Heinrich II. (HRR)

Kaiser Heinrich II. (HRR) – „der Heilige“

Der römisch-deutsche Kaiser Heinrich II. wurde am 06. Mai 973 geboren. Er entstammte nicht der ursprünglichen Haupt-, sondern einer jüngeren Nebenlinie des herrschenden Hauses.

Ab 1002 regierte Heinrich II. zunächst als König und wurde zwölf Jahre später auch zum Kaiser gekrönt. Er blieb jedoch kinderlos, so dass mit seinem Tod am 13. Juli 1024 auch die mehr als hundertjährige Herrschaft der Ottonen endete.

Im Gegensatz zu seinem Vater „Heinrich der Zänker“ gelang es Heinrich II. jedoch ein völlig anderes Image zu hinterlassen. Für sein angeblich so frommes Leben sprach ihn der Papst im Jahr 1146 heilig. Deswegen kennt man ihn auch als „Heinrich der Heilige“.

Kaiser Heinrich II. der Heilige
Der deutsche Kaiser Heinrich II. der Heilige im Evangelistar aus Seeon (Lizenz: gemeinfrei)

Tatsächlich hat sich Heinrich II. nach dem Tod seines Onkels und Vorgängers Kaiser Otto III. sehr spektakulär an die Macht geputscht. Nach dem Raub der Reichskleinodien ließ er Bischöfe inhaftieren und zog mit einer Armee im Rücken zur Königswahl.

Die anwesenden Fürsten durften dann formfrei über seine Erhebung abstimmen. Möglichen Zweiflern begegnete er anschließend sehr proaktiv mit einem Ritt durch das ganze Reich.

Als deutscher König brach Heinrich II. mit praktisch allen Konventionen seiner Zeit und sprengte das Gefüge der konsensualen Herrschaft. Der zeitgenössische Geschichtsschreiber Thietmar von Merseburg berichtet von den gezielten Demütigungen seiner politischen Gegner. Der moderne Historiker Stefan Weinfurter bezeichnete ihn schlicht als „König der Konflikte“.

Dank der wachsenden Macht von Byzanz im Süden von Italien wurde Heinrich II. schließlich vom römischen Papst auch die Kaiserkrone angeboten. Seine zählbaren Dienste für die Kirche blieben jedoch sehr überschaubar.

Interessanterweise hinterließ Kaiser Heinrich II. nach seinem Tod jedoch ein relativ gut sortiertes Reich ohne akute Krisen. Der dynastische Übergang der ottonischen Herrschaft an den salischen Konrad II. verlief sehr geordnet und jener knüpfte dann sogar an die Politik seines Vorgängers an.

Heinrich II. – Urenkel von Heinrich I.

Der spätere Kaiser Heinrich II. war ein Enkel des jüngsten Sohnes jenes Herzogs von Sachsen, der ab 919 als König Heinrich I. über das ostfränkische Reich regierte.

Der königliche Ahnherr hatte mit der Hausordnung von 929 allerdings auch das einstige Erbrecht der Franken geändert. Seitdem wurden die Hinterlassenschaften nicht mehr wie zu Zeiten der Karolinger möglichst gleichmäßig unter den Erbberechtigten verteilt.

Sohn von Heinrich dem Zänker

Der Großvater von Heinrich II. war als jüngerer Bruder von Otto dem Großen jedoch nicht leer ausgegangen, sondern wurde mit Judith von Bayern aus dem Geschlecht der Luitpoldinger verheiratet. Ab 948 erhielt er das Herzogtum als Lehen.

Heinrich der Zänker
Herzog Heirich II. von Bayern – „der Zänker“ (Quelle: Regelbuch von Niedermünster in Regensburg / Lizenz: gemeinfrei)

In den folgenden Jahren bewährte sich der Großvater von Heinrich II. als Heerführer in den Kriegen gegen die Ungarn. Bereits todkrank führte er noch drei bayerische Haufen am 10. August 955 in die Schlacht auf dem Lechfeld und verstarb einige Monate später.

Das Herzogtum Bayern fiel an dessen Sohn, den man als Heinrich „den Zänker“ kennt. Der Hintergrund für diesen einprägsamen Beinnamen sind die ewigen Streitigkeiten mit dem seit 973 herrschenden Kaiser Otto II., die schließlich zu einer langen Inhaftierung führten.

Nach dem frühen Tod des Kaisers am 07. Dezember 983 wurde Heinrich der Zänker jedoch aus seinem Gefängnis in Utrecht entlassen und erhielt sein Würden zurück. Damit rückte auch der spätere Kaiser Heinrich II. wieder in die Rolle als Erbe des Herzogtums Bayern.

