Kaiser Claudius

Kaiser Claudius – 41 bis 54 n. Chr.

Kaiser Claudius war ein Überraschungskandidat an der Spitze des römischen Imperiums. Er galt als aussichtsloser Kandidat auf das Amt des römischen Kaisers, als sein Neffe und Vorgänger Caligula im Jahr 41 v. Christus von Mitgliedern der Garde ermordet wurde.

„Ich lebe noch!“Caligula, letzte Worte

Kaiser Claudius wurde als inkompetent und willensschwach angesehen, weswegen man ihn als gut kontrollierbaren Nachfolger erhob. Doch er sollte sich als ein sehr aktiver Princeps des Römischen Reiches erweisen, der viele Bautätigkeiten durchführen ließ.

Außerdem gelang es Kaiser Claudius, die Insel Britannien zu erobern. Selbst der große Gaius Julius Caesar war an dieser Aufgabe noch gescheitert. Claudius gründete eine römische Provinz und ließ sich von einem Dutzend Klein-Königen die Treue schwören.

Auch wenn von Zeitgenossen viele negative Dinge über Kaiser Claudius gesagt wurden, erscheint er im Lichte der modernen Forschung als ein fähiger, weitsichtiger Monarch und als Kontrastfigur zu seinem Stiefsohn und Nachfolger Kaiser Nero.

Als junger Mann am kaiserlichen Hof

Claudius war ein Enkel von Marcus Antonius und Octavia, der Schwester von Kaiser Augustus. Doch er selbst war gebrechlich und unscheinbar. Man hielt ihn für unfähig und harmlos. Einerseits erhielt er deswegen als junger Mann keinerlei Aufgaben oder Ämter. Andererseits überlebte er wohl nur deshalb die Säuberungen unter seinen beiden Vorgängern.

Doch er erhielt eine akademische Ausbildung. Einer seiner Lehrer war Titus Livius – der große römische Geschichtsschreiber und Staatstheoretiker der augusteischen Zeit. Das Interesse sprang über, denn auch Claudius verbrachte einen großen Teil seiner frühen Jahre mit dem Studium der Geschichte.

Claudius wird überraschend Kaiser – 41 n. Chr.

Angeblich fanden ihn die Gardisten schlotternd hinter einem Vorhang versteckt, nachdem sie Caligula getötet hatten. Doch die Offiziere der Garde waren nur die Handlanger einer Verschwörung von römischen Senatoren.

Diesen war es nur recht, wenn sie mit Claudius einen schwachen Kaiser hatten. Die Soldaten nahmen Claudius zunächst in einer Kaserne der Prätorianer-Garde in Schutzhaft. Damit war er der erste römische Princeps, der durch den direkten Einfluss des Militärs an die Macht gekommen war.

Diese Art der Erhebung sollte noch häufig in der römischen Geschichte vorkommen. Für Kaiser Claudius hatte es die Konsequenz, dass das Militär großen politischen Druck auf ihn ausüben konnte und die römischen Legionäre wollten wieder neue Provinzen erobern, um selbst Land zu gewinnen.

Die Eroberung Britanniens – ab 43 n. Chr.

Eine Karte der strategischen Bewegungen der römischen Armee bei der Eroberung Britanniens unter Kaiser Claudius.
Karte der Eroberung Britanniens unter Kaiser Claudius ab 43 n. Chr. (ODbL)

Kaiser Claudius wusste, dass er mit der Eroberung Britanniens die Chance hatte, sich über die Vorurteile gegen ihn zu erheben. Außerdem lockte viel Land für die Soldaten und Ruhm für die Offiziere. Deshalb ernannte er den erfahrenen Senator und General Aulus Plautius zum Kommandeur für eine militärische Expedition.

Schon im Jahr 43 n. Chr. war Kaiser Claudius in der Lage, Plautius mit einer Armee nach Britannien zu entsenden. Diese landete bei Richborough und außerdem noch an der Südküste bei einem verbündeten Stamm.

