Geschichte der Taktik (9) – Keltische Krieger

Die keltischen Krieger

Die Kelten siedelten noch 800 v. Christus schwerpunktmäßig im Süden des heutigen Deutschland und im angrenzenden Tschechien. Doch nur 500 Jahre später hatte sich das kriegerische Volk in alle Himmelsrichtungen ausgebreitet:

Die britischen Inseln, die iberische Halbinsel, ganz Mitteleuropa, der Norden von Italien bis hin zu Gebieten am Schwarzen Meer hatten sich die keltischen Krieger erkämpft. Trotz der Heterogenität dieses uneinheitlichen Volkes zeigten sich viele Gemeinsamkeiten im kulturellen und religiösen Verhalten wie auch bei der Kriegsführung.

Eine Karte der strategischen Bewegungen der römischen Armee bei der Eroberung Britanniens unter Kaiser Claudius.
Kaiser Claudius eroberte 43 n. Chr. das keltische Britannien (ODbL)

Ab 400 v. Christus begannen die Kelten auch ihre Dörfer zu befestigen. Damit entwickelten sie sich zum bleibenden Machtfaktor in Europa. Darüber hinaus hinterließen sie dank dieser Siedlungen auch zahlreiche archälogische Funde.

Erst die Römer konnten der Expansion der Kelten einen Riegel vorschieben. Während der römischen Kaiserzeit fielen fast alle Gebiete der Kelten an das Imperium. Das kriegerische Volk wurde romanisiert.

Hierin zeigt sich auch ein entscheidender Unterschied zu den meisten germanischen Kriegern. Diese konnten sich erfolgreicher gegen eine Invasion durch die Römer wehren. Sie hatten die Chance, von ihren Feinden zu lernen und übernahmen schließlich sogar einige Teile des sterbenden Imperiums.

Kriege der Kelten gegen Rom

Die keltischen Krieger waren über Jahrhunderte hinweg immer wieder in Kämpfe gegen römische Legionäre verwickelt. Bis zum Ende der Republik stellten sie eine große Bedrohung dar.

Plünderung Roms 390 v. Chr.

Im 5. Jahrhundert v. Christus stießen die keltischen Senonen aus dem heutigen Frankreich bis in die Po-Ebene vor. Über die Alpen drängten weitere Krieger der Insubrer, der Boier und der Cenomanen nach Nord-Italien. Zusammen verdrängten sie zunächst die dort ansässigen Etrusker.

Unter Brenus stießen sie bis nach Mittel-Italien vor. Die keltischen Krieger bedrängten die Stadt Clusium unweit nördlich von Rom. Dort reagierte man auf einen Hilferuf und schickte Truppen.

Vielleicht schon im Jahr 390 v. Christus oder erst 387 v. Christus kam es daraufhin zur Schlacht an der Allia. Das ist ein kleiner Nebenfluss des Tiber. Die Römer schickten 40.000 Mann ins Gefecht. Die Schlacht fand der Überlieferung nach am 18. Juli statt.

Livius nannte es später den dies ater, den schwarzen Tag der römischen Geschichte. Die Schlacht wurde zur bis dato größten Niederlage der aufstrebenden Macht. Eingeleitet wurde das Desaster durch einen Kollaps des linken Flügels. Dort standen unerfahrene Soldaten, die unter dem Druck einbrachen.

„Vae victis!“ („Wehe den Besiegten!“)

Der Weg nach Rom war frei und die Stadt wurde von keltischen Kriegern geplündert. Nur auf dem Kapitol konnte sich eine letzte Schar verteidigen. Der Legende nach wurden sie eines nachts von einer Schar Gänse gerettet. Diese waren der Göttin Juno geweiht und schnatterten laut, als keltische Krieger versuchten, die Mauern zu erklimmen.

Laut Polybios dauerte die Belagerung sieben Monate lang. Die Truppen um Brenus zogen erst ab, als ihnen die Vorräte ausgingen. Doch das Ereignis brannte sich tief in das kollektive Bewusstsein der Römer ein.

Es kam zu einer Heeresreform. Das römische Kurzschwert (Gladius) wurde als Standardwaffe eingeführt und die Armee begann sich sukzessive von der griechischen Phalanx als taktische Formation zu verabschieden.

