Geiserich

Geiserich – König der Vandalen

Geiserich war ein König, ein rex, der Vandelen in der Zeit der Völkerwanderung. Er wurde 389 n. Christus geboren und führte als Nachfolger seines Vaters einen großen Verband von germanischen Stämmen quer durch Europa und Nordafrika.

Karte der Wanderung der Vandalen von 400 bis 455 n. Chr.
Der Zug der Vandalen – unter Geiserich eroberten sie Karthago und Rom (ODbL).

Der Name Geiserich bedeutet auf vandalisch „Speerfürst“. Er galt als kriegerisch und weise zugleich. Dabei war er nur der Bastard des Königs Godigisel mit einer Unfreien. Ursprünglich hatte er sogar noch seinen legitimen Halbbruder Gunderich in der Erbfolge über sich.

Bereits unter der Führung des Vaters waren die Vandalen aufgrund des Migrationsdrucks während der Völkerwanderungszeit aus ihren alten Siedlungsgebieten im heutigen Rumänien gen Westen gezogen.

Als die Vandalen bereits Spanien erreicht hatten, wurde Geiserich ab 428 n. Christus der unbestrittene Anführer seines Volkes. Als höchst erfolgreicher Feldherr stand er für fast 50 Jahre an der Spitze seines Stammes.

Bis zu seinem Tod im Jahr 477 n. Christus eroberte Geiserich weite Teile des weströmischen Reiches. Dabei gelang es ihm, sowohl Karthago wie auch Rom einzunehmen. Außerdem besetzte er die Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien.

Besondere Unterstützung erhielt Geiserich von seinem Sohn Hunerich. Dieser wurde schließlich auch zum Nachfolger seines Vaters an der Spitze der Vandalen in Afrika.

Die Wanderung der Vandalen (400 bis 455 n. Chr.)

Im Gebiet der heutigen Ukraine erhob sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Christus das Reitervolk der Hunnen. Die nomadischen Krieger zogen wie Heuschrecken nach Westen und fielen in Osteuropa ein. Dabei vertrieben sie ansäßige Stämme.

Der Zug der Vandalen (ab 400 n. Chr.)

Der vandalische Verband von König Godigisel war ursprünglich im heutigen Rumänien beheimatet. Zusammen mit benachbarten Alanen zogen sie unter der Führung des Vaters von Geiserich wegen des Drucks durch die Hunnen wohl ab 400 n. Christus in Richtung Westen.

Bereits früh auf ihrem Marsch stießen weitere vandalische Verbände zum „Volk“ von König Godigisel. Vor allem die Stämme aus Schlesien schloßen sich dem Zug an. Außerdem waren auch viele weitere Germanen auf dem Weg zu den römischen Gebieten im heutigen Deutschland.

Die Überquerung des Rheins (406/7 n. Chr.)

Nach wenigen Jahren erreichte der germanische Heerzug den Rhein, die Grenze des weströmischen Reiches. Der mächtige Fluss bildete ein natürliches Hindernis und war Teil des römischen Limes.

Auf den Flüssen Rhein, Main und Donau patrouillierten normalerweise leichte Flusskriegsschiffe. Diese schnellen Ruderboote war meist mit etwa 30 Mann besetzt. Die Ruderer waren jedoch keine Sklaven sondern römische Legionäre.

Noch dazu waren einige Bogenschützen auf jedem Boot. Außerdem verfügte die Grenze über zahlreiche Kastelle auf römischer Seite. Das Hinterland war jedoch sehr viel weniger gesichert.

Versuche von Germanen, die Flüsse zu überqueren, konnten über Jahrhunderte hinweg relativ leicht durch diese Patrouillenboote abgewehrt werden. Auch für die Vandalen stellte der Rhein und die römischen Truppen zunächst ein kritisches Hindernis dar.

Doch 405 n. Christus gelang es einer gotischen Horde unter dem Befehl des Heerführers Radagaisus in Italien einzufallen. Sie zogen durch die Poebene und konnten sogar Florenz belagern.

