Chlodwig I.

Chlodwig I. – der Merowinger

Chlodwig I. wurde 466 n. Christus geboren und verstarb im Jahr 511 n. Christus. Er war ein salfränkischer König im frühen Mittelalter und gilt als Begründer des fränkischen Reiches.

Er war Sohn von Childerich I. und Enkel von Merowech. Die beiden Ahnen von Chlodwig I. hatten noch dem sterbenden römischen Imperium gedient. Zugleich schufen sie als listige Stammesführer auch die Basis für den Aufstieg der salfrankischen Merowinger.

Außerdem war das Leben von Chlodwig I. durch die Konvertierung zum Christentum geprägt. Die Merowinger beriefen sich nämlich eigentlich zum Zwecke der Öffentlichkeitsarbeit auf eine göttliche Abstammung.

Der Sage nach waren die Merowinger den Lenden eines Wassergottes aus dem Rhein entsprungen. Diese Story der fränkischen Merowinger ähnelt jedoch sehr der Minotaurus-Sage aus dem Mittelmeerraum, so dass man von einer Adaption ausgehen kann.

Doch unter Chlodwig I. sollte sich sehr vieles ändern. Der fränkische König bewies dabei ein Höchstmaß an militärischem, politischem wie auch diplomatischem Geschick und schuf die Grundlage für die wichtigste europäische Großmacht im frühen Mittelalter.

Chlodwig I. – der Sohn von Childerich I.

Chlodwig I. wurde im heutigen Belgien als Heide geboren. Um 481/482 n. Chr. starb sein Vater Childerich. Dieser wurde nach heidnischer Sitte in einem imposanten Hügelgrab zusammen mit kostbaren Beigaben bestattet.

Hügelgrab von Childerich I. in Tournai

Man fand den Hügel bereits im Jahr 1653 bei Bauarbeiten für ein Hospiz in Tournai im Hennegau, einer Provinz des heutigen Belgien. Es fanden sich zahlreiche, sehr hochwertige Waffen, die auf  enge Kontakte zu den Römern wie auch zu weiteren Zivilisationen hindeuten:

  • Spatha – ein römisches Langschwert
  • Sax – eine skandinavische Hiebwaffe
  • Lanze – eine fränkische Distanzwaffe
  • Franziska – eine fränkische Wurfaxt

Außerdem fand man zahlreiche höchst kostbare Schmuckstücke. Diese konnten sogar den hochmütigen Blick der damaligen Gesellschaft auf das frühe Mittelalter ein Stück weit korrigieren. Gerade die Annahme, es hätte kein hochwertiges Kunsthandwerk außerhalb der römischen Sphäre gegeben, war eindrucksvoll widerlegt.

Feinste Goldarbeiten aus keltischer Hand wie eine Fibel und zahlreiche Armringe beeindrucken die Fachwelt bis heute. Zu dem Schatz gehörte auch der Siegelring von Childerich I. mit der Aufschrift:

CHILDIRICI REGIS

Darüber hinaus legte man Childerich I. angeblich etwa 300 goldene Anhänger in Form von Bienen mit in das Hügelgrab. Diese Childerich-Bienen erhielten ihre größte Anerkennung durch Napoleon Bonaparte, der sie zum Symbol und Wappen für seinen Sieg über die Bourbonen machte. Viele sind jedoch gestohlen worden.

Dank der fränkischen Erbmonarchie bestieg Chlodwig I. nach dem Tod seines Vaters den Thron des Kleinkönigtums der Franken. Das Territorium der Merowinger lag in den südlichen Niederlanden und erstreckte sich über das angrenzende, nördliche Belgien.

Diese Ländereien entsprachen in etwa der vormaligen römischen Provinz Belgica Secunda. Chlodwig I. war dort zunächst Verwalter und Heerführer in Kooperation zur benachbarten römischen Provinz.

Die letzte römische Provinz in Gallien

Der junge Merowinger entwickelte früh Ambitionen und hatte auch ein klares Ziel vor Augen: die letzte römische Provinz in Gallien, bewohnt von Ubier. Diese hatten sich als willfährige Unterstützer der divide et impera-Strategie der Römer im Kreise der germanischen und gallischen Stämme äußerst unbeliebt gemacht.

Häufig waren es ubische Hilfstruppen gewesen, die Aufstände in anderen Regionen des früheren römischen Reiches niedergeschlagen hatten. Doch Rom und Italien waren bereits zehn Jahre zuvor in die Hände von Odoaker gefallen.

