Nikita Chruschtschow

Nikita Chruschtschow – ein Machtpolitiker

Nikita Sergejewitsch Chruschtschow wurde am 15. April 1894 in der Nähe von Kursk geboren. Er wuchs als Sohn einer Bauernfamilie in der Ukraine auf.

Foto von Nikita Chruschtschow 1963
Nikita Chruschtschow während seines Besuches in Deutschland im Jahr 1963 (Bundesarchiv, Bild 183-B0624-0041-005 / CC-BY-SA 3.0)

„Wenn man seinem Geschäftspartner die Haut vom Leibe abzieht, so sollte man immer etwas Haut übrig lassen, damit sie wieder nachwächst und nochmals abgezogen werden kann.“

Als gelernter Schlosser trat Chruschtschow schon in jungen Jahren einer Gewerkschaft bei und engagierte sich für die Kommunistische Partei. Er fand einen Förderer in Lasar Kaganowitsch, einem engen Vertrauten von Josef Stalin.

Später profitierte die Karriere von Nikita Chruschtschow sehr von den Stalinschen Säuberungen. Im Zweiten Weltkrieg war er General und als Politkommissar bei den Schlachten von Stalingrad und Kursk dabei.

Nach dem Tod von Stalin im Jahr 1953 konnte er sich an die Spitze der Sowjetunion intrigieren. Als neuer starker Mann leitete Nikita Chruschtschow dann mit der „Entstalinisierung“ einen kleinen Epochenwechsel ein.

Er änderte auch die konfrontative Außenpolitik der Sowjetunion gegenüber dem Westen hin zur „Friedlichen Koexistenz“. Des Weiteren leitete Nikita Chruschtschow zahlreiche gesellschafts- und wirtschaftspolitische Reformen ein.

Er war jedoch persönlich einfach zu ungeduldig für einen tiefgreifenden Strukturwandel. Vielmehr provozierte Nikita Chruschtschow sogar eher einen großen Reformverdruss und verlor so den politischen Rückhalt. Am 14. Oktober 1964 trat Leonid Breschnew seine Nachfolge an.

Karriere bei den Kommunisten

Einstieg als Parteisoldat

Nach einer Lehre zum Schlösser arbeitete Nikita Chruschtschow in einem Bergwerk und trat dort der Gewerkschaft bei. So lernte er mit Lasar Kaganowitsch einen engen Vertrauten von Josef Stalin kennen, der seine politische Karriere entscheidend förderte.

In Folge der kommunistischen Machtergreifung unter Lenin trat Nikita Chruschtschow im Jahr 1918 in die neugegründete Rote Armee ein. Während des einsetzenden Russischen Bürgerkrieges kämpfte er als Freiwilliger.

1922 absolvierte Chruschtschow eine höhere Ausbildung an einer Arbeiterfakultät und engagierte sich weiterhin für die Kommunisten. Drei Jahre später wurde er zum Parteisekretär eines Bezirks bei Donezk ernannt.

Bekanntschaft mit Stalin

In den folgenden Jahren trat er als Anhänger von Stalin im internen Machtkampf gegen die Befürworter der Linie von Leo Trotzki auf. Für seinen Einsatz erhielt Nikita Chruschtschow schnell Beförderungen im Parteiapparat, zunächst in Charkow und dann in Kiew.

Foto von Chruschtschow und Stalin
Nikita Chruschtschow und Josef Stalin in den 1930er Jahren (gemeinfrei)

1929 hatte Nikita Chruschtschow die Chance, seine Ausbildung an der Industrieakademie  in Moskau auszubauen. In dieser Zeit lernte er mit Nadeschda Allilujewa die damalige Ehefrau von Stalin kennen. Sie war sehr positiv von ihm angetan und lud den Aufsteiger zu gemeinsamen Abendessen mit dem Diktator.

„Wenn Stalin sagt: tanze, dann tanzt ein kluger Mann.“

Das Wohlwollen von Josef Stalin brachte Chruschtschow 1931 die Rolle als Parteichef in einem sehr wichtigen Industriebezirk in Moskau ein. Die beiden folgenden Jahre brachten ihm jeweils weitere Beförderungen in der KPdSU ein.

