Kaiser Nero

Kaiser Nero – 54 bis 68 n. Christus

Nero war ein Sprößling der julisch-claudischen Kaiserdynastie und wurde 37 n. Christus unter dem bürgerlichen Namen Lucius Domitius Ahenobarbus in Antium, unweit südlich von Rom, geboren.

Kaiser Nero gilt wegen seiner angeblichen Verantwortung für einen verheerenden Brand in der Hauptstadt sowie für Christenverfolgungen als eine wahnsinnige Inkarnation des Bösen, die u. a. auch die Apostel Petrus und Paulus umbringen ließ.

Doch die Herrschaft von Nero als römischer Kaiser kannte auch gute Zeiten. Trotzdem ereilte ihn ein tragisches Ende. Mit Kaiser Nero endete auch die Phase der julisch-claudischen Kaiser.

Noch zu Lebzeiten wurde Nero vom Senat zum Feind des Volkes erklärt. Die damnatio memoriae, die Verbannung (Zerstörung) seines Andenkens, wurde ebenfalls vom Senat über seine Person verhängt.

Auf der Flucht vor den Häschern des Senats wählte Kaiser Nero im Jahr 68 n. Christus noch im letzten Moment den Freitod. Er stach sich, unterstützt von seinem Privatsekretär, mit einen Dolch in Hals.

Die Familie und der Aufstieg von Nero

Nero war der Sohn von Julia Agrippina, einer äußerst ergeizigen Schwester von Kaiser Caligula. Deshalb wurde sie auch von ihrem Bruder ins Exil geschickt. Doch mit dem Tod des Tyrannen sollte sich auch das Schicksal ihrer Linie wenden.

Julia Agrippina heiratete nach dem Tod ihres zweiten Mannes erneut und zwar ausgerechnet den amtierenden Kaiser Claudius. So erhielt auch ihr Sohn Lucius vermehrte Aufmerksamkeit.

Bald zeichnete sich ab, dass Claudius den Sohn der Julia Agrippina seinem eigenen Sproß sogar vorzog. Der spätere Kaiser Nero erhielt schon früh viel Verantwortung und wurde systematisch für sein Prinzipat aufgebaut.

Mit 16 Jahren heiratete Nero dann auf das Bestreben seiner Mutter die eigene, 13-jährige Stiefschwester Octavia, die Tochter von Claudius. Damit dies überhaupt juristisch möglich war, musste Octavia zunächst von Verwandten adoptiert werden.

Kaiser Nero zu Beginn seiner Regierung

Die Innenpolitik von Nero

Im Jahr 54 n. Christus verstarb Claudius. Angeblich hatte wieder Julia Agrippina die Finger im Spiel. Sie soll ihren Gatten mit Gift ermordet haben, um Platz an der Spitze des Staates für ihren Sohn Nero zu schaffen. Es gelang auch den Sohn von Claudius endgültig aus dem Rennen zu drängen.

Die ersten Jahre nach der Thronbesteigung von Kaiser Nero verliefen jedoch sehr positiv und ganz anders, als man es anhand des Bildes der Nachwelt vermuten würde. Der junge Kaiser bewährte sich in politischen Fragen.

„Wenn ich doch bloß nicht schreiben könnte!“ – Kaiser Nero bei seinem ersten Todesurteil

Die intensive Vorbereitung auf das Prinzipat zahlte sich in Form von weitsichtigem Handeln aus. Auch pflegte Kaiser Nero anfangs ein gutes Verhältnis zum Senat und fand zu gütlichen Beziehungen entlang dieser inner-gesellschaftlichen Konfliktlinie.

Kaiser Nero gerne seinen Respekt vor den Traditionen. Dabei betonte er vor allem auch gerne seinen Bezug zu Kaiser Augustus, dem „Stammvater“ aller Kaiser.

Die ersten fünf Jahre unter Kaiser Nero waren sogar so positiv besetzt, dass der Begriff quinquennium Neronis entstand. Vor allem der Einfluss des Philosophen Seneca und von Burrus, dem Präfekten der Prätorianer, auf den jungen Kaiser soll in dieser Zeit von großer Bedeutung gewesen sein.

