Heinrich der Löwe

Heinrich der Löwe – der gefallene Herzog

Heinrich der Löwe wurde zwischen 1129 und 1135 geboren. Die Quellenlage zu seinem Geburtsdatum ist nicht eindeutig. Er stammte aus dem Geschlecht der Welfen und war ein Vetter von Kaiser Friedrich I. Barbarossa.

Der Braunschweiger Löwe wurde 1166 von Heinrich dem Löwen aufgestellt.
Heinrich der Löwe ließ 1166 den Braunschweiger Löwen aufstellen. (pixabay)

Obwohl Heinrich der Löwe selbst kein König war, gehörte er zeitweise zu den führenden Figuren seiner Zeit in ganz Europa. Darüber hinaus schuf er als Gründer zahlreicher Städte wie München ein bleibendes Erbe.

„Ich Heinrich von Braunschweig bin der Löwe.“ (Münzumschrift)

Doch nach einer langen und erfolgreichen Karriere als einer der Großen des Heiligen Römischen Reiches überschätzte er sich schließlich selbst. Alle Titel wurden Heinrich dem Löwen aberkannt und er musste ins Exil gehen. Letztlich verdankte er es dem Glück, dass er später in seine ererbten Ländereien zurückkehren durfte.

Seiner Herzogtümer Bayern und Sachsen hatte er sich jedoch beraubt. Er spielte nach einem verlorenen Machtkampf mit Kaiser nie wieder eine bedeutende Rolle.

Am 6. August 1195 verstarb Heinrich der Löwe dann in Braunschweig. Er wurde zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Mathilde begraben. Das Doppelgrab kann noch heute im Dom besucht werden und ist die älteste erhaltene Stätte dieser Art.

Die Welfen – europäischer Hochadel

Die Welfen gehören neben den Kapetingern und den Reginaren zu den drei ältesten Geschlechtern des europäischen Hochadels. Sie wurden erstmals im 8. Jahrhundert n. Christus in einer Urkunde erwähnt.

Als Stammvater der Welfen gilt Graf Ruthard († 790 n. Christus). Dabei handelte es sich um einen Partei-Gänger der Karolinger. Nach der Zerschlagung des alemanischen Herzogtums zwischen Maas und Mosel im Blutgericht zu Cannstatt setzte er das fränkische Recht von Karl dem Großen in der Region durch.

Im Zenit ihrer Macht stellten die Welfen als Erben der Stuarts ab dem Jahr 1714 sogar den König von England. Beginnend mit George I. regierten sie das Vereinigte Königreich dann bis 1901.

Legenden der älteren Welfen

Einer Familienlegende nach geht der Stammbau der Welfen sogar bis ins 5. Jahrhundert zurück. Der legendäre Stammvater soll Edekon gewesen sein, ein Fürst unter dem Hunnenkönig Attila.

Bei Edekon handelte es sich darüber hinaus um den Vater von Odoaker. Dieser stürzte den letzten Kaiser von West-Rom und wurde im Jahr 476 n. Christus zum ersten König von Italien nach der römischen Kaiserzeit.

Aufstieg im fränkischen Reich

Den Welfen gelang es, im Frankenreich immer weiter an Einfluss zu gewinnen. Mit Graf Welf I. beginnt dann die unzweifelhaft belegte Geschichte des Adelsgeschlechts.

Graf Welf I. gehörte zur Aristokratie des Reiches und konnte für zwei seiner Töchter höchst vorteilhafte Ehen arrangieren.

  • Kaiser Ludwig der Fromme heiratete Judith.
  • König Ludwig der Deutsche heiratete Hemma.

Damit ist die Geschichte der Familie von Heinrich dem Löwen sehr eng mit der mittelalterlichen Entwicklung vom fränkischen Reich hin zum Heiligen Römischen Reich verbunden. Der entscheidende Meilenstein dieser Geschichte war die Krönung von Otto I. zum Kaiser in Rom im Jahr 962 n. Christus.