Ehe mit Kunigunde von Luxemburg

Kunigunde war die achte Tochter von Graf Siegfried, dem Gründer von Luxemburg. Sie entstammte einer karolingischen Linie. Über diese Achse war sie sogar mit dem westfränkischen König Ludwig II. dem Stammler verwandt.

Kaiser Heinrich II. und Kunigunde
Kaiser Heinrich II. und Kunigunde von Luxemburg als Tafelbild der Mährischen Galerie in Brünn (Lizenz: gemeinfrei)

Graf Siegfried I. hatte 963 die Lucilinburhuc erworben. Dabei handelt es sich um eine Wehranlage auf dem Gebiet der heutigen Stadt Luxemburg.

Im Krieg um die Nachfolge von Kaiser Otto II. stellte er sich auf die ottonische Seite und geriet dabei sogar in Gefangenschaft. Die Treue wurde im später vergolten.

Im Jahr 995 konnte er als verlässlicher Parteigänger dann seine Tochter Kunigunde mit Heinrich II. verheiraten. Die Ehe mit dem Herzog von Bayern blieb kinderlos.

Kunigunde von Luxemburg entwickelte sich jedoch zu einer relativ eigenständigen Politikerin, die sich sehr für die Kirche einsetzte. Zusammen mit Heinrich II. wurde sie im Jahr 1146 ebenfalls heilig gesprochen.

Herrschaft des letzten Ottonen

Der Vorgänger von Heinrich II. starb jung und überraschend Ende Januar 1002 in der Nähe von Rom. In der ewigen Stadt drohte zu diesem Zeitpunkt eine Revolte.

Ganz Italien wurde von der Entourage des nun mehr toten Kaisers als bedrohliches Terrain angesehen. Das Ableben von Otto III. hielt man bis zur Organisation eines geordneten Rückzuges sogar geheim.

Machtergreifung im Jahr 1002

Das kaiserliche Gefolge zog dann in den Norden des Heiligen Römischen Reiches. Der Tross unter Führung des Kölner Erzbischofes Heribert kam bei Polling in Bayern an.

Dort wurden sie vom damaligen Herzog Heinrich empfangen. Er zwang Heribert zur Übergabe der Reichskleinodien, der Symbole der königlichen Macht. Nur leider fehlte die Heilige Lanze als wichtigste Reliquie der Sammlung.

Heilige Lanze
Die Heilige Lanze in der Schatzkammer der Wiener Hofburg (Foto: Aiwok / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Der listige Heribert wollte nämlich eher den Herzog von Schwaben als Nachfolger auf dem Thron sehen. Deshalb hatte er die Heilige Lanze bereits heimlich voraus nach Aachen geschickt.

Doch Herzog Heinrich ließ sich nicht lumpen, sondern nahm erst Heribert und dann seinen Bruder, den Würzburger Bischof Heinrich von Rothenburg, gefangen. Die beiden Gottesmänner sorgten schließlich für die Übergabe der Heiligen Lanze und komplettierten die Reichskleinodien wieder.

Dennoch versuchte zunächst der Markgraf Ekkehard von Meißen, sich von einer Versammlung sächsischer Adeliger als König nominieren zu lassen. Dem Herzog Heinrich sekundierte jedoch der Markgraf Heinrich von Schweinfurt, so dass er eine Mehrheit auf einer Zusammenkunft in Werla erringen konnte.

Mit einer Armee im Rücken zog der bayerische Herzog anschließend sofort nach Mainz. Dort ließ er sich von den anwesenden Fürsten am 07. Juni 1002 zum König wählen.

Damit brach er die damals bereits seit der Erhebung von Konrad I. eingespielten Regeln der Königswahl. Der Mainzer Erzbischof krönte ihn dann als Heinrich II. zum neuen Herrscher.

Umritt von König Heinrich II.

In einer späteren Urkunde begründete Heinrich II. seinen Anspruch auf die Krone aber nicht nur mit der Verwandtschaft, sondern auch mit einer besonderen persönlichen Nähe zum Vorgänger.

Der neue König Heinrich II. könnte sich jedoch keinesfalls sicher sein, dass seine Erhebung überall im Reich anerkannt wurde. Um den Untertanen mögliche Zweifel an der Rechtsmäßigkeit seiner Wahl zu nehmen, entschied er sich für einen Umritt wie zu Zeiten der Merowinger.

König Heinrich II. Umritt Karte
Umritt von Heinrich II. nach Königswahl im Jahr 1002 (Urheber: Michail Jungierek / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Dieser Umritt führte König Heinrich II. durch Thüringen, Sachsen, Niederlothringen, Schwaben, Bayern und dann nach Oberlothringen. Dabei kam es dann auch schon zu ersten Konflikten.

