Martin Luther

Martin Luther – Theologe & Reformator

Keine andere Figur prägte die Reformation in der ersten Hälfte des 16. Jhds. so sehr wie Martin Luther. Er formulierte 95 Thesen gegen den Ablasshandel und wurde deshalb wegen Gotteslästerung von Papst Leo X. vor Gericht gestellt. Dann übersetzte der Mönch aus Wittenberg die lateinische Bibel in die deutsche Sprache und brach damit das Monopol der belesenen Geistlichkeit auf das Wort Gottes.

Sein Handeln trug wenige Jahre später maßgeblich zum Ausbruch des deutschen Bauernkrieges bei. Der gemeine Mann erhob sich gegen die frevelhafte Ausbeutung durch die weltlichen und geistlichen Herren. Martin Luther verteufelte jedoch den Aufstand der Bauern und entsetzte die einfache Bevölkerung mit seiner Überzeugung von der gottgebenen Ordnung.

Martin Luther und die Reformation

Mit den 95 Thesen von Martin Luther im Jahr 1517 begann die Reformation. Das war eine Phase des äußerst blutigen Auseinanderbrechens der christlichen Kirche. Erst mit dem westfälischen Frieden nach dem 30-jährigen Krieg endete 1648 dieser inner-konfessionelle Konflikt.

Der Sturm zieht auf

Martin Luther war ein studierter Augustinermönch. Er promovierte 1512 zum Doktor der Theologie und erhielt den Lehrstuhl für Bibelauslegung der Universität von Wittenberg. Er hielt seine Vorlesungen zweimal in der Woche morgens um sechs Uhr, im Winter um sieben Uhr. Den Lehrstuhl behielt er bis an sein Lebensende.

Der Mönch aus Wittenberg befasste sich theologisch mit dem Prinzip der göttlichen Gerechtigkeit. Die soziale Realität seiner Zeit war jedoch von großer Ungleichheit geprägt. Der unterste gesellschaftliche Stand, die Bauern, machten im ausgehenden Mittelalter mehr als 90 % der Bevölkerung aus.

Aber nicht nur die weltlichen Herrscher beuteten den gemeinen Mann aus. Die vielen Klöster und Abteien pressten ebenfalls alles aus der einfachen Bevölkerung. Selbst der einst so tugendhafte Zisterzienser-Orden hatte 400 Jahre nach Bernhard von Clairvaux, dem letzten großen Reformator der christlichen Kirche, seine Ideale gänzlich verraten.

Besonders belastend war die Erweiterung des Kirchenzehnts von pflanzlichen Produkten auch auf tierische Erzeugnisse. Außerdem ächtze die unterste Gesellschaftsschicht unter dem Ablasshandel, dem Frondienst und der Leibeigenschaft. Die einfache Bevölkerung war damals tief religiös und die Priester baten geschmäftsmäßig zur Kasse, wenn jemand Sünden beichten wollte. Im Angesicht des drohenden Fegefeuers oder gar ewiger Verdammis, wie es diesselben Priester im Gottesdienst predigten, waren sehr viele Menschen bereit, alles für den Sündenerlass zu bezahlen.

Die Thesen von 1517

Martin Luther war ein wortgewandter Theologe. Er formulierte im Herbst 1517 knapp einhundert Thesen für einen theologischen Disput unter universitären Kollegen. Das Kernthema seiner Argumentation war der menschenverachtende Ablasshandel.

Es war die Überzeugung von Martin Luther, dass dem gewerblichen Treiben der Kirche jegliche biblische Legitimation fehlte. Tatsächlich würden die Gläubigen durch ein fatales Gefühl der Sicherheit getäuscht, sie könnten sich den Eintritt in das Paradies käuflich erwerben.

Eine leicht gekürzte Fassung mit 95 Thesen schlug er angeblich am 31. Oktober des Jahres 1517 an die Schlosskirche von Wittenberg. Dieses Ereignis ist historisch jedoch nicht eindeutig belegt. Dennoch verbreitete sich das Thesen-Papier binnen kurzer Zeit. Nachweislich wurden in den folgenden Jahren eine Reihe hoch- und niederdeutsche Übersetzungen aus dem lateinischen Original erstellt.

