Johann Ohneland

Johann Ohneland – ein fähiger Tyrann

Johann Ohneland wurde am 24. Dezember 1167 geboren. Er war der jüngere Bruder von Richard Löwenherz und auch dessen Thronfolger. Von Zeitgenossen und bis in die jüngere Vergangenheit wurde König Johann als klassisches Beispiel für einen tyrannischen Verräter und Verlierer wahrgenommen.

Johann Ohneland
Darstellung von König Johann Ohneland von 1255 (gemeinfrei)

Noch zu Lebzeiten seines älteren Bruders intrigierte er gegen ihn und versuchte vergeblich, eine Revolte der Adeligen zu entfesseln. Während seiner eigenen Regierungszeit brach in England dann ein Bürgerkrieg aus.

Die Barone erhoben sich gegen Johann Ohneland. Sie rangen ihm mit der Magna Carta Libertatum zahlreiche Rechte ab, die das englische Königtum nachhaltig veränderten.

Auch in der Literatur wurde Johann Ohneland denkbar schlecht bewertet. In den Legenden um Robin Hood, dem Drama King John von Shakespeare und auch in dem Roman Ivanhoe von Walter Scott wurde seine schlechte Reputation zementiert.

Doch die neuere Forschung zeigt, dass Johann Ohneland eine unterschätzte Figur der Geschichte war. Seine Jugend war zwar von Intrigen geprägt, doch als König von England demonstrierte er einen Sinn für Realpolitik und Strategie.

Johann Ohneland regierte ein ausgeblutetes Land, aber bewies dabei sowohl ein Talent für Organisation wie auch eine hohe Bereitschaft, Details der Verwaltung zu optimieren.

Im Gegensatz zu seinem sonst so vergötterten Bruder Löwenherz hatte Johann Ohneland die Fähigkeiten zur Regierung eines Staates. Dazu gehörte auch, dass er den wesentlichen Teil seiner Regierungszeit in England verbrachte und dort den Schwerpunkt seiner Herrschaft hatte.

Darüber hinaus entwickelte sich Johann Ohneland zu einem fähigen Feldherrn, der siegreiche Züge nach Irland, Schottland und Wales führte. Auch in Frankreich war er persönlich durchaus erfolgreich. Sein Bruder Löwenherz hatte England für seine Eskapaden jedoch bereits derartig ausgeschlachtet, dass das Königreich langfristig ins strategische Hintertreffen geraten war.

Die letzten Jahre der Herrschaft von Johann Ohneland waren wieder von abträglichen Bildern geprägt, die nachhaltig die Meinungen beeinflussten. Es brach ein Bürgerkrieg in England aus, an dessen Ende der König in der Magna Carta Libertatum von 1215 große Zugeständnisse gegenüber seinen Baronen machen musste.

Der Frieden war jedoch nur von kurzer Dauer. Schon bald brach der Erste Krieg der Barone aus, in deren Verlauf Johann Ohneland aufgrund einer Krankheit selbst den Tod fand.

Johann und sein Verrat am älteren Bruder

Johann Ohneland stammte aus dem Haus der Anjou-Plantagenêts. Das war eine Nebenlinie der normannischen Rolloniden, die in Person von Wilhelm dem Eroberer das Königreich ab 1066 eroberten.

Mit Heinrich II. saß dann erstmals ab 1154 ein Herzog von Anjou auf dem englischen Thron. Der Hintergrund war, dass die alte normannische Linie mit dem Tod von Heinrich I., dem Sohn von Wilhelm, ausgestorben war.

Fünfter Sohn von Heinrich II.

Johann Ohneland war der fünfte Sohn von Heinrich II. und damit eigentlich gar nicht für den englischen Thron vorgesehen. Vielmehr war für ihn eine kirchliche Karriere geplant:

  1. Wilhelm († 1156)
  2. Heinrich († 1183)
  3. Richard († 1199)
  4. Gottfried († 1186)
  5. Johann († 1216)

Die älteren Brüder verstarben jedoch der Reihe nach bevor sie eigene Erben etablieren konnten. Während der Herrschaft von Richard ab 1189 zeigte Johann Ohneland als jüngster Sohn dann seine eigenen Ambitionen.