Die Außenpolitik von Nero

Kaiser Nero hatte von Claudius drei wichtige außenpolitische Themen geerbt. Es rumorte sowohl im Osten wie Westen des römischen Imperiums:

  • In Armenien mussten Parther befriedet werden.
  • In Britannien erhoben sich die Icener unter der Führung von Boudicca.
  • In Judäa kam es zu Aufständen und später zum Krieg.

Doch das römische Reich begann sich zunehmend zu verstricken. Das erbmonarchische System der alten Römer begann mit Kaiser Nero endgültig seine Schwächen zu offenbaren.

Die Zahl der Brandherde mehrte sich bereits und auch unter Kaiser Nero wurden neue Wunden geschlagen. Nicht nur die spätere Christenverfolgung, auch Tempelplünderungen in Provinzen ließen den Hass auf das römische Reich wachsen.

Erst unter dem adoptierten Kaiser Trajan fand die römische Außenpolitik noch einmal in die alte Erfolgsschiene zurück. Knapp 40 jahre später sollte das Imperium noch einmal substanzielles Wachstum verzeichnen. Aber unter Kaiser Nero gab es keine großen Siege für das Reich.

Der Wandel zum wahnsinnigen Tyrann

Das Jahr 62 n. Christus sollte zum Wendepunkt der Herrschaft von Kaiser Nero werden. Burrus verstarb und Seneca zog sich in den Ruhestand zurück. Damit verlor der zu diesem Zeitpunkt erst 25-jährige Nero seine beiden wichtigsten Ratgeber und persönlichen Halt.

Kaiser Nero als Künstler

Parallel dazu brach der Künstler in Nero immer weiter hervor. Er hatte bereits seit seiner Kindheit einen Hang zu den schönen Dingen, aber als Erwachsener gierte er nach Aufmerksamkeit für seine Kreationen.

„Welch ein Künstler geht mit mir zugrunde!“ – Kaiser Nero, letzte Worte

Er trat öffentlich als Schauspieler und Musiker auf und machte sich damit in den Augen der Leute lächerlich. Sein Umfeld und die Bevölkerung verloren den Respekt vor Kaiser Nero.

Der große Brand von Rom im Jahr 64 n. Chr.

Nur zwei Jahre später wurde Rom dann von einer Katastrophe heimgesucht. Die Metropole bestand damals aus 14 Bezirken, die größtenteils dramatisch überbevölkert waren. Die Bewohner drängten sich auf engstem Raum in Mietskasernen.

Erschwerend kam hinzu, dass auch die Gebäude dicht an dicht gebaut waren. Außerdem gab es auch keine einheitliche Feuerwehr, so dass es in Rom ohnehin täglich zu schweren Häuserbränden kam.

Im Hochsommer des Jahres 64 n. Christus sollte es dann zu einem apokalyptischen Feuersturm in der Hauptstadt kommen. Am 19. Juli herrschte noch dazu ein starker Wind, so dass am Ende vielleicht nur ein Funke reichte.

Als das Feuer ausbrach, hielt sich Kaiser Nero in seiner Geburtsstadt Antium auf. Er eilte sofort nach Rom und engagierte sich sehr bei der Organisation einer Brandbekämpfung. Doch es wurden drei Stadtbezirke völlig zerstört. Sieben weitere Bezirke wurden in schwere Mitleidenschaft gezogen.

Der große Brand von Rom dauerte 7 Nächte und 6 Tage lang. Erst durch eine Brandschneise auf dem Esquilin konnte das Inferno gestoppt werden. Der Verlust an Menschenleben muss enorm gewesen sein.

Es starben nicht nur Viele durch Einwirkungen des Feuers. Es kam auch zu zahlreichen Opfern, die in der Panik einfach niedergetrampelt wurden. Weil das Feuer immer wieder in einzelnen Stadtteilen aufflammte, wurden Verschwörungstheorien laut.

Unmut begann sich gegen den Kaiser zu rühren. Nero stand ohnehin in dem Verdacht, nur durch eine Verschwörung und durch einen Mord an seinem Stiefvater Claudius an die Macht gekommen zu sein.

