Gaius Cassius Longinus

Gaius Cassius Longinus – Verschwörer

Gaius Cassius Longinus war ein Senator der römischen Republik. Er wird häufig als die treibende Kraft hinter dem Attentat auf Gaius Julius Caesar an den Iden des März 44 v. Christus dargestellt.

Zusammen mit seinem befreundeten Schwager Marcus Brutus hatte Cassius zuvor die Spitze einer Verschwörung gebildet. Diese umfasste etwa 60 bis 80 Personen und wollte die Alleinherrschaft eines Tyrannen verhindern.

Marcus Iunius Brutus und die Verschwörer ermorden Cäsar im Senat (Wandmalerei im Vatikan / pixabay)

Doch nach dem erfolgreichen Mord kam nicht der erwartete Jubel in der Bevölkerung auf. Vielmehr mussten die Cäsarenmörder die Hauptstadt Rom bereits nach kurzer Zeit verlassen, um einer Vergeltung zu entgehen.

Letztlich führte der Mord an dem Diktator nur zu dem Ausbruch eines weiteren Bürgerkrieges. Im Kampf gegen die Cäsarianer waren Marcus Brutus und Gaius Cassius Longinus jedoch unterlegen.

Cassius selbst ließ sich schließlich von einem Getreuen töten. Damit wollte er einer schmachvollen Gefangenschaft und Hinrichtung entgehen. Der Senator der sterbenden Republik war eine tragische Figur, die deshalb häufig auch in der Kunst verarbeitet wurde:

  • Er verstand sich als Ehrenmann, doch er wurde zum Verschwörer und Verräter.
  • Gaius Cassius brachte nicht die politische Freiheit (= Libertas). Er wurde zum verhassten Auslöser für einen weiteren Bürgerkrieg.
  • Der verdiente Soldat und Republikaner war nicht tapfer, sondern entzog sich nach einer militärischen Niederlage in der Doppelschlacht von Philippi sogar etwas zu voreilig den Konsequenzen durch einen Freitod.

In der Göttlichen Komödie des italienischen Dichters Dante Alighieri († 1321) findet man Cassius dann beispielsweise im neunten Höllenkreis wieder. Dieser ist den Verrätern vorbehalten, zu denen beispielsweise auch Judas Iskariot gehört.

Familiärer Hintergrund der ehrwürdigen Cassier

Gaius Cassius Longinus stammte aus einem sehr alten Geschlecht – der gens Cassia. Der Legende nach stellten die Cassier mit Spurius Cassius Vecellinus einen dreimaligen Konsul in den Jahren unmittelbar nach der Gründung der römischen Republik:

  • 502 v. Chr.
  • 493 v. Chr.
  • 486 v. Chr.

Der Legende nach hatte Cassius damit einen genauso alt-ehrwürdigen Hintergrund wie sein späterer Mitverschwörer Marcus Brutus. Die moderne Forschung bezweifelt jedoch diese Gründungsmythen. Die alt-römischen Könige wurden sehr wahrscheinlich zunächst durch eine Praetor Maximus ersetzt.

Das Konsulat entwickelte sich erst in der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Christus. Insofern kann es auch keine sagenhaften Konsuln zum Ende des 6. Jahrhunderts oder zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Christus gegeben haben.

Doch seit dem 3. Jahrhundert v. Christus hatte die Familie des Gaius Cassius Longinus einige Konsuln stellen können. Diese sind historisch belegt.

Bis heute erinnert beispielsweise die Via Cassia von Rom nach Arezzo an die Regierungszeiten dieser Dynastie. Die Straße wurde 241 v. Christus errichtet und war bis in das Mittelalter eine bedeutende Handels- und Heerstraße.

Politisches Leben von Gaius Cassius Longinus

Über die Jugendjahre von Gaius Cassius Longinus ist wenig bekannt. Doch man kann eine standesgemäße Ausbildung voraussetzen. Im Jahr 53 v. Christus begann der junge Mann seine Ämterlaufbahn in der untergehenden römischen Republik.

