Otto I. – römisch-deutscher Kaiser

Otto der Große – König und Kaiser

Otto I. war ein sächsischer Herzog und König des ostfränkischen Reiches im 10. Jahrhundert aus dem Geschlecht der Liudolfinger. Durch eine geschickte Heirat mit Adelheid von Burgund im Jahr 951 n. Christus konnte er sich auch der italienischen Krone bemächtigen.

Kathedrale des Erzbistums Magdeburg gegründet von Otto dem Großen.
Otto der Große gründete das Erzbistum Magdeburg (pixabay)

In der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 n. Christus knüpfte Otto I. dann an die großen militärischen Erfolge seines Vaters Heinrich I. gegen die Ungarn an. Er besiegte die heidnischen Plünderer, die sich daraufhin nie wieder gegen das fränkische Reich wendeten.

Otto I. baute konstant und gegen alle Widerstände seine Position als König aus. Im Jahr 962 n. Christus wurde er sogar vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Damit begründete er die Tradition der römisch-deutschen Kaiser.

Diese Form der Herrschaft bestand bis zur Abdankung von Kaiser Franz II. im Jahr 1806 fort. Darüber hinaus führte Otto I. sein Reich auch zu einer kulturellen Blüte und leitete die Ottonische Renaissance ein.

Unter seiner Führung wurde das ostfränkische Reich eine Großmacht auf Augenhöhe mit dem byzantischen Reich. Für die Erfolge wurde der Sachse von der Nachwelt mit einem Ehrennamen gewürdigt – Otto der Große.

Doch hinter der glamourösen Fassade seiner Herrschaft spielten sich zahllose Konflikte ab. In der Frühphase seiner Herrschaft musste er sich gegen seine Brüder wie auch aufständische Fürsten behaupten. Selbst der eigene Sohn sollte eine Rebellion gegen ihn anzetteln.

Jugendjahre als Thronfolger

Otto I. wurde im Jahr 912 n. Christus als Sohn von Heinrich I. und seiner zweiten Ehefrau, der Heiligen Mathilde, geboren. Er hatte einen älteren Halbbruder namens Thankmar. Außerdem hatte er noch zwei jüngere Schwestern und zwei jüngere Brüder, Heinrich und Brun.

Doch der Vater brach mit der unseligen Tradition des fränkischen Erbrechts. Dieses sah vor, dass alle Söhne gleichermaßen erben. Das Frankenreich war deshalb bereits schon mehrfach gespalten worden. Eine solche Entwicklung wollte der alte König jedoch unbedingt vermeiden.

Deshalb erließ Heinrich I. bereits im 929 n. Christus eine neue Hausordnung. In dieser legte der König fest, dass das Reich nach seinem Tod in ungeteilter Form an Otto I. gehen soll. Diese hervorgehobene Stellung unter den Brüdern sollte schließlich das ganze Leben des jungen Sachsen bestimmen.

Zunächst musste er sich von seiner Jugendliebe verabschieden. Mit einer adeligen Slawin hatte er bereits im Alter von 16 Jahren einen Jungen namens Wilhelm gezeugt. Dieser sollte später zum Erzbischof von Mainz werden und Otto I. noch große Schwierigkeiten bereiten.

Aber Heinrich I. warb erfolgreich am Hof des englischen Königs um eine Braut für seinen Thronfolger. Das angelsächsische Königshaus entsprach dem Wunsch, so dass Otto I. im Jahr 929 n. Christus Edgitha heiratete, eine Enkelin von Alfred dem Großen.

Das war sehr förderlich für das Prestige der Liudolfinger und außerdem war Heiratspolitik unter mittelalterlichen Herrscherhäusern vor allem auch Außenpolitik. Die Brüder reagierten aber sehr negativ auf ihren Ausschluss von der Thronfolge und diese Form der inner-familiären Degradierung. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte dieser Zwist zu Aufständen im Reich führen.

Krönung und erste Aufstände im Reich

Die Ereignisse nach dem Tod von Heinrich I. wurden zwei Generationen später in einem Bericht des Widukind von Corvey zusammengefasst. Seine Darstellung einer harmonischen Situation ist jedoch wenig glaubhaft.

Otto I. wurde zwar nach wenigen Wochen von Herzögen und Markgrafen zum König gewählt. Auch erhielt er am 2. Juli 936 n. Christus die Salbung und eine offizielle Krönung. Darauf hatte sein Vater noch verzichten müssen.

Aber bereits zu diesem Zeitpunkt stellte sein Bruder Heinrich ebenfalls Ansprüche. Aufstrebende Herzöge witterten Chancen in dieser Konfliktsituation und machten den unzufriedenen Brüdern Mut.

