Ludwig II. der Deutsche

König Ludwig II. – „der Deutsche“

König Ludwig II. „der Deutsche“ wurde um 806 in Frankfurt am Main geboren. Er war ein Sohn des karolingischen Kaisers Ludwig I. der Fromme.

Nach dem Tod des Vaters gab es einen langen Streit um die Erbfolge im Frankenreich. Erst nach drei Jahren wurden sich die drei Söhne einig und spalteten das Großreich in einen östlichen, einen mittleren sowie einen westlichen Teil

König Ludwig der Deutsche
König Ludwig der Deutsche und seine drei Söhne (gemeinfrei)

Im Vertrag von Verdun von 843 erhielt Ludwig der Deutsche dann den östlichen Teil des Reiches, das sogenannte Ostfränkische Reich. Aus diesem Fragment des einstigen Imperiums ging später das Heilige Römische Reich hervor.

Je nach Lesart der Geschichte gilt Ludwig II. deshalb als erster deutscher König. Wobei die Entstehung Deutschlands von der neueren Forschung eher als ein langer Prozess mit zahlreichen Zwischenschritten betrachtet wird.

Die Bezeichnung von König Ludwig II. als „der Deutsche“ entstand auch erst im 18. Jahrhundert. Die Ordnungszahl etablierte sich ebenfalls nur nachträglich. Von Zeitgenossen wurde der ostfränkische König noch als „rex Germaniae“ tituliert. Der Begriff war der antiken Bezeichnung von rechtsrheinischen Gebieten entlehnt.

Ludwig der Deutsche wurde deshalb wie beispielsweise auch Heinrich der Löwe von der nationalsozialistischen Propaganda für die Ideologie von Blut und Boden ganz besonders missbraucht. Eine völkische Interpretation seiner historischen Rolle geht jedoch völlig am Thema vorbei. Heutzutage wird in der Fachliteratur dagegen teils sogar bewusst auf den bekannteren, aber eigentlich anachronistischen Beinnamen „der Deutsche“ verzichtet.

„Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.“

(Aus der „Jenaer Erklärung“ des Max-Planck-Instituts von 2019)

Ludwig der Deutsche stellte mit seiner sehr langen Regierungszeit aber zweifelsohne eine bedeutende Wegmarke dar. Er wurde 826 als Unterkönig von Baiern eingesetzt und war dann ein halbes Jahrhundert lang bis zu seinem Tod am 28. August 876 ein wichtiger Herrscher.

Ludwig der Deutsche pflegte dabei zeitlebens einen sehr aggressiven politischen Stil. Er war bereits an den Aufständen gegen seinen Vater beteiligt und bedrängte auch seine Brüder immer wieder.

Außerdem strebte Ludwig der Deutsche nach der Kaiserkrone und der Herrschaft über Italien, woran er jedoch letztlich scheiterte. In den 860er Jahren musste er sich dann selbst gegen Rebellionen im Ostfränkischen Reich wehren.

Im Vertrag von Meerssen von 870 konnte Ludwig der Deutsche jedoch Teile des Mittelreiches erringen. Damit fielen auch linksrheinische Gebiete aus dem „Reich Lothars“ oder auch Lothringen beziehungsweise Lotharingien gewaltlos an die Ostfranken.

Die machtorientierte Außenpolitik von Ludwig dem Deutschen war jedoch von einem Rückgang der Schriftlichkeit bei der inneren Verwaltung begleitet. Aus der gesamten Dauer seiner Regentschaft ist nur die relativ geringe Zahl von 172 Urkunden erhalten.

Ludwig II. aus dem Geschlecht der Karolinger

Der später als Ludwig der Deutsche bekannte König war ein Karolinger. Dabei handelte es sich um eine fränkische Adelsdynastie, die seit der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts kontinuierlich an die Macht strebte.

Aufstieg der karolingischen Dynastie

Der karolingische Aufstieg zur Königslinie erhielt um das Jahr 640 den entscheidenden Schub. Pippin I. der Ältere und Bischof Arnulf von Metz, den man auch als Patron der Bierbrauer kennt, gingen ein politisches Bündnis ein. Sie verheirateten ihre Kinder Ansegisel und Begga.

