Hunnen – berittene Bogenschützen

Hunnen – berittene Bogenschützen

Die „Hunnen“ waren Halb-Nomaden aus der zentral-asiatischen Steppe im heutigen Kasachstan. Mit ihren rasanten Angriffen und tiefen Vorstößen wurden sie zum Auslöser der Völkerwanderung in der Spätantike.

Hunnen Karte
Karte der Wanderung der Hunnen von 375 bis 452 n. Chr.

Als berittene Bogenschützen waren die Hunnen der Schrecken der römischen und indo-germanischen Heere. Deren schwere Infanterie hatte große Probleme mit der schnellen Hit-And-Run-Taktik der Hunnen.

Unter ihrem legendären König Attila drangen die Hunnen sogar bis tief nach Europa vor und plünderten in Gallien. Bis heute gilt auch deshalb die Rede von den „Hunnen“ als synonym für barbarische Räuber, die keine Skrupel kennen. Darüber hinaus hatten sie ein furchteinflössendes Aussehen und waren ein fleischgewordener Alptraum ihrer Zeit.

In dieser Form klingt der Begriff bis in die Gegenwart nach. Besonders prägend für den Sprachgebrauch war eine menschenverachtende Ansprache von Kaiser Wilhelm II. am 27. Juli 1900. In dieser „Hunnenrede“ verabschiedete er ein deutsches Expeditionskorps gen China mit den Worten:

„Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht […] so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen!“

Herkunft und Lebensweise

Die Hunnen kamen aus Zentral-Asien, in etwa aus dem heutigen Kasachstan. Eine genaue Lokalisierung der Herkunft ist mangels historischer Quellen jedoch nicht möglich.

Außerdem waren die Hunnen als Halb-Nomaden wohl fast ständig in Bewegung. Deshalb kann nur grob abgeschätzt werden, in welchen Gegenden sie sich als Gruppen organisierten und unterwegs waren.

Der Unterschied zu Nomaden ist, dass es längere Aufenthalt geben konnte. Gerade im Sommer bot es sich beispielsweise an, mit Vieh auf besonders ergiebigen Weidegründen etwas zu verweilen.

Bericht des Ammianus Marcellinus

Trotz ihres legendären Rufs ist über die Hunnen nur wenig bekannt. Die wichtigste schriftliche Quellen stammt von Ammianus Marcellinus. Das war ein römischer Historiker, der wohl spätestens um 400 n. Christus verstarb.

Ammianus Marcellinus hatte selbst militärische Erfahrung. Er hielt deshalb auch Details der Ausrüstung und der Kampfweise der Hunnen fest. In seinem Buch 31 berichtete er über den ersten Einfall der Hunnen ab 375 n. Christus sowie die Niederlage der ost-gotischen Greutungen.

Sein Bericht erzählt auch von der Ansiedlung der Hunnen an der Donau und endet mit der Schlacht von Adrianopel im Jahr 378. Dort wurden Kaiser Valens und 20.000 Römer von West-Goten getötet, die sich selbst auf der Flucht vor den Hunnen befanden.

Ammianus Marcellinus Hunnen
Ammianus Marcellinus über die Hunnen (Foto: Vatikanische Apostolische Bibliothek / Lizenz: gemeinfreies Bild)

„Über das Volk der Hunnen findet man nur wenige Berichte in den alten Büchern. Ihre Körpergröße ist als mittelgroß zu bezeichnen, doch sind sie kräftig, durchtrainiert und muskulös. Harte Feldarbeit, vor allem das beschwerliche Pflügen brauchen sie nicht zu verrichten, denn sie haben keinen festen Wohnsitz, sondern ziehen mit ihren Wagen, auf denen sie auch wohnen, frei und unbeschwert umher. Das gesamte Leben spielt sich auf diesen Wagen ab: Die Frauen stellen dort schöne und praktische Kleidungsstücke her. Unterwegs kommen auch ihre Kinder zur Welt. Sie bleiben bei ihren Müttern bis sie groß sind. So etwas wie einen Geburtsort kennen die Hunnen nicht, denn die große weite Welt ist ihre Heimat. Sie verstehen es geschickt, einen abgeschlossenen Waffenstillstand auszunutzen. Sie geben nie auf und wenn sich ihnen eine neue Möglichkeit bietet, denken sie ruhig darüber nach und werden aktiv, um sich einen Vorteil im Kampf zu verschaffen. Sie sind klug und beharren nicht auf bestimmten Meinungen, sondern denken darüber nach. Wenn sie sprechen, dann tun sie dies sehr überlegt. In religiösen Fragen sind sie sehr tolerant, obwohl Religion an und für sich keine große Rolle bei ihnen spielt.“

