Götz von Berlichingen

Götz von Berlichingen – Raubritter

Der historische Götz von Berlichingen war ein schwäbischer Raubritter im ausgehenden Mittelalter des Heiligen Römischen Reiches. Er wurde für seine zahlreichen Fehden und als Hauptmann des Odenwälder Haufens im Deutschen Bauernkrieg von 1524/25 berühmt und berüchtigt.

Götz von Berlichingen als junger Mann
Götz von Berlichingen in jungen Jahren (Bildlink: Wikimedia Commons)

Das Leben des Götz von Berlichingen wurde von Johann Wolfgang Göthe in einem Schauspiel verarbeitet. Dieser legte ihm auch den „Schwäbischen Gruß“ als vermeintliches Zitat in den Mund:

„Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“

Dabei handelt es sich jedoch nicht einfach nur um eine möglichst obszöne Beleidigung. Solche Aussagen gehen auf alte Entblössungs- und Abwehrzauber zurück.

Diese richteten sich gegen Dämonen, Hexen oder persönliche Feinde. Sie finden sich häufig auch als bildliche Darstellungen auf mittelalterlichen Mauern.

Der historische Götz von Berlichingen soll seinen eigenen Angaben zufolge einen Amtmann des Bistums Mainz mit einer ähnlichen Aussage verjagt haben:

„Da schriehe ich wider zu ime hinauff, er soldt mich hinden leckhenn.“

Das Heilbronner Bürgerhaus, in dem Götz von Berlichingen von 1519 bis 1522 in Haft war, setzte dem Raubritter mit einer Spruchtafel deshalb ein besonderes Denkmal:

„Unser großer Landsmann Götz
sprach: jetzt geht die Sache letz,
aber – eh ich soll verrecken,
könnt ihr mich am Arsche lecken.
Goethe hört dies große Wort,
gibt ihm einen Dichterhort,
und er schafft mit dieser Tat
Deutschlands häufigstes Zitat.“

Das Leben des Götz von Berlichingen

Götz von Berlichingen wurde 1480 geboren. Er war das jüngste von zehn Kindern und verbrachte seine ersten Jahre auf der Burg Jagsthausen im Landkreis Heilbronn.

Seine Mutter war eine von Thüngen. Das ist ein sehr altes, aber heute noch existierendes Adelsgeschlecht aus Unterfranken.

Beispielsweise gehörte mit Karl Freiherr von Thüngen eine Person aus diesem Geschlecht zum Kreis des Widerstands gegen Adolf Hitler vom 20. Juli 1944. Er wurde von der Gestapo verhaftet und erschossen. Doch auch Götz von Berlichingen sollte seiner Zeit noch viel Ärger mit diesem Zweig seiner Verwandtschaft haben.

Ab 1494 diente der junge Mann als eine Art Knappe bei einem seiner Vettern. Er wurde auf die ritterlichen Pflichten im ausgehenden 15. Jahrhundert vorbereitet.

Später wechselte er in den höfischen Dienst. Götz von Berlichingen fiel schon früh als rüpelhafter Querkopf auf und war für die Tätigkeit als Page wohl nicht besonders geeignet.

Umso engagierter stürzte sich Götz von Berlichingen in zweifelhafte Abenteuer. Schon als Knappe zog er mit in den Schweizer Krieg von 1499. Der streitlustige Götz begann jedoch erst seine vielleicht größte Leidenschaft, die ritterlichen Fehden, zu entdecken.

Rowdie mit Schwert wird erwachsen

Der junge Götz von Berlichingen wurde nach seiner Zeit als Knappe in den Kreis der vereidigten und freien Ritter aufgenommen. Nach eigenen Worten wollte er nur für den deutschen Kaiser und gute Dinge kämpfen.

Aber kurz nach seiner Weihe zum Ritter schloss er sich schon seinem Bruder an. Dieser hatte sich bereits als Wegelagerer und Plünderer einen Ruf erworben.

Die Brüder waren sehr umtriebig und die Geschäfte liefen gut. Aber die Fürsten und der Schwäbische Bund gingen schließlich gemeinsam gegen die beiden Raubritter vor.

Es war ausgerechnet der eigene Vetter, Neidhart von Thüngen, der erfolgreich intervenierte. Götz zog sich vorerst auf eine Burg zurück und versuchte, die Füße still zu halten.

Ritterliche Fehden des Heißsporns

Der umtriebige Götz von Berlichingen wurde aber bald schon wieder aktiv und das mittelalterliche Fehderecht kam ihm dabei sehr gelegen. Freie Ritter durften sich bei noch so kleinen Rechtsbrüchen gegenseitig bekriegen und das nutzte er aus.

Bereits 1502 beteiligte er sich an der Fehde zwischen den Fürsten von Ansbach und von Nürnberg. Insgesamt war er in seinem Leben nach eigenen Angaben an 15 Fehden beteiligt.