Schon im Jahr 486 n. Christus sah Chlodwig I. seine Chance und schlug mit Hilfe von Verwandten die letzte (gallo-)römische Armee in Gallien. Die Reste der geschlagenen Truppen integrierte Chlodwig I. in seine eigene Armee und übernahm auch die römische Provinz.

Das Reich der Merowinger dehnte sich nun bis zur Loire aus und  Paris wurde zur Hauptstadt seines neuen Frankenreichs erhoben. Die Bevölkerung war zu großen Teilen romanisiert und christianisiert.

Von Paris aus baute Chlodwig I. seine Machtstellung im Norden von Gallien immer weiter aus. Als gefragter Junggeselle war der Merowinger auch in Heiratsdingen erfolgreich und ehelichte im Jahr 492 n. Christus eine christliche Prinzessin aus Burgund.

Spätestens jetzt wurde der interkulturelle Konflikt zwischen heidnischen und christianisierten Franken immer virulenter. Die holde Maid aus Burgund war theologischen Fragen und dem Christentum nämlich sehr zugewandt.

Sie soll entscheidende Vorarbeit für die spätere Taufe von Chlodwig I. geleistet haben. Jedoch hatten sich mit der Eroberung der letzten römischen Provinz in Gallien auch die Gleichgewichte im Reich des Franken Königs verschoben.

Chlodwig I. brauchte die christlichen Eliten der eroberten Provinz, um sein Reich erfolgreich führen zu können. Außerdem war der frühe Christengott für früh-mittelalterliche König vor allem auch ein Gott der militärischen Stärke.

Das Königtum des Merowingers

Der Merowinger Chlodwig I. erschlug den Krieger wahrscheinlich meinter Franziska (= Axt).
Zur Zeit des Merowingers Chlodwig I. war eine speziell Axt sehr verbreitet, die Franziska.

Der Merowingerkönig stand dann im Zentrum einer Szene, die für Historiker sehr aufschlussreich und nur durch glückliche Zufälle überliefert ist. Diese Überlieferung bietet einen der wenigen Einblicke in die politischen Strukturen der damaligen Gesellschaft und die rechtliche Beziehungen zwischen Volk und König.

Nach dem Sieg über die letzte (gallo-)römische Armee, kam es zu Plünderungen in der zerfallenden römischen Provinz. Auch eine Kirche war betroffen. Bischof Remigius, ein mächtiger Christ im Umfeld des Merowingerkönigs, bat Chlodwig I. einen besonderen Kelch aus der Beute zurückzugeben.

Chlodwig I. war dem Anliegen von Remigius durchaus zugewandt. Der Kelch gehörte zu der Beute eines Kriegers unter dem Kommando des Merowingers. In dieser Zeit waren germanische Krieger jedoch freie Leute.

Der Mann weigerte sich nicht nur den Kelch herauszugeben, sondern zerschlug ihn einfach. Das war sein Recht und Chlodwig I. musste dieses Gewohnheitsrecht auch als König akzeptieren.

Chlodwig I. ließ die Sache aber nicht auf sich beruhen. Ein Jahr später rächte er sich blutig. Bei einer Heerschau begegnete er dem Krieger. Der König bemängelte die Ausrüstung des Manns.

Chlodwig I. erschlug den Soldaten daraufhin persönlich mit seiner Axt. Er kam damit durch und bewegte sich als Anführer offensichtlich innerhalb eines Rahmens, den die freien fränkischen Krieger akzeptierten.

Franken gegen Alemannen & Taufe

Schlacht von Zülpich (496 n. Chr.)

Das fränkische Reich kam nicht zur Ruhe. Es wurde von den Alemannen bedrängt. Schließlich kam es im Jahr 496 n. Chr. zur Schlacht bei Zülpich, wahrscheinlich auf der Wollersheimer Heide ca. 60 km östlich von der deutsch-belgischen Grenze entfernt. Das war  bereits die zweite von drei großen Schlachten in diesem Krieg zwischen Franken und Alemannen.

Im Verlauf der Schlacht wendete sich das Glück gegen den heidnischen Merowinger. Chlodwig I. gelobte (angeblich) mitten in der Schlacht, dass er sich taufen lässt, wenn der christliche Gott ihm den Sieg schenkt. Wie das Schicksal so wollte, starb der feindliche König wenig später.

