Friedrich I. Barbarossa (HRR)

Friedrich I. (HRR) – Kaiser Barbarossa

Friedrich I. war ein deutscher König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (HRR). Er wurde um 1120 n. Christus geboren und stammte aus dem Geschlecht der Staufer.

Denkmal für Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem Kyffhäuser
Denkmal für Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf dem Kyffhäuser (pixabay)

Darüber hinaus war Friedrich I. für seinen roten Bart bekannt. Seine mächtige Gesichtsbehaarung führte sogar zur Bildung des bekannten Beinamens: Barbarossa.

Die Regierungszeit von Kaiser Friedrich I. Barbarossa war innenpolitisch von einem wechselhaften Machtspiel mit dem Welfen Heinrich dem Löwen geprägt. Dieser war zeitweise als Herzog von Bayern und Schwaben eine so einflussreiche Person, dass der Kaiser ohne seine Unterstützung wohl nicht hätte regieren können.

In reichspolitischen Fragen war Kaiser Friedrich I. Barbarossa stets mit dem Widerstand seitens der italienischen Städte konfrontiert. Darüber hinaus befand er sich in einem Dauerkonflikt mit dem Papsttum und musste am Ende große Zugeständnisse machen.

„Ich denke, hier sieht die Bilanz sehr nüchtern aus. In den Kämpfen gegen den Papst muss er sich am Ende unterwerfen. Die Fürsten erscheinen nicht mehr an seinem Hof. Die Italien-Politik scheitert. Aber dennoch, muss man sagen, wird Friedrich Barbarossa rasch zum Mythos. Er geht als große Persönlichkeit in die deutsche Geschichte ein und wird geradezu an die Seite Karls des Großen gestellt.“

(Der Historiker Stefan Weinfurter)

Obwohl Kaiser Friedrich I. Barbarossa häufig von anderen Akteuren vor sich her getrieben wurde, verklärte man ihn später zum Symbol des deutschen Nationalismus. Kaiser Wilhelm I. errichtete ihm deshalb nach den deutschen Einigungskriegen im späten 19. Jahrhundert das Kyffhäuserdenkmal.

Einer Sage nach schlummert Kaiser Friedrich I. Barbarossa unter dem Berg, um in einer Stunde der größten Not zurückzukehren. Auch im Dritten Reich wurde diese historisch nicht korrekte Mystifizierung weiter gepflegt.

Adolf Hitler ehrte den Staufer sogar mit der Bezeichnung eines ganzen Feldzuges. Am 22. Juni 1941 begann das Unternehmen Barbarossa, der Überfall auf die Sowjetunion.

Das Geschlecht der Staufer

Die „Staufer“ waren ein Adelsgeschlecht, dass seit dem 11. Jahrhundert schwäbische Herzöge hervorbrachte. Der Name leitete sich von der Burg Hohenstaufen in der Schwäbischen Alp ab. Dort befand sich der Stammsitz der Familie.

Der kegelförmige Berg Hohenstaufen war Ort des Stammsitzes der Staufer.
Berg Hohenstaufen in der Schwäbischen Alb (pixabay)

Die Höhenburg auf dem Hohenstaufen wurde wahrscheinlich um 1070 n. Christus errichtet. Es handelte sich dabei um sogenannten Allodialbesitz. Das heißt, die Burg und ihre Güter waren erbliches Eigentum der Adelsfamilie.

Im Deutschen Bauernkrieg von 1524/25 wurde die Anlage vom Hellen Haufen zerstört. Die verbliebenen Reste wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts abgetragen. Doch bis heute zeugt der imposante Berg Hohenstaufen noch von seinem militärischen Wert im Mittelalter.

Das Geschlecht wurde von den Zeitgenossen jedoch nicht als „Staufer“ bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine nachträgliche Namensgebung durch Historiker. Dies diente der Kategorisierung von Herrschern in Dynastien wie beispielsweise auch die Rede von den „Karolingern“.

