Johannes der Täufer

Johannes der Täufer – jüdischer Prophet

Johannes der Täufer war ein jüdischer Bußprediger an den Ufern des Jordan. Er konnte zahlreiche Anhänger um sich scharen und gilt als Wegbereiter des Jesus von Nazaret. Mit der Taufe von gläubigen Personen im Jordan schuf er darüber hinaus ein zentrales Symbol für das spätere Christentum.

Doch nicht nur für Juden und Christen spielte Johannes der Täufer eine zentrale Rolle in der ideengeschichtlichen Evolution. Auch der Islam erkennt ihn unter dem Namen Yaḥya als den drittletzten Propheten an.

Und da riefen ihm die Engel zu, während er zum Gebet in dem Tempel stand: „Siehe, Allah verheißt dir Johannes, den Bestätiger eines Wortes von Allah, einen Vornehmen, einen Asketen und Propheten, einen von den Rechtschaffenen.“ (Deutsche Übersetzung des Koran 3:39)

Nicht zu verwechseln ist Johannes der Täufer allerdings mit dem Apostel Johannes. Beide haben neben dem Vornamen jedoch gemein, dass sie sich intensiv mit der Apokalypse beschäftigten, der finalen Offenbarung des göttlichen Wissens.

Als er aber viele der Pharisäer und Sadduzäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! Wer hat euch gewiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?“ Mt 3,7

Neben dem theologischen Beitrag machte sich Johannes der Täufer vor allem um den Aufbau einer Gemeinschaft verdient. Dieser gehörte Jesus selbst zumindest für eine gewisse Zeit an. Außerdem war die Gruppierung eine Keimzelle für die spätere früh-christliche Gemeinde.

Die wissenschaftliche Quellenlage zu Johannes dem Täufer ist jedoch nur sehr dünn. Dennoch geht man von seiner tatsächlichen Existenz aus. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus aus der zweite Hälfte des 1. Jahrhundert geht in seinen Jüdischen Altertümer in Band XVIII auf den Prediger ein.

Vorgeschichte des Täufers

Es gibt keine wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse zur Kindheit von Johannes dem Täufer. In religiösen Schriften hingegen hat diese Lebensphase eine fundamentale Bedeutung für die weitere Entwicklung.

Insofern liegt natürlich der Verdacht nahe, dass von den Autoren absichtlich die Bildung einer Legende angestoßen wurde. Unabhängig vom tatsächlichen Gehalt dieser Erzählungen hatte die Mystifizierung seiner Person natürlich sehr reale Folgen.

Geburt und Jugend

Der Vater von Johannes dem Täufer hieß Zacharias und gehörte einer niedrigen Klasse der Priesterschaft an. Dieser Teil der Erzählung um die Kindheit gilt als durchaus möglich. Der besondere Charakter der Geburt von Johannes wird nämlich anders unterstrichen.

Beide aber waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn. Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war; und beide waren in ihren Tagen weit vorgerückt.“ Lk 1,6-7

Zur Zeit von Herodes dem Großen wurde die Mutter dann doch schwanger und Johannes der Täufer kam auf die Welt. Dieser herrschte von 37 v. bis 4 n. Christus als Klientel-König über Judäa.

Näher kann der Zeitraum nicht eingegrenzt werden. Aber Johannes der Täufer wird als gleichaltrig mit Jesus oder als etwas älter angesehen. Die beiden Knaben werden häufig auch zusammen dargestellt.

Im Lukasevangelium findet sich jedoch der Hinweis auf eine Geburtsstadt in den Bergen. In der Jugend folgte dann angeblich ein Aufenthalt in der antiken Wüstenstadt Kumran im Westjordanland. Dort wurde Johannes der Täufer von Gott zum Propheten berufen.

Jahre als Prophet

Der Überlieferung nach begann das öffentliche Wirken von Johannes dem Täufer „im 15. Jahr der Herrschaft von Kaiser Tiberius. Diese Aussage ist jedoch für sich genommen nicht präzise, da der Genannte zunächst als Mit-Herrscher von Augustus ernannt wurde.

Das erste Auftreten von Johannes dem Täufer kann deshalb nur auf eine Zeit von 26 bis 29 n. Christus eingegrenzt werden. Das geographische Zentrum seines Auftreten lag in der historischen Region Peräa.

