Niccolo Machiavelli

Niccolo Machiavelli – Politik und Theorie

Niccolo Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz geboren und stieg im öffentlichen Dienst seiner republikanischen Heimatstadt bis in den Rat der Zehn auf. Er war ein Politiker an der Schwelle zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit.

Statue von Niccolo Machiavelli in Florenz
Niccolo Machiavelli (pixabay)

Im Dienste seiner Heimatstadt war Niccolo Machiavelli lange Zeit für die äußeren Beziehungen und das Militärwesen zuständig. Darüber hinaus war er in zahlreichen diplomatischen Missionen unterwegs. Im Zuge eines Machtwechsels wurde er jedoch im Jahr 1512 entmachtet und aus Florenz verbannt.

Sein Exil verbrachte Niccolo Machiavelli in Armut auf einem kleinen Landgut außerhalb von Florenz. In der Verbannung schrieb er Der Fürst, ein Handbuch für politisches Handeln als eine Art Bewerbungsschreiben für die Rückkehr in den politischen Dienst. Doch der Text erreichte wohl nicht einmal den Adressaten.

Der neue starke Mann war Lorenzo de Medici. Dessen Clan hatte Niccolo Machiavelli vertrieben. Sie stellten während seiner theoretischen Schaffensphase mit Papst Leo X. auch ein Oberhaupt der römischen Kirche.

„Da Gott uns das Papsttum verliehen hat, so lasst es uns denn genießen.“

Niccolo Machiavelli blieb in der Verbannung und verfasste sein Hauptwerk, die Discorsi. Darin nahm er die Verfassungstheorie des Titus Livius aus der Antike auf und verarbeitete das Modell der Mischverfassungen. So schuf er ein neuzeitliches Grundlagenwerk für politische Theorien. Deshalb nennt man ihn auch den Vater der Politikwissenschaft.

Für die Nachwelt wurde Niccolo Machiavelli zum wichtigsten politischen Philosophen seiner Zeit. Bis zu seinem Tod am 21. Juni 1527 schrieb er darüber hinaus noch ein Buch über das Militärwesen – Die Kunst des Krieges.

Darüber hinaus verfasste Machiavelli im Exil auch Theaterstücke: drei Komödien und sechs Dramen.

Machiavelli als Politiker

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts führte die Dekadenz der Kirche und der weltlichen Oberschicht zu immer stärkeren gesellschaftlichen Spannungen. Bereits 20 Jahre vor der Reformation gab es revolutionäre Prediger und Aufstände.

In Florenz, der Heimatstadt von Niccolo Machiavelli, hatte der anarchistische Mönch Girolamo Savonarola die Bevölkerung aufgehetzt. Der hohe Klerus, der Adel und vor allem der mächtige Medici-Clan wurden vertrieben.

Von 1494 bis 1498 beherrschte der Prediger dann faktisch die Stadt. Die Geschichte fand erst ihr Ende, als man Savonarola wegen Häresie auf dem Scheiterhaufen verbrannte.

Staatssekretär

Nach dem Tod von Girolamo Savonarola kam es zu politischen Säuberungen in der Stadt. Unter anderem wurde ein Posten als Staatssekretär der Republik Florenz frei. Auf dieses Amt konnte sich Niccolo Machiavelli erfolgreich bewerben.

Diese Ernennung war zunächst überraschend. Niccolo Machiavelli hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine nachweisbare Karriere gemacht. Aber er profitierte wohl von seiner politischen Neutralität während der Zeit von Girolamo Savonarola.

Als Niccolo Machiavelli aktiver Politiker wurde, regierte der Rat der Zehn die Republik Florenz. Er selbst arbeitete zunächst in einer nachgeordneten Kanzlei, die mit der Außen- und Sicherheitspolitik betraut war.

Diplomat

Dank seines rhetorischen Geschickes wurde Niccolo Machiavelli schon bald auf diplomatische Missionen geschickt. Bereits im Jahr 1500 entsandte man ihn an den französischen Hof.

Doch König Ludwig XII. hinterließ keinen guten Eindruck. Niccolo Machiavelli riet von einer Kooperation mit dem Monarchen ganz deutlich ab. Aber im Jahr 1501 begab er sich erneut auf eine neue Mission.