Sprache der Hunnen

Die Hunnen waren keine homogene Ethnie, die sich durch eine eindeutige kulturelle Identität von anderen Gruppen abgrenzten. Schon zeitgenössische Theorien gingen davon aus, dass die Bezeichnung als „Hunne“ in der Selbstwahrnehmung vielmehr eine Art Ehrenbezeichnung war.

Im Prinzip konnte sich wohl jeder Steppenkrieger mit einem Pferd und einem Bogen als Hunne bezeichnen. Insofern handelte es sich bei den Hunnen um sehr heterogene Gruppen, die keinesfalls mit Begriffen wie „Rasse“ oder „Volk“ kategorisiert werden können.

„Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.“

(Aus der „Jenaer Erklärung“ des Max-Planck-Instituts von 2019)

Es sind nur wenige Überreste der hunnischen Sprache erhalten. Diese erlauben keine eindeutige Zuordnung. Forscher gehen jedoch davon aus, dass es sich um eine Turksprache handelte.

Turksprachen sind eine Sprachfamilie mit etwa 40 relativ nah verwandten Zweigen. Doch erst seit dem 8. Jahrhundert, also lange nach dem Zenit der Hunnen, entstanden mit dem Alttürkischen erste schriftliche Zeugnisse dieser Sprachfamilie.

Handwerk und Technik

Im Gegensatz zu niedergelassenen Gruppen wie den Kelten haben die Hunnen keine stationären Gewerke wie Ackerbau oder Bergbau entwickelt. Sie konnten jedoch verschiedene Metalle bearbeiten.

Hunnisches Armband
Hunnisches Armband (Foto: Walters Art Museum / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Es gibt auch archäologische Funde, die auf einen hohen Sinn für Kunst schließen lassen. Häufig fanden sich hunnische Handspiegel aus Bronze. Diese wurden wohl ebenso wie mächtige Kessel aus China entlehnt.

Hunnische Frauen trugen darüber hinaus individuellen Schmuck. Es wurden Ohrringe, Stirnbänder oder auch mit Edelsteinen verzierte Kleidungsstücke gefunden.

Besonders häufig verwendete Symbole waren der Lebensbaum oder Raubvögel wie beispielsweise Adler.

Religiöser Schamanismus

Die Hunnen praktizierten eine Naturreligion, was damals in Asien weit verbreitet war. Die Naturkräfte galten als göttlich. Auch ihre Herrscher wurden zumindest gegenüber Fremden als göttlich verehrt und mit der Sonne verglichen.

Als Priester fungierten Schamane. Diese erhielten die Namensendung „-kam“, wie beispielsweise „Atakam“.

Die Schamane nutzten für Wahrsagungen die Schau von Eingeweiden und Knochen. Besonders aussagekräftig sollen Schulterblätter gewesen sein. Darüber hinaus hatten die Hunnen ein sehr spezielles Verhältnis zu Wasser.

Sie wuschen weder ihre Körper noch ihre Kleidung. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Hunnen vielleicht wie die Mongolen das Wasser für heilig hielten und es deshalb rein halten wollten.

Es gibt frühe Berichte, dass die christliche Missionierung von Hunnen Erfolg hatte. Angesichts der anhaltenden Plünderungen von Kirchen dürfte dies jedoch Wunschdenken gewesen sein.

Rasur und Schädeldeformation

Das Aussehen der Hunnen sollte möglichst einschüchternd wirken. Laut Jordanes haben sie dafür schon den Knaben die Gesichter zerschnitten. Das sollte auch den Bartwuchs beeinflussen.

Erwachsene Hunnen rasierten sich den Oberkopf. Damit signalisierten sie die persönliche Unterwerfung unter einen Anführer.

Darüber hinaus praktizierten sie die Schädeldeformation, wie zahlreiche Funde von sogenannten Turmschädeln belegen. Dafür wurde bei Kleinkindern mit physischem Druck das natürliche Wachstum des Schädels gestört.