Bürgerkriege und erstes Triumvirat

Gaius Cassius Longinus erlebte die Spätphase einer etwa 100-jährigen Epoche der Republik. Diese begann mit dem Volkstribunat von Tiberius Gracchus im Jahr 133 v. Christus und war von den Machtkämpfen unterschiedlicher Familien und Cliquen geprägt.

Erst mit der Ernennung von Octavian zum Princeps der Republik im Jahr 27 v. Christus würde diese blutige Episode zu Ende gehen. Die Zeit von Gaius Cassius Longinus war hingegen von einem besonderen Männer-Bündnis geprägt.

Im Jahr 60 v. Christus hatte sich auf die Initiative von Cäsar hin das erste Triumvirat gebildet:

Während Cäsar als politischer Frontmann dienen sollte, stellte Pompejus die militärische Macht und Kompetenz des Bündnisses dar. Crassus hingegen war der Geldgeber.

Dieses oligarchische Bündnis hatte sich zusammengetan, um wichtige Ämter zu sichern. Dies gelang auch mit der Wahl von Cäsar zum Konsul im Jahr 59 v. Christus. In der Folge kam es dann noch zu weiteren Absprachen der Triumvirats.

Im Dienste von Marcus Crassus

Gaius Cassius Longinus stellte sich vor dem Hintergrund dieser politischen Wirren als Quaestor in den Dienst des Triumvirn Marcus Licinius Crassus. Dieser war im Jahr 55 v. Christus zum Konsul gewählt worden und wollte diese Chance nutzen, seine politische Stellung auszubauen.

Im Gegensatz zu seinen beiden Partnern war Crassus nämlich kein ruhmreicher Feldherr. Er hatte nur seine Erfolge im Sklavenkrieg gegen Spartakus vorzuweisen.

Crassus begann deshalb die Vorbereitung eines unprovozierten Krieges gegen die Parther im heutigen Irak und Iran. Dieser Krieg verzögerte sich jedoch aufgrund des innenpolitischen Widerstandes gegen ein solches Vorgehen.

Gaius Cassius Longinus stieß in diesem Verlauf erst sehr spät zu Crassus. Der erste Feldzug gegen die Parther im Jahr 54 v. Christus erfolgte noch ohne seine Beteiligung und erzielte auch keinen entscheidenden Durchbruch.

Beteiligung am Partherkrieg

Nachdem Gaius Cassius Longinus als Quaestor zu Crassus kam, zog dieser zum zweiten Feldzug des Partherkrieges aus. Der machthungrige Oligarch hatte jedoch bereits schwere strategische Fehler gemacht.

Die Kavallerie seiner Armee war viel zu klein. Außerdem schwächte er die Hauptstreitmacht durch das Abspalten von Besatzungstruppen. Schließlich ließ sich Crassus von dem erfahrenen parthischen General Surena in eine wüstenartige Gegend führen.

Gaius Cassius Longinus war dabei, als 40.000 römische Legionäre plötzlich von 10.000 berittenen Parthern umzingelt wurden. Die römischen Truppen bildeten daraufhin eine Karee mit einer Kantenlänge von zwölf Kohorten und die Schlacht von Carrhae begann.

Doch Surena erlaubte nur wenige Nahkämpfe. Er ließ vor allem die parthische Bogenkavallerie den ganzen Tag um das Karee zirkulieren.

Die Legionäre konnten so durchgehend beschossen werden, ohne dass eigene Einheiten einer großen Gefahr ausgesetzt wurden. Parallel führte Surena permanent mit 1.000 Kamelen weitere Pfeile heran, um die Schützen immer weiter mit Munition zu versorgen.

Überlebender der Schlacht von Carrhae

Am ersten Tag verloren die Römer 10.000 Mann. Im Schutz der Nacht marschierten sie zum nächstgelegenen Ort. Dafür ließen sie ihre Verwundeten zurück.

Außerdem verloren noch vier weitere Kohorten den Anschluss an die Kolonne. Sie wurden nie wieder gesehen. Im Schutz der Ortschaft wurde der Rückzug nach Syrien beschlossen.

