Mao Zedong

Mao Zedong – der große Vorsitzende

Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 in der zentral-chinesischen Provinz Hunan geboren. Er zeigte früh seinen rebellischen Geist und schloss sich bereits im Jahr 1911 der anti-kaiserlichen Xinhai-Revolution an. Später trat er der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) bei.

Mit 30 Jahren war Mao Zedong bereits ein Mitglied des Zentralkomitees. Im Jahr 1927 zettelte er selbst einen ersten Aufstand an. Dieser wurde schnell niedergeschlagen. Doch Mao konnte sich mit einigen Getreuen zurückziehen und erste Erfahrung in der Guerillakriegsführung sammeln.

„Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen.“

Bereits zwei Jahre später kontrollierte die Guerillas dann eine Region mit 500.000 Einwohnern. Doch die Kuomintang, die Nationale Volkspartei mit der Macht in Peking, warf die Kommunisten in den 1930er Jahre zurück. Daraufhin führte Mao Zedong seine Getreuen auf den Langen Marsch, eine Flucht von 12.500 km quer durch China.

Doch die Ausdauer der chinesischen Guerillas zahlte sich aus. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bewegung immer erfolgreicher. Schließlich konnte Mao Zedong am 1. Oktober 1949 einen totalitären Staat ausrufen, die Volksrepublik China.

Diesen Staat führte er dann als Paramount Leader, als überragender Führer, bis zu seinem Tod im Jahr 1976. Dabei erwies er sich als gnadenloser Tyrann. Mit seiner rücksichtslosen Politik hat er den Tod von Abermillionen zu verantworten.

Maos Herkunft und Ausbildung

Mao Zedong wuchs in einer bauerlichen Familie auf. Der Vater hatte nach dem Militärdienst Land erworben und konnte die Familie gut ernähren. Doch der Staat war vom Zerfall der kaiserlichen Qing-Dynastie geprägt.

Im Jahr 1900 kam es zum Boxeraufstand gegen die amerikanischen und japanischen Einflüsse in China. In der Familie erlebte Mao jedoch das Diktat seines konservativen Vaters.

Doch als Mao Zedong auf eigenen Wunsch hin ab dem Jahr 1911 die Mittelschule besuchte, wurde sein politisches Interesse offenbar. Zeitweise war er Mitglied der anti-kaiserlichen Armee. Doch nach deren Niederlage ging er zurück an die Schule. Der letzte Kaiser von China dankte dennoch im Jahr 1912 ab.

Im Jahr 1918 wechselte Mao dann nach Peking und arbeitete dort als Hilfsbibliothekar an der Universität. Seine erste Frau war zu diesem Zeitpunkt bereits früh verstorben. Deshalb konnte er dann eine Liebesheirat mit der Tochter seines Lehrers eingehen.

Das alte China am Abgrund

Bewegung vierter Mai (1919 – 1924)

China war in dieser Zeit ein schwaches Land und wurde in den Sog internationaler Ereignisse gezogen. Eine Klausel des Versailler Vertrages sollte besonderen Einfluss auf das Reich der Mitte nehmen.

Die ehemaligen deutschen Kolonien in China wurden an das Kaiserreich Japan übertragen. Damit schwand die Hoffnung der Chinesen, die koloniale Fremdherrschaft zurückzudrängen. Dies löste am 4. Mai 1919 schwere Proteste aus, die Mao Zedong in Peking erlebte.

In China erhob sich ein nationales Bewusstsein gegen ausländische Einflüsse. Der Premierminister und einige Kabinettsmitglieder mussten aus der Regierung zurücktreten. Aus der Bewegung vierter Mai gingen zwei Strömungen hervor, die Kuomintang und die Kommunisten.

Erste Einheitsfront (1924 – 1927)

Im Jahr 1921 kam es dann zur Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Entgegen der verklärenden Darstellung gehörte Mao Zedong jedoch nicht zu den Gründungsväter. Aber er war bereits während des ersten Kongresses einer von dreizehn Delegierten.