Abstammung vom Königshaus der Salier

Die Staufer hatten sich über eine kluge Heiratspolitik eine kleine Machtbasis aufgebaut. Darüber hinaus waren sie offenbar sehr diplomatisch. Sie unterhielten guten Beziehungen zu vielen Ministerialen und zum Klerus, beispielsweise zu den Bistümern von Speyer, Worms und Würzburg.

Doch die Ehe der Agnes von Waiblingen (1072 bis 1143) mit einem Angehörigen aus dem damals regierenden Haus der Salier war ausschlaggebend für den Aufstieg der Staufer. Dieser erhielt dann auch das Herzogtum Schwaben als Lehen.

Mit dem Tod von Heinrich V. im Jahr 1125 endete dann aber auch die salische Königslinie. Darauf folgte eine Phase von blutigen Machtkämpfen im Reich.

Im Jahr 1138 konnte sich Konrad III. dann als erster römisch-deutscher Kaiser aus dem Haus der Staufer auf dem Thron etablieren. Doch seine Regierungszeit war von Konflikten mit dem mächtigen Haus der Welfen geprägt. Kurz vor seinem Tod ernannte dieser dann seinen Neffen Friedrich Barbarossa zu seinem Nachfolger.

Königswahl von Friedrich I. Barbarossa

Zur Zeit von Friedrich I. Barbarossa hatte sich bereits die Wahl-Monarchie in den deutschen Gebieten etabliert. Trotz der Ernennung zum Erben durch den letzten König und Kaiser musste der junge Staufer deshalb eine Abstimmung der „Großen“ des Reiches für sich entscheiden.

Laut dem Geschichtsschreiber Otto von Freising entschieden sich diese Aristokraten einhellig für die Wahl von Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1152. Dies dürfte jedoch eine übertriebene Darstellung zu Gunsten des Staufers gewesen sein. Denn Otto von Freising war ein Onkel von Friedrich I. Barbarossa und wollte durch Gefälligkeit eigene Vorteile erzielen.

Der hohe Adel wünschte sich zwar einen friedlichen Ausgleich zwischen den mächtigen Welfen und dem Haus der Staufer. Aufgrund seiner verwandschaftlichen Beziehungen war Friedrich I. Barbarossa hierfür ein idealer Kandidat. Denn er war auch ein Vetter von Heinrich dem Löwen, dem damaligen Oberhaupt der Welfen.

Doch es waren auch handfeste Zugeständnisse notwendig. So versprach der Staufer beispielsweise, dass der Welfe das Herzogtum Bayern als Lehen erhalten würde. Dieses Versprechen wurde später auch tatsächlich realisiert.

Herrschaft als König bis zur Kaiserkrönung

Mit der Königswahl von Friedrich I. Barbarossa hatten sich die machtpolitischen Verhältnisse im Reich gänzlich verschoben. Die einstmals feindlich gesonnenen Welfen traten nun als Verbündete der Staufer auf.

Dieser Partnerschaft von Friedrich I. Barbarossa mit seinem Vettern Heinrich dem Löwen konnten die anderen Mächtigen des deutschen Reiches wenig entgegen setzen. Auch deshalb entschied der frisch gewählte König, dass seine Krönung zum Kaiser bereits 1154 stattfinden solle.

Mit dieser Tradition hatte bereits Karl der Große an die Antike angeknüpft. Die Herrscher versprachen sich mit dieser rituellen Verbindung zu den alten römischen Kaisern eine besondere Legitimität.

Nach der Spaltung des fränkischen Reiches wurde dieses Ritual im östlichen Teil, im Bereich des heutigen Deutschland, wiederbelebt. Seit der Kaiserkrönung von Otto I. im Jahr 962 ging diese Würde deshalb traditionell an deutsche Könige.

Konflikte mit den italienischen Städten

Doch Friedrich I. Barbarossa hatte seine Rechnung ohne die italienischen Städte des römisch-deutschen Reiches gemacht. Diese waren in einem komplexen „schachbrettartigen Muster“ miteinander verbündet oder standen sich feindlich gegenüber. Aufgrund dieses Systems war der König aus Deutschland zwangsläufig in viele lokale Konflikte verwickelt.