Deshalb zog der römische Kaiser zahlreiche Truppen von der Rheingrenze ab. Zum Jahreswechsel 406/7 n. Christus sollte es dann bitter kalt werden. Die Fluten des mächtigen Rheines froren zu.

Der Fluss konnte auf einmal zu Fuß überquert werden. Plötzlich lag kein natürliches Hindernis mehr zwischen den Germanen und dem weströmischen Reich. Aber nicht nur die Vandalen hatten auf ihre Chance gelauert.

Die verbliebenen Truppen der Römer am Rhein wurden binnen kürzester Zeit komplett überrannt. Doch König Godigisel fiel bei der Überquerung des Rheins in einer Schlacht gegen fränkische Hilfstruppen des römischen Reiches.

Unter der Führung von Gunderich

Noch dem Tod von König Godigisel übernahm der älteste und legitime Sohn Gunderich die Führung der Vandalen und Alanen, als Rex Vandalorum et Alanorum. Doch er stand zunächst vor einer großen Herausforderung.

Der gotische Heerführer Radagaisus hatte im Jahr 406 n. Christus die entscheidende Schlacht bei Faesulae gegen römische Truppen in der Nähe von Florenz verloren. Deshalb konnte das weströmische Reich seine Truppen wieder etwas verlagern.

Die Plünderung Galliens (ab 407 n. Chr.)

Die Vandalen nutzten ihre Chance, sich in Gallien nach Kräften zu bereichern. Der germanische Verbund zog vom Rhein kommend durch das heutige Frankreich und bewegte sich in Richtung des Mittelmeeres.

Doch es gelang römischen Truppen, den Zug der Vandalen im Süden von Frankreich nach Spanien abzudrängen. Im Jahr 409 n. Christus überquerten sie die Pyränäen und setzen sich im Norden von Spanien fest.

Im darauffolgenden Jahr wendete sich das Blatt jedoch erneut. Im Jahr 410 n. Christus gelang es dem gotischen König Alarich I. in Italien einzudringen und Rom zu plündern.

Das weströmische Reich lag erneut am Boden. So kam es zu Verhandlungen zwischen dem Reich und den Vandalen unter der Führung des Bruders von Geiserich im Norden von Spanien.

Als Foederati in Spanien (ab 411 n. Chr.)

So war es Gunderich gelungen, die Vandalen vom Rhein bis nach Spanien zu führen. Die Vandalen und Alanen hatten in einem knappen Jahrzehnt Europa von Ost nach West durchquert.

Bis dahin waren sie die großen Profiteure der gotischen Züge nach Italien zu Beginn des 5. Jahrhunderts. Doch ab 416 n. Christus wandelte sich der Einfluss der Goten auf die Geschicke der Vandalen.

Diese zogen nun ebenfalls nach Spanien weiter. Angesichts der gotischen Übermacht führte Gunderich die vandalischen Verbände in den Süden von Spanien.

Zum Glück für die Vandalen kam es jedoch bald zu einem Aufstand im römischen Reich. Außerdem erwies sich der Bruder von Geiserich als ein sehr guter militärischer Anführer und es gelang, zahlreiche römische Armeen in Spanien zu schlagen.

Bis zum Jahr 425 n. Christus hatten sich die Vandalen im Süden von Spanien etabliert. Dabei erwiesen sie sich als ein äußerst gelehriges Volk, dass sich als zivilisatorische Neuerung mit dem Fischfang und der Seefahrt vertraut machte.

Aufstieg von Geiserich (428 n. Chr.)

Die 20er Jahre des 5. Jahrhunderts waren von zahllosen Kämpfen begleitet. Im Jahr 428 n. Christus hatten es die Vandalen auf die Stadt Sevilla abgesehen. Doch bei der Belagerung kam Gunderich ums Leben.

Viele Quellen werfen den Verdacht auf, dass Gunderich von Geiserich ermordet wurde. Dieser ließ nämlich zu einem späteren Zeitpunkt auch die beiden minderjährigen Söhne seines Halbbruders töten.

Geiserich war nun in seinem Leben bereits von Rumänien bis in den Süden von Spanien gezogen und hatte die Macht über sein Volk übernommen.