Die Gegend liegt östlich des Jordans. Im Süden grenzte das Gebiet an den See Genezareth und im Norden an das Tote Meer.

Persönliches Auftreten

Johannes der Täufer beeindruckte seine Zeitgenossen schon durch das Auftreten. Er glänzte dabei jedoch nicht einfach nur mit Charisma oder Rhetorik. Vielmehr erfüllte er die Erwartungen an einen jüdischen Propheten.

Der Tanach, die alte jüdische Bibel aus der vor-christlichen Zeit, kannte nämlich zahlreiche Propheten, die sogenannten Nevi’im. Diese hatten zahlreiche Merkmale:

  • Die Gabe der Prophetie erhält man durch eine unvorhersehbare Berufung durch Gott.
  • Propheten schrecken zunächst vor ihrer übermenschlichen Aufgabe zurück.
  • Es fehlt die Gewissheit auf Entlohnungen jeglicher Art.
  • Weiterhin fehlen Selbstsicherheit oder Arroganz.
  • Propheten führen ein Leben in Einklang mit ihren Geboten.

Vor allem dem letzten Punkt wurde von Johannes dem Täufer laut Überlieferung voll gerecht. Im Markus-Evangelium wird berichtet, er habe sich nur von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Matthäus geht gar soweit zu behaupten, dass der Täufer gar nichts zu sich genommen hätte.

Darüber hinaus war jedoch noch ein „weiches“ Kriterium für die Anerkennung als jüdischer Prophet von Bedeutung. In dieser Rolle war es üblich, den eigenen Tod vorherzusehen. Je gewaltsamer dieses Ende ausfiel, desto glaubwürdiger waren auch die Prophezeiungen.

Zur Zeit von Johannes dem Täufer stellte dies in der Region allerdings kein großes Problem dar. Die hohe Priesterschaft in Jerusalem sah die Ernennung zum Propheten als eine todeswürdige Gotteslästerung an.

Eben dieses Schicksal erwartete schließlich auch Johannes den Täufer. So wie später bei Jesus hatte das prophezeien des eigenen Todes eben auch einen selbst erfüllenden Charakter.

Kern-Botschaften

Johannes der Täufer hatte vor allem zwei Kernbotschaften. Zunächst predigte er ein asketisches Leben in Einklang mit Gottes Geboten. Seine eigene, ganz besondere Genügsamkeit kommunizierte er dabei auch über die Kleidung.

Und Johannes war mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lende bekleidet.“ Mk 1,6

Doch vor allem wurde Johannes der Täufer ein Prediger der Apokalypse, der finalen Offenbarung des göttlichen Wissens. Damit nahm er die Befürchtung vieler Juden vor dem vermeintlich drohenden Ende der Welt auf.

Neben dem diffusen Aufruf zur Umkehr entwickelte sich eine quasi-juristische Vorstellungswelt vom einem Ende der Welt in Form eines Jüngsten Gerichtes. Doch Gläubige, die sich von ihren Sünden reinwaschen und vor der Anklage durch Satan bestehen, gewinnen diesen Gerichtsprozess um die Seele.

Diese Auserwählten gehen dann ein in das Himmelreich, wenn die Nacht ohne Morgen beginnt. In diesem Konstrukt besteht natürlich ein dringender Bedarf nach einem Messias, einem Erlöser, so dass die Anhänger sehr empfänglich für Jesus wurden.

Diese religiösen Vorstellungen von einem König der Israeliten wurden dabei auch von der realpolitischen Situation befeuert. Judäa hatte lange unter despotischen Herrschern gelitten und war von römischen Legionen besetzt.

Taufen im Jordan

Damit man die entscheidende Umkehr oder Abkehr von der sündigen Welt symbolisch unterstreichen kann, entwickelte sich unter der Führung von Johannes der Täufer eine passende Zeremonie. In den Fluten des nahen Jordan bei einem Ort namens Bethanien wurden seine Anhänger einmal komplett untergetaucht.

Diese Taufe als rituelle Reinigung hat sich als Symbol der Christen bis heute erhalten. Die Zeremonie steht für den Eintritt einer Person in die Gemeinschaft der Gläubigen. Jesus von Nazaret verweilte einige Zeit im Kreis dieser Anhänger und wurde dort ebenfalls von Johannes getauft.

Der Überlieferung nach übernahm Jesus mit Zustimmung von Johannes dem Täufer noch vor Ort dieses Ritual. Er führte dann selbst Taufen im Jordan durch und konnte sich so ein Standing in der Community aufbauen.