Vor allem die mächtige Stadt Mailand leistete Widerstand gegen die Ansprüche des Staufers. Beispielsweise wurde sein Gesandter von Offiziellen der Stadt beleidigt und musste sich bei Nacht aus der Stadt zurückziehen. Dennoch entschied der Monarch für den Marsch nach Italien.

Friedrich I. Barbarossa hatte jedoch keinesfalls die real-politische Macht, sich alleine gegen die widerspenstigen Italiener durchzusetzen. Doch sein welfischer Vetter stellte ihm weitere Truppen. Diese erste Reise nach Italien wurde dann mit etwa 1.800 bewaffneten Kriegern im Herbst 1154 gewagt.

Der deutsche König hielt zunächst einen Hoftag in Roncaglia bei Piacenza ab. Dort kam es erneut zu einem diplomatischen Schlagabtausch. Als Friedrich I. Barbarossa sich in der kleinen Stadt Monza zum italienischen König krönen lassen wollte, erlaubten sich die Konsuln der beleidigten Mailänder einen üblen Scherz.

Sie führten den Zug der Deutschen absichtlich in die Irre, so dass sie drei Tage lang durch eine Einöde marschierten. In der Folge kam es zu Versorgungsproblemen. Friedrich I. Barbarossa und auch die deutschen Fürsten waren schwer gedemütigt.

Doch die 1.800 Mann des Staufers reichten nicht für einen offenen Krieg gegen Mailand. Friedrich I. Barbarossa suchte sich deshalb ein leichteres Ziel und statuierte ein Exempel.

Er belagerte von Februar bis April 1155 die kleine Stadt Tortona im Westen der Po-Ebene. Gefangene wurden demonstrativ hingerichtet. Außerdem ließ Friedrich I. Barbarossa die Wasserversorgung der Stadt vergiften. Tortona musste schließlich kapitulieren.

Friedrich I. Barbarossa versicherte, dass Tortona nicht weiter zu Schaden kommen würde. Doch zwei Tage später kam eine Armee aus dem verbündeten Pavia und vernichtete die Stadt. Die Pavanesen beglichen damit eine alte Rechnung und scherten sich dabei nicht um das Versprechen des Staufers.

Kaiserkrönung und Aufstand der Römer

Erst am 8. Juni 1155 konnte Friedrich I. Barbarossa beim Papst vorstellig werden. Dabei kam es zu einem Eklat, weil das Protokoll nicht genau abgesprochen war. Historiker werten die fehlende Vorbereitung als Zeichen für die chaotischen Zustände während dieser ersten Reise nach Italien.

Am folgenden Tag wurde diese Begegnung mit Papst Hadrian IV. deshalb und nun fehlerfrei wiederholt. Doch parallel hatte sich ein ganz neuer Krisenherd aufgetan.

Die städtische Bevölkerung hatte den alten römischen Senat rekonstituiert. Die selbstbewussten Bürger sandten eine Gesandtschaft zu Friedrich I. Barbarossa. Sie boten ihm die Kaiserkrone aus den Händen des Volkes für eine Zahlung von 5.000 Pfund Silber an.

Doch der Staufer hatte sich bereits für eine Kooperation mit dem Papsttum entschieden. Am 18. Juni 1155 wurde Friedrich I. Barbarossa dann von Papst Hadrian IV. zum Kaiser gekrönt. Im unmittelbaren Anschluss brachen bewaffnete Aufstände in Rom aus.

Die erste Attacke erfolgte bereits auf der Engelsbrücke. Die Angreifer konnten jedoch zurückgewiesen werden. Bei den Kämpfen tat sich Heinrich der Löwe besonders hervor.

Der frisch gekrönte Kaiser Friedrich I. Barbarossa konnte Rom zwar unversehrt verlassen. Die dem Papst versprochene Befriedung der Stadt gelang jedoch nicht. Während sich der Staufer-Kaiser nach Deutschland zurückzog, zeichneten sich deshalb bereits die nächsten Konflikte ab.

