Geschichte der Taktik (7) – Der römische Legionär

Der römische Legionär

Bereits früh nach der sagenhaften Gründung Roms im Jahr 753 v. Christus wurde ein militärischer Verband aufgestellt – die Legion. Ein Angehöriger dieser Einheit war „ein Auserwählter“ für den Kriegsdienst. Aus diesem Namen leitet sich die spätere Bezeichnung des schweren Linieninfanteristen ab – des römischen Legionärs.

Eine römische Zenturie in Kampfausrüstung auf dem Marsch.
Römische Linieninfanteristen in Marschformation (pixabay)

Die Einheit umfasste alle Kämpfer der Stadt im wehrfähigen Alter (18 bis 46 Jahre). Diese rüsteten sich zunächst auf eigene Kosten aus. Doch im Laufe von grob 500 Jahren entwickelte sich der römische Legionär vom kunterbunten Speerträger hin zum standardisierten Linieninfanteristen. Dieser verfügte über ein komplexes System an Fähigkeiten und war seiner Zeit weit voraus.

Darüber hinaus erdachten die alten Römer sehr anspruchsvolle Manöver, die bis hin zu amphibischen Operationen reichten. Die deutliche Überlegenheit der römischen Formationen gegenüber gängigen Taktiken der Epoche sicherte die militärische Expansion:

Die Regionalmacht in Mittelitalien entwickelte sich dank der römischen Legionäre zu einer kontinentalen Großmacht. Ein entscheidender Sieg der Marine im 1. Punischen Krieg öffnete schließlich auch das Mittelmeer und ebnete so den Weg zur Supermacht.

Mit der Heeresreform des Gaius Marius gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Christus entwickelte sich der römische Legionär schließlich zu dem herausragenden Soldaten der Antike. Unter Feldherren wie Caesar oder Trajan zeigten die Legionen ihre absolute Überlegenheit gegenüber den führenden Streitkräften ihres Zeitalters.

Karte des Gallischen Krieges
Der Gallische Krieg (ODbL)

Doch die militärischen Erfolge schufen letztlich ein überdehntes Imperium. Die Linien der Kommunikation wurden zu lang. Befehle aus Rom benötigten häufig mehrere Monate, bis sie ihr Ziel in entlegenen Provinzen erreichten. Dies führte schließlich zum strukturellen Niedergang des Reiches.

Das alte Erfolgskonzept des römischen Legionärs verwässert sich und wurde am Ende zum obsoleten Gedanken. Im Angesicht neuer Bedrohungslagen führte Kaiser Gallienus um 260 n. Christus eine Heeresreform durch. Berittene Großverbände wurden zumindest für Mitteleuropa zum Schlüssel der militärischen Strategie.

Doch im Winter 406 n. Christus überrannten Vandalen, Sueben und Alanen die geschwächte Reichsgrenze. Die Legionen konnten dem nichts mehr entgegen setzen. Innere Machtkämpfe hatten den Staat bereits zu stark geschwächt.

Im Jahr 486 n. Chr. ging das weströmische Reich unter und der römische Legionär verschwand endgültig aus Mitteleuropa. Gegen den Merowinger Chlodwig I. verlor der einstige Elite-Soldat seine letzten Kämpfe im Westen.

Kämpfer der alten Könige

Das alte Rom war in seiner Frühphase eine Monarchie. Beginnend mit dem sagenhaften König Romulus, der seinen Bruder Remus erschlug, entwickelte sich die etruskische Siedlung am Tiber zu einem wehrhaften kleinen Staat.

„So möge es jedem ergehen, der über meine Mauern springt!“

(Romulus nach dem Mord an Remus)

In der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Christus entstand dann die Legion mit zunächst drei Abteilungen à 1000 Mann an Hopliten. Diese eine Legion umfasste das gesamte militärische Potential von Rom. Die grundlegende Formation der Zeit war die Phalanx. Dabei bildeten die Kämpfer einen Schildwall und stachen dann mit langen Lanzen aufeinander ein.