Vor allem der Herzog von Schwaben war nicht bereit, die Machtergreifung von Heinrich II. einfach zu akzeptieren. Die Parteien gingen jedoch nicht in offenen Gefechten aufeinander los. Aber der neue Monarch verwüstete einige Ländereien, um seine Haltung zu kommunizieren.

Sein bisher so wichtiger Unterstützer, der Markgraf Heinrich von Schweinfurt, wurde ebenfalls schwer enttäuscht. Heinrich II. brach nämlich sein Versprechen, ihm das Herzogtum Bayern zu übergeben.

Der Umritt war dennoch ein großer Erfolg, weil Heinrich II. die Anerkennung des Kölner und des Mainzer Erzbischofs erringen konnte. Auch weitere Große des Reiches huldigten ihm in Merseburg.

Ein Blick in den höheren Norden zeigt jedoch, wie begrenzt die Reichweite der Herrschaft gewesen sein muss. In eben jenen Jahren begann eine neue Serie von Angriffen der Wikinger unter Sven Gabelbart gegen England. Das römisch-deutsche Reich stellte offenbar keine große Bedrohung für die Nordmänner dar, so dass sie sich in Ruhe austoben konnten.

Krönung zum König von Italien

Die Stimmung in Italien war bereits vor dem Tod des letzten Kaisers sehr explosiv. Nur drei Wochen danach ließ sich Markgraf Arduin von Ivrea am 15. Februar 1002 zum König von Italien erheben.

Nach dem Heinrich II. seine Macht als neuer König nördlich der Alpen konsolidiert hatte, wandte er sich ab 1004 gegen den italienischen Usurpator. Besondere Unterstützung erhielt er dabei vom Klerus.

Heinrich II. sammelte daraufhin ein Heer aus bayerischen und kirchlichen Truppen bei Augsburg und zog über den Brenner nach Trient. Mit dieser Rückendeckung ließ er sich dann am 15. Mai 1004 in Pavia zum König von Italien krönen.

Diese Krönung war jedoch eher ein Zeichen von Schwäche als von Stärke. Denn seine beiden Vorgänger hatten sich direkt zum römisch-deutschen Kaiser krönen lassen, ohne einen solchen Zwischenschritt gehen zu müssen.

Die folgenden Ereignisse bestärken diesen Blickwinkel. Noch in der Nacht nach der Krönung von Heinrich II. zum König von Italien kam es zu einer Revolte in Pavia.

Die königlichen Truppen konnte sich nur mit größter Mühe behaupten. Dabei wurde sogar der Schwager von Heinrich II. so schwer verwundet, dass er wenige Tage später starb.

König Heinrich II. verbrachte noch einige Wochen in Italien, ohne jedoch Arduin von Ivrea endgültig zurückdrängen zu können. Dann zog er sich zurück und überließ den Süden des Reiches für fast ein Jahrzehnt sich selbst.

Konflikt mit Bolesław von Polen

Die Machtergreifung von Heinrich II. hatte darüber hinaus einen weiteren Konflikt aufgebrochen. Boleslaw I. der Tapfere, den man heute vor allem als ersten König der Polen kennt, gehörte unter Kaiser Otto II. noch zu den wichtigsten Parteigängern des herrschenden Hauses.

Durch den „Akt von Gnesen“ war Boleslaw im Jahr 1000 erheblich aufgewertet worden. Je nach Lesart gilt dieses Datum als Beginn des Königtums in Polen.

Die Machtansprüche von Heinrich II. und der polnische Weg in die Unabhängigkeit vertrugen sich jedoch nicht. Darüber hinaus war der Zugriff auf Handelsrouten ein großer Streitpunkt, was sogar zur Entwicklung eines neuen Typs an Burgen führte.

Die Situation eskalierte nachdem Boleslaw bewaffnet den Königshof von Merseburg betrat. Damit hatte er nach Ansicht des deutschen Adels die Ehre des Königs verletzt.

Nach seiner Abreise wurde Boleslaw deshalb angegriffen. Nur die Unterstützung des Herzogs von Sachsen und des Markgrafen Heinrich von Schweinfurt ermöglichte seine Flucht.

Damit begann zwischen Heinrich II. und Boleslaw eine lange Fehde, die man anhand der Friedenschlüsse von Posen (1005), Merseburg (1013) und Bautzen (1018) in drei Phasen unterteilt.

Nach anfänglichen Erfolgen von König Heinrich II. machte Boleslaw I. den Markgrafen Heinrich von Schweinfurt zu einer Art Bauernopfer. Dieser musste sich öffentlich, barfuß und im Büßergewand unterwerfen und um Vergebung bitten. Eine solche Zeremonie nannte man „deditio“.

