Apostel Simon Petrus

Simon Petrus – Jünger und Apostel

Simon Petrus gehörte zum innersten Kreis des Jesus von Nazaret. Er wurde als eine der erste Personen in die Gemeinschaft der Jünger berufen. Innerhalb dieser Gruppe entwickelte er sich dann zu einer bedeutenden Führungsfigur.

Noch zu Lebzeiten hatte Jesus den ehemaligen Fischer Simon Petrus zu seinem wichtigsten Sprachrohr auf Erden ernannt. Er wurde nun zum Menschenfischer und damit beauftragt, die neue Religion kirchlich zu organisieren.

Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.Matthäus 16,18

Darüber hinaus war der Apostel Simon Petrus in zahlreiche Szenen der Heilsgeschichte direkt involviert. Zusammen mit seinem Bruder Andreas, einem weiteren Jünger aus dem direkten Umfeld des Messias, hatte er bereits früh Kontakt zur Bewegung um Johannes den Täufer.

Blick vom Dom St-Peter zu Ehren des Apostels Simon Petrus
Blick vom Petersdom im Vatikan (pixabay)

Damit gehört er zu den Ur-Gesteinen der Christenheit. Nach der Kreuzigung von Jesus war Simon Petrus dann Zeuge des wieder auferstandenen Messias.

Innerhalb der früh-christlichen Gemeinde in Jerusalem wurde Simon Petrus dank seiner Persönlichkeit zu einer Säule der jungen Gemeinschaft. Der christlichen Überlieferung nach war Petrus dann als Apostel (Gesandter, Sendbote) des Messias auch der erste Bischof von Antiochien.

Darüber hinaus soll Petrus auch die christliche Gemeinde in Rom gegründet haben. Deshalb gilt er als erster Bischof von Rom. Dort soll er einen Märtyrer-Tod gestorben sein. Im heutigen Vatikan-Staat wird seine Grablege vermutet.

Historisch betrachtet, wird der Einfluss von Simon Petrus in der christlichen Überlieferung jedoch stark überbewertet. Die römische Gemeinde war zu Beginn nur sehr klein und keinesfalls die Keim-Zelle des heutigen Christentums.

Vielmehr entwickelte sich diese neue religiöse Strömung unter dem Dach von liberalen jüdischen Gemeinden in Griechenland sowie den östlichen Teilen des Römischen Reiches. Bis ins 4. Jahrhundert waren die Christen stark fragmentiert und hatten auch keine einheitliche Lehre.

Zeit als Jünger des Messias

Über die Herkunft von Simon Petrus ist wenig bekannt. Jedoch ist überliefert, dass er aus Galiläa stammte. Das war ein Gebiet im Norden von Israel. Aus dieser Region stammte auch Jesus und es war die Gegend, in der es später zu den meisten Auftritten von ihm kam.

Die Stadt Bethsaida wird im Evangelium des Johannes etwas genauer als die Geburtsstadt oder zumindest als früherer Wohnort des Apostels Simon Petrus angegeben. Später lebte er zusammen mit seiner Frau und seinem Bruder, dem Apostel Andreas, am See Genezareth.

Als Jesus am See von Galiläa entlang ging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihre Netze auswarfen; sie waren nämlich Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Mt 1,16-17

Nach den Beschreibungen des Apostels Johannes hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits frühere Begegnungen gegeben. Über Andreas, der bereits zu den Anhängern von Johannes dem Täufer gehörte, war man sich bereits bekannt.

Im Lukasevangelium wird diese Szene noch weiter ausgeschmückt. Angeblich kam es zum wunderbaren Fischfang. Dieser war so reichhaltig, dass die Fischer vor der Macht des Messias erschraken.

Die Evangelisten sind sich jedoch einig, dass Simon Petrus sich nach diesem Ereignis dem Sohn Gottes nicht einfach nur anschloss. Er wurde zur Integrationsfigur innerhalb der neuen Bewegung und trat schon bald auch als Sprachrohr auf, sowohl nach innen wie nach außen.

Benennung als Petrus

Ursprünglich war der spätere Apostel Simon Petrus nur unter dem Namen Simon bekannt. Bei dem Wort Petrus handelt es sich um einen Beinamen, der von einem griechischen Wort für Stein oder Felsen entlehnt ist.