Aus dieser Partnerschaft ging Pippin II. der Mittlere hervor. Dieser wurde als fränkischer Hausmeier schon zum zentralen Strippenzieher im Reich. Unter seiner Kontrolle dienten jedoch noch vier Könige aus dem Geschlecht der Merowinger:

  • Theuderich III. (679–690)
  • Chlodwig III. (690–694)
  • Childebert III. (694–711)
  • Dagobert III. (711–715)

Mit Karl Martell ging der Bastard von Pippin dem Mittleren in seiner Herrschaftspraxis schließlich noch einen großen Schritt weiter. In seinen letzten Jahren regierte er schon als „erwählter Hausmeier“, ohne sich noch die Mühe mit einer Marionette auf dem Thron zu machen.

Martells Sohn Pippin III. der Jüngere hämmerte dann den letzten Nagel in den Sarg des merowingischen Herrscherhauses. Im Jahr 751 ließ er sich zum König erheben und schloss damit den dynastischen Übergang nach über einem Jahrhundert erfolgreich ab.

Hochphase und Erbstreitigkeiten

Die karolingische Dynastie führte das Reich der Franken zum territorialen und kulturellen Zenit. Unter Karl dem Großen, einem Sohn von Pippin III. wurde die antike Kaiserwürde erneuert und es entwickelte sich eine europäische Großmacht, die auf Augenhöhe mit dem Byzantinische Reich auftreten konnte.

Karte Expansion Frankreich
Expansion des fränkischen Reiches von 486 bis zum Tod von Karl dem Großen im Jahr 814 (Urheber: Sémhur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Doch bereits die Erbfolge von Pippin III. dem Jüngeren war anfangs sehr problematisch. Zum Vorteil des Reiches verstarb der älteste Sohn Karlmann jedoch sehr früh, so dass eine dauerhafte Spaltung in den Jahrzehnten vor 800 vorerst abgewendet wurde.

Das Problem war das fränkische Erbrecht. Diese Regeln waren ursprünglich aus dem Stammesrecht der Germanen hervorgegangen und mit der Lex Salica von Chlodwig I. zu Beginn des 6. Jahrhunderts auch in schriftlicher Form fixiert worden.

Die Gesetze sahen vor, dass die Erbmasse unter allen Erbberechtigten (= männliche Personen) gleichermaßen aufgeteilt werden muss. Das Frankenreich wurde deshalb immer wieder zerschlagen, um die Ansprüche von Söhnen zu bedienen.

Als Karl der Große am 28. Januar 814  in Aachen verstarb, hatte er wiederum zum Vorteil des Reiches nur noch einen lebenden Sohn. Die Reichseinheit war damit aber nur vorübergehend gesichert.

Sohn von Ludwig I. dem Frommen

Der Nachfolger von Karl war sein Sohn Ludwig I. der Fromme. Dieser konnte nach dem Tod des Vaters im Jahr 814 problemlos die Herrschaft über das ungeteilte Reich übernehmen und erhielt auch die Kaiserwürde.

Ludwig I. der Fromme
Kaiser Ludwig I. der Fromme in romantisierter Darstellung (Maler: unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Doch bereits die Regierungszeit von Ludwig I. stand unter einem schlechten Stern. Er hatte mehrere Söhne aus zwei Ehen, die ihn sogar zweimal, in den Jahren 830 und 833, kurzzeitig absetzten.

Vor allem der später als Ludwig II. der Deutsche bekannte König zeigte bereits früh seinen unstillbaren Machthunger. Er war 826 als Unterkönig von Baiern eingesetzt worden und entwickelte auf dieser Basis eine eigene Hausmacht im Reich.

Aber die Rebellionen gegen den Vater sowie Konflikte mit anderen Adeligen hatten für ihn auch schmerzhafte Konsequenzen. Zuletzt wurde der vorgesehene Erbteil von Ludwig dem Deutschen stark beschnitten.

Im Jahr 840 starb Ludwig I. der Fromme dann auf der Rückkehr von einer Strafexpedition gegen den Sohnemann in Baiern. Für Ludwig den Deutschen bot sich damit die Möglichkeit, wieder mehr Einfluss zu gewinnen.

Weg zur Teilung des Frankenreichs

Kurz vor seinem Tod am 20. Juni 840 traf Ludwig I. der Fromme letzte Regelungen für seine Thronfolge. Dem ältesten Sohn Lothar sandte er die Krone, ein Schwert und das Reichszepter.

Mit diesen Symbolen wurde Lothar die Oberhoheit über das Reich sowie der Anspruch auf die Kaiserwürde übertragen. Zugleich wünschte sich der sterbende Vater, dass die bereits seinem weiteren Sohn Karl dem Kahlen übertragenen Reichsteile garantiert bleiben.