Herrschaft von Richard ab 1189

Im Jahr 1189 wurde Richard Löwenherz in Westminster Abbey zum König gekrönt. Doch er sollte während der zehn Jahre seiner Herrschaft nur zehn Monate auf der Insel verbringen.

Burg Trifels diente als Gefängnis für König Richard
König Richard war Gefangener auf dem Trifels. (pixabay)

Bereits im Jahr 1191 brach Richard mit einem Heer zum Dritten Kreuzzug auf. Dieser scheiterte letztlich vor Jerusalem, dass von Sultan Saladin erfolgreich behauptet werden konnte.

Doch König Richard hatte sich während des Dritten Kreuzzuges persönliche Feinde unter den europäischen Herrschern gemacht. Auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land wurde er deshalb kurz vor Weihnachten 1192 bei Wien inhaftiert. Der Herzog von Österreich und der deutsche Kaiser hielten ihn anschließend für über ein Jahr gefangen.

Einen wesentlichen Teil der Haft verbrachte Löwenherz auf der staufischen Burg Trifels. In dieser Zeit ließ man ihn jedoch seine Amtsgeschäfte fortführen. Bis heute sind einige seiner Urkunden aus dieser Zeit erhalten.

Rebellion in England von 1191

Johann Ohneland hatte bereits als Sohn von Heinrich II. zahlreiche Ländereien erhalten. Darüber hinaus war er durch den Bund der Ehe auch zum Earl of Gloucester geworden und erhielt noch Gebiete in Wales hinzu. Von seinem Bruder erhielt er den Befehl über ein kleines Heer, um Rebellen unter Lord Rhys in seinen Territorien bekämpfen zu können.

Richard hatte nach seiner Krönung auch Cornwall, Devon, Somerset und Dorset im Süden von England an Johann Ohneland übergeben. Mit all diesen Besitzungen und einer Streitkraft unter seinem Befehl war Johann deshalb ein äußerst mächtiger Mann auf der Insel. Als Verwaltungssitz wählte er die Stadt Marlborough.

Deshalb ließ Richard Löwenherz seinen Bruder Johann Ohneland vor dem Aufbruch zum Dritten Kreuzzug im März 1190 schwören, dass er für drei Jahre England nicht betreten würde. Doch nach dessen Abreise begab sich Johann bereits im Oktober diesen Jahres zurück auf die Insel.

In seiner Abwesenheit ließ Richard das Königreich von seinem Justiziar und Lordkanzler William Longchamp verwalten. Als sich Johann Ohneland nun nach seiner unrechtmäßigen Ankunft in England als Erben von Löwenherz huldigen ließ, ging Longchamp militärisch gegen die Rebellen vor.

Doch William Longchamp machte einen schweren politischen Fehler. Er ließ den Erzbischof Geoffrey von York, einen Halbbruder von Johann Ohneland, verhaften. Das verursachte einen Aufschrei im Adel, der zu einer breiten Unterstützung für die Rebellion führte.

William Longchamp musste in der Folge am 10. September 1191 zurücktreten. In der Zwischenzeit hatte Richard jedoch mit Walter de Coutances, Erzbischof von Rouen, bereits einen neuen Lordkanzler ernannt. Dieser war aus Sicht des Adels noch unbelastet und konnte deshalb eine endgültige Machtergreifung von Johann Ohneland in jenem Jahr verhindern.

Verschwörung mit Philipp II. von Frankreich

Im Laufe des Dritten Kreuzzuges war es vor Akkon zum endgültigen Bruch zwischen König Richard und Philipp II. von Frankreich gekommen. Letzterer kehrte deshalb vorzeitig im Herbst 1191 in die Heimat zurück.

Während Löwenherz sich vergeblich um die Eroberung von Jerusalem bemühte, wurde erneut konspiriert. Aber erst nachdem im Jahr 1193 Richard in Österreich verhaftet wurde, brachen die alten Konflikte erneut aus.