Darüber hinaus wurde die Servianische Stadtmauer neu errichtet. Doch diese Mühe war vergebens:

  • Die nächste Eroberung Roms erfolgte erst 700 Jahre später durch den Usurpator und späteren Kaiser Konstantin.
  • Die nächste Plünderung Roms erfolgte sogar erst 800 Jahre später durch die Westgoten unter Alarich.

Zweiter Punischer Krieg

Im 2. Punischen Krieg spielten keltische Krieger erneut eine kritische Rolle zu Lasten der kommenden Supermacht am Mittelmeer. Nachdem Hannibal Barkas in Nord-Italien eingefallen war, schlossen sich zahlreiche keltische Krieger seinem Heerzug an.

Vor allem nach der Schlacht am Ticinus (218 v. Chr.) liefen sie in Scharen über. Zeitweise stellten sie wesentliche Teile des Heeres. Doch letztlich gelang es den Invasoren nie, ausreichend viele keltische Krieger für den Kampf gegen Rom zu mobilisieren.

Insbesondere nach der Schlacht von Cannae (216 v. Chr.) war die Chance einer Niederwerfung Roms zum Greifen nahe. Die keltischen Krieger in Italien waren 14 Jahre lang das Zünglein an der Waage des 2. Punischen Krieges, doch die Gelegenheit zur erneuten Demütigung des Römischen Reiches blieb ungenutzt.

Kampfweise der Kelten

Kultische Handlungen

Die keltischen Krieger bemalten sich vor einer Schlacht mit Kriegsfarben. Hierfür nutzten sie Faiberwaid, ein Kreuzblütengewachs, dass man heutzutage auch deutschen Indigo nennt. Im Kontrast zum Ton der Kriegsbemalung kalkten sich die keltischen Krieger die Haare weiß. So sollte der einschüchterende Effekt noch gesteigert werden.

Außerdem trennten die keltischen Krieger ihren Feinden die Köpfe ab. Hinter diesem Kopfkult stand der Glaube, die Kraft des getöteten Gegners würde mit dieser Handlung auf den Sieger übergehen. Die abgetrennten Köpfe hängten sich die siegreichen Krieger an ihre Pferde oder Gürtel.

Keltische Krieger zelebrierten die Kriegsführung und organisierten sich unter Standarten. Darüber hinaus verfügten sie über das Carnyx, ein Kriegshorn, wie Berichte von Cäsar und Kaiser Claudius belegen.

Dabei handelte es sich um eine Bronze-Trompete. Die Mündung hatte die Form eines Wildschwein- oder eines Schlangenkopfes. Zur Verstärkung dieser Akkustik bildeten die keltischen Krieger auch Sprechchöre, um ihre Feinde noch weiter einzuschüchtern. Keltische Frauen sollen darüber hinaus ihre Männer in der Schlacht angefeuert haben.

Keltischer Schildwall

Feindliche Angriffe wehrten die Krieger nach Möglichkeit mit einem Schildwall ab, der keltischen Variante der griechischen Phalanx aus dem Mittelmeerraum. Beide Taktiken hatten gemein, dass die Krieger sich mit überlappenden Schilden gegenseitig schützten.

Außerdem verfügten auch die keltischen Krieger über lange Speere, mit denen sie sich attackieren konnten. Bereits bei Gaius Julius Caesar finden sich Erwähnungen über diesen Schildwall der keltischen Gallier unter der Führung von Vercingetorix.

Die germanischen Krieger entwickelten den Schildwall der keltischen Krieger in zwei weiteren Varianten:

  • Bei den Angeln hielt die erste Reihe den Schild, während die zweite Reihe mit langen und schweren Speeren bewaffnet war.
  • Bei den Sachsen hielt ebenfalls die erste Reihe den Schild, während die zweite Reihe über Wurfspeere verfügte.

Der Schildwall der keltischen Krieger war jedoch sehr anfällig für die römischen Pila. Diese drangen in die Schilder ein und verbogen dann. Die Kämpfer mussten nach einem solchen Treffer auf diesen Schutz verzichten.