Barbarossa als römisch-deutscher Kaiser

Friedrich I. Barbarossa feierte das erste Weihnachtsfest seiner Herrschaft als römisch-deutscher Kaiser in Worms. Die Stadt wurde später noch zu einem bedeutenden Zentrum seiner Machtausübung.

Das folgende Jahr stand dann auch im Zeichen der innen-politischen Konsolidierung:

  • Kaiser Friedrich I. Barbarossa heiratete am 17. Juni 1156 Beatrix von Burgund in Würzburg. Zeitgenössische Quellen beschrieben sie als eine große Schönheit. Außerdem war sie eine weltgewandte Frau, die dem Staufer nicht nur größeren Einfluss in Burgund im Süden des heutigen Frankreich einbrachte. Sie regierte darüber hinaus auch eigenständig und war ein wichtiger Rückhalt für ihren Ehemann. Aus der wohl sehr liebevollen Ehe gingen acht Söhne und drei Töchter hervor.
  • Heinrich der Löwe erhielt das versprochene Herzogtum Bayern als Lehen. Damit hielt Kaiser Friedrich I. Barbarossa zwar sein Versprechen gegenüber dem Welfen. Dieser wurde jedoch noch mächtiger, was später zum Bruch zwischen den beiden Vettern führen würde.

Das Jahr 1156 war jedoch von einem erneuten Zwischenfall mit dem Papst geprägt. Dieser schloss Frieden mit den Normannen und überging den römisch-deutschen Kaiser bei den Verhandlungen.

Es ging dem Kaiser dabei jedoch nicht nur um Respekt gegenüber seiner Person. Vielmehr sahen die Deutschen aufgrund der normannischen Präsenz auf Sizilien ihre Interessen in Süd-Italien gefährdet. Ein weiterer Eklat zeichnete sich am Horizont ab.

Im Jahr 1157 führte der Staufer gegen Polen auch seinen ersten Kriegszug. Er verwüstete die Diözesen von Breslau und Posen. Herzog Boleslaw musste sich unterwerfen und den Treueid schwören.

Seine Heiligkeit und das Heilige Reich

Im Oktober 1157 kam eine päpstliche Gesandtschaft zum Hoftag von Besançon. Diese trugen einen Brief seiner Heiligkeit vor. Darin wurde eine doppeldeutiger Begriff im Zusammenhang mit der Kaiserwürde verwendet.

Die Gesandten sprachen vom beneficium. Dieses lateinische Wort konnte entweder „Wohltat“ oder auch „Lehen“ bedeuten. Für die Anwesenden war jedoch klar, dass sich der Papst als Lehensherr des Kaisers positionieren wollte.

Damit wären die Päpste gegenüber dem Kaiser auch weisungsbefugt. Doch Kaiser Friedrich I. Barbarossa hielt rhetorisch dagegen. Er sprach nun vom Heiligen Reich, vom imperium sacrum.

Als Herrscher eines heiligen Reiches war Kaiser Friedrich I. Barbarossa nicht von der Heiligkeit des Papstes abhängig. Entsprechend könne er auch kein Vasall sein.

Dieser Konflikt zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und dem römischen Papst konnte später diplomatisch beigelegt werden. Aber Spannungen zwischen seiner weltlichen Macht und dem Papsttum prägten auch weiterhin die Herrschaft des Staufers.

Scheitern der Gesetze von Roncaglia

Nach dem erfolgreichen Manöver gegen den Papst mit der Etablierung des „Heiligen Reiches“ versuchte Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen vergleichbaren Coup gegen die italienischen Städte. Mit den roncalischen Gesetzen verlieh er sich auf Basis von römischen Gesetzen eine ungeteilte Macht:

  1. Die Lex Regalia schuf das Recht auf Verfügung über alle Herzogtümer, Markgrafenschaften, das komplette Verkehrsnetz sowie den anfallenden Zöllen.
  2. Die Lex Omnis Jurisdicio machte den Kaiser zum Ursprung aller Gesetze. Damit lag die Hohe Gerichtsbarkeit und der Königsbann bei seiner Person. Außerdem mussten alle Richter ihm einen Amtseid leisten.
  3. Die Lex Palaci et Pretoria ermächtigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa, an jedem beliebigen Ort eine Pfalz zu errichten. Dabei handelte es sich um ausgebaute Standorte für Reise-Könige. Vor allem aber konnte er auf dieser Grundlage auch Burgen innerhalb von städtischen Grenzen errichten.
  4. Die Lex Tributum erlaubte dem Staufer, die Steuern in Italien zu erhöhen beziehungsweise zu senken.