Außerdem verfügte die Armee des kleinen Staates bereits über drei Abteilungen an Reitern à 100 Mann. Das Dienstalter für die Legion war vom 18. bis zum 46. Lebensjahr. Während die jüngeren Jahrgänge offensiv eingesetzt wurden, bemannten die älteren Legionäre die Stadtbefestigungen.

Diese gedankliche Trennung zwischen beweglichen Streitkräften und solchen Kräften, die der territorialen Absicherung dienten, behielten die alten Römer noch sehr lange bei. Im Zuge einer Stadterweiterung wurde dann auch die altrömische Legion relativ schnell in ihrer Soll-Stärke verdoppelt.

Steinschleuderer von den Balearen und andere Hilfstruppen von Verbündeten ergänzten die Fähigkeiten der jungen Armee. Mit der Integration dieser Auxiliartruppen legte die römische Armee noch während der Zeit der alten Könige eine weitere wichtige Tradition.

Soldat der römischen Republik

Der Begriff der römischen Legion wandelte sich während der Anfangszeit der Republik. Nach der sagenhaften Gründung im Jahr 509 v. Christus wurden nun unterschiedliche Verbände gebildet. Diese stellten jeweils eigenständige Legionen dar und schlugen sich bereits sehr erfolgreich.

Karte von Süditalien mit den Orten der beiden historischen Pyrrhussiege
Die Orte der beiden historischen Pyrrhussiege

Aber die römische Armee war noch keine Berufsarmee. Auch gab es in der Frühphase der Republik noch ganz unterschiedliche Arten des römischen Legionärs.

Die dienstpflichtigen Römer mussten sich nämlich selber ausstatten und wurde deshalb nach der Steuerschätzung (census) in bestimmte Waffengattungen eingeteilt.

Die Reichsten bildeten die römische Reiterei (equites). Der Mittelstand bildete die schwere Infanterie, das Herzstück einer antiken Armee. Jedoch war die schwere Infanterie der frühen Republik noch in drei unterschiedliche Waffenträger eingeteilt:

  • Die Hastati mit dem einfachen Ovalschild (Parma) und der Stoßlanze (Hasta). Das war eine schwere, bis zu 4 Meter lange Lanze für kraftvolle Stöße. Es handelte sich dabei eben nicht primär um eine Fern-, sondern um eine Nahkampfwaffe mit hoher Reichweite, die für den Kampf in einer Phalanx ausgelegt war.
  • Die Principes mit dem hochwertigen Rundschild (Scutum), der Stoßlanze (Hasta) sowie entweder dem Kurzschwert (Gladius) oder dem Langschwert (Spatha).
  • Die Triarier, die letzte Schlachtreihe, das Rückgrat der Schlachtordnung. Eine Elite-Einheit innerhalb der römischen Legionen, die aus besonders fähigen und erfahrenen Principes gebildet wurde.

Darüber hinaus waren schon damals die meisten römischen Legionäre auch mit einem Dolch (Pugio) ausgerüstet. Außerdem setzte die römische Legion bereits in der Frühphase der Republik auf den Einsatz von leichten Plänklern (Velites).

Niederlagen und Reformen

Aufgrund der römischen Expansionen und vieler Umwälzungen in der Gesellschaft geriet das System der Bürgermiliz im 2. Jahrhundert v. Christus zunehmend unter Druck. Vor allem die Unterschicht musste leiden. Erste politische Änderungen wurden unter den Volkstribunen Tiberius Gracchus und Gaius Gracchus ab etwa 130 v. Christus angestoßen.

In den Jahren 105 und 102 v. Christus kam es dann zu verheerenden Niederlagen gegen die Kimbern und Teutonen. Das waren germanische Stämme, die in Südfrankreich und Norditalien einfielen.