„Die beste Methode, um Informationen zu bekommen, ist die, selbst welche zu geben.“

Diese ließ ihn erstmals auf Cesare Borgia treffen. Dieser war ein Spross einer mächtigen spanischen Familie, die ebenfalls einen Papst stellen konnte. Die Begegnung sollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Cesare Borgia wurde das wichtigste Vorbild für den Fürsten.

Die Borgias stellten in diesen Tagen mit Papst Alexander VI. auch das amtierende Oberhaupt der Kirche. Als dieser verstarb, wurde Niccolo Machiavelli im Jahr 1503 zur Papstwahl nach Rom geschickt. Dort führte er im Namen der Republik Florenz Verhandlungen mit allen großen Akteuren seiner Zeit.

Spätere Aufträge sollten ihn auch noch an den deutschen Kaiserhof führen. Dort hatte er Kontakt mit Maximilian I. und berichtete über die politischen Zustände in Deutschland wenige Jahre vor der Reformation und Martin Luther.

Militärreformer

In diesen Jahren hatte Florenz mit zahlreichen aufständischen Städten wie Pisa zu kämpfen. Dabei sammelte Niccolo Machiavelli viele negative Erfahrungen mit dem Söldnerwesen seiner Zeit. Darüber hinaus fürchtete er die Entkoppelung einer Armee von der Bevölkerung.

„Eine Veränderung bewirkt immer eine weitere Veränderung.“

Deswegen führte Niccolo Machiavelli ab dem Jahr 1506 eine Militärreform in Florenz durch. Damit wollte er eine loyale Bürgermiliz formen, die nach dem Vorbild der alten römischen Legion organisiert war. In diesem Zuge entstand auch eine neue Magistratur, dessen Führung von ihm übernommen wurde.

Niccolo Machiavelli war damit eine Art Verteidigungsminister der Republik Florenz. Seine Aufgaben waren die Aufstellung, Ausbildung und Versorgung der Truppen sowie die Kriegsführung.

Der Bürgermiliz gelang im Jahr 1509 tatsächlich ein großer Sieg gegen Pisa. Dies war zugleich auch einer der größten politischen Erfolge von Niccolo Machiavelli. Wenige Jahre später würde sich die Republik Florenz jedoch als viel zu schwach erweisen, um eine Rückkehr der de Medici zu verhindern.

Theoretische Werke von Machiavelli

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Der Staat nach Machiavelli

Niccolo Machiavelli sah es als zentrales Problem an, dass Erfolge oft bewundert aber selten nachgeahmt werden. Darüber hinaus war er, ähnlich wie Polybios, ein Zeuge großer Umbrüche.

Diese beiden Philosophen konnten die antike Vorstellung und den Schrecken vom Zerfall der politischen Systeme hautnah erleben.

„Nichtsdestoweniger greift […] kein Fürst oder Freistaat, kein Feldherr oder Bürger auf die Beispiele der Alten zurück.“

In den Werken von Niccolo Machiavelli geht es vor allem darum, politische Best Practices zu entwickeln. Diese sollen vermeidbaren Fehler vorbeugen und das Leid der Menschen lindern.

„[…] und darum habe ich es für nötig gehalten, über alle Bücher des Titus Livius […] das niederzuschreiben, was ich auf Grund alter und neuer Begebnisse zu ihrem besseren Verständnis beizutragen vermag, damit die Leser dieser Betrachtungen den Nutzen daraus ziehen können […].“

In Bezug auf den Staat wird dabei von Niccolo Machiavelli zunächst zwischen der inneren Verfassung und den äußeren Beziehungen unterschieden. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit den ur-typischen Herrschaftsformen. Diese neigen jedoch zum inneren Zerfall:

Deshalb müssen austarierte Mischsysteme entwickelt werden. Diese sollen wiederum die Handlungs- und Lebensfähigkeit eines Staates erhöhen. Darüber hinaus entwickelte Niccolo Machiavelli eine klare Vorstellung von der persönlichen Verantwortung insbesondere von einzelnen Führungsfiguren.

Il Principe – Der Fürst

Im Fürsten baute Niccolo Machiavelli den virtuBegriff auf. Dieser steht für Tugend beziehungsweise Tüchtigkeit und zielt auf das persönliche Vermögen eines Fürsten, politische Situationen aktiv zu gestalten.

