Boudicca

Königin Boudicca und der Kelten-Aufstand

Boudicca war Königin der Icener, eines keltischen Stammes im heutigen Essex. Außerdem war sie die Anführerin des Aufstandes in Britannien gegen die römische Besatzung in den Jahren 60/61 n. Christus.

Denkmal für Königin Boudicca auf ihrem Streitwagen
Königin Boudicca Denkmal (pixabay)

Der Auslöser waren Übergriffe von römischen Soldaten gegen Boudicca, die Schändung ihrer beiden Töchter sowie die Vertreibung eines benachbarten Stammes, der Trinovanten.

Beschreibungen ihrer Person finden sich bei Tacitus und Cassius Dio. Den Quellen nach soll Königin Boudicca von hohem Wuchs und „viel intelligenter als andere Frauen“ gewesen sein. Außerdem hatte sie wohl eine tiefe, durchdringende Stimme und soll eine enorme Präsenz sowie ein wildes Funkeln in den Augen gehabt haben.

Übersetzt bedeutet der Name Boudicca soviel wie „Sieg“ und es gelang ihr auch, etwa 70.000 Römer zu töten. Dabei war es den Römern nach der Eroberung Britanniens zunächst gelungen, die neuen Gebiete relativ friedlich zu besetzen.

Doch das Imperium hatte weniger Glück bei der Auswahl des Prokurators Catus Decianus für die Insel. Nach mehreren Zwischenfällen entzündete sich dann ein Aufstand der Kelten in Britannien.

Die großen römischen Städte Londinium (London), Camulodunum (Colchester) und Verulamium (Saint Albans) wurden geplündert. Die meisten Einwohner wurden ermordet. Die Gebäude gingen in Flammen auf.

Es wäre den keltischen Kriegern unter der Führung von Königin Boudicca sogar beinahe gelungen, die vier römischen Legionen auf der Insel zu vernichten. Dies hätte zweifellos zu einem Ende der römischen Besatzung geführt.

Doch in der letzten Entscheidungsschlacht, einer offenen Feldschlacht, siegten die Römer unter dem Befehl von Gaius Suetonius Paulinus. Etwa 10.000 römische Legionäre rieben eine vielfache Übermacht auf. Königin Boudicca beging im Anschluss Selbstmord. Die Römer blieben in Britannien.

Britannien unter römischer Kontrolle

Bereits unter Gaius Julius Caesar hatte es erste Versuche der Römer gegeben, Britannien zu erschließen. Im Zuge des gallischen Krieges kam es in den Jahren 55 und 54 v. Christus zu Expeditionen von Marine-Einheiten.

Doch die Römer fanden zunächst keine interessanten Rohstoffe wie Gold oder Silber. Im Jahr 39 n. Christus ließ Kaiser Caligula in einem obskuren Feldzug Seemuscheln an den Stränden Britanniens sammeln.

Eine Karte der strategischen Bewegungen der römischen Armee bei der Eroberung Britanniens unter Kaiser Claudius.
Kaiser Claudius eroberte Britannien ab dem Jahr 43 n. Chr. (ODbL)

Im Jahr 43 n. Christus entsandte dann Kaiser Claudius insgesamt vier Legionen nach Britannien. Diese Streitkräfte der Expedition dienten später auch als Truppen zur Stabilisierung der eroberten Gebiete.

Die Römer bemühten sich neben der militärischen Besatzung auch um eine kulturelle Invasion der Insel. Man wollte den Briten die wirtschaftliche Attraktivtät des Imperiums schmackhaft machen.

Deshalb errichten sich die Besatzer eine musterhafte Hauptstadt mit dem Namen Camulodunum, das heutige Colchester in Essex. Die Stadt sollte zum blühenden Handelszentrum werden und so zur Romanisierung der Insel beitragen. Ohnehin waren zahlreiche Stämme dem Imperium ursprünglich freundlich gesonnen.

Es entwickelten sich teilweise durchaus gute Beziehungen zwischen einigen keltischen Stämmen und den römischen Besatzern. Dies galt sowohl für die politische Ebene wie auch für den Handel.