Darüber hinaus verschärfte Friedrich I. Barbarossa ein bereits 1154 erlassenes Lehensgesetz. Darin wurde die Treuepflicht gegenüber dem Kaiser über alle anderen Verpflichtungen gestellt.

Die roncalischen Gesetze verliehen Kaiser Friedrich I. Barbarossa eine bisher nie dagewesene formale Machtfülle. Doch es fehlte ihm an real-politischen Möglichkeiten, seine Ansprüche durchzusetzen.

Vielmehr fühlten sich die italienischen Städte von seinen Ansprüchen gegängelt. Deswegen kam es unmittelbar nach der Veröffentlichung bereits zu ersten Aufständen. Die Stadt Mailand rebellierte dann 1159 und konnte erst drei Jahre später gewaltsam unterworfen werden.

Politische Niederlage im Papstschisma

Papst Hadrian IV. starb am 1. September 1159. Doch die Kardinäle waren so zerstritten, dass es zu einer Spaltung des Kollegiums kam. Das Papsttum befand sich in einer tiefen Krise. In zwei getrennten Versammlungen wurde nun je ein Papst gewählt:

  • Alexander III.
  • Victor IV.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa schaltete sich in diese Situation ein. Er würde nur den Papst unterstützen, der seinem Reich und seiner Person die „Ehre“ erweist.

Damit war Alexander III. aus seiner Sicht aus dem Rennen. Dieser war als Kardinal Roland auf dem Hoftag von Besançon „respektlos“ gewesen. Der selbstbewusste Kleriker hatte sich auch im Anschluss nie um eine persönliche Aussöhnung bemüht.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa rief deshalb zum 13. Januar 1160 eine Kirchenversammlung nach Pavia ein. Diese sollte über die Papstwahl entscheiden. Doch Alexander III. erschien nicht in Pavia, weil er seiner Meinung nach als legitimer Papst keinem irdischen Gericht unterworfen war.

In der Folge kam es zu einem wechselseitigen Ausschluss aus der Kirche. Die Kirchenversammlung exkommunizierte zunächst Alexander III. und alle seine Anhänger. Dieser revanchierte sich mit einer Exkommunikation des Kaisers sowie von Victor IV. und dessen Anhänger.

Doch Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte seine Rechnung ohne die anderen Reiche in Europa gemacht. Vor allem der englische und der französische König wiesen die Selbstermächtigung des Staufers zurück. In einem überlieferten Brief wurde die Frage gestellt, wer denn die „Deutschen zu Richtern über die Nationen“ gemacht hätte.

Das Papstschisma endete erst am 24. Juli 1177 als Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Füße von Alexander III. küsste. Bis dahin würde der Staufer noch zwei weitere Gegenpäpste ins Rennen schicken und auch Kriege führen.

Zerstörung von Mailand im Jahr 1162

Als sich Mailand im Jahr 1159 gegen Kaiser Friedrich I. Barbarossa erhob, hatte dieser nur wenige militärische Kräfte. Erst zwei Jahre später konnte er gegen die rebellische Stadt ziehen.

Mailand musste nach einer langen Belagerung schließlich aufgrund von Problemen mit der Versorgung kapitulieren. Doch damit begann eine erniedrigende Tortur für die Bewohner der stolzen Stadt.

Die Unterwerfung (deditio) wurde in verschiedenen Akten über fast eine Woche hinweg zelebriert. Die Mailänder Konsuln, 300 Ritter und die Fußsoldaten mussten sich gleich viermal öffentlich unterwerfen. Dabei trugen die Ritter Schwerter über ihren Nacken und die Fußsoldaten hatten Stricke um den Hals.