Diese Niederlagen gelten in der Forschung als Auslöser für die Heeresreform des Gaius Marius. Dabei handelte sich jedoch nicht um eine einheitliche Reform nach modernen Vorstellungen, die von jetzt auf gleich umgesetzt wurde.

Vielmehr handelte es sich um eine Phase des konstanten militärischen und gesellschaftlichen Druckes. Über einige Jahrzehnte hinweg veränderte sich der römische Legionär fundamental und entwickelte sich dabei zur imperialen Speerspitze.

Linieninfanterie vom Reißbrett

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Im Zuge der „Heeresreform“ kam es zu zahlreichen operativen Änderungen sowie neuen Möglichkeiten im Bereich der  Strategie.

Dies konnte jedoch nur gelingen, weil ein einheitlicher, hybrider Soldat wie am Reißbrett konzipiert wurde. Die Stärken der bisherigen Typen des römischen Legionärs wurden unter der Verantwortung einzelner Generäle in einem Konzept zusammengeführt:

  • Von den Velites erhielt der Legionär die Wurfspeere – die Pila.
  • Von den Principes erhielt er den großen Rundschild (Scutum) und das Kurzschwert (Gladius).
  • Von den Veteranen erhielt er die Ausbildung und die Erfahrungswerte.

Der römische Legionär war nun für alle Phasen eines Kampfes gewappnet. Der einzelne Soldat verfügte über bis zu vier Wurfspeere, war aber auch schwer gepanzert und konnte in der Phalanx kämpfen.

[…] nicht schlagend, sondern stechend zuzustoßen. […] schlagend Kämpfende [werden] nicht nur leicht besiegt, sondern sogar verlacht. Ein Stich, wenn er tief genug ist, trifft ins Leben.“

(Vegetius, Epitoma rei militaris: I 12, 1.)

So konnten der einzelne Soldat sowie auch ganze Einheiten sehr viel flexibler eingesetzt werden. Dadurch öffnete sich die Tür für weitere Fortschritte bei der militärischen Taktik.

Darüber hinaus erhielt der römische Legionär eine durchdachte Rüstung. Vor allem der Helm erwies sich dabei als ein besonders hoch entwickeltes Element des Körperschutzes.

Schola Gladiatoria – Historical European Martial Arts (HEMA)

(Website / Wikipedia / YouTube)

Erfolge gegen Barbaren

Aufgrund der militärischen Erfolge sowie der Expansion war es dem antiken Rom auch gelungen, hochwertige Erzquellen zu erschließen. Ein zentrales Beispiel ist das Ferrum Noricum – der Norische Stahl – aus dem heutigen Österreich. Dieses ausgezeichnete Material sollte beispielsweise Gaius Julius Caesar im Gallischen Krieg besondere Dienste leisten.

Er berichtete, dass die keltischen Krieger nur über minderwertige Eisenwaffen verfügten. Diese verbogen schnell im Kampf, so dass sich die jeweiligen Krieger aus der Schlacht zurückziehen mussten. Dann klopften sie erstmal ihre Klingen mit Hämmern wieder gerade. Erst nach einer solchen Zwangspause konnten sie weiter kämpfen.

Darüber hinaus profitierten die Legionen sehr vom Zusammenspiel unterschiedlicher Waffengattungen. Sowohl bei Belagerungen wie auch bei Feldschlachten wurden Katapulte und Ballisten eingesetzt.

Innerhalb weniger Jahrhunderte dehnte sich das römische Reich über den gesamten Mittelmeerraum und bis nach Schottland aus. Im Osten drangen sie bis Kuwait vor. Doch der große militärische Erfolg der römischen Legionäre bereitete in doppelter Hinsicht den Untergang des Reiches vor.

Imperiale Überdehnung

Durch die vielen Eroberungen der römischen Legionäre wurden wichtige Generäle immer einflussreicher. Schließlich geriet sogar die gesamte politische Architektonik des Reiches aus den Fugen. Zahlreiche Soldatenkaiser konnten sich erheben, doch sie stürzten das Imperium letztlich ins Chaos.

