Sir Francis Drake

Sir Francis Drake – Pirat der Königin

Sir Francis Drake wurde um 1540 in der kleinen Hafenstadt Tavistock in der britischen Grafschaft Devon geboren. Das genaue Datum seiner Geburt ist unbekannt. Er war das älteste von zwölf Kindern einer protestantischen Bauernfamilie.

Statue von Sir Francis Drake in Plymouth
Sir Francis Drake in Plymouth (pixabay)

Der Vater von Francis Drake, ein Pastor, brachte ihm das Lesen und Schreiben bei. Doch er musste bereits als Junge selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Deshalb heuerte er im Alter von 13 Jahren als Schiffsjunge auf einem kleinen Handelsschiff an, dass im Ärmelkanal zwischen Plymouth und dem Festland unterwegs war.

Francis Drake muss bereits in jungen Jahren ein sehr talentierter Seemann gewesen sein. Er lernte an Bord das Navigieren. Dann wurde er zunächst zum Matrosen und dann zum Steuermann befördert.

Als der Besitzer des Schiffes verstarb, erbte Franics Drake im Alter von nur 20 Jahren das Gefährt. Der damalige Konflikt zwischen England und Spanien beendete jedoch vorzeitig die Aussicht auf eine zivile Karriere. Doch zu dieser Zeit stellte die britische Krone bereits Kaperbriefe für ambitionierte Kapitäne aus.

Im Jahr 1566 begleitete Francis Drake dann den englischen Freibeuter James Lovell zu den kapverdischen Inseln im Atlantik. In diesem Zug lehrte der junge Offizier die maritime Gefechtsführung. Dabei konnten sie bereits einige feindliche Schiffe kapern. Sie erbeuteten auch eine wertvolle Fracht dieser Zeit: afrikanische Sklaven.

1567 war Francis Drake an einer vergleichbaren Kaperfahrt unter dem Befehl seines Vettern John Hawkins beteiligt. Dabei gelang die Eroberung der portugisischen Karavelle „Gracia Dei“ bei den Kapverden.

Die Fahrt ging weiter in die Karibik, wo der aufstrebende junge Mann dann das Kommando über die „Judith“ erhielt. Die Fahrt endete jedoch letztlich in einer Katastrophe mit vielen Verlusten.

Ab 1570 organisierte Francis Drake eigene Kaperfahrten. Im Namen ihrer Majestät, Königin Elisabeth I. von England wurde er in den kommenden fast 20 Jahren zum gefürchteten Freibeuter. Dabei gelang dem Draufgänger auch die erste englische Weltumsegelung auf der Flucht vor seinen spanischen Feinden.

Mit seinen Beutezügen setzte Francis Drake zwar nur Nadelstiche. Aber er zwang die Spanier zu kostenintensiven Gegenmaßnahmen. So konnte er persönlich dennoch einen erheblichen Einfluss auf den Konflikt der Großmächte nehmen.

„Ich habe den Bart des spanischen Königs versengt!“

Im Jahr 1581 wurde er für seine Erfolge geadelt und zu Sir Francis Drake ernannt. Darüber hinaus verteidigte er die britischen Inseln auch gegen die spanische Armada. Dabei erreichte er den Rang eines Admirals.

El Draque – Freibeuter ihrer Majestät

Verhältnis von England und Spanien

Während Francis Drake ein junger Mann war, kam es zu schweren Spannungen um den englischen Thron. Dabei wurden Erbstreitigkeiten der Töchter von Heinrich VIII. und auch konfessionelle Konflikte ausgetragen.

Zunächst ging die Krone jedoch an den Sohn Eduard. Dieser verstarb aber noch als Teenager. Daraufhin bestieg die katholische Maria Tudor, die „Bloody Mary“, aus erster Ehe den Thron. Sie heiratete aus politischen Gründen den spanischen König Philipp II. und verließ ihn dann später für einen anderen Mann.

Im Jahr 1558 verstarb Maria Tudor bereits sehr früh und vor allem auch ohne eigene Erben. In der Folge kam es zum Konflikt zwischen ihren Stiefschwestern, der protestantischen Elisabeth I. und der katholischen Maria Stuart.

