Englische Könige

Englische Könige und ihre Häuser

Das Königreich England blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück. Ursprünglich lebten Kelten auf den britischen Inseln. Nach der Eroberung durch Kaiser Claudius im Jahr 43 n. Christus setzte jedoch schnell die Romanisierung ein. Diese erfasste zwar nicht ganz Britannien, doch prägte das Kernland entscheidend.

Eingang des Buckingham Palace
Buckingham Palace – heutiger Sitz der britischen Könige (pixabay)

Als das Römische Reich zerfiel, wurden die verbliebenen Truppen etwa 440 n. Christus zurückgerufen. Bereits wenige Jahre später begannen germanische Verbände der Angeln und der Sachsen zunächst die Küstengebiete und dann das Hinterland zu besetzen.

Das heutige England war im frühen Mittelalter ein politischer Flickenteppich. Sieben angelsächsische Königreiche (Heptarchie) existierten nebeneinander her. Erst die gemeinsame äußere Bedrohung durch die Wikinger führte zur Entstehung der Idee von einem „Königreich England“.

Geschichte des englischen Königreiches

Englands Entstehung unter den Angelsachsen

Die Herrschaft der Könige von England geht auf das Haus Wessex zurück. Das waren die Anführer der Westsachsen im heutigen Somerset. Cerdic aus dem frühen 6. Jahrhundert war der Stammvater dieser Königslinie.

Wyvern of Wessex
Wyvern of Wessex – das Wappentier von Haus Wessex (Zeichner: Hogweard / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Doch die Liste der englischen Könige beginnt erst mit Egbert von Wessex. Dieser lebte zeitweise am Hofe von Karl dem Großen und regierte ab 802. Egbert eroberte zunächst Cornwall und besiegte dann den König von Mercien, der im Zentrum der Insel herrschte.

Unter Æthelwulf, dem zweiten König von England, expandierte das Reich nach East Anglia, Sussex und Essex. In dessen Nachfolge traten seine vier Söhne nacheinander in diese Fußstapfen:

  1. Æthelbald war König von 855 bis 860. Er kam an die Macht, weil er den Vater während dessen Pilgerreise nach Rom stürzte. Nach der Rückkehr wurden die neuen Verhältnisse vom Vater allerdings anerkannt. Æthelbald starb jedoch ohne eigene Erben.
  2. Æthelberht war König von 860 bis 865 und erlebte den Auftakt der Wikinger-Einfälle. Während seiner Regierungszeit plünderte Ragnar Lodbrok in den angelsächsischen Landen. Er verstarb wie sein älterer Bruder kinderlos.
  3. Æthelred I. war König von 865 bis 871 und kämpfte gegen das Große Heidnische Heer unter Halfdan Ragnarsson. Er starb ohne einen volljährigen Erben in der Schlacht von Merton.
  4. Ælfred der Große war König von 871 bis 899 und übernahm den Kampf gegen die Wikinger. Er führte militärische Reformen durch und konnte die angelsächsischen Lande konsolidieren. Erst unter seiner Führung entstand die Vision vom Königreich England. Doch entscheidender war, dass Alfred der Große ein stehendes Heer mit zahlreichen befestigten Standorten aufgebaut hatte, um das Reich zu sichern.

In den folgenden Jahrhunderten und dann nach der Besetzung von 1066 konnte das Königreich England immer weiter expandieren. Hinzu kamen aufgrund des normannischen Erbes von Wilhelm dem Eroberer auch Gebiete in Frankreich.

Unter König Edward I. kam es gegen Ende des 13. Jahrhunderts dann zur Expansion der Engländer nach Schottland und Wales. Zur Vereinigung dieser Königreiche kam es jedoch erst in der Neuzeit.

Gründung des Königreiches Großbritannien

Das Königreich England existierte in der Folge bis zum Act of Union im Jahr 1707. Unter der Führung der englischen Königin Anne kam es nun auch zur formalen Vereinigung mit dem Königreich von Schottland.

Union Jack - die Flagge des Königreiches Großbritannien
Flagge des Königreiches von Großbritannien (pixabay)

Fortan waren die englischen Könige nun als britische Monarchen die Herrscher des Königreiches von Großbritannien. Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen war es in diesem Jahr gelungen, das schottische Parlament von der Vereinigung zu überzeugen. Dafür waren jedoch auch hohe Bestechungsgelder an Abgeordnete geflossen.

