Geschichte der Taktik (6) – Equites – Römische Reiter

Equites – Römische Reiter und Ritter

„Equites“ ist lateinisch und die Pluralform von „Eques“ – der Reiter. Doch der Begriff stand im alten Rom nicht nur für Angehörige der Reiterei. Denn aus dieser militärischen Einheit ging später der niedere Adel hervor – der equester ordo.

Damit differenzierten die römischen Reiter beziehungsweise die römischen Ritter die Gesellschaft des jungen Staates weiter aus. Nachdem Ende der römischen Monarchie bildete sich nämlich zunächst eine bipolare Gesellschaftsordnung heraus: der hohe Adel im Senat auf der einen Seite und die einfache Bevölkerung auf der anderen Seite.

Schaubild der römischen Ritter als niederen Adel in der Gesellschaft
Schaubild der römischen Ritter als der niedere Adel in der Gesellschaft.

Mit dem Aufstieg der römischen Ritter etablierte sich ein dritter Stand in der Gesellschaft. Die einzelnen Mitglieder dieser Klasse verfügten über ein erhebliches Vermögen. Sie mussten ein Jahreseinkommen von 400.000 Sesterzen nachweisen. Deshalb stellten sie als gesellschaftliche Schicht auch einen bedeutenden Faktor in der Wirtschaft des römischen Reiches dar.

Die politischen Kämpfe im alten Rom spielten sich hingegen hauptsächlich entlang der Konfliktlinien zwischen Aristokratie und einfacher Bevölkerung ab. Durch gezielte Parteinahme konnten die römischen Ritter deshalb die Politik des Staates immer wieder im eigenen Interesse beeinflussen.

Den römischen Rittern waren darüber hinaus machtvolle Positionen im Reich vorbehalten. Dies galt sowohl für das Militär wie auch für die Verwaltung und die Justiz. Mit Pontius Pilatus kann man sogar ein sehr bekanntes Beispiel für einen römischen Ritter nennen, der im Range eines Präfekten gleich zwei Provinzen kontrollierte.

Als militärische Einheit waren die römischen Reiter jedoch nicht von solch herausragender Bedeutung. Die kämpfenden Einheiten zu Pferd des römischen Reiches bestanden meist aus Hilfstruppen. Die originäre Legionskavallerie stellte häufig nur Meldereiter und Begleitschutz für Offiziere.

Gesellschaftliche Bedeutung

Die römischen Ritter entsprachen dem niederen Adel im sozialen Gefüge der Republik. Dieser fand sich unterhalb des senatorischen Standes, dem ordo senatorius.

Jedoch ließ bereits im 4. Jahrhundert vor Christus diese Koppelung zwischen militärischer Rolle und politischer Bedeutung deutlich nach. Doch trotz ihrer Souveränität stellten die Angehörigen des equester ordo nur eine Schicht im gesellschaftlichen System dar.

Deshalb profitierten sie in politischer Hinsicht mehr vom Gefüge der römischen Republik von 509 bis 27 v. Christus. Dies änderte sich mit der Erhebung von Kaiser Augustus. Die neue Ausrichtung des politischen Systems führte zu einem Wandel der gesellschaftlichen Bedeutung.

Aufgrund der schnellen Expansion des Imperiums bestand nämlich ein sehr hoher Bedarf an Führungskräften. Dies betraf vor allem die Verwaltung und das Militär. Die Lücke beim Personal konnte nur durch einen wachsenden Stand an römischen Rittern gefüllt werden.

Der equester ordo hatte sich damit von der militärischen Einheit, über die politische Klasse bis hin zu einer technokratischen Funktionselite gewandelt. Bis zum Niedergang des römischen Reiches sollten die Ritter in dieser Rolle verbleiben.

