Apostel Paulus

Apostel Paulus – Missionar der Ur-Christen

Der Apostel Paulus aus Tarsus (heutige Türkei) gehörte zu den entscheidenden Missionaren und Theologen des Ur-Christentums im Römischen Reich. Dreizehn Briefe aus seiner Feder wurden in das Neue Testament aufgenommen. Er zog Leitlinien für die junge Religion, obwohl er Jesus zu Lebzeiten nie begegnete.

Karte der Orte an denen der Apostel Paulus von 46 bis 57 n. Christus missionierte.
Apostel Paulus und seine Reisen zur Missionierung (ODbL)

Darüber hinaus steht der Apostel Paulus mit seiner persönlichen Lebensgeschichte für zentrale Eckpunkte des Glaubens. In frühen Jahren war er noch ein vehementer Verfolger der Ur-Christen. Doch er fand er als Zeuge der Wiederauferstehung zur Umkehr.

Das war ein wesentliches Element im frühen Christentum. Schon früh hatten solche Momente Eingang in die neue Lehre gefunden. Bereits mit der zeremoniellen Taufe im Jordan durch Johannes den Täufer war so ein Meilenstein für jeden Gläubigen entscheidend geworden.

Der Apostel Paulus war so bereits zu Lebzeiten ein ideales Symbol und Vorbild für jeden Christen. Mit diesem Image führte er drei große und sehr erfolgreiche Reisen zur Missionierung vor allem von nicht-jüdischen Personen im heutigen Griechenland und der Türkei durch.

Selbst in einer kritischen Betrachtung ist der Apostel Paulus für die Genese des Christentums deshalb von fundamentaler Bedeutung. Denn entgegen der päpstlichen Verklärung der römischen Ur-Gemeinde, keimte der neue Kult vor allem in diesen Gebieten zur heutigen Welt-Religion auf.

Im Zuge der ersten Christenverfolgung unter Nero wurden er und auch der Apostel Petrus vermutlich in Rom hingerichtet. Aus religiöser Sicht erhielt der Apostel Paulus durch diesen Märtyrertod wohl im Jahr 64 n. Christus eine weitere Aufwertung.

Wahrscheinlich wurde der Apostel Paulus geköpft. Deswegen sind seine Attribute als Heiliger sowohl das Schwert wie auch ein Buch in Anerkennung für seine äußerst bedeutsamen Beiträge als Theologe. In der Darstellung werden seiner Gesichtszüge der Vorstellung von einem alten Philosophen nachempfunden.

Die Vorgeschichte des Apostels

Ein junger Pharisäer

Die historische Existenz des Apostels Paulus wird zwar nicht angezweifelt. Aber es existieren keine zeitgenössischen Quellen, die sein tatsächliches Leben beschreiben. Dennoch wird der Überlieferung nach angenommen, dass er etwa 10 v. Christus in der Stadt Tarsus in der heutigen Süd-Türkei geboren wurde.

Paulus entstammte einer Familie von Pharisäern. Das waren streng religiöse Juden. Sie tendierten in ihren Ansichten dahin, nur wenige Rabbiner als theologische Autorität anzuerkennen.

Ganz im Gegensatz dazu positionierte sich Jesus von Nazaret, der ohne formale Anerkennung ebenfalls als Rabbiner die jüdische Lehre interpretierte. Für die frühen Christen waren die konservativen Pharisäer jedoch vor allem Heuchler.

Ausbildung in Jerusalem

Paulus wurde als junger Mann wahrscheinlich in Jerusalem theologisch ausgebildet. Seine späteren Briefe zeigen eindrucksvolle Kenntnisse der Tora, der alten jüdischen Bibel. Er war wohl jedoch auch in der antiken Rhetorik geschult und kannte die Stoa.

An den Begrifflichkeiten erkennt man, dass er mit der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes sehr gut vertraut war. Jenseits davon erhielt der junge Paulus nach jüdischem Brauch auch eine handwerkliche Ausbildung.

Er war ein Zeltmacher. Auch später noch auf seinen Reisen als Missionar konnte sich der Apostel Paulus so etwas hinzu verdienen.

Verfolgung von Christen

Mit seinem theologischen Hintergrund entwickelte sich Paulus in frühen Jahren zu einem Eiferer. In seinen Briefen an die Galater und an die Philipper berichtete er später selbst von dieser Zeit. Aber auch im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte finden sich Hinweise.

Er will Christen verfolgt und die Bildung von Gemeinden verhindert haben. Ein zentraler Streitpunkt war die Beschneidung von konvertierten Juden. Diesen Brauch hatten die Ur-Christen abgeschafft, um für Heiden die Eintrittsschwelle in ihren Kult zu senken.

