Albrecht von Wallenstein

Albrecht von Wallenstein – Feldherr

Albrecht von Wallenstein hieß eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein. Er wurde am 24. September 1583 in Hermanitz an der Elbe geboren und war ein Aufsteiger aus dem niederen Adel. Als Feldherr und Kriegsunternehmer avancierte Wallenstein dann zu einer Schlüsselfigur des 30-jährigen Krieges.

„Er [Wallenstein] hat eine Vorstellung davon, dass man eine Kühe, die man melken will, nicht schlacht darf.“

Herfried Münkler – deutscher Politikwissenschaftler

Sein besonderes Talent bestand in der Verknüpfung von wirtschaftlichen und militärischen Fragen. Einerseits zielte sein Ansatz auf die Ausbeutung von eroberten Gebieten. Damit prägte Wallenstein den neuzeitlichen Raubkrieg, wie er beispielsweise auch vom 3. Reich unter Adolf Hitler geführt wurde.

„Der Krieg ernährt den Krieg.“ (Wallenstein bei Friedrich Schiller)

Darüber hinaus baute Albrecht von Wallenstein ganze Industriezweige zur Produktion von Waffen und anderem Kriegsmaterial auf. Er entwickelte Produktionsschleifen und harmonisierte sein militärisches und wirtschaftliches Vorgehen.

Als Günstling des katholischen Kaisers Ferdinand II. wurde Albrecht von Wallenstein schließlich zum Generalissimus ernannt. In dieser Rolle nahm er entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des 30-jährigen Krieges von 1618 bis 1648.

Etwa ein Drittel der Bevölkerung der betroffenen Gebiete verloren in den Wirren des Konfliktes ihr Leben. Insgesamt waren das etwa sechs Millionen Menschen. Der Krieg endete erst mit dem Westfälischen Frieden von Münster.

Doch der Emporkömmling hatte sich mit seinem Aufstieg viele Feinde unter den Reichsfürsten gemacht. Auf dem Regensburger Kurfürstentag im Jahr 1630 wurde der Feldherr deshalb erstmals entlassen. Nur die Landung der schwedischen Armee unter dem charismatischen König Gustav II. Adolf führte später zur Reaktivierung.

Doch Albrecht von Wallenstein hatte nach langen Kriegsjahren schließlich selbst viel zu verlieren. Nach dem Tod des schwedischen Königs in der Schlacht von Lützen im November 1632 zeigte sich bei dem Kriegsunternehmer eine zunehmende Bereitschaft zum Frieden.

Das Jahr 1633 war deshalb von wachsenden Konflikten zwischen dem mächtigen General und dem frommen Kaiser geprägt. Der wirtschaftlich denkende Wallenstein hatte kein Verständnis für die religiös motivierten Entscheidungen seines Monarchen.

In einer geheimen Entscheidung wurde am Wiener Hof am 31. Dezember 1633 deshalb der Sturz von Wallenstein geplant. Dieser verkannte zunächst die Gefahr und zog sich erst sehr spät vor seinen Feinden zurück. Kaisertreue Offizieren ermordeten Albrecht von Wallenstein dann am 25. Februar 1634 im Haus des Stadkommandanten von Eger in Böhmen.

Familiärer Hintergrund der von Waldsteins

Ohne seinen ökonomischen Hintergrund ist der politische und militärische Aufstieg von Albrecht von Wallenstein nicht denkbar. Doch seine Familie stammte aus dem niederen Adel und verfügte über keinen besonderen Reichtum.

Die Eltern verstarben, als der junge Albrecht erst elf Jahre alt war. Das Erbe musste er sich mit zwei Schwestern teilen. Er kam zunächst in die Obhut eines Schwagers seiner Mutter.

Dieser ließ Albrecht in protestantischen Schulen ausbilden. Doch er fiel mehrfach durch extreme Gewaltausbrüche auf. Einmal schlug er einen Diener halb tot und wurde deshalb von den Lehranstalten verbannt.

Erste militärische Erfahrung in Ungarn

Im Jahr 1602 begann Albrecht von Wallenstein dann seinen militärischen Werdegang als Schildknappe. Er diente beim Markgrafen Karl von Burgau in Innsbruck.

Nur zwei Jahre später wechselte Wallenstein im Sommer 1604 als Fähnrich zu einem Regiment von kaiserlich-böhmischen Fußknechten. Der junge Mann wurde mit der Einheit nach Ungarn versetzt. Dort war er an der Bekämpfung eines protestantischen Aufstandes beteiligt.