Doch ein verräterischer Führer führte die Hauptstreitmacht in eine weitere Falle. Crassus und alle hohen Offiziere wurden dort getötet. Viele Soldaten gerieten in Gefangenschaft.

Nur eine kleine Zahl von Einheiten konnte sich freikämpfen. Eine Abteilung erreichte unter der Führung von Gaius Cassius Longinus schließlich das römische Syrien.

Damit gehörte Cassius zu den wenigen Überlebenden einer der größten Niederlagen der römischen Geschichte. Er hatte sich durch kluge Manöver sogar außerordentlich bewährt.

Seinen Verfolgern konnte er während des Rückzuges noch eine Falle stellen. Eine parthische Abteilung wurde dabei eingekesselt und aufgerieben. Zurück in Syrien organisierte Cassius die verbliebenen Truppen.

Die Parther gingen zwar nicht zur Großoffensive über. Die römische Provinz Syrien musste jedoch von Gaius Cassius Longinus gegen kleinere Vorstöße verteidigt werden.

Amtsführung als Quaestor in Syrien

Gaius Cassius Longinus hatte sich als militärischer Führer in seiner nachrangigen Rolle als Quaestor in Syrien bewährt. Entsprechend der Gepflogenheiten seiner Zeit war die zivile Amtsführung jedoch problematisch.

Der ehrenwerte Republikaner nutzte seine Funktion zur persönlichen Bereicherung durch Ausbeutung und Erpressung. Diese Vergehen wurde ihm später auch fast zum Verhängnis.

Doch genau wie bei Cäsar sollte der nächste Bürgerkrieg genau zum rechten Zeitpunkt ausbrechen. Eine juristische Aufarbeitung seiner Vergehen konnte deshalb nicht erfolgen.

Volkstribun im Jahr 49 v. Christus

Während die politische Großwetterlage durch Cäsar bestimmt wurde, bewarb sich Gaius Cassius Longinus erfolgreich um das Amt als Volkstribun für das Jahr 49 v. Christus.

alea iacta est

Doch gleich zu Beginn des Jahres überquerte Cäsar zusammen 5.000 Mann der Legio XIII Gemina den Grenzfluss Rubicon. Damit verletzte er die entmilitarisierte Zone um die Hauptstadt, um anschließend die Macht zu ergreifen.

Gaius Cassius Longinus floh daraufhin aus Rom und schloss sich der Opposition an. Der Widerstand gegen Cäsar formierte sich in Griechenland um den ehemaligen Triumvirn Gnaeus Pompeius Magnus.

Opposition zu Julius Cäsar

An der Seite von Pompejus

Gaius Cassius Longinus war ein fähiger Offizier und wurde auch von Pompejus in einer militärischen Funktion eingesetzt. Zunächst hatte er ein Flotten-Kommando und konnte dabei weitere Erfolge erzielen.

Die Entscheidung fiel jedoch zu Land in der Schlacht bei Pharsalos. Diese fand noch im Jahr 49 v. Christus statt und endete mit einer Niederlage der Republikaner. In der Folge bat Gaius Cassius den römischen Diktator um Vergebung.

Als Überläufer bei Cäsar

Gaius Julius Caesar waren Überlaufer wie Cassius sehr willkommen. Die öffentliche Anerkennung durch verdiente Republikaner stärkte seinen politischen Anspruch.

Auch Marcus Brutus war diesen Weg gegangen und wurde sogar in den engeren Kreis von Beratern um Cäsar aufgenommen. Cassius hingegen wurde im Jahr 47 v. Christus zum Legaten ernannt.

Im Jahr 44 v. Christus amtierte Cassius als Praetor Peregrinus. Damit war er für juristische Streitigkeiten zwischen Bürgern und Nicht-Bürgern verantwortlich. Im Anschluss sollte Cassius erneut die Provinz Syrien übernehmen dürfen.

