Pippin III. der Jüngere

Pippin III. der Jüngere – König der Franken

Pippin III. „der Jüngere“ war ein Sohn von Karl Martell und erblickte im Jahr 714 das Licht der Welt. Nach dem Tod seines mächtigen Vaters folgte er ihm zunächst im Amt als fränkischer Hausmeier.

Pippin III. der Jüngere
Pippin III. der Jüngere auf der Alten Mainbrücke in Würzburg (Foto: Andreas Faessler / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Doch im Jahr 751 wurde Pippin der Jüngere zum ersten König der Franken aus dem Geschlecht der Karolinger erhoben. Mit seiner Person wurde der dynastische Übergang der fränkischen Herrscherlinien nach etwa einem Jahrhundert vollendet.

Die Regierung von Pippin dem Jüngeren bildete damit eine Art Schlussstein der cleveren Machtpolitik seines Adelsgeschlechts, die mit seinen Ahnen Pippin dem Älteren und Arnulf von Metz in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts begonnen hatte.

Deren Enkel Pippin der Mittlere war so in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts zur dominierenden Figur im Machtapparat geworden, dem die Könige aus dem alten Geschlecht der Merowinger faktisch untertan waren.

Dank der Fürsprache der beiden wichtigsten Berater von Pippin dem Jüngeren, der Abt Fulrad von Saint-Denis und der Hl. Burkhard von Würzburg, formulierte schließlich im Jahr 751 der römische Papst den entscheidenden Satz:

„Es ist besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht hat.“

Anschließend kam es erst zur Absetzung des damals formal amtierenden Childerich III. und dann zur Krönung von Pippin dem Jüngeren.

Nach einer erfolgreichen Regierungszeit musste Pippin der Jüngere jedoch wie seine Vorgänger das Frankenreich unter seinen Söhnen Karl, der später „der Große“ genannt wurde, und Karlmann aufteilen. In der Hoffnung, dass die Brüder dann besser kooperieren würden, verschränkte er deren Territorien insbesondere in Aquitanien.

Doch die beiden Söhne von Pippin dem Jüngeren waren sich spinnefeind. Zum Vorteil des Reiches verstarb Karlmann jedoch im Jahr 771. Dies führte nach der Teilung zu einer erneuten Vereinigung und die Ära von Karl dem Großen begann.

Herrschaft von Pippin dem Jüngeren

Reichsteilungen von Karl Martell (ab 741)

Im März 741 teilte Karl Martell das Reich der Franken zwischen seinen beiden Söhnen aus erster Ehe mit Chrodtrud auf. Zu den genauen Umständen gibt es jedoch widersprüchliche Quellen. Dieser Plan sah wohl folgende Teilung vor:

  • Karlmann sollte Austrien, Alemannien und Thüringen erhalten.
  • Pippin sollte über Neustrien, Burgund und die Provence regieren.

Kurz vor seinem Tod änderte der mächtige Hausmeier der Franken jedoch noch kurzfristig sein Testament zu Gunsten von Grifo, einem Sohn aus seiner zweiten Ehe mit Swanahild.

Expansion Frankenreich Karte
Expansion des fränkischen Reiches von 486 bis zum Tod von Karl dem Großen im Jahr 814. (Urheber: Sémhur / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Doch Karlmann dachte nicht daran, den letzten Wunsch von Karl Martell zu respektieren und fackelte auch nicht lange. Kurz nach dem Tod seines Vaters am 22. Oktober 741 ließ er seine Stiefmutter Swanahild und den Halbbruder Grifo ergreifen. Beide wurden anschließend in verschiedenen Klöstern festgehalten.

Karlmann und Pippin der Jüngere teilten nach den Annales regni Francorum erst 742 die Gebiete ihres Vaters endgültig untereinander auf. Zwischen den Beiden gab es jedoch kein weiteres Einvernehmen oder eine darüber hinaus gehende Kooperation.

Erst etwa zehn Jahre später wurde Grifo wieder freigelassen. Von Pippin dem Jüngeren erhielt er dann sogar eine Grafschaft geschenkt. Doch der Halbbruder versuchte anschließend eine Rebellion zu entfesseln und wurde in einem Gefecht getötet.