Römische Ritter der Republik

Zur Zeit der Republik gab es vor allem zwei Typen an römischen Rittern. Einige versuchten das gesellschaftliche System zu ihren Gunsten zu verändern. Andere versuchten innerhalb des gegebenen Rahmens den gesellschaftlichen Aufstieg in den ordo senatorius. Die bekanntesten Beispiele sind:

  • Die römische Republik war immer wieder von schweren Spannungen zwischen Ober- und Unterschicht geprägt. Viele Angehörige des ordo equester hofften, in den Wirren der inneren Konflikte die eigene Stellung stärken zu können. Zu Lasten der Senatoren schlugen sie sich auf die Seite der einfachen Bevölkerung. In diesem Bestreben brachten die römischen Ritter große Führungsfiguren wie Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus hervor. Sie verfolgten mit ihren populistischen Programmen jedoch auch eine Politik des wirtschaftlichen Eigennutzes.
  • Zahlreiche Aufsteiger wie Marcus Tullius Cicero gingen aus den Reihen der römischen Ritter hervor. Im dynastisch orientierten Rom war dies jedoch nicht ganz unproblematisch. Solche Aufsteiger wurden von den Mitgliedern der alten senatorischen Familien abschätzig als homo novus bezeichnet. Wörtlich bedeutet dies soviel wie „neuer Mensch“. Eine sinngemäß Übersetzung wäre „neureich“.

Römische Ritter der Kaiserzeit

In der Kaiserzeit wurde der Stand der Equites an den Zensus gekoppelt. Jeder römische Ritter musste ein Jahreseinkommen von mindestens 400.000 Sesterzen nachweisen.

Darüber hinaus musste ein römischer Ritter der Kaiserzeit einen Lebenslauf mit mindestens drei Generationen von Freien vorweisen können. Schätzungen gehen davon aus, dass es während der augusteischen Zeit etwa 20.000 römische Ritter gab.

Die politische Bedeutung dieser gesellschaftlichen Klasse hatte zwar stark abgenommen. Aber es war nach wie vor eine große Ehre, dem equester ordo anzugehören und deren Symbole zu führen. Sie durften den Ritter-Ring und schmale Purpur-Streifen an der Tunika tragen.

Viele hervorgehobene Positionen in der Verwaltung und im Militär wie das Kommando über die Prätorianer waren einem Mitglied des equester ordo vorbehalten. Die Ernennung zum Ritter stellte auch eine Ehrung für besondere Verdienste dar. Beispielsweise wurde Arminius während seiner Zeit in römischen Diensten für seine Leistungen als Militärtribun in diesen Stand erhoben.

Außerdem durften sich die römischen Ritter der Kaiserzeit in die ersten Reihen im Theater setzen. Diese waren für die Oberschicht reserviert.

Römische Reiterei der Republik

In der Frühphase der Republik verfügte Rom über eine Bürgerarmee. Bis zur Heeresreform von Gaius Marius mussten sich wehrpflichtige Römer selbst ausstatten. Während weniger wohlhabende Bürger manchmal nur leicht bewaffnet in den Krieg zogen, konnten sich reiche Römer ein Pferd leisten.

Deshalb wurden die Bürger nach der Steuerschätzung in bestimmte Einheiten der römischen Legion versetzt. Die Reichen dienten dann alle zusammen bei der Kavallerie. Auf diesen Zusammenhang geht die ursprüngliche Verknüpfung von gesellschaftlichem Rang und militärischer Aufgabe zurück.

Die Equites bildeten Zeltgemeinschaften von 8 Mann und wurden in Decurien mit 30 Mann sowie Centurien mit 100 Mann gegliedert. Die tatsächlichen Mann-Stärken schwankten jedoch erheblich.

Ursprünglich verfügte eine römische Legion über drei, später über sechs Hunderschaften an Equites. Die Römer erkannten jedoch auch den hohen Wert von spezialisierten Hilfstruppen – den Auxiliartruppen.

Mit der Unterstützung von Verbündeten und Söldnern stieg die militärische Bedeutung der römischen Reiter immer weiter. Die primären Aufgaben waren Aufklärung und Kommunikation. Aber sie führten auch Vorgefechte und sollten feindliche Bewegungen stören.

Während der Hauptkämpfe sollten sie Fernkämpfer wie etwa Steinschleuderer ausschalten. Außerdem sollten natürlich feindliche Reiter bekämpft werden. Große Kavallerie-Gefechte wie im 2. Punischen Krieg gegen Hannibal Barkas kamen jedoch nur selten vor.

