Kaiser Caligula

Kaiser Caligula – im Caesarenwahn

Kaiser Caligula (37 bis 41 n. Christus) gilt als Inbegriff des wahnsinnigen Tyrannen. Nach einem zunächst verheißungsvollen Regierungsbeginn, entwickelte er sich zum rasenden Gewaltherrscher des Römischen Reiches.

„Ich lebe noch!“ – Caligula, letzte Worte

Kaiser Caligula (pixabay)

Caligula bildete als dritter Kaiser das erste Beispiel für den „Caesarenwahn“. Auch wissenschaftlich ausdifferenzierte Sichtweisen werfen kein positives Licht auf seine Person.

Als legendär gilt die geplante Ernennung des Pferdes Incitatus zum Konsul. Gegen einzelne Senatoren ging er mit Anklagen wegen Hochverrats vor. Sie wurden hingerichtet oder verbannt. Darüber hinaus missbrauchte Kaiser Caligula zahllose Frauen aus der römischen Oberschicht und prahlte mit seinen Taten.

Er wurde jedoch bereits nach wenigen Jahren selbst zum Opfer eines brutalen Mordes. Kaiser Caligula hatte nämlich eine sehr ungesunde Leidenschaft. Er demütigte und verspottete die Präfekten seiner Prätorianer-Garde – Cassius Chaerea und Cornelius Sabinus .

Sie beteiligten sich schließlich an einem Komplott zur Ermordung des Kaisers. Der Tyrannenmord erfolgte am 24. Januar 41 n. Christus. Man erschlug auch seine Frau und die Tochter. Die Tat als solche wurde anschließend von einem Gericht als ehrenvoll und begrüßenswert beurteilt.

Kaiser Caligula hinterließ ansonsten keinen Abdruck in der Geschichte. Er verlebte seine Regierungszeit als prunksüchtiger Herrscher, der von der Stabilität seines Reiches getragen wurde.

Abstammung, Name und Jugend

Caligula wurde am 31. August 12 n. Christus in Antium geboren. Er war ein Ur-Enkel von Kaiser Augustus. Doch auch sein Vater Germanicus war eine berühmte Figur. Dieser hatte nach dem militärischen Desaster der Varusschlacht das römische Ansehen teilweise wiederhergestellt.

Ab dem Jahre 15 n. Christus führte Germanicus einige Feldzüge nach Germanien und verdiente sich dort eben diesen Ehrentitel. Der eigentliche Name von Caligula lautete deshalb Gaius Caesar Augustus Germanicus.

Bei den Legionen am Rhein erhielt der junge Caligula angeblich diesen viel berühmteren Spitznamen. Der Name bezieht sich auf die mit Eisennägeln beschlagenen Sandalen der römischen Legionäre – die Caliga.

Caligula wiederum ist eine Verniedlichung und bedeutet soviel wie „Soldatenstiefelchen“. Die Bezeichnung von Gaius Caesar Augustus Germanicus als Kaiser Caligula dürfte jedoch keine gängige Praxis gewesen sein. Diese Benennung des wahnsinnigen Tyrannen etablierte sich erst nach seinem Tod.

Der Vater Germanicus verstarb im Jahr 19 n. Christus. Der Junge kam anschließend mit seiner Mutter nach Rom an den Hof zu seinem Großonkel Kaiser Tiberius.

Caligula begleitete den zweiten Kaiser auch zu dessen Sitz auf Capri. Dort verbrachte er sechs Jahre im nächsten Umfeld des alten Mannes. Dabei soll es im Palast zu sagenhaften Orgien gekommen sein.

Früher Einfluss der Prätorianer

Die Eskapaden am Hof spielten sich vor dem Hintergrund einer machtpolitischen Verschiebung im Reich ab. Diese war von Lucius Aelius Seianus vorangetrieben worden. Dabei handelte es sich um einen ehrgeizigen Aufsteiger aus dem Stand der römischen Ritter.

Er verdankte seinen politischen Aufstieg einer Freundschaft aus Jugendtagen zu einem Enkel von Kaiser Augustus. Später umgarnte er Tiberius. Mit dessen Thronbesteigung im Jahr 14 n. Christus wurden Seianus und sein Vater zu den Präfekten der Leibgarde ernannt.