Die vereinten Flaggen von England und Schottland im Union Jack wurden nun endgültig zum Banner des Königreiches. Dabei kombinierte man das rote Georgskreuz der Engländer mit dem blauen Andreaskreuz der Schotten.

Als britische Könige regierten die Herrscher fortan ein vereinigtes Königreich. Inzwischen war es eine maritime Supermacht mit einem Kolonialreich, in dem die Sonne nie unterging. Erst die Phase der globalen Dekolonisation im 20. Jahrhundert sowie die Schulden aus dem Zweiten Weltkrieg führten zum Niedergang der einstigen Weltmacht.

Englische Königshäuser (Liste)

Die Idee eines Königreiches von England entstand unter dem militärischen Druck der Wikinger seit dem Beginn des 9. Jahrhunderts. Doch bereits 400 Jahre früher wurden die britischen Inseln von einfallenden Angelsachsen übernommen.

Romano-britische Legenden: Vortigern und Artus

Der Begriff „Angelsachsen“ steht als Oberbegriff für ursprünglich germanische Krieger wie Jüten und Friesen. Diese plünderten bereits ab dem 3. Jahrhundert als Piraten in Britannien.

Nach dem Fall der römischen Rheingrenze unter dem Druck der Vandalen wurden die verbliebenen Legionen aus Britannien abgezogen. In der Folge kam es zu ersten dauerhaften Besetzungen im Bereich der Kanalküste, der sogenannten Sachsenküste.

Der Legende nach spielte eine Einladung des romano-britischen Königs Vortigern hierbei eine besondere Rolle. Um 440 n. Christus soll er die beiden sächsischen Anführer Hengest und Horsa gerufen haben, um einen inneren Feind zu besiegen. Diese kamen dann, um zu bleiben.

Noch Jahrzehnte nach dem Fall des Römischen Reiches im Westen sammelte sich in Britannien ein finaler Widerstand der romanisierten Kelten gegen die einfallenden Germanen. Mit Ambrosius Aurelianus fanden sie um 500 n. Christus einen letzten großen Anführer.

Dieses historische Vorbild für den legendären König Artus führte die Romano-Briten zu einem letzten großen Sieg in der Schlacht am Mons Badonicus. Es können zwar weder der Ort noch das Datum der Auseinandersetzung genau bestimmt werden. Die Forschung geht jedoch von einer darauffolgenden Friedensphase aus.

Doch der Frieden war brüchig und die Germanen waren militärisch stärker. 577 n. Christus wurde eine Armee von keltischen Kriegern aus dem Stamm der Bretonen in der Schlacht von Deorham vernichtend geschlagen. Die Herrschaft der angelsächsischen Klein-Könige hatte nun endgültig begonnen.

Haus Wessex und Heptarchie (802 bis 1066)

Das Haus Wessex war eine angelsächsische Königslinie aus dem Süden von England. Ihr Wappen war der Goldene Wyvern of Wessex. Ihr Stammvater Cedric regierte bereits seit 519 n. Christus im heutigen Somerset.

In den folgenden Jahrhunderten behaupten sie sich als Königsgeschlecht und expandierten im Süden von England. Dabei gerieten sie unter den Einfluss von christlichen Missionaren. Währenddessen bildeten sich sieben angelsächsische Königreiche heraus, die Heptarchie:

  1. Essex
  2. Sussex
  3. Wessex
  4. Kent
  5. East Anglia
  6. Mercia
  7. Northumbria

Unter König Egbert wurde Wessex zur führenden Macht unter den sieben angelsächsischen Königreichen. Dieser Kern des heutigen England reichte von Land’s End in Cornwall bis zur Themse. Im geographischen Zentrum lag die damalige Hauptstadt Winchester.

Doch bereits 793 n. Christus hatte mit der Plünderung des Klosters von Lindisfarne die Zeit der Wikinger-Einfälle begonnen. Ab 866 n. Christus eroberte das Große Heidnische Heer der Dänen zunächst den Osten des heutigen England. Von dort aus stießen sie unter der Führung von Guthrum weiter ins Landesinnere vor.

Doch Alfred der Große konnte den Dänen nach zahlreichen Kämpfen in der Schlacht bei Edington die entscheidende Niederlage zufügen. Der Dänen-König Guthrum musste um Frieden ersuchen und ließ sich in der Folge taufen. Anschließend kam es zu einer Aufteilung der Gebiete.