Herrschaftspraxis in den Anfangsjahren

In den beiden fränkischen Teilreichen etablierte sich ab 742 eine unterschiedliche Herrschaftspraxis. Da Karlmann die Infragestellung seiner Macht als Hausmeier befürchtete, erhob er ein Jahr später einen letzten Merowinger als Marionette zum König. Damit wollte er die Legitimität seiner Regierung stärken.

Childerich III.
„Der letzte Merowinger“ (Maler: Évariste Vital Luminais / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Die Ernennung von diesem Childerich III. sollte vor allem einen symbolischen Gegenpol zu den Machtansprüchen des Herzogs von Bayern bilden. Die Marionette spielte jedoch keine inhaltliche Rolle.

Childerich III. wurde erst sehr viel später für seine extrem demütigende Absetzung bekannt. Man schnitt ihm die langen Haare ab, was in Anknüpfung an spätantike Traditionen als Verlust der Männlichkeit galt.

Pippin der Jüngere verzichtete hingegen auf die Inthronisation einer solchen Marionette in seinen Gebieten. Stattdessen setzte er von Anfang an auf seine persönliche Autorität.

Den Alemannen nahm Pippin der Jüngere die Herzogswürde. Auch mit den widerspenstigen Bayern sprang er nicht zimperlich um, sondern setzte den damals noch unmündigen Tassilo III. ein, der später als Hl. Tassilo bekannt wurde.

Rückzug von Karlmann (747)

Im Jahr 747 zog sich Karlmann vom Amt des Hausmeiers in seinen Gebieten zurück. Er begab sich erst in die Klöster von Monte Soratte und dann nach Monte Cassino.

In den zeitgenössischen Quellen ließ Pippin der Jüngere sehr explizit betonen, dass sein ungeliebter Bruder Karlmann freiwillig auf die Macht verzichtete. Doch anders lautende Gerüchte soll es zumindest gegeben haben.

Pippin der Jüngere sorgte anschließend vor allem auch dafür, dass die Söhne von Karlmann ebenfalls in Klöstern verschwanden. Das hatte den sehr praktischen Vorteil, dass er unter Umgehung des Erbrechts nun das gesamte Reich wieder unter seiner Führung vereinen konnte.

Pippin III. – Rex Francorum (751)

Das Frankenreich stand ab 747 unter der alleinigen Kontrolle von Pippin dem Jüngeren. Formal verfügte jedoch noch der machtpolitisch bedeutungslose Childerich III. über die Königswürde über Teile der Territorien.

Pippin der Jüngere spielte daraufhin seine nächste Trumpfkarte aus. Er brachte mit Hilfe von vertrauten Ratgebern aus dem Klerus den römischen Papst ins Spiel.

Die beiden Bischöfe Fulrad von Saint-Denis und Burkhard von Würzburg wurden in Rom bei Papst Zacharias vorstellig. Sie formulierten die einfache Frage, ob es gut sei oder nicht, einen machtlosen König im Reich der Franken zu haben. Der Pontifex gab wohl in Erwartung der später folgenden Gegenleistung die erhoffte Antwort:

„Es ist besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht hat.“

Im November 751 wurde dann zunächst Childerich III. auf einer Versammlung von Adeligen des Reiches in Soissons abgesetzt. Der gestürzte Monarch wurde samt Nachwuchs ins Kloster Prüm verbannt.

Anschließend ließ sich Pippin der Jüngere als „Rex Francorum“ ausrufen. Damit war die Phase des dynastischen Übergangs hinzu der karolingischen Linie nach einem Jahrhundert vollendet.

Pippinische Schenkung (756)

Im Jahr 754 kam Papst Stephan II. in das Reich der Franken und bat um Hilfe gegen die Langobarden in Italien. Pippin der Jüngere nutzte die günstige Gelegenheit, um sich erstmal zusammen mit seinen Söhnen Karlmann und Karl in der Basilika Saint-Denis salben zu lassen.

