Sunzi

Sunzi – Die Kunst des Krieges

Sunzi wurde um 544 vor Christus in China geboren und verstarb im Jahr 496 vor Christus. Er war General und ein früher Militärtheoretiker.

„Wenn die Kräfte gleich sind, können wir eine Schlacht erwägen. Wenn wir […] leicht unterlegen sind, meiden wir den Feind. Wenn wir ihm in keiner Hinsicht gewachsen sind, können wir fliehen.“ (Sunzi: Die Kunst des Krieges, Kap. 2 – Über die Kriegsführung)

Sunzi schrieb das Buch: The Art of War – Die Kunst des Krieges. Er gilt bis heute als frühster Theoretiker für militärische Strategie. Er strukturierte das Geschehen vor, im Verlauf und nach einem Krieg. Er äußert sich zu Spionen, Täuschung, Gelände(-typen) und vielem mehr. Dabei sucht Sunzi immer die Formulierung von Leitsätzen.

„Mit Hilfe dieser sieben Bedingungen kann ich Sieg oder Niederlage voraussagen.“ (Sunzi: Die Kunst des Krieges, Kap. 1 – Planung)

Sunzi legt sehr hohen Wert auf die Planung. Dies ist für ihn der Beginn eines Krieges. Bereits in diesem Vorfeld soll getäuscht werden. Der Einsatz von Spionen ist Pflicht.

Das strategische Ideal ist die Eroberung ohne lange Feldzüge. Sunzi wil Städte idealerweise ohne Kampf erobern. So verliert man keine Zeit und Soldaten. Die List ist günstiger als der Kampf.

Eroberte Länder bleiben deshalb besser unbeschadet. Feldzüge sollten möglichst kurz sein. Selbst Belagerungen gilt es für Sunzi zu vermeiden. Timing und Information ist dagegen entscheidend.

Täuschung des Gegners (Kap. 1)

„Jede Kriegsführung gründet auf Täuschung.“ schreibt der Stratege aus dem alten China schon in Kap. 1. Zunächst denkt er an das Vorspiegeln gegenteiliger Fakten.

  • Man ist fähig anzugreifen. Dann soll man als unfähig erscheinen.
  • Man ist dem Feind bereits nahe. Dann soll dieser glauben, man sei noch weit weg.
  • Oder jeweils umgekehrt.

Der chinesische General war aber auch kreativ. „Lege Köder aus, um den Feind zu verführen. Täusche Unordnung vor und zerschmettere ihn.“ Es geht um die eigene Vorbereitung auf eine Situation.

Der Feind hingegen soll in dieser Situation unvorbereitet sein. Es soll auch ein Ausweg frei sein. Ist der Gegner überlegen? Dann weicht man aus. Er geht hier auch schon auf die Psychologie seiner Feinde ein:

  • Einen Choleriker sollte man provozieren.
  • Einem überheblichen Gegner sollte man sich als Schwächling präsentieren.

Die Täuschung ermöglicht bei ihm jedoch noch viel mehr:

  • Sind feindliche Kräfte vereint? Dann sucht man deren Zersplitterung.
  • Ist der Feind unvorbereitet? Du wirst nicht erwartet? Dann greif an!

Wann kommt es zur Schlacht? (Kap. 3)

„Wenn Du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“ (Die Kunst des Krieges, Kap. 3 – Das Schwert in der Scheide)

Für Schlachten hat er ein klares Schema. Er stützt sich dabei auf Zahlen(-Verhältnisse) und Timing. Es gilt, den richtigen Zeitpunkt und das richtige (Kräfte-)Verhältnis abzuwarten. Wenn man dieses Verhältnis beachtet, dann wird man siegen. (Mao Zedong formulierte seine Guerillastrategie in vergleichbarer Art.)