Alfred konzentrierte die verbliebenen angelsächsischen Territorien unter seiner Führung. Das Königreich England war entstanden und wurde durch die Gründung zahlreicher Klöster auch kulturell gefestigt.

Doch bereits unter Eduard dem Älteren, einem Sohn Alfreds, kam es wieder zu Kämpfen gegen die Wikinger. 1013 gelang dem dänischen König Sven Gabelbart sogar die Eroberung von England. Er verstarb jedoch bereits im folgenden Jahr.

Schließlich war Harald II. der letzte König der Angelsachsen in England. Dieser unterlag in der entscheidenden Schlacht bei Hastings gegen eine neue Bedrohung, die Normannen.

Normannische Herrschaft (1066 bis 1154)

Die Normannen waren Nachfahren der Wikinger. Sie hatten im fränkischen Reich zunächst geplündert, sich dann niedergelassen und waren 911 n. Christus offiziell aufgenommen worden. Nur etwa 150 Jahre später brachen sie erneut zu einem Eroberungszug auf.

White Tower in London
White Tower of London – Sitz der normannischen Könige (pexels)

Wilhelm dem Eroberer, Herzog der Normandie, stach im Jahr 1066 mit etwa 7.000 Mann in See, um das Königreich England zu erobern. In der Schlacht bei Hastings gelang ihnen der Sieg gegen König Harald II. und seine angelsächsischen Verteidiger.

Die Normannen rückten anschließend schnell auf London vor. In der Westminster Abbey ließ sich der Herzog der Normandie am 25. Dezember 1066 zum König von England krönen. Doch er musste die geringe Zahl seiner Männer kompensieren.

Deshalb begannen die Normannen sofort mit dem Bau von Burgen. Diese stellten damals eine hochentwickelte Fortifikation dar, die sehr einfach mit den ebenfalls neu entwickelten Armbrüsten verteidigt werden konnte:

  • Hölzerne Motten
  • Steinerne Keeps

Das bekannteste Beispiel war der White Tower in London. Dessen Bau begann noch im Jahr 1066 auf den Resten der alten römischen Stadtmauer. In wenigen Jahrzehnten wurden dann noch weitere 500 Burgen von den Normannen errichtet. Darunter waren auch so prominente Beispiele wie Dover Castle und Windsor Castle.

Darüber hinaus begann der neu gekrönte König Wilhelm I. von England umgehend mit der herrschaftlichen Durchdringung des eroberten Reiches. Mit lukrativen Angeboten lockte er zunächst weitere Normannen ins Land.

Im Jahr 1086 kam es dann zur Erfassung der wirtschaftlichen Güter im Domesday Book. Hierfür schickte der König zahlreiche Gesandte aus, die den Grundbesitz wie auch die männliche Bevölkerung systematisch erfassten.

Mit dem Domesday Book erhielt das englische Königreich erstmals eine einheitliche Verwaltung. Diese diente vor allem der Steuererhebung wie auch der Erfassung von Wehrpflichtigen. Zugleich wurde die Machtbasis des neuen Adels gelegt.

Haus Anjou-Plantagenêt (1154 bis 1399)

Unter den Nachkommen des normannischen Eroberers brach 1135 ein Erbfolgekrieg aus. Der Konflikt ist bis heute als „The Anarchy“ bekannt. Diese Auseinandersetzung konnte eine französische Adelslinie gewinnen, das Haus Anjou-Plantagenêt.

Plantagenêt ist jedoch ursprünglich nur ein Beiname von Graf Gottfried von Anjou. Dieser trug einen Ginsterzweig (frz.: plante genêt) als Helmschmuck. Deshalb wird dieses Königshaus in Anlehnung an den eigentlichen Familiennamen des Gechlechts auch als angevinische Dynastie bezeichnet.

Caernarfon Castle an der walisischen Küste
Der englische König Edward I. errichtete Caernarfon Castle in Wales. (pixabay)

In der Hauptlinie regierten die Anjou-Plantagenêts dann bis 1399 als Könige von England. Das Geschlecht führte sehr viele Kriege und versuchte stets, das Einflussgebiet zu vergrößern.