Diese Posten als politische Militärs waren ohnehin mit sehr großem Einfluss versehen. Doch der junge Seianus hatte einen besonderen Vorteil. Sein Vater wurde zeitgleich zum Präfekten von Ägypten ernannt und verließ die Hauptstadt.

Seianus hatte deshalb völlig freie Hand bei der Führung der mächtigen Garde. Diese bestand aus neun Kohorten von anfangs je 500 Mann. Hinzu kamen berittenen Einheiten mit je 30 Mann.

Auf seine Initiative hin, wurden alle Kräfte an einem Standort gebündelt – dem Castra Praetoria. Dabei handelte es sich um den einzigen militärischen Standort im sonst entmilitarisierten Rom. Damit brach
Seianus auch die ursprünglich bewusst angelegte dezentrale Stationierung der neun Kohorten.

So hatte Seianus den Oberbefehl über eine konzentrierte Streitmacht, die in etwa der Stärke einer römischen Legion entsprach. Im Jahr 31 n. Christus versuchte Seianus dann angeblich zu putschen. Der Kaiser ließ ihn auf jeden Fall von der Stadtwache verhaften. Er wurde anschließend zusammen mit seiner Familie verurteilt und hingerichtet.

Doch die faktische Konzentration des militärisches Potentials in der Hauptstadt lag auch nach Seianus bei den Präfekten der Prätorianer. Diese Macht sollte sowohl den Beginn wie auch das Ende der Herrschaft von Kaiser Caligula kennzeichnen.

Caligula – der wahnsinnige Kaiser

Beginn der Regierung

Kaiser Tiberius hatte in seinem Testament mit Tiberius Gemellus einen Nachfolger bestimmt. Dabei handelte es sich um seinen leiblichen Enkel. Nach dem Tod des Kaisers am 16. März 37 n. Christus entwickelten sich die Dinge jedoch anders.

Quintus Naevius Sutorius Macro, der Nachfolger von Seianus als Präfekt der Garde, brachte es als Initiative vor den Senat. Das Testament wurde für ungültig erklärt. Bereits am 18. März 37 n. Christus rief man Caligula als römischen Kaiser aus. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt.

Möglicherweise war er tatsächlich der stärkere Anwärter in diesen Tagen. Vielleicht hielten andere Strippenzieher den jungen Caligula aber auch für den leichter zu kontrollierenden Kandidaten. Dieser Gedanke findet eine nachträglich Begründung, weil die ersten Monate der Regierung von Kaiser Caligula durch zahlreiche Geschenke geprägt:

  • Die Prätorianer erhielten zwei Jahresgehälter geschenkt.
  • Verbannte Senatoren durften zurückkehren.
  • Steuern wurden gesenkt und jede Familie in Rom erhielt Geld geschenkt.
  • Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe wurden veranstaltet.

Damit begann die Regierung von Kaiser Caligula sowohl für das Volk wie auch für den Senat von Rom sehr verheißungsvoll. Denn der junge Herrscher präsentierte sich als Gegenentwurf zu seinem unbeliebten Vorgänger.

Darüber hinaus glänzte Caligula mit charmanten Gesten. Er sprach den Senat sehr respektvoll an und kümmerte sich intensiv um die Meinung des Volkes. Bereits nach sechs Monaten wurde ihm ein Ehrentitel vom Senat verliehen – pater patriae – Vater des Vaterlandes.

Kaiser Caligula zeichnete sich jedoch nicht durch aktive Gestaltung der Realpolitik aus. Vielmehr blieb es bei oberflächlicher Symbolpolitik.

Inzest mit der Schwester Drusilla

Caligula wird eine inzestuöse Beziehung zu einer seiner drei Schwestern nachgesagt. Er möchte sie alle sehr gerne, aber Drusilla hatte es ihm besonders angetan.

Das Gerücht einer sexuellen Beziehung kam auf, weil Caligula seine Drusilla in der Öffentlichkeit wie eine Ehefrau behandelte. Sie war auch tatsächlich verheiratet, aber mit einem anderen Mann.

Kaiser Caligula ließ Drusilla zahlreiche Ehrungen zu kommen, die Frauen in der römischen Gesellschaft bis dato nicht zustanden. Ihr Antlitz wurde beispielsweise auf Münzen geprägt. Für eine tatsächliche sexuelle Beziehung gibt es jedoch keinen Beleg.

