Anne Stuart

Königin Anne Stuart von Großbritannien

Anne Stuart wurde am 06. Februar 1665 in London geboren. Sie war ab 1702 die neue Königin von England. Fünf Jahre später wurde Anne die erste Regentin eines vereinigten Königreiches von Großbritannien.

Zum Verständnis der Regierung von Königin Anne Stuart muss man die Umwälzungen in England im Jahrhundert davor zumindest grob kennen:

  • Der absolutistische Anspruch von Karl I. Stuart hatte zu den Kriegen der drei Königreiche von 1639 bis 1651 geführt. Darin eingebettet waren die drei englischen Bürgerkriege des Parlamentes gegen den König. Die extrem blutigen Konflikte endeten erst, nachdem der einstige Parlamentarier Oliver Cromwell als Lordprotektor eine neue Form der Alleinherrschaft etablierte.
  • Nach dem Tod von Cromwell und der Abdankung von dessen Sohn kam es dann jedoch zur Wiedereinsetzung des königlichen Hauses Stuart. Mit Jakob II. ging jedoch nur wenige Jahrzehnte später ein König mit seinen Ansprüchen erneut zu weit. Daraufhin kam es 1688/89 zur Glorious Revolution. Es folgte die Thronbesteigung von Wilhelm von Oranien sowie die Durchsetzung der Bill of Rights. Seitdem konnten die Könige keine absoluten Alleinherrscher mehr sein, sondern waren nur noch „King-in-Parliament“.

Eben jener Jakob II. Stuart war der Vater der späteren Königin Anne von England. Er hatte vor allem den Fehler gemacht, sich an der alten Konfliktlinie zwischen Katholizismus und Protestantismus zu aggressiv zu positionieren.

Königin Anne Stuart von England
Königin Anne Stuart im Jahr 1705 (Maler: Michael Dahl / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Regierung von Königin Anne war dann geprägt von einer weiteren Verlagerung des Machtzentrums hin zum Parlament. Dies wurde bereits in ihrem Amtseid deutlich:

„… to govern the people of this kingdom […] according to the statutes in parliament agreed on, and the laws and customs of the same.“

Die historische Leistung von Königin Anne war, dass sie den parlamentarischen Zirkus von England und Schottland managen konnte. Mit dem Act von Union von 1707 handelte sie die erste britische Realunion dieser beiden einstmals unabhängigen Königreiche aus. Daran waren bis dato viele Vorgänger gescheitert.

Die Integration von Irland sollte dann erst unter König Georg III. mit dem zweiten Act of Union im Jahr 1800 gelingen. Dennoch war Anne Stuart mit ihrem politischen Durchbruch die erste Monarchin eines neuen Königreiches von Großbritannien.

Als Mutter erlebte Königin Anne jedoch sehr schwere Zeiten. Sie war mindestens 17 mal schwanger, doch kein Kind erreicht das Teenager-Alter. Deshalb war sie auch die letzte Vertreterin aus dem Haus Stuart. Nach ihr kam das Haus Hannover an die Macht.

Frühe Jahre von Anne von Stuart

Die spätere Königin Anne war eine Tochter von Jakob II. Stuart, der von 1685 bis 1689 über die drei Königreiche England, Irland und Schottland herrschte. Doch der König sollte letztlich über seine Religionspolitik stolpern und im Exil enden.

Lady Anne Hyde Porträt
Lady Anne Hyde (Maler: Sir Peter Lely / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die Mutter von Anne Stuart hieß Anne Hyde, eine Tochter von Edward Hyde, 1. Earl of Clarendon. Dabei handelte es sich um einen sehr einflussreichen Politiker.

Edward Hyde begleitete zunächst als Schatzkanzler und dann als Lordkanzler die Restauration der Stuart-Herrschaft in den ersten Jahren.

Er führte heftige Auseinandersetzungen mit dem Parlament über die Rechte zur Kontrolle der Staatsfinanzen.

Später empfahl Edward Hyde dem König, das Unterhaus aufzulösen. Im Jahr 1667 wurde er des Hochverrats bezichtigt und musste aus England fliehen.

Sarah Churchill – Duchess of Marlborough

Als kleines Kind verbrachte die spätere Königin Anne Stuart einige Jahre in Frankreich. Nach ihrer Rückkehr im Jahr 1783 lernte sie Sarah Janings kennen.