Ab 1169 begann die normannische Eroberung von Irland. Diese zog sich jedoch bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts hin. Es konnten sich allerdings einige Gebiete vor allem in den Regionen Ulster und Munster unter irischer Kontrolle erhalten. Aber auch die englischen Lords in Irland widersetzten sich der Zentralgewalt. Es kam schon damals zu zahlreichen Rebellionen der Iren gegen die Engländer.

Unter der Führung von König Richard Löwenherz beteiligte sich England auch an den Kreuzzügen in das Heilige Land. Doch sein intriganter Bruder Johann Ohneland führte die englische Monarchie in dieser Zeit in eine schwere Krise.

Er beging Verrat während sich Richard auf dem Dritten Kreuzzug befand. In der Folge kam es in England zu einem Bürgerkrieg. An dessen Ende konnten die Barone des Landes im Rahmen der Magna Charta von 1215 mehr Rechte gegenüber dem König durchsetzen.

Gegen Ende des Jahrhunderts kämpfte König Edward I. für die alleinige Herrschaft der Engländer über die britische Hauptinsel. Das bis dato weitgehend autonome Wales wurde in zwei Feldzügen bis 1283 erobert.

Zur Besetzung des unwegsamen Landes knüpfte der englische König an die normannische Tradition an. Er ließ durch den Baumeister James of St. George einen Ring von Burgen errichten, um die Waliser auf ewig zu binden:

  • Aberystwyth Castle – Baubeginn 1277
  • Builth Castle – Baubeginn 1277
  • Flint Castle – Baubeginn 1277
  • Rhuddlan Castle – Baubeginn 1277
  • Caernarfon Castle – Baubeginn 1283
  • Conwy Castle – Baubeginn 1283
  • Harlech Castle – Baubeginn 1283
  • Beaumoris Castle – Baubeginn 1295

Die Schotten hatten jedoch mehr Glück. Unter der Führung von William Wallace gelang ihnen 1297 in der Schlacht bei der Brücke von Sterling ein Befreiungsschlag gegen den englischen König.

Der schottische König Robert the Bruce konnte den ersten Unabhängigkeitskrieg in der Schlacht von Bannockburn von 1314 schließlich sogar zu einem erfolgreichen Ende gegen den inzwischen regierenden König Edward II. führen.

Dessen Nachfolger König Edward III. erhob Anspruch auf den französischen Thron und löste damit den Hundertjährigen Krieg aus. Mit der Schlacht bei Crécy von 1346 gelang dem englischen König zwar ein großer Sieg in der Frühphase der Auseinandersetzung.

Doch letztlich sollte das Königreich unter den Plantagenêts fast alle Besitzungen in Frankreich verlieren. Nur die Stadt Calais blieb noch bis 1558 in englischer Hand.

Mit König Richard II. regierte ein letzter Herrscher aus der Hauptlinie der Plantagenêts. Nach dessen Tod rangen zwei Nebenlinien um die Nachfolge auf dem englischen Thron, die Häuser Lancaster und York.

Häuser Lancaster und York (1399 bis 1485)

Nach der Herrschaft der Anjou-Plantagenêts, kam es zu einem wechselvollen Ringen zweier Nebenlinien. Dieser Streit um die Erbfolge ging als Rosenkrieg in die Geschichte ein. Der Name entstand durch die rote Rose im Wappen des Hauses Lancaster und der weißen Rose des Hauses York.

Bis 1485 stellten die Häuser Lancaster und York im mehrfachen Wechsel die Könige von England. Zwischen Heinrich VI. und Edward IV. wurde die Auseinandersetzung besonders blutig. In diese Zeit fällt beispielsweise die Schlacht von Towton am 29. März 1461:

  1. König Heinrich IV. von 1399 bis 1413 (Haus Lancaster)
  2. König Heinrich V. von 1413 bis 1422 (Haus Lancaster)
  3. König Heinrich VI. von 1422 bis 1461 (Haus Lancaster)
  4. König Edward IV. von 1461 bis 1470 (Haus York)
  5. König Heinrich VI. von 1470 bis 1471 (Haus Lancaster)
  6. König Edward IV. von 1471 bis 1483 (Haus York)
  7. König Edward V. im Jahr 1483 (Haus York)
  8. Richard III. von 1483 bis 1485 (Haus York)

Haus Tudor (1485 bis 1603)

Am 22. August 1485 besiegte der Waliser Harri Tewdwr, Earl of Richmond, aus dem Haus Lancaster die Yorkisten in der Schlacht von Bosworth Field. Der englische König Richard III. wurde während des Gefechts umzingelt und getötet.