Dank persönlicher Kontakte zum Diktator erhielt Nikita Chruschtschow schließlich Parteiämter in Moskau und wurde 1934 in das Zentralkomitee gewählt. Im darauffolgenden Jahr war er unter anderem für den Bau der berühmten Moskauer Metro verantwortlich.

Aufstieg ins Politbüro

1939 wurde mit Pawel Postyschew ein Mitglied des Politbüros wegen provokativem Verhalten erschossen. Nikita Chruschtschow füllte die Lücke und unterstützte die Stalinschen Säuberungen.

In diesem Zuge wurde dann auch Stanislaw Kossior erschossen, so dass Nikita Chruschtschow ihn als Parteichef in der Ukraine beerben konnte.

General im Zweiten Weltkrieg

Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Polen im September 1939 regulierte Nikita Chruschtschow die Eingliederung der gewonnenen Gebiete. Er setzte damit die Vereinbarung aus dem Pakt zwischen Stalin und Adolf Hitler um.

Josef Stalin
Josef Stalin im Jahr 1942 (gemeinfrei)

Als das Dritte Reich im Juni 1941 die Sowjetunion angriff, begann der „Große Vaterländische Krieg“. Chruschtschow diente zunächst als General in den Stäben der Marschälle Budjonny und Timoschenko.

Er war dabei eine Art Verbindungsoffizier zwischen dem Politbüro und verschiedenen Frontabschnitten. In dieser Rolle musste Nikita Chruschtschow die schweren Niederlagen zu Beginn des Angriffs der Deutschen auf die Sowjetunion an Josef Stalin kommunizieren.

Offenkundig wurde Nikita Chruschtschow als Überbringer von schlechten Nachrichten an Stalin nicht erschossen. Vielmehr scheint er sogar ein gewisses Standing bei dem Diktator entwickelt zu haben, denn in den entscheidenden Schlachten bei Stalingrad und Kursk war er als Politkommissar beteiligt.

Unmittelbar nach dem Krieg wurde ihm dann der Wiederaufbau der Ukraine übertragen. Die Eskalation der dortigen Hungersnot im Jahr 1946 wirkte sich jedoch zunächst negativ auf seine politische Stellung aus.

Diktator der Sowjetunion

Am 16. Dezember 1949 wurde Nikita Chruschtschow wieder in das Zentralkomitee gewählt. Er war der Sekretär für Landwirtschaft und trieb den Ausbau von Kolchosen voran. Das waren Großbetriebe, die durch ein sozialistisches Kollektiv bewirtschaftet wurden.

Darüber hinaus war Nikita Chruschtschow Erster Sekretär der Kommunistischen Partei im Raum Moskau. Auf dem XIX. Parteitag der KPdSU hielt er eine bedeutende Rede über Änderungen der Statuten.

Machtkampf nach Stalins Tod

Josef Stalin verstarb am 05. März 1953. Binnen 24 Stunden reagierte die Partei mit institutionellen Anpassungen von zentralen Gremien:

Beispielsweise wurde das neuerdings als Präsidium bezeichnete Politbüro von 25 auf 10 Personen verkleinert. So reduzierte man die Zahl der möglichen Nachfolger umgehend von elf auf vier Funktionäre.

Lawrenti Beria
Lawrenti Beria im Jahr 1941 (gemeinfrei)

Nikita Chruschtschow wurde durch diese erste Reaktion zunächst aussortiert. Vorerst wurde Georgi Malenkow für kurze Zeit der neue Erste Sekretär der Partei. Stellvertreter und starker Mann war jedoch der langjährige Innenminister und Chef der Geheimdienste Lawrenti Beria.

Doch Chruschtschow überstand diese erste Welle im ebenfalls verkleinerten Sekretariat der Zentralkomitees. Von dort aus integrierte er gegen Lawrenti Beria.

Am 26. Juni 1953 wurde der gefürchtete Chef des Geheimdienstes ausgeschaltet. Man warf ihm eine antisowjetische Verschwörung vor. Er wurde verhaftet und später auch erschossen.

Am 07. September 1953 gelang Chruschtschow schließlich die Wahl zum Ersten Sekretär des Zentralkomitees. Es folgte eine Phase der „kollektiven Führung“ mit Georgi Malenkow als Ministerpräsident, den er jedoch 1955 politisch endgültig ausstechen konnte.

