Iwan der Schreckliche

Zar Iwan IV. – „der Schreckliche“

Iwan der Schreckliche wurde am 25. August 1530 in einer Moskauer Residenz geboren. Er entstammte der einstmals schwedischen Wikinger-Dynastie der Rurikiden, die im 9. Jahrhundert das Fürstentum der Kiewer Rus gründeten.

Iwan der Schreckliche Gesicht
Rekonstruktion des Gesichtes von Zar Iwan dem Schrecklichen fotografiert von Shakko. (CC-BY-SA 3.0)

Innerhalb des einstigen Großreiches hatte sich im 14. Jahrhundert das Fürstentum von Moskau herausgebildet und war schließlich zur Führungsmacht im Verband der russischen Reiche geworden.

Iwan war Schreckliche selbst entwickelte sich dann bereits als junger Teenager zum souveränen Herrscher. Im Alter von nur 16 Jahren ließ er sich sogar zum ersten Zar von Russland krönen.

Innenpolitisch ging er mit dem Rückhalt durch seine Garde und Sondereinheiten sowie der Kirche brutal gegen die Bojaren, den hohen Adel, in seinem Reich vor.

Darüber hinaus trieb er der erste russische Zar auch die Expansion weiter voran. Iwan der Schreckliche erkämpfte einen Zugang zur Ostsee und besiegte auch das weiter östlich gelegene Khanat von Kasan endgültig.

Iwan der Schreckliche leistete bedeutende Beiträge für das Fundament der späteren russischen Großmacht. Seine Kriege waren jedoch so teuer, dass das Reich zunächst geschwächt aus seiner Herrschaft hervorging.

Aber vor allem blieb das Image von einem blutigen Schlächter. Neben Hinrichten befahl Iwan der Schreckliche auch zahlreiche Massenexkutionen. Darüber hinaus mordete er auch selbst im Affekt und erschlug persönlich seinen ältesten Sohn und Thronfolger.

Iwan Wassiljewitsch – der Vollwaise

Sohn von Großfürst Wassili III.

Der Vater von Iwan dem Schrecklichen, Großfürst Wassili III. Iwanowitsch, war ein machtvoller Politiker. Wie sein Vater Iwan III. der Große trieb er die russische Expansion um Moskau voran und eroberte beispielsweise die Stadt Smolensk im Jahr 1514.

Wassili  III.
Großfürst Wassilli III. von einem unbekannten Zeichner (gemeinfrei)

Vor allem aber legte sich Wassili III. auch mit dem hohen Adel, den sogenannten Bojaren, in seinem Reich an. Er nahm den Aristokraten einige Privilegien und schreckten auch nicht vor Verbannungen oder gar Hinrichtungen zurück.

Großfürst Wassili III. blieb jedoch lange kinderlos. Deshalb trennte er sich 1526 von seiner ersten Ehefrau und heiratete Helena Glinskaja.

Erst als Wassili III. schon 51 Jahre alt war, gebar ihm seine zweite Ehefrau mit Iwan IV. den lange ersehnten Nachfolger. Zwei Jahre später kam noch ein Bruder hinzu. Doch der alternde Großfürst starb bereits 1533 an den Folgen eines nicht behandelbaren Abszess an der Hüfte.

Regentschaft von Helena Glinskaja

Nach dem Tod von Wassili III. wurde sofort dessen Bruder und Thronanwärter Juri von Dmitrow in den Kerker geworfen und später auch ermordet. Dasselbe Ende ereilte auch einen Großonkel, der zwischenzeitlich eine Rolle spielte.

Helena Glinskaja
Rekonstruktion des Gesichtes von Helena Glinskaja fotografiert von Shakko. (CC-BY-SA 3.0)

Dafür wurde 1533 der damals erst drei Jahre alte Iwan IV. zum Großfürsten erhoben. Die Regentschaft übernahm stellvertretend seine Mutter, die dann erstmal recht öffentlich ihre Liebesaffären auslebte.

In politischer Hinsicht knüpfte Helena Glinskaja an den Kurs ihres verstorbenen Mannes an und konnte vor allem die territoriale Integrität des Reiches bewahren.