Als König Heinrich VII. bestieg Henry Tudor daraufhin den Thron von England. Damit war er auch der letzte König in der englischen Geschichte, der durch einen militärischen Sieg an die Macht kam.

Wenige Monate später heiratete er Elisabeth von York. Mit dieser Vermählung von Nachkommen aus den beiden Nebenlinien der Plantagenêts endete auch der Rosenkrieg. Das Paar gründete dafür eine neue Königslinie, das Haus der Tudors. Sie vereinigten auch die rote und die weiße Rose in einem neuen Wappen zur Tudor-Rose.

König Heinrich VII. erwies sich auch in anderen Fragen als ein weitsichtiger Herrscher. Er sanierte die Staatsfinanzen und schloss Bündnisse mit Schottland, Spanien und dem Heiligen Römischen Reich.

Doch 1509 bestieg mit seinem Sohn Heinrich VIII. der wohl bekannteste Tudor den Thron von England. Die besondere Leistung des ersten englischen Königs der Renaissance war ein Zerwürfnis mit dem Papsttum über seine sechs Ehefrauen:

  • Katharina von Aragon
  • Anne Boleyn
  • Jane Seymour
  • Anna Kleve
  • Cathrine Howard
  • Cathrine Parr

Das bis dato römisch-katholische Land wurde anglikanisch. Dieser „englische Glauben“ ist ein Form des Protestantismus und erlaubte dem englischen König die Scheidung seiner Ehen. Doch der Ärger war es wert. Seine Tochter aus zweiter Ehe sollte sich als der wohl größte Monarch in der Geschichte des Landes erweisen.

Mit zahlreichen Maßnahmen von außerordentlicher Reichweite verwandelte die englische Königin Elisabeth I. das kleine und verarmte Inselreich gegen alle Widerstände in eine Großmacht. Dabei muss man besonders hervorheben, dass sie häufig nur mit Feder und Papier die damalige Welt aus ihren Angeln hob:

  • Unter der Führung von Sir Francis Walsingham wurde der erste Geheimdienst aufgebaut. Der Spymaster warf sein Netz über Europa aus und klärte militärische Bedrohungen bereits in ihrer Entstehung auf. Nur so konnten entscheidende Schlachten gegen das feindliche Spanien gewonnen werden. Dabei gehörten wohl beispielsweise auch so illustre Persönlichkeiten wie der Dichter und Dramatiker Christopher Marlowe zum Kreise dieser Agenten der ersten Stunde.
  • Elisabeth förderte den Aufbau der Royal Exchange. Das war die ursprüngliche Londoner Börse, die man nach holländischem Vorbild entwickelt hatte. Dadurch erleichterte sie den Handel und das Sammeln von Kapital für riskante Investitionen.
  • Sie stattete Freibeuter wie Sir Francis Drake mit Kaperbriefen aus und störte damit empfindlich die spanische Dominanz in der Karibik und in Süd-Amerika. Mit nur wenigen Schiffen verwandelte El Draque die katholische Weltmacht in ein überdehntes Imperium mit akuten Zahlungsschwierigkeiten. Das englische Königreich profitierte hingegen immer wieder finanziell von der Freibeuterei, so dass sich diese staatliche Piraterie als Win-Win-Situation erwies. Etwa 20 Jahre nach dem Tod der Königin begann dann auf Barbados auch die englische Besetzung der Karibik.
  • Doch der wohl größte Coup von Königin Elisabeth I. von England war die Unterzeichnung eines Freibriefes für Londoner Kaufleute am 31. Dezember des Jahres 1600. Diese gründeten die Ostindien Kompany, eine Aktien-Gesellschaft, und sandten fünf Schiffe unter dem Befehl von James Lancaster nach Aceh auf Sumatra. Im Namen der englischen Könige durften die Kaufleute Krieg führen und die asiatischen Länder ausbeuten. Vor allem in Indien erwiesen sich die Engländer dabei als außerordentlich geschickt. Sie spielten die örtlichen Machthaber gegeneinander aus und kontrollierten schließlich den gesamten Sub-Kontinent.