Moskaureise von Adenauer

Nikita Chruschtschow lud Konrad Adenauer für die Tage vom 08. bis zum 14. September 1955 nach Moskau ein. Hintergrund war ein Interesse an diplomatischen und vor allem auch wirtschaftlichen Beziehungen.

Konrad Adenauer
Konrad Adenauer im Jahr 1952 (Bundesarchiv, B 145 Bild-F005630-0005 / CC-BY-SA 3.0)

Der deutsche Bundeskanzler hatte damals hingegen noch die Hoffnung auf eine zeitnahe Wiedervereinigung. Entscheidend hierfür war jedoch ein Placet aus Moskau. Insofern waren beide Seiten über den eisernen Vorhang hinweg an einer Kooperation interessiert.

Die sowjetische Diplomaten erteilten einer möglichen Wiedervereinigung jedoch bereits in den Vorverhandlungen eine Absage. Adenauer war jedoch nicht bereit, die von sowjetischer Seite aus gewünschten Beziehungen ohne einen Preis einzugehen.

Adenauer, der sich ja bekanntermaßen mit Methamphetamin wach und bei Laune hielt, nahm vor den abendlichen Gesprächen dann noch Esslöffel an Olivenöl zu sich, um den Wodka besser zu vertragen. So zeigte er dann eine unerwartete Trinkfestigkeit, die wohl nachhaltigen Eindruck bei den Sowjets hinterließ.

Im Ergebnis einigten sich die beiden Seiten dann auf die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen. Diese „Rückkehr der letzten 10.000“ prägte nachhaltig das positive Image des ersten Kanzlers der Republik.

Entstalinisierung ab 1956

Am 25. Februar 1956 hielt Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU eine geheime Rede: „Über den Personenkult und seine Folgen“:

„Verbrecherische Handlungen wurden von Stalin begangen, Handlungen, die in jedem Staat der Welt, außer in faschistischen Staaten wie denen Hitlers und Mussolinis, strafbar gewesen wären.“

Damit begann eine Phase des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels. In dieser sogenannten „Tauwetter-Periode“ wurden zahlreiche Straflager geöffnet sowie Unschuldigen entlassen.

Die Lockerung des Totalitarismus trug allerdings zum Sturz von alten stalinistischen Kadern in Polen und Ungarn bei. Dies begünstigte den Ungarischen Volksaufstand vom Oktober 1956, der als Konterrevolution von der Roten Armee blutig niedergeschlagen wurde.

Die Dynamik der Entstalinisierung führte bei konservativen Altkadern zu einer Angst vor Kontrollverlust. Im Jahr 1957 wollte deshalb eine Mehrheit im Präsidium den Sturz von Nikita Chruschtschow.

Der ließ jedoch von Marschall Schukow das Zentralkomitee einberufen. In diesem Parteigremium konnte Chruschtschow seine Stellung behaupten. Die Rebellen wurden hingegen in der Hierarchie herabgestuft.

Partei- und Regierungschef

Am 27. März 1958 wurde Nikita Chruschtschow zum Vorsitzenden des Ministerrates gewählt. Damit vereinte er in Personalunion das höchste Amt in der Partei sowie auch formal die Rolle als Regierungschef.

Nikita Chruschtschow
Nikita Chruschtschow im Jahr 1963 (Bundesarchiv Bild 183-B0628-0015-035 / Heinz Junge / CC-BY-SA 3.0)

Nikita Chruschtschow erreichte den Zenit seiner Macht. Er zeigte sich als ein großer Reformer der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik. Deshalb gilt er als ein Vorläufer von Michail Gorbatschow.

Allerdings fehlte Chruschtschow das ruhige Händchen für Reformen. Er hatte wenig Geduld, die Erfolge abzuwarten und führte immer wieder Änderungen an bereits getroffenen Maßnahmen durch.

Damit erzeugte Nikita Chruschtschow viele Irritationen und letztlich auch wachsende Widerstände gegen seine Reformen. Darüber hinaus schlugen vor allem seine ambitionierten Prognosen zur Steigerung der Ernte stets fehl. Insgesamt begann seine Macht deshalb schnell wieder zu bröckeln.