Philipp II. von Frankreich und Johann Ohneland vereinbarten daraufhin einen umfangreichen Austausch von Ländereien in Frankreich. Darüber hinaus planten sie ein militärisches Vorgehen gegen die Anhänger von Richard. Zu diesem Zweck wurden auch Gerüchte über dessen Tod verbreitet.

Schließlich sollte noch die Ehe von Johann Ohneland mit Alix, der Schwester von Philipp II. von Frankreich, den Bund besiegeln. Doch im April 1193 traf die Lösegeldforderung für Richard ein und Johann Ohneland galt in der Folge unter den englischen Vasallen als ein Verräter.

Der Rückhalt für seine Erhebung gegen den älteren Bruder brach schnell zusammen. Philipp II. und Johann Ohneland versuchten in der Folge zunächst auf Zeit zu spielen. Sie boten den Deutschen Zahlungen an, um die Inhaftierung von Richard zu verlängern.

Doch auch dieser Plan schlug fehl. Im Mai 1194 versammelte sich der königliche Rat und einigte sich auf eine formale Enteignung von Johann, der nun „Ohneland“ war.

Rehabilitierung unter Richard

Nachdem Richard Löwenherz aus der Gefangenschaft entlassen wurde, konnte er in England seine Herrschaft schnell restaurieren. Er verzieh seinem Bruder Johann Ohneland, gab ihm einige Ländereien zurück und berief ihn sogar wieder in den königlichen Rat.

In den folgenden Jahren verhielt sich Johann Ohneland sehr zurückhaltend und gewann nach und nach das Vertrauen von Richard zurück. Dafür erhielt er sogar einige kleinere Kommandos und konnte in Frankreich erfolgreiche Kriegszüge leiten.

Zu seinem Glück entwickelte sich nun Arthur, der Neffe und eigentliche Nachfolger von Richard, zu einem Verräter, der sich mit dem König von Frankreich verschwor. Deshalb wurde Johann Ohneland im Jahr 1197 erst zum Erben und nach dem Tod von Richard im Jahr 1199 auch zu dessen Nachfolger ernannt.

Johann Ohneland als König von England

König Richard wurde während eines Feldzuges in Frankreich getötet. Bei der Belagerung der Burg Châlus-Chabrol wurde er von dem Bolzen einer Armbrust getroffen und verstarb dann am einsetzenden Wundbrand.

Johann Ohneland wurde zwar als Nachfolger anerkannt, aber dennoch musste er sich umgehend gegen den angreifenden Philipp II. von Frankreich behaupten. Erst Ende Mai 1199 kehrte er nach England zurück und wurde dann in Westminister Abbey zum König gekrönt.

Englisch-Französischer Krieg (1202 bis 1214)

England und Frankreich schlossen nach dem Tod von Löwenherz einen kurzzeitigen Frieden. Doch bereits seit 1202 tobte ein neuer Krieg um das angevinische Reich in Frankreich. Dieser Begriff bezeichnet die Territorien der Herzöge von Anjou, die in dieser Funktion nicht nur Könige von England, sondern auch Vasallen der Könige von Frankreich waren.

Der Auslöser des neuen Konfliktes war eine Beschwerde eines Adeligen beim französischen König. Dieser lud Johann Ohneland in seiner Rolle als Herzog von Aquitanien vor das Hofgericht.

Château Gaillard von Richard Löwenherz
Château Gaillard in der Normandie fiel unter Johann Ohneland. (pixabay)

Nachdem sich Johann Ohneland dieser Vorladung verweigerte, entzog ihm Philipp II. von Frankreich formal seine Lehen. Während des ersten Feldzuges von 1202 gelang dem englischen König jedoch ein großer Sieg gegen den rebellischen Adel und den französischen König.

