, als Gewinner aus dieser Krise hervorzugehen. Viele von ihnen unterstützen deshalb die populare Politik, die Interessen der breiten Bevölkerung.

Als junger Mann wurde Gaius Marius von den Reformen von Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus inspiriert. Er selbst wurde ebenfalls eine Führungsfigur der Popularen. Außerdem erlangte er im Laufe seines Lebens zahlreiche politische Ämter.

Im Jahr 119 v. Chr. war er einmal Volkstribun. Später wurde er siebenmal Konsul. Das war zu diesem Zeitpunkt ein historischer Rekord.

Während der Zeiten von Gaius Marius eskalierte der Konflikt mit den Anhängern der senatorischen Oberschicht endgültig. Es kam zum Bürgerkrieg und die Feindschaft mit Lucius Cornelius Sulla sollte ihren Lauf nehmen.

Gaius Marius gegen die Kimbern und Teutonen

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Marschroute und Schlachten der Kimbern und Teutonen u.a. gegen Gaius Marius (ODbL)

Die römische Republik war am Ende des 2. Jhd. vor Christus in großer Gefahr. Die Kimbern und Teutonen drückten auf die römischen Grenzen und zogen plündernd durch Europa.

Im Jahr 113 v. Chr. kam es zur Schlacht bei Noreia. Unter der Führung von Gnaeus Papirius Carbo erlitt Rom eine schwere Niederlage gegen die Germanen. Von den ca. 30.000 eingesetzten römischen Legionären fielen etwa 24.000 Mann. Das entsprach einer Ausfallquote von 80%.

Die germanischen Krieger rückten jedoch nicht sofort gegen Rom vor. Sie zogen nördlich entlang der Alpen nach Westen. Schließlich sind sie dann nach Süden in Richtung des heutigen Süd-Frankreich abgebogen. Auf dem Weg schlossen sich weitere Stämme den Kimbern und Teutonen an.

Die feindliche Streitmacht wuchs immer weiter. Die Gefahr wurde größer und größer. Im Jahr 107 v. Chr. kam es wieder zu einem Kampf gegen die Römer. In der Schlacht bei Agen erlitten die Legionen eine schwere Niederlage. Es drohte eine Neuauflage des Traumas durch die Plünderung durch keltische Krieger im Jahr 390 v. Christus.

Der Auslöser für die Heeresreform

Im Jahr 105 v. Chr. kam es zum Tiefpunkt für Rom. In der Schlacht von Arausio in der Provence boten die Römer 80.000 Mann gegen angebliche 200.000 Germanen auf. Aber auch dieses Gefecht endete mit einer vernichtenden Niederlage für Rom. Diese Schlacht gilt als Auslöser für die Heeresreform des Gaius Marius.

Danach drangen die Germanen weiter vor. Zuletzt standen sie mit Kind und Kegel in Norditalien. Gaius Marius gelang es im Jahr 102 v. Chr. in der Schlacht von Aquae Sextiae den Barbaren eine erste herbe Niederlage zu zufügen. Aber erst ein Jahr später kam es zum entscheidenden Sieg über die Kimbern und Teutonen.

Die ersten Geplänkel bei Aquae Sextiae fingen schon Tage vor der Schlacht an. Die Vorhut der Römer traf auf die Nachhut der Germanen. Gaius Marius ließ seine Truppen auf einem Hügel ein befestigtes Lager errichten. Dort griffen ihn die Kimbern und Teutonen an.

Der Tag war heiß und schwül, was für die Germanen besonders ungünstig war. Sie mussten nämlich bergauf angreifen. Deshalb verloren sie sehr viel Kondition, was schließlich den Römern einen Sieg brachte.

Der Wendepunkt im Krieg gegen Kimbern und Teutonen

Die Schlacht von Vercellae im Jahr 101 v. Chr. brachte dann die vernichtende Niederlage für die angreifenden Barbaren. Angeblich kam es zu 120.000 Toten bei den Germanen. Die Römer verloren wohl etwa nur 1.000 Mann. Diese extremen Zahlen ergeben sich aus zwei Gründen:

  • Der Tag der Schlacht war wieder heiß und schwül. Die Germanen hatten sehr mit dem Klima zu kämpfen. Die Legionäre aus Italien waren solches Wetter hingegen gewöhnt. Die bessere Kondition war sicher einer der ausschlaggebenden Faktoren für den überragenden Sieg der Römer.
  • Die Germanen waren aber auch in Stammesverbänden angerückt. Die Krieger hatten ihren Familie im Tross mit dabei. Nach der Niederlage töteten die germanische Frauen alle fliehenden Krieger. Dann brachten sie die Alten und die Kinder im Lager um. Zuletzt begingen die Frauen Selbstmord. So ergeben sich natürlich ganz erhebliche Opferzahlen.