Die Schlüssel der Stadt wurden übergeben. Die Fahnen musste mit der Spitze zu Boden gesenkt werden. Anschließend wurde Mailand erst geplündert und dann zerstört. Zur Beute gehörten die Reliquien der Heiligen Drei Könige. Diese wurden nach Köln gebracht, um Pilger in die Stadt zu locken.

Die Bewohner von Mailand mussten ihre Häuser jedoch verlassen und durften die Stadt nicht mehr betreten. Deshalb wurden im Umland neue Siedlungen errichtet. Die deditio war damit als Ritual zur friedlichen Beendigung von bewaffneten Konflikten jedoch dauerhaft beschädigt.

Aber Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ sich die Chance für einen PR-Coup nicht nehmen. Weil er die schätzungsweise etwa 100.000 Mailänder nicht alle umbrachte, ließ er sich als gütigen Herrscher feiern.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa muss sehr stolz auf sich gewesen sein. Im Anschluss an die Belagerung ließ er für einige Monaten seine offiziellen Urkunden mit „post destructionem Mediolani“ datieren – „nach der Zerstörung Mailands“.

Scheitern des 3. und 4. Italienzuges

Bereits zweimal hatte Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach Italien ziehen müssen. Insgesamt sollten es sechs Italienzüge während seiner Herrschaft werden.

Der 3. und der 4. Italienzug hatten das höhere Ziel, einen Zugriff auf Sizilien zu bekommen. Darüber hinaus sollte das nach wie vor andauernde Papstschisma gewaltsam überwunden werden.

Doch jeweils fehlte Kaiser Friedrich I. Barbarossa die militärische Kraft, sich dauerhaft zu behaupten. Der 3. Italienzug endete noch relativ glimpflich mit einem freiwilligen Rückzug des Staufers nach Deutschland.

Der 4. Italienzug hingegen wurde zur Katastrophe. Nachdem Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Juli 1167 Rom erreicht hatte, brach in seinem Heer die Ruhr aus.

Parallel ging der Lombardenbund nun gegen ihn vor. Der Staufer musste sich deshalb überstürzt nach Pavia zurückziehen. Von dort aus flüchtete er in der Nacht als Pferdeknecht verkleidet über den letzten offenen Alpenpass nach Norden.

Fragwürdige Konsolidierung des Reiches

Die schweren Niederlagen in Italien hatten für Kaiser Friedrich I. Barbarossa jedoch einen großen Vorteil. Viele Adelige ohne Erben waren an seiner Seite zu Tode gekommen. Deren Vermögen zog er nun ein.

Dadurch konnte Kaiser Friedrich I. Barbarossa erstmals nahezu geschlossene Königsländereien im deutschen Flickenteppich herstellen. Diese Territorien befanden sich vor allem im Alpenvorland, nördlich des Bodensees und im östlichen Schwaben.

Desweiteren nutzte er seine Position, um Heinrich den Löwen in Streitigkeiten zu unterstützen. Desweiteren bestimmte Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1169 seinen damals vierjährigen Sohn als Nachfolger und ließ ihn in Aachen krönen. Dies sollte sich nach seinem Tod auszahlen, weil der Übergang der Herrschaft auf Heinrich VI. tatsächlich gut funktionierte.

Nach Jahren der vergeblichen Opposition gegen Papst Alexander III. suchte er nun erstmals einen diplomatischen Ausgleich. Er bot seiner Heiligkeit an, dass dieser ihn dulden und seinen Sohn später zum Kaiser krönen solle. Er selbst würde jedoch nur Petrus selbst und die Päpste im Himmel“ anerkennen. Die Verhandlungen scheiterten.

Katastrophe in der Schlacht von Legnano

Die Opposition gegen die einseitige Positionierung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa wurde mit der Dauer des Konfliktes immer stärker. Schließlich wurde Alexander III. auch vom Lombardenbund unterstützt, der Lega Lombarda.

