Scipio Africanus

Scipio Africanus Maior – Sieger von Zama

Publius Cornelius Scipio Africanus Maior wurde im Jahr 235 v. Christus geboren. Er war ein römischer General im Zweiten Punischen Krieg und besiegte Hannibal in der entscheidenden Schlacht von Zama.

Scipio – die Eisenstange

Die Scipionen waren ein mächtiges Geschlecht im alten Rom. Sie waren auch eng mit den Corneliern verwandt. Diese waren eine der zahlenmäßig stärksten Familien in Rom. Außerdem gehörten sie zum römischen Ur-Adel, den gentes maiores.

Der Name „Scipio“ bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt soviel wie „Eisenstange“. In den fünfzehn Jahren vor dem Zweiten Punischen Krieg stellte der Clan drei (von 30) Konsuln der Republik. Darüber hinaus war Scipio Africanus selbst auch der Großvater von:

Erste Kampfeinsätze gegen Hannibal

Route und Schlachten von Hannibal Barkas im Zweiten Punischen Krieg
Karte mit den wichtigsten Schlachten im Zweiten Punischen Krieg (ODbL)

Der junge Scipio wurde standesgemäß ausgebildet. Er folgte seinem Vater auf eine militärische Laufbahn und kam schon früh zur Armee. Als der Zweite Punische Krieg ausbrach war bereits Offizier.

In der Schlacht am Ticinus (218 v. Chr.) führte der Vater von Scipio Africanus das Kommando über die römische Armee. Der junge Scipio war selbst an den Kämpfen beteiligte. Dabei rettete er seinem Vater sogar das Leben, als dieser im Gefecht schwer verwundet wurde.

Der junge Scipio Africanus nahm seine Leibwache und griff mit Erfolg in das Gefecht ein. Der Vater konnte dank dieser Aktion knapp überleben. Für diesen Mut und für die Rettung des Vaters (= römischer Bürger) wurde ihm die corona civica verliehen.

Diese Auszeichnung war äußert begehrt unter jungen Offizieren. Für eine spätere Karriere war es sehr dienlich, wenn man so ausgezeichnet wurde. Ein anderer Träger dieses Ordens war beispielsweise Gaius Julius Caesar.

Scipio Africanus sorgt auch politisch schon früh für Aufsehen. Während Hannibal Barkas Rom bedrohte, diskutierte der Senat (214 v. Chr.) einen möglichen Friedensschluss mit Karthago. Der junge Scipio stürmte mit vorgehaltenem Schwert die Senatssitzung. Er schwor, Rom bis in den Tod zu schützen. Die Stimmung drehte gegen einen Friedensschluss.

Scipio Africanus in Spanien

Ausgangssituation vor Ort

Die Strategie der Römer im Zweiten Punischen Krieg sah nicht nur Verteidigung auf der italienischen Halbinsel vor. Die Karthager sollten auch in Spanien angegriffen werden.

Der karthagische Befehlshaber in Spanien war Hasdrubal Barkas. Das war ein Bruder des berühmten Hannibal. Später erhielt Mago Barkas, ebenfalls ein Bruder, das Kommando. Im Jahr 211 v. Chr. kam es in Spanien zur Schlacht an der Oberen Baetis.

In dieser Schlacht fielen ca. 20.000 der eingesetzten 30.000 römischen Legionäre. Außerdem starben die beide Kommandeure Publius Cornelius Scipio und Gnaeus Cornelius Scipio Calvus. Das waren der Vater und der Onkel von Scipio Africanus.

Übernahme der Befehlsgewalt

Er selbst bot an, das Kommando in Spanien zu übernehmen. Er war aber noch sehr jung für einen solchen Posten. Doch die römischen Senatoren beschlossen einstimmig seine Ernennung zum Oberbefehlshaber und auch zum Prokonsul in Spanien.

Damit hatte er sowohl das höchste militärische wie auch das höchste zivile Amt in Spanien inne. Das Jahr 210 v. Christus nutzte Scipio Africanus intensiv für Bündnisarbeit und Spionage. Im Folgejahr gelang ihm dann die überraschende Einnahme von Neu-Karthago (Cartagena).