Die protestantische Elisabeth setzte sich in diesem Konflikt durch und ließ ihre Schwester im Jahr 1587 sogar hinrichten. Der katholische Philipp II. von Spanien hatte deshalb zeitlebens eine doppele Motivation, das eigentlich deutlich schwächere Königreich England für sich zu erobern.

Er sah aufgrund seiner Ehe mit Maria Tudor einen legitimen Herrschaftsanspruch. Außerdem wollte er den Katholizismus im Land wieder durchsetzen. Das ursprünglich noch sehr unterentwickelte England wehrte sich jedoch mit allen Mitteln.

Unter der Führung von Elisabeth setzte man deshalb auch auf den bewaffneten Handelskrieg. Freibeuter wie Francis Drake sollten die eigenen Schatztruhen auf Kosten der Spanier füllen.

Kaperbriefe von Königin Elisabeth I.

Kaperei beziehungsweise Freibeuterei sind die Begriffe für staatliche Piraterie. Vor der Pariser Seerechtsdeklaration von 1856 waren solche Gewaltakte ein Teil der Handelskriege zwischen Seemächten. Dieses Instrument wurde besonders genutzt von:

  • Großbritannien
  • Frankreich
  • Hansestädte
  • USA

Die Beute von Kaperfahrten sowie der Wert der eroberten Schiffe, die Prise, wurden dabei anteilig an die Seefahrer sowie an den verantwortlichen Staat verteilt. Damit diese Art der Piraterie nicht geahndet wurde, stellten die Staaten sogenannte Kaperbriefe aus.

Im Gegensatz zu Piraten waren Freibeuter mit Kaperbriefen in ihren Heimatländern dann nicht mehr der Strafverfolgung ausgesetzt. Dennoch waren die Ziele vergleichbar. Meist wurden feindliche Handelsschiffe oder auch Handelsstützpunkte attackiert.

Zu Lebzeiten von Sir Francis Drake hatte das Ausstellen von Kaperbriefen bereits eine lange Tradition in England. Der älteste bekannte Letter of marque and reprisal stammt aus dem Jahr 1354 und wurde von König Edward III. ausgestellt.

Die Königin konnte sich aus Gründen der internationalen Politik lange Zeit nicht offen zu der Kaperei von Francis Drake bekennen. Entsprechend ist nicht vollständig überliefert, über welche Kaperbriefe der Pirat tatsächlich verfügte. Die stillschweigende Zustimmung sowie die Beteiligung der englischen Königin an der Beute gelten jedoch als zweifelsfrei belegt.

Erste Kaperfahrten in die Karibik

Die erste eigenverantwortliche Kaperfahrt von Francis Drake begann im Frühjahr 1570. Die Fahrt verlief ereignislos und wurde im nachhinein als Aufklärungsmission deklariert.

Im Herbst 1570 startete Francis Drake jedoch seine erste Kaperfahrt, die zu großen Erfolgen führte. Hierfür stand ihm nur das kleine Schiff „Swan“ mit einer Verdrängung von 25 Tonnen zur Verfügung.

  • Am 21. Februar 1571 eroberte Francis Drake eine spanische Frigata. Bei diesem Schiffstyp handelte es sich um einen kleinen Küstensegler mit zwei Masten. Bei dem Überfall wurden mehrere Spanier getötet. Außerdem hinterließ der englische Freibeuter eine diplomatische Note. In dem Schreiben bezeichnete er sich als wohlgesinnten Engländer, der auf Provokationen wie der Teufel reagieren werde.
  • Das nächste Ziel war Venta Cruces. Das war ein Knotenpunkt für den Transport von spanischem Silber und Gold aus Süd-Amerika nach Europa. Dort plünderte er auch etwa ein Dutzend kleiner Schiffe, die vor Anker lagen.
  • Am 8. Mai 1571 kaperte Francis Drake ein spanisches Depeschenbot und machte erneut Beute. Außerdem fiel den Protestanten ein katholischer Mönch in die Hände. Dieser wurde zum Spaß nackt ausgezogen und von den englischen Seeleuten verhöhnt. In der Regel wurden Gefangene von Francis Drake jedoch relativ gut behandelt und später freigelassen. Dies sollte sich auch herumsprechen, damit man sich ihm kampflos ergab.
  • Ende Mai konnten dann noch weitere Schiffe gekapert werden. König Phillip II. von Spanien wurde nun erstmals über die Probleme in der Karibik informiert. Die Spanier nannten den englischen Freibeuter fortan El Draque.