Der Staufer musste sich militärisch behaupten. Doch Heinrich der Löwe, sein wichtigster Vasall, verweigerte ihm die Unterstützung. Bei einem Treffen in der Stadt Chiavenna soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa sogar vor dem Herzog auf die Knie gefallen sein.

Aber Kaiser Friedrich I. Barbarossa wurde 1176 von seinem welfischen Vettern im Stich gelassen. Mit gerade einmal 3.000 Mann musste er gegen die nord-italienischen Städte ins Feld ziehen.

Am 29. Mai 1176 kam es dann etwa 30 km nord-westlich von Mailand zur Schlacht von Legnano. Dabei handelte es sich um ein unplanmäßiges Gefecht, dass für den Staufer in einer Katastrophe endete:

  • Im Morgengrauen wurde seine Vorhut von einer Überzahl an bewaffneten Bauern attackiert.
  • Kaiser Friedrich I. Barbarossa traf mit seiner Reiterei gerade rechtzeitig ein, um die Bauern zurückzuwerfen.
  • Die Lombarden zogen sich daraufhin zu ihren Feldzeichen zurück. Dort bildeten sie zusammen mit Fußsoldaten und der Reiterei eine Phalanx.
  • Die erste Reihe der Lombarden wurde von der kaiserlichen Kavallerie schnell niedergemacht. Die meisten Bauern flohen daraufhin
  • Doch die verbliebenen Italiener zeigten einen trotzigen Kampfgeist bei der Verteidigung ihrer Fahne. Obwohl sie selber fast vernichtet wurden, hielten sie den Angriffen der Deutschen stand.
  • In dieser Zeit erreichten die Kavallerie und die Infanterie aus den Städten Brescia und Mailand das Schlachtfeld. Sie starteten einen Flankenangriff und fügten Kaiser Friedrich I. Barbarossa eine vernichtende Niederlage zu.

Der kaiserliche Bannerträger fiel bei einer Attacke der Reiter aus Brescia. Die verbliebenen Truppen waren so verunsichert, dass sie sich bis in den Tessin zurückzogen.

Frieden von Venedig im Jahr 1177

Mit der Niederlage gegen den lombardischen Bund endeten auch zahlreiche Ambitionen von Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1177 schloss er Frieden mit den italienischen Städten und erkannte Alexander III. als legitimen Papst an.

„Er hatte das Kräftemessen mit dem Papst verloren.“ (Stefan Weinfurter)

Die Vereinbarung wurde im Frieden von Konstanz 1183 noch erweitert. Der Staufer erkannte nun die „Autonomie“ der italienischen Städte an. Diese wiederum respektierten im Gegenzug den römisch-deutschen Kaiser als „Oberhoheit“.

Dieser Frieden in Italien kam zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt. Deswegen war er für den Staufer wohl auch aus der Not geboren. Der Machtkampf mit seinem welfischen Vetter spitzte sich nämlich immer weiter zu.

Machtkampf mit Heinrich dem Löwen

Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte nicht vergessen, dass sein welfischer Vetter ihn im Jahr 1176 im Stich gelassen hatte. Darüber hinaus entwickelte der Herzog von Bayern und Sachsen inzwischen selbst einen imperialen Stil.

Zunächst begann ein Spiel der wechselseitigen Provokationen. Diese endeten letztlich mit der Verbannung des Löwen:

  1. Im November 1178 hörte Kaiser Friedrich I. Barbarossa erstmals die Klagen von sächsischen Adeligen gegen den Herzog an. Daraufhin wurde der Welfe vor den Hoftag zu Worms im Januar 1179 geladen.
  2. Heinrich der Löwe erschien jedoch nicht in Worms. Dies hätte schließlich als Zeichen gewertet werden können, dass er die gegen ihn gerichtete Klage als legitim ansah.
  3. Der Kaiser warf seinem Vetter daraufhin vor, die „Ehre des Reiches“ verletzt zu haben. Dem Löwen wurde bei erneuter Missachtung einer solchen Vorladung die Ächtung angedroht und er wurde vor den Hoftag im Juni 1179 in Magdeburg befohlen.
  4. Doch der Welfe erschien weder in Magdeburg noch auf dem darauffolgenden Hoftag Ende März 1180 in Gelnhausen. Damit hatte er juristisch den Bogen endgültig überspannt. Der Erzbischof von Köln listete die Verbrechen auf:
    1. Unterdrückung der Freiheit der Kirche und der Adeligen
    2. Missachtung des Lehensrechts
    3. Verachtung der kaiserlichen Majestät