Jüngere Welfen und die Staufer

Welf IV. wurde im Jahr 1070 vom Salier-König Heinrich IV. zum Herzog von Bayern ernannt. Darüber hinaus erhielt dieser Vorfahre von Heinrich dem Löwen durch seine Ehe mit Wulfhild auch Gebiete in Sachsen. Dessen Enkel trug dann auch bereits den Titel Herzog von Sachsen.

Beide Herzog-Titel waren erbliche Lehenstitel. Das heißt, sie konnten auch wieder entzogen werden, wie es dann später bei Heinrich dem Löwen gemacht wurde.

Doch die Welfen hatten inzwischen auch sogenannten Allodialbesitz in Schwaben und Niedersachsen aufgebaut. Über diese Besitzungen konnte das Adelsgeschlecht frei verfügen, so dass sie auch eine unabhängige Machtbasis hatten. Damit konnten sie sehr souverän auftreten.

In dieser Phase traten die Welfen erstmals in Opposition zum dem damals führenden Geschlecht der Staufer. Doch obwohl sie die beiden mächtigsten Herzogtümer im Reich innehatten, konnten die Welfen sich vorerst nicht als Königshaus etablieren.

Doch zu Beginn des 12. Jahrhunderts suchten die mächtigen Geschlechter einen Ausgleich. Um 1120 wurde die welfische Judith mit dem Staufer-Herzog Friedrich dem Einäugigen verheiratet.

Aus dieser Ehe ging Friedrich Barbarossa hervor. Dieser wurde römisch-deutscher Kaiser und war zugleich auch ein Vetter von Heinrich dem Löwen. Das wechselhafte Machtspiel dieser beiden Akteure sollte das römisch-deutsche Reich für Jahrzehnte dominieren.

Aufstieg von Heinrich dem Löwen

Jugendjahre von Heinrich

Der Geburtsort von Heinrich dem Löwen ist nicht bekannt. Der Steterburger Chronik zufolge müsste er 1129/30 auf die Welt gekommen sein. Er wurde jedoch erst 1135/36 getauft. Dieser hohe Zeitabstand kann jedoch nicht plausibel begründet werden. Deswegen vermuten Historiker einen Fehler bei der Übertragung der Daten.

Die Jahre seiner Kindheit waren vom politischen Konflikt zwischen seinem Vater Heinrich dem Stolzen und dem Staufer-König Konrad III. geprägt. Diesem war die Königswahl trotz einer schwachen materiellen Basis gelungen.

Heinrich der Löwe wurde in seiner Jugend dennoch von geistlichen Mentoren aus dem Umfeld des Kaiser-Hauses ausgebildet. Diese vermittelten ihm auch geo-politische Sichtweisen. Doch als der Vater starb, war der junge Mann noch nicht mündig.

In der Folge entbrannten Machtkämpfe um die Herzogtümer Bayern und Sachsen. Heinrich der Löwe konnte erst im Laufe seines Lebens die Kontrolle über diese Gebiete wiederherstellen.

Zweiter Kreuzzug und Slawenkrieg

Die Konflikte, insbesondere um das Herzogtum Bayern, wurden darüber hinaus von einem internationalen Großereignis verzögert. Bernhard von Clairvaux hatte zum Zweiten Kreuzzug aufgerufen:

„Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen und stirbt dann noch ruhiger!“

Aber der junge Heinrich entschied sich nicht für einen klassischen Kreuzzug in das Heilige Land. Vielmehr zog er gegen die Slawen östlich der Elbe. Dies hatte auch den Vorteil, dass er den Staufer Konrad III. nicht beim Zweiten Kreuzzug unterstützen musste. Er konnte auch so seinen religiösen Pflichten nachkommen.

Darüber hinaus hatte Heinrich der Löwe wirtschaftliche Interessen und er beanspruchte die Herrschaft über einige Gebiete östlich der Elbe. Ab 1147 führte Heinrich der Löwe dann seinen Wendenkreuzzug. Der Begriff „Wenden“ ist eine veraltete Bezeichnung der dortigen Elb-Slawen.