Gaius Marius hatte sich jedoch als Militärtheoretiker und als Feldherr einen legendären Ruf erarbeitet. Der Sieg gegen die Kimbern und Teutonen war ein Befreiungsschlag von entscheidender Bedeutung für Rom. Mit dem Ende der militärischen Bedrohung löste sich auch der psychologische Druck auf die Römer.

Heeresreform des Gaius Marius

Die Heeresreform von Gaius Marius ist zweifellos zentral für das Überleben der römischen Republik gewesen. Es handelte sich dabei um ein ganzes Paket an Maßnahmen. Deren Umsetzung wird zeitlich in den Jahren 104 bis 101 vor Christus verortet.

Historisch betrachtet, handelt sich dabei aber auch um Entwicklungen in der Armee, die teils schon viel früher anfingen. Andere Maßnahmen, die der Heeresreform formal zugerechnet werden, wurden auch erst lange nach Marius endgültig abgeschlossen.

Insofern sollte man die Heeresreform von Gaius Marius eher als eine Phase der Umstellung betrachten und weniger als eine kompakte generalstabsmäßige Änderung im Militärwesen wie bspw. die preußische Heeresreform von 1807.

  • Das Manipel wurde als wichtigste (Unter-)Einheit einer Legion von der größeren Kohorte abgelöst. (Die Kohorte wurde aber auch schon im Zweiten Punischen Krieg in Spanien eingesetzt. Gegen Gegner mit weniger Disziplin war das effektiver.)
  • Der römische Linieninfanterist wurde entwickelt. Die (Kämpfer-)Typen der ersten, zweiten und dritten (Schlacht-)Reihe wurden in einem Konzept vereinigt.
  • Die leichten Plänkler wurden abgeschafft.
  • Das leichte und das schwere Pilum wurde endgültig Teil der Standard-Bewaffnung.
  • Gladiatoren und Veteranen leiteten das Training für den Kampf.
  • Es wurde die Ausdauer mit Läufen über lange Strecken trainiert.
  • Der Tross einer Legion wurde aufgelöst bzw. massiv verkleinert. Die Legionäre mussten ihr Gepäck von da an selber tragen. Sie wurden seitdem die Maulesel des Marius genannt. Die römische Armee konnte sich von da an viel schneller bewegen.
  • Der Legionsadler wurde als Standarte eingeführt. Dieses Symbol sollte die Bindung der Soldaten an ihre Legion erhöhen.
  • Der Zensus vor Einstellung von Legionären wurde abgeschafft. (Nur besitzende Bürger durften bis dahin dienen. Es hatte jedoch bereits Ausnahmen gegeben.)
  • Vereinheitlichung der Dienstzeit auf 16 Jahre. Dadurch konnte ein Soldat sein eigenes Leben besser planen.
  • Die militärische Laufbahn wurde klar definiert. Beförderungen wurden für Verdienst und Können vergeben. Vorher konnten sich reichere Bürger in höhere Ränge einkaufen.

Positive Folgen der Heeresreform des Marius

In einem Satz: die römische Legion entwickelte sich zur besten Armee aller Zeiten.