In der Schlacht von Mirebeau am 31. Juli 1202 gerieten über 200 Ritter in Gefangenschaft. Doch Johann Ohneland konnte diesen Sieg nicht in einen weiterführenden strategischen Vorteil ummünzen. Vielmehr geriet er in der Folge nach und nach in die Defensive.

Zum besonderen Problem für Johann Ohneland wurde die Unzuverlässigkeit seiner Vasallen in der Normandie. 1203 führte er deshalb keinen eigenen Feldzug und verlor im darauffolgenden Jahr das zentrale und für uneinnehmbar gehaltene Château Gaillard.

Der Krieg sollte jedoch noch sehr viel länger andauern und wurde dabei immer wieder von anderen Ereignissen unterbrochen. Geplante Gegenschläge für die Jahre 1205 und 1212 musste Johann Ohneland jeweils aufgrund des Widerstandes der englischen Barone absagen.

In der Seeschlacht bei Damme am 30. und 31. Mai 1213 konnte Johann Ohneland jedoch eine Invasion der britischen Hauptinsel abwehren. Laut den Chronisten trafen dabei 500 englische auf 1700 französische Schiffe.

Auf den englischen Schiffen befanden sich jedoch etwa 700 Ritter und noch viel mehr Söldner. Die französische Flotte war dagegen nur mit Seeleuten bemannt, die im Nahkampf keine Chance gegen die Angreifer hatten.

Das folgende Jahr brachte den Eintritt des Heiligen Römischen Reiches in den Konflikt sowie zwei große Landschlachten. Das Reich war jedoch selbst in einen Thronstreit zwischen Otto IV. und Friedrich II. dem Staufer verzettelt und konnte keinen längerfristigen Einfluss entwickeln:

  • Die Schlacht bei La Roche-aux-Moines am 2. Juli 1214 bildete den Abschluss eines zunächst erfolgreichen Feldzuges von Johann Ohneland, der im Vorfeld einige Burgen im Handstreich genommen hatte. Anfang Juli zog er sich jedoch aus taktischen Gründen vorzeitig zurück und ging anschließend nicht mehr in die Offensive.
  • Die Schlacht bei Bouvines fand am 27. Juli 1214 ohne die direkte Beteiligung von Johann Ohneland statt. Vielmehr waren inzwischen die welfischen Verbündeten von Kaiser Otto IV. in Frankreich eingefallen. Sie erlitten jedoch eine Niederlage, womit auch die Hoffnung auf einen englischen Sieg in diesem Krieg dahin war.

Nach der strategischen Niederlage im Englisch-Französischen Krieg kehrte Johann Ohneland auf die Insel zurück. Dort erhob er erneut eine Steuer, das Schildgeld, was schließlich zum Auslöser des Bürgerkrieges werden sollte.

Verlagerung des Zentrums der Herrschaft

Die Regierungszeit von Johann Ohneland brachte eine politische Wende für das Königreich. Während sein Bruder beispielsweise nur für kurze Zeiträume in England war, verlagerte Johann den Schwerpunkt des angevinischen Reiches auf die Insel.

Die Ausübung der Herrschaft gestaltete er dabei ähnlich wie ein deutscher Reisekönig und zog stetig durch das Land. Es können lediglich Orte identifiziert werden, die Johann Ohneland relativ häufig frequentierte. Dazu gehörten:

  • Palast von Westminster
  • Tower of London
  • Windsor Castle
  • Winchester Castle
  • Nottingham Castle
  • Ludgershall Castle
  • Marlborough Castle
  • York Castle

Seine Zeit investierte König Johann Ohneland dabei in die Optimierung seiner Finanzen und der Verwaltung. Zu diesem Zweck erfand er neue Steuern, die sich jedoch auch stark zu Lasten des sozialen Friedens auswirkten. Dies war einerseits notwendig, um die Konflikte zu finanzieren. Andererseits legte er damit auch den Grundstein für den späteren Bürgerkrieg gegen seine eigenen Barone:

  • Fast jährlich erhob er das „Schildgeld“ für Barone, die ihre Verpflichtung von 40 Tagen Kriegsdienst pro Jahr nicht persönlich ableisteten.
  • Im Jahr 1203 führte Johann Ohneland den „Dreizehnten“ als allgemeine Sondersteuer in England ein.
  • Ab dem Jahr 1206 führte er die Gegenzeichnung von Abrechnungen der königlichen Finanzen ein, um die Misswirtschaft zu bekämpfen.
  • Im Jahr 1207 erhob er eine Sondersteuer, die alleine fast das Doppelte seiner Jahreseinnahmen generierte. Dabei handelte es sich um eine Art mittelalterliche „Einkommenssteuer“.