Die Königin aus dem Haus Tudor hatte als erste Herrscherin ihrer Epoche die Potentiale der Privatisierung des Militärs erkannt. Sie war ein Vordenkerin des Söldner-Wesens und verstand es, privates Kapital für die Kriegsführung zu mobilisieren. In Deutschland wurde dies beispielsweise erst Jahrzehnte später durch Albrecht von Wallenstein realisiert.

Diese neue Epoche brachte für betroffene Menschen aber auch sehr viel Leid. Die Kolonialpolitik der englischen Könige forderte zahllose Opfer und war immer wieder von brutaler Gewalt geprägt.

Haus Stuart (1603 bis 1714)

Königin Elisabeth I. von England verstarb im Jahr 1603 ohne Erben. In der Folge kam ein Ur-Urenkel von Heinrich VII. auf den englischen Thron. Dieser Jakob IV. war ursprünglich schottischer König.

Doch als James I. wurde er nun auch englischer König. Nach seiner Mutter Maria Stuart wurde die nun neu entstehende Königslinie benannt, das Haus Stuart.

James I. war in Personalunion der erste König von England, Irland und Schottland. Er entwickelte den Begriff „Großbritannien“ von einer geographischen Bezeichnung hinzu einer politischen Entität. Unter König James I. wurde auch bereits der Union Jack entwickelt, die vereinigte Flagge von England und Schottland.

Des Weiteren lässt sich zu König James I. sagen, dass er gerne sein Parlament düpierte. Für die Erhebung von kaufwilligen Interessenten in den Ritterstand ließ er sich mit 1.000 Pfund bezahlen. Außerdem war der Katholik ein großer Befürworter der Hexenverfolgung und schrieb ein Trakt über Dämonen.

Mit der King-James-Bibel brachte er eine englische Übersetzung der Heiligen Schrift heraus. Sein Vermächtnis wird unterschiedlich bewerten. Manchen gilt König James I. als „weisester Narr der Christenheit“.

Sein Sohn Charles I. wurde der zweite englische König aus dem Haus Stuart. Er folgte dem Konfliktkurs des Vaters mit dem Parlament und versuchte eine absolutistische Herrschaft durchzusetzen.

Westminster Palace und Big Ben
Westminister Palace – heutiger Sitz des britischen Parlamentes (pixabay)

Diese Bestrebungen führten jedoch zum Englischen Bürgerkrieg und in dessen Zuge zur Enthauptung von König Charles I. im Jahr 1649. Es wurde die Republik ausgerufen und Oliver Cromwell ernannte man zum Lordprotektor. Nach seinem Tod folgte sein Sohn in dieser Rolle. Letzterer gab das Amt jedoch 1659 wieder auf.

Im Jahr 1660 kam es deshalb zur Restauration der Stuart-Herrschaft auf dem englischen Thron. Diese Wiederherstellung der Königswürde war entscheidend von der Anerkennung der Rechte des Parlamentes abhängig. Doch knapp 30 Jahre später kam es erneut zu einem schweren Konflikt, der Glorious Revolution von 1688/89.

Der englische König wurde zum „King in Parliament“ reduziert. Dies stellte eine entscheidende Herabstufung des Verfassungsranges dar und der absolutistische Anspruch war endgültig hinfällig. Im Rahmen der Bill of Rights vom 23. Oktober 1689 wurde der englische Parlamentarismus in eine schriftliche Form gegossen:

  • Regelmäßige Einberufung des Parlamentes
  • Immunität und Redefreiheit der Parlamentarier
  • Zustimmung des Parlamentes zu Steuern und Abgaben
  • Regeln zur Anwendung der Folter
  • Parlamentarische Haushaltshoheit über die Streitkräfte

Die Stuarts waren dann bis zur Gründung des Königreiches Großbritannien am 1. Mai 1707 das regierende Haus. Nach dieser Zählung war Anne die letzte englische Königin. Zugleich war sie die letzte Herrscherin aus dem Haus Stuart und verstarb am 1. August 1714 im Kensington Palace in London.

Britische Königshäuser (Liste)

Königin Anne und der erste Act of Union (1707)

Bereits seit 1603 wurden England, Irland und Schottland in Personalunion von einem König beziehungsweise einer Königin regiert. Bereits im 17. Jahrhundert hatte es deshalb mehrere Versuche der Vereinigung der Reiche gegeben.