Der junge Monarch war nach dem Verlust seiner Mentoren zunehmend hochmütig geworden. Es kam die Unterstellung auf, er hätte den großen Brand von Rom absichtlich legen lassen. Angeblich hatte Kaiser Nero dies getan, um sich eine neue Traumstadt zu errichten.

Es kam auch tatsächlich zu erheblichen Arbeiten. Vor allem die Straßen wurden sehr viel breiter gemacht. Dies diente vor allem der Bewältigung des steigenden Verkehrs in der Hauptstadt und natürlich auch dem Brandschutz.

Vor diesem Hintergrund beschuldigt ein Volkstribun Kaiser Nero im Jahr 65 n. Christus ganz offen der Brandstiftung. Selbst Seneca äußerte diesen Verdacht. Auch für die großen römischen Historiker wie Cassius Dio, Sueton und Plinius dem Älteren stand fest, dass Nero für das Feuer verantwortlich war.

Die moderne Sicht ist jedoch sehr viel differenzierter. Der erste große Brandherd befand sich nämlich am Caelius-Hügel. Dieser war bereits zum vierten Mal in nur 30 Jahren komplett niedergebrannt.

Dabei handelte es sich jedoch keinesfalls um ein verhasstes Armenviertel. Vielmehr war es eine gehobene Gegend in der Nähe des Circus Maximus. Wenn Kaiser Nero die ihm unterstellte Vision hätte umsetzen wollen, dann er hätte das Feuer sicherlich wo anders legen lassen.

Außerdem wurde auch ein eben erst neu gebauter Palast von Kaiser Nero zum Opfer der Flammen. Dabei wurden auch einzigartige Kunstschätze aus dem hellinistischen Raum zerstört.

Die Neroinische Christenverfolgung

Die Stimmung in Rom war so aufgeheizt, dass es einen Sündenbock für den großen Brand brauchte. Da Kaiser Nero wohl tatsächlich nicht verantwortlich war, aber Schuldige benötigte, bediente er sich einer kleinen unbeutenden Sekte in Rom.

Wahrscheinlich war es die Idee eines findigen Beraters von Kaiser Nero, die Schuld für das Feuer auf eine kleine Minderheit abzuschieben. Die Christen boten sich als Opfer an, weil sie zahlenmäßig noch sehr klein waren und weil der Kult noch keinerlei gesellschaftliche Anerkennung genoß.

Die ersten Christen in Rom waren sogar negativ aufgefallen, weil sie sich gegen zahlreiche Normen versperrten. Sie lehnten den Kaiserkult genauso ab, wie die Einordnung in soziale Klassen und die Sklaverei.

Außerdem schotteten sich die frühen Christen gegen andere Kulte ab. Der Geschichtsschreiber Tacitus unterstellte den Christen sogar einen „Hass auf das Menschengeschlecht“.

Deshalb boten sich die Christen als ideale Sündenböcke an, denen man als Ableger der „misantrophen Juden“ in der Antike wirklich alles zutraute. Echte Belege für ein mögliches Fehlverhalten von Christen oder Juden gibt es aber natürlich nicht.

Nur ein Szenario ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit behaftet. Unter dem Einfluss der Apostel Petrus und Paulus kam es möglicherweise zu freudigen Reaktionen von seiten einiger Christen über den großen Brand im heidnischen Rom. So ähnlich wie es zum Jubel von einigen Muslimen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam.

Die Konsequenzen der Anfeindung waren für die junge Glaubensgemeinschaft jedoch verheerend. Es kam zu spektakulären Prozessen gegen Christen. Alleine die Zugehörigkeit zum Christentum reichte für eine Verurteilung.

Diese, die erste von zehn, Christenverfolgungen blieb auf die Stadt Rom beschränkt. Dennoch soll es nach neueren Schätzungen zu etwa 200 Todesurteilen gekommen sein. Die Hinrichtungen der Christen unter Kaiser Nero waren in höchstem Maße sadistisch.

Viele Verurteilte wurden in Tierfelle eingenäht und dann zur Belustigung des Volkes öffentlich den Raubtieren im Circus zum Fraß vorgeworfen. Andere wurden als lebende Fackeln verbrannt. Christinnen wurden vorzugsweise an wilde Stiere gekettet und zu Tode geschliffen.