Wegen nichtiger Anlässe führte er Krieg auf eigene Kosten. Er legte sich mit anderen Rittern und auch Städten an. Je nach Situation konnte man so einige tausend Gulden herausschlagen. Sogar mit dem Erzbischof von Mainz lag Götz von Berlichingen im Zwist.

Auch seine Aktivitäten als Raubritter ließen ihn nicht los. Bereits ab 1503 wurden er und sein Bruder wieder aktiv. Aber die Geschichte sollte sich wiederholen. Neidhart von Thüngen legten seinen räuberischen Verwandten erneut das Handwerk.

Ritter mit der eisernen Hand

Als hätte er nicht schon genug Ärger, beteiligte sich Götz von Berlichingen ab 1504 am Landshuter Erbfolgekrieg. Es war auch bei der Belagerung von Landshut, als eine Feldschlange dem Raubritter die rechte Hand zerschoss.

Eine Feldschlange oder auch Kalverine war ein sehr einfacher Kanonen-Typ, der bereits im späten Mittelalter aufkam. Die Kugeln hatten einen Umfang von 3,5 cm bis 13 cm.

Götz von Berlichingen lag nach der Verwundung durch die Feldschlange wochenlang auf dem Krankenbett. Nach seiner Genesung ließ er sich dann die berühmte eiserne Hand fertigen.

Tatsächlich ließ er sich sogar zwei verschiedene Ausführungen anfertigen: eine feine und eine schwere Version. Diese Prothesen konnte er am Stumpf seines rechten Arms festschnallen.

Die mechanischen Finger der eisernen Hände waren sogar verschließbar. Götz von Berlichingen konnte damit Gegenstände halten. Angeblich war er sogar in der Lage, sein Schwert als Ritter mit der eisernen Hand zu führen. Dies dürfte jedoch eine Legende sein.

Keine der beiden Prothesen konnte fest genug angeschnallt werden, um die Energie eines schwingenden Schwertes halten zu können. Die eiserne Hand und das von der Mechanik gehaltene Schwert wären dem Feind höchstens mit viel Schwung entgegen geflogen.

Freundschaft mit Franz von Sickingen

Götz von Berlichingen war jedoch keinesfalls der einzige große Raubritter seiner Zeit. Der große Star der Szene war sein guter Freund Franz von Sickingen.

Dieser führte zahlreiche sehr gewinnbringende Fehden als Ritter des Reiches. Bereits 1515 unterstützte Götz von Berlichingen seinen Kumpel bei der Fehde gegen die Stadt Worms.

1516 beteiligten sich die beiden Raubritter an einem Zug gegen Lothringen. Außerdem führten sie gemeinsam eine Fehde gegen den Landgraf von Hessen.

Burg Hornberg – Wohnsitz des Raubritters

Scheinbar liefen die Geschäfte für Götz von Berlichingen sehr gut. 1517 konnte er sich die stattliche Burg Hornberg als Stammsitz erwerben. Der Raubritter zahlte 6.500 Gulden für sein neues Zuhause an Conz, aus dem fränkischen Rittergeschlecht der Schott von Schottenstein.

Burg Hornberg, der Wohnsitz des Götz von Berlichingen.
Burg Hornberg um 1600 (Bildlink: Wikimedia Commons)

Die Burg Hornberg liegt auf einem hohen Felssporn über dem Neckartal in der Nähe von Mosbach. Die eindrucksvolle Anlage war zusätzlich noch mit einer Vorburg gesichert.

Burg Hornberg konnte deshalb nur sehr schwer eingenommen werden. Damit bot sie sich für Götz von Berlichingen auch ideal als Rückzugsort an.

Der schlitzohrige Raubritter erwarb jedoch nicht nur einen würdigen Sitz für sich und seine Familie. Vor Ort wurde Weinbau betrieben, so dass er zugleich auch eine neue Einkommensquelle erschloss.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1562 war die Burg Hornberg dann der Wohnsitz des Götz von Berlichingen. Dort diktierte er auch seine Lebensgeschichte. Diese wurde später von Johann Wolfgang Göthe als Vorlage für sein Werk genutzt.

Götz von Berlichingen im Bauernkrieg 1524/25

Hauptmann des Odenwälder Haufens

Die Spannungen zwischen den deutschen Adligen und der bäuerlichen Unterschicht nahm in diesen Jahren vor dem Hintergrund der Reformation immer weiter zu. Der Mönch Martin Luther hatte mit seinen Thesen und der Bibelübersetzung das einfache Volk in Aufruhr versetzt. Ohne Absicht hatte der Augustinermönch einen Bürgerkrieg ausgelöst.

Der Deutsche Bauernkrieg tobte ab 1524 wie ein Flächenbrand vor allem über der Mitte und dem Süden von Deutschland. Angestachelt durch Prediger wie Thomas Müntzer hatte sich der gemeine Mann erhoben. Die Bauern organisierten sich in großen Gruppen von einigen hundert und schließlich einigen tausend Mann.