Des Weiteren versuchte Johann Ohneland eine Beamtenschaft aufzubauen, die die Steuern in den Grafschaften direkt einzog und die lokalen Sheriffs damit umging. Säumige Barone hingegen wurden mit militärischen Mittel aus ihren Ländereien vertrieben wie beispielsweise sein früherer Günstling William de Braose im Jahr 1208.

Während seiner Regierungszeit kam es deshalb zu einem sprunghaften Anstieg der jährlichen Steuereinnahmen. Seine Eintreiber gingen dabei mit großer Brutalität vor:

  • 1207 nahm die Krone etwa 30.000 £ ein.
  • 1210 lagen die Einnahmen bei etwa 52.000 £.
  • 1211 stiegen die Steuern auf etwa 83.000 £.

Hinzu kamen die Einnahmen aus der „Judensteuer“, die in den Aufstellungen der regulären Steuereinnahmen noch nicht enthalten waren. Alleine im Jahr 1210 presste Johann Ohneland einen Betrag von 44.000 £ aus den Gemeinden dieser religiösen Minderheit.

Engagement in Irland, Schottland und Wales

Bündnisse und Kämpfe mit Llywelyn I. von Wales

Parallel zu dem Krieg gegen Frankreich musste sich Johann Ohneland aber auch häufig auf den britischen Inseln behaupten. Vor allem das rebellische Wales war ein Dauerthema, dass den König ab 1204 fast jedes Jahr beschäftigte.

Er verheiratete deshalb seine uneheliche Tochter mit Llywelyn ab Iorwerth. Das war der Fürst von Gwynedd, einer Region im Norden von Wales. Das Bündnis brach jedoch, als sich der Waliser mit dem ehemaligen Günstling William Braose solidarisierte und sich damit ebenfalls gegen den König erhob.

Johann Ohneland führte daraufhin zwei Feldzüge nach Wales. In deren Verlauf konnte er die Zerrissenheit des walisischen Adels geschickt ausnutzen. Im Jahr 1211 hatte er dort den mächtigsten Stand, den ein englischer König bis dato je erreicht hatte. Im Zuge des Bürgerkrieges gegen die Barone von 1215 ging der Einfluss jedoch wieder verloren.

Entwicklungspolitik und Aufstandsbekämpfung in Irland

Aber auch Irland beschäftigte Johann Ohneland immer wieder. Er war bereits von seinem Vater zum Lord of Ireland ernannt worden. Für lange Zeit verwaltete Meiler Fitzhenry in seinem Namen die Insel. Er bemühte sich um die Gründung von Städten und den Ausbau der königlichen Ländereien, um die Steuereinnahmen zu verbessern.

Als König war Johann Ohneland darüber hinaus bestrebt, die irischen Barone gegeneinander auszuspielen. Dabei hatte er über eine lange Zeit hinweg auch ein glückliches Händchen. Doch als William Marshall, der 1. Earl of Pembroke, in Ungnade fiel, konnte dieser ab 1207 einen zunächst erfolgreichen Aufstand organisieren.

Doch Johann Ohneland organisierte einen mächtigen Gegenschlag. Mit 700 Schiffen beantwortete er die Herausforderung. In einem Feldzug, der nur neun Wochen dauerte, konnte er die Kontrolle über Irland wiederherstellen.