Auch die Anfälligkeit gegen Kavallerie-Angriffe war sehr hoch. Die Erfolge der römischen Taktiken gegen die keltischen Krieger wie beispielsweise im Gallischen Krieg hingen sehr eng mit diesem Defizit zusammen.

Angriffe aus dem Hinterhalt

Doch die keltischen Krieger kämpften ohnehin lieber im Wald. Im offenen Gelände hatten sie gegen die römischen Legionäre als dominierende Militärmacht ihrer Epoche keine Chancen.

Quincunx - Rotation von Manipeln und Kohorten
Der Quincunx der römischen Armee

Aber die einzelnen Gefechte des Boudicca-Aufstandes in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Christus zeigen beispielsweise die Fähigkeiten der keltischen Krieger bei Angriffen aus dem Hinterhalt.

Bei ihren Hinterhalten setzten die keltischen Krieger vorzugsweise auf Attacken aus erhöhten Positionen und mit Fernwaffen. Je nach den örtlichen Möglichkeiten ließen sie auch Baumstämme auf ihre Gegner rollen oder bewarfen diese mit schweren Steinen.

Idealerweise konnten sich die keltischen Krieger dann entweder zurückziehen, bevor sich der attackierte Feind organisieren konnte. Wenn alles glatt lief, konnte ein solcher Hinterhalt jedoch auch ein größeres Gefecht eröffnen.

Rüstung, Schilde und Waffen

Rüstungen

Ursprünglich trugen die keltischen Krieger keinen Schutz. Doch archäologische Funde weisen daraufhin, dass sich im Laufe der Jahrhunderte eine zunehmend stärkere Rüstung verbreitete. Unter den Funden gibt es:

  • Lederrüstungen
  • Brustplatten aus Bronze
  • Kettenhemden
  • Schuppenhemden

Schilde

Die leichte Infanterie und auch die Reiterei der Kelten trug kleine, runde Holzschilde. Schwere Infanteristen hatten jedoch meistens einen langen Schild, in ovaler oder rechteckiger Form.

Ein ganz besonderes Exemplar wurde in der Themse gefunden. Der Battersea-Schild war ein Holzschild mit einem prächtigen Beschlag aus Bronze. Die Arbeit stammt aus einer Zeit um 300 v. Christus und ist bis heute sehr gut erhalten. Der Schild diente jedoch nicht militärischen, sondern dekorativen Zwecken.

Waffen

Seine Waffen hatten für einen keltischen Krieger eine sehr hohe kulturelle Bedeutung. Zahlreiche Grabbeilagen deuten auf einen ausgeprägten Totenkult. Als Stammeskrieger, verfügten sie über eine breite Auswahl und konnten diese entsprechend der individuellen Bedürfnisse modifizieren.

Meist trugen die jungen Krieger die Fernkampfwaffen und bildeten so auch die leichte Infanterie. Die wichtigsten Waffen dieser keltischen Plänkler waren:

Die meisten keltischen Krieger waren jedoch Schwertkämpfer, für die vor allem die Tapferkeit im Kampf zählte. Außerdem gab es Elite-Einheiten von besonders fähigen Kämpfern, die auch sehr viel Ansehen genossen. Die Bewaffnung dieser schweren Infanterie bestand meist aus:

  • Kurz- und Langschwerter (Hiebwaffen)
  • Lanzen und Speeren
  • Beilen und Keulen

Streitwagen

Die keltischen Krieger sind darüber hinaus bekannt für ihre mächtigen Streitwagen. Die Besatzung eines solchen Wagens bestand aus zwei Personen – einem Lenker und einem (adeligen) Waffenträger.

Der keltische Streitwagen wurde jedoch nur wohl nur verwendet, um den Krieger zu einem bestimmten Punkt in der Schlacht zu tragen. Wahrscheinlich war die Hauptaufgabe sogar eher der Rücktransport oder die Deckung für den Kämpfer.

Dass die keltischen Krieger ihre Streitwagen mit Fernkämpfern ausstatteten, ist jedoch nicht bekannt. Darüber hinaus entwickelte sich auch erst sehr spät eine keltische Reiterei, die auch Wurfspeere einsetzte. Entsprechende Funde sind nur aus Britannien bekannt.