Leo X. drohte dem zunehmend populären Martin Luther daraufhin mit Kirchenbann. Der zornige Theologie ließ es sich aber nicht nehmen, das Schreiben des obersten Stellvertreter Gottes auf Erden öffentlich zu verbrennen. Der Mönch aus Wittenberg war eben nur Gott und seinem Gewissen gegenüber verantwortlich.

Der römische Prozess

Das Thesen-Papier verursachte schnell erhebliche Aufmerksamkeit. Bereits im Juni 1518 wurde Martin Luther nach Rom zitiert und wegen Häresie vor ein kirchliches Gericht gestellt. Im schlimmsten Fall erwartete ihn die Todesstrafe.

Der Mönch aus Wittenberg hatte jedoch längst mächtige Fürsprecher gewonnen. Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, war nicht nur der Landesherr von Marthin Luther, sondern verstand auch dessen Anliegen.

Der Kurfürst gehörte zum einem 7-köpfigen Gremium, dass den Kaiser wählte. Karl V. sollte im Jahr 1520 gekrönt werden. Die Stimme des Kurfürsten von Sachsen wurde hierfür benötigt, so dass der Mönch aus Wittenberg von seinem Fürsprecher politischen Schutz erhalten konnte.

Reichstag zu Worms 1521

Anfangs hatte Martin Luther nur die Missstände in der Kirche angeprangert. Seine Kritik an der Monopol-Stellung der Kirche, stellt jedoch auch die Legitimationskette der kaiserlichen Herrschaft in Frage. Sobald niemand mehr zwischen Gott und den Gläubigen steht, verliert auch die Rolle des Kaisers an Bedeutung.

Karl V. war ein strammer Katholik und hielt Martin Luther für einen Ketzer. Auf dem Reichstag 1521 in Worms stand der Reformator wieder vor Gericht. Vor dem Kaiser und den großen Fürsten des Reiches weigerte sich der Mönch aus Wittenberg jedoch zu widerrufen:

„Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Weiterhin warf er dem Papst und der Kirche Ausbeutung sowie Verschwendung vor. Für die Nachwelt wurde diese Rede zum Wendepunkt der Geschichte. Auge in Auge mit dem Kaiser hatte sich Martin Luther mit den höchsten Gewalten seiner damaligen Zeit angelegt.

Er stand aber nicht alleine. Martin Luther hatte viele Anhänger quer durch alle Stände der Gesellschaft, auch im Klerus. Dank des jüngst erfundenen Buchdrucks verbreiteten sich seine Worte in Windeseile durch die damalige Welt. Ein Wettkampf der Karrikaturen zwischen Befürwortern und Gegnern des Mönchs aus Wittenberg entbrannte.

Kaiser Karl V. wollte Martin Luther brennen sehen und erließ das Wormser Edikt. Der Mönch wurde geächtet. Er durfte zwar noch die Stadt verlassen, aber wer danach seiner habhaft wurde, durfte mit ihm nach Belieben verfahren.

Die Bibelübersetzung auf der Wartburg

Ein Foto von der Wartburg in Thüringen dem zeitweiligen Aufenthalt von Martin Luther
Die Wartburg in Thüringen (CC0)

Auf dem Rückweg nach Wittenberg wurde Martin Luther von einer Gruppe bewaffneter Männer überfallen. Das war jedoch eine abgesprochene Rettungsaktion, um den Reformator in Sicherheit zu bringen. Er flüchtete auf die Wartburg bei Eisenach in Thüringen.

Friedrich der Weise, der Landesherr von Luther, weigerte sich schlichtweg, das Wormser Edikt in seinem Herrschaftsgebiet durchzusetzen. Der Kaiser hatte nicht die Macht, das Edikt gegen den Willen des Kurfürsten zu exekutieren. Er musst die Entwicklung hinnehmen.

Auf der Wartburg war der Mönch aus Wittenberg vor seinen Feinden sicher. Während seiner Zeit auf in diesem Refugium nahm Martin Luther den Namen „Juncker Jörg“ an. Außerdem begann er sein größtes Werk.

Ein Monopol zerbricht

Der Mönch aus Wittenberg begann die Evangelien aus der lateinischen Bibel ins Deutsche zu übersetzen. „Evangelisch“ würden sich später auch seine Anhänger nennen. Damit brach er das Monopol des Klerus, die heilige Schrift lesen und verstehen zu können.

