Papst Leo X.

Leo X. – Papst der Medici (1513 – 1521)

Bild von Papst Leo X. (Bildlink: Wikipedia)
Papst Leo X. (Wikimedia Commons)

Papst Leo X. wurde als Giovanni de’ Medici am 11. Dezember 1475 in Florenz geboren. Er war der Inbegriff eines dekadenten und korrupten Papstes der Renaissance.

Sein Verhalten gilt als ein unmittelbarer Auslöser für den Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther am 31. Oktober 1517. Damit begann die Reformation, eine lange Zeit blutiger Religionskriege. Außerdem ging Nord-Europa für die römische Kirche verloren.

Der Buchdruck wurde erfunden., Columbus entdeckte Amerika und auch die Philosophie entwickelte sich in diesen Jahren rasant weiter.

„Da Gott uns das Papsttum verliehen hat, so lasst es uns denn genießen.“ Papst Leo X.

Doch Papst Leo X. blieb bis zu seinem Tod in der Vergangenheit gefangen. Weder erkannte er seine zentrale Rolle an diesem Wendepunkt der Geschichte, noch griff er bewusst in die Entwicklung der religiösen Großwetterlage in Europa ein.

Dynastie der de’ Medici

Papst Leo X. stammte aus der mächtigen italienischen Dynastie der de’ Medici. Diese hatten ihre Machtbasis in Florenz. Ursprünglich waren sie Tuchhändler. Doch sie stiegen schon sehr früh in das aufstrebende Bankwesen im 15. Jahrhundert ein.

Auf dieser wirtschaftlichen Grundlage entwickelten sie sich zu den wichtigsten Mäzen in ihrer Heimatstadt. Darüber hinaus wurden sie sehr mächtige Politiker im boomenden Florenz.

Die de’ Medici stellten später nicht nur Oberhäupter der Christenheit. Aus ihren Reihen kamen auch Großherzöge der Toskana und zwei Königinnen von Frankreich.

Kirchenlaufbahn von Giovanni

Giovanni war das sechste von neun Kindern des Lorenzo de’ Medici. Dieser lebte von 1449 bis 1492 und schuf die Machtbasis der Familie. Man nannte ihn auch il Magnifico, den Prächtigen. Er wurde aufgrund seiner wirtschaftlichen Macht zum führenden Kopf von Florenz, obwohl Lorenzo über keinerlei Amtsgewalt verfügte.

Eine klerikale Karriere war dem jungen Giovanni bereits in die Wiege gelegt worden. Schon mit sieben Jahren erhielt er die Tonsur, das apostolische Pronotariat sowie seine ersten Pfründe. Zwei Jahre später wurde Giovanni zum Abt ernannt und erhielt ein Kloster.

Bereits in diesen Jahren erhob sich Widerstand gegen seine Manieren. Nur mit Waffengewalt konnte er seine Ansprüche gegen die Mönche in dem Kloster durchsetzen.

Mit 14 Jahren wurde Giovanni de’ Medici „in pectore“ zum Kardinal erhoben und erhielt eine Titelkirche in Rom. Dabei handelte es sich um eine geheime Ernennung zum Kardinal gemäß § 351 des kanonischen Rechts. Sie sollte dem Schutz des Kardinals vor Anfeindungen dienen.

Vertreibung aus Florenz

1494 kam es in Florenz unter der Führung des häretischen Predigers Girolamo Savonarola zu einem Aufstand gegen die gesellschaftliche Ordnung. Die de’ Medici hatten die Bevölkerung mit ihrem dekadenten Lebensstil endgültig gegen sich aufgebracht.

Sie waren so verhasst, dass alle Mitglieder der Dynastie aus ihrer Heimatstadt flohen. Die Bevölkerung entfernte daraufhin ihre Symbole und Kunstwerke aus dem Stadtbild.

Der zukünftige Papst Leo X. nutzte die Jahre des Exils für Reisen quer durch Europa. Er knüpfte dabei zahlreiche wichtige Beziehungen. Doch die Angehörigen des Clans hatten in dieser Zeit einen wesentlichen Teil ihrer Machtbasis eingebüßt. Sie mussten sich zunächst neu orientieren.

Kardinal de’ Medici schloss sich 1503 dann dem neuen Papst Julius II. an. Von da an begleitete er ihn auf seinen Zügen. Im selben Jahr noch verstarb auch der ältere Bruder, wodurch das Leben von Giovanni eine weitere Wendung nahm.