In Ungarn lernte Albrecht von Wallenstein die zeitgenössischen Taktiken der leichten Kavallerie kennen. Außerdem erlebt er erstmals den Grafen von Tilly. Dieser entwickelte sich später im 30-jährigen Krieg ebenfalls zu einem sehr wichtigen General der Katholiken.

Im Laufe des Feldzuges wurde Albrecht von Wallenstein zum Hauptmann befördert. In Oberungarn bei Kaschau kam es dann zu einer Verwundung an der Hand.

Nach dem Ende der Kämpfe wurde Wallenstein in den Rang eines Obristen befördert. Doch der Friedensschluss beendete auch seine erste militärische Karriere als Offizier.

Wallenstein wechselte daraufhin in eine zivile Funktion. Er hielt sich erst in Wien und dann in Prag auf.

Horoskop von Johannes Kepler

Albrecht von Wallenstein präsentierte sich im Laufe seines Lebens immer wieder als abergläubische Person. Während seines Aufenthalts in Prag aktivierte er dann seine Verbindungen für einen Kontakt zu dem Astronom Johannes Kepler.

Kepler war der Hofmathematikus erstellte dem noch unbedeutenden Mann ein Horoskop. Nach Golo Mann kam es dabei zu einer denkwürdigen Beschreibung des Charakters von Wallenstein:

„…ein wachendes, aufgemuntertes, emsiges, unruhiges Gemüt habe, allerhand Neuerungen begierig, dem gemeines menschliches Wesen und Händel nicht gefallen, sondern der nach neuen, unversuchten, oder doch sonst seltsamen Mitteln trachte, doch viel mehr in Gedanken habe, als er äußerlich sehen und spüret lassen.“

Erste Ehe mit Lukretia und Reichtum

Doch für Albrecht von Wallenstein war es zunächst entscheidend, das er all seine Unternehmungen vorfinanzieren musste. Im Jahre 1609 heiratete er dann eine angeblich wenig attraktive, aber dafür sehr reiche Witwe.

Die Frau hieß Lukretia und war etwa 400.000 Gulden schwer. Bereits ein Jahr später gehörte Albrecht von Wallenstein zu den reichsten Grundbesitzern in Mähren.

Lukretia verstarb bereits im Jahr 1614. Wallenstein richtete ihr eine prunkvolle Beerdigung aus und missachtete umgehend eine testamentarische Verfügung.

Nach seinen Jahren als landwirtschaftlicher Magnat zog es Albrecht von Wallenstein jedoch bald wieder zu den militärischen Fragen seiner Zeit. Im Jahr 1617 erwarb er seine erste Armee.

Es herrschte der Friauler Krieg. Das war ein Konflikt zwischen dem Landesherrn von Österreich und Venedig. Der junge Wallenstein nutzte die Chance, den späteren Kaiser Ferdinand II. erstmals zu unterstützen.

Der Dreißigjährige Krieg über Europa

Europa war im Jahr 1618 großen konfessionellen Spannungen ausgesetzt. Katholiken und Protestanten führten schwere Auseinandersetzungen. Vor diesem Hintergrund war der erz-katholische Ferdinand II. im Jahr zuvor zum böhmischen König ernannt worden.

Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618

Der Hradschin - die Prager Burg, Ort des Fenstersturzes.
Hradschin – die Burg von Prag (pixabay)

Ferdinand II. versuchte gegen den Widerstand der Stände eine Gegen-Reformation in Böhmen zu starten. Am 23. Mai 1618 eskalierte die Situation auf dem Hradschin in Prag.

Protestantische Böhmen verwickelten drei katholische Emissäre in ein Handgemenge. Die Katholiken wurden kurzerhand aus einem Fenster geworfen – der Prager Fenstersturz.

Diese Defenstration ging glimpflich aus. Sie landeten auf einem Misthaufen. Der Sekretär Philipp Fabricius profitierte sogar von dem Ereignis. Zurück in Wien wurde er geadelt und dürfte sich in der Folge Philipp Fabricius von Rosenfeld und „Hohenfall“ nennen. Dennoch war dieser Zwischenfall ein Funken am politischen Pulverfass.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 – 1648 begann. Albrecht von Wallenstein hatte erheblichen Einfluss auf die Perpetuisierung dieses Konfliktes. Außer den Gewalthandlungen kam es zu vielen Seuchen und Hungersnöten, so dass das Elend bald schon weite Landstriche überzog.

Aufstieg des böhmischen Feldherrn

Albrecht von Wallenstein gehörte zu den Verbündeten der ersten Stunde von Ferdinand II. in Wien. Dieser war im Jahr 1619 dann zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ernannt worden. Bereits in den ersten Jahren des 30-jährigen Kriegs gelang dem Aufsteiger aus Böhmen deshalb eine steile Karriere.

