Otto II.

Otto II. – römisch-deutscher Kaiser

Otto II. war ein Sohn von Otto dem Großen aus dem Geschlecht der Liudolfinger. Er wurde 955 geboren und schon früh von seinem Vater zum Mitkönig und dann auch zum Mitkaiser erhoben.

Kaiser Otto II.
Otto II. als römisch-deutscher Kaiser (Quelle: Registrum Gregorii / Lizenz: gemeinfrei)

Nach dem Tod des Vaters wurde Otto II. bereits im Alter von nur 18 Jahren zum Alleinherrscher über das römisch-deutsche Reich. Er war umgehend mit tiefen strukturellen Krisen sowie großen Personalproblemen konfrontiert.

Kaiser Otto II. musste dann viele Revolten bekämpfen und schließlich eine verheerende Niederlage im Süden von Italien hinnehmen. Nur wenig später starb er schon im Alter von 28 Jahren an Malaria.

Otto II. gilt deshalb landläufig als ein weitgehend gescheiterter Monarch. Die moderne Forschung zeichnet ein etwas differenzierteres Bild. Ihm wird angerechnet, dass das Reich trotz der strukturellen Krisen fortbestand.

Insofern ist die Herrschaft von Kaiser Otto II. zwar ein recht schäbiges, aber in funktionaler Hinsicht dennoch wichtiges Kapitel der Entstehung des Heiligen Römischen Reiches.

Nachfolger von Otto dem Großen

Otto II. war ein Sohn aus der zweiten Ehe des Vaters mit Adelheid von Burgund. Sein älterer Bruder Liudolf aus erster Ehe hatte 953 einen Aufstand angezettelt und das Reich in eine gefährlich Krise gestürzt.

Liudolf scheiterte jedoch im darauffolgenden Jahr endgültig und verstarb 957. In der Folge rückte Otto II. schon als zweijähriges Kind in die Rolle als natürlicher Thronfolger auf.

Aufstieg der sächsischen Liudolfinger

Bei den Ottonen handelte es sich um das sächsische Adelsgeschlecht der Liudolfinger. Ihr ältester bekannter Ahnherr war Graf Liudolf aus der Mitte des 9. Jahrhunderts.

In den folgenden Jahrzehnten wurden sie zu den Herzögen in Sachsen. Nach dem Tod des letzten Karolingers im Ostreich standen sie zunächst in Opposition zu dessen Nachfolger.

Gegen diesen König Konrad I. stellten sie sich während der Babenberger Fehde auf die Seite der Thüringer gegen die Zentralgewalt. Dabei handelte es sich um eine nachrangige, aber dafür sehr spannende Episode der früh-deutschen Geschichte.

Heilige Lanze des Longinus
Die Heilige Lanze in der Schatzkammer der Wiener Hofburg (Foto: Aiwok / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Nach dem kinderlosen Tod von Konrad im Jahr 918 setzten sich mit Heinrich I. die Liudolfinger an der Spitze des Ostfränkischen beziehungsweise römisch-deutschen Reiches durch. Im Tauziehen um die Nachfolge errang der Herzog von Sachsen jedoch nur eine Art von Punktsieg. Er bekam zwar die Macht, konnte sich aber nicht inszenieren:

„Es genügt mir […], dass ich König heiße und dazu ernannt worden bin.“

Erst sein Sohn Otto der Große setzte sich als unbestrittener Alleinherrscher im Reich durch. Die innenpolitische Anerkennung der Liudolfinger als neue Königslinie war dabei eng mit der sicherheitspolitischen Lage verknüpfte.

Eine besondere Leistung von Heinrich war, dass er das Reich gegen die steten Einfälle der Ungarn mit dem Burgwart-System befestigte. Außerdem brachte er die Heilige Lanze des Longinus durch einen Handel mit Burgund in seinen Besitz.

Die Heilige Lanze wurde dann zum einenden Symbol für eine Armee aus Bayern, Böhmen, Franken, Sachsen und Schwaben. Zunächst unter Heinrich und dann schließlich unter seinem Sohn Otto dem Großen schlugen sie entscheidende Gefechte.