Dies hätte jedoch zur Auflösung des schottischen Parlamentes geführt. Im Jahr 1707 waren die Abgeordneten nach der Zahlung von hohen Bestechungsgeldern zu diesem Schritt bereit.

Königin Anne konnte mit dem Act of Union eine gesetzliche Grundlage für die Vereinigung erlassen. Unter den Schotten stieß diese politische Entwicklung jedoch auf eine hohe Ablehnung. Die Proteste trieben das Land an den Rand eines Bürgerkrieges und es musste sogar das Kriegsrecht ausgerufen werden.

Der Union Act selbst war ein Gesetz mit 25 Artikeln. Davon betrafen 15 nur wirtschaftliche Fragen wie beispielsweise die Währungs- und Zollunion wie auch die Vereinheitlichung von Gewichten und Maßen. Das schottische Rechtssystem mit dem oberen Zivilgericht wie auch die schottische Kirche blieben erhalten.

Seit 1707 existiert das Königreich England deshalb im Königreich Großbritannien fort. Dabei handelte es sich jedoch noch nicht um eine Vereinigung mit Irland. Diese wurde erst im Act of Union von 1800 gesetzlich geregelt.

Erst mit dieser erneuten Anpassung von 1800 entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. Dieses zerbrach dann später nach dem Irischen Bürgerkrieg von 1922/23. Seitdem gehört nur noch Nordirland zu dem Königreich. Aufgrund der umständlichen Schreibweise und der mehrfachen Änderungen ist die Kurzbezeichnung als Vereinigtes Königreich gängig.

Haus Hannover der Welfen (1714 bis 1901)

Königin Anne hatte zwar keine Erben, aber ein neues Erbrecht hinterlassen. Das englische Parlament hatte bereits 1701 mit dem Act of Settlement ein Gesetz verabschiedet, dass die Thronfolge durch Katholiken kategorisch verbot.

Statue von Königin Victoria
Königin Victoria war die letzte britische Herrscherin aus dem Haus Hannover (pixabay)

Damit wurden auf einen Schlag gleich 56 Personen ausgeschlossen. Zugleich rutschte der damalige Kurfürst von Hannover aus dem Haus der Welfen zum Thronfolger auf. Dieser Georg I. entstammte dem deutschem Uradel und schuf eine neue Königslinie, die fast 200 Jahre über England beziehungsweise Großbritannien herrschte.

Der Erhebung des Deutschen auf den britischen Königsthron führte zu großem Widerstand seitens der katholischen Anhänger des Hauses Stuart. Sie bezeichneten sich in Erinnerung an König James I. als Jakobiten.

Während der Herrschaft von König Georg II. eskalierten die inneren Spannungen in Britannien erneut. Unter der Führung von Bonnie Prince Charly erhob sich 1745 eine Armee aus Highland-Clans im Zweiten Jakobiten Aufstand. Sie konnten noch in diesem Jahr Edinburgh einnehmen.

Doch eine Erhebung der Jakobiten im gesamten britischen Königreich blieb dennoch aus. In der Schlacht bei Culloden wurde am 16. April 1746 die zahlenmäßig unterlegene und schlecht ausgerüstete Armee der schottischen Rebellen entscheidend geschlagen. Alle verwundeten und gefangenen Jakobiten wurden nach dem Gefecht als Hochverräter exekutiert.

Unter König Georg III. verlor das britische Königreich dann seine dreizehn Kolonien in Nord-Amerika. Im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 konnten sich die Aufständischen unter George Washington behaupten. Dabei profitierten sie entscheidend vom Beitrag des preußischen Offiziers Friedrich Wilhelm von Steuben. Dieser trainierte die amerikanischen Soldaten und trug entscheidend zur Organisation des Heeres bei.

Die darauffolgende Herrschaft von König Georg IV. von 1820 bis 1830 war von einem weiteren Verfall geprägt. Der drogensüchtige und stark fettleibige Herrscher kämpfte mit einer gescheiterte Ehe und stürzte das Königreich in Schulden. Nach seinem Tod sollte es jedoch seinem Bruder als König Wilhelm IV. gelingen, den Staat zu reformieren.

Nach dem Tod von Wilhelm bestieg im Jahr 1837 mit Königin Victoria seine Tochter den Thron. Ihre außerordentlich lange Herrschaft bis 1901 wurde dann zur größten Blütezeit des britischen Empires. Erneut war es eine Frau, die das Königreich zu einem politischen und wirtschaftlichen Höhepunkt führte.

