Apostel Matthäus

Matthäus – Apostel und Evangelist

Matthäus der Zöllner war ein Jünger des Jesus von Nazaret und galt darüber hinaus als Autor des Matthäusevangeliums. Nach heutigem Wissensstand verfasste jedoch eine anonyme Person aus Syrien dieses Evangelium. Der Text wurde für eine junge Gemeinde geschrieben und entstand wohl grob um 80 n. Christus.

„So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.“ 

(Vaterunser nach Matthäus 9,9-10)

Die traditionelle Überlieferung sieht den Apostel Matthäus und den Evangelisten jedoch als eine Person. Deshalb kommt dem Matthäusevangelium eine besondere Autorität zu. Da der Autor persönlicher Zeuge gewesen sein soll, gilt der Text als besonders authentisch.

Inhaltlich handelt es sich beim Evangelium des Matthäus um eine Beschreibung des Lebens und Wirkens von Jesus. Der Apostel selbst spielt darin nur eine nachrangige Rolle. 

Angeblich brach der Apostel Matthäus einige Jahre nach der Kreuzigung von Jesus um 42 n. Christus zu einer Missionsreise auf. Orte seines Wirkens sind jedoch nicht rekonstruierbar. Auch die Umstände seines Todes sind nicht eindeutig überliefert. 

Im Jahr 1084 n. Christus konnten seine Gebeine jedoch angeblich über Umwege nach Salerno in Italien gelangen. In der Stadt wird er seitdem als Schutzpatron verehrt.

Apostel Matthäus als Begleiter Jesu

Berufung des Zöllners aus Kafarnaum

Ansicht vom See Genezareth in Richtung des biblischen Ortes Kinneret
Der See Genezareth mit Blick in Richtung Nordwesten (pixabay)

Matthäus lebte vor seiner Berufung in einer Stadt names Kafarnaum. Der Ort lag am See Genezareth, dem geographischen Zentrum der frühen Christen.

Der spätere Apostel Matthäus war in seinem früheren Leben ein Zöllner am Hafen. Die Berufsbezeichnung wird ihm häufig als Beinnamen angehängt. Für die christliche Nachwelt ist er deshalb auch zum Patron seiner Standesgenossen wie der Geldverleiher und der Geldwechsler geworden.

Zur Zeit seiner Berufung war der Apostel Matthäus wohl etwa 35 Jahre alt. Seine erste Begegnung mit Jesus hatte er als einer von acht Männern, die einen Gichtkranken zu ihm brachten. Später begegneten sich die beiden Männer erneut und Matthäus schloss sich dem Kreis der Jünger an:

„Und als Jesus von da weiterging, sah er einen Menschen an der Zollstätte sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.“ (Mt 9,9)

Aus der Gegend um den See Genezareth beziehungsweise sogar aus der Stadt Kafarnaum selbst stammten noch weitere Apostel:

Das Gewässer selbst wird vom Fluss Jordan von Norden nach Süden durchkreuzt. Je nach Wasserstand hat die Wasserfläche eine Länge von 21 km und eine Breite von 13 km. 

Insgesamt bot der See Genezareth mit einem Umfang von mehr als 50 km viel Platz zur Versorgung von Menschen. Dabei hält das Gewässer auch einen Weltrekord. Es ist der tiefst gelegene Süßwassersee auf einer Höhe von mehr als 200 Meter unterhalb des Meeresspiegels.

Wundersames Mahl mit Sündern

Nachdem sich Matthäus dem neuen Messias angeschlossen hatte, kam es laut den biblischen Texten zu einem wundersamen Mahl in dessen Haus. Jesus hatte sich nämlich entschlossen, mit anderen Zöllnern und Sündern zu speisen. 

Nachdem das Lager des Apostel Matthäus geleert waren, kam sogar ein Engel vorbei, um die Vorratskammer wieder aufzufüllen. Doch viele Schriftgelehrte und Pharisäer fühlten sich durch dieses Verhalten missachtet. In der Folge kam es zu einer wichtigen Begründung des späteren Christus für sein Verhalten gegenüber Sündern:

„Als das Jesus hörte, sprach er: Nicht die Starken bedürfen des Arztes, sondern die Kranken.“ (Mt 9,12)

Es bleibt jedoch offen, welchen religiösen Hintergrund der Apostel Matthäus vor seiner Berufung hatte. Unklar ist, ob es sich bei ihm um einen Heidenchristen oder um einen Judenchristen handelte.

Bedeutung im Kreis der Jünger

Der Apostel Matthäus war zwar wohl ab seiner Berufung ein steter Begleiter des Jesus von Nazaret. Doch er wird nur selten explizit genannt und nimmt auch ansonsten keine hervorgehobene Rolle ein.

Zwar findet sich sein Name in alle Evangelien. Doch er taucht erzählerisch erst wieder in den Beschreibungen des Pfingstereignisses nach der Kreuzigung von Jesus auf. 