Wechselhafter Bruderkrieg

Lothar dachte aber nicht daran, seinem Halbbruder Karl dem Kahlen den zusagten Erbteil zu lassen. Vielmehr beanspruchte er als Erbe des Mittelreiches zunächst auch die Teile im Osten und im Westen. Zu seinem Vorteil waren viele Adelige an einer Einheit des Reiches interessiert und wurden damit zu seinen Parteigängern.

Doch auch Ludwig der Deutsche wurde nach dem Tod des Vaters sofort aktiv. Er baute ein Heer auf und konnte damit seinen Bruder Lothar zumindest von einer vorzeitigen militärischen Entscheidung abhalten.

Lothar und Ludwig einigten sich im November 840 auf eine wechselseitige Duldung, was sich jedoch stark zu Lasten ihres Halbbruders Karl dem Kahlen auswirken sollte. Dieser hatte in seinen Landen, vor allem in Aquitanien, auch noch mit Aufständen gegen seine Herrschaft zu kämpfen.

Im Frühjahr 841 trafen dann die Heere von Lothar und Karl aufeinander. Doch wiederum zog der älteste Bruder eine diplomatische Lösung vor, um sich erneut gegen Ludwig den Deutschen wenden zu können.

Am 13. Mai 841 kam es dann mal zu einem Gefecht. Die Schlacht fand an der Wörnitz statt, einem Nebenfluss der Donau im Ries. Ludwig der Deutsche konnte dort einen blutigen Sieg erringen, wobei viele Adelige des gegnerischen Lagers erschlagen wurden.

Nun verbündeten sich Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle. Am 25. Juni 841 besiegten sie ihren ältesten Bruder Lothar in der Schlacht bei Auxerre in Frankreich. Nach dem langen Bruderkrieg wurde diese schwere Niederlage von einigen Parteigängern als eine Art Gottesurteil angesehen.

Straßburger Eide (842)

Die beiden Halbbrüder Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle versicherten sich schließlich am 14. Februar 842 mit öffentlichen Schwüren vor ihren Heeren der Bündnistreue gegen Lothar. Diese Straßburger Eide sind erhalten.

Straßburger Eide
Auszug aus den Straßburger Eiden (Foto: Unbekannt / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Der zeitgenössische Chronist Nithard überlieferte in seiner Historiae die Worte von Ludwig dem Deutschen in verschiedenen Sprachen. Bei diesem Dokument handelt es sich sogar um die älteste Quelle des Altfranzösischen.

Leider existiert aber nur noch eine offensichtlich fehlerhafte Kopie aus dem 10. Jahrhundert. Der Kopist war der Sprache scheinbar nicht mächtig und verstand die Inhalte wohl nicht.

Eine moderne Übersetzung des Straßburger Eides von Ludwig dem Deutschen würde jedoch in etwa so lauten:

„Für die Liebe Gottes und des christlichen Volkes und unser aller Erlösung, von diesem Tage an, soweit mir Gott Wissen und Können gibt, werde ich meinem Bruder Karl beistehen, sowohl in der Hilfeleistung als auch in jeder anderen Angelegenheit, so wie man seinem Bruder beistehen soll, auf dass er mir genauso tue, und ich werde niemals ein Abkommen mit Lothar treffen, das willentlich meinem Bruder Karl zum Schaden sei.“

Vertrag von Verdun (843)

In der Folge kam es zu Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien. Im Juni 842 einigten sich die drei Brüder bei Mâcon auf grundsätzliche Fragen.

Vertrag von Verdun Karte
Ludwig der Deutsche erhielt im Vertrag von Verdun von 843 das Ostfränkische Reich. (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Für die Regelung der Details wurde eine Kommission mit je 40 Bevollmächtigten eingesetzt.

Nach schwierigen Verhandlungen wurde schließlich im August 843 der Vertrag von Verdun unterzeichnet. Von besonderer Bedeutung war dabei die formale Organisation.

Vielen Beteiligten war es sehr wichtig, dass das Frankenreich als staatliche Entität erhalten blieb. Im sprachlichen Ausdruck wurde deshalb nur von einer Teilung der Herrschaftsgewalt innerhalb der Königsfamilie gesprochen.