Erbrechtliche Ansprüche von Adeligen

Doch Otto I. zerbrach traditionelle Hierarchien und folgte nur seinen eigenen Regeln. Er besetzte führende Positionen im Reich nach Gutdünken. Dabei legte er noch dazu einen höchst autoritären Stil an den Tag.

Auf persönliche Befindlichkeiten nahm er keine Rücksicht. Mit einer solchen Politik machte sich Otto I. zahlreiche Feinde unter den Adeligen seines Reiches. Nicht zuletzt überging er bei der Besetzung von Posten auch seinen älteren Bruder Thankmar.

Reservatrechte der Herzogtümer

Ein weiterer Streitpunkt waren einzelne Sonderstellungen der Herzogtümer. Vor allem die Bayern hatten bei der Reichseinigung unter Heinrich I. auf Reservatrechten bestanden. Diese wollte Otto I. nicht mehr hinnehmen und brach ein entsprechendes Abkommen von 921 n. Christus.

Es kam zum Krieg, den der sächsische König jedoch für sich entscheiden konnte. Der Herzog, Eberhard von Bayern, wurde daraufhin in die Verbannung geschickt. Doch es folgten weitere Konflikte, so dass die Zeit von 937 bis 941 n. Christus durchgehend von Krisen beherrscht war.

Verschwörung und geplantes Attentat

Zu seinem Glück konnte Otto I. eine Verschwörung um seinen Bruder Heinrich sowie ein geplantes Attentat am Osterfest des Jahres 941 n. Christus abwenden. Im letzten Moment erfuhr er von den Plänen.

Daraufhin ließ er sich Tag und Nacht von einer Schar von treuen Vasallen beschützen. Letztlich kam es dann gar nicht erst zum Anschlag. Im Gegenzug setzte er die Verschwörer in der Pfalz Ingelheim fest und erstickte so die Rebellion.

Unbegrenzte Herrschaft des Königs

In den 40er-Jahren des 10. Jahrhunderts zeigten sich die Ergebnisse der rigiden Machtpolitik Otto I. im östlichen Teil des früheren Frankenreichs. In zahlreichen Urkunden finden sich die Spuren der Macht des Königs.

Er konnte die herrschaftliche Gewalt als Monarch sehr viel weiter ausbauen, als es noch für seinen Vater denkbar gewesen wäre. Nicht nur im Bereich der Symbolpolitik ging er viel weiter. Otto I. griff tief in das gesellschaftliche System ein und veränderte dieses nachhaltig.

Hochzeit mit Adelheid von Burgund

Seine erste Frau Edgitha starb im Jahr 946 n. Christus sehr plötzlich. Doch Otto I. fand in Adelheid von Burgund, der Witwe des italienischen Königs, die perfekte Nachfolgerin. Die damals erst 19-jährige konnte dank des langobardischen Erbrechts den Königstitel mittels Eheschließung auf einen neuen Mann übertragen.

rex Francorum et Langobardorum

Aufgrund ihrer Position wurde Adelheid von Burgund von Berengar II., einem italienischen Fürsten, gefangen genommen. Man sperrte sie zunächst in Como ein. Doch der jungen Frau gelang die Flucht und sie bat Otto I. um Hilfe.

Dieser ließ sich nicht zweimal bitten. Otto I. griff in Italien ein und konnte sich Braut wie Königreich sichern. Damit knüpfte Otto I. an eine wichtige Tradition an. Genau wie Karl der Große war er nun König der Franken und der Langobarden.

Neben dem materiellen Gewinn war dies vor allem auch ein großer symbolischer Fortschritt für seine Stellung. So leistete er bereits früh einen wichtigen Beitrag für das Fundament seiner späteren Herrschaft als römisch-deutscher Kaiser.

Liudolfischer Aufstand

Doch Otto I. betrieb wieder einmal Großmachtpolitik zu Lasten des inneren Frieden. Er hatte nämlich noch einen Sohn aus erster Ehe mit dem Namen Liudolf. Dieser war der natürliche Thronfolger und bereits zum Herzog von Schwaben gemacht worden.

Die Ehe mit Adelheid von Burgund ließ Liudolf jedoch um seine Stellung fürchten. Während sein Vater in Italien ambitionierte Pläne verfolgte, baute sich der Sohn in der Heimat eine eigene Gefolgschaft auf.

Nachdem bereits die Brüder gegen Otto I. aufbegehrt hatten, zettelte nun der eigene Sohn und Thronfolger eine Rebellion gegen den Vater an. Politisches Schlüsselmoment diese Bewegung war, wie so oft im Mittelalter, eine symbolische Veranstaltung.

Liudolf rief die Herzöge zu einem Bankett, womit er implizit seinen Anspruch kommunizierte. Daraufhin schlossen sich zahlreiche aristokratische Häuser aus dem Reich dieser neuen Partei an. Von fünf Herzogtümern stand nur noch Franken geschlossen hinter dem regierenden König.