In den philosophischen Diskussionen der Schriften von Niccolo Machiavelli wird dem virtu-Begriff eine hohe Aufmerksamkeit zu teil. Plausibler ist jedoch, dass der Florentiner lediglich aus Opportunität gegenüber den de Medici die virtu so lobte.

Da er selbst jedoch vor allem Staatsformen und abstrakte Situationen behandelt, dürften individuelle Charaktereigenschaften einen eher untergeordneten Rang in seinem tatsächlichen Denken gehabt haben. Anhand des Inhaltsverzeichnisses ist der institutionalistische Charakter seiner Philosophie bereits gut erkennbar.

Die teils pathetische Überhöhung beispielsweise von Caesare Borgia dient wohl vor allem der erzählerischen Aufwertung seiner Werke.

  1. Arten der Herrschaft und Wege, zu Ihr zu gelangen
  2. Erbliche Fürstenstaaten
  3. Gemischte Fürstenstaaten
  4. Warum sich das Reich des Darius […] nach Alexanders Tod gegen seine Nachfolger nicht erhob
  5. Wie Fürstenstaaten oder Monarchien zu regieren sind, die vor der Eroberung ihre eigene Verfassung hatten
  6. Von neuen Herrschaften, die durch eigene Waffen und Tapferkeit errungen wurden
  7. Von neuen Fürstenstaaten, die durch fremde Unterstützung und durch Glück erworben werden
  8. Von Solchen, die durch Verbrechen zur Herrschaft gelangen
  9. Von der vom Volke übertragenen Herrschaft
  10. Wie die Kräfte der Fürstenstaaten zu beurteilen sind
  11. Von geistlichen Fürstenstaaten
  12. Von den verschiedenen Arten der Truppen, insbesondere Soldtruppen
  13. Von Hilfstruppen
  14. Was der Fürst im Kriegswesen zu beobachten hat
  15. Wodurch die Menschen und vor allem die Fürsten Lob und Tadel verdienen
  16. Von der Freigiebigkeit und der Habsucht
  17. Von Grausamkeit und Gnade
  18. Inwieweit ein Fürst sein Wort halten muss
  19. Vor Verachtetwerden und Gehaßtwerden hat man sich zu hüten
  20. Ob Festungen und andere Vorkehrungen, die von Fürsten getroffen werden, nützlich oder schädlich sind
  21. Wie ein Fürst regieren muss, um Ansehen zu gewinnen
  22. Von den Staatssekretären der Fürsten
  23. Wie Schmeichler gemieden werden müssen
  24. Wie die Fürsten Italiens ihre Herrschaft verloren haben
  25. Welchen Einfluss das Schicksal auf die Angelegenheiten der Menschen hat
  26. Aufruf, Italien von den Barbaren zu befreien

Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio

Die Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius stellen das philosophische Hauptwerk von Niccolo Machiavelli dar. Abgekürzt bezeichnet man die Schrift als Discorsi.

Das Werk entstand ebenfalls während seiner Verbannung auf dem Landgut Casa Machiavelli in der toskanischen Gemeinde San Casciano in Val di Pesa. In den Discorsi offenbart der Florentiner bereits im Vorwort die tatsächlichen Absichten seines politischen Handelns.

Im Gegensatz zur gängigen Interpretation handelt es sich bei Niccolo Machiavelli nämlich keineswegs um einen Denker, dem der Machterhalt der Fürsten über alles geht. Vielmehr zeigte er deutlich auf, dass Politik dem Allgemeinwohl dient.

Glücklich der Staat, der einen Weisen hervorbringt, der ihm bleibende Gesetze gibt, unter denen er lange Zeit sicher leben kann! […] Weit schlechter daran ist ein Staat, […] der sich selbst eine neue Ordnung geben muss. Am unglücklichsten aber ist der Staat, wo am wenigsten Ordnung herrscht, und das ist der Fall, wenn seine Einrichtungen ganz vom geraden Wege abweichen […].

Der Machterhalt eines Fürsten hat für ihn einen instrumentellen Charakter. Dadurch sollen blutige Umstürze und Revolutionen vermieden werden, die seiner Meinung nach mit großem Übel für die Bevölkerung verbunden sind. Vor dem Hintergrund seiner persönlichen Erfahrungen ist das auch eine sehr glaubwürdige Position.