Dabei handelt es sich jedoch auch bereits um eine Übersetzung. Die originale Bezeichnung in der aramäischen Sprache lautet Kephas. Das Wort bedeutet soviel wie Edelstein.

Mit seiner Berufung in den Kreis der Jünger wird „Simon“ jedoch fast beiläufig zu „Simon Petrus“. Bibel-Spezialisten sind sich jedoch überwiegend einig, dass dieser Beiname von Jesus selbst eingeführt wurde.

Dennoch fällt manchem auf, dass die Bezeichnung als Petrus häufiger im Kontakt der Jünger untereinander auftaucht. In der Beziehung zu Jesus hingegen fällt der Beiname weniger oft.

Insofern könnte es sich um einen Spitznamen handeln, der eher unter Gleichrangigen verwendet wurde. Aber weitere Ausführungen zum Hintergrund für diese Namenserweiterung bleiben uns die christlichen Überlieferungen schuldig.

Verklärung des Herrn

Bevor Jesus ins Visier der Behörden geriet und schließlich sein Ende fand, offenbarte er sich einem innersten Zirkel von drei Jüngern. Diese waren Johannes, Jakobus der Ältere und Simon Petrus. Ihr Heiland nahm sie eines Tages beiseite.

Gemeinsam bestiegen sie den Berg Tabor, um in Ruhe zu beten. Plötzlich wurde Jesus in ein himmlisches Licht getaucht. Seine Kleidung wurde strahlend weiß und die drei Jünger fielen vor Schreck zu Boden.

Zunächst erschienen die Propheten Moses und Elija. Sie sprachen mit dem Messias. Dann erschien eine Wolke als irdischer Manifestation von JHWH am Himmel. Aus dieser sprach Gott zu Johannes, Jakobus dem Älteren und Simon Petrus: Dieser ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.“

Nach dieser Szene stiegen die vier Männer vom Berg herab. Jesus kündigte den drei Jüngern dabei sowohl seinen Tod wie auch seine Wiederauferstehung an. Sie mussten dies jedoch vor den anderen Mitgliedern ihrer Gruppe zunächst verschweigen.

Weg bis zur Kreuzigung

Später offenbarte sich Jesus all seinen Jüngern. Daraufhin wollte Simon Petrus ihn von seinem geplanten Leidensweg abbringen. Doch der Sohn Gottes wies ihn zurück. Darauf hin kam es laut den Evangelien zu einem Austausch von Bekenntnissen.

Zunächst erfolgte das Christusbekenntnis von Simon Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Als Erwiderung folgte die Felsenzusage: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus [griech. petros] und auf diesen Felsen [griech. petra] werde ich meine Kirche bauen.“

Die römische Kirche zieht aus dieser Felsenzusage bis heute ihre Autorität. Doch nicht alle christlichen Strömungen erkennen diese Interpretation an. Denn die verwendeten griechischen Wörter sind nicht gängig für die Bezeichnung eines Baugrundes.

Außerdem liegt der Verdacht nahe, dass diese Aussage in der Form nicht von Jesus stammt. Vielmehr handelt es sich wahrscheinlich um ein griechisches Wortspiel, dass im Zuge von Übersetzungen entstand.

Zeuge des Auferstandenen

Nachdem sich Jesus bewusst für seinen Leidensweg entschieden hatte, kam es zum verhängnisvollen Einzug in Jerusalem. Dort wurde er aus seinem engsten Kreis von Judas Iskariot verraten, von der Tempelwache verhaftet und dann ins Gefängnis geworfen.

Schließlich verurteilte ihn der römischen Präfekt Pontius Pilatus zum Tode am Kreuz. Als das qualvolle Martyrium am Kreuz sein Ende gefunden hatte, stach ein römischer Legionär dem Heiland mit seiner Lanze in die Seite. Damit war das Ende des irdischen Lebens zweifellos eingetreten.

Doch der christlichen Überlieferung nach stand Jesus drei Tage später von den Toten auf. Man hatte ihn zu diesem Zeitpunkt bereits in ein Grab gelegt, dass nun geöffnet war. In der Folge erschien der Sohn Gottes mehreren Anhängern.

Im Neuen Testament gilt Simon Petrus als einer der ersten Personen, die dem wiederauferstandenen Heiland begegnet sind. Nur der Apostel Johannes berichtet, dass Maria Magdalena die erste Zeugin des Wunders war.