Dafür erhielt er von zahlreichen deutschen Fürsten und Bischöfen eine erhebliche Unterstützung. Einen besonderen Einfluss hatte dabei Albrecht der Bär von Brandenburg. Dieser war wohl wesentlich für die Planung des Feldzuges mit zwei Heeren verantwortlich.

Dennoch hatte der noch junge Heinrich der Löwe innerhalb seines Verbandes wahrscheinlich die Führungsposition. Erfolgreich belagerte er dann die Burg Dobin am Schweriner See.

Laut den Quellen konnten Heinrich der Löwe und Albrecht der Bär ihre Heere von Kreuzfahrern binnen drei Monaten zum Erfolg führen. Insgesamt sollen dabei über 100.000 Kreuzritter gegen die heidnischen Wenden marschiert sein. Diese Zahl wird von Historikern jedoch stark bezweifelt.

Mehr als ein Jahrzehnt später im Jahr 1160 sollte Heinrich der Löwe erneut größere Vorstöße in die slawischen Gebiete durchführen. Den Widerstand des einheimischen Adels konnte er mit Gewalt brechen. Bedeutende Burgen übergab er an treue Vasallen.

Königswahl von Friedrich Barbarossa

Nach dem Tod von Konrad III. im Jahr 1152 versammelte sich die führende Aristokratie in Frankfurt, um einen neuen Monarchen zu wählen.

Die Versammlung entschied sich für den Staufer Barbarossa. Der bedeutende Geschichtsschreiber Otto von Freising sprach von einer einstimmigen Wahl, weil der Kandidat die zerstrittenen Staufer und Welfen einigen könne.

Tatsächlich musste der Staufer vor seiner Wahl wohl sehr intensive Verhandlungen führen. Zentral war demnach ein Versprechen an Heinrich den Löwen, das Herzogtum Bayern an ihn zurückzugeben.

Mit der Krönung am 9. März 1152 in Aachen kam es deshalb zu einer historischen Verschiebung der politischen Kräfte im Reich. Die Staufer und die Welfen waren plötzlich Verbündete. Heinrich der Löwe sah diese Allianz als beste Chance an, Herzog von Bayern zu werden.

Politische Partnerschaft mit Barbarossa

Nach der erfolgreichen Wahl von Friedrich I. Barbarossa zum König entwickelte sich eine langjährige strategische Partnerschaft mit Heinrich dem Löwen. Über ein Vierteljahrhundert hinweg unterstützen die Männer die Interessen des jeweils anderen.

Die besondere Nähe der Beiden zeigte sich beispielsweise im häufigen Auftreten von Heinrich dem Löwen als Zeuge für seinen König und späteren Kaiser. Dies gilt für zwei Drittel der bekannten Urkunden aus den ersten zehn Jahren der Partnerschaft.

Der Staufer dankte es dem Löwen dafür beispielsweise mit einem neuen Lehen – der Reichsvogtei Goslar. Diese war wegen der Silberbergwerke in Rammelsburg wirtschaftlich besonders interessant. Bis heute sind zahlreiche Silbermünzen erhalten, die Heinrich der Löwe pressen ließ.

Konflikte in Italien und Kaiserkrönung

Noch im Jahr 1152 verkündete Friedrich I. Barbarossa auf dem Hoftag zu Würzburg den Termin seiner Reise nach Rom. Dort wollte er die Kaiserwürde aus den Händen des Papstes empfangen. Diese Romfahrt wurde für 1154 angesetzt.

Doch bereits im darauffolgenden Jahr wurde Barbarossa mit dem Widerstand der italienischen Städte konfrontiert. Er war deshalb langfristig auf die tatkräftige Unterstützung durch Heinrich den Löwen angewiesen.

Bei der erste Reise nach Italien ließ sich Barbarossa von einem großen Heer begleiten. Den größten Anteil stellte dabei der welfische Herzog.

In Italien kam es tatsächlich zu bewaffneten Konflikten. Heinrich der Löwe belagerte in diesem Zug die Stadt Pavia und brannte sie teilweise nieder.