Nach der offiziellen Liste war die Beute der ersten großen Kaperfahrt insgesamt etwa 66.000 englische Pfund wert. Für das Jahr 1572 organisierte Francis Drake seine zweite große Kaperfahrt.

Neben der Swan mit 25 Tonnen stand ihm jetzt auch die „Pasco“ mit 70 Tonnen zur Verfügung. Insgesamt brachen 73 Personen zu dieser Fahrt auf. Darunter fanden sich auch zwei Brüder von Francis Drake – John und Joseph.

  • In der Karibik traf Francis Drake auf den englischen Kapitän James Raunse. Sie schlossen sich zusammen und überfielen mit ihren etwa 100 Mann die Küstenstadt Nombre de Dios im heutigen Panama. Die Stadt war ebenfalls ein Knotenpunkt für den Transport von spanischen Edelmetallen aus der neuen Welt. Die Engländer erbeuteten bei diesem Überfall am 29. Juli 1572 einen großen Silberschatz. Francis Drake erlitt dabei aber auch eine Schussverletzung am Bein.
  • Doch nur etwa zwei Wochen später überfiel der englische Freibeuter die Stadt Cartagena im heutigen Kolumbien. Francis Drake erbeute dabei zwei Schiffe und übernahm diese auch für seine Zwecke. Die kleine Swan wurde absichtlich versenkt, so dass er nun drei Schiffe unter seinem Befehl hatte.
  • Die folgenden Monate verbrachte Francis Drake mit einer Blockade des Hafens von Cartagena. Dabei konnten erneut Silber und Gold erbeutet werden. Doch ein Ausbruch des tödlichen Gelbfiebers in seiner Mannschaft zwang ihn zum Abbruch der Operation. Die Seuche wird durch Stechmücken übertragen. Am Ende starben fast 40 % seiner Leute durch die Erkrankung. Eines der Opfer war sein Bruder Joseph.
  • Doch vor Cartagena konnte Francis Drake ein wichtiges Bündnis schmieden. Dies trug entscheidend zu seinem Ruf als Gentleman-Pirat bei. Er verbündete sich mit den entlaufenen Sklaven der Spanier, den Cimarrones. Dabei handelte es sich um Schwarz-Afrikaner, die ihn in der Folge immer wieder sehr unterstützten. Überhaupt zeichnete sich Francis Drake durch seinen respektvollen Auftritt gegenüber farbigen und indigenen Menschen aus.
  • Francis Drake ging mit seinen Leuten in Panama an Land, um eine Karawane der Spanier zu überfallen. Die Cimarrones unterstützen ihn und kümmerten sich beispielsweise um die Aufklärung. Doch der Coup scheiterte. Ein betrunkener Seemann verriet aus Versehen den Hinterhalt der englischen Freibeuter. So konnten sie nur einige Lamas erbeuten und kehrten daraufhin zu den Schiffen zurück.
  • Die Mannschaft von Francis Drake bestand zu diesem Zeitpunkt nur noch aus 31 Mann. Doch im März 1573 trafen sie auf französische Freibeuter unter dem Befehl von Kapitän Guillaume Le Testu. Sie verbündeten sich und planten erneut einen Überfall auf eine Karawane, dieses mal nördlich von Nombre de Dios. Außerdem wurden sie erneut von Cimarrones unterstützt. Der dann folgende Überfall war so ein Erfolg, dass nur die Gold-Schätze abtransportiert werden konnten. 15 Tonnen erbeutetes Silber vergrub man vor Ort.
  • Doch bei der Rückkehr vom erfolgreichen Überfall auf die Karawane waren die englischen Schiffe verschwunden. Stattdessen stand ein Begrüßungskomittee von sieben spanischen Schaluppen mit Marine-Infanterie bereit.
  • Doch die Engländer konnten unbemerkt ihre etwa drei Meilen entfernten Schiffen wieder entdecken und einnehmen. Dabei nutzten sie ein selbst gebautes Floss, dass nach den Worten von Francis Drake „eine sehr abenteuerliche Konstruktion“ war.