Die Römer gewährten ihren Verbündeten im Gegenzug viele Privilegien. Die Icener mussten beispielsweise gemäß der ursprünglichen Abkommen keine Garnisionen auf ihren Gebieten dulden.

Aber die Römer konnten sich zahlreiche Provokationen wohl einfach nicht verkneifen. Bereits in den Jahren nach der Besatzung kam es deshalb zu gewaltsamen Zwischenfällen und kleineren Revolten.

Römische Provinz vs. Icenisches Königtum

Doch es sollte nicht dauerhaft bei dem Frieden zwischen den Römern und den Icenern bleiben. Aber es waren die Besatzer, die auf Anweisung des römischen Prokurators Catus Decianus begannen, in der Nähe des Pulverfasses zu zündeln.

Der Bruch des gütlichen Verhältnisses entbrannte sich an der Frage, welchen Rechtsstatus die icenischen Territorien haben. Da Prasutagus, der König und Ehemann von Boudicca, bereits früh mit den Römern kooperierte hatte, sah er sich als selbstbewussten Klientelkönig.

17 Jahre nach der Eroberung Britanniens hatte Catus Decianus jedoch eine völlig andere Vorstellung von der Rechtsanlage. König Prasutagus hatte sich nämlich auf einen verhängnisvollen Deal eingelassen.

Der König der Icener hinterließ ein problematisches Testament. Die Hälfte seines Reiches sollten nach seinem Tod die beiden Töchter und die andere Hälfte sollte der römische Kaiser erben. Prasutagus dachte wohl, dass römische Reich würde diesem letzten Willen gerne entsprechen.

Im Jahre 60 n. Christus war es dann soweit. König Prasutagus starb. Die Icener glaubten wohl zunächst, alles ginge wie gewohnt weiter. Der römische Prokurator verhielt sich dagegen, als sei das gesamte Gebiet der Icener nun römische Provinz.

Auslöser für den Boudicca-Aufstand

Noch im selben Jahr kam es zu zwei kritischen Ereignissen. Diese verwandelten die unterschwelligen Spannungen in einen Flächenbrand. Der erste große Fehler der Römer war, dass sie die selbstbewussten Icener demonstrativ demütigten.

Eine römische Einheit vergriff sich an der icenischen Königsfamilie, um den Anspruch der Römer zu unterstreichen. Königin Boudicca wurde öffentlich ausgepeitscht. Die beiden Töchter wurden von Legionären vergewaltigt und dann verschleppt.

Nach der Attacke gegen die Icener kam es zu einem schweren Übergriff gegen den Stamm der Trinovanten. Diese lebten in der Gegend um Camulodunum. Doch die Region war zu einer Kolonie für römische Veteranen erklärt worden.

Das bedeutete, dass es einen erheblichen Zuzug von ehemaligen Angehörigen der römischen Armee gab. Diese nahmen sich die Ländereien, die ihnen Kaiser Nero zugesagt hatte. Die ansässigen Trinovanten mussten weichen.

Der perfekte Moment für eine Rebellion

Der römische Bürokrat hatte es mit seiner Interpretation des Testamentes  jedoch genau im falschen Moment zu weit getrieben. Während er selber mit seinem Verhalten im Osten der britischen Hauptinsel eine Rebellion der Icener und Trinovauten losgetreten hatte, war ein Großteil der Besatzungskräfte nur leider gerade woanders beschäftigt.

Die Legionen 12 und 14 befanden sich unter dem Kommando von Gaius Suetonius Paulinus mehr als 500 km entfernt auf der Insel Mona in Wales. Dort jagten sie aufrührerische Druiden, um das kulturelle Rückgrat des Landes zu brechen.

Deshalb waren zu Beginn des Aufstandes von Königin Boudicca auch nur sehr wenige römische Truppen zur Abwehr bereit. Der gesamte Osten des Landes stand offen.

Erhebung & Angriff auf Camulodunum

Karte des Aufstandes von Königin Boudicca im Osten Britanniens
Karte des Boudicca-Aufstands (ODbL)

Die Icener und Trinovanten erhoben sich unter der Führung der charismatischen Königin Boudicca. Als Stammeskrieger waren sie sofort kampfbereit. Sie sammelten ihre Kräfte und marschierten gegen das 80 km weiter gelegene und noch dazu unbefestigte Camulodunum.