Die größte Gefahr lauerte jedoch in Rom selbst. Eine örtliche Bewegung hatte den römischen Senat wieder eingesetzt. Sie boten Barbarossa an, dass er gegen eine Zahlung von 5.000 Pfund Silber die Krone des Kaisers vom Volk erhalten könne.

Friedrich Barbarossa schlug sich jedoch auf die Seite des Papsttums. Am 18. Juni 1155 wurde er dann von Hadrian IV. gekrönt. Umgehend brach ein bewaffneter Aufstand in Rom aus.

Die aufgebrachten Römer attackierten das Feldlager. Doch Heinrich der Löwe konnte den Angriff abwehren. Dies brachte ihm großen persönlichen Ruhm ein.

„Gründung“ des Heiligen Römischen Reiches 1157

Bald nach der Rückkehr von Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus Italien kam es jedoch zu einem schweren diplomatischen Zwischenfall. Eine päpstliche Gesandtschaft verlas 1157 auf dem Hoftag von Besançon ein Schreiben seiner Heiligkeit.

Darin wurde die Verleihung der Kaiserwürde als Beneficium bezeichnet. Dabei handelte es sich um einen doppeldeutigen Begriff. Dies konnte sowohl „Wohltat“ wie auch „Lehen“ bedeuten.

Die Rede wurde dann so interpretiert, dass der Papst sich als Lehnsherrn des Kaisers positionieren wollte. Doch Barbarossa wies dies als Beleidigung zurück und schuf seinerseits eine völlig neue Legitimationskette.

Erstmals sprach er nun vom Heiligen Reich, dem sacrum imperium. Mit dieser Begrifflichkeit wies der Kaiser den Anspruch des Papstes aus Rom zurück: Der Herrscher eines heiligen Reiches braucht nämlich keine weitere Legitimation. Der Konflikt war damit jedoch keinesfalls beigelegt.

Zunächst konnte jedoch Heinrich der Löwe zusammen mit dem Bischof von Bamberg zwischen Kaiser und Papst diplomatisch vermitteln. Diese Rolle zeigte sehr deutlich die machtvolle Position des Welfen im Reich.

Man einigte sich darauf, dass alles nur ein Missverständnis gewesen sei. Später erweiterte man die ursprüngliche Aussage jedoch noch. Das scarum imperium romanum, das Heilige Römische Reich war geboren. Der Zusatz „deutscher Nation“ kam erst Jahrhunderte später hinzu.

Mit dem Anspruch von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, dass er sich weder vor dem Papst noch dem Volk von Rom verantworten müsse, hatte er sich aber nun ganz neue Feinde geschaffen. Die italienischen Städte rebellierten umgehend. Der Staufer war wieder auf die Hilfe von Heinrich dem Löwen angewiesen.

Bereits im Jahr 1158 musste Heinrich der Löwe seinem Kaiser erneut bei einem Zug nach Italien beistehen. Das Zentrum des Widerstandes gegen ihn wurde Mailand.

Nach monatelanger Belagerung musste Mailand schließlich kapitulieren. Die Deutschen statuierten ein Exempel und brannten die Stadt bis auf die Grundmauern nieder. Doch nun machte auch wieder die schmähliche Rede vom Furor Teutonicus die Runde.

Unter dem Raubgut waren auch die Reliquien der heiligen drei Könige. Diese wurden nach Köln gebracht, um Pilger in die Stadt zu locken. Dank der Spenden dieser Gläubigen konnte etwa 100 Jahre später mit dem Bau des Kölner Doms begonnen werden.

Heinrich der Löwe im Kampf um die Macht

Das informelle Bündnis von Heinrich dem Löwen mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa zerfiel sukzessive nach etwa 25 Jahren. Der Grund war, dass der Welfe seine Macht im Laufe der Zeit immer aggressiver gegen seinen Vettern ausspielte. Doch er überreizte seine Trümpfe. Im Machtkampf mit dem Kaiser unterlag der Herzog am Ende.

