Römisches Reich

Römisches Reich – Imperium Romanum

Das Römische Reich, das Imperium Romanum, war der Staat, der seit dem 8. Jahrhundert v. Christus um die Hauptstadt Rom entstand. Der staatsrechtliche Begriff der Antike lautete: Senatus Populusque Romanus (S.P.Q.R.)

Die etwa 1000-jährige Geschichte des Römischen Reiches wird in vier Phasen zusammengefasst:

  1. Römische Königszeit (753 bis 509 v. Christus)
  2. Römische Republik (509 bis 27 v. Christus)
  3. Römische Kaiserzeit (27 v. bis 285 n. Christus)
  4. Spätantike (285 n. Christus bis zum Frühmittelalter)

Das Römische Reich erreichte im Zuge der Expansion enorme Ausmaße. Seine maximale Ausdehnung erreichte das Imperium Romanum unter Kaiser Trajan mit einer Fläche von etwa 5.000.000 km². Das Reich hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 65 Millionen Einwohner und reichte dabei von Schottland bis Kuwait.

Diese Expansion war jedoch auch von einer imperialen Überdehnung begleitet. Das heißt, dass das Römische Reich aufgrund seiner sagenhaften Größe schon seit dem 2. Jahrhundert n. Christus kaum noch verwaltet werden konnte. Die Römer investierten zwar intensiv in Straßennetze und Kommunikationsmittel.

Befehle aus Rom brauchten dennoch häufig Wochen, bis sie die Empfänger in den Provinzen erreichten. Bereits unter Trajans Adoptivsohn Kaiser Hadrian wurde die Größe des Imperium Romanum deshalb bewusst verkleinert.

Aufgrund dieser Überdehnung kam es dennoch wiederholt zu Bürgerkriegen und schließlich zu einer Spaltung des Römischen Reiches. Im Jahr 395 n. Christus wurde das Imperium Romanum endgültig geteilt.

Doch auch diese Teile waren letztlich dem Untergang geweiht. Dennoch brachte das Imperium Romanum zwei ebenfalls sehr bedeutende Nachfolge-Staaten hervor:

  1. Aus einigen Resten des west-römischen Reiches entstand das Fränkische Reich.
  2. Aus dem ost-römischen Reich ging das Byzantische Reich hervor.

Ab urbe condita – seit der Gründung der Stadt

Die römische Zeitrechnung basierte auf dem Datum der legendären Gründung von Rom durch die Brüder Romulus und Remus am 21. April 753 v. Christus. Die tatsächliche Entstehung liegt aber im Dunkeln, weil die römische Geschichtsschreibung erst um 200 v. Christus einsetzte.

Die ältesten bekannten Funde aus archäologischen Untersuchungen auf dem Palatin-Hügel stammen aus einer Zeit um 1000 v. Christus. Dieser Ort ist einer der sieben Hügel Roms: Palatin, Aventin, Kapitol, Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius.

Um 800 v. Christus entstand Rom dann wahrscheinlich aus einem Zusammenschluss mehrerer Siedlungen, die sich über diese sieben Hügel verteilten.

Romulus und Remus – legendäre Gründung Roms

Romulus und Remus waren der Sage nach Söhne von Mars, dem Kriegsgott. Dieser vergewaltigte eine Priesterin der Vesta mit dem Namen Rhea Silvia.

Romulus und Remus wurden von einer Wölfin gesäugt.
Romulus und Remus an den Zitzen der Wölfin (pixabay)

Sie war zugleich die Nichte des tyrannischen Königs Amulius von Alba Longa. Das ist ein Ort etwa 20 km süd-östlich von Rom, der vom Sohn des Trojaners Aeneas im Jahr 1152 v. Christus gegründet worden sein soll.

Der Überlieferung nach gebar Rhea Silvia dann die Zwillinge Romulus und Remus. Der despotische König ließ seine beiden Großneffen in einem Weidenkorb am Fluss Tiber aussetzen. Romulus und Remus ertranken jedoch nicht.

Sie wurden von den Fluten wieder an das Ufer des Flusses gespült. Zunächst fand sie eine Wölfin, die die beiden Jungen in ihrer Höhle säugte. In den Sümpfen unterhalb des Palatin-Hügels wurden Romulus und Remus später vom Schweine-Hirten Faustulus gefunden. Dieser zog die Zwillinge zusammen mit seiner Frau auf.