Im Januar 1924 bildeten man zusammen mit der Kuomintang eine Regierung als Erste Einheitsfront. Es war ein Zweckbündnis für beide Seiten, da man gemeinsam für die Wiedervereinigung Chinas sowie gegen zahlreiche Warlords im Norden des Landes kämpfen wollte.

Die Kuomintang riskierte als Senior-Partner in dieser Beziehung jedoch auch den absehbaren Bruch. Dennoch gelang es den Kommunisten, entscheidend von dieser Phase zu profitieren. Sie entwickelten sich von einer Splittergruppe zur Massenpartei.

Die Kommunisten konnten vor allem in der breiten Arbeiterschaft und unter den Bauern großen Zulauf verzeichnen. Im April 1927 wurde von der 3. Kommunistischen Internationale (Kommintern), einem weltweiten Zusammenschluss der Kommunistischen Parteien, das Ende der Einheitsfront erklärt.

Der Chinesische Bürgerkrieg (1. Phase)

Herbsternte-Aufstand (1927)

Die Kommintern hatte die chinesischen Kommunisten mit weiteren Weisungen und sowjetischen Berater ausgestattet. Auf dieser Basis zettelte Mao Zedong im Jahr 1927 in Zentralchina einen Aufstand von Bauern an.

Neben lokalen Guerillas verfügte Mao Zedong über angeforderte Kräfte aus anderen Gebieten. Insgesamt führte er 5.000 Mann. Umgehend nach dem Ende der Einheitsfront begannen Aktionen in einigen Städten. Diese brachten jedoch keine Erfolge.

Anfang September startete Mao Zedong deshalb eine neue Offensive. Er ließ kleine Trupps die Anwesen von Großgrundbesitzern überfallen. Dennoch schmolz die Stärke seiner kleinen Armee schnell dahin. Bis Ende September verfügte Mao nur noch über 1.000 Mann.

Mit seinen verbliebenen Leuten zog sich Mao Zedong daraufhin in das Jinggang-Gebirge zurück. Dort schlossen sich ihm noch einige Bergleute an. Aber vor allem lernten die Guerillas den Rückzug und den Kampf in unwegigem Gelände.

Nanchang-Aufstand (1927)

Parallel zum Herbsternte-Aufstand brach im August 1927 in der Stadt Nanchang einer weiterer Aufstand aus. Dieser war ebenso wenig erfolgreich. Doch die Kämpfer zogen sich ebenfalls in das Jinggang-Gebirge.

Dort vereinigten sich die bis dato zersplitterten Guerillas und konnten sich neu formieren. Die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung war hoch. Bis zum Frühjahr 1928 konnten sie eine breite Machtbasis bilden.

Zu diesem Zeitpunkt konnte man dank der Erfolge im Kleinkrieg ein Gebiet mit 500.000 Bewohnern kontrollieren. So wie in der Sowjetunion begannen die Kommunisten umgehend mit politischen Säuberungen.

Darüber hinaus waren die folgenden Jahre von brachialen Machtkämpfen innerhalb der kommunistischen Führung geprägt. Dennoch konnten sich die Aufständischen in der Region festsetzen.

Jiangxi-Sowjetrepublik (1931 – 1934)

Die Konsolidierung der kommunistischen Bewegung gipfelte in der Gründung der Sowjetrepublik Jiangxi im Jahr 1931. Dabei spielte Mao Zedong und seinen Mitstreitern die besondere Schwäche der Kuomintang während dieser Zeit in die Hände.

Wegen der Konflikte mit dem kaiserlichen Japan konnte die Kuomintang lange Zeit keine Kräfte entbehren, um den Guerillas zu begegnen. Doch im Jahr 1934 kam es zu einem Waffenstillstand. Unter der Führung von Chiang Kai-shek wurde daraufhin die Mobilisierung einer Armee von 500.000 Mann forciert.