Sarah Churchill - Duchess of Marlborough
Sarah Churchill – Duchess of Marlborough (Maler: Sir Godfrey Kneller / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Die beiden Mädchen wurden trotz eines Altersunterschiedes von fünf Jahren sehr gute Freundinnen. Sarah Janings heiratete später einen Mann namens John Churchill.

John Churchill war ein bedeutender Feldherr im spanischen Erbfolgekrieg. Das Paar gehört auch zu den Ahnen des späteren Premierministers während des Zweiten Weltkriegs: Winston Churchill.

Als Sarah Churchill wurde die Freundin von Anne zunächst in den Stand einer Countess erhoben. Sie entwickelte sich während der Herrschaft der späteren Königin zur wichtigsten Beraterin.

Sarah Churchill und ihr Ehemann wurden später dann noch innerhalb der Adelshierarchie befördert. Bis heute ist sie deshalb unter dem Titel Duchess of Marlborough bekannt.

Die Freundschaft von Anne Stuart und Sarah Churchill sollte jedoch nicht ein Leben ungetrübt bleiben. Im Jahr 1709 kühlte die Beziehung aus und die Königin suchte sich mit Abigail Masham eine neue Vertraute. Winston Churchill beschrieb diese Entwicklung etwa 200 Jahre später:

„Sarah verlor [später] die Freundschaft der Königin, weil sie es für ihre Pflicht hielt, ihr zu einer Regierungspolitik zu raten, die mit dem Parlament im Einklang stand. […] Als Sarah älter wurde und die Aufgaben einer großen Dame, die über mehr Macht gebot als ein Kabinettsminister, immer schwerer auf ihr lasteten, suchte sie sich der dauernden Beanspruchung durch den persönlichen Dienst bei der Königin […] zu entziehen. Anne´s Freundinnen hatten es nicht leicht. Sie verlangte von ihren Gefährtinnen, dass sie den ganzen Tag um sie waren und bis tief in die Nacht mit ihr Karten spielten.“

Sturz von Jakob II. von England (1689)

Bereits 1672 war bekannt geworden, dass Jakob II. zum Katholizismus konvertierte. Zu diesem Zeitpunkt herrschte jedoch noch sein Bruder Karl II. Stuart.

Anne Stuart
Anne Stuart um 1685 (Maler: William Wissing / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Nach dessen Tod wurde Jakob II. im Jahr 1685 zum König erhoben. Er wollte dann unbedingt einen römisch-katholischen Nachfolger.

Deshalb stellte Jakob II. seiner Tochter Anne den Thron in Aussicht, sofern sie ebenfalls konvertieren würde. Die selbstbewusste junge Frau blieb ihren protestantischen Überzeugungen jedoch treu.

Der despotische Jakob II. hatte jedoch nicht nur Gegner in der eigenen Familie. 1688 kam es zur lange vorbereiteten „Glorious Revolution“.

Jakob II. floh gegen Ende des Jahres nach Frankreich. Anne Stuart unterstützte den Sturz ihres Vaters und schloss sich dem Bündnis um den dann folgenden Wilhelm III. von Oranien-Nassau an.

Entscheidend waren die Absprachen im Hintergrund. Auf Anraten von Sarah Churchill hatte Anne Stuart mit Wilhelm eine verschachtelte Thronfolge vereinbart.

Herrschaft von Königin Anne Stuart

Anne Stuart – rechtmäßige Thronfolgerin

Nachdem Wilhelm III. von Oranien-Nassau am 19. März 1702 ohne lebende Kinder verstarb, trat Anne Stuart das königliche Erbe an. Ihre dann folgende Erhebung basierte auf der vereinbarten und auch vom Parlament längst ratifizierten Regelung zur Thronfolge.

Königin Anne und ihr Ehemann
Königin Anne und ihr Mann Prinz Georg von Dänemark (Maler: Charles Boit / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Als Anne Stuart im Jahr 1702 zur Königin von England gekrönt wurde, war sie körperlich jedoch bereits stark angeschlagen. Zahlreiche Schwangerschaften und die Gicht hatten sie sehr geschwächt.