Römische Reiterei der Kaiserzeit

In der Kaiserzeit waren die Alae, die Kavallerie-Kontigente der römischen Legionen immer größer gewordem. Solche Verbände umfassten ca. 500 bis 1000 Reiter. Die breite Maße der römischen Reiter bestand jedoch aus Hilfstruppen wie beispielsweise aus Germanien.

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Stützpunkt der römischen Reiter in der Spätphase des Kaiserreichs (ODbL)

Die militärische Rolle der eigentlichen Legionsreiterei war in der frühen Kaiserzeit vor allem der Kurierdienst. Während dessen übernahmen spezialisierten Hilfstruppen die militärischen Aufgaben wie die Grenzsicherung.

In der Spätphase des Imperiums sollte sich die Bedeutung der römischen Reiterei unter dem Kommando des späteren Kaiser Aurelian ein weiteres mal ändern.

Von der taktischen Einheit entwickelte sich die schwere Kavallerie zu einem strategischen Instrument. Als ein solches wurde es zur neuen Aufgabe, dass von innen und außen bedrohte Reich zu stabilisieren.

Für diesen Zweck wurde in Nord-Italien eine große Kavallerie-Division wie ein Pferdchen in der Mitte eines Schachbrettes stationiert. Dieses Corps hatte eine ideale Ausgangsposition, um alle militärischen Bedrohungen in Zentral-Europa bekämpfen zu können.

Ausrüstung und Waffen

Römische Reiter der Kaiserzeit ritten auf speziell gezüchteten Ponys mit einer Schulterhöhe von etwa 1,40 m. Die Pferde waren klein, aber kräftig und ausdauernd, um den Patrouillendienst gut bewältigen zu können.

Die Tiere wurde gezäumt und trugen einen Sattel. Die alten Römer kannten aber den Steigbügel nicht. Darüber hinaus waren Sie ausgestattet mit:

  • Helmen, die denen der Infanterie ähnelten.
  • Kettenhemden oder Schuppenpanzern
  • Ovalen Schilden mit Buckel (ca. 115 cm mal ca. 60 cm)
  • Mehreren leichten Wurfspeeren mit Wurfschlinge
  • Einem Langschwert, dem Spatha
  • Lanzen (manche Einheiten)
  • Bögen (manche Einheiten)

Hilfstruppen

Im Laufe der Zeit stellten die Hilfstruppen jedoch den bedeutensten Anteil der römischen Reiterei. Die reguläre Legionskavallerie machte bereits unter Kaiser Augustus meist nur den kleineren Anteil aus und war militärisch nur noch von geringer Bedeutung.

Karte des Angriffs auf die römische Reiterei in der Varusschlacht
Der erste Streich traf die Reiterei

In der Varusschlacht wurde beispielsweise die Legionskavallerie schon in der ersten Angriffswelle von übergelaufenen Reitern der germanischen Hilfstruppen überrannt. In der Regel waren diese Auxiliartruppen jedoch völlig loyal und standen unter dem Befehl von Präfekten. Diese waren wiederum häufig römische Ritter.

Ein wesentliches Merkmal der römischen Reiter war die Einheitengröße. Besonders verbreitet war die einfache ala quingenaria mit 500 Mann. Eine solche Einheit wurde mindestens von einem Militärtribun geführt.

Aber die römische Reiterei kannte auch die doppelte ala miliaria mit einer Stärke von 1000 Mann. Eine solche Einheit hingegen wurde von einem römischen Senator geführt. Um 100 n. Christus verfügte das Reich wahrscheinlich über:

  • Alae miliariae ca. 9
  • Alae quingenariae ca. 80

Außerdem entwickelten sich bei den römischen Hilfstruppen schon früh auch gemischte Einheiten aus Reitern und Fußsoldaten mit einem Verhältnis von etwa 1:3.

  • Cohortes equitatae miliariae ca. 22
  • Cohortes equitatae quingenariae ca. 77