Eine solche Gruppe, der Odenwälder Haufen, fiel im April 1525 in der Nähe der Burg Hornberg ein. Götz von Berlichingen musste verhandeln. Die Bauern machten dem Raubritter ein Angebot, dass er nicht ablehnen wollte. Sie waren eine unorganisierte Bande und brauchten erfahrene Anführer, um den Hochstift Würzburg zu plündern.

Von Götz von Berlichingen versprach man sich, dass er solche Qualitäten haben könnte. Außerdem hatte der Raubritter auch ganz persönliche Motive, gemeinsame Sache mit den Bauern zu machen.

Seine Verwandten, die Herren von Thüngen, hatten ihm und seinem Bruder nicht nur mehrfach das Handwerk als Raubritter gelegt. Sie stellten auch den damaligen Fürstbischof von Würzburg: Konrad II. von Thüngen.

Genau dieser Fürstbischof sollte vertrieben werden. Nebenbei konnten aber auch dutzende Klöster, Güter, kleinere Burgen und natürlich der Familiensitz derer von Thüngen, das Schloss Thüngen, geplündert werden.

Die Bauern im Hochstift Würzburg

Die Bauern zogen plündernd durch den Hochstift. Mehrere solcher bäuerlichen Haufen, insgesamt etwa 15.000 Mann, trafen sich im Mai 1525 zur Belagerung der Festung Marienberg in Würzburg. Darunter fand sich auch der Schwarze Haufen von Florian Geyer.

Die Festung Marienberg oberhalb von Würzburg wurde vom Götz von Berlichingen belagert.
Götz von Berlichingen scheiterte an der Festung Marienberg. (pixabay)

Der Marienberg wurde nur von etwa 250 Mann unter dem Kommando des Sebastian von Rotenhan verteidigt. Götz von Berlichingen dürfte wohl auf fette Beute spekuliert haben.

Der Raubritter erwies sich bei der Belagerung jedoch als katastrophaler Anführer. Am 15. Mai 1525 befahl er seinem Haufen einen nicht abgesprochenen Sturmangriff.

Sie wollten wohl die ersten Plünderer des fürstbischoflichen Sitzes sein. Der Angriff scheiterte jedoch krachend an den Mauern der Festung.

Vor allem der Halsgraben vor dem Tor der Burg wurde den Bauern zum Verhängnis. Der Stadtschreiber Martin Cronthal berichtete, dass die Angreifer „jemmerlich zerhauen und darin begraben wurden“.

Götz von Berlichingen beging noch vor Würzburg Fahnenflucht. Die Bauern zogen nach drei erfolglosen Wochen ebenfalls ab. Anschließend wurden sie von einem Entsatzheer unter dem Truchseß Georg von Waldburg-Zeil, dem Bauernjörg, vernichtend geschlagen.

Der Strauchdieb redet sich heraus

Der Deutsche Bauernkrieg war in der Region bald darauf beendet und Götz von Berlichingen wurde erwischt. Ab 1526 stand er auf dem Reichstag von Speyer vor Gericht.

Dort begründete der Götz von Berlichingen sein Verhalten im Deutschen Bauernkrieg mit einer einfachen Erklärung: Er habe nur das Kommando über den Odenwälder Haufen übernommen, um größere Greueltaten zu verhindern.

Für diese hanebüchene Ausrede wurde er vom Gericht tatsächlich für schuldlos befunden. Aber das Glück hatte dem Glücksritter nur noch diese letzte Gnade gewährt.

Götz von Berlichingen wurde dennoch zu sehr hohen Schadensersatzzahlungen verdonnert. Ausgerechnet seinem verhassten Verwandten, dem Fürstbischof von Würzburg musste er tausende Gulden zahlen. Außerdem wurde er vom Gericht endgültig an die kurze Leine genommen.

Götz von Berlichingen durfte seine Burg Hornberg nie wieder verlassen. Der Richterspruch zwang ihn, jede Nacht in seinem Wohnsitz zu verbringen. Außerdem wurde es dem Raubritter für alle Zeit verboten, ein Pferd zu besteigen.

Letzte Mission des alten Haudegens

Lange Jahre später wurde Götz von Berlichingen im Jahr 1540 vom Kaiser persönlich aus der Acht entlassen. Dieser brauchte erfahrene Leute für den Kampf gegen die Türken.

Innerhalb von nur zwei Wochen stellte der bereits 60-jährige Götz von Berlichingen einen Trupp von 100 Rittern auf. An deren Spitze stürmte er nach Wien, um sich der osmanischen Bedrohung entgegen zu werfen.

Nach dieser letzten Mission kehrte Götz von Berlichingen auf seine Burg Hornberg zurück. Hier diktierte er auch seine Memoiren.

Götz von Berlichingen erreichte noch das damals schon fast biblische Alter von 82 Jahren. Am 23. Juli 1562 ist er dann friedlich verstorben.