So gelang ihm dennoch die erfolgreiche Rückkehr. Am 9. August 1573 kehrte Francis Drake nach über einem Jahr von dieser Kaperfahrt zurück. Er wurde mit großer Freude und als Volksheld empfangen.

Es soll sogar ein Gottesdienst unterbrochen worden sein, damit die Leute seine Ankunft bestauen konnten. Auch Königin Elisabeth I. war über ihren Anteil begeistert, der den Staatshaushalt spürbar aufbesserte.

Aus diplomatischen Gründen sollte er sich jedoch eher bedeckt halten. Der spanische König setzte derweil ein Kopfgeld auf den Freibeuter aus. Umgerechnet handelte es sich dabei um einen Betrag von etwa sieben Millionen Euro. Erst ab 1575 trat Francis Drake bei einer Unternehmung in Irland wieder in Erscheinung.

Golden Hind – ein neuer Prototyp

Am 13. Dezember 1577 brach Francis Drake mit einer Flotte von fünf Schiffen erneut auf. Sein Flagschiff war eine Galeone und hieß ursprünglich Pelican. Später wurde sie in Golden Hind, die „Goldene Hirschkuh“, umbenannt:

  • Verdrängung: 300 Tonnen
  • Besatzung: etwa 80 Mann
  • Länge: 37 Meter
  • Breite: 5,5 Meter
  • Geschwindigkeit: bis zu 8 Knoten

Die Golden Hind war zunächst noch ein Prototyp, doch solche Galeonen entwickelten sich schnell zum gängigen Kriegsschiff der Engländer. Die niedrigen Aufbauten erlaubten eine höhere Geschwindigkeit. Damit senkte sich auch der Schwerpunkt des Gefährts. Dies brachte viel Stabilität für das Segeln. Große Kanonen-Decks wie auf der Victory von Horatio Nelson waren jedoch noch nicht verbreitet.

Foto des Replikats der Golden Hint von Sir Francis Drake in Brixham (UK).
Replikat der Golden Hind von Sir Francis Drake (pixabay)

Das ursprüngliche Ziel der Reise lässt sich nicht eindeutig belegen. Letztlich sollte Francis Drake mit der Golden Hind jedoch die erste englische Weltumsegelung gelingen. Den Finanziers von der Börse in London brachte die Investition einen Gewinn von 4.700 %.

Francis Drake steuert seinen Verband zunächst über die Kapverdischen Inseln in Richtung des heutigen Staates Brasilien. Von dort aus ging es weiter nach Süden. An der Ost-Küste von Süd-Amerika mussten zwei Schiffe jedoch bereits aufgegeben werden.

Im September 1578 durchquerte Francis Drake die Magellanstraße an der südlichen Spitze des amerikanischen Kontinents. Dort gerieten sie in einen schweren Sturm. Dabei ging ein weiteres Schiff verloren und der Kontakt zwischen der Golden Hind und dem letzten verbliebenen anderen Schiff riss ab. Dieses kehrte daraufhin in die Heimat zurück.

Doch Francis Drake stieß mit der Golden Hind nun entlang der süd-amerikanischen West-Küste nach Norden vor. Dabei plünderte er zahlreiche spanische Schiffe und Siedlungen, die in dieser Weltregion eigentlich mit keinem Angriff rechneten. Besonders spektakulär war sein Eindringen in den Hafen von Lima, wo 30 Schiffe vor Anker lagen.

Kaperung der Cacafuego

Doch die richtig fette Beute schlummerte bereits im Bauch des spanischen Transporters Cacafuego, der „Feuerscheißer“. Francis Drake gelang vor Panama ein Abfangmanöver. Hierfür näherte er sich dem Schiff von hinten an und verlangsamte dann seine eigene Fahrt mit Eimern an Seilen, die er am Heck der Golden Hind ins Wasser ließ.

Auf diese Art „schlich“ er sich an die Cacafuego an. Das Fernrohr war zu dieser Zeit noch nicht erfunden, so dass die Spanier ihn aus der Distanz nicht als englischen Freibeuter identifizieren konnten.