Die Vandalen in Nordafrika (429 n. Chr.)

Aber das Fernweh lang auch Geiserich in den Adern. Außerdem hatte das kontentiale Volk in wenigen Jahren gelernt hatte, sich über das Mittelmeer zu bewegen. Bereits im Jahr 425 n. Christus war eine Flottenexpedition bis ins heutige Marokko vorgedrungen.

Bereits ein Jahr nach seiner Machtübernahme setzten die Vandalen bei Gibraltar von Spanien aus nach Nordafrika über. Angeblich folgte er dabei einem Hilferuf des römischen Feldherrn Bonifatius.

Doch der Römer hatte sicher nicht damit gerechnet, dass etwa 15.000 bis 20.000 germanische Krieger zusammen mit weiteren etwa 50.000 Familienangehörigen plötzlich bei ihm auftauchen würden. Neben den Alanen, die den Zug der Vandalen schon lange begleiteten, hatten sich inzwischen auch zahlreiche versprengte Goten dem Zug angeschlossen.

Da Bonifatius die Germanen zurückschicken wollte, entschied sich Geiserich zum Krieg gegen die Römer. So begann ab 429 n. Christus der lange Marsch der Vandalen durch Nordafrika.

Belagerung von Hippo Regius (430 n. Chr.)

Innerhalb eines Jahres hatte sich der barbarische Heerwurm entlang der Küste des Mittelmeers bis in Richtung Karthagos vorkämpft. Der militärische Widerstand war minimal, da Bonifatius nur über kleine Kontingente verfügte.

Im Jahr 430 n. Christus erreichte der Zug von Geiserich die Stadt Hippo Regius, das heutige Annaba. Dorthin hatten sich zahlreiche Anhänger des frühen Christentums zurückgezogen. Unter der Führung von Augustinus hofften sie dort auf ein Wunder.

Die Stadt leistete massiven Widerstand und konnte der Belagerung durch die Vandalen ganze 14 Monate lang widerstehen. Doch schließlich fiel die Stadt. Beim folgenden Sturm kam es zu einem Massaker und Plünderungen.

Vorläufige Entscheidung (432 n. Chr.)

Erst im dritten Jahr nachdem die Vandalen das Mittelmeer überquert hatten, konnten die Römer eine Armee in Nordafrika zusammenziehen. Entscheidend war die Unterstützung durch das oströmische Reich für die weströmische Provinz.

Es kam zu einer vorläufigen Entscheidungsschlacht im Jahr 432 n. Christus. Doch Geiserich und die Vandalen schlugen erfolgreich die vereinten Kräfte des ost- und des weströmischen Reiches in Nordafrika zurück.

Doch Geiserich ging es zunächst um eine Konsolidierung seines neuen Machtgebietes. Er trotzte dem weströmischen Reich mit seiner Hauptstadt in Ravenna einen Frieden zu seinen Bedingungen ab.

Ravenna erkannte die Vandalen erneut als römischen Bundesgenossen an. Es blieben vier Jahre, bis die Römer erneut eine schwere Niederlage gegen die Goten hinnehmen mussten und wieder Bewegung in die Situation kam.

Eroberung Karthagos (439 n. Chr.)

Geiserich nutzte die Jahre des Bündnisses mit Rom für seine Vorbereitungen. Im Jahre 439 n. Christus waren es wiederum die Goten, die den Vandalen geostrategischen Flankenschutz für ihre Expansionspläne boten.

Eine schwere Niederlage der Römer nutzte Geiserich, um das Bündnis zu brechen. Noch im selben Jahr nahm er Karthago ein. Die Stadt war das Zentrum des frühen Christenums und das letzte Mal im Dritten Punischen Krieg gefallen.

Seitdem hatte sich die Stadt schon längst wieder zum bedeutenden Handelszentrum erhoben. Vor allem aber war Nordafrika als Kornkammer des weströmischen Reiches nun endgültig in die Hände der Vandalen gefallen.