Pippinische Schenkung Kirchenstaat Karte
Karte des Kirchenstaates vor und nach der Schenkung durch Pippin den Jüngeren (Urheber: Maksim / Lizenz: CC-BY-SA 4.0)

Im Gegenzug garantierte er in der Urkunde von Quierzy dem Papst ein Dukat über Rom. Außerdem versprach Pippin der Jüngere in diesem Zug dem Kirchenstaat den Verwaltungsbezirk Ravenna, die Regionen Tuszien, Venetien und Istrien sowie die Herzogtümer Spoleto und Benevento.

Im Mai 755 führte Pippin der Jüngere eine Heerschau seiner Panzerreiter durch. Anschließend zog er nach Italien, um Pavia von der Belagerung durch die Langobarden unter Aistulf zu befreien. Dieser beugte sich zunächst dem Druck und machte Zugeständnisse.

Als Pippin der Jüngere in sein Reich zurückkehrte, belagerte Aistulf jedoch umgehend den Papst in Rom. Daraufhin zog der fränkische König erneut nach Italien. Er unterwarf die Langobarden und erzwang die Abtretung der Gebiete um Ravenna.

Diese erhielt der Kirchenstaat, was bis heute als Pippinische Schenkung bekannt ist. Die ursprünglichen Versprechungen von 754 waren jedoch sehr viel weitreichender und wurden in der Form nicht eingehalten.

Weitere Feldzüge von Pippin III.

Während der Herrschaft von Pippin dem Jüngeren gab es neben den Aktionen in Italien weitere Feldzüge. Bereits 753 hatte es eine Kampagne gegen die Sachsen gegeben.

Im Jahr 757 gab es einen weiteren erfolgreichen Feldzug gegen den damals noch heidnischen Stamm östlich des Reiches. Doch erst unter Karl dem Großen gelang die endgültige Unterwerfung und Eingliederung der sächsischen Gebiete.

Außerdem führte Pippin der Jüngere auch Kriege im Süden von Frankreich. Er nahm Narbonnes an der Mittelmeerküste ein und trieb die Sarazenen über die Pyrenäen zurück auf die iberische Halbinsel.

Zwischen 760 und 768 zog Pippin der Jüngere mehrfach gegen den anfangs praktisch unabhängigen Herzog von Aquitanien ins Feld. Die Probleme waren damit jedoch nicht aus der Welt. Seine Söhne mussten sich einem erneuten Aufstand in diesem reichen und wertvollen Herzogtum stellen.

Tod und erneute Reichsteilung

Pippin der Jüngere war seit 741 mit Bertrada der Jüngeren verheiratet. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, von den jedoch nur zwei Söhne für eine Erbfolge in Frage kamen. Unter diesen beiden teilte der erste König aus dem Geschlecht der Karolinger sein Reich auf:

  • Karlmann erhielt den südlichen Teil des Reiches in Form einer Hälfte von Aquitanien sowie von Alemannien und Burgund.
  • Karl bekam hingegen die andere Hälfte von Aquitanien und die nördlichen Territorien.
Pippin der Jüngere Grabmal
Grabmal von Pippin dem Jüngeren und seiner Frau Bertrada in der Kathedrale von Saint-Denis (Foto: Axel Brocke / Lizenz: CC-BY-SA 3.0)

Nach seinem Tod am 24. September 768 bestattete man Pippin den Jüngeren in Saint-Denis. Das Grab wurde jedoch tausend Jahre später während der Französischen Revolution im August 1793 geschändet. Seine Gebeine wurde anschließend in einem Massengrab außerhalb der Kirche begraben.

Nach der bourbonischen Restauration ab 1815 wurden die Königsgräber jedoch wiederhergestellt. Seitdem haben auch Pippin der Jüngere und seine Frau Bertrada wieder ein prächtiges Grabmal in der heutigen Kathedrale von Saint-Denis nördlich von Paris.

Im 19. Jahrhundert wurde Pippin der Jüngere darüber hinaus in die Walhalla bei Regensburg aufgenommen. Die Gedenktafel Nummer 19 erinnert dort an seine Leistungen als König der Franken.