Verleugnung und Bekennung

Aber Simon Petrus ist nicht nur ein Statist im Zuge des Todes und der Wiederauferstehung des Messias. Vielmehr ist er ein Symbol für die inneren Konflikte eines Gläubigen. In der Nacht der Verhaftung von Jesus verleugnet er diesen dreimal, so wie ihm prophezeit wurde.

Es fehlte ihm in der Folge zunächst an der Kraft, sein Leben entsprechend der Gebote weiterzuführen. Das Krähen eines Hahnes erinnerte ihn besonders schmerzlich. Dies stürzte den Apostel in eine tiefe Krise.

Auch die Begegnung mit dem auferstandenen Messias konnte diese innere Krise noch nicht endgültig beenden. Doch als an Pfingsten, dem 50. Tag der Osterzeit, der Heilige Geist über die Jünger kam, wurde Simon zum todesmutigen Apostel Petrus.

Apostel Petrus und die Kirche

Säule der Jerusalemer Urgemeinde

Nach dem Pfingstwunder sammelten sich die Anhänger des Gekreuzigten und fanden neuen Mut. Noch in Jerusalem hielt Simon Petrus seine erste eigene Predigt und thematisierte die göttliche Verheißung für das Volk Israel.

Mit Gewissheit erkenne also das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt.“ – Apg 2,36

Die christliche Überlieferung nennt eine Zahl von 3.000 Personen, die sich daraufhin der Urgemeinde anschlossen. Der Apostel Petrus setzte sein Wirken in Jerusalem fort und geriet bald selbst in das Visier der Behörden.

Er wurde vor den Hohen Rat der Priesterschaft zitiert. Doch dort behauptete er seine Position und prägte dabei einen Schlagsatz, den noch viele Christen im Laufe der Jahrhunderte aufgreifen würden:Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben.“

Die Formulierung vom non possumus, „wir können nicht“, sollte in den folgenden Jahrhunderten noch zu zahlreichen Konflikten mit den römischen Kaisern führen. Für viele Christen wurde dieser Schlagsatz zum informellen Glaubenskenntnis im Angesicht weltlicher Unterdrückung.

Dieser Konflikt fand unter Kaiser Diokletian beim Streit um den Gottesdienst am Sonntag einen fatalen Höhepunkt. Dieser wurden unter Todesstrafe gestellt, woraufhin standhafte Christen erwiderten: Sine dominico non possumus – Ohne den Sonntag können wir nicht sein.

Entscheidend war jedoch, dass der Apostel Simon Petrus den missionarischen Auftrag annahm. Der Überlieferung nach wurde zunächst mit der Jerusalemer Urgemeinde eine feste Grundlage gebildet, um den Glauben von dort aus in die ganze Welt tragen zu können.

Entstehung der römischen Gemeinde

Im nachhinein war es für viele Bischöfe der jungen Christenheit sehr attraktiv, sich auf den Apostel Simon Petrus als Gründer zu beziehen. Der Hintergrund war, dass die Bischöfe untereinander um Einfluss konkurrierten.

Vor allem in Antiochien und in Rom nahm man diesen Bezug auf. Die Gründung der römischen Gemeinde kann jedoch keinesfalls auf Simon Petrus zurückgehen. In der Geschichte des Apostels Paulus kam es nämlich zu einer Begegnung mit römischen Christen im Jahr 50 n. Christus während Herrschaft von Kaiser Claudius.

Zu dieser Zeit weilte Petrus jedoch noch in Jerusalem. Dort hatte sich im Laufe der Jahrzehnte eine strukturierte Organisation entwickelt. Diese Festigung erlaubte dem Apostel der Überlieferung nach eine Reise nach Rom.

Tod als Märtyrer

Während des Aufenthalts des Apostels Simon Petrus in Rom kam es zu einem Groß-Brand. Das war an sich keine Besonderheit in der antiken Metropole. Für den Bau von Wohn-Kasernen für die Unterschicht gab es keine Vorschriften oder gar Sicherheitsbestimmungen.