Nach der Landung marschierten vier Legionen und Hilfstruppen in Richtung Rochester. Dort trafen sie auf Britonen unter der Führung von Togodumnus, dem König der Catuvellaunen:

  • Legio II Augusta
  • Legio IX Hispana
  • Legio XIV Gemina
  • Legio XX Valeria Victrix

Das Gelände war für die Catuvellaunen sehr günstig. Die Römer mussten nämlich für einen Angriff den Fluss Medway überqueren. Doch die Römer sollten in der 2-tägigen Schlacht am Medway siegreich sein.

Die Britonen hatten sich am anderen Ufer verschanzt. Sie wollten die römischen Soldaten noch direkt am Ufer abwehren. So sollte eine Organisation des Feindes im Keim erstickt werden.

Doch die Römer hatten das Gelände sehr gut aufgeklärt. Sie waren über die Situation im Bilde und liefen ihren Feinden nicht ins Messer. Aulus Plautius entschied sich deshalb gegen einen Frontalangriff. Er bereitete stattdessen einen Flankenangriff vor.

Er ließ heimlich einige Hilfstruppen – die Bataver – stromaufwärts das Gewässer überqueren. Diese schwammen durch den Fluss und griffen die schwerfällige Streitmacht der keltischen Krieger auf der Flanke an. Es gelang ihnen, große Verwirrung zu stiften und bereits viele Feinde zu töten.

Während bei den Catuvellaunen das Chaos ausbrach, gelang es den Legionen, den Medway ebenfalls zu überqueren. Die Legionäre konnten sich formieren und vorrücken. Die Britonen erlitten eine schwere Niederlage. Ihr König Togodumnus fiel in der Schlacht.

König Caratacus setzt den Widerstand fort

Die Briten konnten hinter die Themse zurückgedrängt werden, doch sie setzen unter Caratacus, dem Bruder von Togodumnus, den Widerstand gegen die Invasoren fort. Es folgten zwei Monate voller Scharmützel.

Die keltischen Britonen erkannten, dass sie in einer offenen Schlacht gegen die Römer keine Chance hatten. Einige paktierten mit den Invasoren. Aber die Widerständler gingen schnell zur Klein-Kriegsführung über. Die Römer fühlten sich bereits an die Kämpfe gegen Arminius erinnert.

Die britischen Krieger waren nur leicht bewaffnet und trugen auch keine Rüstung. Dafür nutzten die Aufständischen ihre Ortskenntnisse im wilden Britannien und attackierten die römischen Soldaten an günstigen Positionen mit Fernwaffen.

Häufig zogen sie sich schon nach wenige Salven in die Urwälder zurück. Die Briten setzte auch sehr gerne große Baustämme oder Steine ein, die sie von Abhängen herabrollen ließen.

Kaiser Claudius kommt persönlich nach Britannien

Deswegen forderte Aulus Plautius Verstärkung an. Kaiser Claudius persönlich kam nach Germanien. Er brachte Truppen, seine gesamte Prätorianer-Garde, schwere Belagerungswaffen und Kriegselefanten mit. Diese Militärmacht machte auch einen enormen Eindruck bei vielen Einheimischen.

Kaiser Claudius kommandierte schließlich sogar einige nachrangige Gefechte. Aber er war nur aus politischen Gründen gekommen. Claudius demonstrierte seine Nähe zur Armee und ließ sich in Rüstung blicken.

Da Aulus Plautius bereits große Erfolge erzielt hatte, gelang es Kaiser Claudius in kurzer Zeit, einige Dörfer und Städte einzunehmen. Daraufhin unterwarfen sich ihm einige Klein-Könige. Doch nach wenigen Wochen kehrte er nach Rom zurück.

Aber der Widerstand gegen die Römer blieb dennoch bestehen. Die Briten waren zwar geschlagen, aber sie konnten sich in die walisischen Berge zurückziehen. Dort formierten sie sich unter der Führung von Cartacus zum silurischen Aufstand.

Der Druidenkult und wachsender Aufruhr in Britannien

Der Aufstand von Caratacus gegen die Invasion von Kaiser Claudius (ODbL)

Sie lieferten den Römern noch jahrelange Gefechte. Aber nicht nur die walisischen Silurer, auch die Briganten in Mittelengland und die Icener im östlichen England rebellierten schließlich gegen die römischen Besatzer.