Als Romulus und Remus zu jungen Männern herangewachsen waren, offenbarte sich ihr Schicksal. Sie töteten Amulius und dürften dann mit der Unterstützung von Alba Longa die Stadt Rom gründen.

Romulus und Remus wollten dann mit Hilfe einer Vogelschau die Götter entscheiden lassen, wer von ihnen der Stadtgründer wird. Romulus konnte zwölf Adler erspähen, während Remus nur sechs Adler entdeckte.

Daraufhin zog Romulus am 21. April 753 v. Christus eine „heilige“ Furche um das Stadtgebiet. Entlang dieser Linie sollte die Stadtmauer gebaut werden. Doch Remus sprang über die Begrenzung hinweg und verspottete seinen Bruder. Dafür wurde er von Romulus erschlagen.

„So möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt!“

Die ersten Bewohner von Rom waren der Sage nach vor allem Flüchtlinge und Verbannte. Deshalb hatte die Stadt anfangs zu wenige Frauen. Das bewegte Romulus dem Gründungsmythos nach zu einer List, die als der Raub der Sabinerinnen bekannt wurde.

Er lud die Bewohner benachbarter Städte zu einer großen Feier ein. Während der Veranstaltung sprengten seine bewaffneten Männer die Festlichkeit und ergriffen dabei alle unverheirateten Frauen.

Später kam es dann zu einer militärischen Vergeltung für diesen Raub. Doch letztlich einigte man sich und machte anschließend gemeinsame Sache. Der Grundstein für das Römische Reich war gelegt.

Römische Königszeit und wirtschaftlicher Aufschwung

Romulus regierte dann ab der Gründung der Stadt für 37 Jahre. Der Überlieferung nach war er damit der erste von insgesamt sieben Königen. Die wissenschaftliche Quellenlage ist jedoch sehr schlecht. Es existieren praktisch keine schriftlichen Zeugnisse aus der römischen Königszeit:

  1. Romulus (753 bis 716 v. Christus)
  2. Numa Pompilius (715 bis 672 v. Christus)
  3. Tullus Hostilius (672 bis 640 v. Christus)
  4. Ancus Marcius (640 bis 616 v. Christus)
  5. Lucius Tarquinius Priscus (616 bis 578 v. Christus)
  6. Servius Tullius (578 bis 534 v. Christus)
  7. Lucius Tarquinius Superbus (534 bis 510 v. Christus)

Der Legende nach hatte der Sturz des letzten Königs Lucius Tarquinius Superbus eine hohe identitätsstiftende Wirkung auf die Ober- und die Unterschicht von Rom. Historisch gesehen erlebte der Adel jedoch überregional einen Aufschwung im 6. Jahrhundert v. Christus.

Wahrscheinlich waren die römischen Patrizier dann erst um 474 v. Christus politisch tatsächlich stark genug, um die Monarchie zu beenden. Bis dahin war die Königszeit jedoch von einem wirtschaftlichen Aufschwung geprägt.

Die Gegenden um die Stadt Rom waren zwar ursprünglich sehr sumpfig und damit nicht für die Landwirtschaft geeignet. Doch die Römer kontrollierten zwei Handelsstraßen. So konnte sich dennoch eine wirtschaftlich prosperierende Stadt entwickeln.

Außerdem errichteten die Römer der Überlieferung nach im 7. Jahrhundert v. Christus den Hafen Ostia als Tor zum Mittelmeer. Die ältesten archäologischen Funde in diesem Gebiet reichen jedoch nicht soweit zurück, so dass dieser Aspekt unter historischen Gesichtspunkten strittig ist.

Römische Republik und Aufstieg zur Großmacht

Bereits während der Zeit der Könige hatte sich in der römischen Gesellschaft eine Trennung von Oberschicht (= Patrizier) und Unterschicht (= Plebejer ) etabliert. Mit dem Ende der Königszeit setzte sich eine Herrschaft der Aristokratie durch. Darüber hinaus etablierten sich die Ritter als dritter Stand im Römischen Reich.

Schaubild der römischen Ritter als niederen Adel in der Gesellschaft
Römische Ritter und ihr Stand in der Gesellschaft

Zur Steuerung des aufstrebenden Reiches wurde mit dem römischen Senat ein oberstes Gremium gebildet. Ein Sitz in diesem „Ältestenrat“ war in der Regel erblich. Dies führte zu einer hohen Konstanz der führenden Eliten.