In den Discorsi geht Niccolo Machiavelli jedoch noch einen großen Schritt weiter. In drei Büchern legt er seine Vorstellungen dar:

  1. Innere Politik
  2. Äußere Politik und Kriegsführung
  3. Die handelnden Individuen

Als politischer Philosoph erbrachte Niccolo Machiavelli mit diesem Werk eine besondere Leistung. Zunächst bündelte er die antiken Erkenntnisse zum Kreislauf der Verfassungen.

Aber darüber hinaus schafft er mit den Äußeren Beziehungen ein neues Feld für politische Theorien, die heutzutage beispielsweise von Lehrstühlen der Internationalen Politik bedient werden. Deshalb nennt man ihn den Vater der Politikwissenschaft.

Bedeutung für die Nachwelt

1527 verstarb Niccolo Machiavelli an einem Magenleiden. Zu diesem Zeitpunkt war er eine unbedeutende und verarmte Person im Exil. Doch seine Familie bemühte sich um die Publikation der Werke. Fünf Jahre nach seinem Tod erging die päpstliche Druckgenehmigung.

Machiavellismus in der Politik

Doch im 16. Jahrhundert ruhte die Gesellschaft noch auf der moralisch-ethischen Verklärung des politischen Handelns. Deshalb wurde die funktionalistische Auffassung von Niccolo Machiavelli einerseits als höchst verwerflich wahrgenommen.

„Ich muss leider zugeben, dass Machiavelli recht hat.“

Friedrich der Große

Aber andererseits sahen viele Denker der frühen Neuzeit hierin auch die Basis für eine gänzliche neue politische Ideologie, den Machiavellismus. Diese politische Programmatik zielt auf die Erlangung und Erhaltung von politischer Macht ohne Rücksicht auf Recht oder Moral.

„Eines der kräftigsten Mittel gegen Verschwörungen ist es, allgemeinen Hass und Verachtung des Volkes zu vermeiden.“

Einer solchen Begrifflichkeit steht jedoch entgegen, dass Niccolo Machiavelli gar keine Theorie entwickelt hat, sondern Grundlagenarbeit leistete. Zum einen hat er die antike Verfassungstheorie aufgearbeitet. Zum anderen hat er parallel in einer Art populär-wissenschaftlichem Spin Off pragmatische Empfehlungen gesammelt.

Die Werke von Niccolo Machiavelli sind ein Bindeglied zwischen politischer Philosophie und Politikwissenschaft. Darüber hinaus wird in der Gegenwart stark bezweifelt, dass Niccolo Machiavelli selbst ein Anhänger des ihm zugeschriebenen Machiavellismus gewesen wäre.

Tatsächlich hatte er ein organisches Bild vom „Staatskörper“. Niccolo Machiavelli zieht den Vergleich zu Ärzten, die wirksame Mittel gegen Gebrechen und Krankheiten des Körpers suchen und anwenden. Als besonders bedrohlich sah er blutige und unkontrollierte Systemwechsel an.

Insgesamt basiert der politische Machiavellismus vor allem auf einer Überdehnung des tatsächlich Gesagten beziehungsweise Geschriebenen. Dennoch hatte der Begriff soviel Einfluss in politischen Diskursen, dass sich ein Niederschlag in der Psychologie findet.

Machiavellismus in der Psychologie

In Anlehnung an Eigenschaften, die im Buch Der Fürst beschrieben werden, wurde ein Persönlichkeitsmerkmal nach Niccolo Machiavelli benannt. Dieses gehört noch dazu zur sogenannten dunklen Triade: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

„Man soll den Menschen entweder schmeicheln, oder sie sich unterwerfen.“

Im psychologischen Sinn handelt es sich bei einer Person um einen Machiavellisten, wenn diese:

  • sich manipulativ verhält und nur in geringem Maße emotional einbringt.
  • nur eine geringe Bindung an Moral und Ideologien aufweist.
  • sich im sozialen Verhalten an unterschiedliche Situationen anpasst.
  • sich im Verhalten nicht selbst reguliert oder gegenüber anderen Grenzen kennt.