Diese Eroberung von Neu-Karthago hatte einen ähnlich Effekt auf die karthagischen Bundesgenossen in Spanien, wie es die Schlacht am Ticinus (218 v. Chr.) auf die römischen Bundesgenossen in Norditalien einige Jahre zuvor hatte, nur umgekehrt.

Schlacht von Ilipa (206 v. Chr.)

Obwohl noch drei karthagische Heere in Spanien standen, liefen immer mehr Stämme zu den Römern über. Die Schlacht von Ilipa 206 v. Christus entschied das Rennen zwischen Rom und Karthago in Spanien.

Scipio Africanus führte 45.000 Infanteristen und 3.000 Kavalleristen ins Feld. Mago Barkas hatte dagegen 70.000 Infanteristen, 4.000 Kavalleristen und 32 Elephanten. Die folgende Schlacht dauerte mehrere Tage, ohne dass sich eine Partei durchsetzen konnte.

Eines morgens ließ Scipio seine Männer dann früher aufstehen und sich bereit machen. Dann griff er die Karthager an, die keine Zeit mehr für das Frühstück hatten. An diesem Tag gewann er die Schlacht.

Den Trick, gegen hungrige Gegner zu kämpfen, kannte er von Hannibal aus der Schlacht an der Trebia (218 v. Chr.). Damals gab es eine bittere Niederlage für Römer.

Wende in Spanien

Der Sieg bei Ilipa hatte sehr hohe strategische Reichweite für den gesamten Kriegsverlauf. Die Karthager zogen sich endgültig von der Halbinsel zurück. Die spanischen Silberminen (= viel Geld) fielen in römische Hand.

Auch die diplomatischen Beziehungen vor Ort waren sehr gut für die Römer. Aber vor allem entstand ein (geo-)strategischer Raum zur Vorbereitung des Feldzugs in Afrika. Erst jetzt konnte ein direkter Schlag gegen Karthago angegangen werden.

Scipios Afrikafeldzug

Vorbereitung und Landung

Scipio Africanus wurde 205 v. Chr. zum Konsul gewählt. Er wollte sofort mit einer Invasion Nord-Afrikas beginnen. Quintus Fabius Maximus – der Zauderer und viele weitere Mitglieder des Senats waren jedoch strikt gegen diesen Plan.

Scipio musste zuerst auf Sizilien eine Armee rekrutieren und trainieren. Anschließend wurden zunächst einzelne Städte von Karthago befreit werden. 204 v. Christus konnte er dann endlich nach Nord-Afrika übersetzen. Die Römer landeten ca. 30 km westlich von Karthago.

Diplomatie und Nachtangriff

Sie nahmen zunächst das Umland ein. Dann starteten sie Verhandlungen mit den örtlichen Numiden. Dieses Volk stellte eine sehr starke Kavallerie und lief zu den Römern über. In diesem und dem folgenden Jahr kam es zu einigen Gefechten zwischen Römern und Karthagern.

Scipio Africanus blieb in diesen Gefechten erfolgreich. Dabei kam es zu einem spektakulären Nachtangriff auf karthagische Truppen. Außerdem wurde gezielt das feindliche Lager angezündet.

Es starben mehr als 40.000 Karthager. Der Senat von Karthago sah sich gezwungen, mit den Römern über Frieden zu verhandeln. Die Gespräche fanden in der Nähe von Zama bei Karthago statt.

Schlacht von Zama (202 v. Chr.)

Die römische Armee lagerte unweit von Karthago bei Zama. Zunächst kam es zu Verhandlungen über Frieden. Während dieses Treffens im Lager der Römer gewann Hannibal jedoch den Eindruck, dass die römische Reiterei sehr schwach sei. Er wusste nicht, dass am nächsten Tag Verstärkung eintreffen würde.