Der Senat hatte jedoch vor allem eine beratende Funktion. Das politische Tagesgeschäft wurde hingegen von gewählten Beamten ausgeführt. Diese wurden in der Regel für ein Jahr ernannt. Aus dieser Architektonik heraus entwickelte sich der Cursus Honorum, die Ämterlaufbahn im Römischen Reich:

  1. Die Karriere begann mit einem anfangs auf zehn Jahre angelegten Dienst als Militärtribun. Dabei handelte es sich um Stabsoffiziere der römischen Armee.
  2. Der erste zivile Posten einer Ämterlaufbahn war die Quästur. Solche Beamte dienten als Stellvertreter und Gehilfen von Statthaltern in den Provinzen des Römischen Reiches.
  3. In der Folge konnte man sich zur Wahl als Ädil oder als Volkstribun stellen. Ädile fungierten beispielsweise als eine Art Polizeichef oder als oberste Aufseher für die Tempel. Volkstribune hingegen vertraten die Interessen der Unterschicht, der Plebejer, in der römischen Volksversammlung.
  4. Mit der Prätur begann die hohe Ämterlaufbahn im Römischen Reich. In dieser Funktion konnte ein Beamter beispielsweise bereits als Heerführer oder als Statthalter einer Provinz eingesetzt werden. Besonders einflussreiche Personen wie Quintus Fabius Maximus konnten dieses Amt auch überspringen. Die Zahl der Prätoren pro Amtsjahr war nämlich sehr begrenzt. Diese Stufe der Cursus Honorum stellte deshalb ein Nadelöhr in der Karriere dar.
  5. Das Konsulat bildete das höchste Amt in dieser Phase des Römischen Reiches und stellte ein Art Wahl-Monarchie dar. Für ein Amtsjahr wurden jeweils zwei Konsuln gewählt. Diese sollten sich gegenseitig kontrollieren und so einem Machtmissbrauch vorbeugen. In Zeiten schwerer Krisen wurde dieser Mechanismus zu Gunsten der Diktatur aufgehoben. Dann stand nur noch eine Person mit uneingeschränkter Macht an der Spitze des römischen Reiches.

Im Anschluss an eine solche Ämterlaufbahn wurden die ehemaligen Konsuln mit einer Statthalterschaft, einem Prokonsulat, in einer der Provinzen des Römischen Reiches betraut. Dies hatte vor allem zwei Gründe:

  1. Eine römische Ämterlaufbahn war sehr kostenintensiv. Eine Statthalterschaft in einer Provinz war hingegen mit großen Chancen zur persönlichen Bereicherung verbunden. Heutzutage bezeichnet man eine solche Regelung als den goldenen Handschlag.
  2. Die alten Römer befürchteten jedoch auch eine Übermacht einzelner Personen nach dem Ende des Konsulats. Deshalb stellte die Entsendung in eine Provinz auch ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung der Korruption innerhalb von Rom dar.

Mit dieser inneren Verfassung erlebte der ursprüngliche Stadtstaat wohl ab dem 4. Jahrhundert eine schnelle Entwicklung hin zum Römischen Reich:

  1. Wohl im Jahr 396 v. Christus eroberten die Römer das nord-westlich gelegene Veji.
  2. Nur etwa zehn Jahre später wurden sie selbst kurzfristig von den gallischen Senonen unterworfen. Dies führte zu tiefen Narben im kollektiven Bewusstsein und löste eine umfassende Aufrüstung aus.
  3. In den Samnitenkriegen von 343 bis 290 v. Christus eroberte Rom die südlich gelegene Region um die heutige Stadt Neapel.
  4. Anschließend eroberten sie etruskische Gebiete nördlich von Rom. Damit konnten sie ihr Reich auch erstmals bis zur Adriaküste ausdehnen.
  5. Ab 280 v. Christus begann die Eroberung von Süd-Italien. Diese Gegend war zu der Zeit von Griechen besiedelt. Dies führte zu einem Gegenschlag des Königs Pyrrhus und den berühmten Pyrrhussiegen.
  6. Die Jahre von 264 bis 146 v. Christus waren von den drei punischen Kriegen gegen die Vormachtstellung der phönizischen Karthager geprägt. In dieser Zeit wurden jedoch auch Sardinien & Korsika sowie Sizilien erobert. Außerdem konnten die Römer auch Regionen im heutigen Albanien einnehmen. Des Weiteren setzten sie sich in Spanien fest:
    1. Im Ersten Punischen Krieg entwickelte sich das Römische Reich zu einer maritimen Großmacht im Mittelmeer.
    2. Im Zweiten Punischen Krieg behaupteten die Römer bereits gewonnene Provinzen in Spanien und besiegten die Karthager nun auch auf mit ihren Landstreitkräften.
    3. Im Dritten Punischen Krieg wurde Karthago vom Römischen Reich endgültig vernichtet, so wie es der Überlieferung nach von Cato dem Älteren stets gefordert worden war.
  7. Seit 200 v. Christus hatte auch die Eroberung der hellenistischen Räume eingesetzt. Die Besetzung von Griechenland war im Jahr der endgültigen Vernichtung von Karthago abgeschlossen.