In der folgenden Nacht ließ Francis Drake die Golden Hind dann schnell zur Cacafuego aufholen und dann entern. So konnte er diese schwimmende Schatztruhe sogar ohne Gegenwehr kapern. Das Verladen der Beute aus der Cacafuego auf die Golden Hind dauerte drei Tage lang.

Weltumsegelung von Francis Drake

Nach der Kaperung der Cacafuego vor Panama stand Francis Drake vor einer kritischen Entscheidung. Eine Rückreise entlang der südlichen Spitze des amerikanischen Kontinents kam für ihn nicht in Frage. Er rechnete nämlich mit einer Übermacht an feindlichen Schiffen auf diesem Weg.

Deshalb machte sich Francis Drake an Bord der Golden Hind zunächst auf die Suche nach der Nordwestpassage. Das ist ein langer Seeweg durch den kanadisch-arktischen Archipel. Auf dem Weg landete er unweit des heutigen San Francisco und hatte dort Kontakt zu freundlich gesinnten Indianern.

Die Fahrt nach Norden brach er jedoch schließlich ab. Stattdessen fuhr Francis Drake quer über den Pazifik bis nach Indonesien. Dort konnte er auf den Molukken einen Handelsvertrag mit dem Sultan von Ternate schließen.

Auf der Weiterfahrt kam es fast zur Katastrophe. Die Golden Hind lief vor einer kleinen Insel auf ein Riff. Sie mussten einige Kanonen und einen Teil der Beute über Bord werfen, um loszukommen. Doch Francis Drake hatte zum Glück in weiser Voraussicht bei der Konstruktion der Golden Hind für Zwischenfälle vorgeplant.

Das Schiff hatte eine doppelte Beplankung. Es konnte auf Strände gezogen und dort repariert werden. Auf der indonesischen Insel Java wurden die notwendigen Arbeiten durchgeführt. Außerdem nahmen sie dort auch frischen Proviant auf.

Von Java aus stach der englische Freibeuter zu einer Etappe von fast 25.000 Kilometer auf. Ohne Unterbrechung fuhr er über den indischen Ozean. Am 15. Juni 1580 umrundete Francis Drake das Kap der Guten Hoffnung an der südlichen Spitze von Afrika. Fünf Wochen später erreichten sie Sierra Leone.

Am 26. September 1580 lief die Golden Hind dann in Plymouth ein. Die Fahrt hatte 1.018 Tage gedauert und war die erste Weltumsegelung der Engländer. Darüber hinaus war Francis Drake der erste Kommandeur überhaupt, der eine solche Fahrt überlebt hatte.

Ritterschlag in Deptford

Im Frühjahr 1581 lag die Golden Hind in Deptford. Das ist ein Stadtteil des Londoner Bezirks Lewisham am südlichen Themse-Ufer. Dort gab sich Königin Elisabeth I. von England am 4. April persönlich die Ehre und erschien zu einem Lunch auf dem Schiff.

Nach dem gemeinsamen Essen kniete der Freibeuter vor seiner Monarchin. Sie nahm das Schwert und flüsterte: „Francis Drake, Ihr seid ein Schurke, und um meiner Ehre willen muss ich mich von Euch lossagen.“

Daraufhin wandte sich die englische Königin an den anwesenden Gesandten Frankreichs und sprach zu ihm: „Ich bin überzeugt, dass Monsieur den Ritterschlag mit Freuden für mich ausführen wird.“

Daraufhin wurde Francis Drake vom französischen Gesandten zum Ritter geschlagen. Dieses Theater war ein politisches Manöver, um Spanien nicht allzu offen zu provozieren. Doch der Freibeuter wurde für seine Verdienste um die englische Krone geehrt und in den Adelsstand erhoben.

Eskalation zwischen England und Spanien

Trotz der englischen Freibeuterei hatte sich das Verhältnis zu Spanien bis 1585 spürbar verbessert. In diesem Jahr gab es dann eine Missernte auf der iberischen Halbinsel und Philipp II. bat daraufhin die Engländer um Hilfe.

Elisabeth I. von England reagierte positiv auf seine Anfrage. Sie beorderte die Handelsflotte der Stadt London mit Lebensmitteln nach Spanien. Doch bei der Ankunft beschlagnahmten spanische Soldaten die Fracht.

