Große Redner

Große Reden und Geschichte

Großen Redner der Antike

In den antiken Kulturen des Mittelmeerraumes war Rhetorik eine gesellschaftlich hoch geschätzte Disziplin. Darüber hinaus waren rhetorische Fähigkeiten vor allem für die Tätigkeit als Anwalt, im öffentlichen Dienst wie auch für politische Karrieren von entscheidendem Vorteil.

Aber die großen Redner der Antike schulten sich auch in philosophischen Zirkeln. Es entstanden größere Strömungen wie beispielsweise die Sophistik. Doch bereits früh sorgten auch zahlreiche Einzelpersonen wie Sokrates für größeres Aufsehen.

„Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.“

In den frühen griechischen Demokratien genoßen besonders begabte Redner darüber hinaus auch viel Einfluss. Die Verfahren zur kollektiven Entscheidungsfindung waren sehr auf die öffentliche Rede ausgerichtet. Deshalb entstand auch schon in der Antike der Begriff des Demagogen.

Das politische System der römischen Republik förderte talentierte Redner noch mehr. Die Mitglieder des Senats trafen sich und diskutierten die politischen Linien des Staates. Als Paradebeispiel gilt Cato der Ältere, der wortgewaltig einen letzten, vernichtenden Krieg gegen Karthago forderte.

„…ceterum censeo carthaginem esse delendam.“

Im letzten Jahrhundert v. Christus entstanden bedeutsame Leitfäden für große Redner aus der Feder des berühmten Marcus Tullius Cicero. Dieser hatte es als Anwalt, Senator und Staatstheoretiker zu einem sehr großen Namen gebracht:

  • de inventione – über den Redestoff
  • de oratore – über den Redner
  • partitiones oratoriae – die Teile der Redekunst
  • orator – der Redner
  • topica – die Beweislehre
  • de optimo genere oratorum – über die beste Art von Rednern

Mit dem Beginn der römischen Kaiserzeit entstand eine neue Legitimationskette für politische Gewalt. In diesem Zuge verloren auch die talentierten Redner der Antike an Relevanz. Das soziale Ansehen von besonders eloquenten Personen blieb jedoch erhalten.

Missionare und Reformatoren

Der Zerfall des römischen Reiches war begleitet vom einem tiefschürfenden religiösen Wandel in Europa. Der Polytheismus der Antike wich neuen monotheistischen Strömungen. Im Konflikt der Glaubensrichtungen wurde die Predigt zur neuen Disziplin der Rhetorik.

Der christliche Kirchenvater Augustinus profitierte beispielsweise ganz deutlich von seiner Ausbildung und Tätigkeit als Anwalt. Im Mittelalter brachte der Klerus dann zahlreiche bedeutsame Redner hervor. Vor allem die Missionäre waren berufsbedingt auf ihre Argumentationsstärke angewiesen.

Der Hl. Columban und der Hl. Bonifatius erreichten mit ihren Fähigkeiten als Redner große Erfolge in der christlichen Missionsarbeit. Aber auch Ordensgründer wie Bernhard von Clairvaux aka. Dr. Honigmaul waren nicht nur charismatische, sondern auch gewiefte Redner.

Doch die Formulierung einer einheitlichen christlichen Lehre schuf zugleich auch den möglichen Vorwurf der Verbreitung von Irrlehren. Häresie und Ketzerei und wurden zu Begriffen für Reden, die aus religiösen Gründen mit dem Tod bestraft werden konnten.

Zahlreiche Theologen in ganz Europa wie Martin Luther mussten sich für ihre Predigten und Schriften diesem Vorwurf stellen.

Politischen Reden der Neuzeit

In den politischen Systemen der Neuzeit haben geschickte Redner aber schon lange nicht nur zu alter Größe gefunden. Dank der Massenmedien können einzelne Botschaften sehr viel mehr Menschen erreichen.

Das 20. Jahrhundert hat zahlreiche große Redner hervorgebracht. Als Inbegriff eines eloquenten Autokraten gelang es Adolf Hitler die NSDAP von einer rechten Splittergruppe zur wichtigsten Partei im Reichstag zu machen.

Demgegenüber standen jedoch die Ansprachen von Winston Churchill im Radio während des 2. Weltkrieges. Sowohl in Demokratien wie auch in Diktaturen zeigte sich erneut das mobilisierende Potential von politischen Reden.