Mit Hilfe des deutschen Militärberaters und ehemaligen Chefs der Heeresleitung Hans von Seeckt bereitete man eine Invasion der Jiangxi-Sowjetrepublik vor. Auf dessen Empfehlung hin wurde zunächst die Infrastruktur ausgebaut. Im Anschloss zog man einen Gürtel von Festungen um das aufständische Gebiet.

Zug um Zug konnten die Kuomintang so Gelände gewinnen, ohne dabei die eigenen Linien zu entblößen. Angesichts der Überlegenheit bei Männern und Material war die Lage für Mao Zedong und die Guerillas aussichtlos.

Kinder, Frauen, Verwundete und kleiner Teil der Soldaten blieben in der belagerten Provinz zurück. Aber mehr als 85.000 Personen (darunter nur 35 Frauen) traten den strategischen Rückzug an. Dieser entwickelte sich zu einer Flucht quer durch China.

Der Lange Marsch (1934 – 1935)

Die Guerillas konnten sich der Einkesselung in Jiangxi nur durch die offene Flanke im Süden entziehen. Nachdem sie aus dem Kessel entkommen waren, zogen sie westwärts immer tiefer ins Innere von China. Dennoch entgingen sie zweimal nur mit Glück einer Vernichtung:

  • Die lokale Besatzung einer angrenzenden Bunkerlinie ließ die Guerillas erst den Fluss Yudu und dann die Sperrlinie überqueren.
  • Ende November 1934 erreichten sie dann Chinas größten Fluss, den Xiang Jiang. Bei der Überquerung waren sie ein leichtes Ziel für Flugzeuge. Doch aus unbekannten Gründen befahl Chiang Kai-shek den Luftangriff erst nachdem ein Großteil der Truppen schon übergesetzt hatte.

Im Januar 1935 hatten die Guerillas erneut ein bergiges Gelände erreicht. Sie versuchten sich in der Provinz Guizhou festzusetzen. Dort versammelten sich die kommunistischen Führer der Chinesen auch zur Konferenz von Zunyi.

Karte des Langen Marsches der Kommunisten
Mao Zedong – Langer Marsch (ODbL)

Der Untergang ihrer Republik in Jiangxi sowie die Strapazen der Flucht hatte die Spannungen in der kommunistischen Führung noch verstärkt. Doch Mao Zedong konnte sich gut positionieren. Er wurde zu einem Mitglied des Partei-Sekretariats der Partei.

Die militärische Führung verblieb zwar vorerst in anderen Händen. Mao Zedong legte während der Konferenz von Zunyi jedoch den Grundstein für seine Macht innerhalb der Partei. Auch konnte er einen chinesischen Kommunismus auf den Weg bringen.

Die Regionen in Guizhou waren für die Guerillas in militärischer Hinsicht jedoch ebenso wenig zu halten. Deshalb zogen die Kommunisten noch sehr viel weiter in den Norden von China.

Erst als sie nach 12.500 km Marschweg die Provinz Yan’an erreicht hatten, endete der Lange Marsch. Nur 7.000 Personen, weniger als 10 % Prozent, schafften es bis ans Ziel. Aber sie hatten eine neue Heimat gefunden.

Dort ließen sich die kommunistischen Kämpfer nieder und bauten Mohn an. Mit Einnahmen aus dem Drogenhandel konnte Mao Zedong die Organisation dann über viele Jahre hinweg neu aufbauen.

Der Chinesische Bürgerkrieg (2. Phase)

Chinesisch-Japanischer-Krieg (1937 – 1945)

Am 7. Juli 1937 kam es an der Marco-Polo-Brücke südwestlich von Peking zu einem kriegsauslösenden Zwischenfall. Beteiligt waren japanische und chinesische Truppen. Der Hintergrund war eine militärische Übung. Dabei wurde ein japanischer Soldat kurzzeitig vermisst.