Die Herzogtümer Bayern und Sachsen wurden nun aufgeteilt. Doch Heinrich der Löwe stellte unter real-politischen Gesichtspunkten zu diesem Zeitpunkt immer noch eine sehr mächtige Person im Reich dar. Es kam deshalb zum militärischen Schlagabtausch.

Der Löwe griff Goslar mit seinen reichen Silberminen an. Doch der Welfe hatte sich nie um die Loyalität insbesondere des sächsischen Adels bemüht. Seine eigenen Vasallen verweigerten ihm nun den Rückhalt.

Binnen zwei Monaten konnte Kaiser Friedrich I. Barbarossa seine Reichsheerfahrt gegen den Welfen zu einem erfolgreichen Ende führen. Auf dem Hoftag 1181 zu Erfurt unterwarf sich der Löwe und musste daraufhin ins Exil gehen.

Einige Jahre später konnte der Welfe auf seine ererbten Güter zurückkehren. Doch er spielte nie wieder eine Rolle in der großen Politik des Reiches.

Tod Barbarossas 1190 auf dem Dritten Kreuzzug

In den letzten zehn Jahren seiner Herrschaft gelang Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein wichtiger Coup. Er verheiratete seinen Sohn, den späteren König und Kaiser Heinrich VI. mit einer Tochter des normannischen Königs Roger II. von Sizilien.

So gelang die erbrechtliche Verbindung des Heiligen Römischen Reiches mit dem Königreich Sizilien. Doch damit schuf Kaiser Friedrich I. Barbarossa auch einen weiteren Konfliktherd mit dem Papsttum. Deren Vertreter fürchteten um ihren Einfluss über Sizilien.

Doch die Probleme der Christen untereinander wurden jäh vom Sieg des Sultan Saladin in der Schlacht von Hattin am 4. Juli 1187 unterbrochen. Das Königreich Jerusalem fiel in die Hände der Muslime.

Der neue Papst Gregor VIII. verkündete daraufhin die Audita Tremendi, die Kreuzzugbulle. Er rief damit zum Dritten Kreuzzug auf und versprach allen Kreuzrittern den vollständigen Ablass ihrer Sünden.

Zögerlich kamen der englische König Richard Löwenherz, der französische König Philipp II. August und Kaiser Friedrich I. Barbarossa diesem Ruf nach.

Der Staufer versammelte ein Heer von 15.000 Mann. Sie marschierten über Bayern nach Wien. Von dort ging es weiter über Ungarn bis in das Byzantinische Reich. Dabei wurde Thrakien geplündert.

In der heutigen Türkei kam es dann zu ersten Gefechten gegen muslimische Verbände. Kaiser Friedrich I. Barbarossa konnte sich durchsetzen und plünderte Konya.

Am 18. Mai 1190 kam es dann zur großen Schlacht von Iconium. Das zahlenmäßig weit überlegene Heer der Kreuzfahrer fügte den Seldschuken eine schwere Niederlage zu.

Doch nur wenige Wochen später am 10. Juni 1190 ertrank Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Fluss Saleph im Süd-Osten der heutigen Türkei. Die näheren Umstände seines Todes sind jedoch unbekannt.

Sein Leichnam wurde nach dem „Mos Teutonicus“, der „deutschen Sitte“, bestattet. Dabei wurde der Körper gekocht, um das Fleisch von den Knochen zu trennen. Die Eingeweide bestattete man in Tarsos. Die Knochen wurden hingegen wahrscheinlich in der Kathedrale von Tyrus beigesetzt.