Aber dennoch spielte Drusilla in der Geschichte des jungen Kaisers eine zentrale Rolle. Am 10. Juni 38 n. Christus verstarb sie nämlich sehr plötzlich, was Caligula offenbar schwer traumatisierte.

Nach diesem Schicksalsschlag entwickelte er sich rasant vom jungen Charmeur zum sadistischen „Scheusal“. Deswegen gilt der Tod von Drusilla als Auslöser für seinen Caesarenwahn.

Sadistische Kämpfe in den Arenen

Zur wichtigen Kompensation für Kaiser Caligula wurden die Spiele in den Arenen. Die Gladiatorenkämpfe waren natürlich eine blutige Angelegenheit. Doch die alten Römern entwickelten Regeln, um faire Wettkämpfe zu ermöglichen.

Darüber hinaus war es weder im Interesse der Betreiber noch der Zuschauer, dass sich gute Gladiatoren in der Arena gegenseitig abschlachteten. Vielmehr ging es um gute Unterhaltung und lukrative Geschäfte.

Deswegen kam es bei der großen Mehrheit der Kämpfe nur zu Fleischwunden. Ein solcher Kampf endete dann mit der Aufgabe eines Gladiators. Diese wurde durch das symbolische Hochstrecken von Zeige- und Mittelfinger einer Hand kommuniziert.

Doch Kaiser Caligula wollte Blut sehen. Er änderte die Regeln und vor allem auch die Ausrüstung der Gladiatoren. Gänzlich unfaire Begegnungen endeten zur Belustigung des Kaisers mit Schwerverletzten und Toten. In der Gesellschaft löste dies jedoch großes Befremden aus.

Seemuscheln von den Stränden

Kaiser Caligula bemühte sich dann während seiner Regierungszeit um den Ruf eines erfolgreichen Feldherrn. Tatsächlich kam es zu zwei größeren Aktionen. Aber sie unterstrichen nur das fragwürdige Bild seiner Herrschaft.

Zunächst überquerte er im Jahr 39 n. Christus mit einer Armee die Alpen. Er wollte an die Aktionen in Germanien anschließen und weitere Territorien in das Römische Reich integrieren. Der Feldzug war jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Kaiser Caligula wandte sich daraufhin einem anderen außenpolitischen Ziel zu. Er verkündete, Britannien für das Reich zu erobern. Er versammelte eine Armee und ließ sie übersetzen.

Doch die Truppen blieben in Britannien an den Stränden. Statt einer Invasion ließ Caligula seine Legionäre Seemuscheln sammeln. Diese wurden als symbolisches Zeichen für seinen Triumph nach Rom gebracht.

Ein Triumphzug wurde ihm verweigert. Doch auf Münzen ließ sich Kaiser Caligula als großen Feldherrn darstellen.

Kunstraub und Bautätigkeiten

Eine weitere Leidenschaft von Kaiser Caligula war die griechische Kunst. Vor allem die Schätze aus den Tempeln hatten es ihm besonders angetan. Er wollte sogar die Zeus-Statue des Phidias nach Rom bringen. Dabei handelte es sich um eines der sieben Weltwunder der Antike.

Caligula ließ sich jedoch durch eine abergläubische Geschichte von seinem Vorhaben abbringen. Angeblich würde Zeus die Statue sofort zerstören, sobald sie von ihrem Platz entfernt wird. Bei anderen Kunstschätzen ging der räuberische Tyrann jedoch weniger zimperlich vor.

Darüber hinaus nutze Kaiser Caligula auch die sich entwickelnde Administration der römischen Provinzen. Über die Verwaltung ließ er breitflächig im ganzen Mittelmeerraum Kunstschätze einziehen.

Doch Kaiser Caligula machte auch mit spektakulären Bauten von sich reden. Darunter fanden sich einige infrastrukturelle Maßnahmen:

  • Zwei neue Aquädukte für die Hauptstadt Rom
  • Ein Leuchtturm für Boulogne
  • Ausbau des Hafens von Rhegium
  • Kanalbau am Isthmus von Korinth

Schiffe vom Lago di Nemi

Einen besonderen Ausdruck des Caesarenwahns von Kaiser Caligula sieht man im Bau zweier Schiffe für den Lago di Nemi. Dabei handelt es sich um einen Kratersee, der sich etwa 30 Kilometer südöstlich von Rom befindet.