  • Wenn wir 10:1 überlegen sind, umzingeln wir ihn.
  • Wenn wir 5:1 überlegen sind, greifen wir an.
  • Wenn wir 2:1 überlegen sind, teilen wir die Armee. Dann greifen wir von vorne und von hinten an.
  • Wenn die Kräfte gleich sind, erwägen wir die Schlacht.
  • Wenn wir leicht unterlegen sind, meiden wir den Feind.
  • Wenn wir stark unterlegen sind, fliehen wir.

Sunzi schließt die gedankliche Schleife zur allgemeinen Planung. Aufklärung und gute Vorbereitung ermöglichen das Erkennen des richtigen Moments. Politische Einmischungen sind in solchen Phasen jedoch ein Problem.

Die taktischen Überlegungen (Kap. 4)

Sunzi ist „absoluter“ Stratege: „Wahre Vortrefflichkeit ist es, insgeheim zu planen, sich heimlich zu bewegen, dem Feind einen Strich durch die Rechnung zu machen und seine Pläne zu vereiteln, so dass zumindest der Tag ohne einen Tropfen vergossenen Blutes gewonnen wird. […] Soviel zur Taktik.“ (Die Kunst des Krieges, Kap. 4 – Taktik)

Sunzi´s Kapitel 7: Manöver nennt explizit nur die Ablenkung. Er befasst sich ansonsten nur mit der Bildung von geeinten Körpern auf dem Schlachtfeld, damit die Tapferen unmöglich alleine vorstürmen und sich die Feigen unmöglich alleine zurückziehen können.

Sunzi hat jedoch noch einen Rat: „Lasse ein Schlupfloch frei, wenn du eine Armee umzingelst. […] Der Grund ist, ihn glauben zu machen, dass es einen Weg in die Sicherheit gibt […].“

Energie – starke und schwache Punkte (Kap. 5)

„Benutze direkte und indirekte Manöver, um sicherzustellen, dass deine ganzen Heerscharen der Wucht des feindlichen Angriffs unerschüttert widerstehen.“ (Die Kunst des Krieges, Kap. 5 – Energie)

Direkte Manöver können bzw. werden bei jedem Kampf angewendet. Die Chance hierfür sieht er, wenn die Schlacht beginnt. Der chinesische General hatte sich bereits in Kap. 4 – Taktik dem Gefecht genähert. Es gibt bei ihm aber keine explizite „Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht“ (Carl von Clausewitz).

Er entwickelte kein asiatisches Gegenstück zur Griechischen Phalanx oder Makedonischen Phalanx.

Die Manöver in der Kunst des Krieges (Kap. 6 & 7)

Der chinesische General hatte jedoch eine ausgeprägte strategische Denkweise. Die indirekten Manöver stehen klar im Fokus der Kunst des Krieges. Die indirekten Manöver „… sind unerschöpflich wie Himmel und Erde, endlos…“.

Er kannte fünf Musiknoten. (Ebenso fünf Grundfarben). Hier zieht er den Vergleich zur Kunst des Krieges. Diese Fünf lassen sich zu zahllosen Melodien bzw. Farben komponieren. Der General muss geistreich sein. Über die indirekten Manöver stellt der General Sieg sicher.

Beschreibungen finden sich in seinen späteren Ausführungen (Die Kunst des Krieges, Kap. 6 – Schwache und Starke Punkte). Hier ist eine kurze Fassung.