Die Folgen der Bibelübersetzung durch Martin Luther waren enorm. Im Jahr 1522 begann die erste Druckerei, dass frisch übersetzte Neue Testament zu vervielfalten. Das Werk verbreitete sich rasend schnell in der Bevölkerung. Bis 1525 waren über 100.000 Exemplare gedruckt worden.

Fahrende Buchhändler vertrieben diesen ersten Bestseller der Geschichte auf den Märkten des Landes. Die wenigen Lesekundigen lasen allen anderen laut vor. Das einfache Volk begann zu verstehen, wie sehr es über Jahrhunderte hinweg ausgebeutet und betrogen worden waren. Die aufgehitzte Stimmung im Reich wurde explosiv.

Luther und der Bauernkrieg

Martin Luther und sein reformatorisches Bestreben war jedoch völlig vom politischen Schutz durch Friedrich den Weisen abhängig. Sein Worte und Taten lösten jedoch Aufstände im Reich aus. Im Jahr 1524 eskalierte die Situation und es kam zum Deutschen Bauernkrieg.

Die aufständischen Bauern formulierten die zwölf Artikel der Bauernschaft und beriefen sich dabei auch auf Martin Luther. Dieser fand sich in einem tiefen Konflikt wieder. Zunächst war der Mönch aus Wittenberg auch noch ein Förderer eines anderen reformatorischen Predigers, Thomas Müntzer. Dieser ergriff bald aktiv Partei für die einfache Bevölkerung.

Luther verliess daraufhin sein Versteck auf der Wartburg und suchte den Kontakt zu Anführern der Bauen. Er wollte die Gemüter beruhigen, aber zum großen Entsetzen der Bauern verurteilte Martin Luther den gewaltsamen Aufruhr. Er prangerte zwar die Missstände in der Gesellschaft an. Aber die politsche Ordnung war in seinen Augen Gott gewollt. Die Gewalttaten der Bauern hingegen stellten klare Sünden dar.

Er wollte seine Reformation schützen. Aber der Aufstand eskalierte. Binnen kurzer Zeit erfasste ein Flächenbrand Süd- und Mittel-Deutschland. Die Fürsten konnten jedoch ein professionelles Söldnerheer unter dem Truchseß von Waldburg-Zeil aufstellen. Dieser vernichtete alle Aufgebote der Bauern wie bspw. die Männer unter dem Kommando von Florian Geyer. Für sein blutiges Vorgehen erhielt er den Spitznamen „Bauernjörg“.

Im Sommer 1525 kam es schon zu einer vernichtenden Schlacht bei Frankenhausen. Wenige Wochen später endete die Belagerung der Festung Marienberg in Würzburg ebenfalls in einer Katastrophe für den gemeinen Mann. Der Deutsche Bauernkrieg sollte insgesamt ca. 100.000 Menschenleben kosten.

Folgen der Reformation

In den Jahren nach dem Bauernkrieg bekannten sich mehr und mehr Menschen zu der Reformation von Martin Luther. Im Jahr 1530 versuchten die evangelischen Stände auf dem Reichstag in Augsburg ihre Religion reichsrechtlich anerkennen zu lassen. Kaiser Karl V. dachte jedoch, die Zeit könnte noch zurückgedreht werden und verweigerte die Zustimmung. Unter Protest verließen die „Protestanten“ den Reichstag und der Konflikt sollte weitergehen.

Die Protestanten stellen sich auf den Ernstfall ein. 28 Städte sowie 18 Fürsten schloßen sich schon 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Ein Verteidigungsbündnis gegen Übergriffe durch den katholischen Kaiser. Sie forderten Religionsfreiheit für ihre Territorien. 1547, ein Jahr nach dem Tod von Martin Luther, wurde der Bund von katholischen Truppen zerschlagen.

Aber es sollte nicht der letzte Konfessionskrieg innerhalb der Christenheit sein. In der Folge der Reformation durch das Wirken von Martin Luther kam das Reich über hundert Jahre lang nicht zur Ruhe. Erst der verheerende 30-jährige Krieg sollte die erschöpften Konfliktparteien im Westfälischen Frieden von 1648 wieder in einem Frieden vereinen.