In der Darstellung wird jedoch vermittelt, dass Paulus als Christenverfolger über eine außerordentliche Machtfülle verfügte. Jedoch unterlag Judäa zu dieser Zeit der Gewalt von römischen Präfekten wie Pontius Pilatus.

Viel wahrscheinlicher ist, dass eine solche Verfolgung nicht auf staatlicher Ebene ablief. Aber den jüdischen Gemeinden standen andere Möglichkeiten offen. Sie konnten Mitglieder geißeln und verbannen.

Christus-Erscheinung

Nachdem Jesus von Nazaret hingerichtet wurde, erschien der gekreuzigte Heiland dem Paulus. Ihm wurde offenbart, dass Gott ihn bereits vor seiner Geburt zum Apostel berufen hatte. Diese göttliche Begegnung beförderte Paulus zugleich in den Rang eines Auferstehungszeugen.

Für Paulus wurde diese Erfahrung jedoch zum Bekehrungserlebnis. Zunächst wurde er zwar blind und sollte sich nach Damaskus begeben. Dort gewann er aber sein Augenlicht wieder und ließ sich dann taufen.

So wandelte sich Paulus vom eifernden Feind zum tief überzeugten Anhänger von Jesus. Die besondere Fixierung auf den Messias blieb ihm zeitlebens erhalten.

In seiner späteren Theologie spielte das Opfer am Kreuz die zentrale Rolle für die neue Religion. Doch der frisch berufene Apostel Paulus schloss sich nicht unmittelbar der christlichen Ur-Gemeinde in Jerusalem an.

Der Überlieferung nach begab er sich zunächst für drei Jahre auf eine Reise. In dieser Zeit verarbeitete er seine übernatürlichen Erfahrungen und reifte für seine spätere Rolle.

Vom Saulus zum Paulus

Um das Bekehrungserlebnis rankt sich ein gängiger Mythos. Der Namenswechsel vom hebräischen „Saulus“ zum römischen „Paulus“ soll diese Umkehr des Apostels angeblich symbolisch unterstreichen.

Dies ist jedoch nicht zutreffend. Vielmehr verwendete der Apostel Paulus wohl sehr bewusst die latinisierte Form seines Namens in römisch geprägten Regionen und zeigte damit interkulturelle Kompetenz.

Das Sprichwort: „sich vom Saulus zum Paulus wandeln“, als ein Ausdruck für eine inhaltliche 180-Grad-Wendung, stellt das tatsächliche Verhalten des Apostels also falsch dar.

Reisen als  Völkerapostel

Der ursprüngliche Auftrag zur Missionierung der Ur-Christen bezog sich zunächst nur auf Jerusalem. Nachdem sich dort eine Gemeinde gebildet hatte, dehnten sich die Bemühungen im nächsten Schritt auf jüdische Gemeinden im Mittelmeer-Raum aus.

Der Apostel Paulus hingegen war zum Völkerapostel berufen worden. Er trug die Botschaft vor allem zu nicht-jüdischen Personen und läutete damit eine neue Phase in der Genese des Christentums ein.

Die Darstellungen in den christlichen Überlieferungen sind nicht ganz eindeutig. Jedoch werden seine Aktivitäten zu drei großen Missionsreisen zusammengefasst:

  • Die erste Reise führte den Apostel Petrus nach Zypern und durch den Süden der heutigen Türkei.
  • Die zweite Reise war sehr viel ausgedehnter und führte über Ankara bis nach Griechenland, dort entlang der Ägäis bis nach Athen und Korinth.
  • Die dritte Reise beinhaltete einen Aufenthalt von drei Jahren in Ephesos auf der türkischen Ägäis-Seite sowie eine weitere Reise nach Griechenland.

Auf seinen Reisen hatte der Apostel Paulus immer wieder Begleiter, die ebenfalls einen festen Platz in der ur-christlichen Geschichte haben:

  • Barnabas war im weiteren Sinn ebenfalls ein Apostel, jedoch gehörte er nicht zum Kreis der Zwölf.
  • Timotheus war ein Mitarbeiter von Paulus und wurde der erste Bischof von Ephesus. Dort fand er den Märtyrertod.
  • Titus war ein Schüler des Apostels Paulus, gehörte zum Kreis der Siebzig Jünger Jesu und wurde der erste Bischof von Kreta. Dort wird er bis heute als Schutzpatron verehrt.
  • Erastus gehörte zum Kreis der Siebzig Jünger Jesu und soll ebenfalls den Märtyrertod gestorben sein. Er wird als Heiliger verehrt.
  • Silas war ein Mitarbeiter, der zeitweise wohl auch für den Apostel Petrus tätig war.