Alle waffenfähigen Personen, ganze Stämme, zehntausende Personen, beteiligten sich an dem Angriff. Die Krieger waren bewaffnet mit Schwertern, Speeren, Äxten und Messern. Aber sie trugen keine Panzer, dafür bemalten sich die keltischen Kriegern mit Kriegsfarben und waren häufig tätowiert.

Camulodunum verfügte dagegen nur über eine kleine Schutztruppe. Die Römer waren sich ihrer Macht so sicher, dass sie sogar auf die Errichtung von Wehranlagen verzichtet hatten. Man sandte jedoch sofort Boten nach Londinium, zur 9. Legion in den Midlands und zu den beiden Legionen in Wales.

Doch die Reaktionszeit war viel zu kurz. Camulodunum wurde sofort überrannt und ging in Flammen auf.

Die angebliche Vernichtung der 9. Legion

Der hochmütige Prokurator Catus Decianus in Londinium erfuhr zwar umgehend von der Rebellion. Aber er konnte nur 200 Leichtbewaffnete entbehren. Diese wurden auch entsandt und von den Kelten unter Königin Boudicca getötet.

Die 9. Legion reagierte sofort auf den Hilferuf aus Camulodunum. Es wurden 2.000 Legionäre geschickt, was sich als strategischer Fehler erweisen sollte. Aber Gaius Suetonius Paulinus mit seinen beiden Legionen erhielt erst Tage später Nachricht von den Geschehnissen.

Diese 2.000 Mann hatten jedoch alleine keine Chance gegen die verbündeten Kräfte der Icener und Trinovanten. Auch hatten sich Königin Boudicca nach dem Fall von Camulodunum viele Krieger aus weiteren Stämmen angeschlossen.

Diese erwarteten bereits den Angriff der 9. Legion unter dem Befehl von Quintus Petillius Cerialis. Königin Boudicca und ihre Späher kannten jedoch die Marschroute der Römer. Es gelang ihnen, einen Hinterhalt im Wald bei Camulodunum vorzubereiten.

Die 9. Legion wurde, vergleichbar mit der Varusschlacht, ebenfalls attackiert, als sie in einem Waldstück zu einem langen Wurm gezogen war. Die komplette Infanterie wurde bei diesem Gefecht aufgerieben.

Doch es gelang dem Kommandeur und der Legionsreiterei zu entkommen. Es hatte auch ursprünglich gar nicht die komplette 9. Legion ausrücken können. Es handelte sich bei der Schlacht deshalb „nur“ um eine sehr schwere Niederlage, aber nicht um eine Vernichtung.

Auch der Legionsadler ging nicht verloren. Dabei handelt es sich um eine Legende. Die Einheit existierte 80 Jahre später noch unter Kaiser Hadrian. Doch die Aufstandsbewegung der Kelten unter der Führung von Königin Boudicca nahm weiter Fahrt auf.

Die Plünderung Londiniums

Nach dem Schlag gegen die 9. Legion wandte sich die Rebellion gegen Londinium. In der Zwischenzeit eilte auch Gaius Suetonius Paulinus über die Watling Street herbei. Das war die zentrale Verkehrsachse der Römer von Osten nach Westen durch Britannien.

Doch es blieb keine Zeit mehr, um Londinium zu sichern. Die Stadt hatte nur eine minimale Schutztruppe und verfügte ebenfalls über keinerlei Verteidigungsanlagen. Catus Decianus floh daraufhin nach Gallien.

Auch die Stadt an der Themse fiel in die Hände der Rebellen unter Königin Boudicca. Die Ortschaft war in wenigen Jahren unter den Römern zu einem florienden Handelszentrum geworden und wurde jetzt geplündert.