Nach dem Prager Fenstersturz rekrutierte Albrecht von Wallenstein umgehend 3.000 Musketiere. Er bot Ferdinand II. an, noch dazu ein Regiment Kürassiere anzuwerben. Das waren die schweren Reiter ihrer Zeit. Über das Schwert hinaus trugen Kürassiere auch zwei Pistolen für den Kampf gegen Pikeniere. 

Es kam dann auch zu dieser Anwerbung und der böhmische Aufsteiger wurde vom Kaiser erneut zum Obersten ernannt. Schon kurz darauf erweiterte Wallenstein seine Truppen um weitere 300 Mann.

Protestantische Kräfte wollten Albrecht von Wallenstein daraufhin auf ihre Seite ziehen. Er weigerte sich jedoch. Stattdessen plünderte er im protestantischen Olmütz die Stadtkasse und konfiszierte Waffen. Anschließend zog Wallenstein mit seinen Männern und der Beute nach Wien.

Wallenstein wurde dafür in Mähren enteignet und verlor dort seine Güter. Formal war er zu diesem Zeitpunkt nur noch ein mittelloser Söldnerführer. Dafür hatte Albrecht von Wallenstein erheblich an Einfluss beim Kaiser gewonnen. Das sollte sich für ihn noch auszahlen.

Schlacht am Weißen Berg (1620)

Der ursprünglich regionale Glaubenskonflikt zog schnell internationale Kreise. Das reiche Spanien wurde ebenfalls von einer Linie der Habsburger regiert. Diese schickten ihrem Verwandten, dem Kaiser in Wien, hochwertige Truppen und sehr viel Geld.

Die Spanier handelten jedoch nicht aus familiärer Nächstenliebe. Vielmehr befanden sie sich bereits selbst seit Jahren im Konflikt mit den protestantischen Niederländern. Das Engagement in Böhmen diente aus ihrer Sicht deshalb auch der Prävention eines weiteren konfessionellen Brandherdes in Europa.

Kaiser Ferdinand II. nahm die Unterstützung gerne an und war so erst in der Lage, im größeren Stil gegen Böhmen loszuschlagen. Es war die Intervention einer ausländischen Macht, die die erste Phase der großen militärischen Auseinandersetzungen des 30-jährigen Krieges möglich machte.

Später sollte dann Frankreich in Person von Kardinal Richelieu den Kriegseintritt der Schweden ermöglichen. Doch zehn Jahre zuvor kam es zunächst 1620 vor Prag zur Schlacht am Weißen Berg.

Die Protestanten waren weit unterlegen. Die Schlacht ging verloren und Böhmen fiel wieder in die Hände des katholischen Kaisers. Albrecht von Wallenstein hatte auf die richtige Karte gesetzt.

Erhebung zum Reichsfürsten

Im Sommer 1623 fiel Gabriel Bethlen, der Fürst von Siebenbürgen, mit 50.000 Mann in Ungarn ein. Der Kaiser konnte dem Eindringling jedoch nur etwa 9.000 schlechte ausgerüstete Soldaten entgegen stellen.

Albrecht von Wallenstein nutzte die Chance. Auf eigene Initiative hin rekrutierte er Truppen und kümmerte sich um Material. Kaiser Ferdinand II. war davon sehr angetan.

Am 3. September 1623 wurde Albrecht von Wallenstein dann in den Reichsfürstenstand erhoben. Der Angriff von Gabriel Bethlen blieb jedoch nur durch Glück ohne weiteren Erfolg.

Die Armee aus Siebenbürgen litt unter entscheidenden Versorgungsproblemen. Sie musste sich schließlich zurückziehen.

Kriegseintritt der Dänen

Die Folgen der Schlacht am Weißen Berg waren sehr weitreichend. Im österreichischen Stammland von Ferdinand II. und in Böhmen wurde die Gegen-Reformation mit Nachdruck voran getrieben.

Es folgten weitere Züge gegen protestantische Staaten in Mittel-Deutschland. Damit geriet die Machtbalance zwischen den Konfessionen in der Mitte Europas immer weiter aus den Fugen.

Die protestantischen Dänen fühlten sich bedroht und traten schließlich dem Krieg gegen die Katholiken bei. So entstand eine Notlage für Kaiser Ferdinand II. und Albrecht von Wallenstein gelang sein vielleicht größter Coup. 

