Maria Stuart

Maria Stuart – die kopflose Königin

Maria Stuart wurde am 08. Dezember 1542 in Linlithgow Palace in der Nähe von Edinburgh geboren. Sie entstammte dem bretonischen Geschlecht der „Stewarts“, die im Laufe der normannischen Invasion nach Britannien kamen.

Maria Stuart Gemälde
Maria Stuart um 1558 gemalt von François Clouet. (gemeinfrei)

Als junges Mädchen wurde Maria mit dem Dauphin, dem französischen Thronfolger, verheiratet. In diesem Zusammenhang änderte sich der Name in die heute bekanntere Version: „Stuart“.

1559 bestieg der Dauphin als Franz II. den Thron. Maria Stuart wurde an seiner Seite zur Königin von Frankreich.

Der erste Mann von Maria Stuart starb bereits ein Jahr später. Sie kehrte als 17-jährige Witwe nach Schottland zurück.

Dort traf sie auf eine komplexe politische Lage. Die Spannungen zwischen den schottischen Clans waren noch dazu durch religiöse Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten angeheizt.

Maria Stuart zeigte punktuell zwar durchaus Talent als Politikerin. 1565 verliebte sie sich jedoch in ihren damals 19-jährigen Cousin Lord Darnley. Der Schönling war außerhalb des Bettes nur leider ein wandelndes Problem.

Aus der Ehe entstand zwar der spätere König Jakob I. Stuart, aber vor allem auch extrem viel Ärger. Der weitere Verlauf des Lebens von Maria Stuart war ein Strudel von verhängnisvollen Ereignissen.

Getrieben von eklatanten Fehleinschätzungen war selbst die Enthauptung von Maria Stuart am 18. Februar 1587 völlig grotesk.

Mary aus dem Haus der Stewarts

Aufstieg im Unabhängigkeitskrieg

Die Stewarts hatten bretonische Wurzeln und waren im Zuge der normannischen Invasion durch Wilhelm den Eroberer nach Britannien gekommen. Sie erhielten im 12. Jahrhundert von König David I. von Schottland einige Ländereien in den Lowlands.

Dort waren sie Nachbarn des ebenfalls ursprünglich bretonischen Clans Bruce und gründeten beispielsweise die Abtei von Paisley, wo William Wallace erzogen wurde.

Karte Schlacht von Bannockburn
Karte der Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314 (Urheber: Andrei Nacu / Lizenz: gemeinfrei)

Die Stewarts unterstützen dann auch die Bewegung von Robert the Bruce. In der Schlacht von Bannockburn, dem entscheidenden Gefecht des Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieges, führte Walter Stewart nominell einen Schildtron gegen die Engländer.

Nach der Schlacht wurde der damals noch sehr junge Walter Stewart zum Ritter geschlagen. Aber vor allem durfte er ein Jahr später Marjorie Bruce heiraten. Das war die älteste Tochter von König Robert.

Außerdem wurde Walter Stewart zum High Steward ernannt. Das war ein erbliches Hofamt und entsprach dem Truchsess im Heiligen Römischen Reich.

Beginnend mit Robert II. waren die Stewarts ab 1371 das herrschende Geschlecht von Schottland. Diese lange Tradition führte später zu einem außerordentlichen Rückhalt für die Dynastie in der Bevölkerung, von dem auch Maria Stuart profitierte.

Das Geschlecht herrschte praktisch durchgehend bis zum Tod von Königin Anne Stuart im Jahr 1714 in Schottland. Ausgenommen waren nur die wenigen Jahre der Diktatur von Oliver Cromwell und seinem Sohn Richard.

Die „rüde Brautwerbung“

Maria Stuart war die Tochter von Jakob V. von Schottland, der nur wenige Tage nach ihrer Geburt verstarb. Sie wurde deshalb bereits als Säugling am 14. Dezember 1542 zur nominellen schottischen Königin ernannt.

Heinrich VIII. Gemälde
König Heinrich VIII. Tudor von England gemalt von Hans Holbein dem Jüngeren (gemeinfrei)

Ihre Mutter Marie de Guise war eine Nachfahrin von Heinrich VII. aus dem Haus Tudor. Mit dieser Abstammung begründete Maria Stuart später ihren Anspruch auf den Thron von England.

In Schottland konnte sich nach dem Tod von König Jakob V. zunächst James Hamilton, der 2. Earl von Arran, als realer Machthaber durchsetzen.

Dann wurde für die kleine Maria Stuart zunächst umgehend eine Heirat mit Eduard VI., dem Sohn des englischen Königs Heinrich VIII. arrangiert. Die geplante Allianz zwischen England und Schottland zerbrach jedoch schnell wieder.