Giovanni wurden damit zum Oberhaupt der Dynastie der de’ Medici. Von nun an begann er selbst, die Rückkehr nach Florenz vorzubereiten. Dabei wurde er tatkräftig von seinem Cousin Giulio de’ Medici unterstützt. Dieser sollte später in seine Fußstapfen treten und Papst Clemens VII. werden.

Rückkehr der de’ Medici

1512 hatten Giovanni und Giulio endlich den entscheidenden Erfolg. Vor allem mit Unterstützung aus dem Vatikan konnten sie ein Bündnis schmieden, dass zur Rückeroberung von Florenz ausreichte.

Mehrere tausend Mann sammelten sich unter ihrem Kommando. Die Stadt versuchte sich unter der Führung von Niccolo Machiavelli zu verteidigen. Doch die päpstlichen Soldaten schlugen bei Prato blutige Schneisen durch die Milizen der Stadt. Florenz musste kapitulieren.

Ein Jahr bevor Giovanni sein Pontifikat als Papst Leo X. antreten sollte, konnte er so mit Unterstützung der Heiligen Liga nach Florenz zurückkehren. Die jahrelange Bündnisarbeit hatte sich damit bereits ausgezahlt.

Damit errang der Clan auch seine alte Machtbasis zurück. Diese wurde nun instrumentalisiert, um nach höheren Würden zu greifen. Nach dem Tod von Julius II. ergab sich die passende Gelegenheit.

Pontifikat von Papst Leo X.

Wahl und Krönung

Anfang des Jahres 1513 verstarb Papst Julius II. und es wurde ein Nachfolger gesucht. Giovanni de’ Medici konnte sich bei der folgenden Papstwahl durchsetzen. Den Ausschlag gaben erneut seine internationalen Beziehungen, die seine Familie und auch er persönlich im Laufe der Jahre aufgebaut hatten.

Noch während des Konklave sprachen sich die Kardinäle hierfür in den Latrinen ab. Dabei ging es sowohl um persönliche Interessen wie auch um internationale Machtpolitik. Das Theater um die Papstwahl von Giovanni de’ Medici dauerte über eine Woche.

Dabei war Giovanni zum Zeitpunkt seiner Wahl aus kirchenrechtlichen Gründen nicht einmal befähigt, direkt als Papst gesalbt zu werden. Obwohl er schon seit Kindertagen ein Kardinal war, hatte sich Giovanni nie um die formale Weihe zum Priester (Presbyterat) bemüht.

Nach der Wahl wurde am 15. März des Jahres 1513 diese lästige Formalie noch schnell nachgeholt. Zwei Tage später konnte dann die ebenfalls noch notwendige Weihe zum Bischof (Episkopat) vollzogen werden.

Am 19. März 1513 erfolgte dann schließlich die Krönung. Giovanni gab sich selbst den Namen Papst Leo X. und begann umgehend mit seiner nepotistischen Politik.

Vergnügen und Vetternwirtschaft

Nur einen Monat nach der Erhebung ernannte Leo X. seinen Cousin bereits zum Erzbischof von Florenz. Noch im Herbst des Jahres 1513 wurde dieser zweite de’ Medici auch schon zum Kardinal ernannt.

Blick vom Dom St-Peter zu Ehren des Apostels Simon Petrus
Blick vom Petersdom im Vatikan (pixabay)

In den folgenden Jahren schuf der korrupte Papst hunderte neue Ämter im Vatikan. Diese vergab er an Verwandte und Freunde oder verkaufte sie höchst bietend. Außerdem war Papst Leo X. auch ein sehr freizeitorientierter Stellvertreter Gottes auf Erden.

Seinen Hofnarren hatte er stets an seiner Seite. Er ließ den armen Tropf auch gerne mal zum Spaß verprügeln. Darüber hinaus bereiteten ihm Karnevalsumzüge eine große Freude. Außerdem war er auch ein begeisterter Angler und Jäger.

Der Medici-Papst hatte eine große Leidenschaft für Kunst und Kultur. Zur Vollendung des Petersdom im Vatikan rief Leo X. den Künstler Raffael nach Rom. Von diesem ließ er sich eine der größten und prunkvollsten Kirchen der Christenheit errichten. Michelangelo war ebenfalls für ihn tätig.