Die rasante Expansion insbesondere seit der Mitte des 3. Jahrhunderts war jedoch von einer Verarmung der Unterschicht begleitet. Die beiden Volkstribune Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus brachen ab 133 v. Christus diese Konflikte auf.

Es folgte eine etwa 100-jährige Phase von inneren Konflikten und Bürgerkriegen. Diese Zeit war zunächst von äußeren Bedrohungen durch die Kimbern und Teutonen geprägt. Gegen die germanischen Stämme erlitt das Römische Reich schwere Niederlagen.

Die Entwicklung führte zur sogenannten Heeresreform des Gaius Marius. In militärischer Hinsicht stabilisierte sich das Römische Reich und konnte sogar wieder expandieren.

Doch das politische System der römischen Republik wurde ein Opfer der Oligarchie. Den Senat als souveränes Gremium zerschlug der Diktator Sulla durch die Ernennung von hunderten neuen Senatoren.

In der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Christus versuchte dann ein Triuumvirat, die Macht unter sich aufzuteilen:

  1. Gaius Julius Caesar
  2. Gnaeus Pompeius Magnus
  3. Marcus Licinius Crassus

Letztlich lösten diese Machtmenschen jedoch nur zahlreiche weitere Konflikte im Römischen Reich aus. Erst im Jahr 27 v. Christus endete dieses Jahrhundert der Bürgerkriege mit der Neuordnung des politischen Systems durch Octavian.

Römische Kaiserzeit – Blüte und Niedergang

Im Jahr 27 v. Christus fand das Römische Reich zu einem vorläufigen Ende der inneren Konflikte. Mit der Inthronisation von Kaiser Augustus begann eine 200-jährige Epoche des Friedens im Reich – die Pax Romana.

Statue des jungen Kaiser Augustus in Rom
Der junge Kaiser Augustus (pixabay)

Augustus gelang dabei ein ganz besonderer Erfolg. Er vereinbarte die republikanischen Träume der Oberschicht und den Wunsch nach einem starken Herrscher seitens Unterschicht miteinander in einer neuen Verfassung. Die alte Republik wurde formal beibehalten, doch es wurde das Amt des Princeps geschaffen.

Dieser Princeps reagierte als Primus inter Pares, als Erster unter Gleichen. Damit war im Römischen Reich die Zeit der Kaiser angebrochen. Vor allem in den ersten etwa 150 Jahren von 27 v. bis 117 n. Christus konnten die römischen Kaiser das Imperium noch weiter vergrößern.

In seiner maximalen Ausdehnung war das Römische Reich etwa 14x so groß wie die heutige Bundesrepublik Deutschland. Die entferntesten Patrouillen sollen auf den Rücken von Kamelen sogar das heutige Saudi Arabien erreicht haben.

Jedoch setzten bereits erste Zerfallserscheinungen ein. Das Selbstverständnis der Kaiser des Römischen Reiches wandelte sich schon im 1. Jahrhundert n. Christus. Teilweise entwickelten sie absolutistische Ansprüche. Schon der dritte Kaiser Caligula war ein extremes Negativbeispiel.

Nur wenige Jahre später kam Kaiser Nero als fünfter Princeps des Römischen Reiches an die Macht. Er gilt bis heute als klassisches Beispiel für einen wahnsinnigen Tyrannen, der mit maximaler Dekadenz den abscheulichsten Gelüsten frönte.

Zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Christus erlebte das Römische Reich jedoch unter den Adoptivkaisern einen letzten großen Aufschwung. Trajan und Hadrian führten das Imperium Romanum zu seiner größten Blüte.

Darüber hinaus wurde mit dem römischen Limes eine Grenze um das Reich gezogen. Doch die wachsende Korruption und der Verfall der Armee machten das Römische Reich anfällig für ganz neue Bedrohungen.

Aus den Kreisen der hohen Militärs kam es ab dem frühen 3. Jahrhundert n. Christus zu zahlreichen Erhebungen. Diese sogenannten Usurpatoren gelangten als Soldatenkaiser an die Macht im Römischen Reich. Doch während das Imperium zunehmend mit inneren Machtkämpfen beschäftigt war, blieb der Grenzschutz vernachlässigt.

Spätantike und Völkerwanderung

Die römische Spätantike ist die Phase von 284 bis 476 n. Christus. Sie begann mit der Herrschaft von Diokletian. Dieser suchte eine real-politische Antwort auf den Zerfall des Römischen Reiches. Mit der Tetrarchie, dem 4-Kaiser-Prinzip, sollte sowohl die Trennung zwischen ost- und west-römischen Gebieten wie auch die Nachfolge geregelt werden.

Schaubild der Tetrarchie von Kaiser Diokletian mit je einem Augustus und einem Caesar für das oströmische und weströmische Reich.
Die Tetrarchie von Kaiser Diokletian.

Doch bereits nach etwa 20 Jahren beendete Kaiser Konstantin I. gewaltsam diese politische Lösung. Als Usurpator eroberte er zunächst Rom und konnte sich dann auch im Osten des Reiches durchsetzen. Es gelang ihm auch, eine neue Dynastie an der Spitze des Römischen Reiches zu etablieren.

Doch ab 375 n. Christus begaben sich östliche Nomanden auf ihre Völkerwanderung. Es entstand ein militärisch aufgeladener Migrationsdruck, dem das Römische Reich nicht mehr gewachsen war. Damit das Imperium überhaupt noch gesteuert werden konnte, wurde es im Jahr 395 n. Christus deshalb endgültig geteilt.

Nach dem Einfall der Goten überquerten im Winter 405/406 n. Christus die Vandalen die Grenzen des Römischen Reiches. Darüber hinaus zog aus dem Osten auch die Bedrohung durch Hunnen herauf.

Das west-römische Reich schmolz in wenigen Jahrzehnten auf ein Kern-Gebiet in Italien und Illyrien zusammen. Zur Verteidigung verfügte man in Italien im Wesentlichen nur noch über germanische Söldner. Nach einem inner-römischen Staatsstreich wurden sie für ihre maßgebliche Beteiligung jedoch nicht wie versprochen bezahlt.

Unter der Führung ihres Heermeisters Odoaker verdrängten sie 476 n. Christus die letzten legitimen Vertreter des Römischen Reiches aus Italien. Der Söldnerführer wurde dafür zum König von Italien ausgerufen. Die Insignien der Herrschaft sandten die Germanen in einer schmählichen Gesten an den Kaiser des ost-römischen Reiches.

In Gallien bestand nach dem Fall Italiens noch eine kleine römische Provinz. Diese wurde 486 n. Christus von dem fränkischen König Chlodwig I. aus dem Geschlecht der Merowinger überrannt. Er übernahm jedoch das Christentum und andere Teile der Kultur. Auf dieser Basis errichtete er einen Nachfolgestaat und knüpfte bewusst an Traditionen des Römischen Reiches an.

Besonderheiten des Römischen Reiches

Das Römische Reich war ein Vielvölker-Staat. Die Hauptstadt war schon von Beginn an ein Schmelztiegel der Menschheit. Von besonderer Bedeutung waren die Etrusker und der griechische Einfluss. Hinzu kamen germanische und keltische Aspekte wie auch die Kulturen aus Nord-Afrika und dem Nahen Osten.