Wegbereiter für den Messias

Neben einem theologischen Konzept und einer virulenten Anhängerschaft gewährte Johannes der Täufer dem nachfolgenden Jesus auch vollen Zuspruch. Im Markus-Evangelium wird von der Szene berichtet:

Und er predigte und sagte: Nach mir kommt der, der stärker ist als ich […] Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.“ Mk 1,7

Parallel machten Johannes der Täufer und seine Schar grausame Erfahrung mit der willkürlichen Herrschaft des Klientel-Königs, einem Sohn von Herodes dem Großen. Bereits kurz nach der Taufe des kommenden Messias wurde der jüdische Prophet ins Gefängnis geworfen.

Auslöser dieser Verhaftung war eine offene Kritik am Fürsten. Dieser hatte seine eigene Frau verstoßen und dafür Herodias, die Gemahlin eines Halb-Bruders, geheiratet. Nach dem verbalen Angriff durch Johannes den Täufer fürchteten diese einen Gesichtsverlust.

Der Prophet wurde daraufhin in der Festung Machaerus am Toten Meer festgehalten. Doch angeblich soll Herodias auf den Kopf von Johannes dem Täufer bestanden haben. Deshalb wurde er schließlich enthauptet.

Bedeutung als Heiliger

Rang und Attribute

In der Rangordnung der christlichen Propheten nimmt Johannes der Täufer die zentrale Stellung ein. Er verkündete die unmittelbare Ankunft des Messias (adventus domini) und bereitete dessen Werk auf Erden vor.

Darüber hinaus stellt er mit seiner Lebensführung ein ideales Vorbild dar. In der frühen Entwicklung des Christentums wurde Johannes der Täufer deshalb häufig wie beispielsweise durch Augustinus von Hippo thematisiert.

Im Zuge der kunstgeschichtlichen Ikonographie wurden Johannes dem Täufer eine Reihe von Attributen zugewiesen:

  • Magere Figur
  • Lange Haare
  • Fellgewand
  • Kreuzstab
  • Lamm

Darstellung und Verehrung

In Gruppierungen mit anderen Heiligen steht Johannes der Taufer im Zentrum. Bei Anordnungen mit Jesus steht dieser im Zentrum, die Mutter Maria links und der Täufer rechts davon.

Als Heiliger ist Johannes der Täufer der Patron des Johanniter-Ordens. Darüber hinaus sind ihm viele Taufkapelle geweiht und er wird in Spitälern verehrt.

St-Johannes-Kathedrale

Der Ort der Hinrichtung von Johannes dem Täufer ist zwar nicht bekannt. Dennoch wird er in der St-Johannes-Kathedrale in Sebastia im West-Jordanland verehrt. Jüdische, christliche wie muslimische Gläubige vermuten das Grab des Täufers in diesem Sakralbau.

Darüber hinaus werden an diesem Ort auch die Gräber von Elischa und Obadja, zwei alt-biblischen Propheten, vermutet. Seit der Herrschaft der Byzantiner fand sich dort ein Kirche. Die Kreuzfahrer ersetzten diese im 12. Jahrhundert durch die St-Johannes-Kathedrale.

Die Kontrolle über den Ort ging jedoch bereits im 13. Jahrhundert an die Muslime. Diese errichteten eine Moschee, die die angebliche Grabstätte von Johannes dem Täufer vor weiteren Zerstörungen in den Glaubenskriegen schützte.

Reliquien von Sweti Iwan

Angesichts der Bedeutung von Johannes dem Täufer insbesondere für das Christentum wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Überbleibsel als Reliquien ausgegeben. Ein Fund aus dem Jahr 2010 sticht jedoch hervor.

Auf Sweti Iwan, einer bulgarischen Insel im Schwarzen Meer, führten Archäologen Ausgrabungen im Johannes-der-Täufer-Kloster aus dem Mittelalter durch. Dabei fanden sie eine Kiste aus dem 4. Jahrhundert mit der Aufschrift: Johannes der Täufer.

In dieser Kiste fanden sich Fuß-, Hand-, Kiefer- und Zahnknochen. Diese stammen von einer Person, die im 1. Jahrhundert lebte. Heute werden die sterblichen Überreste in einer Kirche in der Stadt Sosopol aufgebahrt.