Heinrich als „Gründer“ bedeutender Städte

In der älteren Forschung zu Heinrich dem Löwen wird ihm eine systematische Städtepolitik unterstellt. Beispielsweise wird ihm die Gründung von Lübeck, München und Schwerin zugeschrieben.

Foto der Ludwigsbrücke bei Sonnenuntergang
Die Brücke von Heinrich dem Löwen über die Isar stand im Bereich der heutigen Ludwigsbrücke (pixabay)

Doch Heinrich der Löwe war sicherlich kein städtebaulicher Visionär. Vielmehr setzte er mit machtvollen und teils auch fiesen Tricks einfach nur seine wirtschaftlichen Interessen durch. Davon wiederum profitieren einige Siedlungen in seinem Herrschaftsbereich ganz besonders. Die Gründung von München ist hierfür ein ideales Beispiel:

Zur Zeit von Heinrich dem Löwen war der Handel mit Salz ein höchst lukratives Geschäft. Von Salzburg kommend wurden Lieferungen über eine Brücke bei Freising über den Fluss Isar gebracht. Dann ging die Salzstraße weiter nach Augsburg.

Heinrich der Löwe ließ deshalb die Brücke im Hoheitsgebiet des Bischofs von Freising zerstören. Dafür ließ er weiter südlich in seinem Gebiet eine neue Brücke errichten.

Der Zoll der Salzhändler floss nun in die Taschen von Heinrich dem Löwen. Im Umfeld dieser neuen Brücke entwickelte sich „bei den Mönchen“ ab 1158 eine Siedlung, die heute als München bekannt ist.

Ausbau der Burg Dankwarderode

Heinrich der Löwe übte seine Herrschaft wie ein Reise-König aus. Das heißt, er war häufig mit einem großen Tross in seinen Ländereien unterwegs, um seine Macht auszuüben.

Mit der wachsenden Bedeutung seiner Person entstand auch der Wunsch nach einer prachtvollen Pfalz. Eine Pfalz ist ein ausgebauter Standort für einen Reise-König.

Als Standort wählte er das 1134 erstmals erwähnte castrum Tanquarderoth. Dabei handelte es sich um eine Niederungsburg auf einer natürlichen Insel des Flusses Oker im heutigen Braunschweig.

Von 1160 bis 1175 wurde die Burg Dankwarderode dann ausgebaut. Als architektonisches Vorbild wurde die Kaiserpfalz von Goslar herangezogen:

  • Das Hauptgebäude wurde als zweistöckiger Palas angelegt.
  • Das Erdgeschoss erhielt eine Fußbodenheizung.
  • Auch eine Doppelkappelle für unterschiedliche religiöse Zwecke wurde angelegt. Das war ein klassisches Statussymbol des mittelalterlichen Hochadels.
  • Die Burg verlor mit diesem Ausbau jedoch auch ihre militärische Bedeutung. Für den Schutz wurden deshalb neue Außenbezirke angelegt.

Mathilde – Tochter des englischen Königs

1147 hatte Heinrich der Löwe Clementia von Zähringen geheiratet. Dabei hatte es sich einerseits um ein innen-politisches Bündnis gehandelt. Andererseits hatte die Dame auch eine große Mitgift in die Ehe mit dem Welfen eingebracht. Darunter befanden sich beispielsweise die Burg Badenweiler im Breisgau, aber auch Ländereien.

Doch die Ehe blieb ohne lebenden männlichen Nachkommen, während Heinrich der Löwe immer weiter an Macht gewann. Deshalb verstieß der Welfe seine Gattin im Jahr 1162 wohl aus einem dynastischen Denken heraus. Die Trennung wurde mit einer zu nahen verwandtschaftlichen Beziehung begründet. Damit war diese Scheidung nach römischem Kirchenrecht sogar zulässig.

Nur zwei Jahre später suchte Kaiser Friedrich I. Barbarossa den internationalen Schulterschluss mit dem Haus Plantagenet. Diese stellten von 1154 bis 1485 beginnend mit Heinrich II. die Könige von England. Eben dieser hatte zwei Töchter, die mit Heinrich dem Löwen und einem Sohn Barbarossas verheiratet werden sollten.