  • Man erwartet den Feind ausgeruht auf dem Feld. Dann trifft dieser erschöpft ein.
  • Belästige den Feind. Zwinge ihn zum Aufbruch. Er soll keine Ruhe finden.
  • Hungere ihn aus.
  • Zwinge den Feind zur hastigen Verteidigung.
  • Greife Orte an, die nicht verteidigt werden können. Greife Orte an, die nicht verteidigt sind. Der Feind soll nicht wissen, was er verteidigen soll. Der Feind soll Orte verteidigen, die nicht angegriffen werden. So zwingt man ihn, seine Kräfte zu teilen.
  • Halte nur Positionen, die nicht angegriffen werden können. Der Feind soll nicht wissen, was er angreifen soll.
  • Schneide seine Kommunikation ab. Täusche den Gegner.
  • Zwinge den Feind, sich Blößen zu geben. So können neue schwache Punkte gefunden und geschaffen werden.
  • Vergleiche die gegnerische Armee sorgfältig mit deinen eigenen Kräften. Finde die Unterschiede.
  • Studiere die Stimmungen. Greife an, wenn deine Feinde nachlässig sind. Greife keine Soldaten an, die auf Kampf warten.
  • Greife keine Armee an, die gerade nach Hause zurückkehrt.
  • Halte dich nicht in isolierten Positionen auf. Schlage kein Lager in schwierigem Gelände auf.
  • Es gibt Straßen, denen darfst du nicht folgen. Es gibt Städte, die darfst du nicht erobern. Es gibt Armeen, die darfst du nicht angreifen.

Die fünf Kardinalfehler eines Generals bei Sunzi

  • Unbekümmertheit. Denn diese führt zur Vernichtung.
  • Feigheit. Denn diese führt zur Gefangennahme.
  • Empfindliches Ehrgefühl. Denn dieses führt zu Scham.
  • Ungezügeltes Temperament. Denn dieses macht anfällig für Provokationen.
  • Übergroße Sorge um die eigenen Männer. Denn dieses lässt den General schlechte Entscheidungen treffen.

Die sechs Geländetypen bei Sunzi (Kap. 10)

  1. Zugängliches Gelände, in welchem von erhöhten Positionen gekämpft werden sollte.
  2. Behinderndes Gelände, welches leicht verlassen, aber nur schwer zurück erobert werden kann.
  3. Ausgleichendes Gelände, auf welchem keine Seite gewinnen kann, die den ersten Schritt macht.
  4. Enge Pässe, die stark verteidigt und als solche nicht angegriffen werden sollten.
  5. Steile Anhöhen, die als erstes besetzt werden sollten, um dann den Gegner zu erwarten.
  6. Positionen, die weit vom Feind entfernt sind und die Provokation einer Schlacht erschweren, so dass der Kampf von Nachteil wäre.

Der Kampf in die Kunst des Krieges (Kap. 11 & 12)

Der Kampf sollte nur beim Überlegenheit gesucht werden. Darüber hinaus gibt es in die Kunst des Krieges eine Reihe von Einflüssen. Vor allem die Kampfmoral von Offizieren und Soldaten kann sich ändern. Das war für den chinesischen General entscheidend. „Du wirst keinen Erfolg haben, wenn deine Männer nicht standhaft und im Willen geeint sind!“ (Die Kunst des Krieges, Kap. 11 – Die Neun Situationen)

  • In der Nähe zur Heimat, neigen Soldaten zur (Fahnen-)Flucht. Je weiter man in Feindesland steht, desto höher die Solidarität der Männer.
  • Wenn keine Chance zur Flucht besteht, kämpfen Soldaten nach den Vorstellungen des alten Strategen bis zum Tod.
  • Verbiete das Befragen von Orakel.
  • Sorge stets für genug Nachschub.
  • Im Kampf sollst du erst schüchtern wie ein Mädchen sein. Dein Feind wird den ersten Zug machen.

Sunzi geht speziell auf den Einsatz von Feuer im Kampf ein. „Es gibt fünf Möglichkeiten, mit Feuer anzugreifen.“ (Die Kunst des Krieges, Kap. 12 – Angriff mit Feuer)

  • Das feindliche Lagern anzünden.
  • Die feindlichen Vorräte anzünden.
  • Den feindlichen Gepäckzug anzünden.
  • Feindliche Arsenale und Magazine anzünden.
  • Feuer in die Reihen feindlicher Soldaten werfen.