Hinzu kam der Widerstand durch die Druiden. Sie wurden von den abergläubischen Legionären gefürchtet. Die Römer hatten den Kult der Druiden schließlich auch verboten, weil sie Menschenopfer darbrachten.

Aber die Druiden waren auch die ideologischen Träger des Aufruhrs. Sie unterfütterten die Rebellion mit Argumenten und göttlichen Segen. Außerdem förderten sie die Zusammenarbeit und Kommunikation unter den britischen Stämmen gegen die Römer.

Die Statthalterschaft von Publius Ostorius Scapula – 47 n. Chr.

Nach vier Jahren der Besatzung Britanniens wurde Aulus Plautius routinemäßig von seinem Posten in Britannien abgelöst. Es folgte ihm Publius Ostorius Scapula, der sich sofort an die Weiterführung der Aufstandsbekämpfung machte.

In einem Winterfeldzug gelang es ihm, die entscheidenden Schlachten zu gewinnen. Dabei rückten drei Legionen vom östlichen England aus gleichzeitig vor:

  • Je eine Legion marschierte nach Süden und ins Zentrum von England. Dort sicherten sie Dorf um Dorf. Doch die Aufständischen unter Caratacus kamen bei Gelegenheit zurück und plünderten die Dörfer.
  • Legio IX Hispana ging zunächst gegen die Briganten in Mittelengland vor. Deren Königin Cartimandua unterwarf sich freiwillig. Im Anschluss daran ließ Scapula die Legion in Richtung Wales marschieren – ins Zentrum des Aufstandes.

Doch die Druiden und Venutius, der Mann der Königin Cartimandua, entfesselten einen Aufstand der Briganten im Rücken der Legio IX Hispana. Die Hoffnung war, man könnte die Römer in die Zange nehmen und dann vernichten.

Doch Cartimandua erfuhr durch Spione von der Verschwörung. Sie sah ihre eigene Position gefährdet und rief die Legion zurück. So gelang es, den Aufstand der Briganten abzuwenden. Doch Caratacus hatte dadurch mehr Zeit und Zulauf erhalten.

Die aufständischen Briten hatten viel Zeit gehabt, sich in Wales zu verschanzen. Doch nun rückte auch die Legio XX Valeria Victrix gegen Wales. Mit dieser geballten Kraft und dank der römischen Belagerungstechniken gelang es, die britischen Bollwerke zu knacken.

Es kam zu einer verheerenden Niederlage und Caratacus floh und zwar ausgerechnet zu den Briganten. Doch deren Königin Cartimandua lieferte ihn an die Römer aus. Aber die Geschichte sollte für den Anführer des britischen Widerstandes noch glimpflich ausgehen.

Er sollte eigentlich im Rahmen eines Triumphzuges hingerichtet werden. Doch es gelang Caratacus, Kaiser Claudius zu überzeugen, dass Milde gegenüber ihm, als tapferen Feind, sehr viel ruhmreicher sein, als eine Hinrichtung.

Kaiser Claudius ließ sich tatsächlich überzeugen. Er begnadigte Caratacus und seine Familie.

Gründung der römischen Provinz in Britannien – 49 n. Chr.

Obwohl es noch zahlreiche Widerstandsnester in Britannien gab, entschloss sich Kaiser Claudius bereits früh zur Gründung einer römischen Provinz in Britannien. Die erste Hauptstadt wurde Camulodunum, das heutige Colchester in Essex.

Diese Gründung hatte für ihn den politischen Vorteil, dass er sich im Römischen Reich als erfolgreicher Eroberer feiern lassen konnte. Kaiser Claudius hielt dann auch einen Triumphzug in Rom ab und wurde vom Senat mit dem Ehrennamen Britannicus gewürdigt.

Kaiser Claudius erhielt noch dazu einen Triumphbogen mit einer Höhe von 20 m und einen Festtag. Damit hatte er sich ein Standing erarbeitet, dass er als respektierter Kaiser auch brauchte.

Aber Kaiser Claudius wusste, wem er diesen Erfolg zu verdanken hatte. Er ließ auch seinem siegreichen General Aulus Plautius zahlreiche Ehrungen zukommen.