Sturz durch Leonid Breschnew

Schon ab etwa 1960 begann der schleichende Niedergang des Einflusses von Nikita Chruschtschow. Günstlinge verloren ihre Ämter in seiner Umgebung. Nach und nach machten sich andere Aufsteiger an der Spitze des Parteiapparates breit.

Leonid Breschnew im Jahr 1967 (Bundesarchiv Bild 183-F0417-0001-011 / Ulrich Kohls / CC-BY-SA 3.0)

Parallel verengte Chruschtschow die Auslese der führenden Parteimitglieder, was auch unter seinen Unterstützern zu großem Unmut führte. Mit der Parteireform von 1962 untergrub er dann endgültig seinen Rückhalt im Zentralkomitee.

Eine Gruppe um Leonid Breschnew führte schließlich am 14. Oktober 1964 seinen politischen Sturz herbei. Zentrale Argumente waren die unglücklichen Reformen der Partei und der Landwirtschaft.

Im Gegensatz zu vielen anderen aussortierten Parteispitzen wurde Nikita Chruschtschow jedoch weder verhaftet oder gar erschossen. Er verbrachte seinen Ruhestand in einer Datscha bei Moskau und starb am 11. September 1971 an Herzversagen.

Chruschtschow und der Kalte Krieg

Friedliche Koexistenz & Aufrüstung

Mit Nikita Chruschtschow begann eine neue Phase des Kalten Krieges. Er selbst prägte in seinen Reden ab dem Jahr 1955 den Begriff von der „Friedlichen Koexistenz“:

„Der Leninsche Grundsatz von der friedlichen Koexistenz zwischen Staaten mit verschiedenartiger sozialer Struktur war und bleibt Generallinie in der Außenpolitik unseres Landes.“

Die Sowjetunion verzichtete unter seiner Führung jedoch keinesfalls auf eine Weiterentwicklung der militärischen Macht. Auf dem XXII. Parteitag der KPdSU im Jahr 1961 schärfte Chruschtschow den Begriff von der Friedlichen Koexistenz als einen Verzicht auf Waffengewalt zur Lösung von internationalen Konflikten.

Die Sowjetunion strebte aber weiterhin das „Gleichgewicht des Schreckens“ im Bereich der Atomwaffen an. Es fielen große Fortschritte im Bereich der Rüstung in die Ära von Nikita Chruschtschow.

Sputnikschock & Folgen

Im Wettkampf der politischen Systeme galt die Sowjetunion als wirtschaftlich und technologisch rückständig. Doch am 04. Oktober 1957 konnte der „Sputnik“ als erster Satellit überhaupt von den Kommunisten ins All gestartet werden.

Sputnik 1 Briefmarke
Briefmarke zur Erinnerung an den Sputnik 1 (gemeinfrei)

Der Sputnik-1 war denkbar einfach gebaut. Eigentlich wurde nur ein piepsender Radiosender in den Himmel geschossen, der dann allerdings für 92 Tage in der Umlaufbahn blieb.

Aber die westlichen Demokratien und allen voran die USA wurden dadurch gleich in zweifacher Hinsicht regelrecht traumatisiert. Das eitle Selbstverständnis von einer natürlichen Überlegenheit erhielt schmerzhafte Kratzer.

Darüber hinaus begann mit dem Start des ersten Satelliten auch die Ära der interkontinentalen Raketen. Der natürliche Schutz der USA durch die geographische Lage war damit aufgehoben.

Der damalige Präsident Dwight D. Eisenhower setzte ein großes Forschungsprogramm auf. Neben den üppigen Fördergeldern wurden vor allem auch Stipendien vergeben, Lehrer ausgebildet und neue Schulen gebaut.

Der US-Präsident ging sogar soweit, die Lehrpläne für Schüler überarbeiten zu lassen. Beispielsweise wurde Haushaltsführung zu Gunsten von Mathematik, Physik und Chemie gestrichen. Aber auch Politik- und Geschichtswissenschaft wurden gefördert, um besseres Führungspersonal für die neuen Ressourcen zu generieren.

Abschuss von Francis Powers

1957 stellte Lockheed die U-2 „Dragon Lady“ in Dienst. Das war ein strategisches Aufklärungsflugzeug mit einer besonders hohen Reichweite und vor allem auch Flughöhe von mehr als 20.000 Metern.