Die Kunst des Krieges – Spione (Kap. 13)

Sunzi setzte Spione ein.
Spione sind Augen und Ohren von Sunzi

Der chinesische General stellt sein Kap. 13 über den Einsatz von Spionen an das Ende von „The Art of War – Die Kunst des Krieges“. Es mit Kap. 1 und der Täuschung des Gegners zu verbinden, macht aber doppelt Sinn. Natürlich helfen Spione bei der zur Täuschung notwendigen Aufklärung. Spione können auch falsche Fährten legen.

Aber Spione haben für ihn noch einen ganz anderen Wert. „Ein Heer von hunderttausend Männern auszuheben und mit ihnen über weite Entfernungen zu marschieren bedeutet große Verluste an Menschen und eine Belastung der Staatsschätze. […] Zu Hause und in der Ferne wird es Unruhe geben. […]hunderttausend[e] Familien werden bei ihrer Arbeit behindert.“

Für Sunzi ist es „… der Gipfel an Unmenschlickeit, über die Verfassung des Feindes im unklaren zu bleiben […] Wer so handelt, kann Männer nicht führen, […] kann den Sieg nicht erringen.“

Der Unterschied der nach Ansicht des chinesischen Strategen den Unterschied macht, ist „Vorherwissen“. Hier ist auch die große Nähe von Täuschung und Spionen erkennbar. Zu wissen, wie sich eine Situation entwickelt, ist der (Kern-)Gedanke in seinem „The Art of War – Die Kunst des Krieges“.

Was ist ein Spion bei Sunzi?

Es gibt fünf Klassen von Spionen. Diese helfen, dass notwendige „Vorherwissen“ zu erlangen.

  • Eingeborene Spione gewinnt man durch freundliche Behandlung.
  • Innere Spione sind die Beamten des Feindes. Oft wertvolle Männer, die degradiert wurden.
  • Übergelaufene Spione dienten einst dem Gegner. Große (Bestechungs-)Gelder und großzügige Versprechen lassen sie überlaufen. Dann können sie gegen ihre Landsleute spionieren. Sie können auch falsche Informationen an den Feind liefern.
  • Todgeweihte Spione stehen (noch) im eigenen Dienst. Sie werden mit Absicht getäuscht. Dann sollen sie zum Feind überlaufen. Sie werden sehr überzeugend sein, wenn sie als getäuschte Personen dem Feind berichten.
  • Überlebende Spione bringen Informationen aus dem Lager des Feindes zurück. Solche dürfen nicht fehlen. Sie müssen einen überragenden Verstand haben. Sie haben eine intuitive Klugheit. Sie brauchen die Erscheinung eines Narren. Schäbig, aber mit eisernem Willen. Tatkräftig, widerstandsfähig, stark und mutig. Gewöhnt an (Schmutz-)Arbeit. Sie ertragen Hunger und Kälte. Auch Schmach und Schande.

Der chinesische General pflegte die Bande zu Spionen mit sehr viel Geld. Die Beziehung muss größter Diskretion unterliegen. Es geht auch darum, den Charakter der Spione zu prüfen. Außerdem gilt es die Geschicklichkeit und Erfahrung eines Spions einzuschätzen. In diesem Bezug betont Sunzi den Wert der Weisheit.

Spione benötigen nach seiner Meinung viel Wohlwollen und Aufmerksamkeit. Das gilt auch in der Gegenspionage. Spione des Feindes sollen verlockt und bequem untergebracht werden. Diese übergelaufene Spione helfen eingeborene und innere Spione anzuwerben. Denn sie wissen, wer geldgierig ist. Mit diesen Informationen kann der überlebende Spion eingesetzt werden. Das Ziel der Spionage war aber stets die Erlangung von „Vorherwissen“.

„Spione sind ein äußerst wichtiges Element des Krieges, denn von ihnen hängt die Fähigkeit der Armee ab, sich zu bewegen.“ (Die Kunst des Krieges – Kap. 13)