Matthäus als vermeintlicher Evangelist

Diskussion um die Autorenschaft

Die Diskussion um den Verfasser des Matthäusevangeliums geht auf ein einfaches Argument zurück. Der Autor nutzt für das Evangelium gemäß der gängigen Zwei-Quellen-Theorie eine fremde Quellensammlung. 

Wenn es sich bei dem Verfasser um einen persönlichen Zeugen gehandelt hätte, wäre die Verwendung der Texte von Markus in dieser Form nicht notwendig gewesen. Es ist nämlich unstrittig, dass dieser Jesus nicht persönlich erlebt hatte.

Entstehung und Verwertung

Nach der traditionellen Auffassung entstand das Matthäusevangelium in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts n. Christus. Nach neueren Erkenntnissen wird der Zeitraum jedoch deutlich später angesetzt.

Man geht von einer Entstehung grob um 80 n. Christus aus. Im Detail weichen die Schätzungen dann bis zu 20 Jahre in beide Richtungen ab. Die ursprüngliche Sprache ist aramäisch und der Entstehungsort soll Syrien sein.

Aufgrund der vermeintlichen Autorenschaft des Apostels Matthäus fand das Evangelium bereits früh einen Niederschlag in anderen früh-christlichen Schriften. 

Bereits in den Schriften von Ignatius von Antiochia finden sich Zitate aus dem Matthäusevangelium. Dabei handelte es sich um einen sehr wichtigen Bischof aus Klein-Asien. Dieser fand als bedeutender Missionar wohl auch schon während der Herrschaft von Kaiser Trajan kurz nach der Jahrhundertwende sein Martyrium.

Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde das angebliche Evangelium des Apostels Matthäus häufig für Zitate verwendet. An deren Zahl gemessen handelt es sich sogar um die wichtigste Quelle für die christlichen Kirchenväter der Spätantike und des frühen Mittelalters.

Sprache und Besonderheiten

Die zwölf Apostel hatten den Auftrag, erst die Stadt Jerusalem, dann die umliegende Provinz und schließlich den gesamten Erdkreis zu missionieren. Dabei adressierten sie unterschiedliche Gruppen, die vor allem in Judenchristen und Heidenchristen unterschieden werden.

Der Unterschied war, dass zur Überzeugung von Juden sehr viel häufiger auf gemeinsame, alt-testamentarische Gebote verwiesen werden konnte. Dies ist beim Matthäusevangelium der Fall. Besonders auffällig ist das Bestreben, den allgemeinen Glauben an göttliche Propheten im Judentum auf die Person des Jesus von Nazaret zu übertragen.

Das Matthäusevangelium setzt darüber hinaus noch an weiteren Punkten der jüdischen Überlieferung an. So sollen die Texte besonders attraktiv für ein spezielles Publikum sein. Wesentliches Stilmittel ist die Darstellung des Messias durch die Beschreibung von fünf großen Reden.

Zentrale Reden im Matthäusevangelium

Bergpredigt – Auslegung der Tora

Bei der Bergpredigt handelt es sich um die Beschreibung eines Ereignisses während der Wirkungsphase von Jesus. In Folge seiner Aktivitäten war er zu einer Attraktion geworden. Es hatten sich zahlreiche Menschen versammelt, um die Worte des Predigers zu hören.

Jesus nutzte die Gelegenheit, um als jüdischer Rabbiner seine Interpretation der Tora vorzustellen. Er sprach zu einem einfachen Publikum und begann mit neun Seligpreisungen:

  1. „Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.“
  2. „Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.“
  3. „Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.“
  4. „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.“
  5. „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.“
  6. „Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.“
  7. „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“
  8. „Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.“
  9. „Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.“

Darauf folgt eine längere Passage, in welcher der neue Prophet seine Auslegung der Tora darstellt. Diese formulierte er nach Matthäus in sieben Antithesen. Diese stellen jedoch keinen offenen Widerspruch, sondern eine Erweiterung der bisherigen Lehre dar:

  1. „Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein;“
  2. „Ich aber sage euch: Jeder, der eine Frau ansieht, um sie zu begehren, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“
  3. „Ich aber sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, liefert sie dem Ehebruch aus; und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch.“
  4. „Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt des großen Königs!“
  5. „Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!“
  6. „Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet;“
  7. „Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! […] Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!“

Wahl der Apostel und Missionsrede

Eine weitere wichtige Rede ergibt sich nach der Wahl der zwölf Apostel. Diesen gibt er die Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen:

„[…] an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn ausgeliefert hat.“ (Mt 10,2-4)

Wesentlich an den persönlichen Geschichten dieser Auswahl ist, dass sie einen sehr schweren Auftrag erhielten und fast alle den Märtyrertod starben. Deswegen gab der Messias ihnen aufmunternde Worte mit auf den Weg:

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,7-8)

„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!“ (Mt 10,28)

„Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen. Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“ (Mt 10,33-34)

