Götz von Berlichingen

Götz von Berlichingen im Bauernkrieg

Der historische Götz von Berlichingen war ein schwäbischer Raubritter im ausgehenden Mittelalter. Später wurde er noch Hauptmann des Odenwälder Haufens, einer Gruppierung von aufständischen Bauern im Deutschen Bauernkrieg. Sein Leben wurde von Johann Wolfgang Göthe in einem Schauspiel verarbeitet.

Das Leben des Götz von Berlichingen

Der Ritter wurde 1480 geboren und war das jüngste von zehn Kindern. Er verbrachte seine ersten Jahre auf der Burg Jagsthausen im Landkreis Heilbronn. Seine Mutter war eine von Thüngen. Das ist ein sehr altes, aber heute noch existierendes, unterfränkisches Adelsgeschlecht. Götz sollte noch viel Ärger mit diesem Zweig seiner Verwandtschaft haben.

Ab 1494 diente der heranwachsende Götz von Berlichingen als eine Art Knappe bei einem seiner Vettern. Er wurde auf die ritterlichen Pflichten im ausgehenden 15. Jhd. vorbereitet. Später wechselte er in den höfischen Dienst. Er fiel als rüpelhafter Querkopf auf und war für die Tätigkeit als Page wohl nicht besonders geeignet.

Umso engagierter stürzte sich Götz von Berlichingen in zweifelhafte, militärische Abenteuer. Schon als Knappe zog er mit in den Schweizer Krieg von 1499. Der streitlustige Götz begann jedoch erst seine vielleicht größte Leidenschaft, die ritterlichen Fehden, zu entdecken.

Ein Rowdie mit Schwert wird erwachsen

Der junge Götz von Berlichingen war zwar vereidigter und freier Ritter, der nach eigenen Worten nur für den Kaiser und andere gute Dinge kämpfen wollte. Aber kurz nach seiner Weihe schloss er sich schon seinem Bruder an. Dieser hatte sich bereits als Wegelagerer und Plünderer einen Ruf erworben.

Die Brüder waren sehr aktiv und die Geschäfte liefen. Aber die Fürsten und der Schwäbische Bund gingen schließlich gemeinsam gegen die beiden Raubritter vor. Es war ausgerechnet der eigene Vetter, Neidhart von Thüngen, der erfolgreich intervenierte. Götz zog sich vorerst auf eine Burg zurück und versuchte, die Füße still zu halten.

Die ritterlichen Fehden des Heißsporns

Der umtriebige Götz von Berlichingen wurde aber bald schon wieder aktiv und das mittelalterliche Fehde-Recht kam ihm dabei sehr recht. Freie Ritter durften sich bei noch so kleinen Rechtsbrüchen gegenseitig bekriegen und das nutzte er aus. Bereits 1502 beteiligte er sich freiwillig an der Fehde zwischen den Fürsten von Ansbach und von Nürnberg. Insgesamt war er nach eigenen Angaben in seinem Leben an 15 verschiedenen Fehden beteiligt, die ihn fast permanent beschäftigten.

Wegen nichtiger Anlässe führte er Krieg auf eigene Kosten. Er legte sich mit anderen Rittern und auch Städten an. Je nach Situation konnte man so einige tausend Gulden herausschlagen. Sogar mit dem Erzbischof von Mainz lag Götz von Berlichingen im Zwist.

Auch seine Aktivitäten als Raubritter ließen ihn nicht los. Bereits ab 1503 wurden er und sein Bruder wieder aktiv. Aber die Geschichte sollte sich wiederholen. Neidhart von Thüngen legten seinen räuberischen Verwandten erneut das Handwerk.

Der Ritter mit der eisernen Hand

Als hätte er nicht schon genug Ärger, beteiligte sich Götz von Berlichingen ab 1504 am Landshuter Erbfolgekrieg. Es war auch bei der Belagerung von Landshut, als eine Feldschlange dem Raubritter die rechte Hand zerschoss.

Götz von Berlichingen lag daraufhin wochenlang auf dem Krankenbett. Nach seiner Genesung ließ er sich dann die berühmte eiserne Hand fertigen. Tatsächlich ließ er sich sogar zwei verschiedene, eine feine und eine schwere Ausführung anfertigen. Diese Prothesen konnte er am Stumpf seines rechten Arms festschnallen. Die mechanischen Finger der eisernen Hände waren sogar verschließbar. Er konnte damit Gegenstände halten.

Angeblich war er sogar in der Lage, sein Schwert als Ritter mit der eisernen Hand zu führen. Das dürfte jedoch Unsinn sein. Keine der Prothesen konnte fest genug angeschnallt werden, um die Energie eines schwingenden Schwertes halten zu können. Die eiserne Hand und das von der Mechanik gehaltene Schwert wären dem Feind höchstens entgegen geflogen.

Burg Hornberg – Ein würdiger Sitz für den Raubritter

Scheinbar liefen die Geschäfte für Götz von Berlichingen, denn 1517 konnte er sich die stattliche Burg Hornberg als Stammsitz erwerben. Der schlitzohrige Raubritter erwarb sich jedoch nicht nur einen würdigen Sitz. Vor Ort ließ sich auch bestens Weinbau betreiben, so dass er sich zugleich eine neue Einkommensquelle erschloss.