„Die Männer sind nicht immer, was sie scheinen, allerdings selten etwas Besseres.“

Unter Victoria entwickelte sich die Demokratie, so dass das britische Königreich von den Revolutionen von 1848/49 nur wenig betroffen war. Darüber hinaus war sie mit zahlreichen Königshäusern verwandt und erwarb sich Dank ihrer Bemühungen um internationalen Frieden den Ruf als Großmutter Europas.

Haus Sachsen-Coburg und Gotha (1901 bis 1917)

Königin Victoria war mit ihrem Cousin Albert von Sachsen-Coburg und Gotha verheiratet. Das Geschlecht geht auf die Wettiner zurück. Dieses Haus wiederum gehört zu den ältesten Geschlechtern des deutschen Adels. Sie wurden bereits vor dem Jahr 1000 urkundlich erwähnt.

Der älteste Sohn von Victoria und Albert wurde am 9. August 1901 als König Edward VII. in Westminster Abbey gekrönt. Trotz damaliger Vorbehalte gegen den Deutschen war die Herrschaft bis 1910 insgesamt positiv. Unter seiner Führung kehrte das britische Königreich von der bisherigen Politik der splendid isolation ab. Denn bis dato hatte man die Insellage immer als die entscheidende strategische Dimension betrachtet.

Entgegen der Erwartung engagierte sich König Edward VII. um eine Annäherung an Frankreich. Damit wollte er ein Gegengewicht gegen die Partnerschaft von Deutschland und Österreich-Ungarn aufbauen. In diesem Zusammenhang bemühte er sich um die Entwicklung der British Army, um Frankreich im Falle eines Krieges unterstützen zu können. Dieses antizipierte Szenario sollte dann tatsächlich eintreten.

Haus Windsor (1917 bis heute)

Von 1910 bis 1936 regierte Georg V. das britische Königreich. Aufgrund der anti-deutschen Stimmung im Ersten Weltkrieg änderte er 1917 den Familiennamen seiner Dynastie. Er wählte als Bezeichnung den Namen einer Burg aus normannischer Zeit – Windsor Castle.

Keep von Windsor Castle
Der Keep von Windsor Castle (pixabay)

Nach dem Tod von Georg V. wurde für kurze Zeit Edward VIII. zum neuen britischen König. Er dankte jedoch 1936 noch vor seiner Krönung ab, um die Schauspielerin Wallis Simpson zu heiraten. In der Folge übernahm dessen nächster Bruder als König Georg VI. die Regentschaft.

König Georg VI. herrschte bis 1952 und prägte als Symbol den Widerstand gegen die Aggression des Dritten Reiches. Während der Bombenangriffe durch die deutsche Luftwaffe blieb er mit seiner Familie in London und lebte dabei selbst nur von rationierten Lebensmitteln.

Obwohl König Georg VI. der nominelle Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte war, nahm er keinen Einfluss auf das militärische Geschehen. Er reduzierte seine Rolle auf repräsentative Aufgaben und stärkte den Willen zum Kampf gegen die Nazis.

Am VE-Day, dem 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation wurde König Georg VI. zusammen mit Winston Churchill von einer jubelnden Menschenmenge vor dem Buckingham Palace frenetisch gefeiert. Doch nach dem Krieg lang das britische Empire wirtschaftlich am Boden. Es verlor Britisch-Indien und spielte im Kalten Krieg nur noch eine nachgeordnete Rolle.

Nach dem Tod von König George VI. folgte seine Tochter auf dem britischen Thron. Als Elisabeth II. ist sie bis heute die Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland sowie das Oberhaupt von 15 weiteren Commonwealth Staaten:

Antigua und Barbuda, Australien, die Bahamas, Barbados, Belize, Grenada, Jamaika, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, die Salomonen und Tuvalu

Königin Elisabeth II. bestieg am 6. Februar 1952 den Thron und ist damit der am längsten amtierende Herrscher in der englischen Geschichte. Bereits in ihrer Jugend hatte sie an der Seite ihres Vaters zahlreiche repräsentative Aufgaben übernommen. Adolf Hitler soll die damalige Teenagerin als „die gefährlichste Frau Europas“ bezeichnet haben. Gesichert ist, dass sie während des Krieges auch das Schießen lernte.