Auf seinen Reisen als Missionar erlebte der Apostel Paulus teils großes Leid. Er wurde mehrfach ins Gefängnis geworfen und verfasste dabei mindestens zwei seiner Paulusbriefe.

Außerdem soll es zu einer versuchten Steinigung gekommen sein. Mit zunehmendem Alter wurde er auch von Rheuma und Arthrose geplagt.

Paulinische Lehre

Apostel Paulus schrieb auf seinen Reisen zahlreiche Briefe, um mit bereits missionierten Gemeinden in Kontakt zu bleiben. Seine Beiträge hatten sowohl jüdische wie auch hellenistische Elemente und schufen architektonische Grundzüge für die junge Glaubenslehre:

  • Mit dem Körper ist man ein sterblicher Teil dieser Welt. So ergibt sich eine  Verantwortung für das Handeln, welches man vor Gott rechtfertigen muss. Den Leib soll man deshalb als „lebendige, heilige, wohlgefällige Opfergabe“ darbringen. (Röm 12,1)
  • Der Geist oder die Seele hingegen sind das unsterbliche Gefäß eines Menschen, dessen Schicksal vom jüngsten Gericht abhängt. Dank des Opfers von Jesus wurden die Menschen jedoch von ihrer Vergangenheit befreit und habe die Chance auf eine ewige Zukunft. (Röm 5,15-21)
  • Der Glaube hingegen ist ein Geschenk, „…denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht…“ (Röm 1,16)

Mit seiner Vorstellung schuf der Apostel Paulus einen permanenten Druck zur Rechtfertigung für das Handeln als Mensch. Deshalb kristallisierten sich bereits mit diesem Paulinismus konkrete Vorgaben heraus.

  • Die Taufe wurde als rituelles Bekenntnis zur Glaubenslehre gefestigt. Es steht jedoch nicht nur für eine rituelle Reinigung, sondern symbolisiert auch Tod und Neugeburt von Christus sowie die Aufnahme des Heiligen Geistes in den irdischen Körper. (Kor 12,13)
  • Die Unzucht in Form von Prostitution oder Ehe-Scheidungen beschmutzen den Körper, der ein Tempel Gottes ist. Nur die gewollte Einheit von Mann und Frau im ehelichen Bund ist zulässig. (Kor 6,16)
  • Die Frauen haben ihren festen Platz hinter den Männern in der Gesellschaft: „Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz.“ (Kor 11,7)
  • Die Obrigkeit ist gottgewollt: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet.“ (Kor 13,1)

Märtyrertod in Rom

Trotz seiner eigenen Fähigkeiten als Theologe wurde dem Apostel Paulus jedoch schließlich ein Streit mit der Priesterschaft in Jerusalem zum Verhängnis. Er wurde beschuldigt, eine nicht-jüdische Person mit in den Tempel gebracht zu haben.

Dank seines Bürgerrechtes konnte er sich auf den römischen Kaiser berufen und sich damit lange Zeit wehren. Letztlich wurde er nach Rom gebracht, um sich dort zu verantworten. Mit dem Römerbrief entstand in dieser Zeit auch sein letztes großes Schreiben.

Doch ausgerechnet zu dieser Zeit kam es zu einem großen Brand in Rom. Kaiser Nero geriet daraufhin unter starken Druck und brauchte Sündenböcke für diese Katastrophe. Wohl auf den Rat eines Präfekten der Prätorianer hin, wurde die kleine Gemeinde der römischen Christen ins Visier genommen.

In den Jahren 64 und 65 n. Christus kam es dann zur ersten, zur Neroinischen Christenverfolgung. Viele Anhänger wurden verhaftet, verurteilt und schließlich wilden Tieren in den Kampfarenen zum Fraß vorgeworfen.

Auch der Apostel Paulus fiel dieser Verfolgung zum Opfer. Wegen seines Standes als römischer Bürger wurde die Todesstrafe jedoch anders vollstreckt. Man köpfte ihn.

Ähnlich wie beim Petrusgrab hält man seine Grablege für überliefert. Sie soll sich zwischen dem Fluss Tiber und der Via Ostienese befinden. Bereits unter Kaiser Konstantin I. wurde eine erste Kirche an diesem Ort errichtet.

Papst Gregor der Große ließ dort eine Benediktinerabtei ansiedeln. Die antike Großkirche wurde jedoch im Jahr 1823 durch einen Brand weitgehend zerstört. Mit Hilfe von Spenden wurde dann die heutige Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern über dem Grab des Apostels Paulus errichtet.