Die Fläche beträgt nur etwa 1,7 Quadratkilometer. Doch bereits in vor-römischer Zeit hatten Handwerker einen Tunnel in die Wand des Kraters getrieben. Der See konnte so zur Bewässerung von Feldern um das Dorf Ariccia genutzt werden. Außerdem ließ sich so der Pegel kontrollieren.

Der Bau des Tunnels war eine technische Meisterleistung. Die Röhre hat eine Länge von mehr als 1,6 Kilometern bei einem Gefälle von etwa 12,6 Metern. Darüber hinaus verfügte der Tunnel über ein Filtersystem, um Beschädigungen und Verstopfungen zu verhindern.

Kaiser Caligula sah den Nemi-See als ideale Bühne für seine Fantasien. Der See hatte einen Durchmesser von etwa einem Kilometer. Aber er ließ zwei baugleiche Schiffe mit gigantischen Ausmaßen errichten:

  • Das erste Schiff war 73 Meter lang und 24 Meter breit. Es trug einen reichen Tempel der Diana mit Marmorsäulen, Mosaikböden und vergoldetem Zierrat.
  • Das zweite Schiff war 71 Meter lang und 20 Meter breit. Dieses Schiff trug eine Palastanlage mit Warmwassersystem und Thermen.

Im Jahr 1927 befahl Benito Mussolini, dass der Tunnel repariert und der See abgepumpt werden soll. Tatsächlich fanden sich nach der erfolgreichen Aktion die Überreste der beiden Nemi-Schiffe. Während eines Bombenangriffs im Jahr 1944 wurden sie jedoch zerstört.

Ehen und sexualisierte Gewalt

Kaiser Caligula heiratete mehrfach während seiner Herrschaft:

  1. Livia Orestilla nahm er sich während sie gerade mit einem anderen Mann verheiratet wurde. Die Zeremonie wurde unterbrochen und am nächsten Tag schloss sie den Bund mit Caligula. Wenige Tage später ließ er sich scheiden.
  2. Lollia Paulina war ebenfalls schon verheiratet, bevor sich Kaiser Caligula mit ihr vermählte. Doch nach kurzer Zeit verließ er sie ebenfalls.
  3. Milonia Caesonia war schließlich seine letzte Frau. Er hatte wohl bereits schon länger eine Affäre mit ihr. Einen Monat nach der Eheschließung kam eine Tochter zur Welt.

Doch Kaiser Caligula vergriff sich letztlich an jeder Frau, die ihm gefiel. Er soll sich beispielsweise während Festen an den Begleiterinnen seiner Gäste vergangen haben.

Im Anschluss prahlte Caligula vor versammelter Runde mit Details der sexuellen Übergriffe. Dabei soll es ihm auch besonders gefallen haben, die Ehemänner seiner Opfer öffentlich zu demütigen.

Prozesse gegen Senatoren

Gegen Ende der Regierungszeit von Kaiser Tiberius hatte es zahlreiche Prozesse wegen Hochverrats gegen Senatoren gegeben. Diese Welle ebnete zu Beginn der Regierung von Kaiser Caligula zunächst ab.

Doch auch Caligula entdeckte dieses juristische Instrument für sich. Es sind 36 Fälle namentlich bekannt, bei denen es zu Folter, Hinrichtung oder zumindest zur Verbannung kam.

Vor allem die Folter von römischen Senatoren stellte einen Tabubruch dar. Ihr Stand gewährte eigentlich eine Immunität gegenüber einer solchen Behandlung. In der Literatur wird darüber hinaus die besondere Willkür bei der Verfolgung betont.

Rennpferd Incitatus als Konsul

Kaiser Caligula hatte ein Lieblingspferd. Den Hengst Incitatus aus dem Rennstall der Grünen im Zirkus. Angeblich schenkte er dem Gaul eine Tränke aus Marmor, einen Sattel mit Purpur sowie ein Halsband aus Edelsteinen und Perlen.