Als Verschwörer mit Brutus

Zu Beginn des Jahres 44 v. Christus ließ sich Gaius Julius Caesar jedoch zum Diktator auf Lebenszeit ernennen. Das war ein historischer Bruch, der letzte Hoffnungen auf eine unblutige Wiederherstellung der alten Ordnung zerstörte.

Innerhalb der elitären Oberschicht aus Rittern und Senatoren formte sich eine Gruppe, die sich in ihrer politischen Freiheit (= Libertas) bedroht sah. Etwa 60 bis 80 Personen organisierten sich daraufhin um Cassius und seinen Schwager Brutus.

Den Tyrannenmord sahen die Verschwörer als legitime und auch als legale Reaktion auf die Ernennung zum Diktator auf Lebenszeit. Aber sie hatten wenig Zeit für einen Anschlag, denn Cäsar bereitete sich auf einen Feldzug gegen Parthien vor.

Die Planung eines Staatsstreiches hielten die Verschwörer jedoch für überflüssig. Sie dachten, die Bevölkerung würde einen Mord an Cäsar ebenso begrüßen. Ihrer Meinung nach würden sich die politischen Verhältnisse schon von alleine normalisieren.

Iden des März und Folgen

Der Anschlag auf Gaius Julius Caesar erfolgte dann zu Beginn einer Sitzung des Senats im Theater des Pompejus. Zu diesem Zeitpunkt würden sich keine bewaffneten Personenschützer in seiner Nähe aufhalten.

Ein Problem war nur ein Begleiter des Diktators – Marcus Antonius. Der körperlich sehr kräftige General und zur Zeit amtierende Konsul sollte deshalb zunächst abgelenkt werden.

Ablauf des Attentats auf Cäsar

Marc Anton wurde zunächst von Gaius Trebonius, einem anderen General aus dem Gallischen Krieg, angesprochen. So trennte man ihn von der Szene.

Daraufhin wurde Cäsar von Lucius Tillius Cimber angesprochen. Dieser überreichte ein schriftliches Gesuch. Weitere Senatoren näherten sich dabei und kommentierten das Anliegen.

Sobald sie den Diktator umzingelt hatten, stachen sie mit Dolchen auf ihn ein. Julius Cäsar erlitt dabei 23 Stichwunden. Darunter war ein Treffer in die Aorta. Dies verursachte einen sehr hohen Blutverlust.

Reaktionen auf den Anschlag

Während Cäsar auf dem weißen Boden des Senats verblutete, reagierte Marcus Antonius genau richtig. Er schützte sich zunächst selbst und zog sich in sein Anwesen zurück.

Daraufhin wurden Veteranen mobilisiert. Noch am selben Tag ließ Marc Anton auch den Staatsschatz im Tempel der Ops auf dem Capitol beschlagnahmen – 700 Millionen Sesterze.

Am nächsten Tag handelte der römische Senat zunächst einen faulen Kompromiss aus. Das Attentat wurde als Verbrechen bezeichnet, jedoch erhielten die Verschwörer eine Amnestie.

Aber Marcus Antonius erzielte einen wichtigen Teilerfolg. Die öffentliche Bestattung von Cäsar auf dem Forum wurde erlaubt. Dieses Ereignis wurde zum Wendepunkt der Geschichte.

Der Konsul hielt eine fulminante Grabrede und konnte die breite Bevölkerung auf seine Seite ziehen. Die Verschwörer verließen daraufhin fluchtartig die Hauptstadt. Aber es schlossen sich ihnen auch unbeteiligte Republikaner wie Marcus Tullius Cicero an.

Doppelschlacht von Philippi

Die Cäsarianer um Marc Anton und Octavian stellten die verbliebenen Republikaner schließlich in der Doppelschlacht von Philippi im Jahr 42 v. Christus.

Während Brutus siegreich blieb, musste sich Cassius gegen eine ausgefeilte Liste von Marc Anton geschlagen geben. Da er nichts von dem Erfolg seines Schwagers wusste, ließ er sich von einem Getreuen töten.

Dieser Freitod von Gaius Cassius Longinus erfolgte etwas voreilig. Doch er löste damit den Zusammenbruch der republikanischen Front aus.