Otto I. – römisch-deutscher Kaiser

Otto I. der Große – König und Kaiser

Otto I. „der Große“ war ein sächsischer Herzog und König des ostfränkischen Reiches im 10. Jahrhundert. Er stammte aus dem Geschlecht der Liudolfinger.

Durch eine geschickte Heirat mit Adelheid von Burgund im Jahr 951 konnte er sich auch der italienischen Krone bemächtigen.

Kaiser Otto I. der Große
Otto der Große empfängt die Unterwerfung von Berengar (Quelle: Manuscriptum Mediolanense / Lizenz: gemeinfrei)

In der Schlacht auf dem Lechfeld von 955 knüpfte Otto der Große dann an den außerordentlichen militärischen Fortschritt seines Vaters Heinrich I. gegen die Ungarn an.

Er besiegte die heidnischen Ungarn, die sich daraufhin nie wieder gegen das fränkische Reich wendeten. Damit legte Otto der Große auch einen symbolischen Grundstein für das Heilige Römische Reich.

Otto der Große baute konstant und gegen alle Widerstände seine Position als König aus. Im Jahr 962 wurde er sogar vom römischen Papst zum Kaiser gekrönt wurde.

Damit begründete er die Tradition der römisch-deutschen Kaiser und knüpfte so an den Ruhm des Römischen Reiches an. Diese Form der Herrschaft bestand bis zur Abdankung von Kaiser Franz II. im Jahr 1806 fort.

Darüber hinaus führte Otto der Große sein Reich auch zu einer kulturellen Blüte und leitete die Ottonische Renaissance ein. Unter seiner Führung entwickelte sich eine Großmacht auf Augenhöhe mit dem byzantinischen Reich, die auch dem nordischen Wikinger-König Harald Blauzahn den Respekt abnötigte.

Otto der Große wurde schließlich selbst weit im Osten von den Kiewer Rus als zentraler Machtfaktor anerkannt und stand in gutem Kontakt mit der Olga von Kiew.

Doch hinter der glamourösen Fassade seiner Herrschaft spielten sich zahllose Konflikte ab. In der Frühphase seiner Herrschaft musste er sich gegen seine Brüder wie auch aufständische Fürsten behaupten. Selbst der eigene Sohn sollte eine Rebellion gegen ihn anzetteln.

Jugendjahre als Thronfolger

Otto der Große wurde im Jahr 912 n. Christus als Sohn von Heinrich I. und seiner zweiten Ehefrau, der Heiligen Mathilde, geboren. Er hatte einen älteren Halbbruder namens Thankmar sowie zwei jüngere Schwestern und zwei jüngere Brüder, Heinrich und Brun.

Neue Erbfolge ab dem Jahr 929

Doch der Vater brach mit der unseligen Tradition des fränkischen Erbrechts. Dieses sah vor, dass alle Söhne gleichermaßen erben. Das Frankenreich war deshalb bereits schon mehrfach gespalten worden. Eine solche Entwicklung wollte der alte König jedoch unbedingt vermeiden.

Deshalb erließ Heinrich I. bereits im 929 eine neue „Hausordnung“. In dieser legte der König fest, dass das Reich nach seinem Tod in ungeteilter Form an Otto den Großen gehen soll. Diese hervorgehobene Stellung unter den Brüdern bestimmte schließlich sein ganzes Leben.

Ehe mit einer englischen Prinzessin

Zunächst musste er sich von seiner Jugendliebe verabschieden. Mit einer adeligen Slawin hatte er bereits im Alter von 16 Jahren einen Jungen namens Wilhelm gezeugt. Dieser sollte später zum Erzbischof von Mainz werden und Otto dem Großen noch enormen Ärger bereiten.

Aber der Vater von Otto dem Großen warb erfolgreich am englischen Königshof um eine Braut. Das angelsächsische Königshaus entsprach dem Wunsch, so dass der junge Otto im Jahr 929 die Prinzessin Edgitha heiratete, eine Enkelin von Alfred dem Großen.

Das war sehr förderlich für das Prestige der Liudolfinger. Außerdem war Heiratspolitik unter mittelalterlichen Herrscherhäusern vor allem auch Außenpolitik.

Die Brüder von Otto reagierten aber sehr negativ auf ihren Ausschluss von der Thronfolge und diese Form der inner-familiären Degradierung. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte dieser Zwist zu Aufständen im Reich führen.

Krönung und erste Aufstände im Reich

Die Ereignisse nach dem Tod von Heinrich I. wurden zwei Generationen später in einem Bericht des Widukind von Corvey zusammengefasst. Seine Darstellung einer harmonischen Situation ist jedoch wenig glaubhaft.

Otto der Große wurde zwar nach wenigen Wochen von Herzögen und Markgrafen als neuer deutscher König gewählt. Auch erhielt er am 02. Juli 936 die Salbung und eine offizielle Krönung. Darauf hatte sein Vater noch verzichten müssen.