Darüber hinaus initiierte sie eine Münzreform. Das Großfürstentum Moskau wurde zu einem einheitlichen Währungsraum, was sich sehr förderlich auf die Binnenwirtschaft auswirkte.

Die Mutter von Iwan dem Schrecklichen war jedoch mit stetig wachsendem Widerstand seitens der Bojaren konfrontiert. Dann starb sie im Alter von nur 32 Jahren sehr überraschend.

Man geht deshalb davon aus, dass sie gezielt mit Gift beseitigt wurde. Die reale Kontrolle über den minderjährigen Großfürsten fiel in der Folge an ihre politischen Gegner

Herrschaft des Rates der Bojaren

Nach dem Tod von Helena Glinskaja am 04. April 1538 war Iwan IV. immer noch ein kleiner Junge und nun Vollwaise. Im Moskauer Kreml wurde er von der Außenwelt abgeschottet und zum Spielball mächtiger Bojaren.

Es etablierte sich ein Rat von Bojaren, der in zwei Fraktionen gespalten war. Zunächst konnte sich die Partei von Fürst Iwan Belski durchsetzen und dem Reich etwas Stabilität bringen.

1542 kam es jedoch zum Putsch. Belski wurde in den Kerker geworfen und anschließend ermordet. Der damals zwölf Jahre alte Iwan IV. wurde daraufhin zum Pfand von Fürst Andrei Schuiski, der die Persönlichkeit des Knaben offenbar völlig falsch einschätzte.

Griff zur Macht mit 13 Jahren

Mit 13 Jahren wurde Iwan der Schreckliche vom Hasen zum Wolf: Am 29. Dezember 1543 ließ er Andrei Schuiski einfach von der Palastwache ergreifen und ausgehungerten Jagdhunden zum Fraß vorwerfen.

Strelizen
Zeichnung eines russischen Strelizen (gemeinfrei)

Nach dem Tod der beiden Fraktionsführer im Rat der Bojaren konnte oder wollte sich aus dem Kreis der Aristokraten niemand mehr als Platzhirsch gegen Iwan IV. behaupten.

Der genaue Verlauf ist zwar nicht bekannt, jedoch konnte sich der junge Großfürst binnen etwa zwei Jahren als Monarch über das Moskauer Großfürstentum etablieren.

Eine wesentliche Rolle spielte wahrscheinlich der Rückhalt durch die Palast-Wache des Moskauer Kremls. Während seiner späteren Herrschaft baute Iwan der Schreckliche die Garde zu den sogenannten Strelizen aus.

Diese formal im Jahr 1550 gegründete Einheit wird gerne mit den römischen Prätorianern verglichen. Das ist im Detail nicht ganz treffend, wobei es durchaus interessante Parallelen gibt:

Die Strelizen hatten eigene Quartiere in Moskau, aber waren vor allem auch besser ausgebildet und bewaffnet als die Soldaten der Bojaren. Einen wesentlichen Beitrag zur individuellen Loyalität gegenüber den Zaren waren jedoch lukrative Vorrechte im Handel, die auch vererbt wurden.

Die Strelizen entwickelten sich deshalb langfristig zu einer eigenen und auch sehr korrupten Kaste. Sie wurden dann letztlich von Peter dem Großen im Jahr 1689 wieder zerschlagen.

Zar Iwan IV. der Schreckliche von Moskau

Krönung als erster Zar von Russland

Iwan dem Schrecklichen gelang es als jungem Teenager, sich als souveräner Großfürst gegen die Aristokratie durchzusetzen.

Wie bereits sein Vater genoss auch Iwan der Schreckliche die Unterstützung der Kirche. Am 16. Januar 1547 vom Moskauer Bischof zum ersten Zar von Russland krönen.

Ehe mit Anastassija Romanowna

Im Jahr seiner Zarenkrönung heiratete Iwan der Schreckliche mit Anastassija Romanowna eine große Liebe. Sie beruhigte sein Temperament und verschaffte damit auch dem Reich etwas Stabilität.