Die U-2 konnte anfangs höher als Abwehrraketen oder Jäger fliegen und wurde deshalb intensiv für die Spionage eingesetzt. Die Sowjetunion rüstete jedoch erfolgreich nach.

Gary Powers
Francis Gary Powers im Jahr 1960 (RIA Novosti archive, image #35172 / Chernov / CC-BY-SA 3.0)

Am 01. Mai 1960 wurde dann der CIA-Pilot Francis Gary Powers von einer neuen S-75 Boden-Luft-Rakete bei Jekaterinburg abgeschossen. Er konnte sein Leben zwar per Fallschirm retten und verzichtete auf die Einnahme eines mitgeführten Giftes.

„Ich war Pilot und flog ein Flugzeug, und zufälligerweise machte der Ort, an dem ich flog, das, was ich tat, zur Spionage.“

Aber Gary Powers wurde am Boden sofort festgehalten und anschließend wegen Spionage zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nikita Chruschtschow versuchte aus dem Fall politisches Kapital zu schlagen.

Bei einer Vollversammlung der Vereinten Nationen hielt er eine aufgebrachte Rede. Dabei soll er sogar mit seinem Schuh wütend auf das Redner geklopft haben.

Diese Geschichte schadete seinem bereits angeschlagenen Standing in der Sowjetunion. Aber im Westen blieb der Auftritt als besonders originelle Szene in Erinnerung.

Am frühen Morgen des 10. Februar 1962 wurde Francis Powers an der Glienicker Brücke in Potsdam gegen Rudolf Abel ausgetauscht. Das war ein Agent des KGB, der das amerikanische Atomprogramm ausspioniert hatte.

Abschreckung & Kubakrise

Im Oktober 1962 lief der Kalte Krieg auf eine sehr heiße Phase zu. Auf Kuba regierte damals Fidel Castro, der ein enges Bündnis mit der Sowjetunion wollte.

Für Nikita Chruschtschow ergab sich damit die Möglichkeit, quasi vor der Haustür der Vereinigten Staaten von Amerika einige Atomraketen zu stationieren. Die ersten Vorbereitungen verliefen noch geheim.

Karte der Reichweite von sowjetischen Mittelstreckenraketen
Karte der Reichweite sowjetischer Mittelstreckenrakete von Kuba aus. (Defense Intelligence Agency / gemeinfrei)

Am 14. Oktober 1962 genehmigte der inzwischen amtierende John F. Kennedy weitere Flüge einer U-2 über Kuba. Auf den Luftaufnahmen entdeckte man den Bau von sowjetischen Abschussrampen.

Wenige Tage später wurden bereits stationierte Mittelstreckenrakten entdeckt. Es handelte sich um SS-4 und SS-5 mit einer Reichweite von etwa 4.500 Kilometern. Damit hätte man bis nach Kanada schießen können.

Am 21. Oktober befahl der US-Präsident daraufhin eine Seeblockade von Kuba, weil bereits ein sowjetischer Schiffskonvoi mit weiterem Material auf dem Weg war. Am folgenden Tag wurden die amerikanischen Streitkräfte weltweit in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt.

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kam es zu einem heftigen Schlagabtausch der Diplomanten. Über das Fernsehen forderte Kennedy von Nikita Chruschtschow den Abzug der Atomwaffen. Er machte die Sache damit publik und drohte mit einem nuklearen Gegenschlag.

Chruschtschow ließ sich jedoch zunächst nicht auf die Forderung ein und ließ den Konvoi weiterhin auf die amerikanische Seeblockade zulaufen. Parallel zu dem Säbelrasseln in der karibischen See testeten beide Supermächte in diesen Tagen demonstrativ Atomwaffen. Die Sowjetunion zündete zwei Stück in der Atmosphäre.

Darüber hinaus waren vier atomar bestückte U-Boote der Sowjets in der Region. Die US Navy konnte drei davon aufspüren und mit Übungsmunition so beharken, dass diese freiwillig auftauchten.

Am 27. Oktober 1962 handelten schließlich der US-Justizminister Robert Kennedy und der sowjetische Botschafter Anatoli Dobrynin einen Deal aus. Die drei Eckpunkte waren:

  • Abzug amerikanischer Atomwaffen aus der Türkei (geheim)
  • Abzug sowjetischer Atomwaffen von Kuba
  • Keine amerikanische Invasion von Kuba