In den folgenden Jahren versuchten die Römer wiederholt in Nordafrika zu landen. Doch selbst die vereinten Kräfte des ost- und des weströmischen Reiches konnten die Vandalen nicht mehr aus der Provinz vertreiben.

Zum Vorteil von Geiserich erwiesen sich die römischen Kommandeure auch noch als äußerst unfähig. Deshalb hatten die Römer im Jahr 442 n. Christus auch kein Wahl mehr, als die Vandalen erneut als Bündnisgenossen anzuerkennen.

Diktatfrieden mit den Römern (ab 442 n. Chr.)

Karthago und die Provinz Africa waren in wirtschaftlicher Hinsicht von strategischer Bedeutung für das weströmische Reich gewesen. Auch der Verlust der Getreidelieferungen nach Italien wirkte sich verheerend aus.

Das weströmische Reich war endgültig erpressbar geworden. Geiserich nutzte diese Druckmittel um sich zunehmend in die römische Politik einzumischen. Unter anderen Dingen konnte er erzwingen, dass Eudocia, die Tochter des Kaisers, mit seinem Sohn Hunerich verlobt wurde.

Doch im Jahr 449 n. Christus wurde der weströmische Kaiser Valentinian III. ermordet. Geiserich sah sofort seine Chance, erneut militärisch aktiv zu werden.

Balearen, Korsika, Sardinien und Sizilien (449 n. Chr.)

Nach bewährtem Konzept hatten die Vandalen ihre Jahre als Bündnisgenossen erneut genutzt, um sich auf die nächsten Eroberungen vorzubereiten. Mit schnellen Angriffen von Karthago aus eroberten sie zahlreiche Inseln im Mittelmeer.

Erneut zeigten die Vandalen ihre Qualitäten als Seefahrer. Aber vor allem hatte Geiserich nun auch das getreidereiche Sizilien besetzen können. Rom, die Mega-Metropole der Antike, war nun einer weiteren Versorgungsquelle beraubt.

Geiserich stellte auch tatsächlich mehrfach die Getreidelieferungen ein, um den Römern seinen Willen aufzuzwingen.

Plünderung Roms durch die Vandalen (455 n. Chr.)

Im darauffolgenden Jahr kam es zur weitreichenden Allianz zwischen Geiserich und Attila, dem König der Hunnen. Ab dem Jahr 450 n. Christus arbeiteten die Vandalen und Hunnen gemeinsam gegen die Reste des weströmischen Reiches.

Flavius Aetius, der starke Mann des weströmischen Reiches wurde dann im Jahr 454 n. Christus ermordet. So ging auch noch eine wichtige Führungsfigur verloren. Nachdem sich Geiserich bereits in Sizilien festgesetzt hatte, konnte er nun ohne größere Probleme nach Italien vorstoßen.

Im Jahr 455 n. Christus fielen die Vandalen dann unter seiner Führung in Rom ein. Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrhundert wurde die Stadt zum Opfer von barbarischen Horden.

Zwei Wochen lang wurde die Stadt geplündert. Geiserich sah jedoch keinen Sinn darin, Italien in diesen unruhigen Zeiten halten zu wollen.

Konsolidierung des Vandalenreiches

Die Vandalen waren nun in einer außerordentlich komfortablen Situation. Sie richteten sich als privilegierte Oberschicht in ihren Gebieten ein. In den folgenden Jahren gelang es auch weiterhin, jegliche Interventionen durch die Römer abzuwehren.

Doch Geiserich und sein Volk nahmen sehr schnell die lokalen Bräuche an. Auch die vandalische Sprache überlebte nicht mehr lange. Das Reich der Vandalen sollte insofern schon bald keinen Bestand mehr haben.

Bereits der Sohn von Hunerich mit Eudocia, der Tochter des verstorbenen Kaisers, sollte der letzte König der Vandalen sein. Geiserich gelang es jedoch noch sein Lebenswerk zu krönen.

Wenige Jahre vor seinem Tod im hohen Alter erhielt Geiserich die offizielle Anerkennung als souveräner Fürst mit Sitz in Karthago durch den oströmischen Kaiser, den wahren Potentaten am Mittelmeer.