Der Räuberhauptmann im Deutschen Bauernkrieg

Sebastian von Rotenhan, Götz von Berlichingen, Festung Marienberg, Deutscher Bauernkrieg
Festung Marienberg im Hintergrund / Im Vordergrund die Alte Mainbrücke (CC0)

Die Spannungen zwischen der adligen Oberschicht und der bäuerlichen Unterschicht nahm in diesen Jahren vor dem Hintergrund der Reformation immer weiter zu. Martin Luther hatte mit seinen Thesen und der Bibelübersetzung das einfache Volk in Aufstand versetzt. Ohne Absicht hatte der Augustinermönch einen Bürgerkrieg ausgelöst.

Der Deutsche Bauernkrieg tobte ab 1524 wie ein Flächenbrand über Mitteldeutschland. Angestachelt durch Prediger wie Thomas Müntzer hatte sich der gemeine Mann erhoben. Die Bauern organisierten sich in großen Gruppen von einigen hundert und schließlich einigen tausend Mann.

Eine solche Gruppe, der Odenwälder Haufen, fiel im April 1525 in der Nähe der Burg Hornberg ein und Götz von Berlichingen musste verhandeln. Die Bauern machten dem Raubritter ein Angebot, dass er nicht ablehnen wollte. Sie waren eine unorganisierte Bande und brauchten einen erfahrenen Anführer, um den Hochstift Würzburg zu plündern.

Von Götz von Berlichingen versprach man sich, dass er solche Qualitäten haben könnte. Außerdem hatte der Raubritter auch ganz persönliche Motive, gemeinsame Sache mit den Bauern zu machen.

Seine Verwandten, die Herren von Thüngen, hatten ihm und seinem Bruder nicht nur mehrfach das Handwerk als Raubritter gelegt. Sie stellten auch den damaligen Fürstbischof von Würzburg: Konrad II. von Thüngen. Genau der sollte vertrieben werden. Nebenbei konnten aber auch dutzende Klöster, Güter, kleinere Burgen und natürlich der Familiensitz derer von Thüngen, das Schloss Thüngen, geplündert werden.

Die Bauern im Hochstift Würzburg

Die Bauern zogen plündernd durch den Hochstift. Mehrere solcher bäuerlichen Haufen, insgesamt ca. 35.000 Mann, trafen sich im Mai 1525 zur Belagerung der Festung Marienberg in Würzburg. Diese wurde nur von ca. 250 Mann unter dem Kommando von Sebastian von Rotenhan verteidigt. Der Raubritter dürfte auf fette Beute gehofft haben.

Götz von Berlichingen erwies sich bei der Belagerung als katastrophaler Anführer. Eines nachts befahl er seinem Haufen einen nicht abgesprochenen Sturmangriff. Sie wollten wohl die ersten Plünderer der fürstbischoflichen Burg sein.

Der Angriff scheiterte krachend an den Mauern der Festung und es muss hunderte Tote gegeben haben. Götz von Berlichingen beging noch vor Würzburg Fahnenflucht. Die Bauern zogen nach drei erfolglosen Wochen ebenfalls ab und wurde von einem Entsatzheer vernichtend geschlagen.

Ein Strauchdieb redet sich heraus

Der Deutsche Bauernkrieg war in der Region bald darauf beendet und Götz von Berlichingen wurde erwischt. Ab 1526 stand er auf dem Reichstag von Speyer vor Gericht. Dort erklärte er sein Verhalten im Deutschen Bauernkrieg damit, dass er nur das Kommado über den Odenwälder Haufen übernommen habe, um größere Greueltaten zu verhindern. Für diese hanebüchene Ausrede wurde er vom Gericht tatsächlich für schuldlos befunden.

Aber das Glück hatte dem Glücksritter nur noch diese letzte Gnade gewährt. Er wurde trotzdem zu sehr hohen Schadensersatzzahlungen verdonnert. Ausgerechnet seinem verhassten Verwandten, dem Fürstbischof von Würzburg musste er tausende Gulden zahlen. Außerdem wurde er vom Gericht endgültig an die kurze Leine genommen.

Götz von Berlichingen durfte seine Burg Hornberg nie wieder verlassen. Der Richterspruch zwang ihn, jede Nacht auf seinem Sitz zu verbringen. Außerdem wurde es dem Raubritter für immer verboten, ein Pferd zu besteigen.

Ein letzter Auftrag für den alten Haudegen

Lange Jahre später wurde Götz von Berlichingen im Jahr 1540 vom Kaiser persönlich aus der Acht entlassen. Dieser brauchte erfahrene Leute für den Kampf gegen die Türken. Innerhalb von zwei Wochen stellte der bereits 60jährige einen Trupp von 100 Rittern auf und stürmte nach Wien, um sich der osmanischen Bedrohung entgegen zu werfen.

Danach kehrte Götz von Berlichingen auf seine Burg Hornberg zurück. Hier diktierte er auch seine Memoiren. Er erreichte noch das damals schon fast biblische Alter von über 80 Jahren. Am 23. Juli 1562 ist er dann friedlich verstorben.