Die Königin war außer sich, als sie von diesem Verrat erfuhr. Das Verhältnis der Großmächte eskalierte und es kam zum offenen Krieg.

Erneute Kaperfahrt in die Karibik

Am 1. Juli 1585 erhielt Sir Francis Drake die Erlaubnis, spanische Schiffe und Städte zu plündern. Er erhielt darüber hinaus 25 Kriegsschiffe sowie weitere acht Beiboote und brach mit dieser Flotte in die Karibik auf.

Zunächst griffen sie Santo Domingo an. Erneut profitierte Sir Francis Drake von seinem guten Verhältnis zu den entflohenen Sklaven in der Karibik, die ihn wieder unterstützten.

Das nächste Ziel war wiederum Cartagena im heutigen Kolumbien. Dort kam es zu schweren Kämpfen in deren Folge knapp 30 Engländer sowie neun Spanier, einige Sklaven und Hilfstruppen getötet wurden.

Ein geplanter Angriff auf Panama konnte jedoch aufgrund der Verluste und der Ausfälle durch Krankheit nicht mehr erfolgen. Dafür plünderte Sir Francis Drake St. Augustine an der Ost-Küste von Florida.

Die Beute dieser Kaperfahrt fiel jedoch sehr gering aus. Sir Francis Drake und seine Investoren mussten einen finanziellen Verlust von 25 % hinnehmen. Doch bezogen auf den Konflikt der Großmächte war die Fahrt ein wichtiger Erfolg.

Sir Francis Drake hatte den spanischen Geldfluss massiv gestört. Einige Banken gerieten sogar in die Zahlungsunfähigkeit. Aber vor allem weigerten sich andere Fürsten in der Folge, Kredite an Spanien zu vergeben. Philipp II. stand deshalb vor einem großem Problem im Bereich der Liquidität.

Weitere Bekämpfung Spaniens

Im Jahr 1587 zog der spanische König eine Invasionsflotte im Hafen von Cadiz zusammen. Doch der englische Geheimdienst unter Sir Francis Walsingham erkannte die Bedrohung bereits sehr früh.

Bereits Anfang April 1587 verließ Sir Francis Drake mit 23 Schiffen den Hafen von Plymouth. Damit sollte er die erwartete Invasion für den Sommer diesen Jahres verhindern.

  • Am 19. April segelten sie dann direkt in den Hafen von Cadiz und zerstörten dort je nach Angabe zwischen 24 und 37 spanische Schiffe.
  • Anschließend versuchten die Engländer bei der Stadt Lagos in Portugal zu landen. Sie scheiterten jedoch am heftigen Widerstand der Verteidiger.
  • In der Folge gelang jedoch die Eroberung der Burg von Sarges am süd-westlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Die Engländer errichten auf dieser Halbinsel ein befestigtes Lager. Sie kreuzten daraufhin drei Wochen vor der Küste und kaperten Handelsschiffe.
  • Vor den Azoren fingen sie ein mächtiges Handelsschiff mit einer Verdrängung von 1.400 Tonnen ab. Das Schiff kam aus dem heutigen Malaysia und es wurden Waren im Wert von 115.000 Pfund erbeutet.

Der Versuch einer Invasion der britischen Inseln im Jahr 1587 konnte damit abgewendet werden. Darüber hinaus waren die Spanier und vor allem ihr König vorgeführt worden. Selbst der Papst bewunderte die Taten des englischen Freibeuters. Sir Francis Drake selbst schrieb später:

„Ich habe den Bart des spanischen Königs versengt!“

Spanische Armada und ihre Vernichtung

Im Jahr 1588 wollte Philipp II. von Spanien nun endlich einen vernichtenden Schlag gegen England führen. Eine mächtige Kriegsflotte, die Armada, konnte unter dem Befehl eines Herzogs in See stechen.