Heinrich der Löwe war mit einer Delegation schon bei den Verhandlungen dabei. Er heiratete Mathilde von England dann im Jahr 1168 im Dom von Minden in Westfalen. Das arme Mädchen war zu diesem Zeitpunkt erst zwölf Jahre alt. Nach mittelalterlichen Vorstellungen war sie damit jedoch bereits im heiratsfähigen Alter.

Für Heinrich den Löwen war diese Verbindung jedoch hoch interessant. Die normannischen Könige von England herrschten nämlich auch über Gebiete im heutigen Frankreich. Deshalb gehörten die Plantagenets zu den mächtigsten Familien in ganz Europa.

Heinrich der Löwe war damit zwar immer noch nicht König. Aber er gehörte nun ebenfalls zu den einflussreichsten Personen auf dem Kontinent. Außerdem hatte die englische Königstochter eine sehr hohe Aussteuer mit in die Ehe gebracht.

Reise nach Jerusalem und zwei Leoparden

Für einen weiteren Gewinn an Ruhm entschied sich Heinrich der Löwe für eine Fahrt nach Jerusalem. Dabei ließ er sich von mindestens 1.500 bewaffneten Kriegern begleiten. Außerdem schlossen sich ihm eine Reihe von Geistlichen an:

  • Erzbischof Baldewin von Hamburg-Bremen
  • Bischof Konrad von Lübeck
  • Abt Heinrich von St. Aegidien in Braunschweig
  • Abt Berthold von St. Michael in Lüneburg

Erst in Konstantinopel und dann in Jerusalem bereitete man ihm einen festlichen Empfang. Er selbst stiftete dem Heiligen Grab und der Kapelle des Heiligen Kreuzes große Geldsummen. Außerdem schenkte Heinrich der Löwe den Johannitern und den Templern ebenfalls Geld und auch Waffen.

Bei seiner Fahrt nach Jerusalem erwarb Heinrich zwei Leoparden. Diese Haustiere hatten dann möglicherweise den entscheidenden Einfluss auf die Bildung seines Beinnamens als der Löwe.

Unterwerfung und Exil in England

Als Herzog von Sachsen hatte Heinrich der Löwe noch große Ambitionen im Norden von Deutschland. Er sah es deshalb nicht als zwangsläufig sinnvoll an, den Kaiser bei seinen Querelen mit den italienischen Städten zu unterstützen.

Neben den machtpolitischen Fragen stellten sich bei Heinrich dem Löwen wohl auch Standesdünkel ein. Das Haus der Welfen war immerhin sehr viel älter als das Haus der Staufer. Gesichert ist, dass er seinem Kaiser mit nachlassendem Respekt gegenüber trat.

Einer Legende nach soll der Kaiser sogar vor Heinrich dem Löwen auf die Knie gefallen sein. Doch dieser forderte die Übergabe der Silberminen von Goslar. Diesen Preis wollte Barbarossa nicht zahlen und der Welfe verweigerte ihm die militärische Unterstützung.

Für sein Verhalten wurde Heinrich der Löwe mehrfach von Kaiser Friedrich I. Barbarossa herbei zitiert. Auch diesen Aufforderungen verweigerte er sich immer wieder. Der Konflikt führte schließlich sogar zu einem militärischen Kräftemessen.

Im April 1180 griff Heinrich der Löwe die Stadt Goslar an. Doch der Welfe hatte seine eigenen Gefolgsleute lange Zeit zu schlecht behandelte. Sie verweigerten ihm den Rückhalt. Im Sommer diesen Jahres führte der Kaiser einen Rachefeldzug durch Sachsen und konnte sich binnen zwei Monaten durchsetzen.

Für seine Dreistigkeit wurde Heinrich der Löwe nun geächtet. Damit war er vogelfrei und konnte straflos von Jedermann getötet werden. Seine Herzogtümer Bayern und Sachsen wurden ihm aberkannt.