Aber bereits zu diesem Zeitpunkt stellte sein Bruder Heinrich ebenfalls Ansprüche. Aufstrebende Herzöge witterten Chancen in dieser Konfliktsituation und stachelten die Brüder gegeneinander auf.

Erbrechtliche Ansprüche von Adeligen

Doch Otto der Große folgte nur seinen eigenen Regeln. Er besetzte führende Positionen im Reich nach Gutdünken. Dabei pflegte er auch einen sehr autoritären Stil

Auf persönliche Befindlichkeiten nahm er keine Rücksicht. Mit einer solchen Politik machte sich Otto der Große viele Feinde unter den deutschen Adligen. Nicht zuletzt überging er bei der Besetzung von Posten auch seinen älteren Bruder Thankmar.

Reservatrechte der Herzogtümer

Ein weiterer Streitpunkt waren einzelne Sonderstellungen der Herzogtümer. Vor allem die Bayern hatten bei der Reichseinigung unter Heinrich I. auf Reservatrechten bestanden. Das wollte Otto der Große nicht mehr hinnehmen und brach ein entsprechendes Abkommen von 921.

Es kam zum Krieg, den der sächsische König jedoch für sich entscheiden konnte. Herzog Eberhard von Bayern wurde daraufhin in die Verbannung geschickt. Doch es folgten weitere Konflikte, so dass die Zeit von 937 bis 941 durchgehend von Krisen bestimmt war.

Verschwörung und geplantes Attentat

Zu seinem Glück konnte Otto der Große eine Verschwörung um seinen Bruder Heinrich sowie ein geplantes Attentat am Osterfest des Jahres 94 abwenden. Im letzten Moment erfuhr er von den Plänen.

Daraufhin ließ er sich Tag und Nacht von einer Schar von treuen Vasallen beschützen. Letztlich kam es dann gar nicht erst zum Anschlag. Im Gegenzug setzte er die Verschwörer in der Pfalz Ingelheim fest und erstickte so die Rebellion.

Unbegrenzte Herrschaft von Otto dem Großen

In den 40er-Jahren des 10. Jahrhunderts zeigten sich die Ergebnisse der rigiden Politik von Otto dem Großen. In zahlreichen Urkunden finden sich die Spuren der Macht des Königs.

Er konnte die herrschaftliche Gewalt als Monarch sehr viel weiter ausbauen, als es noch für seinen Vater denkbar gewesen wäre. Das galt auch nicht nur für die Symbolpolitik. Otto der Große griff tief in das gesellschaftliche System ein und veränderte es nachhaltig.

Hochzeit mit Adelheid von Burgund

Edgitha, die erste Frau von Otto dem Großen, starb 946 sehr plötzlich. Doch es gab mit Adelheid von Burgund, der Witwe des italienischen Königs, die perfekte Nachfolgerin. Die damals erst 19-jährige konnte dank des langobardischen Erbrechts den Königstitel mittels Eheschließung auf einen neuen Mann übertragen.

Deshalb wurde Adelheid von Burgund erstmal von Berengar II., einem italienischen Fürsten, gefangen genommen. Man sperrte sie zunächst in Como ein. Doch der jungen Frau gelang die Flucht und sie bat Otto den Großen um Hilfe.

Dieser ließ sich nicht zweimal bitten. Otto der Große griff in Italien ein und konnte sich Braut wie Königreich sichern. Damit knüpfte er an eine wichtige Tradition an. Genau wie Karl der Große war er nun König der Franken und der Langobarden.

rex Francorum et Langobardorum

Neben dem materiellen Gewinn war dies vor allem auch ein großer symbolischer Fortschritt für seine Stellung. So leistete er bereits früh einen wichtigen Beitrag für das Fundament seiner späteren Herrschaft als römisch-deutscher Kaiser.

Liudolfinischer Aufstand (953)

Doch Otto der Große betrieb in Italien wieder einmal Großmachtpolitik zu Lasten des inneren Friedens. Er hatte mit Liudolf nämlich noch einen Sohn aus erster Ehe.

Dieser Liudolf war der natürliche Thronfolger und bereits zum Herzog von Schwaben ernannt worden. Die Ehe mit Adelheid von Burgund ließ den jungen Mann jedoch um seine Stellung fürchten. Während Otto der Große in Italien ambitionierte Pläne verfolgte, baute sich der Sohn in der Heimat eine eigene Gefolgschaft auf.

Nachdem bereits seine Brüder gegen Otto den Großen aufbegehrt hatten, zettelte nun der eigene Sohn und Thronfolger eine Rebellion gegen den Vater an. Wie so oft im Mittelalter wurde eine symbolische Veranstaltung zum politischen Schlüsselmoment.

Liudolf rief die Herzöge zu einem Bankett. Damit kommunizierte er implizit seinen Anspruch auf den Thron. Zahlreiche Aristokraten schlossen sich dieser Bewegung an.

953 brachen Kampfhandlungen aus. Der Vater belagerte seinen Sohn zunächst in Mainz. Doch Liudolf konnte sich durch eine nächtliche Flucht dem Zugriff entziehen.