Der Krieg ernährt den Krieg

Der Kaiser benötigte unbedingt Truppen, aber er hatte kein Geld. Wallenstein bot ihm an, auf eigene Kosten 50.000 Mann zu stellen. Auf die Frage hin, wie Wallenstein eine solche Armee unterhalten wolle, kam es nach Friedrich Schiller zu den berühmten Worten:

Der Krieg ernährt den Krieg. (Albrecht von Wallenstein)

Der Plan von Albrecht von Wallenstein war, dass die zu besetzenden Gebiete für die Soldaten bezahlen. Daraus ergab sich für ihn eine einfache Schlussfolgerung: Je größer die Armee ist, desto mehr Gewinn kann man machen.

Wallenstein änderte mit diesem Ansatz die Kriegsführung. Außerdem investierte er in neue Waffen. Die Muskete setzte sich immer mehr auf den Schlachtfeldern durch. Die Zeit der mittelalterlichen Schlachten war nun endgültig vorbei.

Wallenstein errichtete industrielle Produktionsstätten für die neuen Waffen. So profitierte er in mehrfacher Hinsicht von der militärischen Eskalation. Mit seinen 50.000 Man zog er schließlich marodierend durch den Norden von Deutschland.

Albrecht von Wallenstein brachte den Raubkrieg über Europa. Seine Truppen hinterließen eine Spur der Verwüstung. Sie plünderten nach Kräften. In Nord-Deutschland kam es dabei zu unzähligen Toten und es brachen Hungersnöte aus.

Sein Heerzug löste eine fatale Dynamik in der Region aus. Viele der Einheimischen hatten keine Chance, dem Elend zu entkommen. Ihnen blieb nur eine Wahl. Sie mussten sich selbst der Kriegsmaschine anschließen. So konnte Albrecht von Wallenstein seine Reihen mit frischen Soldaten auffüllen und die Dynamik erhalten.

Doch Albrecht von Wallenstein erwies sich auch als fähiger Taktiker auf dem Schlachtfeld. So verteidigte er sich beispielsweise 1626 in der Schlacht von Dessau sehr erfolgreich trotz großer Unterzahl.

Durch eine versteckte Bewegung seiner Kavallerie führte er einen erfolgreichen Gegenschlag aus. Er ging als Sieger aus diesem Gefecht hervor. Die Schlacht von Lutter im selben Jahr entschied Wallenstein ebenfalls durch ein verstecktes Manöver.

Erste Entlassung Wallensteins

Im Jahr 1630 hatten die Reichsfürsten jedoch endlich einen Trumpf gegen Albrecht von Wallenstein in der Hand. Der Hintergrund war, dass Kaiser Ferdinand II. die Königswahl seines Sohnes auf dem Kurfürstentag in Regensburg durchsetzen wollte.

Die Nachricht von der Absetzung erreichte den Generalissimus am 6. September 1630 in seinem Feldlager in Memmingen. Bis heute finden in Memmingen deshalb die Wallensteinfestspiele statt.

Doch die Reichsfürsten hatten sich zu früh gefreut. Aus dem Norden war bereits eine neue Bedrohung für die katholische Sache heraufgezogen, die nur Albrecht von Wallenstein abwehren konnte.

Kriegseintritt von Schwedenkönig Gustav Adolf

Der protestantische König Gustav II. Adolf von Schweden war bereits im Frühsommer 1630 auf Usedom gelandet. Im Herbst gelang ihm die Besetzung weiter Teile von Mecklenburg.

Der Löwe aus Mitternacht marschierte von Erfolg zu Erfolg. Die schwedischen Truppen drangen durch Mittel-Deutschland bis nach Franken und Bayern vor. Gegen Ende des Jahres 1631 wurde Wallenstein deswegen gedrängt, wieder eine Generalat zu übernehmen.

Im Rahmen der Göllersdorfer Vereinbarung wurde Albrecht von Wallenstein am 13. April 1632 erneut als Generalissimus bestellt. Seine Vollmachten wurden als „directorium absolutum“ bezeichnet.

Pappenheim in der Schlacht von Lützen

Nach einem ersten Achtungserfolg in der Schlacht an der alten Veste bei Nürnberg zog Wallenstein zunächst gegen die protestantischen Sachsen. Die Schweden stellten ihn daraufhin bei Lützen unweit süd-westlich von Leipzig. 

Das Gefecht war militärisch eher unbedeutend. Jedoch fielen mit dem schwedischen König und einem kaiserlichen Heerführer zwei sehr bedeutende Persönlichkeiten des 30-jährigen Krieges. 

Im Laufe der Schlacht von Lützen kam es zu einer spektakuläre Szene, die sich als geflügeltes Wort bis heute erhalten hat. Sie drehte sich um Gottfried Heinreich Graf von Pappenheim, einen Kavallerie-Offizier unter Wallensteins Kommando.