Wenn man es nüchtern betrachten will, sollte man jedoch bedenken, dass die germanischen Anführer persönlich an diesen äußerst blutigen Kämpfen teilnahmen. Arminius wurde bspw. auch bei seinen Schlachten gegen die Römer schwer verwundet.

Aber die Alemannen verloren ihre Moral, nachdem ihr König gefallen war. Sie zogen sich ungeordnet und unter schweren Verlusten zurück. Chlodwig I. ging als Sieger aus der Schlacht bei Zülpich hervor und annektierte einige Gebiete von den Alemannen.

Die Taufe von Chlodwig I.

Chlodwig I. ließ sich noch im Jahr der Schlacht taufen. Die Taufe wurde zu Weihnachten von Bischof Remigius vollzogen. Der Merowinger bildete damit eine Parallele zu Konstantin I., Kaiser des römischen Reichs. Dieser hatte im Jahr 312 n. Chr. ebenfalls eine Schlacht zu gewinnen, die zu einer ähnlichen Legendenbildung führte.

Die Folgen der Taufe gingen sehr weit. Damals bestimmte der König die Religion seines Volkes. Mit ihm wurden bereits 3.000 seiner Krieger ebenfalls getauft. Durch die Übernahme des damaligen Katholizismus verringerte Chlodwig I. das innere Konfliktpotential in seinem neuen Reich mit der neuen (gallo-)römischen Bevölkerung. Die Taufe wirkte sich positiv auf den inneren Frieden aus.

Chlodwig I. war mit seiner Taufe jedoch auch ein großeres Risiko eingegangen. Immerhin beriefen sich die Merowinger auf die Abstammung von einem Wassergott, was Chlodwig I. als Legitimation für seine Herrschaft jedoch im Laufe der Zeit durch andere Machtfaktoren ablösen konnte.

Lex Salica – fränkische Gesetze

Zur weiteren Konsolidierung des jungen Reiches der Franken ließ Chlodwig I. ein Gesetzeswerk erarbeiten – die Lex Salica. Vier Jahre, von 507 bis 511 n. Christus dauerte die Entwicklung eines kodifizierten Stammesrechts.

Die lex Salica ist mit einem Alter von mehr als 1.500 Jahren eines der ältesten erhaltenen Gesetzeswerk der Geschichte. Zentrale Errungenschaft war die Übertragung von mündlichem Gewohnheitsrecht in ein beständiges Schriftwerk.

Drei gesellschaftliche Klassen

Über allen standen jedoch die Mitglieder des Königshofes als dritter Stand der früh-fränkischen Gesellschaft. Diese „Tischgenossen“ von Chlodwig I. bildeten die aristokratische Keimzelle für den späteren Hochadel des fränkischen Reiches.

Desweiteren Unterschied das fränkische Stammesrecht und die Lex Salica von Chlodwig I. vor allem in freie und unfreie Menschen. Die freien Menschen hatten mehr Rechte. Sie wurden auch für die gleichen Vergehen anders bestraft als unfreie Menschen.

Während die freien Menschen meist nur eine Geldstrafe für fast jedes Vergehen zahlen mussten, erhielten die Unfreien in aller Regel körperliche Strafen. Für schwerste Verbrechen gab es auch die Todesstrafe.

Wer ist Täter? Wer hat Schaden?

Grundsätzlich verfolgte die Rechtsprechung gemäß der Lex Salica zwei Fragen bei der Bemessung eines Strafmaßes. Die Frage, wer der Täter war, entschied darüber, welcher Strafen-Kanon zur Anwendung kam.

Die Höhe des Strafmaßes wurde hingegen am Schaden ausgemacht. Auch hier kam das 2-Klassen-Denken der Lex Salica von Chlodwig I. zum Ausdruck. Es war nämlich nur halb so teuer, einen Römer zu erschlagen, wie ein freien Franken.

Beleidigung im Mittelalter: Du Hure!

Die Lex Salica widmete sich auch den Beleidigungen. Auch für verbale Übergriffe wurden nach dem fränkischen Stammes recht und auch dem Willen von Chlodwig I. mit schmerzhaften Bussgeldern geahndet.

Im Katalog fällt „Du Hure!“ besonders teuer aus. Zweimal „Du Hure!“ sagen, ist fast schon so teuer, wie einen Römer töten.