Am 10. August 955 errangen 10.000 Panzerreiter in der Schlacht auf dem Lechfeld nicht nur einen Sieg gegen den gemeinsamen Feind. In der Folge zentralisierte sich auch das politische System unter der Führung von Otto zu Lasten der Unabhängigkeit der Herzogtümer.

Mit dem Erzengel Michael fand man sogar einen gemeinsamen Schutzpatron. Die realpolitische und die symbolische Einigung des Ostfränkischen Reiches hatte damit große Schritte gemacht.

Mitregent des mächtigen Vaters

Otto II. wurde im Jahr des Sieges in der Schlacht auf dem Lechfeld geboren. Er bekam als Kind eine umfassende Ausbildung. Auf seinem Lehrplan standen neben literarischen und geistigen Themen auch das Kriegshandwerk sowie Recht.

Otto der Große empfängt die Unterwerfung von Berengar (Quelle: Manuscriptum Mediolanense / Lizenz: gemeinfrei)

Im Mai 961 wurde Otto II. bereits im Alter von nur sechs Jahren auf dem Hoftag in Worms zum Mitkönig gewählt. Damit sollte aber nicht nur die dynastische Folge gesichert werden. Das war auch ein Ausdruck der enormen Machtstellung des Vaters in jenen Jahren.

Die Großen des Reiches haben wohl kaum aus einer inneren Überzeugung heraus ein sechs Jahre altes Kind in der Kaiserpfalz von Aachen zum deutschen König gesalbt, nachdem sie dessen Großvater Heinrich diese Art der sakralen Anerkennung königlicher Macht noch komplett verweigern konnten.

Am 25. Dezember 967 wurde Otto II. vom römischen Papst zum Kaiser gekrönt. Aber nach den negativen Erfahrungen des Vaters mit dem erstgeborenen Liudolf erhielt der neue Thronfolger keine administrativen Aufgaben.

Ehe mit der byzantinischen Theophanu

Otto II. wurde mit Theophanu verheiratet. Das war die Nichte des byzantinischen Kaisers Johannes Tzimiskes. Mit diesem Bund ging auch die internationale Anerkennung der ottonischen Herrschaft durch die Großmacht vom Bosporus einher.

Die Ehe schloss man am 14. April 972. Theophanu wurde an der Seite von Otto II. zur Kaiserin über das römisch-deutsche Reich.

Sie entwickelte sich zu einer der einflussreichsten Herrscherinnen des Mittelalters. In dieser Rolle war Theophanu auch über den frühen Tod ihres Mannes hinaus im Namen des gemeinsamen Sohnes Otto III. politisch aktiv.

Otto II. als Alleinherrscher über das Reich

Als Otto der Große am 07. März 973 verstarb, hatte sein Sohn Otto II. zwar bereits Amt und Würden. Schon am nächsten Tag erwiesen ihm die Großen des Reiches die Aufwartung und huldigten ihn als Monarchen.

Ihm fehlte jedoch jedwede Regierungspraxis. Aufgrund seines Alters von nur 18 Jahren und vor dem Hintergrund der langen Aufenthalte im Süden des Reiches hatte Otto II. auch keinen zugeschnittenen Beraterstab um sich.

Die ersten Monate seiner Herrschaft verbrachte Kaiser Otto II. deshalb auf Reisen durch das Reich. Er traf Bischöfe und zentrale Figuren des weltlichen Adels.

Ermordung von Papst Benedikt VI.

Doch der Tod von Otto dem Großen zog weite Kreise. In Rom verlor der von ihm gestützte Papst Benedikt VI. an Rückhalt. Daraufhin setzten ihn die Crescentier, ein römisches Patriziergeschlecht, in der Engelsburg fest.

Anschließend rief man den Gegenpapst Bonifatius VII. aus. 974 wurde der ottonische Benedikt schließlich sogar von einem bestochenen Priester erdrosselt.

Kaiser Otto II. musste deshalb nach Rom ziehen. Der Gegenpapst floh nach Byzanz und es kam mit der Erhebung von Benedikt VII. zur Inthronisation eines Kandidaten nach seinen Vorstellungen.