Nach einer Verwundung im Kampf schmierten Hunnen Schwarzerde in die Verletzungen. Das führte zu dicken, schwulstigen Narben.

Kampfweise der hunnischen Horden

Die Kampfweise der Hunnen hat sich wohl nicht grundsätzlich von den Taktiken der Bogen-Kavallerie anderer Völker unterschieden. Speziell für die Römer war das im Prinzip nichts Neues.

Bereits im Jahr 53 v. Christus erlitten sie in der Schlacht von Carrhae trotz großer Überzahl eine vernichtende Niederlage gegen die berittenen Bogenschützen der Parther. Oftmals entscheidend war die hohe Beweglichkeit im offenen Gelände.

Hunnen Malerei
Hunnen kämpfen gegen Alanen – Malerei von 1887 (Maler: Peter Johann Nepomuk Geiger / Lizenz: gemeinfreies Bild)

Berittene Bogenschützen näherten sich dann mit hohem Tempo ihren Gegnern. Dabei schossen sie möglichst viele Pfeile ab. Sie setzten weniger auf gezielte Treffer, als vielmehr auf die Masse.

Im Anschluss an einen Angriff drehten die Hunnen ab, zogen eine Schleife und griffen erneut an. Der taktische Rückzug war für den strategischen Erfolg ihrer Kriegsführung deshalb von großer Bedeutung. Bereits von Zeitgenossen wurde ihr besonderes Geschick bei diesem Wechselspiel betont.

Solche Angriffe von berittenen Bogenschützen haben auch einen ballistischen Vorteil. Die Geschwindigkeit der Pfeile (etwa 160 bis 190 km/h) summiert sich mit dem Tempo der Pferde (etwa 30 bis 40 km/h). Das erhöht die Wucht der Geschosse.

Ein Nahkampf wird nach Möglichkeit vermieden oder erst nach dem Aufbrechen feindlicher Linien begonnen. Als Kavallerie-Taktik wurde dieser Ansatz noch in der Neuzeit praktiziert und als Caracolla bezeichnet. Dann kamen aber schon Schusswaffen und natürlich keine Bögen mehr zum Einsatz.

Wahrscheinlich dienten Familien und Stämme als militärische Verbände. Eine Organisation der Hunnen beispielsweise in Hundertschaften ist nicht bekannt.

Ausrüstung zum Schutz

Die Hunnen trugen eine leichte Rüstung. Die in Darstellungen häufig präsentierten Lamellenrüstungen wurden noch nie in Europa gefunden, sondern sind dem asiatischen Raum zugehörig.

Im Strategikon des Maurikios, einem spätantiken Militärhandbuch, wird jedoch erwähnt, dass die Hunnen ihre Pferde mit Schutzausrüstungen versahen.

Die Pferde wurden wohl häufig mit gewobenem Leinen oder Wolle geschützt. Manchmal sollen sogar Panzerungen aus Metall verwendet worden sein.

Darüber hinaus verwendeten die Hunnen wohl auch erbeutete Schutzausrüstung. In einzelnen Gräbern wurden beispielsweise Spangenhelme aus römischer Produktion gefunden.

Reiterbögen und Pfeilspitzen

Stärken der hunnischen Bögen

Die Hunnen sind bis heute berühmt für ihre Reiterbögen. Ihre Primitivbögen waren zwar nicht einmalig, aber dennoch etwas Besonderes. Im Vergleich zu einem Langbogen zeigen sich die bedeutenden Unterschiede.

Zunächst handelte es sich um Kompositbögen. Das heißt, dass ein hunnischer Bogenschaft aus unterschiedlichen Materialien zusammengesetzt war. Häufig wurde eine Schicht aus Holz mit einer Schicht aus Horn und Tierfasern verleimt.

Hunnen Bogen Endversteifung
Bögen der Hunnen hatten Endversteifungen. (Zeichner: Korisios / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Im Gegensatz zu einem Langbogen, dessen Schaft aus einem Stück Holz besteht, konnten so Endversteifungen eingearbeitet werden. Das hat den Vorteil, dass sich die Energie in einem hunnischen Bogen schneller entlädt.