Auch die Reform von Kaiser Diokletian konnte dem Verfall nicht dauerhaft entgegenwirken. Die Legionen bestanden um 300 n. Christus nur noch aus 1.000 bis 2.000 Kämpfern. Der römische Legionär, als durchdachter Idealtyp eines schweren Infanteristen, geriet im Zuge des imperialen Niedergangs aber noch aus einem weiteren Grund verloren:

Der Bedarf an Hilfstruppen war immer größer geworden. Damit wuchs auch der Einfluss von anderen Kämpfertypen. Eine reichsweit einheitliche Ausstattung der römischen Legionäre konnte schließlich gar nicht mehr gewährleistet werden.

Leben eines römischen Legionärs

Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das individuelle Leben der römischen Legionäre sehr stark. Gemeint ist jedoch meist die Blütezeit in der frühen und hohen Kaiserzeit.

Organisation der römischen Armee

Die kleinste Einheit der Armee war eine Zeltgemeinschaft von acht römischen Legionären – das Contubernium. Sie teilten sich Werkzeuge für handwerkliche Tätigkeiten sowie auch ein Maultier für Lasten. Dieses wurde von einer neunten Person, dem Treiber (Mulio), geführt.

Der Zeltgemeinschaft stand der dienstälteste Legionär vor. Die übergeordneten Verbände der Infanterie waren:

  1. Zenturie (etwa 80 Legionäre)
  2. Kohorte (480 bzw. 800 Legionäre)
  3. Legion (ca. 5000 Legionäre)

Bei Soll-Stärke verfügte eine Legion über zehn Kohorten. Dabei gab es eine Besonderheit: Die 1. Kohorte war mit 800 römischen Legionären bewusst größer gefasst als die übrigen Verbände. Dies erleichterte die taktische Schwerpunktbildung auf dem Schlachtfeld.

Training des Rekruten

Bevor Rekruten zu römischen Legionären wurden, mussten sie zunächst ein Training von drei Monaten durchstehen. Dieses war vor allem von körperlich sehr anstrengenden Aufgaben geprägt.

Die Rekruten mussten Gewaltmärsche mit schwerem Gepäck absolvieren. Darüber hinaus trainierten sie den Nahkampf mit spezieller Ausrüstung. Diese Trainingswaffen waren deutlich schwerer als das echte Material.

Das Training selbst wurde von professionellen Ausbildern geleitet. Dabei handelte es sich entweder um Veteranen, Vorgesetzte oder auch um Trainer aus Schulen für Gladiatoren.

Zunächst wurde das Werfen von Spießen und der Einsatz des Schwertes gegen Holzpfähle geübt. Danach folgten Trainingskämpfe mit stumpfen Waffen.

Grundsätzlich lag die Verantwortung für die Ausbildung jedoch beim jeweiligen Legaten oder Oberbefehlshaber. Deshalb zeigten die römischen Legionäre teils starke Schwankungen bei ihrer tatsächlichen Qualität.

Munera – schwerer Dienst

Ein römischer Legionär erhielt zu Beginn seiner 16- oder 25-jährigen Dienstzeit die standardisierte Ausrüstung. Die Kosten hierfür wurden ihm vom Sold abgezogen:

  • Kettenhemd oder Schuppenpanzer
  • Helm mit Wangen- und Nackenschutz
  • Großer, rechteckiger Turmschild
  • Kurzschwert (Klingenlänge: 50 cm)
  • Dolch (Klingenlänge: 25 bis 30 cm)
  • 1x schwerer und 3x leichter Wurfspeer

Ein wichtiger Unterschied war darüber hinaus die Trennung der Soldaten in kampfbereite und marschbereite Legionäre:

  • Miles Expeditus nur Waffen und Rüstung (etwa 30 kg)
  • Miles Impeditus mit Marschgepäck (etwa 50 kg)

Neben seiner Rolle als Kämpfer in der Schlacht musste der römische Soldat vor allem schweren Dienst leisten. Unter dem Begriff der munera wurden die körperlich anstregenden Arbeiten in der römischen Armee zusammen gefasst.