Sieben Gleichnisse und Bedeutung

Zur weiteren Veranschaulichung der neuen Lehre fand Jesus laut dem Matthäusevangelium zu sieben Gleichnissen. Dabei handelt es sich um bildhafte Reden, die der Verständlichkeit dienen sollten:

  1. Gleichnis vom Sämann: Der Samen Gottes braucht Zeit, um wachsen zu können. Dies kann er jedoch nur auf einem nahrhaften Boden.
  2. Gleichnis vom Unkraut: Das Reich Gottes kann auch gegen Widerstände wachsen. Auch sind die Geschicke von gutem Weizen und schlechtem Unkraut so verworren, dass nur Gott am Ende richten kann.
  3. Gleichnis vom Senfkorn: Der Senf hat angeblich besonders kleine Samen. Aus diesen können dennoch große Bäume erwachsen. Dies soll das Wachstum der jungen Religion veranschaulichen.
  4. Gleichnis vom Sauerteig: Der Sauerteig ist wie ein Senfkorn erst klein und wird dann groß. Es handelt sich bei diesem Gleichnis um ein weiteres Bild.
  5. Gleichnis vom Schatz im Acker: Wenn man in den Genuss der Gnade Gottes kommen möchte, muss man sich diese teuer erkaufen.
  6. Gleichnis von der Perle: Bei diesem Gleichnis handelt es sich um ein weiteres Bild für den teuren Preis von Gottes Gnade.
  7. Gleichnis vom Fischernetz: Beim Fang in einem Fischnetz kann wie beim Weizen und beim Unkraut erst nach dem Einholen entschieden werden, was Gut und was Schlecht ist. Auch bei diesem Gleichnis handelt es sich um ein weiteres Bild zur Veranschaulichung bereits gesagter Dinge.

Verführung, Verachtung, Vergebung

Im 10. Abschnitt des Matthäusevangeliums kommt es zunächst zu einem Streit unter den Jüngern. Es geht um die Frage, welcher der Höchste unter ihnen sei.

Jesus löst die Szene auf und warnt vor der Verführung durch das Böse, dass hinter einem Streit steht. Außerdem warnt er vor der Verachtung von solchen Menschen, die man niedriger einschätzt. 

Die Erzählung im Matthäusevangelium geht über in das Gleichnis vom verlorenen Schaf:

„Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück, geht hin und sucht das verirrte? Und wenn er es findet – Amen, ich sage euch: Er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben.“

Schließlich kommt es zur Frage von Petrus, wie oft man einer anderen Person vergeben muss. Die Antwort ergibt sich aus der Vergebung Gottes, die Gläubige weitergeben müssen.

Endzeitrede auf dem Ölberg

Im letzten Drittel des Matthäusevangeliums findet sich eine längere und zusammenhängende Rede von der Endzeit. Diese Eschatologie ist ein zentrales Motiv für die zeitgenössischen Juden und Ur-Christen. Es ist die Logik von den letzten Dingen.

Die Offenbarung des Johannes geht bei der Beschreibung der Apokalypse jedoch sehr viel tiefer ins Detail. Bei Matthäus finden sich hier elf Abschnitte:

  1. Ankündigung der Zerstörung des Tempels in Jerusalem: Nachdem Jesus und seine Jünger den Tempel verlassen, kommt es zu dieser Prophezeiung. Anschließend begeben sie sich zum Ölberg. 
  2. Anfang der endzeitlichen Not: Am Ölberg wird Jesus dann nach Zeichen der Endzeit gefragt:
    • Auftreten von vielen falschen Propheten
    • Kriege und anschließende Hungersnöte
    • Religiöse Verfolgungen
    • Gesetzlosigkeit und Kaltherzigkeit
    • Erdbeben
    • Offenbarung des Evangeliums
  3. Höhepunkt der Not: Die Gläubigen sollen bei der größten Not auf die Berge von Judäa fliehen.
  4. Kommen des Menschensohnes: Der Gekreuzigte wird jedoch unter Posaunenschall die himmlischen Heerscharen sammeln und dann anführen.
  5. Der nahe, aber unbekannte Zeitpunkte: Nur Gott weiß, wann die Apokalypse stattfinden wird. Selbst Engel und Menschensohn sind diesbezüglich nicht informiert.
  6. Der Moment der Entscheidung: Erst wenn Gott kommt, wird klar, wer mit mitgenommen und wer zurückgelassen wird. 
  7. Mahnung zur Wachsamkeit: Mit einem Gleichnis von einem Hausherrn mahnt Jesus zur permanenten Bereitschaft für das jüngste Gericht.
  8. Gleichnis von den Knechten: Der kluge Knecht ist auch in Abwesenheit seines Herrn treu.
  9. Gleichnis von den Jungfrauen: Vorbereitung kann in kritischen Momenten den Unterschied machen.
  10. Gleichnis vom anvertrauten Geld: Von nichtsnutzigen Personen soll man sich distanzieren.
  11. Gleichnis vom Gericht über die Völker: Die Chance auf christliches Verhalten ergibt sich in den Beziehungen der Menschen untereinander.