Heinrich der Löwe musste sich dem Kaiser auf dem Hoftag zu Erfurt 1181 völlig unterwerfen. Dabei wurde er angewiesen, dass Reich für einige Jahre zu verlassen. Er ging deshalb ins Exil zu seinem Schwiegervater, dem König von England. Dort wurde er protegiert und erhielt sogar Taschengeld. Damit konnte er sich auch weiterhin einen Hof und eine Leibwache leisten.

Acht Jahre nach seiner Verbannung durfte Heinrich der Löwe nach Braunschweig zurückkehren. Er spielte jedoch keine Rolle mehr in der großen Politik des Heiligen Römischen Reiches, sondern verfügte nur noch über geerbte Eigengüter. Am 6. August verstarb er dann in Braunschweig und wurde dort auch bestattet.

Das vielschichtige Erbe des Löwen

Heinrich der Löwe hinterließ trotz seines schmachvollen Niedergangs eine tiefe Spur in der deutschen Geschichte. Vor allem die Beziehung zu England sollte sich für die Welfen auszahlen.

Im Jahr 1198 wurde deshalb sein Sohn zu Kaiser Otto IV. gewählt. Dieser war nicht nur am englischen Königshof aufgewachsen. Er war auch ein Neffe von Richard Löwenherz.

Insbesondere die Händler von Köln hatten aus wirtschaftlichen Gründen deshalb größtes Interesse, dem Welfen an die Macht zu verhelfen. Mit ihrem Geld konnten für die Königswahl genügend Stimmen gekauft werden. Doch Heinrich der Löwe hinterließ auch ein kulturelles Erbe.

Vereinnahmung durch die Nazis

Die NSDAP und Adolf Hitler hatten in Braunschweig bereits früh viele Anhänger. 1935 kam es dann zu einem groß inszenierten Besuch des Diktators. Dieser versuchte, Heinrich den Löwen für die NS-Ideologie auszuschlachten. Vor allem der Feldzug gegen die ost-elbischen Wenden hatte zu dieser besonderen Aufmerksamkeit geführt.

Der Dom von Braunschweig wurde mit zahlreichen Hakenkreuz-Fahnen geschmückt. Über dem Altar wurde ein großer Reichsadler installiert. Man öffnete sogar das Grab. Dabei fand man Haare, die in einer Art Reliquien-Kult in goldene Gefäße eingefasst wurden. Angeblich stellte sich Hitler sogar einige dieser Haare auf seinen Schreibtisch in der Reichskanzlei.

Die Vereinnahmung von Heinrich dem Löwen erwies sich jedoch als propagandistisches Eigentor. Irgendwann erkannten die Nazis, dass der Welfe gegen seinen Führer opponiert hatte. Das passte dann nicht mehr zur NS-Ideologie.

Evangeliar von Heinrich dem Löwen

Heinrich der Löwe stiftete dem Dom von Braunschweig ein Evangeliar. Dabei handelt es sich um ein sehr bedeutendes Werk der christlichen Buchmalerei und es ist heute eines der teuersten Bücher der Welt:

  • 226 Blätter
  • 50 ganzseitige Miniaturen
  • 17 Kanontafeln
  • 20 Bilddarstellungen
  • Neun Zierseiten
  • Bilder der vier Evangelisten

Nach einer wechselvollen Geschichte befand sich das Evangeliar von Heinrich dem Löwen noch 1945 im privaten Besitz der Welfen. Doch im Jahr 1983 wurde das Werk von einem unbekannten Anbieter für 32,5 Millionen D-Mark durch das Auktionshaus Sotheby’s in London versteigert.

„Sie haben nichts abbekommen?“ – „Nein, leider nicht.“ (Heinrich Prinz von Hannover)

Die noch lebenden Welfen bestreiten jedoch, für den Verkauf verantwortlich zu sein. In einer gemeinschaftlichen Anstrengung finanzierten die Bundesregierung sowie die Länder Bayern und Niedersachsen mit Hilfe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und privaten Spendern diese Summe. Seitdem wird das Evangeliar von Heinrich dem Löwen von der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel verwahrt.