Aber nach diesem Zwischenfall dauerte es Jahre, bis sich die Beziehungen zum Klerus und in Rom wieder stabilisiert hatten. Dadurch ging wertvolle Zeit verloren, während sich an anderen Orten im Reich immer neue Probleme auftaten.

Konflikt mit Heinrich dem Zänker

Otto II. stand vor der Herausforderung, dass sein Großvater Heinrich I. noch eine weitere, jüngere Linie in die Welt gesetzt hatte. Von besonderer Bedeutung wurde Heinrich II., den man auch den „Zänker“ nannte.

Heinrich der Zänker war ein Vetter von Otto II. und Herzog von Bayern. Im Sinne des Familienfriedens schenkte ihm der Kaiser die Königsburg Bamberg und gestand im eine quasi-monarchische Ausübung seiner Herrschaft zu.

Heinrich der Zänker
Herzog Heirich II. von Bayern – „der Zänker“ (Quelle: Regelbuch von Niedermünster in Regensburg / Lizenz: gemeinfrei)

Doch Heinrich der Zänker war keineswegs zufrieden. Vielmehr versuchte er seinen Einfluss auf Schwaben auszudehnen. Dann wären bereits zwei von insgesamt fünf Herzogtümern jener Zeit unter seiner Kontrolle gewesen.

Die Chance bot sich nach dem Tod von Herzog Burchard III. von Schwaben im Jahr 973. Als Kaiser Otto II. daraufhin einen gleichnamigen Neffen erhob, brach ein offener Konflikt mit Heinrich dem Zänker aus.

Zunächst konnte sich Heinrich noch die Unterstützung des böhmischen Herzogs und der Polen sicher. Doch die offene Androhung einer Exkommunikation zersprengte das Bündnis. Der Rädelsführer unterwarf sich Kaiser Otto II. noch bevor es zu einer Schlacht kam.

Doch 976 sollte sich Heinrich der Zänker wieder erheben. Otto II. belagerte ihn in Regensburg und konnte sich militärisch durchsetzen. In der Folge verlor das Herzogtum Bayern fast ein Drittel seiner Ländereien. Dafür wurde das Herzogtum Kärnten neu geschaffen.

Den böhmischen Herzog Borislaw konnte Kaiser Otto II. dann 977 besiegen. Parallel gab es zu diesem Zeitpunkt schon wieder einen weiteren Aufstand von Heinrich dem Zänker in Passau. Er wurde dort jedoch ebenfalls besiegt und dann bis zum Tod von Otto in Utrecht in Haft gehalten.

Krieg gegen Harald Blauzahn

Der legendäre Harald Blauzahn, König von Dänemark und Norwegen, hatte die Macht des Vaters von Otto II. noch respektieren müssen. Er zahlte Tribut und erfüllte weitere Verpflichtungen.

Harald Blauzahn Reich Karte
Karte des Reiches von Harald Blauzahn in roter sowie mit abhängigen Gebieten in gelber Farbe (Schöpfer: Briangotts / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Der Wikinger-König war jedoch nicht Willens, vor dem Junior einfach so das Knie zu beugen. 974 fiel er zusammen mit Jarl Hakon in die sächsischen Gebiete nördlich der Elbe ein.

Ein Gegenangriff von Otto II. führte zunächst zu vergeblichen Kämpfen um das Danewerk. Dabei handelte es sich um eine Wehranlage im Norden des heutigen Schleswig-Holstein.

Im Herbst 974 gelang aber wortwörtlich der Durchbruch. In einer großen Geste ließ Otto II. ein Tor in das Danewerk einfügen, um symbolisch jederzeit in das Gebiet von Harald Blauzahn marschieren zu können.

Doch Kaiser Otto II. hatte nie die reale Chance, einen Feldzug ins heutige Dänemark zu führen. Dafür waren seine Ressourcen durchgehend zu sehr beansprucht.

Kämpfe gegen Westfranken

Bereits 973 hatten sich die Reginaren im Westfrankenreich gesammelt. Ursprünglich hofften sie wohl auf eine politische Lösung für ihren Dauerkonflikt mit den Liudolfingern.