Anne Stuart wurde deshalb in einer Sänfte zur Krönung getragen. Politisch nahm ihre Regentschaft jedoch schnell Fahrt auf. Zunächst sicherte die frisch gebackene Königin die zentralen Posten in ihrem näherem Umfeld mit Getreuen.

Ihren Ehemann Georg von Dänemark ernannte sie zum Lord High Admiral, zum Oberbefehlshaber der Marine. Dem Mann ihrer Freundin Sarah Churchill übergab Königin Anne den Befehl über das Heer.

Sarah Churchill selbst wurde von Königin Anne Stuart zur Mistress of the Robes, zur Oberhofmeisterin, ernannt. Das war eine zentrale Position am Königshof mit sehr hohem Einfluss auf alltägliche Prozesse. Damit schützte Anne Stuart nicht nur ihre Privatsphäre, sondern steuerte auch den öffentlichen Zugang zu ihrer Person.

Spanischer Erbfolgekrieg – ein Kabinettskrieg

Bereits im Jahr 1701 brach in Europa ein bewaffneter Konflikt um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers aus. Kurz vor seinem Tod hatte jener Karl II. von Spanien einen Franzosen als Nachfolger eingesetzt.

Dieser Philipp V. von Anjou sollte sich am Ende zwar tatsächlich durchsetzen. Auf ihn geht sogar die bis heute mit Unterbrechungen herrschende Dynastie der Bourbonen zurück.

Dennoch hielt bis 1714 der spanische Erbfolgekrieg die europäischen Königshäuser in Atmen. Die Auseinandersetzung war jedoch kein Krieg der Bevölkerungen, sondern einer der sogenannten „Kabinettskriege“.

Dabei handelte es sich um einen besonderen Typ der Kriegsführung aus der absolutistischen Epoche zwischen Westfälischem Frieden und Französischer Revolution:

  • kleine stehende Heere
  • meist adelige Offiziere
  • zurückhaltende Kriegsführung
  • beschränkte Kriegsziele
  • wechselnde Koalitionen
  • Verrechtlichung des Krieges
  • wenig Öffentlichkeit

Für Königin Anne Stuart wurde der spanische Erbfolgekrieg zum steten Begleiter ihrer Regentschaft. Die Entwicklungen prägten sowohl die Außen- wie auch die Innenpolitik maßgeblich.

Vor allem die Zusammensetzung der Kabinette von Königin Anne Stuart wechselten mit dem Kriegsglück im spanischen Erbfolgekrieg. Zunächst waren vor allem Tories mit in der Regierung, die eine Beteiligung am Konflikt jedoch ablehnten.

Nach dem Sieg von John Churchill in der Schlacht bei Höchstädt am 13. August 1704 wurden die Tories von den damals im Parlament konkurrierenden Whigs verdrängt.

In der Folge wurde John Churchill zum einflussreichsten Strippenzieher in der englischen Regierung unter Anne Stuart. Doch die Königin musste sich auch einem anderen Kriegsschauplatz stellen. Im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges entbrannte in Nord-Amerika ein Stellvertreterkrieg mit Frankreich.

Queen Anne’s War in Nord-Amerika

Noch im Jahr 1702 eroberten englische Truppen das spanische St. Augustine im heutigen Staat Florida. Damit begann der zweite von vier Franzosen- und Indianerkriegen der Briten in Nord-Amerika.

Die größte Last der Kämpfe trugen jedoch vor allem die englischen Kolonialisten, weil die Masse der regulären Truppen in Europa gebunden war. Auf französischer Seite kämpften hauptsächlich angeheuerte Indianer.

Erst das Deerfield Massaker von 1704, bei dem 56 englische Siedler getötet wurden, führte zur Vorbereitung eines großen Gegenschlages. Die endgültige Verdrängung der Franzosen aus Kanada scheiterte jedoch 1711 nach einem Schiffsunglück mit 890 Todesopfern endgültig.

Im Jahr 1713 wurde im Frieden von Utrecht das Ende der Kämpfe vereinbart. Das zu diesem Zeitpunkt bereits gegründete Königreich von Großbritannien erhielt jedoch Gebiete an der Ost-Küste: Neufundland, Neuschottland und Neubraunschweig.

Zum Beifang des diplomatischen Sieges von Königin Anne Stuart gehörten auch Gibraltar und Menorca. Außerdem sicherte sie ihrem Königreich das Monopol auf den Sklavenhandel mit den spanischen Kolonien.

