Geschichte der Taktik (8) – Die römischen Formationen

Die römischen Formationen

Die alten Römer konzipierten militärische Formationen, die ihrer Zeit weit voraus waren. Von zentraler Bedeutung war hierfür die Entwicklung des römischen Legionärs zum standardisierten Linieninfanteristen.

Manipeltaktik vs. Kohortentaktik

Vorteile und größte Erfolge der Manipeltaktik

Die Manipeltaktik war die grundlegende römische Formation im Kampf zur Zeit der frühen Republik. Ein Manipel – vom lateinischen manipulus vom Wortstamm manus, „Hand(voll), Schar“ – bezeichnete dabei eine militärische Einheit, die aus zwei Centurien gebildet wurde und ca. 160 Mann umfasste. Diese bildeten eine Phalanx mit einer Tiefe von sechs Mann.

Quincunx - Rotation von Manipeln und Kohorten
Der Quincunx war eine Angriffsformation der römischen Armee

Der große Vorteil der Manipel-Phalanx gegenüber einer griechischen Phalanx oder einer makedonischen Phalanx war, dass die einzelnen Manipel autonom auf dem Schlachtfeld operieren konnten. Damit war die römische Manipeltaktik sehr viel flexibler und ermöglichte die Aufstellung von Einheiten wie auf einem Schachbrett.

Vor allem gegen starre Formationen war dieser Ansatz sehr erfolgreich. Gerade in Kombination mit den Wurfspeeren (Pila) wurde die Manipeltaktik oder auch Manipulartaktik zum Erfolgsrezept der republikanischen Armee.

Der bekannteste Erfolg der Manipeltaktik war der Sieg von Scipio Africanus bei Zama. Der Karthager wollte zu Beginn der Schlacht die römischen Linien mit Elefanten aufbrechen. Den Römern gelang es jedoch, Gassen zwischen den Manipeln zu bilden. Sie konnten diesem Angriff ausweichen und die Schlacht gewinnen.

Aber auch in den Jahrhunderten zuvor und insbesondere in Kämpfen gegen Griechen dürfte diese römische Formation von größtem Wert gewesen sein. So fallen bspw. auch die Pyrrhussiege in diese Zeit.

Die Entwicklung zur Kohortentaktik

Bei der römischen Kohortentaktik handelte es sich im Kern nur um eine Modifikation der Manipeltaktik. Der große Nachteil der ursprünglichen Formation lag in der geringen Widerstandskraft gegen konzentrierte Angriffe durch eine große Zahl an Feinden wie beispielsweise durch einen germanischen Eberkopf.

Die Kohorte (vom lateinischen cohors „umfriedeter Raum“) wurde durch die Heeresreform des Gaius Marius zur wichtigsten Einheit innerhalb einer Legion auf dem Schlachtfeld. Diese umfasste drei Manipel, also sechs Centurien und entsprechend auch dreimal so vielen Männern.

Schola Gladiatoria – Historical European Martial Arts (HEMA)

(Website / Wikipedia / YouTube)

Gegen Kelten und Germanen erwiesen sich diese Formationen als sehr schlagkräftig. Die Schwachstelle dieser Taktik lag jedoch in den Ansprüchen an das Gelände. Die Römer blieben vor allem für Hinterhalte anfällig.

Antike Treffentaktik vs. Linieninfanterie

Während der Frühphase der Republik war der römische Legionär noch kein einheitlicher Linieninfanterist. Die Armee verfügte zu der Zeit stattdessen über Typ an einen leichten Infanteristen (Velites) sowie zwei Typen an schwere Infanteristen (Principes, Triarier).

„res ad triarios rediit“ – römisches Sprichwort

Diese drei Typen an Soldaten formierten sich nach „Härtegrad“ in drei Linien – so genannten Treffen – auf dem Schlachtfeld hintereinander:

  1. Die leichte Infanterie eröffnete in lockerer Formation als das erste Treffen die Schlacht. Anschließend zogen sie sich in den Schutz der römischen Reiter oder in geschützte Zwischenräume zwischen den Manipeln zurück.
  2. Die Hauptkämpfe der Antike wurden von der schweren Infanterie ausgetragen. Die Principes bildeten das zweite Treffen. Sie sollten im Idealfall die Schlacht bereits entscheiden.
  3. Die Triarier waren eine Veteranen- und Eliteeinheit. Sie bildeten das dritte Treffen. Ihre Aufgaben war es, die Linie unter allen Bedingungen zu halten.

Der große Nachteil der römischen Treffentaktik als Schlachtformation war, dass nicht alle Soldaten zu allen Phasen des Kampfes flexibel eingesetzt werden konnten. Vielmehr konnte es leicht passieren, dass sich leichte und schwere Infanterie ins Gehege kamen.

Die römische Linieninfanterie

Die Marschformation einer römischen Zenturie in Kampfausrüstung.
Römische Linieninfanteristen in Marschformation (pixabay)

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich parallel zum Wandel von der Manipel- hin zur Kohortentaktik auch der Legionär. Er wurde zu einem standardisierten Linieninfanteristen. Im Zuge der Heeresreform des Gaius Marius wurden Velites, Principes und Triarier in ein einheitliches Konzept überführt.