Dies gab Anlass für einen Befehl zur Erstürmung eines benachbarten Ortes. Dabei kam es dann zu echten Scharmützeln. Trotz vieler Bemühungen um Frieden, weiteten sich die Kämpfe zwischen anfangs nur sehr kleinen Einheiten der beiden Mächte zum 2. Chinesisch-Japanischen Krieg aus.

Für Mao Zedong und seine Anhänger in der Provinz Yan’an war dies ein großer Glücksfall. Ihnen wurde ein langer Zeitraum zur Entwicklung neuer Kräfte eingeräumt. Vor allem gelang es, eine industrielle Infrastruktur für die kommenden Kämpfe aufzubauen.

In dieser Zeit wurden die chinesischen Kommunisten massiv von ihren sowjetischen Genossen unterstützt. Mit Geldern, Material und auch Ausbildung trugen sie zur Wiederauferstehung der Bewegung bei.

Die Sowjets sorgten auch dafür, dass nach dem Ende des 2. Weltkrieges zahllose Beutewaffen der Japaner in die Hände der Guerillas fielen. Nur wenig später flammte der chinesische Bürgerkrieg dann erneut auf.

Offensive der Guerillas (1945 – 1949)

Zunächst ging die Kuomintang  gegen die Kommunisten unter Mao Zedong vor. Sie griffen erneut zur bewährten Strategie und zogen einen Gürtel von Festungen um das Gebiet der Aufständischen.

Doch die Guerillas hatten aus ihren Niederlagen gelernt. Statt die Festungen anzugreifen, zogen sie Belagerungsringe um die Standorte. Mit Hilfe von Flugabwehr unterbanden sie auch eine Versorgung der eingekesselten Feinde aus der Luft.

Die Aufständischen profitierten dabei sehr von der Unterstützung durch die Bevölkerung. Außerdem ließen hohe Inflationsraten die Handlungsfähigkeit der Kuomintang immer geringer werden.

So konnten die Guerillas mit begrenzten Verlusten zahlreiche Lager ihrer Gegner einnehmen. Dieser Ansatz hatte den besonderen Vorteil, dass viel Material und Waffen in die Hände der Kämpfer von Mao Zedong fielen. Ähnlich ging auch General Giap wenige Jahre später im Indochina- und dann im Vietnamkrieg vor.

Die Entscheidung des Bürgerkrieges fiel bereits in der Mandschurei. Währenddessen flackerten im gesamten Land weitere Revolten auf. Nach den Siegen von Mao Zedong im Norden des Landes zogen die Kommunisten mit 500.000 Mann nach Süden.

In Zentralchina bei Huaihai kam es zu einer zweimonatigen Schlacht. Während dieser Gefechte wurden die Truppen von Chiang Kai-shek fast komplett aufgerieben. Die verbliebenen Kuomintang sowie etwa zwei Millionen Zivilisten setzten sich  nach Taiwan ab. Die Kommunisten besetzten Peking.

Mao und die Volksrepublik China

Erste Reformen (1949 – 1950)

Am 1. Oktober 1949 rief Mao Zedong am Tor des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China aus. Das war der frühere Haupteingang zur Verbotenen Stadt, dem Palast des Kaisers von China.

Die Kommunisten hatten die breite Bevölkerung des rural geprägten Landes hinter sich. Diese Bindung wurde von Mao durch eine umgehende Enteignung aller Großgrundbesitzer weiter gestärkt. Die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche verteilte er neu. Davon profitierten 120 Millionen Bauern.

Aber die Kämpfe gegen die Kuomintang gingen noch einige Zeit weiter. Außerdem wurden tatsächlich oder auch nur angebliche Konterrevolutionäre in sogenannten „Kampfversammlungen“ ohne Prozessordnung dem Lynch-Mob preisgegeben. Schätzungen gehen von mehr als einer Millionen Tote aus.