Demütigung des abhängigen Königs von Schottland

Verglichen mit den Konflikten in Irland und Wales war das Verhältnis zu Schottland recht entspannt. Im Sommer 1209 entschied sich Johann Ohneland jedoch zu einem überraschenden Feldzug nach Norden. Möglicherweise wollte er damit einem drohenden Bündnis von Schottland mit Frankreich militärisch vorbeugen.

In der Folge mussten die Schotten den demütigenden Vertrag von Norham akzeptieren, eine hohe Geldsumme zahlen sowie Geiseln stellen. Außerdem durfte Johann Ohneland die Töchter des schottischen Königs verheiraten.

Dafür stellte sich Johann Ohneland auf die Seite des schottischen Königs, als es ab 1212 unter Guthred Macwilliam zu einem Aufstand im hohen Norden kam. Darüber hinaus erkannte er den Nachfolger und späteren König Alexander II. an und schlug ihn zum Ritter.

Magna Carta Libertatum von 1215

Johann Ohneland erhöhte während des Englisch-Französischen Krieges die Steuern ganz massiv. Nach Ansicht der Barone überschritt der König mit seinen Forderungen den Rahmen der Lehnspflichten bei Weitem. Zum Dank war dieser dann teilweise auch noch sehr brutal gegen Angehörige der Aristokratie vorgegangen.

Bereits im Sommer 1213 sahen rebellische Barone eine große politische Chance. Sie konfrontieren Johann Ohneland mit weitreichenden Forderungen. Dabei beriefen sie sich auf die Charter of Liberties von König Heinrich I. aus dem Jahr 1100. Dabei wurden die Barone entscheidend von Stephen Langton, dem Erzbischof von Canterbury unterstützt.

Bei diesem Vorstoß nahmen die Barone wohl sehr bewusst in Kauf, dass eine Verweigerung von Johann Ohneland zum offenen Bürgerkrieg führen könnte. Sie spekulierten jedoch auch darauf, dass eine solche Eskalation zu Lasten des Königs ausfallen und weitere Adelige in den Widerstand treiben würde.

Ausbruch des englischen Bürgerkrieges

Nach der strategischen Niederlage im Englisch-Französischen Krieg war Johann Ohneland soweit geschwächt, dass die Barone und der Erzbischof von Canterbury einen erneuten Angriff auf die Monarchie wagten. Am 06. Januar 1215 marschierten sie bewaffnet in London auf und verlangten vom König die Einhaltung der Charter of Liberties.

Johann Ohneland wusste zu diesem Zeitpunkt selbst nicht um die Stärke seines Rückhalts im Adel. Die Position des Klerus war ebenfalls unbekannt. Deshalb spielte er zunächst auf Zeit und versprach eine Antwort bis zum 26. April 1215.

Die Barone durchschauten das Manöver und versammelten sich schon am 19. April 1215 in Samford. Unter der Führung von Robert FitzWalter und Eustace de Vesci erhöhten sie den Druck. Nach dem Ablauf der Frist formierten sich die Barone zur Belagerung der königlichen Burg von Northampton. Diese verlief jedoch zunächst erfolglos.

Entscheidend war jedoch Übertritt der City of London auf die Seite der Rebellen am 24. Mai 1215. Das Bündnis gegen Johann Ohneland war damit stärker und er sah sich gezwungen, den Katalog der Forderungen zu akzeptieren.

Magna Carta – eine neue Verfassung

Vom 15. bis zum 19. Juni 1215 verhandelten die Barone und König Johann Ohneland in der Nähe von Windsor an den Ufern der Themse. Wahrscheinlich stimmte der König bereits am ersten Tag den wesentlichen Forderungen zu. Anschließend ging es dann nur noch um die Details.