Diese Tätigkeiten reichten vom Bau von Straßen oder Befestigungsanlagen bis hin zum Schrubben der Latrinen. Darüber hinaus mussten die Soldaten ihr Material selbst reparieren und auch kochen. Für solche Tätigkeiten erhielt der römische Legionär den einfachen Sold.

Arbeit als spezialisierter Immunes

Römische Legionäre, die sich durch besondere Begabungen oder Fähigkeiten hervortaten, wurden in den Rang eines Immunes befördert. Das waren Spezialisten, die für besondere Aufgaben vom schweren Dienst befreit wurden, wie beispielsweise:

Ärzte, Baumeister, Geschützbedienungen, Landvermesser, Pfeilmacher,  Rechnungsführer, Sanitäter, Schmiede, Schreiber oder Steinmetze

Diese Immunes erhielten auch nur den einfachen Sold. Sie hatten keine Befehlsgewalt. In der Gegenwart entspricht das etwa dem Rang eines „Gefreiten“.

Die elitären Angehörigen der Prätorianer-Garde waren ebenfalls vom schweren Dienst freigestellt. Sie erhielten jedoch anderthalbfachen Sold und waren damit höher gestellt als Immunes.

Unteroffizier der Legion

Kampfausrüstung eines römischen Legionärs sowie diverse Helme mit Helmbusch (Crista)
Ausrüstung römischer Legionäre verschiedener Ränge (pixabay)

Die Ränge der Unteroffiziere wurden bei den römischen Legionären als Principales bezeichnet. In einer Legion der frühen Kaiserzeit gab es bei Sollstärke etwa 480 solcher Positionen (von etwa 5.000). Diese Principales erhielten mehrheitlich den eineinhalbfachen Sold.

Unter Kaiser Hadrian wurde die Zeltgemeinschaft auf zehn römische Legionäre erhöht. Der dienstälteste Soldat wurde zum Decanus ernannt, womit diese Position erstmals einen leitenden Rang hatte.

In der formalen Hierarchie der Unteroffiziere hatten die Träger von Standarten und Symbolen die höchsten Stellungen inne:

  • Der Signifer trug das Feldzeichen der Zenturie.
  • Der Aquilifer trug den Legionsadler.
  • Der Imaginifer trug ein Bildnis des Kaisers.

Weiterhin gab es zahlreiche Verwaltungspositionen wie das Sekretariat oder die Buchhaltung der Legion. Mit dem Tesserarius verfügte jede Zenturie darüber hinaus über einen Wachoffizier. In der Gegenwart entspricht dieser Rang etwa einem „Feldwebel“.

Darüber hinaus hatte der Stellvertreter des Zenturios, der Optio, natürlich ebenfalls ein leitenden Rang. Er erhielt auch bereits den doppelten Sold. Die Funktion dieses Ranges entspricht nach modernem Verständnis bereits einem „Leutnant“. Dennoch war der Optio in der formalen Hierarchie der unterste der Principales.

Ave, Centurio!

Ein Centurio oder eingedeutscht „Zenturio“ war der „Hauptmann“ einer Hunderschaft von römischen Legionären. Er war das Bindeglied zwischen den adeligen Stabsoffizieren (Legat und Tribune) und den einfachen Mannschaften in der römischen Armee.

Während die kommandierende Ebene einen aristokratischen Hintergrund hatte, kannten die Zenturionen die Welt der einfachen Legionäre. Ursprünglich waren sie sogar aus den Reihen gewählt worden. In der Kaiserzeit wurden sie jedoch von ihren Befehlshabern ernannt.