Aus der Ehe mit Anastassija Romanowna gingen sechs Kinder hervor. Sie starb jedoch relativ früh bereits im Jahr 1560. Anschließend war niemand mehr vor dem Blutdurst von Iwan dem Schrecklichen sicher.

  1. Anna (* 10. August 1549; † 20. Juli 1550), Prinzessin von Russland
  2. Maria (* 17. März 1551; † 1551), Prinzessin von Russland
  3. Dimitri (* Oktober 1552; † 6. Juni 1553), Zarewitsch von Russland
  4. Iwan (* 28. März 1554; † 19. November 1581), Zarewitsch von Russland
  5. Jewdokija (* 28. Februar 1556; † Juni 1558), Prinzessin von Russland
  6. Fjodor I. (* 31. Mai 1557; † 17. Januar 1598), Zar von Russland

Für die Nachwelt wurde Anastassija Romanowna jedoch erneut sehr bedeutet. Sie war die Tante des Ahnherren der zweiten Zaren-Dynastie, der Romanows, die von 1613 bis 1917 über Russland regierten.

Dank ihrer Ehe mit Iwan dem Schrecklichen aus dem Geschlecht der Rurikiden hatte man eine Verbindung der beiden Häuser, die eine Thronfolge in Person von Zar Michael I. rechtfertigte.

Sieg gegen das Khanat Kasan

Das Khanat von Kasan wurde 1437 östlich von Moskau gegründet und ging dabei aus der Erbmasse der Goldenen Horde hervor. Schon bald kam es zu Kämpfen mit den Russen.

Selbst das mächtige Nischni Nowgorod fiel schnell in die Hände der Tartaren. Der damalige Moskauer Großfürst Wassili II. geriet nach einer großen Schlacht sogar in Gefangenschaft und musste ein enormes Lösegeld bezahlen.

Tualer Kreml
Tulaer Kreml fotografiert von Aleksisn28. (CC-BY-SA 3.0)

Sein Nachfolger Iwan III. der Große war für den Rest des 15. Jahrhunderts mit den Kämpfen beschäftigt. Während der Zeit von Wassili III. kam es erneut zu kämpfen. Doch erst die Offensiven von Iwan dem Schrecklichen brachten eine finale Entscheidung.

Das Jahr 1551 verbrachte er mit intensiven strategischen Vorbereitungen. Dafür wurde beispielsweise in dem kleinen Ort Swijaschsk an der Wolga eine Basis errichtet. Von dort aus konnte man flusswärts in das feindliche Gebiet vordringen.

1552 griff Iwan der Schreckliche mit einer großer Streitmacht an. Zunächst nahm er die bedeutende Stadt Tula ein. Der Ort war stark mit einem Kreml, einem ummauerten Stadtkern, befestigt, aber konnte letztlich dennoch überrannt werden.

Ab dem 30. August belagerte der Zar die Hauptstadt Kasan in der heutigen Republik Tatarstan. Er schnitt den Ort von der Wasserversorgung ab und schoss die Verteidigungslinien mit 150 Kanonen sturmreif.

Der erfolgreiche Angriff auf Kasan am 02. Oktober war begleitet von Massakern an der Zivilbevölkerung. Anschließend wurde die gesamte Region annektiert.

Jenseits der Grenzen von Kasan lag das reiche Sibirien, ein weiteres Ziel des russischen Expansionsdranges. Zur Feier seines Sieges ließ Iwan der Schreckliche außerdem die prächtige Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau errichten.

Archangelsk – die „Erzengelstadt“

Im Jahr des Herrschaftsantritts von Maria Tudor starteten die Engländer eine Expedition zur Entdeckung einer Passage durch das Nordpolarmeer. Sie landeten am 24. August 1553 in bei Sewerodwinsk am Weißen Meer.

Archangelsk Karte
Archangelsk wurde unter Iwan dem Schrecklichen zum ersten russischen Handelshafen (Dr. Blofeld / gemeinfrei)

Iwan der Schreckliche empfing die Gesandten von Bloody Mary in Moskau und etablierte erste Handelsbeziehungen zwischen Russland und England.