Doch die Flotten der Engländer und Spanier unterschieden sich sehr voneinander:

  • Die Schiffe der Spanier waren größer und konnten mehr Personen aufnehmen. Dafür waren die englischen Kriegsschiffe wendiger und schneller. Außerdem waren die neuen Schiffe der Engländer so konstruiert, dass alle Geschütze auf einer Seite gleichzeitig abgefeuert werden konnten. Sie hatten die Breitseite erfunden.
  • Die Offiziere der Spanier stammten aus dem hohen Adel. Die meisten englischen Kommandanten waren jedoch erprobte Kapitäne und Freibeuter, die nur dank ihrer Fähigkeiten eine Karriere gemacht hatten.
  • Die Kanonen der Spanier waren aus Eisen, hatten einen kurzen Lauf und waren für schwere Geschosse ausgelegt. Außerdem handelte es sich jeweils um Einzelstücke, was die Versorgung mit Munition schwieriger machte. Die Engländer hatten dagegen einheitliche Kanonen aus Bronze mit einem langen Lauf. Die Projektile waren zwar weniger durchschlagskräftig, hatten dafür aber mehr Präzision und eine höhere Reichweite.

Für die englischen Kriegsschiffe war es deshalb wichtig, dass sie sich nicht auf schwere Gefechte auf kurze Distanz einließen. Vielmehr nutzten die erfahrenen Kapitäne ihre nautische Überlegenheit. Die spanische Armada wurde so aus sicherer Entfernung beschossen.

Statt einer schnellen Entscheidungsschlacht kam es deshalb zu einem Kampf auf Distanz, der sich zunächst über zehn Tage im Ärmelkanal hinzog. Dabei erlitten die Spanier bereits solche Verluste, dass eine geplante Invasion von England nicht mehr in Frage kam.

Der wenig talentierte Kommandeur der spanischen Armada gab daraufhin einen fatalen Befehl. Die ganze Flotte sollte um die britischen Insel herum flüchten und dann in einem großen Bogen zurück nach Spanien segeln.

Doch auf dieser langen Fluchtroute war die spanische Armada nur noch länger dem englischen Feuer ausgesetzt. Letztlich erlitten sie dadurch sogar noch größere Verluste als in den ersten Tagen der Schlacht.

Englische Armada von 1589

Nachdem die spanische Armada besiegt worden war, unterbreitete Sir Francis Drake der Königin eine Idee. Er wollte mit einer englischen Armada nun den Gegenschlag führen.

Tatsächlich wurde nun eine Flotte mit 150 Schiffen aufgestellt, die etwa 18.000 Mann transportieren konnte. Zunächst sollten erneut spanische Schiffe zerstört werden. Anschließend war ein Großangriff auf Lissabon geplant.

Doch Sir Francis Drake hielt sich nicht an den Plan. Er nahm die kleine Stadt A Coruña im Nord-Westen von Spanien ein. Dort plünderten seine Leute ein Weindepot und feierten erstmal eine große Party. Damit war der Überraschungseffekt eines schnellen Angriffs dahin.

Die Flotte setzte die Fußsoldaten daraufhin mehrere Tagesmärsche nördlich von Lissabon ab. Parallel zu deren Angriff sollte die Stadt von der See aus beschossen werden. Doch seine Schiffe trieben aufgrund widriger Winde immer wieder ab.

Das Unternehmen endete in einem Desaster. 12.000 Seeleute und Soldaten starben bei der Aktion. Wohl aus Frust wurde dann auf dem Heimweg noch die kleine Stadt Vigo eingeäschert. Die Königin wandte sich daraufhin von Sir Francis Drake ab.

Letztes Abenteuer in der Karibik

Im Jahr 1595 brach Sir Francis Drake zu einem letzten Angriff auf die Spanier in der Karibik auf. Hierfür hatte er eine große Flotte aufgestellt:

  • 27 Schiffe
  • 1.500 Seeleute
  • 1.000 Soldaten

Die Hauptziele waren San Juan und Panama-Stadt. Die heftige Gegenwehr der Spanier ließ die beiden Angriffe jedoch scheitern.

Ersatzweise wollte Sir Francis Drake von Rio de la Hachas Lösegeld erpressen. Dies scheiterte ebenfalls. Erfolgreich war dann jedoch die Einäscherung von Nombre de Dios.

Am 28. Januar 1596 starb Sir Francis Drake vor Portebelo an der Ruhr. Sein Leichnam wurde in einem Metallsarg auf See bestattet.