Doch Otto II. bestätigte schon früh in seiner Regierungszeit den Entzug aller Lehnsgüter der Reginaren in Lothringen durch seinen Vater. 976 kam es dann mit Unterstützung des westfränkischen Königs Lothar zu einem Angriff.

Nach einem politischen Intermezzo zog Lothar im Jahr 978 erneut gegen Lothringen. Kaiser Otto II. und Theophanu wurden davon so überrascht, dass sie fluchtartig aus der Kaiserpfalz in Aachen nach Köln ziehen mussten.

Doch Otto II. schlug noch im selben Jahr zurück. Er vertrieb die Westfranken zunächst aus Aachen und trieb sie in mehreren Schlachten bis nach Paris.

Eine Belagerung konnte Otto II. aufgrund des einbrechenden Winters jedoch nicht zu Ende führen. Im Jahr 980 söhnten sich das ost- und das westfränkisch Reich wieder aus und schlossen einen Freundschaftsvertrag.

Katastrophe in Süd-Italien

Ab 980 hielt sich Otto II. in Italien auf, um seinen Status als deutscher König und Kaiser auszubauen. Er hielt prächtige Hoftage. Ein besonderer Ehrengast war der damalige Herzog Hugo Capet, der Ahnherr der Kapetinger.

Aber vor allem wollte Otto II. den Süden von Italien unter sein kaiserliches Joch zwingen. Das heutige Kalabrien wurde jedoch von Sarazenen kontrolliert.

Allerdings geriet schon seit Jahren auch die politische Architektur in Mittel- und Nord-Italien ins Wanken. Die alten Partner des Vaters von Otto II. starben nach und nach weg. Es brachen Konflikte in der Lombardei und mit Venedig aus.

Dennoch konnte Otto II. im Jahr 982 einen militärischen Zug organisieren. Vor allem kirchliche Fürsten unterstützen ihn. So gelang es, ein Aufgebot von etwa 2.000 Panzerreitern zusammenzustellen.

Am 15. Juli 982 kam es zur Schlacht bei Kap Colonna im Norden von Kalabrien. Zunächst waren die Kämpfer von Otto II. sehr erfolgreich und konnten sogar den sarazenischen Emir Abu al-Qasim töten.

Den Sieg vor Augen begannen jedoch viele seiner Krieger die Leichen der Gefallenen zu fleddern und Hinterlassenschaften zu plündern. Als nun die sarazenische Reserve angriff, wurden die kaiserlichen Truppen vernichtet.

Kaiser Otto II. selbst konnte sich nur durch eine spektakuläre Flucht in Sicherheit bringen. Zunächst rettete er sich auf ein byzantinisches Schiff und entkam so dem Tod in der Schlacht.

Doch die Besatzung wollte ihn dann als Geisel nehmen. Kaiser Otto II. sprang daraufhin vor Rossano ins Wasser und musste an Land schwimmen.

Dort traf Otto II. auf einen Juden aus Mainz, der dem Kaiser ein Pferd überließ. Die militärische Niederlage und die demütigende Flucht verfolgten ihn jedoch wie ein Fluch.

Der Verlust an Ansehen hatte verheerende Konsequenzen auf viele der instabilen Situationen im Reich. Mit dem Slawenaufstand von 983 standen die nächsten Probleme auch bereits vor der Tür.

Tod in Rom und Nachfolge

Im Herbst 983 zog der Kaiser wieder nach Rom. Benedikt VII. war verstorben und es musste ein neuer Papst installiert werden. Die Ehre fiel an Ottos treuen Erzkanzler Petrus von Pavia.

Doch Otto II. erkrankte an der Malaria. Er starb am 07. Dezember 983 im Alter von nur 28 Jahren und wurde in der Vorhalle von Alt-St. Peter beigesetzt.

Drei Wochen später weihte man den damals erst drei Jahre alten Otto III. zum König. Aufgrund der Krisen im Reich wurde Heinrich der Zänker aus der Haft entlassen und gemäß des Verwandtschaftsrechts als Vormund bestellt.

Aber Heinrich der Zänker hatte selbst nicht genügend Rückhalt im Reich. Er übergab das Kind und damit letztlich die Herrschaft am 29. Juni 984 an Kaiserin Theophanu.