Dank solcher Endversteifungen gaben die Bögen der Hunnen den Pfeilen eine höhere Anfangsgeschwindigkeit mit. Je nach Ausführung war das Tempo der Geschosse dann grob 30 bis 40 km/h schneller als bei einem D-förmigen Langbogenschaft.

Die Bögen der Hunnen hatten aber mindestens noch eine weitere Besonderheit. Schon aus praktischen Gründen waren die Wurfarme von Reiterbögen sehr viel kürzer als bei Langbögen. Sie hatten meist eine Länge von 145 bis 155 cm.

Kurze Bögen sind zwar etwas anfälliger für natürliche Bewegungen der Bogenhand. Aber auch diese Eigenschaft erhöht das Tempo der Energieentladung beim Lösen eines Pfeils und verbessert damit die Beschleunigung.

Insgesamt waren hunnische Reiterbögen sehr aggressive Fernwaffen mit einer relativ hohen Reichweite. Vor allem der massenhafte Einsatz durch Gruppen von Reitern war für langsame Heere beispielsweise mit römischen Legionären deshalb so gefährlich.

Die Hunnen verwendeten meist Pfeilspitzen aus Eisen mit drei Kanten. Solche Modelle haben mehr Durchschlagskraft gegen Rüstungen als zwei-kantige Spitzen in Form von kleinen Dolchen. Alternativ konnten Jagdspitzen aus Knochen verwendet werden.

Ein hunnischer Pfeilschaft war meist etwa 75 cm lang. Die ideale Länge eines Schaftes ist jedoch abhängig von der individuellen Auszugslänge eines Bogenschützen und sollte nicht übermäßig pauschalisiert werden.

Schwächen der hunnischen Bögen

Die Bögen und die Taktik der Hunnen waren jedoch keine ultimativen Allzweckwaffen. Vor allem zwei Aspekte setzten ihrer militärischen Potenz auch Grenzen.

Zunächst mussten die Hunnen den Kampf vor allem im offenen Gelände suchen. Anekdotisch kann man hier erwähnen, dass Attila in den 440er Jahren Griechenland bis zum Engpass an den Thermopylen plündern ließ und dann lieber umdrehte.

Hunnenbogen Querschnitt
Hunnenbogen Querschnitt (Zeichner: Korisios / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Auch auf die Belagerung von Städten waren sie nicht spezialisiert. Es kam zwar zur Eroberung von befestigten Siedlungen. Aber hohe Mauern wie beispielsweise von Konstantinopel waren letztlich einer der Schlüssel für Erfolge gegen die Hunnen.

Die Kompositbögen waren auch anfällig für Regen. Die natürlichen Klebstoffe konnten Nässe kaum widerstehen, so dass die Bögen an Spannkraft und damit an Effektivität verloren.

Im Mittelalter kam mit der schweren Panzerung des ganzen Körpers ein weiterer Aspekt hinzu, der die Gefahr durch solche Kompositbögen endgültig beendete.

Waffen für Nahkampf

Die Hunnen waren zwar spezialisiert auf Angriffe als Bogen-Kavallerie. Laut dem Strategikon des Maurikios trugen sie jedoch auch Waffen für den Nahkampf:

  • Lanzen
  • Spatha (langes Kavallerie-Schwert)
  • Sax (kurzes Hieb-Schwert)

Große Feldzüge und Schlachten

Erster Hunnensturm ab 375

Der erste Hunnensturm begann 375 n. Christus. Aus einem Bereich des heutigen Kasachstan drangen sie nach Westen bis zur Ukraine vor und lösten damit die Völkerwanderung aus.

Hunnen Völkerwanderung Karte
Mit dem ersten Hunnensturm begann die Völkerwanderung. (Zeichner: Novarte von Wikimedia Commons / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Dabei schlugen die Hunnen zunächst die ansässigen Greutungen. Das waren die östlichen Ost-Goten. Deren König Ermanarich aus dem Herrscherhaus der Amaler nahm sich wegen der Niederlage das Leben.

Sie drangen jedoch noch sehr viel weiter vor. Durch diesen ersten Hunnensturm kam es dann europaweit zu großen Migrationsbewegungen. Diese bewirkten in zahlreichen Kettenreaktionen auch Verdrängungseffekte.

Hunnenreich an der Donau

Die Hunnen gründeten nach ihrer ersten Angriffswelle ein Reich an der unteren Donau. Das Zentrum des Gebietes lag im heutigen Rumänien. Dort errichteten sie sogar einen großen Holzpalast.