Die Verehrung für das Tier ging soweit, dass Kaiser Caligula sogar einige seiner Schriftsätze mit Incitatus signieren ließ. Eine weitere Überlieferung berichtet, dass Caligula eine feierliche Schwurformel für Staatsakte umformulieren ließ:

„…auf das Wohlergehen und das Vermögen von Incitatus.“

Kaiser Caligula soll sogar geplant haben, das Pferd für das Jahr 42 n. Christus zum Konsul zu ernennen. Die Geste sollte den römischen Senat wohl demonstrativ demütigen.

Ob diese Geschichte den historischen Tatsachen entsprach, ist jedoch nicht gesichert. Möglicherweise handelt es sich hierbei auch um starke Übertreibungen von Autoren wie Cassius Dio oder Sueton.

Förderung der Prostitution

Kaiser Caligula verjubelte die Mittel des römischen Haushalts. Deshalb griff er im weiteren Verlauf seiner Herrschaft zu drastischen Steuererhöhungen. Darunter waren auch kreative Ansätze.

Er förderte beispielsweise zunächst die Prostitution, um anschließend Steuern auf Sexarbeit zu erheben. Jeder Freier musste nun den Mindestpreis einer „Umarmung“ als zusätzliche Abgabe zahlen.

Tyrannenmord an Caligula

Anschlag im Theater

Als entscheidender Rädelsführer hinter dem Komplott und dem Mord an Kaiser Caligula gilt Cassius Chaerea. Der Mann war einer der beiden Kommandeure der Prätorianer.

Zahlreiche Beleidigungen sollen den Präfekten dazu gebracht haben, sich mit dem anderen Kommandeur zu verschwören. Hinzu kamen Verbündete im senatorischen Stand, denn geplant war nicht nur ein Mord. Vielmehr wollten sie auch den vierten Kaiser des Römischen Reiches bestimmen.

Am 24. Januar 41 n. Christus wurde Kaiser Caligula schließlich in den Gängen eines Theaters erschlagen. Dabei soll er die Chance zu einem letzten verächtlichen Ausspruch bekommen haben: „Ich lebe noch!“

Scheitern des Staatsstreichs

Doch die beiden Präfekten hatten die Einstellung der Mannschaften falsch eingeschätzt. Die breite Masse der Soldaten ließ sich nicht von ihren beiden Kommandeuren einspannen.

Mitglieder der wachhabenden Kohorte fanden den nächsten männlichen Angehörigen und legitimen Nachfolger – Claudius. Sie nahmen den gebrechlichen Mann zunächst in Schutzhaft und riefen ihn dann einfach als Kaiser aus.

So wurden die Prätorianer schließlich doch zu den Machern des vierten Kaisers des römischen Imperiums. Doch es waren die einfachen Ränge und nicht die hohen Offiziere, die ihren Willen durchsetzten.

Obwohl sich Cassius Chaerea und auch der Senat gegen den Akt aussprachen, blieb es bei der Einsetzung von Kaiser Claudius. Dem Verschwörer wurde sein Widerstand jedoch umgehend zum Verhängnis.

Der Präfekt der Garde wurde vor ein Gericht gestellt. Den Tyrannenmord beurteilte man zwar als ehrenhaft und begrüßenswert. Doch der Offizier hatte wegen Treulosigkeit sein Leben verwirkt. Er wurde hingerichtet. Cornelius Sabinus, der andere Präfekt, beging Selbstmord.

Damnatio Memoriae

Mit dem Tyrannenmord an Caligula entstand ein Präzedenzfall in der noch sehr jungen römischen Kaiserzeit. Das System beruhte zu wesentlichen Teilen auf dem Gewohnheitsrecht. Da der Tyrann jedoch gewohnheitsmäßig Regeln verletzt hatte, war eine besondere Geste erforderlich.

Über den verhassten Caligula wurde die damnatio memoriae verhängt. Der Begriff ist jedoch eine neuzeitliche Erfindung. Damit bezeichnet man die demonstrative Entfernung von Namen, Statuen, Symbolen oder anderen Erinnerungen an einen toten Kaiser.

Das lateinische Original dieses Vorgehens lautet: „abolitio nominis“. Dabei handelte es sich jedoch eher um punktuelle Maßnahmen. Eine systematische Aktion gegen Kaiser Caligula ist nicht belegt.