Doch nun liefen die Dinge auf eine Entscheidungsschlacht um die Macht in Britannien hinaus. Da die 9. Legion aufgerieben war, verblieben an schlagkräftigen Truppen auf der Insel nur noch:

  • die 2. Legion in Exeter unter einem Praefectus Castrorum
  • die 12. und 14. Legion auf der Watling Street

Die Schlacht an der Watling Street

Gaius Suetonius Paulinus hatte Londinium opfern müssen, doch jetzt wollte er zum Gegenschlag ausholen. Er sandte nach der 2. Legion in Exeter. Diese verfügte zu diesem Zeitpunkt jedoch weder über einen Legaten noch über Militärtribune.

Die Legion stand unter dem Befehl eines Praefectus Castrorum, eines Lagerkommandanten. Dies war eine rein administrative Position. Der Offizier hatte keinerlei Befugnis, Soldaten ins Gefecht zu führen.

Deswegen blieb die 2. Legion in Exeter. Gaius Suetonius Paulinus stand den Rebellen von Königin Boudicca unerwartet nur mit seinen 10.000 Mann von der Expedition nach Wales gegenüber.

Der Aufstand von Königin Boudicca wurde dagegen immer größer. Zahlreiche Ortschaften gingen in Flammen auf. Die Römer zogen sich deshalb zunächst wieder vor den Briten zurück.

Die Wahl des Schlachtfeldes

Doch der römische Feldherr fand ein ideales Gelände, um sich der vielfachen Übermacht der Kelten zu stellen. Gaius Suetonius Paulinus entschied sich für ein enges Feld. Dieses war auf einer Seite von einem Wald und auf zwei Seiten von Felsen begrenzt.

So konnte er seine Soldaten aufstellen, ohne eine Umgehung seiner Flanken fürchten zu müssen. Aber er hatte mit der Wahl dieses Schlachtfeldes nicht nur eine mögliche Einkesselung verhindert.

Das Gelände führte auch dazu, dass die leicht bewaffneten Kelten im Nahkampf auf schwer bewaffnete Legionäre trafen. In dieser Situation waren sie weder durch Panzerung noch durch Überzahl geschützt.

Die Taktik der Römer gegen Boudicca

Die Römer formierten sich zunächst in der römischen Phalanx, wie ein Riegel am Ende des engen Feldes. Dabei wendeten die Legionäre einen besonderen Trick an. Sie routierten ihre Kämpfer alle paar Minuten, damit immer frische Soldaten in der erste Reihe standen.

Schon Gaius Julius Caesar hatte die römische Phalanx in Kombination mit dem Rotate-Befehl sehr effektiv gegen die Kelten in Gallien eingesetzt. Den 10.000 Mann von Gaius Suetonius Paulinus gelang es tatsächlich, die Linie gegen den Ansturm der Kämpfer von Boudicca zu halten.

Die Kelten fanden keinen Zugriff auf die römische Formation. Die höhere Fitness der Berufssoldaten und die Rotationen wendeten den Lauf der Schlacht. Nach langem Anrennen der Kelten gegen die Linien der Römer, gingen diese zum Gegenangriff über.

Gaius Suetonius Paulinus befahl seinen Männer, in die Keil-Formation zu wechseln und vorzurücken. Schritt für Schritt schob sich die schwere Infanterie der Römer durch das enge Feld und stach mit dem Kurzschwert nieder, was sich in die Nähe des Schildwalles traute.

Am Ende des Tages waren laut Tacitus etwa 400 Legionäre und etwa 80.000 Kelten tot. Dabei handelt es sich jedoch nicht um verlässliche Zahlen. Man weiß jedoch mit Sicherheit, dass die Römer einen überragenden Sieg verbuchten.

Die Folgen der Schlacht

Noch auf dem Schlachtfeld kam es zu zahlreichen Selbstmorden von Angehörigen der getöteten Keltenkrieger. Königin Boudicca selbst ist weder gefallen noch gefangen genommen worden. Man geht davon aus, dass sie sich später ebenfalls das Leben nahm.

Gaius Suetonius Paulinus jagte die verbliebenen Angehörigen des Stammes von Boudicca. Es kam zu blutigen Massakern. Die Icener wurden fast gänzlich ausgelöscht. Ein Jahr später wurde es selbst Nero in Rom zuviel des Blutvergießens und er zog Paulinus aus Britannien ab.