Diese Idee von der „Reichseinheit“ diente dabei jedoch vor allem der Beruhigung von hohen Adeligen, die Güter in verschiedenen Reichsteilen hatten. Faktisch wurde das Reich jedoch dauerhaft aufgeteilt.

Erst unter Karl III. dem Dicken sollte es gegen Ende des Jahrhunderts noch für wenige Jahre eine kurzzeitige Wiedervereinigung geben.

Ludwig der Deutsche – König der Ostfranken

Urkunden, Siegel und Polyzentrismus

Über die Herrschaftspraxis von Ludwig dem Deutschen kann nur relativ wenig gesagt werden. Aus seiner Zeit sind lediglich 172 Urkunden erhalten, deren Bestand teilweise monatelange Lücken aufweist.

Beispielsweise weiß man nicht, was Ludwig der Deutsche zwischen Juni 849 und Juli 850 getrieben hat. Die Quellen deuten jedoch daraufhin, dass vor allem Baiern von besonderer Bedeutung für den ersten König von Ostfranken war.

Ludwig der Deutsche Signatur
Signatur von Ludwig dem Deutschen (Urheber: Otto Kaemmel / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Insgesamt sind 52 Urkunden erhalten, die an baierische Empfänger adressiert waren. Außerdem wurden von dem Bestand 34 Urkunden alleine in Regensburg ausgestellt. Die Häufigkeit solcher Urkunden mit einem baierischen Bezug ließ jedoch im Laufe der Herrschaft von Ludwig dem Deutschen nach.

Ebenfalls von großer Bedeutung scheint Frankfurt gewesen zu sein. Dort wurden 49 Urkunden ausgestellt und auch viele Hoftage sowie Reichsversammlungen abgehalten.

Solche Urkunden wurden von der königlichen Kanzlei ausgestellt. Eine Besonderheit aus der Zeit von Ludwig dem Deutschen war ein Wandel des Siegels. Er ließ sich im Gegensatz zu seinen Ahnen mit Schild und Speer darstellen, was seine Nachfolger übernahmen.

Außerdem wurde das Siegel deutlicher vom Text abgesetzt und größer dargestellt. Historiker sehen dies als ein Anzeichen für einen wachsenden Analphabetismus sowie die steigende Bedeutung von Symbolen.

Die Herrschaftsstruktur im Ostfränkischen Reich war dabei keineswegs monolithisch auf König Ludwig den Deutschen ausgerichtet. Er musste die Macht nicht nur mit geistlichen Würdenträgern teilen. Auch auf die Kooperation der weltlichen Fürsten in seinem Reich war er angewiesen.

Mit seinen früheren Konflikten hatte Ludwig der Deutsche die Beziehungen zu vielen Amtsinhabern jedoch schwer belastet. Die auf Zusammenarbeit ausgelegte Herrschaftsstruktur stellte ihn deshalb in den Anfangsjahren vor große Probleme.

Dank seiner langen Herrschaft konnte er jedoch nach und nach verstorbene Bischöfe und Grafen durch treue Gefolgsleute ersetzen.

Alemannien, Baiern, Sachsen, Thüringen

Baiern war für Ludwig den Deutschen in machtpolitischer Hinsicht die zentrale Bastion. Dort hatte er seit langem eine eigene Hausmacht und war bereits früh der unumstrittene Herrscher.

In Alemannien, Sachsen und Thüringen war Ludwig der Deutsche hingegen auf loyale Gefolgsleute zur Durchsetzung seiner Herrschaft angewiesen. Von besonderer Bedeutung waren beispielsweise der Bischof Salomo von Konstanz und Abt Grimald von St. Gallen.

Auch die Welfen, der Clan seiner Ehefrau Hemma, beziehungsweise konkret Konrad unterstützte Ludwig den Deutschen in seinen ersten Jahrzehnten. Erst nach dem Angriff auf das Westfrankenreich kam es zum Bruch.

Konflikte mit Dänen und Slawen

Ludwig der Deutsche befand sich seit dem Vertrag von Verdun in einem Dauerkonflikt mit den östlich seines Reiches siedelnden Slawen. Schon im Jahr 844 gelang ihm ein wichtiger Sieg gegen die Aboriten im heutigen Mecklenburg.

Er wollte jedoch keine neuen Gebiete erobern, sondern die Slawen zum Treueschwur und zu Tributzahlungen zwingen. Doch im Jahr 845 fielen die mit den Slawen verbündeten Dänen im Norden ein und plünderten Hamburg. Letztlich gelang jedoch auch ein Friedensschluss mit diesen.