Das Ergebnis der Verhandlung war eine in Latein verfasste Urkunde. Diese wird in der englischen Übersetzung in 63 Artikel unterteilt:

  • Der erste Artikel bestätigte die Rechte der Kirche von England.
  • In den Artikeln 2 bis 16 wurde das Lehnsrecht überarbeitet. Von besonderer Bedeutung waren:
    • Abgaben bei der Übertragung von Lehen im Erbfall.
    • Vormundschaft bei minderjährigen Erben, Waisen und Witwen.
    • Zahlung des Schildgeldes und sowie Budgethoheit des Rates der Barone.
  • In den Artikeln 17 bis 22 befasste man sich mit der Rechtsprechung und Geldbußen.
  • Ab Artikel 23 wurden Fragen der Verwaltung der Grafschaften behandelt wie Instandhaltung von Brücken oder Requirierungen durch Burgbesatzungen.
  • In Artikel 39 wurde die Grundlage für eine Prozessordnung gelegt: „Kein freier Mann soll verhaftet, gefangen gesetzt, seiner Güter beraubt, geächtet, verbannt oder sonst angegriffen werden; noch werden wir ihm anders etwas zufügen, oder ihn ins Gefängnis werfen lassen, als durch das gesetzliche Urteil von Seinesgleichen oder durch das Landesgesetz.“
  • In Artikel 40 wurde geregelt, dass Urkunden und Gerichtsverfahren beziehungsweise „Recht und Gerechtigkeit“ vom König nicht verzögert werden dürfen.
  • Die Artikel 41 und 42 schützten Kaufleute und die Reisefreiheit.
  • Ab Artikel 44 wurde mehrfach das königliche Forstrecht behandelt.
  • Artikel 45 erließ Regeln zur Ernennung von Beamten und in Artikel 50 wurde die Entlassung namentlicher genannter Beamter gefordert.
  • Artikel 55 regelte die Aufhebung von unrechtmäßig erlassenen Geldstrafen.
  • Die Artikel 56 bis 59 betrafen den walisischen Fürsten Llywelyn ab Iorwerth und den schottischen König Alexander II., die die Rebellion unterstützt hatten.

In Artikel 61 wurde die Bestellung eines Komitees von 25 Baronen sowie deren Befugnisse geregelt. Dieser Rat sollte eine Kontrollfunktion erhalten. Als Vorbild für das Format diente die damals noch beschränkte Selbstverwaltung der City of London.

Die Angehörigen dieses Komitees der 25 Barone wurden gewählt. Es erhielten jedoch nur erklärte Feinde von Johann Ohneland die notwendigen Stimmen.

Tod im Ersten Krieg der Barone

Die Besiegelung der Magna Carta Libertatum durch Johann Ohneland im Juni 1215 brachte jedoch nur für wenige Wochen einen kurzen Frieden. Er selbst wandte sich an den Papst, der das Dokument bereits am 25. August für nichtig erklärte.

Kathedrale von Worchester
Johann Ohneland wurde in der Kathedrale von Worchester bestattet. (pixabay)

Darüber hinaus drohte Papst Innozenz III. jeder Person die Exkommunikation an, die sich an die Regeln der Magna Carta hielt. Die Barone hatten ihr Heer jedoch nicht aufgelöst und waren umgehend wieder kampfbereit.

Außerdem boten die Barone dem französischen Prinz Ludwig die Krone an. Dieser landete daraufhin mit einer Invasionsarmee in England.

Aber der König war noch nicht geschlagen. Er verfügte noch über einige mächtige Burgen und die Allianz der Barone mit Prinz Ludwig war brüchig. Johann Ohneland erkrankte jedoch und verstarb am 19. Oktober 1216.

Streit um die Thronfolge von Heinrich III.

Nach dem Tod von Johann Ohneland standen die Barone einer Thronfolge durch seinen Sohn natürlich zunächst sehr kritisch gegenüber. Doch dieser Heinrich III. war zu dem Zeitpunkt erst neun Jahre alt.

Seine Berater akzeptierten die Magna Carta und der junge Heinrich III. bot sich aufgrund seines Alters als willfährige Person auf dem Thron an. Das machte ihn in den Augen des Adels dann doch attraktiver als den selbstbewussten Prinzen Ludwig aus Frankreich.

Letztlich wurde Heinrich III. deshalb als neuer König angenommen. Tatsächlich übernahm ein selbsternannter Kronrat die Regierung.