Mit der Beförderung zum Zenturio wurde häufig auch die Dienstzeit verlängert oder sogar entfristet. Die Angehörigen dieser Ränge galten als besonders hart und loyal. Sie kämpften Seite an Seite mit ihren Legionären und leisteten in schweren Schlachten wie bei Alesia oft den höchsten Blutzoll.

Da es in der römischen Armee eine Hierarchie unter den Einheiten gab, fanden sich auch Abstufungen innerhalb der Zenturionen einer Legion. Die höchste Position war der Befehl über die 1. Zenturie der 1. Kohorte.

Dieser Primus Pilus erhielt häufig auch erhebliche Zuwendungen. In der Regel konnte ein römischer Legionär diesen Rang auch erst in seinem letzten Jahr im aktiven Dienst erreichen. Zu seinen besonderen Aufgaben gehörte neben der Beratung des Legaten auch der Schutz des Legionsadlers.

Für den Posten war ein Mindestalter von 50 Jahren notwendig. Die Entlassungsprämie für einen Primus Pilus betrug eine halbe Million Sesterze. Nach dem Militärdienst erfolgte daher häufig auch der Aufstieg in den Adelsstand als römischer Ritter.

Praefectus Castrorum

Doch den denkbar höchsten Rang, den einfacher römischer Legionär im Laufe seiner Karriere erreichen konnte, war die Position des Praefectus Castrorum.

Dabei handelte es sich um den dritthöchsten Offizier einer römischen Legion. Dieser Posten entspricht etwa dem Rang eines „Oberst“. Dabei handelte es sich um ein Amt, das nur temporär besetzt wurde und an Bedingungen gekoppelt war:

Die Legion musste sich im Lager befinden und der kommandierende Legat sowie sein stellvertretender Tribun mussten abwesend sein. Unter diesen Umständen wurde der Befehl an einen Praefectus Castrorum übergeben – letztlich konnte es so ein einfacher römischer Legionär bis zum Kommandeur einer ganzen Legion bringen.

Doch ein Praefectus Castrorum durfte den Verband nicht ins Gefecht führen. Während des Aufstandes unter Boudicca führte diese Regel beinahe zur Katastrophe. Der Praefectus Castrorum der Legio II Augusta in Exeter verweigerte den Befehl, gegen die Aufständischen auszurücken.

So konnten nur etwa 10.000 römische Legionäre tatsächlich eingesetzt werden. Diese mussten sich in der Schlacht an der Watling Street dem Ansturm von angeblich etwa 80.000 Stammeskriegern stellen. Die Geschichte ging aus römischer Sicht jedoch gerade noch gut aus.

Die etwa 10.000 römischen Legionäre konnten sich unter dem Befehl von Gaius Suetonius Paulinus behaupten. Nach einer taktisch überragenden Abwehrleistung, gingen die Legionäre während der Schlacht sogar zum Gegenangriff über und zerschlugen die keltische Rebellion an diesem Tag.

Evocatus – der Veteran

Die römischen Legionäre entwickelten eine hohe Bindung an ihre Kommandeure. Nach erfolgreichen Feldzügen wurden sie häufig mit Land belohnt und dabei gezielt in bestimmten Regionen angesiedelt. So bildeten sie häufig auch nach ihrer Dienstzeit eine militärische Reserve.

In der römischen Legion etablierte sich deshalb früh der Evocatus – der Veteran. Dabei handelte es sich um einen ehemaligen Legionär, der freiwillig in den Dienst zurückkehrte.

Die Evocati waren vom schweren Dienst befreit und wurde häufig für besondere Aufgaben eingesetzt. Darüber hinaus konnten sie an ihre alte Karriere anknüpfen und auch noch befördert werden.

Vor allem bei beliebten Kommandeuren meldeten sich viele Evocati zum Dienst. Deshalb bildeten sie gerade für aufsteigende Machthaber einen wichtigen Rückhalt innerhalb der Truppen. Sie stellten somit auch einen politischen Faktor dar und waren beispielsweise für Cäsar sehr wichtig.