Weitere Konfliktregionen waren Böhmen und Mähren. Vor allem die Mährer verfügten über gut ausgebaute Burgen und versuchten bis in die 870er Jahre sich immer wieder aus der Abhängigkeit von Ludwig dem Deutschen zu lösen.

Ludwig der Deutsche konnte deshalb nur mit großen und gut ausgerüsteten Heeren seine Feldzüge gegen die rebellischen Fürsten angehen. Diesbezügliche Schätzungen bewegen sich zwischen 5.000 und 10.000 Mann.

Attacken auf das Westfrankenreich

Karl der Kahle hatte nach dem Vertrag von Verdun aus dem Jahr 843 noch größere Probleme, seine Herrschaft im Westfrankenreich durchzusetzen. Besonders schwierig waren die Verhältnisse in Aquitanien.

Im März 853 ließ Karl der Kahle einen Grafen hinrichten, was zu einem Aufstand der adeligen Opposition führte. Diese boten daraufhin Ludwig dem Deutschen eine Allianz und damit letztlich auch die Krone des Westfrankenreiches an.

Ludwig der Deutsche brach infolgedessen den Straßburger Eid. Er schickte 854 seinen zweitältesten Sohn mit einer Streitmacht aus Alemannen, Baiern und Thüringern los, die bis nach Limoges vorstießen.

Die Opposition in Aquitanien hatte zwischenzeitlich jedoch an Schwung verloren. Das ostfränkische Heer zog deshalb nach Verhandlungen kampflos wieder ab.

Doch ab 856 wendete sich das Blatt in Aquitanien wieder. Die Situation für eine erneute Attacke war darüber hinaus sehr günstig, weil Karl der Kahle parallel gegen Normannen kämpfen musste.

858 marschierte nun Ludwig der Deutsche persönlich im Westfrankenreich ein und besetzte die östlichste Pfalz in Ponthion. Dort empfing er westfränkische Adelige und verhandelte über eine Übernahme der Herrschaft.

Doch Karl der Kahle erwies sich als geschickter Politiker und konnte die abgefallenen Adeligen mit Angeboten wieder an sich binden. Außerdem kam es nun zufälligerweise zu einem Aufstand von Sorben im Ostfrankenreich.

Ohne dass es zu einer Schlacht kam, musste sich Ludwig der Deutsche deshalb wieder zurückziehen. Im Juni 860 kam es dann in Koblenz zu einer finalen Einigung. Dabei verpflichtete sich Ludwig eidlich, weder das Leben noch den Besitz seiner Brüder und Neffen zu gefährden.

Krisen und Aufstände in Ostfranken

Die Fehlschläge gegen das Westfrankenreich hatten offenbar sehr negative Auswirkungen auf die Stabilität der Herrschaft von Ludwig dem Deutschen. Bereits 861 enthob er mit dem Markgrafen Ernst einen der bisher engsten und wichtigsten Gefolgsleute seiner Ämter.

In diesem Zug wurden dann auch noch weitere Adelige abgesetzt. Besonders litt das Verhältnis zu dem Geschlecht der Konradiner, die einige Jahrzehnte später mit Konrad I. selbst noch einen König des Ostfränkischen Reiches stellen würden.

Ein weiteres Problem war, dass Markgraf Ernst auch der Schwiegervater von Karlmann, einem Sohn von Ludwig dem Deutschen war. Dieser begann noch 861 in der bairischen Ostmark mit der Hilfe von Mährern eine allzu selbständige Politik.

Erst 864 kam es zur Aussöhnung zwischen Ludwig dem Deutschen und seinem Sohn Karlmann. In den darauffolgenden Jahren gab es dann jedoch viel Ärger mit den jüngeren Söhnen des Königs.

Parallel zu den politischen Konflikten kam es in den 860er Jahren auch mehrfach zu Hungersnöten im Ostfränkischen Reich. Per Gesetz wollte Ludwig der Deutsche deshalb ein allgemeines Fasten für die Bevölkerung durchsetzen.

Vertrag von Meerssen (870)

Im Vertrag von Verdun hatte Lothar I. das Mittelreich erhalten. Kurz vor seinem Tod am 29. September 855 hatte er seinen Sohn Lothar II. zum Nachfolger bestimmt. Dieser verstarb dann am 08. August 869.