Außerdem gab es in einem römischen Haushalt auch viele offene Feuerquellen. Schätzungen gehen deshalb von einigen hundert Bränden pro Jahr in der Stadt aus. Der Groß-Brand vom 19. bis zum 26. Juli 64 n. Christus erfasste jedoch 14 Stadtbezirke.

Drei dieser Bezirke wurden völlig zerstört. Erst nach einer knappen Woche konnte mit Hilfe von Brandschneisen eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Dennoch flammten die Brände immer wieder auf. Der Zorn der Überlebenden war natürlich groß.

Weil der amtierende Kaiser Nero selbst unter politischen Druck geriet, wurden Sünden-Böcke gesucht. Wohl auf Empfehlung eines Präfekten fiel die Entscheidung, der kleinen Gemeinde von Christen die Schuld zu geben.

In der Folge kam es zur Neronischen Christenverfolgung. Diese stellte die erste große Verfolgung der neuen Religion dar, der gleich zwei Apostel zum Opfer fielen. Neben Simon Petrus weilte auch der Paulus in Rom.

Viele Christen wurden in den nächsten Wochen gelyncht. Es kam zu Verbrennungen. Andere wurden ertränkt. Aber vor allem wurden auch viele Christen den Raubtieren in den Arenen zum Fraß vorgeworfen.

Einer christlichen Legende nach, wurde Simon Petrus gekreuzigt. Da dies jedoch auch der Tod seines Messias gewesen war, sah er sich als nicht würdig an. Deshalb bat er darum, kopfüber ans Kreuz geschlagen zu werden.

Petrusgrab

Die genauen Umstände des Todes von Simon Petrus sind jedoch nicht überliefert. Etwa 150 Jahre nach dem Tod des Apostels begann aber die besondere Verehrung seiner Person auf dem Vatikanischen Hügel, der höchsten Erhebung des heutigen Vatikan-Staates.

Am südlichen Abhang war bereits unter Kaiser Caligula ein Circus errichtet worden. In diesem soll der Apostel Petrus zu Tode gekommen sein. Unweit entfernt soll er dann in einem Gräberfeld, der seit den 1950er Jahren besuchbaren Vatikanischen Nekropole, bestattet worden sein.

Petersdom

Kaiser Konstantin I. ließ dann bis 326 die erste Petersbasilika (Alt-St.Peter) über dem vermuteten Grab errichten. Hierfür wurde ein großer Teil des Feldes zugeschüttet. So konnte über dem angenommenen Grab des Apostels Petrus ein imposantes Bauwerk errichtet werden.

Foto vom Schrein über den Grab für den Apostel Simon Petrus
Grab des Apostels Simon Petrus (pixabay)

Die Basilika hatte fünf Schiffe, war etwa 120 Meter lang und bis zu 30 Meter hoch. Über die Jahrhunderte hinweg wurde die Kirche jedoch häufig beschädigt und dann wieder restauriert.

Unter Papst Julius II. wurde ab 1506 schließlich ein monumentaler Neubau in Angriff genommen. Die Finanzierung erfolgte über den Peterspfenning, eine Sammlung für karitative Tätigkeiten, wie auch über den Verkauf von Ablässen.

Diese Praxis befeuerte jedoch die aufkommende Reformation. Sie stützte die Argumentation von Predigern wie Martin Luther. Insofern ist der Dom für den Apostel Simon Petrus auch ein Symbol für die Spaltung der Kirche in einen katholischen und einen evangelischen Teil.

Während der Amtszeit von Papst Leo X. übernahm dann der berühmte Künstler Raffael ab 1514 als Dombaumeister die Verantwortung für den Bau. Die prachtvollen Renaissance-Arbeiten zu Ehren des Apostels Simon Petrus dauerten jedoch viele Generationen lang. Die offizielle Einweihung erfolgte erst 1626.

Heiliger Petrus

Simon Petrus wurde von der Kirche in die Riege der Heiligen aufgenommen. Vom Volksglauben wurde ihm darüber hinaus eine besondere Aufgabe übertragen. Da Jesus ihm den Schlüssel zum Himmelstor verlieh, gilt er als eine Art Pförtner.

Ikonographie

In der kunstgeschichtlichen Ikonographie konnten dem Apostel Simon Petrus Attribute zugewiesen werden:

  • Alter Mann mit Bart (Erzvater)
  • Schlüssel
  • Schiff
  • Buch
  • Hahn