Im Jahr 953 brach der Konflikt militärisch aus und es kam zur Belagerung von Mainz. Die Stadt war von Liudolf besetzt, doch dieser konnte sich durch eine nächtliche Flucht entziehen. Das Kriegsglück wogte dann ein Jahr lang hin und her.

Aber das Jahr 954 brachte eine Wende. Die heidnischen Ungarn fielen erneut im ostfränkischen Reich ein. Unter diesem Druck scheiterte die Rebellion. Die Fürsten des Reiches scharten sich zur Abwehr des äußeren Feindes wieder hinter ihrem König.

Schlacht auf dem Lechfeld (955)

Zunächst konnten die Ungarn erfolgreich im Reich plündern. Dabei kam ihnen die besondere Mobilität ihrer Kriegsführung zu Gute. Als eine Horde von berittenen Bogenschützen waren sie nicht nur auf dem Schlachtfeld äußerst beweglich.

Sie verfügten auch über sehr ausdauernde Steppenpferde. Diese Tiere trugen ihre Reiter in kurzer Zeit über hohe Distanzen. Sie konnten spielend eine Heerwurm umgehen und dann die schwächsten Punkte attackieren.

Im August 955 n. Christus suchten die Ungarn jedoch aus unerklärlichen Gründen eine offene Feldschlacht. Angesichts ihrer Bewaffnung und ihres Vorgehens war diese Entscheidung ein strategischer Fehler ersten Ranges.

Schätzungen gehen davon aus, dass Otto I. etwa 10.000 Panzerreiter versammeln konnte. Am 10. August 955 kam es dann zur Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg. Näheres über den Verlauf ist jedoch nicht bekannt.

Aber es soll an dem Tag geregnet haben. Das ist bedeutsam, weil die Wunderwaffe der Ungarn, der Kompositbogen, aus mehreren Schichten Horn bestand, die mit Leim verklebt wurden. Durch den Regen verloren die Bögen jedoch schnell an Zugkraft. Sie gingen aus dem Leim.

Die Konsequenzen dieser Schlacht waren jedoch eindeutig. Otto I. hatte ein Heer aus Sachsen, Bayern, Schwaben, Franken und Böhmen erfolgreich gegen den äußeren Feind geführt. Dieser tauchte auch nie wieder auf und der König ging gestärkt aus den Turbulenzen hervor.

Vorzeitige Regelung der Thronfolge

Die persönlichen Erfahrungen mit dem Erbrecht motivierten Otto I. zu einer vorzeitigen Regelung seiner Thronfolge. Da sein beiden ersten Söhne nicht in Betracht kamen, rückte Otto II., der älteste Sohn aus der Ehe mit Adelheid von Burgund, auf.

Auch die Ehe dieses Thronfolgers wurde nicht dem Zufall oder gar der Liebe überlassen. Im Jahr 961 n. Christus gelang eine erfolgreiche Brautwerbung um Theophanu. Das war die Tochter des byzantischen Kaisers und damit die beste Partie ihrer Zeit.

Auf dem Hoftag zu Worms im selben Jahr erhob er seinen minderjährigen Sohn zum Mitkönig. Doch Otto I. klärte damit nicht nur dynastische Fragen. Vor allem brauchte er einen Stellvertreter, um mehr Präsenz im Reich zeigen zu können.

Denn während der Zeit der inneren Konflikte im deutschen Raum war der lehnspflichtige Berengar II. von Italien rebellisch geworden. Aber Otto I. hatte aus den Erfahrungen mit seinen Brüdern und dem ältesten Sohn Liudolf gelernt.

Mit Hilfe von seinem Sohn Otto II. gelang es ihm schließlich, die Ausübung der königlichen Herrschaft an das wachsende Reich anzupassen. Dies war auch dringend nötig, wollte er Italien nicht wieder verlieren.

Kaiserkrönung in Rom (962)

Der rebellische Berengar II. in Italien hatte sich offen gegen Otto II. gestellt und einige Gebiete überfallen. Darüber hinaus übte er militärischen Druck auf den Papst aus. Deshalb sandte Otto I. im Jahr 962 einen zweites Mal ein Heer nach Italien.

Militärisch konnte er sich binnen kürzester Zeit durchsetzen. Die Truppen von Berengar II. weigerten sich bei Pavia schlichtweg gegen den übermächtigen Otto I. zu kämpfen. Zum Dank für die Entlastung wurde er deshalb vom Papst zum ersten römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

Damit erneuerte Otto I. die Tradition der kaiserlichen Herrschaft, wie sie mit ihrem letzten westfränkischen Vertreter untergegangen war.