Aber wegen dieser Fehleinschätzung entschied sich der Karthager gegen den Frieden. Er wollte einen scheinbar aussichtsreichen Kampf gegen die Römer führen. Die Karthager verfügten zu diesem Zeitpunkt über:

  • 50.000 Mann zu Fuß
  • 3.000 Reiter
  • 80 Kriegselefanten

Der römische Feldherr verfügte über 34.000 Mann zu Fuß und knapp 9.000 Reiter. Der Verlauf der Schlacht von Zama sollte schließlich sehr der Schlacht von Cannae ähneln. Dieses Mal waren die Rollen jedoch verkehrt. Aber eigentlich sollte es so laufen:

  1. Hannibal konzentrierte sein Truppen im Zentrum. Er wollte erst die römischen Linien mit den Elefanten brechen. Dann sollten seine erste und seine zweite Schlachtreihe das Chaos und die Verluste bei den Römern vergrößern.
  2. Den finalen Stoß sollten seine Veteranen aus Italien in der dritten Schlachtreihe setzen. (Das Kämpfen mit drei Schlachtreihen gaben die Römer etwa 100 Jahre später im Zuge der Heeresreform des Gaius Marius auf.)

Dieses mal war es der römische Feldherr, der die gegnerische Taktik richtig vorher sah. Er stellte seine Legionen nicht in einem Block auf. Stattdessen staffelte er seine Truppen auf Manipelebene:

  1. Ein Manipel entspricht zwei Zenturien. Als die Elefanten angriffen, konnten die Römer jeweils im Manipel einfach ausweichen. Sie standen nämlich nicht so dicht beieinander. Der erste Streich von Hannibal Barkas ging fehl.
  2. Nach der ersten Welle rückten die Karthager im Zentrum vor. Aber die Römer gewannen auf den Flügeln. Zunächst rieb die römische Kavallerie die feindlichen Reiter auf. Dann wurden diese komplett verstreut.
  3. Der Sieg kam, als die Berittenen das feindliche Zentrum der Karthager von hinten attackieren konnten. Der junge Scipio Africanus wurde zum großen Gewinner des Zweiten Punischen Kriegs gegen Hannibal.

Obwohl die Republik mit Quintus Fabius Maximus einen weiteren großen General hervorgebracht hatte, wurde Scipio Africanus zum großen Triumphator des Zweiten Punischen Kriegs. Für seine Verdienste erhielt er vom Senat den ehrenvollen Beinamen Africanus.

Nach dem Zweiten Punischen Krieg

Doch die oligarchische Oberschicht des alten Rom fürchtete den rumhreichen Scipio Africanus und dessen potentielle Macht im Staat. Vor allem die wirtschaftliche Machtbasis der Familie in Spanien war schließlich der Auslöser für eine Intrige.

„Undankbares Vaterland, nie sollst Du meine Gebeine beherbergen!“ (Grabschift, selbst verfasst)

Obwohl Scipio Africanus nie überstiegene politische Ambitionen gezeigt hatte, versuchten viele römische Senatoren, seinen Ruf zu beschädigen. Deshalb verließ er Rom und begleitete im Jahr 190 v. Christus seinen Bruder Lucius auf einen Feldzug gegen das Seleukiden-Reich.

Scipionenprozesse

Während des Krieges im heutigen Syrien glänzte Scipio Africanus sowohl als eine Art Chef des Stabes wie auch als Taktiker. Daraufhin erhielt die Popularität des volksnahen Staatsmannes einen weiteren Schub. Außerdem erhielt den Beinamen Asiaticus.

Doch das Establishment schlug zurück. Zwei Volkstribune, die vom einflussreichen Cato protegiert wurden, klagten Scipio Africanus und seinen Bruder Lucius wegen Korruption an. Im Jahr 187 v. Christus begannen die Scipionenprozesse.

Angeblich hatten die Brüder in Antiochia Bestechnungsgelder angenommen. Die Quellenlage zu dieser Affäre ist jedoch sehr dünn, wo Polybios einige Anmerkungen hinterließ. Unabhängig vom tatsächlichen Gehalt der Vorwürfe, waren diese Anschuldigungen ein Beleg für den Widerstand gegen seine Person.

Freiwilliges Exil

Der große Kriegsheld konnten sich zwar dank seiner Pouplarität zunächst behaupten. Jedoch verbrannte Scipio Africanus durch provokatives Verhalten dabei auch viele Sympathien. Er zog sich auf ein Landgut zurück und verstarb im Jahr 183 v. Christus im freiwilligen Exil.