Das Sprichwort: „Ich kenne doch meine Pappenheimer!“ geht auf das verwegene Eingreifen des Offiziers in dieser Schlacht im November des Jahres 1632 zurück.

Pappenheim hatte sich mit der Kavallerie bereits von der Hauptstreitmacht getrennt. Sie waren vor der Schlacht schon auf dem Weg ins Winterlager. Dann entschloss sich der feindliche Gustav II. Adolf zu einem Angriff auf Wallenstein.

Boten eilten Pappenheim nach und holten ihn ein. Dieser ließ seine ganze Abteilung wenden und sie ritten schnellst möglich zurück. Mittags trafen 3.000 Reiter dann auf dem Schlachtfeld von Lützen ein.

Sie gingen sofort in den Angriff über, um den bedrohten linken Flügel zu stützen. Doch Pappenheim wurde bei der verwegenen Attacke tödlich verwundet. Seine gesamte Einheit floh daraufhin. Doch es war vielleicht eine versprengte Gruppe an Kürassieren aus dieser Abteilung, die wenig später dann den schwedischen König tötete. 

Pilsener Revers und zweite Entlassung

Das Verhältnis von Wallenstein und dem Kaiser wurde jedoch im Laufe der Jahre immer schlechter. Vor allem hinsichtlich der Bereitschaft zu Verhandlungen drifteten die alten Partner immer weiter auseinander.

Erschwerend kam hinzu, dass sich Albrecht von Wallenstein eine autonome Machtbasis im Reich aufgebaut hatte. Auf dieser Grundlage handelte er in seinen späten Jahren sehr selbstständig. Dabei nahm er auch auf die Befindlichkeiten der Angehörigen des Wiener Hofes keine Rücksicht. 

Gegen Ende des Jahres 1633 verweigerte Albrecht von Wallenstein dann offen den Befehl. Er sollte den Kampf suchen, aber stattdessen wurden die Truppen in die Winterquartiere geschickt. Deshalb entschieden Kaiser Ferdinand II. und seine Berater am Wiener Hof zunächst den Sturz des eigenmächtigen Generalissimus.

Wallenstein verkannte die gefährliche Lage zunächst. Vielmehr sorgte er sogar für eine weitere Eskalation. Im Richtungsstreit um die militärische Strategie verpflichtete der Kriegsunternehmer die hohen Offiziere auf sein Person.

  • Im „Ersten Pilsener Revers“ gelobten am 12. Januar 1634 insgesamt 49 Generäle und Obristen der kaiserlichen Armee ihre Treue gegenüber Albrecht von Wallenstein. Der Kaiser reagierte darauf mit der geheimen Absetzung als Oberbefehlshaber. Diese Entscheidung wurde nur vertrauenswürdigen Offizieren bekannt gegeben.
  • Im „Zweiten Pilsener Revers“ gelobten am 20. Februar 1634 nur noch 32 Obristen ihre Treue. Zwei Tage später wurde die Absetzung Wallensteins öffentlich gemacht.

Ermordung Wallensteins in Eger

Albrecht von Wallenstein zog sich nach der Bekanntmachung seiner Entlassung aus Pilsen zurück. Er begab sich nach Eger in Böhmen und kam dort im Haus des Stadtkommandaten unter. Es war ein calvinistischer Schotte mit dem Namen John Gordon.

Gordon war in den Mordkomplott gegen Wallenstein eingeweiht und wurde sogar zur Schlüsselfigur. Zunächst trennte er den Ahnungslosen von seinen Vertrauten. Zusammen mit drei Dienern wurden sie auf ein Bankett in die Burg eingeladen. Dort warteten bereits kaiserliche Soldaten, die sie im Speisesaal töteten.

Albrecht von Wallenstein hielt sich unterdessen im Haus des Stadtkommandanten auf. Es ist das heutige Pachelbel-Haus am Unteren Marktplatz 492 in Eger. Dort wurde Wallenstein am späten Abend des 25. Februar 1634 von irischen und schottischen Offizieren mit einer Partisane getötet.

Eine Partisane ist eine lange Stoßlanze, die in dieser Zeit auch als Paradewaffe von Offizieren geführt wurde. Die Mordwaffe wird bis heute in Eger aufbewahrt.

Mit dem Tod des Albrecht von Wallenstein verlor der 30-jährige Krieg jedoch noch lange nicht seine Dynamik. Vielmehr wurde das Machtvakuum von Opportunisten gefühlt, die das breite Elend der Bevölkerung weiter verschlimmerten.