Dennoch war die Gesellschaft im Römischen Reich in verschiedene Klassen eingeteilt:

  1. Hoher Adel (= Oberschicht)
  2. Niederer Adel (= Oberschicht)
  3. Personen mit Bürgerrecht (= Unterschicht)
  4. Personen ohne Bürgerrecht (= Unterschicht)
  5. Sklaven (= Unterschicht)

Die Angehörigkeit zu einer Klasse wurde vererbt. Die Mobilität zwischen den einzelnen Klassen war sehr gering. Der Militärdienst war beispielsweise lange Zeit die einzige Möglichkeit, überhaupt das Bürgerrecht zu erlangen.

Der Aufstieg in die Oberschicht war meist nur über mehrere Generationen hinweg möglich. Personen wie Marcus Tullius Cicero, die in den senatorischen Stand und damit in den hohen Adel aufstiegen, waren die große Ausnahme.

Im Einzelfall war der soziale Aufstieg jedoch möglich. Dieser besondere Aspekt bildete ein Fundament für die Attraktivität, die sogenannte Soft Power, des Römischen Reiches. Darüber hinaus lockte das Imperium Romanum mit seltenen Handelsgütern, hohem Lebensstandard und wirtschaftlichem Reichtum.

Armee und Militärwesen

In der legendären Gründungsgeschichte des Römischen Reiches war die Armee von zentraler Bedeutung. Bereits während der Königszeit wurde die Legion aufgestellt. Der Begriff bedeutet: die Auserwählten.

Ursprünglich wurde auf Basis des Zensus, der Steuerschätzung, die Zuordnung zu einer Truppengattung vorgenommen. Die einfachen Bürger mit geringen Mitteln stellten die leichte Infanterie. Wohlhabendere Bürger hingegen konnten sich die Ausrüstung eines schweren Infanteristen leisten. Die reichen Adeligen hingegen bildeten die Kavallerie.

Quincunx - Rotation von Manipeln und Kohorten
Der Quincunx – eine römische Formation

Die langen Konflikte und die expansive Kriegsführung des Römischen Reiches löste in den Jahrhunderten der Republik jedoch auch schweren innere Krisen aus. Das Problem war, dass die einfache Bevölkerung zum Kriegsdienst gezwungen wurde und sich noch dazu selbst ausstatten musste.

In der Folge konnten sich die einfachen Leute nicht mehr um die eigenen wirtschaftlichen Grundlagen kümmern. Oligarchische Cliquen im Römischen Reich profitierten hiervon besonders. Sie kauften im großen Stil insbesondere die kleinen Bauernhöfe und ließen diese von Sklaven bewirtschaften. So wurden sie zu mächtigen Großgrundbesitzern, während die Unterschicht verarmte.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts führte das zu zahlreichen Änderungen insbesondere beim Heer. Diese wurden als Heeresreform des Gaius Marius bekannt. Innerhalb weniger Jahrzehnte brachte das Römische Reiches so die professionellste Arme der Antike hervor.

Von besonderer Bedeutung war der römische Legionär. Dieser vereinigte die Stärken eines leichten und eines schweren Infanteristen. Darüber hinaus wurden die Legionäre im Rahmen des „schweren Dienstes“ (munera) für zahlreiche Aufgaben als Pioniere herangezogen wie beispielsweise für den Brücken- und Straßenbau.

Eine besondere Rolle nahm die Prätorianer-Garde ein. Das war die Leibwache der Kaiser mit besonderen Rechten. Außerdem wurden sie als Elite-Einheit des Römischen Reiches auch in zahlreichen Feldzügen wie beispielsweise in den Dakerkriegen eingesetzt.

Darüber hinaus setzte die römische Armee bereits früh auch auf Hilfstruppen von Verbündeten. Das Römische Reich war dennoch auf die strategische Konzentration von großen Verbänden angewiesen. Ab dem 2. Jahrhundert entstand dann eine wachsende Abhängigkeit von ausländischen Söldner.

Vor allem die Donau-Legionen entwickelten sich dann in der späten Kaiserzeit zum entscheidenden Machtfaktor im Römischen Reich. Die Soldaten waren eher ihren Kommandeuren als dem Wohlergehen des Imperiums verpflichtet. Deshalb vernachlässigten sie schließlich ihre Aufgaben bei der Grenzsicherung zu Gunsten von politischen Machtkämpfen.

Im Laufe der Spätantike nahmen dann die Einflüsse der ausländischen Söldner auch bei der Ausrüstung überhand. Das standardisierte Erfolgskonzept des Legionärs verwässert sich. Als das west-römische Reich endgültig fiel, waren zur Verteidigung praktisch keine römischen Soldaten mehr vorhanden.