Act of Union – Vereinigung von Großbritannien

Die Königreiche von England und Schottland wurden erstmals von Jakob I. Stuart ab dem Jahr 1603 in Personalunion regiert. Die jeweiligen Parlamente wehrten sich jedoch immer wieder gegen eine Realunion der beiden Länder.

Bereits 1606, 1667 und 1689 waren entsprechende Vorstöße der Könige von England abgewehrt worden. Auch Anne Stuart musste zunächst die Widerstände vor allem seitens der Schotten hinnehmen.

Doch ein drohender Staatsbankrott des schottischen Königreiches bot Anne Stuart schließlich die große Chance. Der schottische Adel hoffte nun zumindest teilweise auf wirtschaftliche Vorteile durch eine Vereinigung der Königreiche. Darüber hinaus zahlte die englische Krone auch hohe Bestechungsgelder an entscheidende Personen.

Union Jack von 1707 bis 1801
Union Jack von 1707 bis 1801 – ohne das irische Andreaskreuz in Rot (Urheber: Hoshie / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Am 17. Februar 1707 nahm das schottische Parlament schließlich mit 110 zu 69 Stimmen den Unionsvertrag an. Dieser Act of Union hatte 25 Artikel. Die meisten Punkte zielten auf wirtschaftliche Fragen ab.

Eine Währungs- und Zollunion trat nun in Kraft. Gewichte, Maße sowie Besteuerung und Verwaltung wurden angeglichen. Der Union Jack, noch ohne das irische Andreaskreuz in Rot, wurde zur Flagge des Vereinigten Königreiches von Großbritannien.

Des Weiteren wurde die Zahl der schottischen Abgeordneten im nun britischen Ober- und Unterhaus geregelt. Darüber hinaus garantierte der Act of Union von 1707 die Eigenständigkeit der schottischen Kirche und die Unabhängigkeit des schottischen Rechtssystems mit einem eigenen Obersten Gerichtshof.

Nachfolgeregelung und Tod von Königin Anne

Während der Regierung von Königin Anne gab es mit James Francis Edward Stuart einen katholischen Thronanwärter. Für die Mehrheit der Briten war es inzwischen jedoch undenkbar, dass ein Anhänger des römischen Papstes die Krone erhalten könne.

Weil jedoch Königin Anne Stuart keine lebenden Kinder hatte, galt nun wieder die Nachfolgeregelung des Jahres 1701, der sogenannte Act of Settlement.

Mit diesem Gesetz wurde die protestantische Thronfolge gesichert. Damit kam mit Sophie von der Pfalz eine Cousine ersten Grades von Königin Anne Stuart an die Reihe.

Sophie von der Pfalz starb jedoch noch vor Königin Anne. Die rechtmäßige Thronfolge ging deshalb auf ihren Sohn Herzog Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg über:

Doch die Angst vor einem Bürgerkrieg mit den Katholiken war scheinbar virulent. Der spätere Literaturnobelpreisträger und Premierminister Winston Churchill schrieb hierzu:

„Man traf wirksame Maßnahmen zur Sicherung der hannoverschen Thronfolge. Man entsandte Boten in alle Himmelsrichtungen, um jeden Beamten und jeden Offizier auf seinen Posten zu rufen. Die Flotte wurde unter dem Kommando eines Whigs, des Earl of Berkeley, mobilisiert und erhielt den Befehl, im Kanal zu patrouillieren und die französischen Häfen zu beobachten. Zehn Bataillone wurden aus Flandern zurückgerufen. Die Garnisonen wurden bewaffnet, und die Miliz alarmiert. Man erinnerte die Holländer an ihre Vertragspflichten. Alles war gerüstet, um die Thronbesteigung des Kurfürsten von Hannover als Georg zu sichern. […] Als Königin Anne am 1. August um halb acht Uhr ihren letzten Atemzug tat, stand fest, dass es keinen Papismus, keine umstrittene Thronfolge, keine französischen Bajonette und keinen Bürgerkrieg geben würde.“

Ab 1745 kam es unter Bonnie Prince Charlie dennoch zu einem ernstzunehmenden Aufstand gegen diese Regelung. Letztlich setzte sich der Act of Settlement jedoch durch.