Der englische König reagierte allerdings recht empfindlich auf die Zurückweisung seiner Pläne für Schottland. Ab 1543 kam es deshalb zu einer ganzen Reihe von militärischen Angriffen.

In der Schlacht bei Pinkie Cleugh erlitten die Schotten am 10. September 1547 eine vernichtende Niederlage mit grob etwa 5.000 Toten auf ihrer Seite. Marie de Guise gelang es jedoch immer wieder, die kleine Königin Maria Stuart in Sicherheit zu bringen.

Dieser Krieg wurde als „rüde Brautwerbung“ bekannt. Aber weder England noch Schottland konnten den Konflikt einfach so für sich entscheiden. Trotz ihrer militärischen Überlegenheit waren die Armeen des Südens nicht in der Lage, den ganzen Norden zu kontrollieren.

Die Schotten hingegen konnten nur mit der „Auld Alliance“, einem Bündnis mit Frankreich, eine Antwort auf die englische Bedrohung geben. Im Dezember 1547 begannen deshalb Gespräche für eine Ehe zwischen Maria Stuart und dem französischen Dauphin.

Ehe mit Dauphin Franz II.

Am 07. August 1548 brachte eine Flotte die damals erst fünf Jahre alte Maria Stuart nach Frankreich. Im Gegenzug erhielten die Schotten finanzielle und militärische Unterstützung.

Die Ehe von Maria Stuart und dem Dauphin Franz II. wurde am 24. April 1558 geschlossen. Im darauffolgenden Jahr starb ihr bis dato regierender Schwiegervater, so dass Maria Stuart an der Seite ihres damaligen Gemahls auch zur Königin von Frankreich wurde.

Franz II. verstarb jedoch selbst bereits am 05. Dezember 1560. Die Macht im Land übernahm dann schnell ihre Schwiegermutter Katharina von Medici, die mit Karl IX. umgehend einen weiteren Sohn als König von Frankreich installierte.

Maria Stuart kehrte anschließend zurück nach Schottland, wo die Administration inzwischen von ihrer Mutter Marie de Guise geleitet wurde.

Maria Stuart – Königin von Schottland

Am 19. August 1561 erreichte Maria Stuart ihre alte Heimat. Sie war nominell zwar die Königin von Schottland, aber plante zunächst nicht in das politische Gefüge einzugreifen.

Als gläubige Katholikin wurde Maria Stuart auf der Insel jedoch mit erheblichen Misstrauen empfangen. Entgegen der Erwartungen setzte sie sich jedoch nicht für die Belange ihrer Konfession ein.

Trotz der anfänglichen Abneigung, wurde Maria Stuart dennoch schnell in den Konflikt der Religionen hinein gezogen. Ein Hintergrund war, dass die seit 1558 in England regierende Elisabeth I. von den Katholiken nicht anerkannt wurde.

Vielmehr war Maria Stuart aus römisch-katholischer Sicht die Erbin des Hauses Tudor und damit die rechtmäßige Königin von England. Sie selbst demonstrierte und artikulierte diesen Thronanspruch sogar in ihrem persönlichen Wappen. Letztlich wurde es ihr zum Verhängnis.

Ehe mit Lord Darnley

Maria Stuart war als attraktive junge Witwe und noch dazu als regierende Königin von Schottland eine sehr interessante Partie. Zahlreiche Fürsten aus ganz Europa bemühten sich um ihre Hand.

Lord Darnley
Henry Stuart, Lord Darnley, um 1564 von einem unbekannten Maler. (gemeinfrei)

Aber Maria Stuart verliebte sich in ihren katholischen Cousin Henry Stuart, besser bekannt als Lord Darnley. Als Großneffe von Heinrich VIII. brachte er ebenfalls einen Thronanspruch mit.

Doch Lord Darnley war nur ein Schönling, der mit seinen 19 Jahren vor allem für jugendliche Eskapaden stand. Die anfangs offenbar sehr verliebte Königin Maria Stuart heiratete ihn dann sehr kurzfristig am 29. Juli 1565.

Die Verbindung führte jedoch zu massivem Widerstand seitens der Protestanten unter der Führung von Marias Halbbruder James Stewart. Selbst Elisabeth I. war genervt, weil Lord Darnley ein Engländer und damit ihr Untertan war.

Ein Kind aus der Verbindung von Maria Stuart und Lord Darnley hätte einen Anspruch sowohl auf den englischen wie auch auf den schottischen Thron. Genau dieser Fall trat mit der Geburt des späteren König Jakob I. Stuart am 19. Juni 1566 ein.