Die Lage wurde für Otto den Großen nun kritisch. Von den insgesamt fünf Herzogtümern stand nur noch Franken geschlossen hinter ihm. Das Kriegsglück wogte dann ein Jahr lang hin und her.

Aber das Jahr 954 brachte eine unerwartete Wende. Die heidnischen Ungarn fielen erneut im ostfränkischen Reich ein. Unter diesem Druck scheiterte die Rebellion. Die Fürsten des Reiches scharten sich zur Abwehr des äußeren Feindes wieder um ihren König.

Schlacht auf dem Lechfeld (955)

Zunächst konnten die Ungarn erfolgreich im Reich plündern. Dabei kam ihnen die besondere Mobilität ihrer Kriegsführung zu Gute. Als eine Horde von berittenen Bogenschützen waren sie nicht nur auf dem Schlachtfeld äußerst beweglich.

Sie verfügten auch über sehr ausdauernde Steppenpferde. Diese Tiere trugen ihre Reiter in kurzer Zeit über hohe Distanzen. Sie konnten spielend eine Heerwurm umgehen und dann die schwächsten Punkte attackieren.

Schlacht auf dem Lechfeld
Otto der Große gewann die Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 (Quelle: Sigmund Meisterlin / Lizenz. gemeinfrei)

Im August 955 suchten die Ungarn jedoch aus unerklärlichen Gründen eine offene Feldschlacht. Angesichts ihrer Bewaffnung und ihres Vorgehens war diese Entscheidung ein strategischer Fehler ersten Ranges. Schätzungen gehen davon aus, dass Otto der Große etwa 10.000 Panzerreiter versammeln konnte.

Am 10. August 955 kam es dann zur Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg. Näheres über den Verlauf ist jedoch nicht bekannt.

Aber es soll an dem Tag geregnet haben. Das ist bedeutsam, weil die Wunderwaffe der Ungarn, der Kompositbogen, aus mehreren Schichten Horn bestand, die mit Leim verklebt wurden. Durch den Regen verloren die Bögen jedoch schnell an Zugkraft.

Der große Sieg wurde auch der himmlischen Unterstützung durch Erzengel Michael zugeschrieben, der anschließend zum Schutzpatron der Deutschen wurde. Die Konsequenzen der Schlacht auf dem Lechfeld waren aber auf jeden Fall sehr irdisch.

Otto der Große hatte ein Heer aus Bayern, Böhmen, Franken, Sachsen und Schwaben erfolgreich gegen den äußeren Feind geführt. Die Ungarn tauchten auch nicht wieder auf, so dass der König sehr gestärkt aus dem Konflikt hervorging.

Vorzeitige Regelung der Thronfolge

Die persönlichen Erfahrungen mit dem Erbrecht motivierten Otto den Großen zu einer vorzeitigen Regelung seiner Thronfolge. Da seine ersten Söhne nicht in Betracht kamen, rückte Otto II., der älteste Sohn aus der Ehe mit Adelheid von Burgund, auf.

Kaiser Otto II.
Darstellung von Kaiser Otto II. (Quelle: Registrum Gregorii / Lizenz: gemeinfrei)

Auch die Ehe dieses Thronfolgers wurde nicht dem Zufall oder gar der Liebe überlassen. 961 gelang eine erfolgreiche Brautwerbung um Theophanu. Das war die Nichte des byzantischen Kaisers, so dass dieses Arrangement im Kontext der Außenpolitik stand.

Auf dem Hoftag zu Worms im selben Jahr erhob er seinen minderjährigen Sohn zum Mitkönig. Doch Otto der Große klärte damit nicht nur dynastische Fragen. Vor allem brauchte er einen Repräsentanten, um mehr Präsenz im Reich zeigen zu können.

Denn während der Zeit der inneren Konflikte im deutschen Raum war der lehnspflichtige Berengar II. von Italien rebellisch geworden. Aber Otto der Große hatte aus den Erfahrungen mit seinen Brüdern und dem ältesten Sohn Liudolf gelernt.

Mit Hilfe seines Erben gelang es Otto dem Großen schließlich, seine königliche Herrschaft im wachsenden Reich flächendeckender zu repräsentieren. Dies war auch dringend nötig, wollte er Italien nicht wieder verlieren.

Kaiserkrönung in Rom (962)

Doch der rebellische Berengar II. stellte sich in Italien offen gegen den minderjährigen Sohn von Otto dem Großen. Anschließend überfiel er einige Gebiete und übte militärischen Druck auf den römischen Papst aus.

Deshalb sandte Otto der Große im Jahr 962 erneut ein Heer nach Italien. Militärisch konnte er sich binnen kürzester Zeit durchsetzen.

Die Truppen von Berengar II. weigerten sich bei Pavia schlichtweg gegen den Otto den Großen zu kämpfen. Zum Dank für die Entlastung wurde er von Johannes XII. zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

Damit erneuerte Otto der Große die Tradition der kaiserlichen Herrschaft, wie sie mit ihrem letzten westfränkischen Vertreter untergegangen war.