Der weitere Verlauf der Fehde war dann aber sehr von äußeren Ereignissen geprägt. Der Frieden von Merseburg hatte beispielsweise den Hintergrund, dass sich Heinrich II. in Ruhe zum Kaiser krönen lassen wollte, während Boleslaw sich zeitlich parallel auf seinen Konflikt mit den Kiewer Rus konzentrieren musste.

Kaiserkrönung mit Reichsapfel

Im Jahr 1012 hatten sich durch den Tod des römischen Papst die Machtverhältnisse in der ewigen Stadt verschoben. Der renitente Stadtadel um das Geschlecht der Crescentier musste einen schweren Rückschlag hinnehmen.

Kaiserkrönung Heinrich II.
Krönung von Heinrich II. zum Kaiser in seinem Bamberger Perikopenbuch (Lizenz: gemeinfrei)

Im Rahmen eines kurzen Schismas konnte sich Papst Benedikt VIII. durchsetzen und bot Heinrich II. die Kaiserkrone an. Dieser schloss daraufhin mit Boleslaw Frieden und sammelte im Oktober 1013 ein Heer bei Augsburg.

Unterstützt von zahlreichen Bischöfen und in Begleitung seiner Frau Kunigunde von Luxemburg zog Heinrich II. noch ihm Winter nach Italien. Die freiwillige Unterwerfung des Arduin von Ivrea im Gegenzug für eine Grafschaft wies er zurück.

Dafür marschierte Heinrich II. direkt auf Rom und ließ sich dort am 14. Februar 1014 in St. Peter zum Kaiser krönen. Dabei wurde erstmalig die Überreichung eines Reichsapfels dokumentiert.

Es handelt sich dabei um eine mit einem Kreuz versehene Kugel. Diese wurde später fester Bestandteil der Reichskleinodien.

Nach der Kaiserkrönung hielt Heinrich II. zusammen mit Papst Benedikt VIII. eine Synode ab. Dabei wurden fünf Bischöfe abgesetzt und Verfügungen gegen den Kauf von kirchlichen Ämtern erlassen.

Anschließend kehrte Heinrich II. als Kaiser in den Norden des Reiches zurück, ohne den Konflikt mit Arduin von Ivrea zu lösen. Das Problem erledigte sich jedoch wenig später durch dessen schwere Erkrankung und folgendem Tod.

Krieg gegen byzantinischen Kaiser

Der Konsolidierung der Macht von Kaiser Heinrich II. in Nord- und Mittel-Italien führte zu Spannungen mit dem byzantinischen Kaiser. Dieser Basileios II. „der Bulgarentöter“ kontrollierte den Süden der Halbinsel und begann nun seine Burgen in der Region auszubauen.

Neben der Verteidigung wurde auch das Verwaltungssystem weiterentwickelt. Die Fortschritte der Byzantiner ließen Papst Benedikt VIII. im Jahr 1020 die Alpen überqueren, um Kaiser Heinrich II. persönlich um Unterstützung zu bitten.

Dieser entschied sich für einen dritten Italienzug. Doch zunächst besetzte er die Erzbistümer Köln und Mainz mit zwei bayerischen Gefolgsleuten: Aribo und Pilgrim.

Vor allem der neue Kölner Erzbischof Pilgrim wurde zum tatkräftigen Unterstützer des Heerzuges. Im Herbst 1021 brachen sie auf und stießen schnell bis in den Norden von Apulien vor.

Dort belagerte Kaiser Heinrich II. lange Zeit vergeblich die byzantinische Festung in Troia. Es kam jedoch zu keiner großen Schlacht. Letztlich war sein Heer durch Krankheiten so geschwächt, dass er sich aus dem Süden von Italien zurückzog.

Tod und Nachfolge durch Konrad II.

Die letzten Lebensjahre von Heinrich II. waren relativ friedlich und schließlich von einer schweren Erkrankung an Harnsteinen geprägt. Er musste lange Pausen in seiner Tätigkeit einlegen und verstarb dann am 13. Juli 1024 in der Pfalz Grona bei Göttingen.

Spannenderweise hinterließ der „König der Konflikt“ keine größeren Probleme im Reich. Die Ehe mit Kunigunde hatte allerdings keinen Erben hervorgebracht, so dass mit ihm die Herrschaft der ottonischen Dynastie endete.

Bis zur Königswahl des salischen Konrad II. im September 1024 blieb Kaiserin Kunigunde geschäftsführend im Amt. Anschließend wurden die Macht und die Reichskleinodien reibungslos übergeben.