Die anfängliche Verliebtheit des Paares verflog jedoch schnell. Noch während der Schwangerschaft kamen Gerüchte auf, Maria Stuart hätte eine Affäre mit ihrem Privatsekretär David Rizzio. Der wurde umgehend erstochen.

Am 10. Februar 1567 kam es dann zu einer Explosion im Haus von Lord Darnley. Selbiger wurde anschließend nackt, unverletzt, aber tot im Garten gefunden. An einen Unfall glaubte niemand. Vielmehr ging man von einer Erdrosselung aus.

Als Drahtzieher hinter dem Attentat wurde Lord Bothwell vermutet. Jener hatte nur drei Monate zuvor öffentlich und in der Gegenwart von Maria Stuart geschworen, Lord Darnley zum Wohle des Landes umzubringen.

Ehe mit Lord Bothwell

Auch dass Maria Stuart über den Anschlag auf ihren Ehemann Lord Darnley informiert war, galt als offensichtliche Tatsache. Lord Bothwell wurde dann Anfang April in einem Scheinprozess von jeglichen Vorwürfen schnell freigesprochen.

Lord Bothwell Portrait
James Hepburn, der 4. Earl of Bothwell im Jahr 1566 (gemeinfrei)

Doch bereits am 24. April 1567 ließ sich die offenbar wiederum informierte Maria Stuart von Lord Bothwell und einige Schergen entführen. Etwa eine Woche später ließ er sich von seiner damaligen Frau scheiden.

Daraufhin vergab Maria Stuart ihrem Entführer öffentlich. Am 15. Mai 1567 heirateten die Beiden. Die Königin von Schottland hatte in der öffentlichen Wahrnehmung den Bogen nun endgültig überspannt.

Es kam umgehend zu einer Revolte gegen Maria Stuart. Selbst treue Parteigänger wandten sich gegen sie. Das eilig von Lord Bothwell aufgestellte Heer war der Opposition so dramatisch unterlegen, dass es den Befehl verweigerte.

Haft in Loch Leven Castle

Maria Stuart beugte sich dem rebellischen Adel und dankte ab. Die Queen of Scots wurde in Loch Leven Castle inhaftiert.

Ihren damals erst 1-jährigen Sohn Jakob I. Stuart ernannte man zum König. Die reale Macht im Land fiel zunächst an ihren protestantischen Stiefbruder James Stuart, den Earl of Moray.

Ruine Loch Leven Castle
Maria Stuart war Gefangene in der Burg auf einer Insel im Loch Leven. (pixabay)

Eigenen Angaben zu Folge hatte Maria Stuart während ihrer Haft in Loch Leven Castle eine Fehlgeburt von Zwillingen. Nach etwa einem Jahr gelang ihr dann endlich die Flucht.

Angeblich war ihr dabei der junge Wärter Willie Douglas behilflich. Nähere Details sind aber nicht bekannt.

Allerdings führte Maria Stuart bereits wenige Tage nach ihrer Flucht ein Heer von 6.000 Kämpfern an. Insofern liegt eine umfangreiche Vorbereitung mit Hilfe von mächtigen Unterstützern nahe.

Die Streitkraft wurde jedoch zeitnah vernichtet. Maria Stuart floh daraufhin über Carlisle nach England und sollte ihre Heimat nie wieder sehen.

Die Macht in Schottland fiel vorläufig an ihren Halbbruder James Stewart. Der wurde jedoch relativ zeitnah auf eine durchaus bemerkenswerte Art und Weise aus dem Leben befördert:

Am 23. Januar 1570 wurde James Stewart im Vorbeireiten aus dem Hinterhalt von einem Attentäter namens James Hamilton mit einer Arkebuse angeschossen und erlag den Verletzungen. Damit war er das erste bekannte Opfer eines Anschlages mit einer Feuerwaffe in der Geschichte.

Gefangene von Königin Elisabeth I.

Flucht nach England und Inhaftierung

Königin Elisabeth I. gewährte Maria Stuart eine Art Schutzhaft. Einerseits stellte die Geflüchtete zwar eine Konkurrentin um den englischen Thron dar.

Königin Elisabeth I. Portrait
Königin Elisabeth I. von England um 1580 gemalt von Nicholas Hilliard. (gemeinfrei)

Andererseits wollte die Monarchin wohl keinen Präzedenzfall für die Hinrichtung von Königen schaffen. Sie selbst hatte stets Feinde und musste sich immer wieder gegen innere Bedrohungen behaupten.

Einige Historiker spekulieren darüber hinaus, ob die anfängliche Entscheidung zum Wohle von Maria Stuart nicht auch eine Art von feministischer Solidarität in dieser sehr patriarchalen Zeit war.