Durch diese Vereinheitlichung konnten die römischen Feldherren ihre Formationen auf dem Schlachtfeld entwirren. Es blieb zwar dabei, dass die Legionäre in mehreren Linien hintereinander aufgestellt wurden. Aber es konnten ganz neue Ansätze erdacht und im Gefecht realisiert werden. Vor allem Gaius Julius Caesar gilt als einer der großen Nutzer dieser neuen Möglichkeiten.

Er ist u.a. für die Etablierung des Rotate-Befehls, der schiefen Schlachtordnung sowie der Testudo, der Schildkrötenformation, in die Militärgeschichte eingegangen. Aber auch spätere römische Kaiser bewiesen großes Verständnis für die Potentiale des neuen Systems.

Weitere Formationen der römischen Legionen

Rotate – die Rotation von Legionären

Da der Kampf auf einem antiken Schlachtfeld körperlich extrem aufreibend war, brachten die Römer mit ihren flexiblen Formationen einen ganz neuen Ansatz ins Gefecht. Sie fanden mit dem Rotate-Befehl einen Weg, um die Kämpfer in der erste Linie durch Rotationen alle paar Minuten auszuwechseln.

Die römische Offizieren trugen Pfeifen bei sich, um über den Schlachtlärm hinweg Befehle geben zu können. Auf ein spezielles Pfeifsignal hin traten die jeweils vordersten Legionäre in der Phalanx einen Schritt beiseite und ließen sich durch ihren Hintermann ersetzen.

Sobald dies geglückt war, zogen sich die erschöpften Kämpfer bis in die letzte Reihe zurück. Dort regenerierten sie sich, bis die Rotationen sie wieder in vorderste Reihe trugen. Da die römischen Soldaten deshalb einfach fitter als ihre Gegner waren, wurden bspw. die großen Siege gegen die Gallier wie bei Alesia erst möglich.

Quincunx – die Rotation von Zenturien

Quincunx ist ein Begriff für eine Anordnung von fünf Punkten wie beispielsweise bei einem Würfel. Im alten Rom bezeichnete man damit auch eine seltene Münze (5/12 As).

In der römischen Kriegsführung ist der Begriff auch für eine Angriffsformation verwendet worden. Entscheidend war jedoch, dass die römischen Generäle mit dem Quincunx ein kritisches Problem auf dem Schlachtfeld lösen konnten und zwar die Rotationen von ganzen Einheiten.

Quincunx - Rotation von Manipeln und Kohorten
Der Quincunx war eine Angriffsformation der römischen Armee

Entscheidend am Quincunx ist, dass diese römische Formation nur in einer flexiblen Vorwärtsbewegung funktioniert. Dies unterstreicht den offensiven Charakter der römischen Linieninfanterie. Außerdem legt es den Gedanken nahe, dass die tatsächliche Primärwaffe nicht das Kurzschwert, sondern der leichte Wurfspieß war.

Die Legionäre stürmten in versetzten Abständen vor und warfen zunächst den schweren Wurfspieß, um den feindlichen Schildwall zu brechen. Dann folgten in schnellen Abständen drei leichte Wurfspieße, um Gegner zu verletzten oder zu töten. Bevor sich diese sammeln konnten, zog sich die Einheit zurück, während an den Flanken andere Trupps vorstießen.

Die schiefe Schlachtordnung

Bei einer schiefen Schlachtordnung werden nicht alle Kräfte symmetrisch auf der gesamten Linie verteilt. Stattdessen setzt der Feldherr entweder am linken oder am rechten Flügel einen Schwerpunkt. So versuchte man, dort eine Übermacht herzustellen, um die feindliche Ordnung aufzubrechen.

Vor allem bei nummerischer Unterlegenheit ist dies eine Option. In der Neuzeit wurde diese Schlachtformation von Friedrich dem Großen aufgenommen.

Testudo – die Schildkrötenformation

Die Römer entwickelten als ganz neue Kampfformation die Testudo – die Schildkrötenformation. Dabei rückten die Legionäre dicht zusammen. Dann schützten sie sich gegenseitig mit ihren großen Schilden gegen Beschuss sowohl von vorne wie von oben.

So konnten sie bspw. unter einem Pfeilhagel vorrücken. Nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch bei Belagerungen war dies sehr vorteilhaft. Belegt ist auch der Einsatz der Testudo in den Dakerkriegen unter Kaiser Trajan.

Der große Nachteil der Schildkrötenformation lag in der Anfälligkeit gegenüber Attacken an den Flanken. Diese waren nicht geschützt. Außerdem war eine Testudo auch sehr schwerfällig, weshalb sie zwar eine spektakuläre, aber dennoch wahrscheinlich nur sehr selten genutzte römische Formation war.

Die Keilformation

Die römischen Legionäre waren auch in der Lage, eine keilförmige Phalanx zu bilden. Diese Formation wurde beispielsweise verwendet, wenn zunächst die Linie gegen einen Angriff gehalten werden musste, man dann aber in den Gegenangriff überging.

In der Schlacht an der Watling Street konnten zwei Legionen in Britannien mit diesem Manöver den Aufstand von Königin Boudicca beenden.