Koreakrieg (1950 – 1953)

Am 25. Juni 1950 brach der Koreakrieg aus. Der kommunistische Norden marschierte im Süden ein, um das gespaltenen Land wiederzuvereinigen. Die Offensive begann sehr vielversprechend. Bereits in den ersten Tagen stießen die Streitkräfte weit vor.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte in Abwesenheit des sowjetischen Repräsentanten die Invasion und erteilte ein Mandat. Im Rahmen der Vereinten Nationen unterstützte daraufhin ein breites Bündnis den Süden von Korea.

Aber Anfang September war nur noch Busan, ein kleines Gebiet im Südosten der Halbinsel, in den Händen der Kapitalisten. Doch mit der amphibischen Operation Chromite gelang es General Douglas MacArthur einen Brückenkopf im Rücken der Kommunisten zu bilden.

Die Invasionsarmee wurde zerschlagen. Nun stand aber plötzlich der Weg nach Norden offen. Das UN-Mandat sah dies zwar nicht mehr vor, aber nun sahen Süd-Korea und die USA die Chance auf eine Wiedervereinigung.

Für die international noch belächelte Volksrepublik China war dies die Chance, sich Respekt zu verschaffen. Mao Zedong wollte zwar nicht offen dem Krieg beitreten. Aber er sandte eine Armee von 200.000 „Volksfreiwilligen“, die den kommunistischen Norden hielten.

Letztlich kam es zu einem Waffenstillstand in Korea. Doch die Volksrepublik China hatte sich gegenüber der Sowjetunion emanzipiert und war erstmals als echte Bedrohung wahrgenommen worden. Darüber hinaus schuf Mao Zedong mit Nord-Korea einen abhängigen Staat unter seinen Anrainern.

Erster 5-Jahresplan (1953 – 1957)

Die ersten Reformen der Volksrepublik China liefen erfolgreich ab und auch die Wirtschaft entwickelte sich gut. Um die Erwartungssicherheit nach den turbulenten Jahren zu erhöhen, ließ Mao Zedong einen wirtschaftspolitischen 5-Jahresplan aufsetzen.

Darin wurde vorgeschrieben, wie sich das Land in den nächsten Jahren zu entwickeln hat. Der Fokus wurde nach sowjetischem Vorbild auf die Schwerindustrie gelegt. Die kommunistischen Brüder halfen auch bei der erfolgreichen Umsetzung.

Die Volksrepublik China erreichte ein jährliches Wachstum zwischen 8 % und 9 %. Ein großer Kritikpunkt von Mao selbst war die Entwicklung einer umfangreichen Bürokratie, die teilweise auch eine abgeschottete Elite hervorbrachte.

„Den Künstlern und Schriftstellern sagen wir: Lasst hundert Blumen blühen. Den Wissenschaftlern sagen wir: Lasst hundert Schulen miteinander wetteifern.“ (27. Februar 1957)

Gegenüber den Intellektuellen öffnete sich Mao Zedong im Laufe dieser Jahre. Er ließ die chinesische Schrift reformieren und setzte ein Programm zur Alphabetisierung auf. Eine flammende Rede von ihm prägte den Begriff der Hundert-Blumen-Kampagne.

In diesen Jahren brach aber auch der chinesische Mittelstand zusammen. Handel und Handwerk hatten mit zunehmenden Schikanen und hohen Steuern zu kämpfen. Nach und nach wurden Unternehmen an den Staat verkauft.

Im Jahr 1955 wurde ein Gesetz zur Monopolisierung von lebenswichtigen Konsumgüter erlassen. Darüber hinaus setzte als Spätfolge der frühen Agrarreform auch eine Kollektivierung der landwirtschaftlichen Güter ein.