Mit der Moskauer Kompanie wurde zwei Jahre später auch eine Handelsgesellschaft gegründet. Ab dem Jahr 1584 betrieb Russland dann mit Archangelsk seinen ersten Handelshafen.

Iwan der Schreckliche ließ dort auch eine zunächst hölzerne Festung sowie ein Kloster für den Erzengel Michael errichten. Darüber hinaus baute Iwan der Schreckliche die Stadt Wologda auf halber Höhe nach Moskau aus, um die Anbindung des Hafens zu verbessern.

Archangelsk, die „Erzengelstadt“, selbst wurde im Laufe der Jahrzehnte immer stärker gegen die schwedische Bedrohung aufgerüstet. Der Hafen verlor jedoch nach der Gründung von St. Petersburg durch Peter den Großen an der Ostsee im Jahr 1703 schnell an Bedeutung.

Beginn der Terrorherrschaft

Im Januar des Jahres 1558 griff Iwan der Schreckliche mit 40.000 Mann Livland an, um einen Zugang zur Ostsee zu erkämpfen. Der Erste Nordische Krieg hatte begonnen.

Elfenbeinthron Iwan der Schreckliche
Der Elfenbeinthron von Zar Iwan dem Schrecklichen fotografiert von Stan Shebs. (CC-BY-SA 3.0)

Im Mai gelang die Eroberung von Narva im heutigen Estland. Im Sommer fiel auch die Stadt Tartu. Daraufhin bildete sich eine defensive Allianz unter der Führung von Polen und der Krieg ruhte für einige Jahre.

Erst im Februar 1563 kam wieder Bewegung in die Situation. Iwan der Schreckliche konnte Polazk im heutigen Weißrussland einnehmen.

Während eines anstrengenden Marsches erschlug der Zar im Affekt den Fürsten Iwan Schachowskoi. Auf diesen Mord folgte eine Kette von weiteren Attacken insbesondere auf hohe Adelige.

Ab März 1563 begann die erste Welle an Exekutionen. Vor allem die Adelshäuser Adaschew und Scheremetjew verloren mehrere Mitglieder. Daraufhin kam es zu realen Verrat an dem blutrünstigen Herrscher.

Gründung der Opritschniki

Im Jahr 1564 lief Fürst Andrei Kurbski, der russische Oberbefehlshaber im Westen, zu Polen über. Daraufhin verdächtigte Iwan der Schreckliche auch weitere Teile der feudalen Adeligen des Verrats.

Daraufhin schuf er mit der Opritschnina eine Region, die nicht unter der Kontrolle eines Fürsten war, sondern direkt dem Zaren unterstand. Dort hob Iwan der Schreckliche neue Truppen aus, die vom niederen Dienstadel geführt wurden.

Diese Opritschniki waren ein Verband von etwa 1.500 Mann. Sie setzten sich aus loyalen Verbündeten, aber auch Söldnern zusammen. Schnell formten sie eine sehr schlagkräftige, aber auch gnadenlose Einheit.

Dazu gehörte mit Fjodor Basmanow auch der Liebhaber von Iwan dem Schrecklichen. Tolstoi schrieb zwei Jahrhunderte später:

„Es war ein junger Mensch von etwa zwanzig Jahren, von einer außergewöhnlichen Schönheit, die durch einen unangenehm dreisten Gesichtsausdruck stark beeinträchtigt wurde.“

Die Opritschniki richteten zahlreiche Massaker an, die Iwan der Schreckliche angeordnet hatte. Der Terror fand im Jahr 1568 seinen Zenit, doch das Morden hörte nicht so schnell wieder auf.

Im Jahr 1570 verdächtigte Iwan der Schreckliche die Stadt Nowgorod des Verrats und ließ sie einen Monat lang belagern. Anschließend kam es zu wochenlangen Übergriffen gegen die Bevölkerung, bei der mehrere tausend Menschen ihr Leben ließen.

Im weiteren Verlauf kamen es jedoch auch zu internen Angriffen und auch die Strelizen reagierten allergisch auf die Konkurrenz. Die Opritschniki mussten deshalb 1572 von Iwan dem Schrecklichen wieder aufgelöst werden.