  • Die Organisation machte die römische Armee zu einem sehr attraktiven Arbeitgeber. Sie fand viel Zulauf. Als militärische Organisation war eine Legion hoch strukturiert: Von der Zeltgemeinschaft (8 Mann) über die Decurie (30 – 40 Mann), die Zenturie (60 – 100 Mann), das Manipel (120 – 200 Mann), die Kohorte (360 – 600 Mann) bis zur Legion (3.600 – 6.000 Mann). Fähige Leute konnten sich auch von ganz unten hocharbeiten und es bis zum ersten Zenturio der ersten Kohorte bringen.
  • Die Ausrüstung wurde auf sehr hohem Niveau vereinheitlicht. Der beste Stahl wurde für die Kurzschwerter verwendet. Schlechte Schwerter verbogen sich dagegen schnell im Kampf. Kaiser Trajan konnte sogar mal während eines Feldzuges, die standardisierten Helme aller seiner Soldaten speziell gegen die Sichelklinge seiner dakischen Feinde modifizieren. Die eigenen Verluste wurden so deutlich reduziert.
  • Das Training der römischen Legionäre wurde von sehr erfahrenen (Unter-)Offizieren oder (Gladiatoren-)Trainern geführt. Eine bessere Kampfausbildung für eine breite Masse an (Berufs-)Soldaten war nicht zu haben. Noch dazu wurde die taktische Tiefe eines römischen Linieninfanteristen auf höchstem Niveau optimiert: als Distanzwaffen wurden der schwere Wurspieß sowie mehrere kleine und leichte Wurfspieße geführt. Als Nahkampfwaffen führte der Legionär das Gladius sowie einen Dolch. Der römische Schwertkampf zielte primär auf tödliche Stichwunden ab.
  • Die römische Taktik war die Vereinbarung zweier gegensätzlicher Ziele: Einerseits kämpften die Legionäre in starrer Formation. Sie bildeten mit ihren großen Schilden eine Phalanx. Dieser einseitige Riegel war jedoch sehr anfällig gegen Umgehungen wie in der Schlacht von Cannae (216 v. Chr.). Es setzte sich eine schachbrettartige Aufstellung von Kohorten durch. Dies gewährleistete eine maximale Flexibilität zu allen Seiten. Dabei wurde die Schlagkraft in eine gewünschte Richtung aufrecht erhalten.
  • Eine römische Einheit war strategisch sehr flexibel. Sie konnten bspw. pro Tag (über Straßen und je nach Größe des Verbandes) etwa 30 km weit marschieren. Außerdem hatten die Legionen nur noch ein kleinen Tross. So konnten sie schnell und weit marschieren.
  • Jede einzelne Legion hatte ihre eigene logistische Fähigkeit. Die einfachen Legionäre mussten schweren Dienst tun. Dies bedeutete vor allem auch Straßenbau. Die Legionen war so in der Lage, sich ihre Verbindungslinien selbst zu bauen.

Negative Folgen der Heeresreform des Marius

Die Heeresreform von Gaius Marius hatte aber auch sehr negative Folgen. Ein Geburtsfehler war bspw. dass die Legionäre nur Sold erhielten. Es gab aber keine staatliche Rente. Nur wenn der Feldherr den Soldaten Land zu wies, waren sie im Alter versorgt.

Der neueren Forschung nach schaffte Marius sogar selbst den kritischen Präzedenzfall. Im Jahr 107 v. Chr. verschenkte er als erster Feldherr Land an Soldaten. Dadurch entstand eine hohe privat-wirtschaftliche Abhängigkeit der Mannschaftsgrade von ihren jeweiligen Generälen. Für die Stabilität eines Staatswesen ist dies natürlich eine kritische Entwicklung.

Die vielen Soldaten waren von da an natürlich noch viel eher bereit, sich für den drohenden römischen Bürgerkrieg instrumentalisieren zu lassen. Die Legionäre hofften ganz einfach auf persönliche Bereicherung. Gleichzeitig nahm auch die Bindung der Armee zum Senat und zum Volk von Rom ab. Gaius Marius hatte einen Grundstein für den Bürgerkrieg gelegt.

Der römische Bürgerkrieg

Gaius Marius war in den Jahren vor 100 v. Chr. mehrfach in Folge zum Konsul gewählt worden. Eigentlich war dies im politischen System der Römischen Republik verboten. Dann zog er sich jedoch nach einer politischen Niederlage gegen die Optimaten zurück.

Zehn Jahre später kehrte der legendäre General zurück in den Dienst der Republik. Zwei Jahre später kam es zum endgültigen Bruch mit den Anhängern der senatorischen Oberschicht. Während einer Volksversammlung brach ein Streit wegen der Übertragung eines Kommandos über zwei Legionen los. Das Volk von Rom wollte Gaius Marius als Kommandeur, die Soldaten standen jedoch noch unter dem Befehl von Lucius Cornelius Sulla.

Dieser setzte sich aus Rom zu den beiden Legionen ab, die unweit von der Hauptstadt lagerten. Die Legionäre ließen sich aufhetzen und begannen zu meutern. Unter der Führung des Optimaten griffen die beiden Legionen die eigene Hauptstadt an und nahmen Rom ein. Gaius Marius konnte gerade noch im letzten Moment nach Nord-Afrika fliehen.

Sulla musste im folgenden Jahr Rom jedoch wegen eines Krieges in Kleinasien verlassen. Ein Politiker der Popularen sah die Chance, Rom zurück zu gewinnen. Gaius Marius wurde aus dem Exil geholt und reaktiviert. Rom wurde nun von den Popularen angegriffen und erobert. Im Anschluss kam es zu zahlreichen Hinrichtungen.

Gaius Marius wurde für das Jahr 86 v. Chr. erneut zum Konsul gewählt. Es ist jedoch nicht ganz klar, ob dieses Wahlergebnis den tatsächlichen Wünschen der Wähler entsprach. Marius verstarb ohnehin schon zwei Wochen nach der Wahl. Der inner-gesellschaftliche Konflikt sollte aber noch viele Jahre lang weiter gehen.