Währung und Wirtschaft

Im Römischen Reich waren zahllose Münzen aus Gold, Silber, Bronze, Kupfer oder auch Messing im Umlauf. Im Jahr 211 v. Christus wurde der Denar als Leitwährung eingeführt. Das System erhielt sich für etwa 400 Jahre.

  • 1 Aureus = 25 Denar
  • 1 Denar = 4 Sesterze
  • 1 Sesterze = 2 Dupondien
  • 1 Dupondie = 2 Asse
  • 1 Ass = 2 Semis
  • 1 Semi = 2 Quadrante

Das Wirtschaftssystem des Römischen Reiches kannte zahlreiche Felder:

  • Bergbau – vor allem Eisen, Kupfer, Blei, Silber und Gold
  • Handwerkliche Betriebe – vor allem Keramik und Metallarbeiten
  • Landwirtschaft – vor allem Getreide, Oliven und Wein
  • Tierzucht – vor allem Rinder und Schweine sowie Fischerei

Außerdem hatte das Römische Reich hoch entwickelte Handelsrouten und betrieb auch Außenhandel. Römische Händler erreichten sogar das alte China.

Eines der wichtigsten Importgüter des Imperium Romanum war der Purpur, die Zierfarbe der Senatoren und Kaiser. Aber auch Bernstein aus Germanien zur Schmuckherstellung war sehr beliebt.

Insgesamt war das Währungs- und Wirtschaftssystem des Römischen Reiches über Jahrhunderte hinweg relativ stabil. Eine entscheidende Ausnahme stellte jedoch der Getreidepreis dar, weil das italienische Mutterland auf umfangreiche Lieferungen aus den Provinzen angewiesen war.

Sobald es aufgrund einer Missernte zu Engpässen kam, konnte der Preis für Getreide schnell ansteigen. Dies löste immer wieder Unruhen im Römischen Reich aus. Jedoch kam es erst Ende des 3. Jahrhunderts n. Christus aufgrund von zahllosen gefälschten Münzen zu einer großen Inflation.

Dies bewegte Kaiser Aurelian zur Etablierung zweier neuer Münzen. Die Reform führte zunächst zu einem Aufstand der Münzpräger. Dieser Protest wurde von Truppen des Kaisers blutig niedergeschlagen.

Doch nach Erkenntnissen von Althistorikern hatte diese Aurelianische Währungsreform einen gegenteiligen Effekt. Die Bevölkerung des zerfallenden Römischen Reiches hatte einfach kein Vertrauen in die neue Währung.

Götter und Tempel

Als Vielvölker-Staat kannte das Römische Reich zahlreiche Götter. Die eigene Mythologie war dabei stark vom griechischen Kult mit den zwölf Haupt-Göttern geprägt.

  1. Jupiter = Zeus (Göttervater)
  2. Juno = Hera (Göttermutter)
  3. Minerva = Athene (Göttin der Weisheit)
  4. Vesta = Hestia (Göttin von Heim und Herd)
  5. Ceres = Demeter (Göttin der Saat und der Jahreszeiten)
  6. Diana = Artemis (Göttin der Jagd)
  7. Venus = Aphrodite (Göttin der Liebe)
  8. Mares = Ares (Gott des Krieges)
  9. Mercurius = Hermes (Gott der Händler)
  10. Neptun = Poseidon (Gott des Meeres)
  11. Vulcanus = Hephaistos (Gott der Schmiede)
  12. Apoll = Apollon (Gott der Heiler)

Das Zentrum der rituellen Verehrung der römischen Götter war auf dem Kapitol. Das ist der kleinste der sieben Hügel Roms. Dort fanden sich neben großen Tempeln für Haupt-Götter auch zahlreiche Anlagen für hierarchisch weniger bedeutende Götter.

Von besonderer Bedeutung war der Tempel der Ops. Dort wurde die Staatskasse verwahrt. Nach dem Attentat auf Cäsar an den Iden des März 44 v. Christus beschlagnahmte Marcus Antonius die dortigen Reserven in Höhe von etwa 700 Millionen Sesterzen. Damit konnte er den Bürgerkrieg gegen die Republikaner finanzieren.