Großer Sprung nach vorn (1958 – 1961)

Nach den Erfolgen des ersten 5-Jahresplan wollte Mao Zedong diese Linie fortführen. Der zweite Plan sollte noch ambitionierter sein und China als Wirtschaftsmacht in die Liga der etablierten Großmächte katapultieren.

„Wenn wir 40 Millionen Tonnen [Stahl] in fünf Jahren erreichen können, werden wir Großbritannien bereits in sieben eingeholt haben. Und weitere acht Jahre später werden wir mit den USA gleichgezogen sein.“ (18. Mai 1958)

Die Kampagne erhielt den Namen „Großer Sprung nach vorn“. Sie bestand aus mehreren Initiativen, die für die gesamte Bevölkerung verpflichtend waren:

  • Es wurden zahlreiche Staudämme und Bewässerungsanlagen errichtet. Diese sollten die landwirtschaftliche Produktion steigern. Hierfür wurden lokale Bauern in quasi-militärischen und kasernierten Einheiten zusammengefasst.
  • Mao Zedong erzwang die Einführung von Volkskommunen, um die ländliche Bevölkerung zusammenzufassen. Schon im Jahr 1959 produzierten die Kommunen etwa 93 % des landwirtschaftlichen Ertrages.
  • Statt großer Stahlwerke zu errichten, ließ Mao im ganzen Land kleine Hochöfen für die Eisen- und Stahlproduktion bauen. Wiederum mussten lokale Bauern für Brennmaterial sorgen und das Metall kochen.
  • Aus Mangel an Devisen tauschte die Volksrepublik China massenhaft landwirtschaftliche Güter gegen Maschinen aus der Sowjetunion.

Im Glauben an eine gute Ernte hatten sich die Funktionäre jedoch völlig verkalkuliert. Tatsächlich führte diese Wirtschaftspolitik von Mao Zedong zur Großen Chinesischen Hungersnot mit etwa 20 bis 50 Millionen Toten.

Noch dazu war es vielen Betrieben zwar irgendwie gelungen, die quantitativen Vorgaben des Großen Sprunges zu erfüllen. Aber die Qualität der Arbeit war in allen Bereich sehr schlecht.

Im Jahr 1961 kam es zu einer „Adjustierung“ dieses zweiten 5-Jahresplanes. Die Vorgaben wurden reduziert und auch die Kommunen wurden verändert. Es gelang den Kommunisten jedoch, die breite Bevölkerung über den flächendeckenden Charakter der Misere zu täuschen.

Kulturrevolution (1966 – 1976)

In der Partei war Mao Zedong aufgrund seiner katastrophalen Fehler sehr geschwächt. Wegen der zahlreichen Missstände führte er deshalb ab dem Jahr 1966 zahlreiche Säuberungsaktionen durch.

Vor allem Professoren und Partei-Kader hatte er im Visier. Nur etwa ein Drittel der Funktionäre war nach der ersten Welle noch im Amt. Damit machte er sich jedoch auch viele Feinde in der Kommunistischen Partei.

„Wir, die Roten Garden, treten für die Verteidigung der roten Staatsführung ein. […] Die Mao-Zedong-Ideen sind unsere obersten Anweisungen. Wir schwören, dass wir fest entschlossen sind, für den Schutz der Partei und des großen Führers Mao Zedong unsere letzten Tropfen Blut zu vergießen.“ (Eid der Roten Garden)

Mao Zedong rief zur Gründung der Rote Garden auf. Diese verbreiteten die Kulturrevolution im ganzen Land. Sie brachten den universitären Betrieb in China für mehr als ein Jahrzehnt praktisch zum Erliegen. Schätzungen gehen von 400.000 Toten und Millionen von misshandelten Personen aus.

Wenige Wochen nach dem Tod von Mao Zedong am 9. September 1976 in Peking fand die Kulturrevolution ihr Ende. Die wichtigsten Funktionäre der Kampagne wurden aus dem politischen Apparat entfernt und selbst verhaftet.