Vertrag von Meerssen Karte
Im Vertrag von Meerssen erhielt Ludwig der Deutsche Teile des Mittelreiches (Urheber: Furfur / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Karl der Kahle ergriff daraufhin sofort die Initiative und besetzte das Mittelreich. Schon am 09. September 869 ließ er sich in Metz zum König über Lothringen krönen.

Ludwig der Deutsche war in dieser Phase schwer krank. Er sandte erst im Februar 870 eine Gesandtschaft, aber drohte dafür auch gleich mit Krieg. Dabei erhielt der König des Ostfrankenreiches viel Unterstützung durch Adelige aus dem Mittelreich.

Karl der Kahle lenkte deshalb ein. Im Vertrag von Meerssen einigten sie sich auf eine Aufteilung der Gebiete. Dadurch erhielt das Ostfränkische Reich im August 870 linksrheinische Gebiete darunter Aachen, Köln, Metz und Straßburg.

Dass Lothar II. männliche Verwandte mit Erbansprüchen hatte, wurde einfach ignoriert. Besonders vorteilhaft war dabei eine zeitlich parallele Attacke von Arabern auf Italien, so dass man Mittel-Europa in Ruhe aufteilen konnte.

Rebellionen der jüngeren Söhne

Aufgrund der schweren Erkrankung im Jahr 869 machte Ludwig der Deutsche sein Testament. Die beiden nachgeborenen Söhne Ludwig der Jüngere und Karl III. der Dicke fürchteten dabei eine Benachteiligung oder gar Enterbung.

Zwischen 871 und 876 kam es deshalb zu mehreren Rebellionen. Ein besonderes Highlight war die versuchte Gefangennahme und Entmachtung von Ludwig dem Deutschen auf einer Versammlung in Regensburg Ende Januar 873.

Der König der Ostfranken konnte sich jedoch behaupten. Sehr auffällig war jedoch die ausgesprochen milde Reaktion von Ludwig dem Deutschen auf die Ambitionen seiner Söhne.

Die innerfamiliären Konflikte wurden friedlich mit einer rituellen Unterwerfung, einer sogenannten „deditio“ gelöst. Dabei handelte es sich um eine protokollarische Handlung, die meist in vier Schritten erfolgte:

  1. Vorherige Absprache (condicio oder conditio)
  2. Schaffung eines öffentlichen Rahmens
  3. Fußfall (prostratio) und Selbstbeschuldigung
  4. Gewährung der Gnade (clementia, condonatio, reconciliatio pacis)

Dieses Verfahren entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einer ungeschriebenen sozialen Konvention, die beispielsweise in der Zeit der ottonischen Herrscher sehr häufig zur Anwendung kam.

Tod und chaotische Thronfolge

Ludwig der Deutsche starb am 28. August 876 in Frankfurt am Main und wurde im Kloster Lorsch bestattet. Das Ostfränkische Reich wurde zunächst unter seinen drei Söhnen Karlmann, Ludwig der Jüngere und Karl III. der Dicke aufgeteilt.

Grabplatte von Ludwig dem Deutschen
Grabplatte von Ludwig dem Deutschen im Kloster Lorsch (Foto: Krischnig / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Sofort versuchte Karl der Kahle einen Angriff, um Ostfranken zu erobern. Ludwig der Jüngere besiegte ihn jedoch am 08. Oktober 876 in der Schlacht bei Andernach.

Ein Jahr später starb Karl der Kahle, womit sich diese Bedrohung dann auch erledigt hatte. Doch auch die beiden älteren Söhne von Ludwig dem Deutschen verschieden bis zum Jahr 882.

Der jüngste Sohn konnte so das Reich der Ostfranken erneut vereinen. Außerdem hatte er sehr gute Beziehungen zum römischen Papst und wurde zum Kaiser gekrönt. Ab 885 regierte er sogar für zwei Jahre über das Westfrankenreich.

Doch Karl III. der Dicke war ein schwacher Herrscher. Seine Regierungszeit war von Einfällen der Wikinger und Attacken durch Normannen geprägt, beispielsweise von Rollo, dem Ahnherr von Wilhelm dem Eroberer.

Im Jahr 887 wurde Karl dann sogar von einem außerehelichem Sohn seines Bruders Karlmann mit dem Namen Arnolf von Kärnten abgesetzt. Der jüngste Sohn von Ludwig dem Deutschen verstarb dann auch schon am 12. Januar 888.