Zur Pflege der Kulte im Römischen Reich gab es das Amt des Pontifex Maximus. Dabei handelte es sich um einen Oberpriester, der auch einem sehr einflussreichen Kollegium von Priestern vorstand. Das römische Papsttum hat diesen Titel später übernommen.

Ursprünglich konnte die Bevölkerung des Römischen Reiches ihre Spiritualität frei ausleben und war dabei nur an gesellschaftliche Konventionen gebunden. Im Laufe des Prinzipats entwickelte sich jedoch der sogenannte Kaiserkult. Dabei wurde dem Kaiser eine göttliche Rolle zugesprochen und die Bevölkerung musste symbolische Opfer bringen.

Der Kaiserkult war in der Praxis jedoch eher als eine Form des Bekenntnisses zur staatlichen Verfassung des Römischen Reiches zu sehen. Für fundamentalistische Christen stellte eine solche Opfergabe jedoch ein theologisches Problem dar. Deshalb wurde dieser Kaiserkult phasenweise zur Verfolgung von Christen instrumentalisiert.

Nachdem Konstantin I. die Macht ergriffen hatte, konvertierte mit seiner Person erstmals ein Kaiser selbst zum Christentum. In der Folge kam es zur Konstantischen Wende. Das Christentum wurde zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Mit dem Bekenntnis von Nicäa wurde diese Glaubenslehre im Jahr 325 dann erstmals vereinheitlicht.

Brot und Spiele

Der Ausdruck „Brot und Spiele“ beziehungsweise „panem et circences“ geht auf den römischen Dichter Juvenal zurück. Dieser machte sich damit über die Entpolitisierung des Volkes zu Beginn der Kaiserzeit im Römischen Reich lustig: Statt Wahlen wolle das Volk eben nur noch Spiele im Zirkus, bei denen häufig auch Brot verschenkt wurde.

Solche Spiele in einem Zirkus waren meist Wagenrennen oder die Kämpfe von Gladiatoren. Die Tradition des blutigen Kampfes zu rituellen Zwecken ging bis auf die alten Etrusker zurück. Ursprünglich kam es vor allem im Rahmen von Beerdigungen bedeutender Personen zu solchen Kämpfen.

Im Römischen Reich entwickelte sich ein umfassender Industriezweig für diese Art der Belustigung des Volkes. Nicht nur in Rom sondern in sehr vielen größeren Städten wurden Arenen errichtet, um dem einfachen Volk eine Unterhaltung zu bieten. Zu diesem Zweck wurden Schulen für Gladiatoren aufgebaut, um professionelle Kämpfer auszubilden.

Archäologische Funde von Knochen und Zähnen zeigen, dass Gladiatoren sehr gut mit hochwertiger Nahrung versorgt wurden. Sie waren zwar meist Sklaven, aber dennoch stellten sie eine teure Investition für ihre Besitzer dar. Entgegen mancher Darstellung wurden die Gladiatoren in römischen Arenen deshalb auch nicht einfach verheizt.

Nach Schätzungen verlief nur einer von zehn Kämpfen tödlich. Dennoch waren die Spiele ein sehr blutiges Spektakel. Dieser Rahmen wurde immer wieder genutzt, um zum Tode verurteilte Personen hinzurichten. Darüber hinaus brachte man viele wilde Tiere wie Geparden oder Löwen nach Rom, um diese in der Arena zu töten.

Bauwerke

Das Römische Reich weckt bis heute eine besondere Bewunderung dank der imposanten Bauwerke. Für die Errichtung hatten die Baumeister mit dem römischen Zement einen sehr wertvollen Baustoff entwickelt.

Für Touristen sind Konstruktionen wie das Kolosseum in Rom besonders attraktiv. Aber für den Erfolg des Römischen Reiches waren neben den Aquädukten vor allem auch die Bauwerke für den Personen- und Warenverkehr von größter Bedeutung.

Das Römische Reich war nicht nur von einem hoch entwickelten Netz von Straßen durchzogen. Den Ingenieuren gelang beispielsweise auch der Bau der Trajansbrücke über die Donau mit zahlreichen Bögen und einer Gesamtlänge von 1135 Metern.

Weniger sichtbar, aber umso beeindruckender sind die Anlagen des Hafens von Ostia sowie die zugehörigen Kanäle. Nur so konnte der unermessliche Bedarf an Getreide in der Hauptstadt des Römischen Reiches gedeckt werden.