Aber Maria Stuart verkannte mal wieder die Lage. Sie hätte sich ein wunderbar entspanntes Leben mit attraktiven Liebhabern machen können. Stattdessen beteiligte sich Maria Stuart immer wieder an Intrigen gegen ihre Beschützerin.

Verschwörungen und Putschversuche

Maria Stuart beteiligte sich während ihrer Schutzhaft in dem goldenen Käfig an mehreren Verschwörungen. Die Drahtzieher waren jedoch meist andere Figuren. Außerdem leistete die Gegenspionage unter Sir Francis Walsingham eine bemerkenswerte Arbeit:

  • Die Ridolfi-Verschwörung war ein Komplott englischer Katholiken in den Jahren 1570/71. Die Schlüsselfigur war ein florentinischer Bankier namens Roberto Ridolfi, der als Agent des Papstes nach London entsandt worden war. Trotz oder gerade wegen seiner großen Versprechungen galt der Italiener aber als ein Schwätzer. Er hätte wohl nie die angekündigte internationale Unterstützung für die englischen Katholiken mobilisieren können. Es ist nicht genau bekannt, in wie weit Maria Stuart in das Komplott involviert war. Jedoch wurde ein Schotte mit belastenden Briefen im Sommer 1571 in Dover verhaftet. Die Texte waren verschlüsselt, aber die Agenten von Francis Walsingham konnten die Codierung schnell knacken. Die übrigen Verschwörer flogen auf. Königin Elisabeth I. war schockiert über die hohe Beteiligung durch englische Adelige. In der Folge schloss sie eine Rückkehr von Maria Stuart nach Schottland grundsätzlich aus.
  • Die Throckmorton-Verschwörung aus dem Jahr 1583 hatte eine parallele Ermordung der Königin, Befreiung von Maria Stuart sowie die Unterstützung von katholischen Invasionstruppen zum Ziel. Zentrale Figur war Francis Throckmorton, der als Sekretär in den Diensten von Maria Stuart stand. Francis Walsingham kam ihm durch seine Kontakte zum spanischen Botschafter auf die Schliche.
  • Die Babington-Verschwörung aus dem Jahr 1586 wurde nach dem späteren Hauptangeklagten Anthony Babington benannt. Der tatsächliche Drahtzieher war jedoch ein Jesuit namens John Ballard. Francis Walsingham konnte aber bereits früh den verschlüsselten Briefverkehr mit Maria Stuart abfangen. Diese Schreiben schmuggelte man in einem hohlen, aber wasserdichten Spund eines Bierfasses. Die Briefe wurden heimlich kopiert und anschließend wieder versteckt, um die Verschwörer in Sicherheit zu wiegen. Dem Linguisten und Code-Knacker Thomas Phelippes gelang es dann, die Texte mit einer Häufigkeitsanalyse zu decodieren. Nach diesem Erfolg versuchte Walsingham sogar, die Texte gezielt zu manipulieren. Im August 1586 ließ er die Verschwörer dann verhaften.

Enthauptung in Fotheringhay Castle

Als der englischen Königin der Geduldsfaden riss, machte man sich aber dennoch die Mühe, einen formalen Prozess gegen Maria Stuart einzuleiten. Eine gewisse Beißhemmung von Elisabeth gegen ihre Standesgenossin blieb bis zuletzt erhalten.

Allerdings hatte man auch ein gutes juristisches Argument: Die Queen of Scots wurde für den Mord an ihrem damaligen Ehemann Lord Darnley, der Engländer gewesen war, mit einem ordentlichen Grund zum Tode verurteilt.

Maria Stuart Hinrichtung Zeichnung
Exekution von Maria Stuart gezeichnet von einem Augenzeugen. (gemeinfrei)

Die gängige Methode zur Hinrichtung einer Person ihres Standes war die Enthauptung. Es machte jedoch einen wesentlichen Unterschied, ob man hierfür einen routinierten Henker oder einen Amateur berief.

Maria Stuart hatte sich bei Elisabeth I. allerdings so unbeliebt gemacht, dass für einen Anfänger entschieden wurde.

Statt mit einem sauberen Hieb aus dem Leben scheiden zu dürfen, hackte der Henker wie ein Metzger drei Mal auf ihren Nacken, bis der Kopf endlich rollte. Die Hinrichtung von Maria Stuart endete dann in einem grotesken Finale.

Der Henker wollte den Kopf der Getöteten ergreifen und der Menge präsentieren. Er griff jedoch lediglich in ihre Perücke. Das Haupt von Maria Stuart löste sich und rollte über den Boden davon. Ihr kleiner Hund wurde dabei von Blut überspritzt und lief jaulend weg, während der Scharfrichter rief:

„Es lebe die Königin!“