Hunnenreich Donau Karte
Karte des Hunnenreichs an der Donau zur Zeit von Attila (Zeichner: Slovenski Volk / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Zu diesem Hunnenreich gehörten aber auch abhängige Stämme wie beispielsweise die anfangs unterworfenen Ost-Goten. In den folgenden Jahrzehnten traten die Hunnen sowohl als Plünderer wie auch als temporäre Verbündete der Römer auf.

Der hunnische Königshof entwickelte sich zum politischen Machtzentrum, welches auch von vielen römischen Adeligen frequentiert wurde. Bedeutende Figuren wie Odoaker, der erste germanische König von Italien, wuchsen dort auf.

Das Reich der Hunnen an der Donau war jedoch kein tragfähiger Staat mit florierender Wirtschaft und einem Steuersystem. Vielmehr waren die einstigen Halb-Nomanden immer noch auf Beute und Tribute angewiesen.

Die Hunnen bildeten auch keine einheitliche Organisation. Vielmehr bestanden sie aus relativ autonomen Gruppen in einem losen Verbund mit unterschiedlichen Anführern.

Zweiter Hunnensturm ab 440

Ab dem Jahr 440 brachen die Römer bisherige Vereinbarungen. Schon bald kam es zu erneuten Beutezügen der Hunnen. Als Ost-Rom dann 443 erstmals den Tribut komplett verweigerte, wurde die Lage sehr dynamisch.

Zu dieser Zeit herrschte Attila. Nach dem Mord an seinem Bruder Bleda, kontrollierte er einen großen Teil der Hunnen. Der König nutzte die Gelegenheit für neue, groß angelegte Feldzüge. Der zweite Hunnensturm begann.

Im Jahr 447 siegten die Hunnen über das ost-römische Reich in der Schlacht am Utus. Dabei erlitten sie jedoch selbst große Verluste. Ein Angriff auf Konstantinopel kam deshalb nicht mehr in Frage, so dass sie erstmal plündernd durch den Balkan zogen.

Hunnen Gallien Jahr 451 Karte
Feldzug der Hunnen im Jahr 451 nach Gallien (Schöpfung: MapMaster / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Anschließend begann ein Feldzug, der auch heute noch sehr bekannt ist. Im Jahr 451 zogen die Hunnen durch Deutschland, über den Rhein bis ins damalige Gallien.

Die Hunnen brandschatzten in vielen Städten. Sie konnten erst durch ein letztes großes Aufgebot des west-römischen Reiches tief in Gallien gestoppt werden.

Der römische Heermeister Flavius Aëtius stellte sich diesem zweiten Hunnensturm mit der Unterstützung von Hilfstruppen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern. Trotz einer geringen Unterzahl von etwa 40.000 gegen 45.000 Mann gelang die Abwehr der Invasoren.

Die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gilt deshalb als wichtiges Indiz, dass sich eine organisierte Armee sehr wohl gegen Hunnen wehren konnte. Gerade bei diesem Beispiel muss man jedoch auch den hohen Anteil von germanischen Kriegern auf beiden Seiten bedenken, die großen Einfluss auf den Schlachtverlauf hatten.

Diese Niederlage der Hunnen hatte jedoch vor allem eine hohe psychologische Wirkung. Sie verloren ihren Nimbus der scheinbaren Unbesiegbarkeit. Dennoch kam es 452 zu weiteren Angriffen auf die Römer.

Beispielsweise wurde Aquileia in Venetien an der Adria-Küste geplündert. Diese Angriffswelle gegen Italien war jedoch aufgrund der dichten Besiedlung zum Scheitern verurteilt und versandete schnell. Außerdem soll der damalige Papst Leo I. der Große die Hunnen mit einer großen Geldsumme zur Umkehr bewegt haben.

Im Jahr 453 verstarb Attila. Die Ursache war wohl ein Blutsturz in seiner Hochzeitsnacht. In der Folge zerfiel auch das Reich der Hunnen an der Donau sehr schnell.

Allen voran machten sich die anfangs unterworfenen Ost-Goten wieder selbständig. Unter der Führung von Theoderich dem Großen wurden sie für einige Jahrzehnte die neuen Taktgeber.