Versuchte Ermordung und Vergeltung

Im Jahr 1516 schmiedeten einige Kardinäle ein Komplott. Sie wollten Papst Leo X. beseitigen, doch dieser wurde rechtzeitig gewarnt. Es kam zu unmittelbaren Vergeltungsmaßnahmen gegen alle Beteiligten.

Doch Papst Leo X. baute darüber hinaus den vatikanischen Appart um. Er schuf weitere neue Ämter und besetzte diese mit Vertrauten. Damit hebelte er Machtstrukturen seiner Feinde aus, wovon die Familie später noch profitieren sollte.

Ablasshandel und Reformation

Unter Papst Leo X. hatte die Kirche angefangen, Ablässe im ganz großen Stil zu verkaufen. Es wurden sogar Ablässe für Tote angeboten. Damit konnte man sich von Sünden befreien und schneller in den Himmel auffahren. Der korrupte Kirchenvater erkannte zwar die Gefahren möglicher Widerstände gegen sein Verhalten.

Er unterschätzte jedoch völlig, welche Dynamik während seines Pontifikats entstehen sollte. Nicht nur Martin Luther, sondern weite Teile der Priesterschaft, des Adels und natürlich der breiten Bevölkerung stemmten sich immer stärker gegen das Gebaren der römischen Kirche.

„Erasmus schadete uns mehr durch seinen Witz als Luther durch seinen Zorn.“ Papst Leo X.

Nach dem Thesenanschlag im Herbst 1517 konnte Papst Leo X. den Mönch aus Wittenberg zwar nach Rom vor ein Tribunal zitieren und ihn später sogar exkommunizieren. Aber letztlich gelang es dem Vatikan nie wieder, die rebellischen Theologen in den Griff zu bekommen.

Vielmehr erodierte der alles dominierende Rang der römischen Kirche während des Pontifikats von Leo X. endgültig. Die Übersetzung der lateinischen Bibel in die deutsche Sprache nahm den Klerikern noch dazu ihre Funktion als Mittler zwischen den Gläubigen und Gott.

Vielmehr erkannte die breite Bevölkerung den Missbrauch der klerikalen Allmacht immer deutlicher und begann sich zu wehren. Wenige Jahre nach dem Tod von Papst Leo X. sollte es in Deutschland zu Aufständen unter Anführern wie Thomas Müntzer oder Florian Geyer kommen. Nur dieser erste Bauernkrieg würde bereits über 100.000 Tote fordern.

Aber es sollten noch mehr als 175 Jahre vergehen, bis die aufgebrochenen Konflikte im Westfälischen Frieden von 1648 eine neue Friedensordnung finden würden.

Tod & Beerdigung

Papst Leo X. verstarb im Jahr 1521 sehr plötzlich an einer Grippe. Zunächst kamen Spekulationen auf, ob es sich möglicherweise um einen Giftmord gehandelt haben könnte.

Dies konnte jedoch nie und auch nicht durch eine Obduktion bewiesen werden. Der unter Verdacht stehende Mundschenk wurde schließlich freigelassen.

Es wird erzählt, dass Papst Leo X. nach seinem Tod von seiner Prunksucht eingeholt wurde. Der Legende nach waren die Kassen so leer, dass man angeblich nicht einmal mehr Kerzen für seine Beerdigung kaufen konnte.

15 Jahre später wurden seine Gebeine dann doch mit einem prunkvollen Grab gewürdigt. Der Bildhauer Baccio Bandinelli und der Architekt Antonio da Sangallo der Jüngere schufen in der Kirche Santa Maria sopra Minerva in Rom ein monumentales Wand-Grabmal mit Statue.

Nachfolger für Leo X.

Als Nachfolger für Leo X. wurde Papst Hadrian VI. bestimmt. Er war bereits im Jahr 1517 zum Kardinal ernannt worden und genoss als Theologe ein hohes Ansehen. Nach seiner Geburtsstadt ist er im Deutschen auch bekannt als Adrian von Utrecht.

Doch bei dem Nachfolger von Leo X. handelte es sich um einen Kompromiss. Im Kräftemessen zwischen dem deutschen Kaiser und dem französischen König fand man in ihm eine Lösung, die keine Seite glücklich machte.